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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
17.11.2017 2.303
 
Major Whitlock




Sie fühlte sich hier nicht wohl. Das Schloss selbst hatte sie schon immer als einen Ort gesehen, der Unbehagen in ihr auslöste und das hatte sich auch heute nicht geändert und würde sich vermutlich in Zukunft auch nicht ändern. Dafür verband sie zu viele schlimme Erinnerungen mit diesem Ort, sodass sie gewiss keinen Schritt über die Schwelle des Eingangsportales setzen würde, wenn sie ohne Begleitung hier war.

Nicht immer konnte sie es vermeiden, hierher zu kommen. So auch dieses Mal nicht, so gern sie es auch getan hätte. Die Einladung auszuschlagen, die ihre gesamte Familie erhalten hatte, ziemte sich nicht. So sehr sie sich auch dagegen gesträubt hatte. Jasper war an ihrer Seite und sie war ihm unendlich dankbar, dass er sie mit ihrer Gabe etwas beruhigte und ihr ihre Ängste nehmen konnte. Mit Jasper an ihrer Seite fühlte sie sich einfach vollständig und sicherer. Er war ein Teil ihres Lebens, den sie nicht mehr missen wollte und mit ihm hatte sie schon so viele Situationen durchgestanden, da würden sie auch diesen Aufenthalt hier zusammen meistern.

Gründe für ihr Unwohlsein gab es viele. Unter anderem die Blicke, mit denen Aro sie bedachte, wenn sie ihm begegnete. Diese Begierde ängstigte sie einerseits und ließ sie sich unwohl fühlen.  Auch wenn sie die Gabe besaß, in die Zukunft zu sehen, war es genau diese Gabe, die Aro zu diesen Blicken veranlasste. Und davor konnte selbst Jasper sie nicht beschützen, so gern er es auch getan hätte. Sie hatte es Jasper angesehen, dass er bereit war, sie jederzeit zu verteidigen und sich teilweise zwischen sie und Aros Blicke zu stellen und sie somit davon abzuschirmen. Der Major, der er in seiner menschlichen Zeit gewesen war, war unwiederbringlich ein Teil seiner Selbst geworden, den sie genauso liebte, wie den Gentleman in ihm.

Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass Aro sie begehrte und sie dies auf keinen Fall erwidern konnte. Jasper war seit langer Zeit ihr Gefährte, sie waren für einander auserwählt und nichts in der Welt konnte dies ändern.

Nicht ihres Körpers oder ihres Wesens wegen wurde sie von dem unsterblichen Herrscher begehrt. Er begehrte sie aufgrund eben jener Gabe, die sie in seinen Augen zu etwas Besonderem machte. Eine seiner Leidenschaften bestand in der Sammlung seltener Talente für seine Garde, um noch mehr Einfluss und Macht über die unsterbliche Gesellschaft zu erlangen, als er ohnehin schon besaß.

Ein weiterer Grund, warum Alice Cullen Unwohlsein verspürte, war eine Vampirin, die ihre Augen nicht von ihrem Gefährten lassen konnte. Jasper war zu höflich, um Maria darauf hinzuweisen, dass ihre Bemühungen nichts nützen würden und sein Herz alleine Alice versprochen war.

Alice wäre es lieber gewesen, er hätte deutliche Worte in Richtung Maria gefunden. Vielleicht benahm sie sich dann nicht so unverschämt und versuchte, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, wie sie es seit ihrer Ankunft schon häufiger versucht hatte. In den meisten Fällen hatte Alice das zu verhindern gewusst. Dann würde Alice nicht ständig den Drang unterdrücken müssen, in ihre Richtung die Zähne zu fletschen und Jasper zu verteidigen. Dafür allerdings war Jasper zu sehr Gentleman und es wäre nicht ratsam, wenn Alice Maria vor allen die Meinung sagte. Aufsehen wollte sie hier nicht noch mehr erregen. Aros Aufmerksamkeit war ihr da schon zu viel des Guten.

Aro hatte eine lange Ansprache gehalten, die Alice versucht hatte, nach einer Weile auszublenden. Sie hatte kein Interesse daran, zu erfahren, welche Pläne Aro verfolgte. Mittlerweile war allgemein bekannt, wie die Volturi gedachten, mit den Nomaden umzugehen und Alice konnte das gar nicht gutheißen. Wie so einige der Anwesenden ebenfalls.

Sie hatte das Nomadenreservat in Israel gesehen und die Bilder verfolgten sie noch heute. Es war barbarisch, wie dort mit ihresgleichen umgegangen wurde! Und niemand hatte bisher etwas dagegen tun können.

Unauffällig rutschte Alice etwas auf ihrem Stuhl herum, auf dem sie saß und beobachtete die anderen anwesenden Vampire. Etwas mehr als die Hälfte der Anwesenden hing Aro gebannt an den Lippen. Alice war versucht, den Kopf darüber zu schütteln. Waren sie alle wirklich der Ansicht, man konnte mit Artgenossen so umgehen? Das konnte und wollte sie nicht glauben. Wussten sie denn nicht, wie es dort wirklich aussah, was dort wirklich passierte und wie mit Ihresgleichen umgegangen wurde? Waren sie so egoistisch und ignorant?

Es herrschte Stille. Aro hatte seine Rede beendet und alle hoben ihre Kelche, um gemeinsam anzustoßen, auf was auch immer. Alice war dies nicht wichtig und sie verspürte wenig Lust, es allen gleich zu tun. Sie nippte nur etwas an dem Kelch, den sie verkrampft in der Hand hielt. Normalerweise mochte sie das Blut von Hirschen. Diesmal hatte es einen bitteren Beigeschmack. Sie verzog keine Miene und stellte den Kelch wieder auf dem Tisch ab. Der Durst war ihr definitiv vergangen. Sie wollte einfach nur zurück nach Forks.

„Was ist los?“ Jasper legte den Arm um ihre Schultern und zog sie etwas näher zu sich heran, was Alice dazu veranlasste, den Blick von Aros Augen zu lösen, die sie gefunden hatten. Vermutlich war ihr ihre Anspannung anzusehen. Natürlich hatte er ihre Anspannung bemerkt. Wenn nicht Jasper, wer sonst? Alice schmiegte sich an ihn.

„Mir gefällt es nicht, das ist alles“, murmelte sie. Carlisle warf einen kurzen Blick in ihre Richtung und Alice glaubte, dass er ihre Worte nicht verstanden haben konnte, war sich dessen aber nicht so sicher.

„Wollen wir etwas nach draußen gehen?“ Sie war dankbar für Jaspers Vorschlag und schloss sich dem gern an. Sie warf noch einen kurzen Blick in Richtung Aro, der am ersten Tisch der Unsterblichen angelangt war und die dort Sitzenden in ein Gespräch verwickelte. Bevor Aro an ihrem Tisch ankam, oder Caius, oder Marcus, wollte sie den Saal verlassen haben.

„Meinst du nicht, das fällt auf?“

Jasper sah sich im Saal um. Die anderen Vampire waren in lockere Gespräche vertieft. Sie verspürte zurzeit nicht den Drang, sich an ihnen zu beteiligen. „Ich denke, der Garten ist zur Besichtigung freigegeben. Du weißt, wie stolz Sulpicia auf ihren Rosengarten ist. Sie wird die Gelegenheit sicher nicht verstreichen lassen, allen Zugang zu gewähren und ihren Stolz zu präsentieren.“

Sie fasste ihn an der Hand und lief mit ihm auf die Flügeltüren zu. Alec stand dort und nickte ihnen nur zu. Niemand hielt sie auf und Alice war erleichtert darüber.

„Du sahst so abwesend aus während Aros Rede.“ Erst als sie das Schloss verlassen hatten und im Garten standen, richtete Jasper das Wort an sie. Die Sorge war deutlich aus seinen Worten herauszuhören.

„Ich kann mir das nicht anhören. Ich denke, wenn alle gesehen hätten, was wir in Israel in dem Reservat erlebt haben, würden sie anders denken! Aro spielt die Situation runter. Würden alle die Wahrheit kennen, wäre eine Revolte das Mindeste, mit dem er zu rechnen hätte.“

„Du solltest das nicht zu laut sagen. Wir wissen nicht, wer hier möglicherweise lauscht.“ Er hatte ja Recht. Sie musste vorsichtig sein. Aro schien überall seine Ohren zu haben.

Alice merkte, wie sie sich entspannte, als Jaspers Gabe sie umfing und dankbar schlang sie die Arme um seine Hüften und schmiegte sich an ihn. Was würde sie hier ohne ihn tun? Jasper war ihr sicherer Hafen, ihr Fels in der Brandung.

„Ich weiß, dass es riskant ist, aber schweigen hilft da auch nicht weiter. Ich muss das loswerden.“

„Ich kann dich verstehen. Mir geht es ähnlich.“ Jasper hauchte ein Kuss auf ihr Haar und Alice schloss für einen Moment die Augen und ließ sich einfach in seine Umarmung fallen, genoss diesen Moment der Ruhe und Zweisamkeit. Hier fernab der anderen und der Blicke.

Eine Weile standen sie so da und hielten sich, waren füreinander da. Allein zu sein, tat gut. Und der Abstand zu der Gesellschaft im Thronsaal half Alice etwas, sich zu entspannen. Der Duft der Rosen, der schwer in der Luft lag, half als Ablenkung und Augenblicke später löste Alice sich aus Jaspers Umarmung, um sich die verschiedenen Rosen näher anzusehen. Sie musste es Sulpicia lassen! Einen grünen Daumen hatte sie wirklich.

Die Zweisamkeit mit Jasper währte jedoch nicht lange. Es wäre auch zu schön gewesen …

Sie spürte sie, bevor sie sie sah und automatisch spannte sie sich an. Warum musste sie überhaupt hier sein und warum konnte sie Jasper und sie nicht einfach in Ruhe lassen? Alice war normalerweise nicht der Typ, der zu Aggressionen neigte, aber bei Maria war das durchaus möglich, wenn Jasper sie nicht beruhigen konnte. Die Vampirin war Alice am heutigen Tag schon des Öfteren negativ aufgefallen. Warum klammerte sie so und versuchte, so verkrampft, mit Jasper eine Unterhaltung zu führen?

Wenn allerdings jemand versuchte, ihr Jasper streitig zu machen, konnte sie auch anders. Auch Jasper hatte Maria bemerkt. Alice wollte ihr nicht ins Gesicht sehen, nicht sehen, wie sie Jasper mit diesen Blicken bedachte, als wäre er immer noch der Major in ihrer Armee aus Unsterblichen. Diese Zeit war lange vorbei und Jasper hatte mit dieser abgeschlossen und trotzdem trat er Maria immer noch mit ausgesuchter Höflichkeit gegenüber, was Alice so gar nicht verstehen wollte. Jetzt war jedoch nicht die Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

„Ein wunderschöner Abend, nicht wahr? Wie kann man den Sonnenuntergang besser genießen, als in romantischer Zweisamkeit im Rosengarten? Du warst schon immer romantisch veranlagt Jasper.“ Allein wie sie diese Worte sagte, war fast zu viel für Alice. Sie musste sich beherrschen, um sich nicht umgehend auf Maria zu stürzen. Warum musste sie ihnen diesen Aufenthalt hier so sehr vermiesen? Erfreute sie es, Alice leiden zu sehen? Vermutlich war dem so und Alice versuchte, sämtliche Abneigung gegen sie in ihren Blick zu legen.

Maria war davon unbeeindruckt und bevor Alice weiter darauf reagieren konnte, fand sie sich in einer Vision wieder. Vollkommen überrumpelt und so gar nicht darauf vorbereitet. Dass Maria eine Schlange war, wusste sie insgeheim, aber dass sie so sadistisch veranlagt war, war etwas Neues für Alice.

Die Luft flimmerte vor Hitze. Wo war sie? Alice kniff die Augen zusammen, sah sich um und versuchte zu ergründen, wo sie sich befand. Diese Umgebung war ihr so fremd. Vermutlich war sie nicht auf amerikanischem Boden, aber das war nur eine Mutmaßung. Sicher konnte sie es nicht wissen. Vorsichtig tat sie einige Schritte in die eine Richtung und versuchte, Anhaltspukte zu sammeln, in welche Richtung sie sich bewegen musste. Stimmen ließen sie letztlich in eine bestimmte Richtung laufen und ihre Schritte immer mehr beschleunigen.

„Jasper.“

„Maria.“

„Oh Jasper!“

Alice bog einige Sekunden später um eine Hausecke und sah zwei ihr sehr bekannte Vampire. Es tat weh, Maria und Jasper so vertraut miteinander zu sehen. Er hatte die Arme um ihre Hüften geschlungen und der Blick, mit dem Jasper Maria bedachte, drückte so viel Vertrautheit und Liebe aus, dass Alice allein von diesem Anblick schlecht wurde.

„Ich habe dich so vermisst.“

„Ich dich auch Jasper. Doch nun sind wir wieder vereint, vereint für die Ewigkeit.“ Ein inniger und leidenschaftlicher Kuss unterstrich diese Worte eindrucksvoll. Alice wollte sich von diesem Anblick abwenden, konnte sich aber nicht bewegen, sodass sie gezwungen war, weiter zuzusehen. Sie wollte das nicht, wollte sich mit Gewalt abwenden. Wollte schreien und sich auf die beiden stürzen, wollte Maria von IHREM Jasper fernhalten…

„Hör auf damit!“ Alice merkte erst jetzt, dass sie sich die Hände auf die Ohren gepresst hatte und auf die Knie gesunken war. Glücklicherweise hatte sie es irgendwie geschafft, sich dieser Vision zu entziehen, auch wenn sie nicht wusste, wie sie es geschafft hatte, aber das war jetzt nicht weiter wichtig. Jasper hatte Alice am Arm gepackt, um sie aufzuhalten, sich auf Maria zu stürzen. Diese hatte ein überlegenes Lächeln auf dem Gesicht, das Alice nur noch wütender machte.

„Wir haben uns geliebt! Warum siehst du das nicht ein?!“ Marias Stimme war eisig und doch halte sie laut durch die Nacht.

„Du hast ihn nicht verdient, so wie du ihn behandelt hast!“, fauchte Alice zurück.

Carlisle war im Durchgang zum Schloss erschienen und Alice war unendlich dankbar, ihn zu sehen. Hinter Carlisle erkannte sie allerdings auch einige Wächter, die diesen Aufruhr mitbekommen hatten, was sie weniger erfreute.

„Maria, man beginnt, dich oben zu vermissen“, wandte Carlisle sich direkt an sie. Seine ruhige Stimme stand im Kontrast zu Marias aufgebrachter Stimmung. „Aro wird schon ungeduldig. Du möchtest ihn doch nicht verärgern. Das wäre nicht gut bei der aktuellen Stimmung.“

Sie schien zu zögern, abzuwägen, ob Carlisle wirklich die Wahrheit sagte. Drehte sich dann aber letztlich um und lief an Carlisle vorbei zurück ins Schloss, jedoch nicht, ohne Alice vorher noch einen verachtenden Blick zuzuwerfen. Vermutlich auch, um der Garde nicht doch noch einen Anlass zu geben, einzugreifen. Alice atmete auf.

„Danke.“

„Gibt es hier ein Problem?“

„Das hat sich erledigt, danke“, wandte Jasper sich an Felix. „Wir kommen hier zurecht.“

„Wenn Maria euch belästigt hat, braucht ihr es nur zu sagen. Wir kümmern uns dann darum.“

„Das ist wirklich nicht nötig“, bestätigte nun auch Carlisle. Sie wollten hier nicht noch mehr Aufmerksamkeit erregen.

Die Wächter liefen wieder ins Schloss und Alice stand mit Carlisle und Jasper noch im Garten. Die vertraute Atmosphäre war zerstört und ihre Befürchtungen, was diesen Aufenthalt hier anging, hatten sich mehr als bestätigt.

„Ich habe Maria kurz nach euch den Saal verlassen sehen und so, wie sie sich bisher verhalten und euch mit Blicken bedacht hat, dachte ich mir, ich gehe ihr hinterher“, erklärte Carlisle sein Verhalten, obwohl er es gar nicht tun müsste.

„Es wäre schwer geworden, Maria zu beruhigen“, bestätigte Jasper. „Danke, dass du eingegriffen hast.“

„Ist alles in Ordnung mit dir Alice?“ Carlisle blickte sie besorgt an. Die Bilder, welche Maria ihr gezeigt hatte, hatten sie sehr mitgenommen. Sie zitterte noch immer, wie sie jetzt bemerkte. Dass sie so angreifbar war, was Jasper anging, damit hatte sie selbst nicht gerechnet. Tapfer nickte sie. Carlisle sollte sich nicht um sie sorgen. Sie kam schon zurecht. Sie hatte Jasper an ihrer Seite und nur das allein zählte.
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