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Velours Noire

GeschichteLiebesgeschichte / P12
09.01.2011
09.01.2011
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VELOURS NOIRE


Roses Smalltalk:
Velours Noire is französisch und bedeutet „schwarzer Samt“
Nich zu verwechseln mit der deutschen Bedeutung von Velours... *blinker*


VELOURS NOIRE


Nicht das was er erwartet hatte als er dieses Etablissement betreten hatte.
Wirklich nicht.
Und jetzt sass er da, die langen Beine weit unter den Tisch gestreckt, die Unterarme in seinem weissen Hemd locker auf jenem, seine langen Finger um ein Glas Starblazer gelegt, den Kopf leicht zur Seite, die glimmenden Iriden seiner Augen verborgen unter halbgesenkten Lidern und verging beinahe vor Verzückung.
Nein, wirklich nicht das was er erwartet hatte als er sich auf der Suche nach etwas billiger „Entspannung“ in diesen zwielichtigen Schuppen begeben hatte.
Aber wer konnte auch erwarten in einem Haufen aufpolierter Glassteine, einen Diamanten zu finden?
Und dann noch einen von solch lupenreiner Qualität.
Er starrte sie nicht an, er verschlang sie.
Zuerst war da nur der Hauch einer Ahnung gewesen, dann wurde der Hauch zu einer Stimme.
Eine Stimme so weich und sanft wie schwarzer Samt.
Und die Stimme wurde zu einem Wesen als der alte, abgeschossene, rote Vorhang zur Seite geschoben wurde.
Einem Wesen, so nachtschwarz wie die Stimme.
Weiches, glänzendes Fell, schwärzer als die Nacht, ein langer, sich um die glänzende Stange, gegen welche sich das Wesen schmiegte, gleitender Schweif, das Gesicht einer ägyptischen Katzengöttin und grosse, ausdrucksvolle, grünleuchtende Augen.
Diese pantherartige Humanoide, die da oben so nachtschwarz sang, jeden im Raum mit ihrer Stimme... War das Wesen überhaupt weiblich?
Interessierte es ihn überhaupt?

„Keine Krann...“ er raunte es abwesend gegen den Rand seines Glases und oben auf der Bühne zuckten zwei schwarze Ohren, an deren Spitzen sich mitternachtsblaue, zierliche Pinsel befanden in seine Richtung und in die dunkle Stimme, die da so schmelzend sang, schlich sich ein zartes Vibrieren.
Grüne Augen mit elliptischen Pupillen, beobachteten unter schweren Lidern hervor wie er seinen Kopf in den Nacken legte, fixierten seine verwundbare, entblösste Kehle, eine raue, rosa Zunge fuhr über spitze Zähne, noch im selben Augenblick wie er selbstvergessen einen Tropfen des roten Glühen vom Glasrand leckte – und die einschmeichelnde Stimme rutschte noch etwas tiefer, vibrierte noch ein bisschen sehnsüchtiger.
Und dann war die „Bühne“ wieder leer.
Er blinzelte. Erwachte aus seiner Verzückung und liess das was da vorne sonst noch so geboten wurde an sich vorbei plätschern.

Etwas strich über den schmalen, nackten Streifen Haut zwischen Handschuh und Hemdmanschette, liess ihn den Kopf heben und einen bösen Blick auf denjenigen werfen der es wagte ihn zu berühren.
Grüne Juwelen, schwarzes Fell, ein dunkelblaues, beinahe schwarzes Kleid, amüsiert zuckende Vibrissen und nachtschwarzer Samt: „Darf ich?“
Er nickte, nicht wissend wozu er sein Einverständnis erklärte und lächelte.
„Keine Angst,“ begleitet von einem leisen Vibrieren, „ich bin nicht käuflich. Niemals, für niemanden.“
Er lachte leise, erleichtert: „Gut zu wissen...“
„Velours Noire“
Er seufzte den Namen beinahe, als er ihn wiederholte und dann feststellte: „Samt... Schwarzer Samt. Ein passender Alias. Ich...“
Velours hob eine elegante Hand, die mehr einer Pfote ähnelte, unterbrach ihn ruhig: „Ich weiss wie du dich nennst, doch mein Interesse liegt auf dem Mann hinter dem Alias...“

Ein überraschtes, etwas zu hastiges Luftholen von ihm, ein beinahe verlegenes Lächeln – wann hatte das letzte Mal jemand versucht hinter seine Maske zu blicken?
Du interessierst mich...“ ein schwaches, beinahe zaghaftes Berühren seiner Hand, „... nicht was, sondern wer du bist, mon chér.“
Er nickte, sein Haar und sein Schnurrbart schwangen weich und fliessend mit der Bewegung mit und – Velours Finger tapsten beinahe spielerisch danach.
Er lachte leise auf, fing ihre Hand ein, hob sie etwas an, strich einmal vorsichtig mit seiner Nase über den Handrücken, die langen Finger und blickte dann in diese grünen Augen: „Für jede Frage die du mir beantwortest...“
„... beantwortest du eine der meinen...“

Sie spielten, zwei Starblazer lang.
Er fand heraus das Velours Noire eine der sagenumwobenen Bastet-Kriegerinnen war; und das sie nicht in der Stadt lebte weil man sie zumeist für eine Krann hielt.
Sie fand heraus, dass er nicht immer so ausgesehen hatte und das er von einem längst vergangenen Planeten abstammte.
Und beide fanden sie heraus, dass sie sich zugetan waren.
So war es nicht weiter verwunderlich, dass sich der lange, schwarze Schweif mit dem mitternachtsblauen, zarten Pinsel am Ende wieder um ein nacktes Handgelenk schlang, sich lange, sehnige Finger wieder um eine pfotenartige Hand legten und sie auf dieser roten Samtsitzbank, deren beste Zeiten in ferner Vergangenheit lagen, immer näher zusammen rutschten.

„Du riechst gut...“ leise, begleitet von einem Schnurren und einer feuchten, schwarzen Katzennase hinter seinem Ohr, „... Du riechst wie die Wüste meiner Heimat.“
Er lachte leise, geschmeichelt; strich mit einem vorsichtigen Finger über ein gespitztes Ohr und grüne Katzenaugen fielen halb zu als er raunte: „Und dein Fell riecht nach Sonne und Vanille...“

Lachend, schnurrend und sehr dicht gegeneinander geschmiegt, sie in seinen Mantel gehüllt, spazierten sie im Morgengrauen durch die ödeste Gegend, der rote Sand knirschte leise unter ihren Schuhen.
Er hatte sie gefragt ob sie für ihn arbeiten würde, anstelle in diesem „Etablissement“ zu singen, Velours Noire hatte nicht gezögert, nur richtiggestellt: „Nicht für dich, mit dir.“

***


Brave Starr sah sich einem neuen Gegner gegenüber.
Wendig und schnell, gefährlich fauchend und erstaunlich elegant für einen Krann.

Velours fauchte mit eng an den Kopf gelegten Ohren, ihr Schweif peitschte knapp über den Sand der Mainstreet, ihre grünen Augen waren zu funkelnden Schlitzen geworden und ihre weissen Fänge blitzten mit ihren ausgefahrenen Krallen um die Wette.
Das Chepesch in ihrer Hand fing das Licht der drei Sonnen auf, funkelte gefährlich; ihr schwarzes Fell war bis zum letzten Haar gesträubt.
Und dem Marshall gelang es nur knapp ihrem Angriff auszuweichen.
„Du bist zu schnell für einen Krann...“
„Das liegt daran,“ die Stimme des Anführers der Carrion Bunch hatte einen leicht überheblichen Tonfall, „dass sie kein Krann ist. Velours Noire ist eine Bastet-Kriegerin.“
Das buschige Fell glättete sich, die Ohren zuckten nach hinten, ihre Stimme schnurrte: „Haben wir alles, Boss? Gehen wir nach Hause?“
Er nickte, murmelte sanft gegen seidig weiches Nackenfell, als er sie in die Arme schloss: „Ja mein Diamant.“

Die Augen des Marshalls ruhten ungläubig auf der leeren Stelle, an der eine kleine Rauchwolke verpuffte.

ENDE
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