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Peaceful

von Fleny
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P6 / Gen
13.01.2011
13.01.2011
1
2.309
 
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13.01.2011 2.309
 

Mir war so danach, mal wieder was Kurzes zu schreiben und hier ist es.
Wahrlich nicht perfekt, einfach nur irgendwas was mir so in den Sinn kam, aber vielleicht unterhält es euch für ein paar Minuten ^^
Rechtschreibung diesmal net beachten, ich hab zwar drüber gesehen, aber mein Kopf ist nicht mehr fähig zu denken...
Viel Spaß ^^




Der weiche weiße Stoff glitt raschelnd von meiner Hand und fiel fast lautlos zu Boden.
Leise Musik drang von irgendwoher an mein Ohr, vermischte sich mit dem leisen Knistern des Feuers und beruhigte meinen leicht erhören Herzschlag.
Immer mehr Kraft kosteten mich die kleinsten Dinge, raubten mir die Luft und ließen das Blut schneller durch meine Venen pumpen.
Gehen. Sprechen. Atmen...
Selbst zuviel denken wurde zur Qual. Wie zäher Honig zogen sich die Gedanken, fast unmöglich sie zu fassen durch den Schmerz der mein ständiger Begleiter war.

Aber mein Körper war noch zu stark um endlich der Last nachzugeben, die immer schwerer wurde.
Die Ärzte sagten mir mit Bedauern, das mein Leben bald ein Ende fand, doch ich teilte ihre Meinung nicht.
Den Kampf hatte ich aufgegeben. Verloren war er ohnehin schon lange.
Wozu also warten? Die Zeit bestimmte schon zu lange ihr eigenes Tempo...
Als ich noch den Willen hatte zu leben, nicht bereit war meine Rolle in dieser Welt an einen Anderen abzutreten, da rann sie mir durch die Finger wie der staubige Sand vor den Toren meiner Stadt.
Doch jetzt, wo ich wartete, wo ich mit jeder Sekunde des Schmerzes mehr das Ende herbei sehnte, da schien sie keinerlei Eile zu verspüren.

Doch nun blieben mir nur noch Tage, vielleicht Stunden, zu einem Zeitpunkt, an dem ich auch nicht mehr warten wollte, aber Gott schon so oft seine eigenen Pläne gehabt.
Wer wusste schon, welchen Streich er mir diesmal spielte...
Ich wurde gebraucht, sicher, meine Neffe war noch nicht bereit und Guy vernichtete den Frieden, den ich so mühevoll Tag um Tag aufrecht erhielt, aber darum musste sich nun jemand Anderer kümmern.
Ich hatte getan was ich konnte um den Krieg zu verhindern, aber was nach meinem Tod kam konnte selbst ich nicht mehr beeinflussen.
Und ich ersparte es mir, weiter darüber nachzudenken.

Frieden fand ich in der Hölle sowieso nicht und ganz tief in meinem Inneren wusste ich, das Jerusalem unter gehen würde sobald ich diese Welt verlassen hatte, aber Menschen hatten das angeborene Talent Dinge so tief in sich zu verdrängen, das sie nicht mehr von Bedeutung waren.
Ich starb, wer konnte mir vorwerfen das ich es mir leichter machte?

Die Türen vor mir standen offen und gaben den Blick auf den kleinen Balkon frei, den ich früher immer beim Frühstück benutz hatte. Als ich noch den Drang nach Normalität verspürte.
Ein leichter Wind bewegte eine der Türen und sie knarrte leise. Ich spürte die Luft nicht mehr an der Haut, sie war völlig taub und nur an meinen Augen registrierten ich den leichten Luftzug.
Die Maske verdeckte immer noch die Fratze, in die sich meine Gesichtszüge verwandelt hatte und ich lauschte den kaum wahrnehmbaren Geräuschen im Nebenzimmer.

Wie jeden Abend das gleiche Ritual.
Ich zog mich zurück, setzte mich neben den kleinen Tisch aus dunklem Holz, legte die Beine auf den samtbezogenen Hocker und wartete.
Mein Abendessen stand neben mir zusammen mit einem Glas rotem Weins und auch heute entlockte mir der würzige Geruch des gebratenen Fleisches keinerlei Hungergefühl.
Nebenan wurden die Laken des großen Himmelbettes aufgeschlagen und das Schlafzimmer für die kommende Nacht vorbereitet.
Die Sonne stand tief, warf ihre letzten Strahlen und färbte sich langsam in kräftiges Orange.
Ich ließ die Eindrücke auf mich wirken, vielleicht war es mein letzter Sonnenuntergang...

Ich wartete, bis die Tür zum Schlafzimmer leise geschlossen wurde und setzte dann einen Fuß nach dem anderem auf den Boden.
"Das Zimmer ist bereit Mylord."
Die leise Stimme ertönte wie jeden Abend und ich lächelte sanft. Der kurze Augenblick des Tages, der mein Herz zum schlagen brachte ohne Anstrengung.
Es gab nur noch sehr wenige Momente, an denen ich mich den Lebenden näher fühlte als dem Tod, aber wenn ich diese braunen Augen und das sanfte Lächeln sah, bescherte mir das einen gewissen Frieden.
Ich stütze mich auf die Armlehnen und hob mich stöhnend aus dem Sessel.
Wie immer wartete die kleine zierliche Gestalt mit gesenktem Kopf vor der Tür, während ich mühsam auf die Beine kam.

"Habt Ihr sonst noch einen Wunsch Mylord?"
Ich liebte diese Regelmäßigkeit. Jeden Abend spielten wir dieses Spiel und jeden Abend verneinte ich ihre Frage. Selbst jetzt, wo das Ende immer näher kam...
Seit einem halben Jahr war sie in meinen Diensten und wir sprachen niemals mehr als unsere eingespielten Worte und dennoch...
Sie schien mich besser zu kennen als die Meisten und zur Abwechslung fühlte ich mich einmal nicht unwohl im Beisein anderer Menschen.
Einige Sekunden blieben wir voreinander stehen und sahen uns an. Meter trennten uns, aber aus ihrem Blick strahlte mehr Wärme, als die Sonne oder jedes Feuer mir jemals zu geben imstande war.

Ein kurzes Lächeln huschte über ihre schmalen Lippen, kaum sichtbar aber dennoch vorhanden und ich wünschte mir nichts mehr, als das sie die Erwiderung in meinen Augen erkennen konnte.
"Ich wünsche Euch eine geruhsame Nacht Mylord", sagte sie mit einem Blitzen in den Augen, das mir die Haare aufstellen ließ und ich runzelte verwirrt die Stirn.
Dieser Blick war anders...
"Ich hoffe Ihr habt angenehme Träume..." Kurz verneigte sie sich, drehte sich an der Tür noch einmal zu mir um und verschwand dann.

Ich blieb wie vom Donner gerührt stehen und sah ihr hinterher.
Was war gerade passiert? Ich sollte schöne Träume haben?
Das passte nicht in unser Spiel, so etwas hatte sie noch nie zu mir gesagt! Was war anders? Irgendwas musste sich verändert haben.
Und dieses kurze nach mir Umdrehen an der Tür...
Ein seltsames Gefühl beschlich mich, während mein Blick an der Tür zu meinem Schlafzimmer hängen blieb.

Langsam drückte ich die Klinke runter, schob das schwere Holz auf und spähte in den Raum.
Es war nicht zu erkennen, ob irgendetwas verändert war und so ging ich einige Schritte hinein.
Mein Misstrauen war erwacht.
In meiner Position lernte man schnell stets mit Vorsicht an das Unbekannte heran zu treten und ich spitzte die Ohren.
Ich traute ihr nicht zu, das ausgerechnet sie einen Anschlag auf mich verüben könnte, aber wer wusste schon was in manchen Menschen vor sich ging?
Obwohl das zu dem jetzigen Zeitpunkt eigentlich völlig überflüssig war. Ich wurde immer Schwächer, war schon jetzt durch die Nervosität und der wenigen Bewegung schwer am Luft holen, warum sollte man mich jetzt noch ermorden wollen?

Nichts rührte sich, kein Laut war zu hören und ich stieß laut die Luft aus.
Ich hatte tatsächlich noch Angst vor einem Anschlag...
Machte ich mir etwas vor, wenn ich mir sagte, ich fürchtete den Tod nicht mehr? Wie sonst war zu erklären, das ich derart reagierte?
Ich verdrängte die aufkeimenden Zweifel und runzelte suchend die Stirn.
Warum hatte sie sich so anders verhalten? Es musste einen Grund dafür geben, nur welchen?
Und wo fand ich diesen?

Ich bezweifelte, das sie ein großartiges Versteckspiel mit mir veranstaltete, dafür wusste sie zu viel über meine körperliche Verfassung, also schloss ich Kommoden, Fensterbänke und den Fußboden aus meiner Suche aus.
Langsam umwanderte ich das Bett, suchte nach einem Anhaltspunkt, aber ich fand nichts.
Nichts, was anders war als jeden Abend.
Frustriert ließ ich mich mit schmerzenden Gliedern auf der Bettkante nieder.
Mein Bett war aufgeschlagen, die Kissen kräftig aufgeschüttelt und...
Was war das?
Ein kleiner roter Faden linste unter dem weißen Bezug meines Kopfkissen hervor und ich fuhr vorsichtig mit den Fingern daran entlang.

Es war ganz leicht daran zu ziehen und ein kleines gefaltetes Stück Papier rutschte unter dem Kissen hervor.
Der Faden war sorgfältig darum verknotet worden, hielt es zusammen und ich wickelte ihn vorsichtig ab.
Nichts war geschrieben auf dem Umschlag, ich hatten ihn von beiden Seiten eingehend studiert und so faltete ich das feste Papier zögerlich auseinander.
Mein Herz pochte erstaunlich stark, als ich die feinen Linien erkannte, die meinen Namen bedeuteten und den kurzen Text überflog.

Es war eindeutig eine Frauenhand an diesem Werk gewesen und ich lächelte unwillkürlich, wenn ich an die schlanken Hände mit den grazilen Fingern dachte, die mir diese Nachricht da gelassen hatten.
Mir war nicht einmal bewusst gewesen, das sie schreiben konnte, aber im Grunde wusste ich auch kaum etwas von ihr.
Völlig unbewusst hielt ich die Luft an, während meine Augen die Worte ins sich aufnahmen und direkt in meine Seele transportierten...


Balduin... Mein König... Mein Herr... Mein heimlich Geliebter...

Die Zeit war stets mein größter Feind, entreißt sie mir doch Stück für Stück mehr von Eurer Seele ohne das ich etwas dagegen tun kann, und nun scheint sie mir kaum mehr die Möglichkeit zu gönnen, Euch endlich zu berichten was ich Euch schon so lange mitteilen möchte....

Jeder Tag der vergeht wird nur durch die wenigen Augenblicke die ich hier in Euren Räumen, in Eurer Nähe verbringen kann zu einer erträglich süßen Qual, die von Sehnsucht und Liebe getränkt mein Herz weiter im Gleichtakt mit Eurem schlagen lässt.

Ich fühle mich Euch so nahe, wenn Ihr vor mir steht, mir mit Euren warmherzigen und tiefgründigen Augen bis auf meine Seele blickt und doch.... Ihr scheint nicht zu sehen, was so sichtbar ist, Ihr scheint nicht zu spüren, was jeden Abend den Raum mit einer Spannung versetzt, das es mir fast unmöglich wird Euch fern zu bleiben und zuzusehen, wie Ihr Euch immer mehr verliert.

Mein Verstand sagt mir, es wäre soviel leichter, soviel besser Euch nicht zu lieben, doch das Herz geht nun mal seine eigenen Wege.
Ich weiß, das ich nicht mehr viel für Euch tun kann und ich befürchte, das ich es Euch mit meinen Worten nur noch schwerer mache, aber ich will nicht meine vielleicht letzte Chance vertan haben, nur weil ich mich für meine Gefühle schäme.

Ihr seit mein König, mein hochgeachteter Herr und ich bin nichts, aber dennoch....

Mein Herz ist das Eure, jeher seit ich das erste mal das dunkle Braun Eurer Augen sah und wird es immer sein.

Die Zweifel, die Euch quälen, die quälen auch mich.
Die Ängste, die Euch Nacht für Nacht aus dem Schlaf reißen, lassen auch mich nicht zur Ruhe kommen.
Und der Selbsthass, der immer mehr zunimmt, den ihr scheinbar für Euch selbst empfindet zerreist mir fast das Herz...

Ich kann einfach nicht länger mit ansehen, wie Ihr Euch verachtet, wie die Hoffnung immer mehr erlischt in Eurem Blick, das auch Ihr nicht allein seit und so wage ich den Schritt und bedränge Euch mit meinem Geständnis.

Ihr werdet geliebt!

Jeden Tag, jede Minute in jeder Sekunde... Ihr seit nicht allein, ich möchte nur, das Ihr dies wisst.
Euer Äußeres spielt keinerlei Rolle, ich liebe Eure Seele, Euer Sein... Immer!

Und ich werde immer die Eure sein...



Langsam ließ ich den Brief sinken und starrte Minuten lang ausdruckslos auf einen Punkt an der Wand.
Ich hatte so ein Gefühl gehabt, das in ihren Augen mehr stand, als die Verehrung für ihren König, aber das....
So viele Gefühle stürmten auf mich ein, wirbelten in einem Strudel durcheinander und mir wurden selbst im sitzen die Knie noch ganz weich.
Noch einmal sah ich das Blitzen in ihren Augen, als sie meine Räume verließ und lächelte unwillkürlich.

Mein Gott, wie blind war ich geworden? Ich schimpfte mich Feinfühlig, offen für Emotionen und Charaktere anderer Menschen und übersah doch das Wesentliche?
Aber wie...
Wie konnte sie? Für mich? Für das was ich war?
Selbst meine Schwester verachtete mich, hasste mich und das, was aus mir geworden war, wieso sollte sie...?

Ich zermaterte mir den Kopf, aber es ergab einfach keinen Sinn. Fand keinerlei Erklärung für ihre Gefühle.
Und doch waren sie da! Sie mussten!
Ein solcher Brief war nicht ungefährlich, geriet er an den Falschen und man schrieb ihn nur, wenn er von Bedeutung war.

Ein breites Lächeln schlich sich auf meine Lippen, als ich mich nach hinten fallen ließ und mich einfach dem kribbelndem Gefühl hingab, das durch meinen Körper zog.
Niemals würde ich ihr näher kommen, dafür hatte ich nicht genug Zeit und auch nicht mehr die Kraft, aber das war wahrscheinlich auch besser so.
Das ich allein blieb war fest beschlossen, spielte seit meiner Erkrankung keine wesentliche Rolle mehr in meinen Gedanken, doch würde ich behaupten mich nicht nach Zärtlichkeit und Liebe zu sehnen, wäre es eine sträfliche Lüge.

Ich blieb allein, die wenigen Erinnerungen an das Zusammensein mit einer Frau vor meinem Todesurteil verblassten immer mehr, aber mir ging es nicht mehr nur um das körperliche...
Das Wissen, das es jemanden gab dem man wichtig war, dem man etwas bedeutete bescherte dem einsamen Teil meiner Seele, der sich immer weiter zurück gezogen hatte einen Frieden, den ich so nicht erwartet hätte.

Es spielte keine Rolle mehr, wie viele Tage oder Stunden mir noch blieben, ich konnte nichts mehr ändern, weder an der Welt dort draußen noch an meinem Ableben, doch dies zu ertragen wurde ein wenig einfacher durch ihren Brief.
Ich ließ am nächsten Morgen nach ihr schicken, als meine Beine beim verlassen des Raumes unter mir  nachgaben und meine Ärzte mir die Befürchtungen wenig später bestätigten.

Ein letztes Mal benötigte ich noch die Dienste meiner schönen Dienerin, es wurde Zeit für den schwarzen Bezug der Trauer und sie lächelte traurig, als sie an mir und Godfrey vorbeiging und ins Schlafzimmer verschwand.
Ich folgte ihr. Dieses eine Mal verstieß ich gegen unsere Spielregeln und bat sie zu bleiben...

Uns waren nicht viele gemeinsame Stunden vergönnt, ich konnte ihren leisen Erzählungen kaum mehr Antwort geben, aber sie gaben mir den nötigen Frieden, nach dem ich mich so gesehnt hatte.

Ich verließ diese Welt nicht allein... Und ich verließ sie in Frieden... Mehr konnte man vom Leben nicht verlangen...



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