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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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10.01.2018 2.174
 
Von den Bibliotheken der Welt


Oder


Die Leiden der Liebenden




Wieder befinden wir uns in einer Bibliothek, einer immensen Sammlung von Wissen die schon seit Tausenden von Jahren die Gelehrten und Gebildeten des Landes anzieht.

Die von der ich heute berichten möchte, liegt gut behütet hinter dicken Mauern aus Stein in einem Schloss weit oben auf einem Hügel in der malerischen Landschaft der Toskana. Die Bewohner des Städtchens erzählten sich schaurige Geschichten über die Bewohner dieses Schlosses, welche von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Geschichten, welche den Gruselgehalt der Erzählungen noch übertrafen, fanden sich nur in der Bibliothek hoch oben auf dem Hügel. Von den Einheimischen traute sich kaum jemand auch nur in die Nähe des Schlosses. Teilweise erzählten diese Schriften in der Bibliothek von Gräueltaten, verübt von Monstern, die es nur in Geschichten der Menschen gab, berichteten von blutigen Kriegen, die im Namen der Unsterblichkeit geführt wurden und von Vielem mehr.

Viele Werke die dort lagern, feinsäuberlich aufgereiht in rustikalen Regalen die weit bis zur Decke hinauf reichten, waren Zeugnisse von Geschehnissen aus aller Welt. In mühevoller Arbeit waren sie aus nahezu allen Teilen der Welt zusammengetragen worden. Teilweise waren es Kopien bedeutender Werke, teils aber auch die Originale selbst. Um sie alle verstehen zu können, musste man in vielen Sprachen ausgebildet sein, oder zu denjenigen gehören, die diese Werte ins Italienische übersetzten. Manch ein Gardist hatte hier schon seine Spuren in Form von Übersetzungen hinterlassen und fast monatlich wurden es mehr.

Wer das Privileg genoss, hier zu lernen und sich diese immense Menge an Wissen aneignen zu dürfen, der konnte sich glücklich schätzen. Genauso, wie man sich glücklich schätzen konnte, in diesem Schloss leben und zur unsterblichen Herrscherfamilie gehören zu dürfen.

So auch Corin. Nicht immer war sie sich dessen bewusst, dass es ein Privileg darstellte, die hier zusammengefassten Schriften studieren zu dürfen und das noch unter der Aufsicht eines der bekanntesten Rechtsgelehrten seit Jahrtausenden.

Corin liebte die Studien, das tat sie wirklich, auch, wenn sie des Öfteren darüber schimpfte, ohne das Caius etwas davon mitbekam.

Niemand wagte sie zu stören, wenn sie ihre Nase eifrig in einem Buch verborgen hatte und alles in sich aufsog, was die Seiten an Worten hergaben. Ja, manch einer bewunderte sie sogar für ihren Eifer. Wenn Corin während eines besonders schweren und sehr wichtigen Texts gestört wurde, konnte sie schon sehr aufbrausend werden. Das hatten die jüngeren Vampire deutlich zu spüren bekommen, als sie in einem anderen Teil der Bibliothek eifrig darüber diskutiert hatten, zu welcher Mission sie wohl endlich eingesetzt werden würden.

Corins Toleranzgrenze war an diesem Tag sehr niedrig gewesen, sodass sie sehr schnell deutlich gemacht hatte, ihre Ruhe haben zu wollen. So schnell hatte sie Titus, Magnar und Co noch nie aus der Bibliothek rennen sehen.

„Corin?“ Eine zaghafte und fragende Stimme ließ sie von ihrem Buch aufsehen. Es war Ariana, eine noch recht junge Gardistin, die dieses Schloss, verglichen mit anderen Bewohnern, noch gar nicht so lange bewohnte. „Es tut mir leid, dass ich dich störe.“ Ihre Körpersprache allein zeigte Corin, dass ihr das mehr als unangenehm war. Offensichtlich hatte sie die diversen Geschichten über diejenigen gehört, die es gewagt hatten, sie zu stören. Selbst Meister Caius hatte während einer Besprechung im Thronsaal darauf hingewiesen, dass Corin ihre Ruhe haben sollte und die Bibliothek allgemein kein Ort für geselliges Gequatsche sei.“

„Kein Problem. Setz dich doch.“ Corin deutete auf den Stuhl neben sich. Insgeheim war sie froh über etwas Ablenkung.

„Danke. Mit was für einem Thema beschäftigst du dich gerade?“ Wenn man Ariana eins bescheinigen konnte, dann war es ihre immense Neugierde und ihre Ausdauer. Wenn sie sich erst einmal ein Thema in den Kopf gesetzt hatte, war sie Feuer und Flamme und sog alles in sich auf, was sie an Literatur dazu finden konnte.

Corin seufzte. Es war nicht das Interessanteste, das musste sie zugeben. Aber viel zu lesen darüber gab es hier nicht mehr und so hoffte sie, sich bald spannenderen Themen zuwenden zu können und so erzählte sie Ariana bereitwillig, mit was sie sich in den letzten Tagen beschäftigt hatte.

„Uh. Das klingt alles andere als spannend.“

„Ja und dennoch muss ich es lernen. Meiser Caius war sehr streng, wenn er einem Gardisten einen Lehrauftrag gab. Seine Prüfungen dazu waren berüchtigt und wehe ein Gardist war nicht genügend darauf vorbereitet.

Ariana hörte ihr aufmerksam zu und als sie geendet hatte, herrschte für einige Augenblicke schweigen, bevor sie sich ein Herz fasste und antwortete:

„Ich bin nicht ohne Grund hier und ich dachte, dass du mir vielleicht helfen kannst.“

„Soso. Ich werde sehen, was ich tun kann. Worum geht es?“

„Vielleicht bist du bei deinen Studien hier auf diese Namen gestoßen. Neulich bin ich in einem Gang gewesen, den zuvor ich noch nicht betreten hatte.“

So etwas kam vor. Selbst erfahrenen Vampiren, die dieses Schloss schon seit Jahrtausenden ihr Zuhause nannten, entdeckten neue Orte, die sie noch nie zuvor wirklich wahrgenommen hatten.

„Lass mich raten“, mutmaßte Corin „Du hast die Galerie der Helden entdeckt.“

„Die was?“

„Die Galerie der Helden.“

„Du kennst sie?“

„Renata ist vor gar nicht allzu langer Zeit, darauf gestoßen. Das hat einen ziemlichen Aufruhr ausgelöst.“

Ariana schlug sich an die Stirn. „Ach ja! Das hatte ich ganz vergessen. Mit meinen Gedanken war ich ganz woanders gewesen. Tut mir leid.“

„Das macht doch nichts. Du hast dich zu sehr in die Recherche über die Nomaden versteift, hab ich Recht?“ Hätte die junge Vampirin die Möglichkeit gehabt, sie wäre rot angelaufen. Das allein war Corin schon Antwort genug.

„Ich finde sie immer noch total interessant“, murmelte sie verlegen. „Nur leider gibt es kaum etwas über sie zu erfahren.“

Corin musste schmunzeln. „Daran ist doch nichts schlimm.“

„Alessandro sieht das nicht so gerne“, gestand sie. „Deswegen haben wir uns auch gestritten.“

„Das wird schon wieder. Sicherlich ist das nur eine Laune von ihm, weil du viel Zeit hier verbringst.“  

„Das sagst du so einfach.“

„Jeder hat mal Streit mit seinem Partner. Was meinst du, wie oft ich mit manch einem hier nicht einer Meinung war beziehungsweise warum ich keinen Partner habe. Glaub mir, Alessandro wird sich schon wieder beruhigen. Das dauert nur etwas. Dann ist er wieder ganz der Alte. Solche Phasen hat jeder mal.“

„Daran möchte ich gern glauben. Er wendet sich immer mehr von mir ab.“

„Er liebt dich Ariana. Das wissen hier alle im Schloss.“

„Davon zeigt er mir in der letzten Zeit recht wenig.“

„Gib die Hoffnung nicht auf. Alessandro weiß, was er an dir hat und er wird dir zeigen, wie wichtig du ihm bist. Das kann er nur nicht immer.“

„Ich möchte ungern über ihn reden“, versuchte Ariana das Thema abzuwimmeln. „Er ist viel zu stolz, um einzusehen, dass er einen Fehler begangen hat.“

„Zu einem Streit gehören immer zwei Ariana.“ Das Augenrollen der jungen Vampirin war mehr als deutlich. Fehlte nur noch ein vernehmliches Seufzen, das sie Corin jedoch ersparte.

„Sag nicht auch noch, dass ich mich entschuldigen soll. Er war derjenige, der sich von Anfang an völlig unverständlich verhalten hat. Ich verstehe absolut nicht, warum alle so dagegen sind, dass ich mich so sehr für die Nomaden interessiere!“ Sie hatte die Stimme erhoben und Corin sah sich um, ob sie nicht doch jemand gehört hatte. Sollten diese Worte in falsche Ohren geraten, war ihre Existenz nicht gesichert. Es gab Themen, die sprach man in diesem Schloss nicht laut aus und leider war dies nicht nur der Tod von Didyme.

„Und genau das ist dein Problem. Du erkennst nicht, wann du Grenzen überschreitest. Ich nehme an, selbst die Meister haben dir gesagt, dass du deine Recherchen einstellen sollst.“

„Ich weiß das und doch konnte mir niemand eine plausible Begründung dafür liefern, warum genau ich das nicht tun soll. Selbst Dante …“

„Sag nicht, du hast einen Außenposten darauf angesprochen…“ Corin war entsetzt, das zu hören. Merkte Ariana denn nicht, dass sie sich mit dieser Aktion ihr eigenes Grab schaufelte?

„Natürlich habe ich das! Er ist der einzige, der mit wenigstens Auskünfte gibt!“

Corin blickte sich nach allen Seiten um: „Sag das nur nicht zu laut. Wenn einer der Meister das erfährt, oder Santiago, dann ist Dante genauso gefährdet, wie du selbst. Ich kann es nicht glauben, dass du so blind bist und noch andere damit hineinziehst. Es ist nicht umsonst ein Tabuthema und ich hatte dich für cleverer eingeschätzt. Mehr werde ich dir dazu nicht sagen.“

Ariana starrte sie an und schien nicht zu wissen, was sie darauf erwidern sollte. Corin rechnete damit, dass sie ihr einige unschöne Worte an den Kopf warf, oder eingeschnappt war, aufgrund dieser deutlichen Worte. „Warum wissen hier anscheinend alle darüber Bescheid und ich nicht?! Ich verstehe das absolut nicht.“

„Es ist besser so für dich, glaube mir. Manche Themen sind vorbei und man sollte sie ruhen lassen.“ Der Unterton in ihrer Stimme machte deutlich, dass sie hier keine nicht weiterkam.  

Und tatsächlich verließ Ariana sie kurz darauf und schlug die Tür der Bibliothek etwas heftiger zu, als gewöhnlich. Corin hatte sie an sich noch nie beleidigt, oder eingeschnappt erlebt. Das war hier auch für sie eine Premiere.

Insgeheim war Corin froh, wieder alleine zu sein und sie hoffte sehr für Ariana, dass sie diese Worte endlich beherzigen würde, die ihr alle Gardemitglieder mehr oder weniger so beibringen würden. Hoffentlich dachte sie noch einmal ernsthaft über die Worte nach, die Corin versucht hatte, ihr zu vermitteln. Es war zu ihrer eigenen Sicherheit.

Die nun wieder eingetretene Ruhe war befreiend. Endlich konnte sie sich ihren Studien widmen. Sie strich über die alten Seiten des Buches und bemerkte, wie sie schon wieder an Arianna dachte. Es fiel ihr schwer sich wieder auf ihre Studien zu konzentrieren. Zumal der Vollmond durchs Fenster schien. Der Garten war wunderschön, wenn das kalte Mondlicht seine Schatten warf. Sie seufzte. Wie gern würde sie die Bibliothek für einige Stunden verlassen … aber die Zeit lief ihr davon. Sie musste etwas tun, um vorwärts zu kommen.

Lange war sie nicht alleine. Derjenige, der sie dieses Mal störte, war zu ihrer Überraschung kein anderer, als Alessandro. So wie er aussah, vermutete sie, dass er Ariana über den Weg gelaufen war. Ob die beiden miteinander gesprochen hatten? Sie vermochte es nicht zu sagen. Vermutlich gingen sie sich immer noch aus dem Weg.

Sobald Alessandro sie erblickt hatte, steuerte er direkt auf ihren Tisch zu. Dabei hatte sie sich schon etwas abseits gesetzt, um ungestört zu sein. Sie wollte jedoch auch nicht so unhöflich sein und ihn abweisen. Vielleicht hatte er ja wirklich nur ein kurzes Anliegen …

„Es tut mir leid, dich zu stören.“ Das schien die Standardfloskel zu sein. Corin versuchte dennoch, höflich zu bleiben und ihn nicht gleich bestimmt abzuweisen. Solange er mit ihr nicht über Ariana redete, würde sie sich anhören, was er zu sagen hatte.

„Du hast in der letzten Zeit nicht zufällig mit Ariana gesprochen?“

Irritiert hob Corin eine Augenbraue. Warum kam man damit ausgerechnet zu ihr, wo sie doch augenscheinlich beschäftigt war?

„Glaubst du nicht, Chelsea wäre da die bessere Ansprechpartnerin? Du weißt doch, wie gut sie sich mit Ariana versteht.“

„Chelsea ist mit Afton unterwegs und ich weiß nicht, wann sie wiederkommen werden. Ich dachte nur, du hättest sie vielleicht gesehen. Sie scheint in der letzten Zeit vermehrt Zeit hier zu verbringen, genau wie du.“

„Was möchtest du genau Alessandro. Bitte sprich dich aus. Ich möchte wirklich nicht unhöflich sein, aber ich habe hier zu arbeiten. Da kann ich nicht immer darauf achten, wer hier ein und aus geht.“

„Worüber habt ihr gesprochen?“  

Corin setzte sich auf. „Um ehrlich zu sein, habe ich ihr geraten mit dir Friede zu schließen. Dazu gehören allerdings zwei, Alessandro.“ Ihr Blick fiel auf die alte Standuhr und sie seufzte.  

„Ich fühle mich so hilflos und weiß nicht, wie ich den Streit wieder versöhnen soll…“

Corin war an sich eine recht ruhige Seele. Allerdings hatte auch sie eine Toleranzgrenze und die war hier und jetzt eindeutig überschritten. Wenn jeder ankommen und sie unterbrechen würde, während sie lernte und sie mit seinen Beziehungsproblemen oder sonstigen Belangen konfrontierte, saß sie in 1000 Jahren noch hier und das versuchte sie Alessandro auch deutlich zu machen:

„Ich bin nicht euer Beziehungstherapeut!“ Diesen Kommentar konnte sie sich beim besten Willen nicht verkneifen.

„Bitte?“ Offenbar hatte sie Alessandro damit komplett aus dem Konzept gebracht und er vergaß, was er als nächstes sagen wollte.

„Ihr seid erwachsene Vampire. Ich werde mich nicht in eure Beziehung einmischen, so gern ich euch beide auch habe. Und wenn du gestatten würdest, ich habe noch einiges zu lernen heute. Ansonsten werde ich mich an Meister Caius wenden und ihn bitten, dass ich die Bücher ausleihen darf. Das führt zu unangenehmen Fragen und ich denke, das ist nicht in deinem Sinne.“

„Oh … ja natürlich … tut mir leid.“

Mit hängenden Schultern verließ Alessandro wieder die Bibliothek und insgeheim tat er Corin ja schon leid. Sie konnte in dieser Hinsicht absolut nicht helfen, auch wenn sie es gern getan hätte, aber da mussten die beiden alleine durch.

Seufzend nahm sie wieder ihr Buch zur Hand, in dem sie gelesen hatte und widmete sich wieder ihren Studien.
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