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Nachtglitzer

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Altaïr Ibn-La'Ahad
17.01.2011
01.04.2013
22
46.216
3
Alle Kapitel
112 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.01.2011 2.009
 
Halli Hallo,
ich bedanke mich für die vielen Zugriffe und die beiden Reviews. Ein großes Dankeschön geht Anubis86, die sich die Mühe gemacht hat das Kapitel zu korregieren. Danke!
Schneller als gedacht kommt heute schon das neue Kapitel. Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

Viel Spaß.


Erstes Kapitel: Windhauch



Seit Stunden, so kam es ihr vor, lief sie nun schon über den gelb-roten Sand. Niemandem war sie begegnet. Keine Pflanze und keine Wasserquelle hatte sie gesehen. Es gab nichts außer dem Sand unter ihr und der sengenden Hitze über ihr. Die Sonne stand mittlerweile so hoch am Himmel, dass sie davon ausging, dass es sicherlich schon Mittag war, aber so genau konnte sie das nicht sagen. Sie hatte es nicht gelernt, die Stunden an der Sonne und dem Mond ablesen zu können. Wozu hätte sie es auch lernen sollen? Bislang hatte sie darin keine Notwendigkeit gesehen.
Alena blieb stehen und sah sich um. Trotz der nunmehr herrschenden Helligkeit und der Tatsache, dass sie niemanden sehen konnte, fühlte sie sich unwohl. Ganz so als wenn man sie beobachtete. Sie wusste, dass es unsinnig  war, wer sollte sie schon verfolgen? Wo sollte dieser Verfolger sich verstecken? Hier gab es nichts, wo man sich hätte verstecken können und doch war es ihr, als sähe sie dann und wann weiße und schwarze Gestalten am Horizont. Kopfschüttelnd wandte sie sich ab, ehe sie sich in den weichen, warmen Sand sinken ließ. Eine Pause war genau das, was sie jetzt brauchte. Alena riss ein Stück des Brotes ab, steckte es sich in den Mund und biss dann einmal vom Käsestück ab. Das müsste bis heute Abend reichen. Sie konnte nicht sagen, wie lange sie noch durch die Wüste wandern musste, da sollte sie lieber nicht zu verschwenderisch mit den Lebensmitten sein. Außerdem, das wurde ihr erst jetzt bei der drückenden Wärme bewusst, hatte sie Wasser vergessen. Hoffentlich würde sie nicht verdursten, ehe sie die nächste Stadt oder eine kleine Oase erreichte. Seufzend ließ sie sich rücklings in den Sand fallen. Es war so verdammt warm. In der Stadt hatte sie immer zugesehen, dass sie unter einem Dach oder Stand oder auch einfach nur im Schatten stand. Leider gab es hier weit und breit nichts, was sie vor der Sonne schützte. Ihre Augen musste sie – selbst wenn diese geschlossen waren – zusammenkneifen, damit die Sonne erträglich war und nicht zu sehr blendete. Was hatte sich ihr Vater nur dabei gedacht? Wollte er sie umbringen? Wusste er denn nicht, wie unerträglich es hier war? Oder hatte er es verdrängt? Oder hatte es ihn gar nicht interessiert?
Ein Schatten ließ Alena aufschrecken. Hastig sah sie sich um. Es war ganz klar ein Schatten gewesen, der plötzlich über ihr aufgetaucht war. Ihr Gesicht wurde davon bedeckt, nur wo kam der Schatten her? Eine Einbildung oder vielleicht eine Wolke, die sich vor die  Sonne geschoben hatte? Es wäre wohl besser, wenn sie weitergehen würde, nicht dass sie noch vollkommen paranoid werden würde. Also schlug sie Brot und Käse wieder in die Decke ein und ging raschen Schrittes weiter. Das Gefühl beobachtet zu werden blieb jedoch. Es wurde auch gegen den späten Mittag nicht besser und erst recht nicht, als die Sonne langsam schwächer wurde und allmählich unterging. So heiß der Tag auch gewesen sein mochte, so kalt waren die Nächte in der Wüste. Wind wehte auf, der das Ganze auch nicht besser machte. Alena ging so lange, bis sie schließlich nicht einmal mehr die Hand vor ihren Augen sehen konnte. Erst dann wurde sie langsamer und ließ sich nieder. Bei jedem Geräusch ruckte ihr Kopf in die Höhe. Ihre Beine zitterten, ob vor Kälte oder vor Angst konnte sie nicht sagen, vielleicht auch etwas von beiden. Ihr Herz klopfte so laut, dass sie befürchtete, sein Schlagen noch meterweit entfernt hören zu können. Die Augen hatte sie geschlossen, in die dunkle Nacht zu starren ließ sie nur noch mehr in Panik verfallen. Die Sterne, die am Himmel strahlten, erzeugten leider nicht das erhoffte Licht, um viel sehen zu können. Wie konnte ihr Vater ihr das antun? Wie sollte sie hier überleben? Was wohl ihre Familie gerade tat? Wahrscheinlich waren sie alle bereits am Schlafen und sie wünschte sich, sie könnte das auch. Aber diese Kälte und die Angst machten es ihr unmöglich. Andererseits wem sollte sie hier schon über den Weg laufen? Sicherlich war niemand so verrückt, in der Nacht durch die Wüte zu laufen und dennoch konnte sie die kleine Stimme in ihrem Kopf nicht abstellen die flüsterte: „Und wenn doch jemand kommt?“

Nach weiteren vergeblichen Versuchen einzuschlafen richtete Alena sich in eine sitzende Position auf. Leider wusste sie nicht, wie man ein Feuer machte und selbst wenn sie es gekonnt hätte, würde hier sicherlich nichts sein, was sie dazu benutzen konnte. „Warum tust du das?“, flüsterte sie und sah zu den Sternen. „Ich dachte immer du hättest mich lieb, Papa.“ Gedankenverloren spielte sie mit den Sandkörnern. „Wieso nu-…“ Alena wurde unterbrochen, als sie ein Rascheln vernahm, kurz darauf legte sich eine starke, in einen Handschuh gekleidete, Hand auf ihren Mund. Instinktiv, obwohl ihr Herz schmerzhaft pochte vor Angst, begann sie, sich zu wehren. Vergebens schlug sie nach hinten aus, mit ihren Beinen strampelte sie wild. Eine weitere Gestalt tauchte neben ihr auf. Trotz des schwachen Lichts bemerkte sie, wie sich ebenjene Person zu ihr kniete, was Alena dazu veranlasste, zurückweichen zu wollen, nur die starken Hände auf Mund und Schlüsselbein hinderten sie daran. Panisch musste sie feststellen, dass noch eine weitere Person vor ihr auftauchte. Also drei an der Zahl. Alena schossen die Tränen in die Augen, ihr Herz schlug so heftig gegen ihre Brust, dass sie kaum atmen konnte. Drei gegen einen, das war unfair. Ihr Wimmern wurde durch die Hand auf ihrem Mund gedämpft. Noch einmal versuchte sie sich vergebens aufzubäumen, was die Person neben ihr kurz auflachen ließ. Ein Mann, wie sie anhand der Stimme erkennen konnte, meinte: „Wild die Kleine.“ Alenas Augen huschten kurz zu der Person vor ihr, zu der Person die gesprochen hatte, zu der Person die ebenfalls ein Mann war. Der andere nickte, ehe er, wie es schien, einen kurzen Blick mit der Person hinter ihr tauschte. Erst dann wandte er sich ihr zu. „Mein Bruder wird dich nun loslassen, solltest du etwas Dummes versuchen, finden und töten wir dich. Verstanden?“ Alena nickte, auch wenn ihr Herz kurz aussetzte. Was waren das für Menschen? Was wollten diese von ihr? Sie hatte nichts, an das sie hätten interessiert sein können. „Gut.“ Mit einem Ruck verschwanden die Hände. Alena fasste sich an die stellte ihres schlagenden Herzen, ohne dabei die Männer aus den Augen zulassen. Sie alle standen nun vor ihr, wobei sie sich unwillkürlich klein vorkam. Wie sollte sie nur aus dieser Situation wieder herauskommen? Was wollten diese Männer von ihr? Alena beobachtete, wie die Männer sich leise unterhielten, wobei sie immer wieder kurz zu ihr herüber sahen. Sprachen sie etwa von ihr? Wenn ja, weswegen? Was hatte sie getan? Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als die Männer nickten und sich im Sand niederließen. Zwei unterhielten sich leise, während der dritte seinen Gedanken nachzuhängen schien. Alena ließ ihren Blick umherwandern. Wenn sie nun aufstand und in die Dunkelheit rannte, würden die Männer sie nicht mehr sehen können, oder? Sie schielte zu den Männern. Sollte sie? Wer konnte schon sagen, was diese mit ihr anstellen würden. Sie atmete einmal tief ein, die Drei schienen nichts bemerkt zu haben, soweit sie das sagen konnte. Immerhin trugen sie alle eine weiße Robe mit einer Kapuze, die sie tief ins Gesicht gezogen hatten, sodass sie die Gesichter nicht erkennen konnte. Eine rote Schärpe hing vom Gürtel hinab. An ebenjenem Gürtel befanden sich auch ein Schwert und kleinere Dolche. Alena sah noch einmal ins Dunkle. Nein, sie musste es versuchen, sie konnte nicht einfach hier sitzen und abwarten, was werden würde.  Sie atmete tief durch, rappelte sich so schnell wie möglich auf und rannte. Ihr Herz raste, ihr Blut rauschte in ihren Ohren. Sie rannte immer weiter, so schnell sie konnte, ohne sich umzudrehen.
1 Sekunde…..2 Sekunden…..3 Sekunden…..4 Sekunden…..5 Sekunden….
Dann, als sie dachte sie hätte es geschafft, spürte sie eine Hand in ihrem Nacken, die sie zu Boden zwang. Eine zweite Hand fasste ihren Oberarm. Alena schrie auf, als sie zu Boden gezwungen wurde. Tränen sammelten sich in ihren Augen. Sie hatte es nicht geschafft. Schmerzhaft wurde sie in die Höhe gerissen und starrte in das verdeckte Gesicht von einem der Männer. Lediglich die untere Mundpartie war zu erkennen. Sie sah wie er den Kopf schüttelte. „Habe ich dir nicht gesagt was passiert, wenn du etwas Unüberlegtes tust?“ Alena schluchzte, nickte aber. „Bist du mutig oder einfach nur blöd, wenn du trotzdem etwas Dummes tust, trotz meiner Warnung.“ Einen Moment schwieg er. Musterte er sie? Oder dachte er über etwas nach? „Was also soll ich nun mit dir machen?“ Er legte den Kopf schief. Alenas Herz hämmerte wild. „Mich gehen lassen“, flüsterte sie, ihr ganzer Körper zitterte. Ihr Oberarm, der noch immer von der starken Hand umfasst wurde, pochte schmerzhaft. Das Schnauben des Mannes vor ihr, ließ ihre Nackenhaare zu Berge stehen. „Das geht nicht, Kleine.“ Alena schluchzte. „Warum?“ „Das weißt du, Kleine.“ Damit zerrte er sie zu den anderen beiden Männern zurück, wo er sie unsanft in den Sand drückte. Die beiden schienen nicht einmal Notiz von ihr zu nehmen, nun gut sie konnte jedoch auch nicht sehen, wo sie hinblickten. Alena sah zu jenem Mann, der sie eingefangen hatte. Er hatte gesagt, sie wüsste, warum die Männer sie gefangen hielten. Doch ihr fiel nichts ein, was jemanden dazu veranlasst hätte, nach ihr zu suchen. Sie wusste nicht, warum man sie so unfreundlich behandelte. Einige Zeit begnügte sie sich damit, angestrengt den Gesprächen zu lauschen, jedoch verstand sie nichts von dem, was die Männer untereinander sagten. „Du solltest schlafen, Kleine.“ Alena schreckte auf, ehe sie den Kopf schüttelte. Sie würde nicht schlafen, solange sie bei diesen Männern war, wer wusste schon, was diese mit ihr machen würden. Jener der sie gefangen hatte, richtete ein weiteres Mal das Wort an sie. „Wir reisen mit dem Sonnenaufgang weiter und werden keine Rücksicht auf dich nehmen, Kleine. Schlaf. Wir werden dich schon nicht im Schlaf meucheln.“ Daraufhin ertönte das kurze, leise lachen der Drei. Alena runzelte die Stirn. Hatte sie etwas verpasst? Hatte sie ein Detail übersehen, oder warum zierte ein Lächeln die Münder der Männer. „Ich bin nicht müde.“ Alenas Stimme klang in ihren eigenen Ohren brüchig und verschüchtert wie die eines kleinen Kindes. Einer der Männer zuckte mit den Schultern. Alena seufzte, blickte dann zu den Männern. Zwei hatten sich auf dem Sand zusammengerollt, wahrscheinlich schliefen sie. Nur der Dritte saß im Sand und schien irgendwohin zu blicken. „W-wo bringt Ihr mich hin?“ Der Mann schnaubte. „Tu nicht so, Mädchen, du weißt genau, warum wir hier sind. Du weißt auch, wohin die Reise gehen wird.“ Alena schüttelte prompt den Kopf. Nein, eben das wusste sie nicht. „Ich verstehe nicht.“ Der Mann wandte ihr den Kopf zu, das Gesicht noch immer verdeckt. „Wir werden sehen – nun schlaf und nerv nicht!“ Seine Tonlage ließ keinen Wiederspruch zu, weswegen sie sich langsam in den Sand fallen ließ, jedoch so, dass sie die Männer beobachten konnte. Tränen hatten sich in ihren Augen gesammelt, die nun ihre Wange hinab liefen und dann leise auf dem Sand aufschlugen. „Papa“, flüsterte sie. Wie gerne wollte sie nun bei ihm, in seiner Umarmung, sein. Stattdessen lag sie hier, im Beisein fremder, eigenartiger Männer und sie wusste nicht einmal, was diese mit ihr vorhatten oder wo diese sie hinbringen wollten. Irgendwann driftete sie doch in einen leichten schlaf ab und sah somit nicht, wie der Mann seine Kapuze zurückschlug. Zum Vorschein kamen Bernstein-braune Augen, kurzes dunkelbraunes Haar und eine Narbe, die sich auf der rechten Seite über die Unter- und Oberlippe zog. Seufzend fuhr sich der Mann durchs Haar, ehe er zu der Schlafenden blickte. Welch undankbare Aufgabe. Ein Mädchen einzufangen und das nur, weil er zum Novizen degradiert worden war und nun seine Ehre wiederherstellen musste.



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Lg Stella
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