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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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07.02.2018 1.773
 
Studien




Der Bücherstapel vor ihm auf dem Tisch war in der letzten Stunde rasant in die Höhe geschnellt und wackelte nun bedrohlich. Wie gut, dass Unsterbliche nicht atmen mussten, um zu leben. Schon der kleinste Windhauch könnte den Bücherturm zu Babel in der unsterblichen Bibliothek zum Einsturz bringen, was unweigerlich seine Vernichtung bedeuten würde. Nicht zu reden von dem immensen Schaden, den die Bücher dabei erleiden würden. Viele hier waren Unikate und würde jemand sehen, wie er hier mit den Büchern umging, wollte er sich über die Konsequenzen keine allzu detaillierten Gedanken machen.

Das war Phileas durchaus klar. Und dennoch gab es auf diesem Tisch einfach zu wenig Platz, um die viel zu vielen Bücher ordentlich darauf unterzubringen und er hatte sich schon den größten der Tische für seine Arbeit ausgesucht. Und zudem einen, der kaum den Blick auf die Ländereien währte. Dann würde er sich nur ablenken lassen und das konnte er bei seiner sowieso schon sehr knappen Zeit nicht gebrauchen.

Vielleicht sollte er seine Arbeiten auf einen weiteren Tisch ausbreiten, nur fürchtete er dann, irgendwann den Überblick zu verlieren und die Zeit saß ihm im Nacken. Nur nicht auf die Wanduhr gegenüber sehen. Dann würde der Zeitdruck vielleicht nicht zu sehr auf ihm lasten und er könnte sich einreden, er hätte noch alle Zeit der Welt. Doch dem war nicht so. Die Sekunden verrannen unaufhaltsam.

Wenn er bald keine Ergebnisse vorzuweisen hatte ….

Stopp! Wenn er weiter über das was wäre wenn nachdachte, kam er hier absolut nicht weiter.

Er atmete einmal tief durch, nur, um sich zu beruhigen und einen klaren Gedanken zu fassen. Nur nicht daran denken, dass ihn hier ein Meister mit diesem immensen Stapel sehen würde …

Phileas! Reiß dich zusammen!

„So sehr vertieft in deine Studien, Phileas?“

Der Schock hätte nicht tiefer sitzen können und er konnte von Glück reden, dass er sich so weit unter Kontrolle hatte, um nicht erschrocken zusammenzuzucken und dabei den Bücherstapel umzustoßen. Es war keiner der Meister, der ihn hier aufgesucht hatte, nein, Meisterin Athenodora stand vor ihm und musterte ihn fragend. Zumindest lag ihr Blick für einige Sekunden auf ihm, bevor ihre Augen langsam den Bücherstapel neben ihm hinaufglitten und diesen erstaunt musterten.

Er konnte nicht sagen, ob ihm ihre Gesellschaft jetzt lieber war, als die ihres Gatten, aber das war in dieser Sekunde auch unwichtig.

Phileas machte sich schon einmal für ein Donnerwetter bereit. Er konnte nicht einschätzen, wie die Meisterin hierauf reagierte. Dafür hatte er zu wenig mit ihr zu tun gehabt. Wenn sie jedoch vom Charakter her ihrem Gatten ähnelte, sollte er vielleicht um etwas Aufschub bitten, damit er wenigstens noch sein Testament schreiben konnte. Die uralten Schriften waren im Schloss heilig und das wusste jeder Schlossbewohner hier.

„Mir bleibt nicht mehr viel Zeit“, entgegnete er wahrheitsgemäß. „Noch bin ich mit meinen Fortschritten nicht zufrieden, von daher werde ich mir die nächste Nacht auch noch hierfür freinehmen, um voranzukommen. Damit ich Meister Caius hoffentlich mit meiner Arbeit zufriedenstellen kann.“

„Du arbeitest auch nachts hier?“ Sie schien erstaunt darüber zu sein, was Phileas ebenfalls verwunderte. Er hatte gedacht, das hätte sich mittlerweile herumgesprochen. Wenn andere Gardemitglieder sich hier in der Bibliothek aufhielten und es mal lauter wurde, oder für Phileas zu viel Hektik hier herrschte, hatte er des Öfteren ein genervtes Fauchen vernehmen lassen, um schnellstmöglich seine Ruhe zu haben.

„Für die Zeit meiner Studien bin ich vom aktiven Dienst entbunden. Daher nutze ich jede Sekunde, die ich erübrigen kann. Also auch nachts.“

„Wann hast du deine letzte Mahlzeit zu dir genommen?“  Sie klang immer noch keineswegs verärgert. Nur erstaunt und ehrlich interessiert, was ihn doch stark verwunderte.  Aber auch Sorge war aus ihrer Stimme herauszuhören. Anscheinend war sie doch nicht ganz so unbarmherzig, wie ihr Gatte, wie man sich erzählte.

Warum wollte sie das so genau wissen? Phileas konnte sich selbst nicht mehr genau daran erinnern und offenbar war ihm das an der Nasenspitze anzusehen. Bevor er etwas darauf antworten konnte, hatte sie bereits wieder das Wort ergriffen:

„Ich werde mit Caius reden. Es kann nicht sein, dass du Tag und Nacht für deine Studien opferst und dabei dich selbst vergisst.“

Das konnte sie nicht tun! Das wäre sein Untergang! Wie stünde er denn da, wenn sie ein Wort für ihn bei Caius einlegte? „Aber…“

„Kein Aber Phileas!“, widersprach sie ihm vehement, sodass er den Kopf einzog. „Es gibt Grenzen und eine solche hat Caius definitiv überschritten! Das kann so nicht weiter gehen und das werde ich auch nicht dulden.“

Wenn sie wirklich vorhatte, mit Meister Caius zu sprechen, dann würde das ein schlechtes Licht auf ihn werfen und das wollte er nicht. Nur, wie brachte er ihr das bei, ohne, dass sie beleidigt war? Er war ihr einerseits sehr dankbar, dass sie sich für ihn einsetzen wollte, aber nicht in dieser Situation und in dieser Form.

„Es ist wirklich sehr freundlich von Euch“, setzte er daher an und zerbrach sich den Kopf darüber, wie er seine Worte am besten weiter wählte. Sie war überzeugt, dass sie helfen sollte. Ihr zu  widersprechen, war keinesfalls einfach. „Doch ich denke nicht, dass es in dieser Situation angebracht wäre.“

„Belüge dich nicht selbst Phileas! Ich kenne meinen Mann gut genug und ich weiß, wann er maßlos übertreibt. Glaube mir, sollte er auch nur in Erwägung ziehen, dich für mein Einschreiten zu strafen, werde ich mit ihm ein sehr ernstes Wörtchen reden. Du brauchst deswegen kein schlechtes Gewissen haben.“

Aber genau da lag das Problem! Er hatte jetzt schon ein schlechtes Gewissen.



„Bitte lassen Sie mir noch diese Nacht, dann gehe ich jagen. Und vorher mache ich hier Ordnung“, bat er leise, doch die Herrschers Gattin war nicht aus, zu debattierten.  „Mal abgesehen vom Umgang mit Aros einzigartigen Büchern… Was würde passieren, wenn Caius uns hier auffinden würde. Mich, alleine, mit einem jungen Gardisten, der völlig unterernährt ist?“, fragte sie so leise, dass es Phileas einen Schauer über den Rücken fuhr. Schließlich sah er ein, dass er sowieso keine weiteren Gegenargumente hervorbringen konnte. Zum einen, da seine Vorschläge mit Sicherheit kein Gehör finden würden und zu anderen, da es sowieso sinnlos war.

Er sollte schon noch erfahren, was das für Konsequenzen haben sollte.



***




Endlich war er fertig! Das letzte Wort war geschrieben und Phileas hatte keine Lust, alles noch einmal durchzulesen. Zu oft hatte er einzelne Passagen überflogen und verbessert. Er hatte sich in der letzten halben Stunde kaum noch auf die Worte konzentrieren können. Umso erleichterter war er nun, endlich fertig zu sein. Je mehr er daran jetzt noch veränderte, desto mehr könnte es sein Ergebnis ins Negative verfälschen und das wollte er nicht riskieren.  

Die Bücher musste er nur noch wegräumen, was bei der Menge einiges an Zeit kosten würde, sie wieder an die richtigen Plätze zu stellen. Dann musste er nur noch sein Werk abgeben. Wenn es gut lief, nahm Meister Caius es entgegen und las es in Ruhe, bis er ihn erneut zu sich rufen und ihm verkünden würde, wie gut er sich geschlagen hatte. Vermutlich würde er sich dafür extra lange Zeit nehmen, um ihn zu zermürben. Liefe es weniger gut, dann würde er gleich bei der Abgabe das eine oder andere Detail genauestens hinterfragen.

Er hatte bereits einige Bücher in der Hand, um sie an ihre richtigen Plätze in den Regalen stellen zu können, als er zum zweiten Mal an diesem Tag überrascht wurde. „Können wir dir helfen Phileas?“

Magnar, Therasia, Titus und sogar Felix und Demetri hatten sich hier eingefunden, um ihm unter die Arme zu greifen, damit er es noch rechtzeitig schaffte, bei Meister Caius vorzusprechen.

Er war noch nie so dankbar gewesen, dass ihm gerade jetzt Hilfe angeboten wurde, die er dankend annahm. „Gern. Dahinten liegen noch jede Menge Bücher“, verwies er auf den immer noch überladenen Tisch. Er ahnte, von wem sie den Tipp bekommen hatten, dass er Hilfe benötigte und er war Meisterin Athenodora sehr dankbar dafür.



***




Phileas durfte nicht gleich wieder gehen. Natürlich hatte er sich erhofft, die angenehmere Variante der Möglichkeiten durchstehen zu können, aber dem war nicht so. Meister Caius hatte konzentriert die Stirn gerunzelt, während er die Zeilen las, welche Phileas in stundenlanger und mühevoller Arbeit verfasst hatte. Gespannt und ängstlich wartete der noch recht junge Vampir auf das Urteil.

Dann, nach Stunden des angespannt Dastehens und sich nicht Rührens, blickten die weisen dunkelroten Augen des Meisters auf und fixierten seine.

„Das hier“, er deutete auf die Pergamentbögen vor sich auf dem  Tisch, „ist das Beste, was ich seit Langem zu diesem Thema gelesen habe.“

Phileas war wie erstarrt und fragte sich, ob er sich diese Worte nicht nur einbildete, oder ob Meister Caius sich nur über ihn amüsierte.

„Nun schau nicht so, als hätte ich dir dein Todesurteil verkündet! Es ist wirklich richtig gut.“

Phileas!

Phileas!

Verdammt Phileas komm zu dir!

Jemand schlug ihn und als er erschrocken die Augen öffnete, brannte seine Wange höllisch. Felix hatte sich sorgenvoll über ihn gebeugt und musterte ihn. „Ist alles in Ordnung mit dir?“

Er nickte. Auch wenn er nicht wusste, was passiert war. Offensichtlich lag er auf dem Boden und starrte an die Decke. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass er überhaupt vom Stuhl gefallen war. Er war doch eben noch bei Caius gewesen.

„Was ist passiert?“, fragte er erstaunt und merkte, wie trocken seine Kehle war. Wann hatte er zuletzt getrunken?

„Du hattest einen Schwächeanfall, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass du seit Tagen und Nächten durcharbeitest.“

Was sagte Felix da? Das konnte nicht sein. Er hatte seine Ausarbeitungen doch schon längst fertig und war sogar von Meister Caius dafür gelobt worden. „Was?“, fragte er benebelt nach.

„Komm, setz dich erst einmal vorsichtig auf und trink etwas.“ Chelsea, die er erst jetzt bemerkte, reichte ihr einen Kelch mit Blut. Diesen nahm er dankbar entgegen und trank gierig.

„Mach langsam, sonst kommt es dir gleich wieder hoch“, mahnte Chelsea.

„Wir mussten Meister Caius von deiner Situation unterrichten“, erklärte Felix, was ihn dazu veranlasste, panisch aufzuschauen.  Nur das nicht!

„Keine Sorge, er hat Verständnis dafür. Du sollst erst einmal wieder zu Kräften kommen und dann wirst du geregelte Zeiten bekommen, in denen du weiter arbeitest und deinen Auftrag hier fertigstellen kannst. Du hast unter enormen Druck gestanden.“

Trotz der beruhigenden Worte fühlte Phileas sich nicht sonderlich wohl. Der Gedanke, von Caius gelobt zu werden, war wahrlich ein guter und ob er das in der Wirklichkeit auch erreichen konnte, blieb abzuwarten. Zumindest hatte er noch etwas mehr Zeit, sein Werk jetzt in Ruhe zu beenden. Und der Gedanke, dass jemand ein Auge auf ihn hatte, damit er sich nicht überarbeitete und dabei seine Bedürfnisse vergaß, war zumindest ein sehr beruhigender.
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