Zeug für Poetry Slams

GeschichteDrama / P12
09.01.2011
31.08.2014
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Der Vorhof der Hölle (Aus Akustischer Sicht)




Letztes Wochenende war ich mit meiner Freundin in der Disco. Nein kein Mainstream-Pop-Hip-Hoppening, keine fucking 90er-, 80er- oder 70er-Party oder ein Weihnachtsspecial. Nein, da kann der Durchschnitts-Death-Metaler sich ja noch gepflegt besaufen bis du Musik halbwegs hörbar ist von wegen Kult und so, oder gepflegt und in aller Ruhe Amok laufen oder bei diesem beschissenen „Disco-Pogo“ Lied einen anständigen Moshpit starten um diesen Hip-Hop-Trotteln zu Zeigen wie das richtig funktioniert. Nein, es sollte noch viel schlimmer kommen. Schon als sie sich fertig gemacht hat war ich skeptisch. Sie zog sich einen seltsamen, schwarzen Rock an, an dem viele Bänder an beiden enden angenäht waren, und überall auf den Bändern waren Stahlringe befestigt. Dann ein enges, tief ausgeschnittenes Oberteil, auch schwarz und überall außer an den wichtigen Stellen aufgeschlitzt, dazu kam noch ein Haarteil mit blauen Rasterlocken. Dann packte sie noch ein Päckchen, das ich nicht genau sehen konnte, ein. Ich wusste nicht genau wo es hingeht, also ein normales Metal-Outfit für mich.
Vor dem Club kamen mir die ersten Zweifel. Manche erschienen in Parade-Uniformen, die alle irgendwie Russisch oder Sowjetisch aussahen, andere als kämen sie von einer SM-Session und hätten keine Zeit gehabt sich um zuziehen. Irgendwie fühlte ich mich hier wie ein Mensch unter Affen, ein Waffennarr unter Pazifisten, wie ein Verfechter der Schallplatte unter CD-Freaks, also absolut fehl am Platz, aber was tut man nicht aus Liebe?. Langsam kamen immer mehr, das einzigste was sie normal für mich machte, war die Tatsache, dass sie alle Rauchten wie ein Pfälzer der versucht hat einen Schwenker an zu zünden, wie ein ungeschickter Pyromane oder ein Feuerwehrmann der zu lange im Bandherd war. Dann kamen Typen, von denen konnte man denken, dass sie jede Sekunde einen Biowaffenangriff befürchteten. Sie trugen Gasmasken und Stahlhelme. Nur dass sie Stahlhelme bunt bemalt waren. Manche trugen zu ihren Gasmasken Haarteile mit künstlichen Dreadlocks, Schaumstoffstreifen oder Plastikschläuchen, sodass sie aussahen wie Pedators die einem zwanghaft kreativen Künstler mit Neonfarben in die Hände gefallen sind.  Endlich nach einer gefühlten Ewigkeit wurde die Tür geöffnet.
Zwar war es draußen verflucht kalt, aber ich hätte das draußen um Längen dem drinnen vorgezogen. Die Geräuschkulisse, ich werde sie mal Anstands halber Musik nennen, war beschissen. Ich höre nämlich noch echte Musik. Nur Synthesizer-Klänge, durchsetzt von Samples von irgendwelchen Maschinen. Dazwischen einzelne Sätze oder Satzfetzen wie: „Tanz Schlampe!“ oder „Wenn man nur einen Hoden hat, kann man nicht ficken!“ Klar irgendwo ist sowas ganz lustig, aber dauernd und dazu noch Klangexperimente? Nein danke!. Was der Sinn und zweck dieser Experimente war kann ich auch nicht sagen. Hin und wieder kamen auch Samples aus verschiedenen Filmen wie „Hast du mir da gerade einen 'Fick dich Blick' zugeworfen?“ oder „Ich muss alle Menschen umbringen! Ich muss alle Menschen umbringen! Hey Sexy Mama, willst du auch alle Menschen umbringen?“ Ich meine, sind die zu unkreativ sich selbst was auszudenken und müssen deswegen bei Filmen klauen? Naja so oder so, es ist und bleibt größtenteils Scheiße. Vereinfacht kann man die Musik so beschreiben: Scooter in Böse. Techno in Düster. Vielleicht auch Depeche Mode in High-Speed.  
Mit einem großen Bier bewaffnet ging zu den Sitzgelegenheiten. Von dort aus konnte ich gezwungenermaßen alles überblicken. Immer mehr Leute kamen rein und fingen an zu tanzen. Naja wenn man das tanzen nennen konnte. Es sah aus wie ein Haufen durchgeknallter mit der selben Wahnvorstellung. Sah aus wie Epileptiker die versuchen imaginäre Riesenmotten erschlagen wollten. Als würden sie sich von Fesseln befreien wollen und dabei noch Kugeln ausweichen. Wie  Klone die gerade austesten welche seltsamen Bewegungen man ausführen kann. Als wurden sie von einem Hyperaktiven Puppenspieler geführt werden, der versucht die Fäden zu entwirren. Irgendwie haben sie es auch noch geschafft das ganze Passend zur Musik zu gestalten. Dazu dauernd Strobolight und Laser überall.
Etwa nach 3 Stunden kam ein Lied, in dem der, nennen wir's mal Sänger, meinte: „Nein Mann, ich will noch nicht gehen, ich will noch ein bisschen tanzen...!“ Ich höre zwar lieber Musik aber das Lied war gar nicht mal so schlecht, ich war nur komplett andere Meinung, ich wollte nur noch gehen, so schnell und weit wie möglich von hier weg.
Irgendwann bei einem Lied, das irgendwie speziell ist, haben alle Knicklichter oder andere  kleine Leuchtsachen ausgepackt und angefangen damit zu tanzen. Vor der Tür hab ich mir gerade ne Zigarette angezündet und wollte mit der kleinen LED-Lampe an meinem Feuerzeug auf die Uhrgucken, als man mir das aus der Hand riss und anfing damit zu tanzen. Erst die Drohung das Plastikschlauchhaarteil anzuzünden brachte mir mein Feuerzeug wieder. Drinnen ging es weiter mit den Lichtschlieren und den Klangexperimenten. Da ich genau gegenüber des Lasers saß sah es aus als würde ich mich mit Warp vorwärts fliegen. Zu viel Star Trek! Die Knicklichter zeichneten nur noch bunte Lichtschlieren. Und das nun schon seit mehreren Stunden. Leider kann man nicht genug Bier trinken um Spaß zu haben. Darum: Sei Metaler, Tanz mit Köpfchen! Keep on banging!