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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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16.04.2021 1.890
 
Eine kleine Szene, die sich kurzfristig aufgedrängt hat.




Tanz bei Vollmond




Das Mondlicht beschien die Szenerie welche sich inmitten einer Lichtung abspielte. Zwei unsterbliche Wesen befanden sich dort und wiegten sich nach einer Melodie, die nur sie allein hören konnten. Zwischen den Bäumen verharrte ein Reh in ehrfürchtiger Starre und beobachtete die beiden Vampire. Wahrscheinlich war es zu fasziniert von diesem Tanz, als dass die Furcht vor den Vampiren überwog und es tiefer in den Wald flüchtete.

Die Vampire spürten die tierische Anwesenheit, doch schenkten ihr keine Beachtung. Sie genossen die Ruhe fernab des Schlosses auf dem Hügel der toskanischen Landschaft, dass schon Hunderte von Jahren ihr Zuhause darstellte.

So viele Dinge gab es zu regeln, so viele Vampire, die ihres Rates bedurften und so viele Unwissende, die die Regeln missachteten, dass sie oft einschreiten mussten. Irgendwann brauchten auch unsterbliche Herrscher eine Pause. Und Zeit, um etwas Zweisamkeit zu genießen.

Bei der aktuellen Politik kam es leider vor, dass Aro Sulpicia nicht die Aufmerksamkeit schenken konnte, die er ihr gern zuteil kommen lassen wollte. Sie beschwerte sich kaum darüber, da sie wusste, wie wichtig ihm die politischen Geschehnisse waren. Und er rechnete es ihr hoch an, dass sie sich selten bis gar nicht einmischte. Sie selbst wusste auch, dass sie nicht viel von dem verstand, was Aro mit seinen Brüdern hinter teils verschlossenen Türen beriet. Und wenn sie ehrlich war, dann wollte sie auch manches gar nicht wissen. Aro kannte sie in dieser Hinsicht gut genug.

Diese Position hatte Aro selbst für sich und seine Familie gewählt und manchmal fragte er sich, was ihn damals vor so langer Zeit dazu bewogen hatte, diesen Schritt zu gehen. Eine Entscheidung zu treffen, die er damals als die einzig Richtige angesehen hatte.

Sicherlich hatte an erster Stelle gestanden, das Geheimnis um die unsterbliche Welt zu wahren. Das war auch heute noch der oberste Grundsatz der Politik von ihm und seinen Brüdern. Manchmal hatte er das Gefühl, dass es zu viele Orte gab, an denen das Eingreifen der Garde notwendig war und dann fragte er sich, ob nicht etwas ganz gewaltig aus dem Ruder lief. Ob ihnen die Situation allmählich entglitt und das Auswirkungen auf ihre Akzeptanz innerhalb der unsterblichen Welt hatte. Nicht zuletzt war die unterschwellige, wenn auch unbegründete Angst ab und an präsent, dass es eine Auflehnung geben könnte, gegen sie, die Volturi, und ihre aktuelle Politik. Wie sollte man sich dem entgegenstellen, wenn es wirklich dazu kam? Das war nur eine der Fragen, die Aro stundenlang im Kopf durchging und sich verschiedene Szenarien vor seinem inneren Auge zeigten.

Doch wer, wenn nicht die Volturi sollte die Politik lenken? Wer war dazu in der Lage, so angesehen in der Gesellschaft, dass ihnen Gehör geschenkt werden würde, wenn die Geschehnisse der unsterblichen Welt neu geordnet werden mussten?

Wenn es weitreichende Entscheidungen zu verkünden gab, lud Aro alle Clanführer und Vertreter der nomadischen Vampire ins Schloss, um diese zu debattieren und sich ihre Meinungen anzuhören. Etwas, was sich erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und etabliert hatte.  Und er hatte den Eindruck, dass dieses Entgegenkommen bei anderen Clans sehr auf Zustimmung stieß. Anfangs hatte es heftige Debatten zwischen ihm und Caius und Marcus darum gegeben.



***




„Was versprichst du dir davon, unsere Politik mit den Clanführern zu teilen?“ Dass Caius nicht wirklich etwas von dieser Idee hielt, war Aro von Anfang an klar gewesen. Und dass sein Bruder damit ausdrücken wollte, dass nicht alle Vampire etwas vom unsterblichen Recht verstanden. Einzig Caius konnte man auf diesem Gebiet als Fachmann ansehen. Wer ihm in dieser Hinsicht widersprach, konnte damit rechnen, einen Kopf kürzer gemacht zu werden.

„Es wird ihnen ein Stück weit das Gefühl geben, miteinbezogen zu werden in unsere Entscheidungen. Ich denke, viele mögen nicht, dass wichtige Diskurse über ihren Kopf hinweg entschieden werden“, hielt Aro dagegen. Er kannte die Gedanken und Einstellungen so mancher Clanführer. Wenn er sich als weltoffener Herrscher präsentieren wollte, dann war es gut, sich die Vorbehalte seiner Mitvampire nicht nur anzuhören, sondern diese aus dem Weg zu räumen.

Er konnte Caius ansehen, dass er immer noch nicht überzeugt war, aber zumindest über seine Worte nachdachte. Ein erster Schritt.

„Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Dann verstehen sie unsere Absichten hinter unseren Entscheidungen und hinterfragen sie nicht zu sehr. Das könnte die Risiken einer Revolte deutlich reduzieren.“ Auch Marcus äußerte sich zustimmend.

Wer nicht wagte, der gewann nicht.



***




„Woran denkst du?“

Sulpicia riss ihn aus seinen düsteren Gedanken und Aro fokussierte seinen Blick auf ihr hübsches Antlitz, welches vom Mond beschienen wurde. Er war hier, um ihr Aufmerksamkeit zu schenken und die Zeit mit ihr zu genießen und nicht, um in seinen Gedanken zu versinken. Das hatte er in den letzten Monaten zu oft  getan. Sie schien die Antwort auf ihre Frage in seinen Augen erkennen zu können und konnte ein Seufzen nicht unterdrücken.

„Verzeih mir. Ich werde dir nicht gerecht“, entgegnete er.

Sie löste ihre Hand aus seiner und legte sie an seine Wange. „Alle paar einhundert Jahre sehe ich diese Zweifel in deinen Augen und immer wieder gebe ich dir die gleiche Antwort darauf. Diese Zweifel sind vollkommen unbegründet und das weißt du. Wenn Caius dich jetzt so sehen könnte, er würde dir deutlich machen, was er davon hält.“

Das konnte Aro sich sehr gut vorstellen. Caius wäre absolut nicht begeistert. Erst vor wenigen Tagen war er bei Aro im Arbeitszimmer erschienen.





***




„Wann gedenkst du, uns mit deiner Anwesenheit zu beehren, anstatt ständig durch Abwesenheit zu glänzen? Man könnte meinen, du seist mit deinem Schreibtisch verbunden, so selten haben wir dich in den letzten Wochen zu Gesicht bekommen.“

Aro sah kaum von der Schrift vor ihm auf, die er studierte. „Caius, du weißt, dass das hier keinen Aufschub ...“

„Wem willst du das noch weis machen Aro? Sulpicia hast du auch mehr als vernachlässigt, ist dir das bewusst? Und ich würde es schätzen, wenn du mir deine volle Aufmerksamkeit schenken würdest.“ Mit diesen Worten wurde die Schriftrolle vor Aro vom Schreibtisch gezogen und als er seinen Kopf hob, hielt Caius sie in Händen, ohne sie eingehender zu studieren. Der anklagende Blick war deutlich.

„Nimm dir eine Auszeit zusammen mit Sulpicia. Sie wird es sehr schätzen, wenn du dich ihr widmest und Zeit mit ihr verbringst. Die Geschäfte werden auch einige Tage ohne dich auskommen. Marcus und ich haben alles im Griff. Und solltest du ernsthaft überlegen, mir jetzt eine Ausrede zu entgegnen, warum du keine Zeit mit deiner Gattin verbringen kannst, werde ich dich persönlich vor das Schlosstor zerren.“

Nein, darauf hatte Aro wirklich keine Lust und die klaren und deutlichen Worte von Caius, welche dieser ihm gegenüber nur sehr selten benutzte, zeigten Aro deutlich, dass hier keine Widerworte angebracht waren. Also fügte er sich seinem Schicksal.

Caius hatte ja Recht.



***




Er nahm ihre Hand von seiner Wange und hob seinen Arm, sodass sie dazu veranlasst war, eine Drehung zu machen. Das gab ihm Gelegenheit für eine Millisekunde ihrem Blick zu entgehen und sich eine Erwiderung zu überlegen. Nicht nur in diesem Augenblick war er froh, dass es keine zwei gleichen Gaben unter Vampiren geben und dass sie seine Gedanken nur erahnen, aber nicht lesen konnte. Dass sie Caius diese Auszeit verdankten, davon wusste Sulpicia nichts und Aro würde sich hüten, ihr davon zu erzählen.

„Wenn es nur so einfach wäre, die Zweifel zu beseitigen“, seufzte er. „Ich weiß, dass ich mit Caius und Marcus zwei Weggefährten an meiner Seite habe, die hinter mir stehen und mit mir die politischen Geschehnisse kontrollieren und umsetzen. Dafür bin ich ihnen mehr als dankbar. Sie haben mir schon oft andere Sichtweisen aufgezeigt und ich vertraue ihnen bedingungslos, wenn es um rechtliche Belange geht. Auch du warst und bist mir eine sehr treue Unterstützerin und dafür bin ich dir mehr als dankbar.“

„Führe dir vor Augen, was du zusammen mit Marcus und Caius geschaffen hast. Ihr habt die Welt zu einer besseren gemacht, als ihr die Rumänen besiegt habt“, entgegnete sie mit mehr Inbrunst, als er ihr in dieser Situation zugetraut hätte.

Wir hätten sie ein für alle Mal vernichten sollen!

Nicht zum ersten Mal schoss ihm dieser Gedanke durch den Kopf. Doch damit würde er seinen Prinzipien nicht treu bleiben. Sie urteilten stets gerecht und nicht grundlos. Es hatte durchaus damals einen Grund gegeben, der für die Vernichtung der Vampirführer aus Rumänien gesprochen hatte, doch war es Aro damals nicht klug erschienen, diesen Schritt zu gehen. Es hätte die Akzeptanz der Volturi in der unsterblichen Welt nur noch mehr erschwert.

Jetzt loszuziehen und Vladimir und Stephan zu vernichten, würde zwar ein unangenehmes Problem beseitigen, aber auch neue erschaffen. Übereilte Handlungen waren selten von klugen Entscheidungen begleitet und solange die Rumänen keinen Anlass boten, auf sie aufmerksam zu werden, würde man nur aus der Ferne ein wachsames Auge auf sie haben.



***




„Und wer seid ihr?“ Diese vier Worte hatten mehr Verachtung in sich, als Neugierde. Die beiden Vampire, die sich selbst als Anführer der unsterblichen Welt bezeichneten, konnten unterschiedlicher nicht sein. Der blonde von ihnen, Vladimir, schien mehr das Sagen zu haben, als Stephan, der Dunkelhaarige.

Aro fand es interessant, dass er und seine Brüder mehr über ihre Rivalen wussten, als diese über sie. Dabei hatte er das Gefühl, dass sich sehr schnell herumgesprochen hatte, wer sich in Italien in der Toskana niedergelassen hatte.

„Mein Name ist Aro und dies sind meine Brüder Caius und Marcus“, stellte Aro sich und seine Begleiter vor. Wenn es sich vermeiden ließ, wollte er keine direkte körperliche Konfrontation. Sie waren zu nächst hier, um zu reden und die Lage zu sondieren. Übereilte Handlungen könnten hier gänzlich den falschen Weg ebnen.

„Ach, die Herren aus Italien. Was verschafft uns die Ehre?“

„Wir wollen verhandeln.“

Zweifaches Gelächter schallte ihnen entgegen. „Ich wüsste nicht, was es zu verhandeln gibt“, war Vladimir der erste, der seine Sprache wieder fand.

„Es gibt unserer Ansicht nach, bessere Wege mit den Sterblichen umzugehen. Sichere Wege, unser Geheimnis zu bewahren, denn ...“, weiter kam er nicht in seiner Erklärung und nur schwer konnte Aro sein Wut über diese Dreistigkeit hinunterschlucken.

„Das Geheimnis bewahren? Wozu?“

Aro hatte schon angenommen, dass es schwer werden würde, Gehör zu finden, aber nicht, dass es so kompliziert werden würde. Dass sie hier auf so taube Ohren stießen, ärgerte ihn maßlos.



***




„Sie verhalten sich ruhig in den letzten Jahrzehnten“, holte Sulpicia ihn in die Gegenwart zurück.

„Und genau das ist es, was mir Sorgen bereitet“, widersprach Aro. „Was, wenn sie im Geheimen etwas planen, auf das wir nicht vorbereitet sind?“

„Wenn dem so wäre, dann wüsstest du davon“, entgegnete sie. Erst vor nicht allzu langer Zeit hatte Aro neue Außenposten in Richtung Rumänien geschickt. Die Berichte deuteten nicht darauf hin, dass demnächst ein Angriff zu erwarten war.

Er wusste es sehr zu schätzen, dass sie sein Gewissen zu beruhigen versuchte. Sie war sein Rückhalt, und auch wenn er nicht alle Probleme und Sorgen mit ihr besprach und sie nicht immer einer Meinung waren, so konnte er sich ihrer Unterstützung sicher sein.

„Und jetzt vergiss diese düsteren Gedanken für eine Weile. Wir sind nicht hier, damit du ihnen noch mehr nachhängen kannst, als du es schon die ganze Zeit tust.“

Mit diesen Worten hauchte sie einen Kuss auf seine kalten Lippen, fasste ihn an der Hand und zog ihn von der Lichtung. Aufgeschreckt von dieser schnellen Bewegung, floh auch das Reh von seinem Beobachtungsposten.

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