Kakao heilt alle Wunden

von aislingde
GeschichteAbenteuer / P12
07.01.2011
07.01.2011
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Titel: Kakao heilt alle Wunden.
Fandom: StarTrek XI
Autor: Aisling
Personen: Jim Kirk, Winona Kirk, Frank – sein Stiefvater
Inhalt: Nachdem Jim den Wagen seines Vaters zu Schrott gefahren hat, kommt seine Mutter über Weihnachten nach Hause.
Spoiler: Leider sind die Szenen über Jims und Spocks Kindheit im Film rausgeschnitten worden, doch für die Story sollte man sie kennen. http://www.youtube.com/watch?v=U2NTsD1IFyA
Disclaimer: Star Trek gehört mir leider nicht – aber es verlockt so sehr, damit zu spielen.
Beta: Liz. Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.




Als der Wecker klingelte, sprang Jim Kirk sofort auf und lief zum Fenster.
„Mist!“, fluchte er. Es hatte schon wieder geschneit.
„Jim! Aufstehen!“, ertönte gleichzeitig die Stimme seiner Mutter. „Du musst noch vor dem Frühstück den Weg zur Straße räumen!“
„Ich bin schon wach!“, brüllte er zurück. Seine Mutter war auf Heimaturlaub und achtete darauf, dass er seine Pflichten im Haushalt erfüllte.
Hastig schlüpfte er in seine Kleidung, stürmte die Treppe hinunter, zog sich unten Schuhe und Jacke an, dann rannte er hinaus.
Der Wind war so eisig kalt, dass er doch Handschuhe und Mütze überstreifte.
Im Schuppen holte er das Räumgerät und begann mit seiner Arbeit.
Sein Stiefvater, Frank, war schuld, dass er jetzt arbeiten musste. Nicht nur, dass er Jim wirklich verprügelt hatte, nachdem er den Wagen über die Klippe gesteuert, nein, er hatte auch in einigen – wahrscheinlich sehr teuren – Gesprächen seine Mutter überzeugt, dass er arbeiten müsse, um den kaputt gefahrenen Wagen abzuzahlen.
Dabei war es das Auto seines Vaters und Frank hatte gar kein Recht, darauf zu pochen!
Frank hatte durchgesetzt, dass seine Mutter 1.000 Stunden Hausarbeit ansetzte, die Jim nun ableisten musste. Aus diesem Grund musste er auch den Schnee räumen.

Er erinnerte sich noch gut an das Gespräch mit ihr, als sie – über Vid vom Raumschiff, auf dem sie arbeitete – erklärte, warum er so hart bestraft wurde. Er hatte die ganze Zeit auf den Boden gestarrt und die Predigt über sich ergehen lassen. Nur als sie zum Schluss ganz traurig sagte, dass er eins der wenigen Erinnerungsstücke an seinen Vater zerstört hatte, blickte er hoch und sah sie an. In diesem Moment tat es ihm sehr leid, dass er das Auto kaputt gefahren hatte.

Da seine Mutter im All war, hatte Frank die Arbeiten zuerst mit harter Hand kontrolliert.
Nachdem Jim herausgefunden hatte, dass sein Stiefvater viel umgänglicher war, wenn er betrunken war, hatte er den Replikator so umprogrammiert, dass der extrastarke Kaffee nicht nur nach Rum schmeckte, sondern auch den entsprechenden Alkohol enthielt.
Seitdem trank Frank mehrere Tassen am Tag und war schon mittags so betrunken, dass er nur noch torkelnd laufen konnte. Meistens saß er dann im Wohnzimmer und sah Sportsendungen über Holovid und interessierte sich nur für seine Umwelt, wenn die Tasse leer war und er aufstehen musste, um sie nachzufüllen. Oft genug döste er ein.
Deswegen konnte Jim bei den Arbeiten trödeln und seinen Träumen nachgehen, ohne dass sein Stiefvater es merkte. So hatte er nach nur einem halben Jahr schon über ein Drittel seiner Strafe abgearbeitet.

Trotz des technischen Hilfsmittels dauerte es fast eine halbe Stunde, bis der Weg frei war.
Jim wusste ganz genau, dass bei diesem Wetter jeder, der zum Kirkschen Haus wollte, durch die Luft kam. Er musste nur den Schnee räumen, weil Frank es sich ausgedacht hatte, um ihn zu quälen. Und nur weil seine Mutter da war, räumte er den kompletten Weg. Er wollte sie nicht enttäuschen.
„Jim! Hör auf, du kommst noch zu spät zur Schule!“
Seine Mutter stand in der Tür und sah ihm zu.
„Ja, Mum!“ Er brachte den Räumer in den Schuppen und lief ins Haus. Seine Mutter erwartete, dass er noch duschte, bevor er zur Schule ging. Dafür machte sie ihm das Frühstück mit einer Tasse Kakao und verlangte zum Abschied einen Kuss.
Jim wusste nicht, woran er mit ihr war. Wenn sie zu Hause war, kümmerte sie sich um ihn und wollte Anteil an seinem Leben nehmen, aber immer wieder flog sie zu den Sternen, um zu arbeiten und ließ ihn mit seinem Stiefvater allein.
Noch zwei Wochen, dann war ihr Urlaub vorbei und sie würde ihn wieder verlassen. Vorher musste er es schaffen, mit ihr zu reden, ohne dass Frank dabei war. Beim Frühstück sah Jim sie an. Sie wirkte irgendwie traurig. Nein, es war kein guter Zeitpunkt. Vielleicht später. Erst musste er in den Unterricht.

Jim ging gerne zur Schule. Er hatte gute Noten und träumte oft davon, wie sein Vater Raumschiffskapitän zu werden.
Mit seinen Klassenkameraden verstand er sich auch gut, hatte aber keine engen Freunde, weil er niemanden mit nach Hause bringen wollte. Sie sollten nicht merken, was für einen schrecklichen Stiefvater er hatte.
Oft blieb er noch länger und verbrachte einige Zeit in der Bibliothek. Dort konnte er in Ruhe seine Hausaufgaben machen, ohne dass Frank in sein Zimmer stürmte und verlangte, dass er jetzt sofort etwas für ihn erledigte und mit Schlägen drohte, falls er nicht sofort aufsprang.

Heute beeilte sich Jim und lief nach dem Ende der letzten Stunde zur Shuttlehaltestelle. Seine Mutter wollte mit ihm Wintersachen kaufen und er wollte so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen.
Das Shuttle setzte ihn an der Haltestelle ab und den restlichen Weg musste er zu Fuß laufen.
Da er die Einfahrt geräumt hatte, musste Jim wenigstens das letzte Stück nach Hause nicht durch den hohen Schnee stapfen.
Vor dem Wohngebäude stand ein Taxi und als Jim näher kam, hievte der Fahrer einen schweren Koffer ins Frachtabteil.
„Mum?“ Jim hatte einen Kloß im Hals. Wieso musste sie so schnell wieder weg? Sie wollte doch bis nach Weihnachten bleiben.
Er lief um das Taxi herum zur Haustür. Irgendwie musste er sie überzeugen zu bleiben.

„Geh’ mir, verdammt noch Mal, aus dem Weg!“
Bevor Jim reagieren konnte, wurde er von seinem Stiefvater unsanft zur Seite gestoßen und fiel in den Schnee.
„Jimmy! Hast du dir weh getan?“ Seine Mutter lief zu ihm und half ihm hoch.
Jim schluckte ein Mal und noch ein Mal, der dicke Klos im Hals verschwand aber nicht.
Er klammerte sich an seine Mutter.
„Warum steht das Taxi vor der Tür? Ich will nicht, dass du gehst! Und wenn, dann will ich mitkommen! Lass mich nicht mit Frank allein, sonst werde ich wie Sam weglaufen. Im Gegensatz zu ihm werde ich nicht zurückkommen!“
Es sollte eine Drohung sein, aber Jim konnte nicht verhindern, dass dicke Tränen seine Wange herab liefen.
„Ganz ruhig, mein Junge.“ Seine Mutter nahm ihn in den Arm und drückte ihn. Sie roch wie eine Blumenwiese im Sommer.
Als sie mit ihm hinein ging, wischte Jim sich die Augen, um nicht mehr zu weinen. Nach einigen Versuchen schaffte er es auch.
„Wenn du wirklich wieder auf einem Raumschiff den Dienst antrittst und mich nicht mitnehmen kannst, dann lass mich doch bitte auf das Internat gehen, das auch Sam besucht. Bitte, Mum!“
Sie setzte ihn in der Küche auf seinem Stuhl ab, hockte sich vor Jim hin und sah ihn ernst an.
„Jim, ich gehe nicht.“
„Du lügst! Warum steht sonst das Taxi vor der Tür?“ Trotzig verschränkte er seine Arme vor der Brust. Warum belog ihn jetzt auch noch seine Mutter?
„Weil Frank geht.“
„Bitte?“ Ungläubig sah er sie an. „Warum auf einmal? Nicht…“ Er zögerte, schluckte und versuchte seine sich überschlagende Stimme unter Kontrolle zu bekommen. „Das wäre das tollste Weihnachtsgeschenk überhaupt, aber warum jetzt? Warum ist er überhaupt bei uns eingezogen?“
„Er geht, weil…“ Seine Mutter stand auf, ging zum Replikator, programmierte etwas und kam mit einer Tasse heißem Kakao zurück. „Frank muss gehen, weil er sich weigert, Verantwortung für sich zu übernehmen.“
Jim runzelte die Stirn und versuchte das zu verstehen. „Kannst du mir das bitte erklären?“
„Hast du festgestellt, dass er sich in der letzten Zeit anders verhält, er unsicher auf den Beinen ist oder sonst etwas seltsam ist?“
„Willst du wissen, ob er oft betrunken war?“, fragte er gerade heraus.
„Ja, genau das.“
„Fast jeden Tag.“ Jim sah den entsetzten Blick seiner Mutter und versuchte, sie zu besänftigen. „Aber dann war er mit sich selbst beschäftigt und hat mich in Ruhe gelassen.“
„Was ist alles in meiner Abwesenheit passiert, dass du so denkst?“
Bevor Jim darauf antworten konnte, nahm sie ihn in den Arm und streichelte ihn übers Haar. „Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen, Jimmy! Du hast keine Schuld. Ich bin nur gerade wütend auf mich, dass ich so blind war und nichts gemerkt habe. Du und Sam, ihr seid die Leidtragenden. Es tut mir so leid, mein Junge!“
Er genoss ihre Streicheleinheiten, aber nach einigen Minuten hatte er genug. Er war kein kleines Kind mehr. „Hauptsache er geht jetzt.“ Jim löste sich von ihr und sah aus dem Fenster nach unten.
Auch seine Mutter blickte hinab und gemeinsam beobachteten sie, wie Frank einen weiteren Koffer ins Taxi wuchtete und sich hinein setzte. Dann hob das Taxi ab und flog fort.
„Kommt er wirklich nie wieder?“ Jim wollte ganz sicher gehen, dass sein Stiefvater weg war.
„Nie wieder.“ Sie strubbelte Jim durchs Haar, sah aber immer noch in den Himmel, obwohl das Taxi in den tief hängenden Wolken verschwunden war. „Weißt du, als ich heute Morgen festgestellt habe, dass er betrunken war und ihm zur Rede gestellt habe, da dachte ich, dass es etwas einmaliges gewesen sei, aber als er behauptete, dass du Schuld daran wärst, weil du den Replikator so programmiert hättest, dass in seinem Kaffee Alkohol ist, da hatte ich das Gefühl, Frank zum ersten Mal in meinem Leben zu sehen. Ohne eine rosarote Brille.“
Mit einem schrecklich schlechten Gewissen dachte Jim daran, dass er wirklich den Replikator umprogrammiert hatte. „Mum…“, setzte er an, aber sie hob die Hand.
„Halt, ich gebe dir keine Schuld. Selbst wenn du verbotener Weise die Einstellungen am Replikator geändert hast, ändert das nichts an der Tatsache, dass Frank wusste, dass es kein harmloses Getränk mehr war. Dass er es trotzdem immer wieder trank und dann die Unverschämtheit besaß, dir die Schuld zu geben, hat mir gezeigt, dass ich mich in ihm getäuscht habe. Und so einem Mann habe ich meine Kinder anvertraut. Wie blind war ich?“
Überrascht sah Jim seine Mutter ein. Er wusste, dass er etwas Böses getan hatte, als er die Einstellung des Replikators geändert hatte. Und dafür wurde Frank weggeschickt. Er dachte darüber nach, kapierte es nicht, aber wollte seine Mutter auch nicht fragen. Zu groß war die Gefahr, dass sie es sich noch anders überlegen und Frank zurück kommen würde. Irgendwann würde er alt genug sein, um es zu verstehen.
Hauptsache, er war seinen Stiefvater los geworden. Nur sah seine Mutter so traurig aus.
Er ging zum Replikator, programmierte ihr einen Kakao und brachte ihr das heiße Getränk.
Kakao heilt alle Wunden.