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[MMFF] Rettung oder Verdammnis?

GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
19.01.2011
15.05.2012
7
12.907
 
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19.01.2011 1.681
 
In den nächsten Kapiteln wird das Augenmerk mehr auf die anderen Schüler gerichtet werden... Hat auch lange genug gedauert, wa? ;)


Von Dingen, die unpraktisch und verboten sind


„Guten Morgen, meine Lieben!“, rief Evelyn McDaniels freudig aus, als sie schwungvoll das Klassenzimmer betrat. Heute würde sie die erste Stunde Biologie unterrichten, danach dann Musik.
„Guten Morgen, Miss McDaniels...“, erklangen die Stimmen Cassies und Hayleys. Zenyatta hatte sich auf ein Nicken beschränkt, während ein anderes Mädchen mit dunkelbraunen, schulterlangen Haaren einfach nur mit einem verträumten Blick nach vorne schaute.  
Cleo hatte nur einen kurzen, desinteressierten Blick von dem Mädchen namens Hayley bekommen, während Maya auch bei ihrem Eintreten nicht reagiert hatte. Die Blonde runzelte kurz die Stirn. Hier trafen wirklich viele verschiedene Charaktere aufeinander, und einmal mehr dankte sie Miss Rozier im Stillen dafür, dass sie sie mit Cassie zusammengebracht hatte.
„Oh, wie ich sehe, haben wir eine neue Schülerin!“, rief die Lehrerin mit immer noch fröhlicher Stimme. Anscheinend war sie diese Art von Begrüßung schon gewöhnt, denn sie achtete nicht weiter darauf, nur von der Hälfte der Klasse begrüßt worden zu sein. Cleos Blick schoss wieder nach vorne und sie lächelte ein wenig schüchtern.
„Ja, guten Morgen, Miss McDaniels...“, sagte nun auch sie mit etwas leiserer Stimme, als die Frau mit einem netten Lächeln auf sie zutrat. Jetzt, etwas näher betrachtet, fiel Cleo auf, dass die Haare der Frau... Federn waren! Die Fünfzehnjährige spürte ob dessen sofort eine wohlige Wärme in sich, war dies doch der erste Mutant mit optische Auffälligkeiten, die sie bis jetzt zu Gesicht bekommen hatte.
„M-Mein Name ist Cleo!“, schob sie nach und stand auf, als die Lehrerin vor ihr stehen blieb.
„Na dann willkommen Cleo! Ich bin Evelyn McDaniels, Lehrerin für Biologie und Musik an dieser Schule. Wann bist du denn angekommen?“
„Gestern Nacht erst...“
„Ja, Miss Rozier hat mich um elf Uhr geweckt, damit ich sie in Empfang nehme!“, mischte nun auch Cassie mit.
„Um Elf Uhr? Das merkt man euch beiden aber gar nicht an!“, lachte Evelyn und stemmte ihre Hände in die Hüfte, woraufhin Cassie lachte.
„Kann ja nicht jeder so ein Morgenmuffel wie Hayley sein...“, sagte sie mit neckischer Stimme und schaute auf ein weiteres braunhaariges Mädchen, dessen Locken ihr um die schmalen Schultern fielen. Sie verzog nur kurz den Mund in Richtung der Jüngsten, bevor sie sich wieder dem Block vor sich widmete und mit der Zunge an ihrem Lippenpiercing spielte.
Evelyn kicherte kurz ob dessen, doch ließ die Sache auf sich beruhen.
„Nun Cleo, auf welcher Schule warst du denn vorher?“
Die Blonde wurde rot und schluckte etwas unsicher.
„Naja, eigentlich... auf gar keiner...“
„Auf gar keiner?“, fragte die Erwachsene und sah sie fragend an. Cleos Augen zuckten zu ihrem Kopf, an dem die Federn sich irgendwie immer zu bewegen schienen. Sie fielen ihr in kürzen Federn in die Stirn, und waren dann so gestuft, dass sie ihr Gesicht umrahmten. Die Farben waren nicht minder interessant, an den Spitzen erkannte Cleo ein helles Blau, wie sie es von Kanarienvögeln kannte. Dann gingen sie in ein helles Rot über, dann in Orange, und dann zum größten Teil auch wieder in ein Kanarienvogel grün. Cleo mochte dieses Farbenspiel und konnte sich erst davon losreißen, als die Frau sie erneut ansprach.
„Kannst du denn lesen, rechnen, schreiben? Wo bist du aufgewachsen?“
Sofort antwortete die Neue.
„Ja, Omi und Opi haben mir alles beigebracht... Und aufgewachsen bin ich in einem Haus im Wald“, lächelte Cleo ob der Erinnerung.
„Ach im Wald! Das ist ja herrlich!“, rief Evelyn und legte ihre Hände zusammen.
„Klasse!“, rief sie und ging wieder nach vorne an die Tafel.
„Ich denke, zur Feier des Tages werden wir den Unterricht nach draußen verlegen. Wir werden uns die Bäume im angrenzenden Wald anschauen, wie gefällt euch das?“, fragte sie euphorisch und ihre hellgrünen Augen, die ganz der Farbe ihrer Federn entsprachen, leuchteten.
„Sehr schön!“, rief Cassie sofort.
„Draußen ist es heute schön sonnig...“, hörte Cleo nun eine neue Stimme, und als sie ihre Augen nach links wandte, erkannte sie, dass Maya das erste Mal heute Morgen gesprochen hatte. Ihre Augen waren immer noch verträumt, doch nun blickten sie ohne Zweifel Miss McDaniels an.
„Na wenigstens versauern wir dann heute nicht im Klassenzimmer...“, dachte Hayley und atmete auf, während sie ihren Stift hinlegte, mit dem sie eben noch etwas auf ihrem Block gekritzelt hatte, und streckte sich ausgiebig. Praxis war immer besser als Theorie. Vor allem, wenn sie sich dann noch an der frischen Luft aufhielten.
„Fein fein, dann wollen wir keine Zeit verlieren. Jeder nimmt sich etwas zu schreiben mir, und bitte auch etwas zum Zeichnen, und dann laufen wir los.“
Sofort kam Leben in die Klasse, und Cleo schaute sich unsicher um. Die Frau schien das bemerkt zu haben.
„Cleo, hast du schon ein paar Unterlagen?“
„Nein, hat sie noch nicht, aber ich teile gern mit ihr!“, rief Cassie sogleich und zog sich ihre  dunkelblaue Jeansjacke wieder an.
„Okay, aber seht zu, dass sie bis Morgen eigene Schulsachen hat“, mahnte Evelyn, öffnete die Tür und trat auf den Gang hinaus. Plötzlich dran ein wunderschöner Pfeifton an Cleos Ohr, und sie spitzte ihre eh schon spitzen Ohren.
Als sie auf den Gang hinaus trat, sah sie, wie ein grüner Ara angeflogen kam und sich bei Evelyn auf die Schulter setzte. „Pauly, wir machen heute draußen Unterricht...“, flüsterte Miss McDaniels dem Vogel zu und streichelte mit einem Finger seine Brust, woraufhin der Vogel ein kurzes Krächzen ausstieß.
„Ja, das seh ich ganz genauso... Was meinst du, wohin im Wald sollten wir gehen?“
Cleo lächelte, als der Vogel erneut "antwortete" und folgte den anderen.


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Maya und Zenyatta liefen schweigend nebeneinander her. Zenyatta schwieg, weil sie sowieso nichts zu sagen hatte, und Maya fand es viel interessanter, die Kieselsteine unter ihren schwarz-weißen Ballerinas knirschen zu hören.
Die rothaarige Stumme heftete ihre Augen ebenfalls auf den Weg, aber eher um aufzupassen, wo sie hintrat. Dieser Weg war ein absolutes Ärgernis, totales Gift für ihre hohen Absätze. Sie seufzte. Auch im Wald gleich würde sie mit ihren Stilettos wieder mehr Moos und Blätter aufspießen, als ihr lieb war.
Dabei hatte sie ihre roten Lieblingspumps gerade erst gestern sauber gemacht!
Wäre sie in der Lage gewesen, hätte sie ein paar nicht sehr nette Schimpfwörter ausgestoßen. Aber Gott sei Dank würden sie gleich ein kurzes Stück auf richtiger Straße laufen, bevor sie dann den Weg über die Wiesen einschlagen und dann den angrenzenden Wald betreten würden.

„Du bist ja auch selbst Schuld, Zenyatta...“, wurden ihre Gedanken von der kühlen Stimme Hayleys unterbrochen.
„Statt einfach mal Turnschuhe anzuziehen...“, murmelte die Braunhaarige, als sie neben die etwas Größere trat und die Hände in die Taschen steckte.
Zenyatta verdrehte die Augen und zückte ihren kleinen Block, mit dessen Abreißzetteln sie sich hauptsächlich verständigte.
Nach kurzem Kritzeln hielt sie ihn Hayley unter die Nase.
„Meine Sache“, las sie laut und verdrehte nun ihrerseits die Augen.
„Fein, aber dann behalt dein Gemecker auch für dich...“, sagte sie und ihr Mund verzog sich zu einem kleinen einseitigen Lächeln, was Zenyatta nur mit einem finsteren Blick bedachte und ihr den Mittelfinger zeigte.
„Sie gleicht damit eben ihre Größe aus...“, erklärte Maya mit leiser Stimme und verteidigte ihre Zimmergenossin, während ihr Blick nach oben wanderte. So schön blau... Sie hatte die Sonne und das Himmelblau vermisst, das diesige Grau und die vielen Wolken versetzten sie immer in eine depressive Stimmung.
Zenyatta nickte zustimmend und reckte ihr Kinn nach vorne.
„Ist doch total lächerlich... Wir sind alle nicht die Größten, also warum dieser Aufwand?“, ereiferte sich Hayley jedoch immer noch. Ohne Schuhe war Zenyatta gerade mal drei Zentimeter  kleiner als sie und Maya (die gleich groß waren), doch mit diesen Schuhen überragte sie sie mindestens um fünf.
Die Rothaarige schnaubte, was so viel heißen sollte wie „Mir doch egal, es geht ums Prinzip“.
„Fein, brech dir doch alle Knochen...“, murrte die Braunhaarige und beschleunigte ihre Schritte ein wenig. Sie fragte sich, warum sie mit diesem Sturkopf in der Hinsicht überhaupt noch diskutierte.
Sie passierten das große Gatter, das die Schule umringte, und traten hinaus auf die Straße. Missmutig kickte sie einen etwas größeren Stein aus dem Weg, bevor sie ein paar Minuten später das weiche Gras unter ihren braunen Sneakers spürte.
Sie schulterte ihre blassrosa Umhängetasche anders und seufzte leicht, als sie plötzlich erschrocken zusammenzuckte.
Etwas hatte an ihrer Jeansjacke gezupft (die farblich übrigens auf ihre Tasche abgestimmt war), und als sie sich umdrehte, erkannte sie Zenyatta, die ihr eine Zigarette hinhielt.
Ihr Blick wanderte nach vorne, doch Miss McDaniels unterhielt sich gerade vertieft mit Cleo und Cassie, sodass es unwahrscheinlich war, entdeckt zu werden. Ihre Augen hefteten sich wieder auf die stumme Mutantin, und sie zögerte, den dargebotenen Glimmstengel entgegen zu nehmen.
Doch Zenyatta verdrehte die Augen und hielt ihr die Zigarette einen Tick energischer hin, sodass sie sie dann doch zögernd nahm. In dieser Macke ergänzten sich die beiden Mädchen, und ohne ein weiteres Wort ließ sie sich von der Rothaarigen Feuer geben und inhalierte tief. Zenyatta ließ ein kleines Lächeln sehen, dass ihre Nähte ein wenig spannte, und Hayley bekam eine leichte Gänsehaut ob dessen.
Einmal mehr war sie mehr als dankbar für ihre eigenen Gabe und dafür, dass sie nicht derart missgestaltet herumlaufen musste.
Zenyatta befestigte ihre Zigarette nun auf einer langen, schwarzen Zigarettenspitze, die sie sich ohne Probleme durch die Nähte hindurch und zwischen die Lippen stecken konnte.
„Ihr wisst, dass das verboten ist?“, fragte Maya, die die beiden nun eingeholt hatte und schaute auf die Zigaretten.
„Ja. Problem damit?“, fragte Hayley sogleich herausfordernd. Zenyatta wusste bereits, dass das Mädchen sie nicht verpetzen würde. Öfters stand sie nachts am gemeinsamen Fenster und frönte ihrer Sucht, und jedesmal wurde sie nur mit einem Satz darauf hingewiesen, dass das gegen die Schulregeln verstieß. Sie nickte nur jedes Mal, ohne einen weiteren Abrisszettel zu dem Thema zu verschwenden.
„Nein, ich wollte es nur erwähnt haben...“, antwortete die Braunhaarige mit unveränderter Stimmlage und ging mit leichtem Schritt an den beiden Mädchen vorbei, die sich nun etwas zurückfallen ließen, jedoch immer darauf bedacht, ein Auge auf die Lehrerin zu haben.
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