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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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20.01.2017 1.443
 
An Sommertagen




Gab es etwas Schöneres, als seinen Wohnsitz in der Toskana zu haben? Wenn Phileas etwas an seiner Zeit im Schloss schätzte, dann war es zum einen die malerische Landschaft, die Volterra umgab und zum anderen die Stadt selbst. In den Gassen fühlte er sich heimisch und kannte jeden noch so kleinen Winkel, jedes Geschäft und jede Tradition. Früher in seinem menschlichen Leben war er oft hier gewesen und hatte sich unter anderem den Fahnenschwinger-Wettbewerb Astiludio angesehen, der traditionell am ersten Wochenende im September auf der Plaza dei Priori stattfand. Die Leichtigkeit mit der bereits die Jüngsten mit den Fahnen umgingen, erstaunte ihn auch heute noch.

Das Leben im Schloss war zwar anstrengend, aber auch dies hatte seine guten Seiten. Auch die Langeweile die manchmal herrschte, konnte ihm nicht wirklich etwas ausmachen. Irgendwann hatte er Strategien zur Bekämpfung eben jener entwickelt und empfand die Zeit in der keine Verpflichtungen auf ihn warteten, mittlerweile als angenehm und oft durchaus erheiternd, wenn man wusste, wie man sich die freie Zeit vertrieb.

Er hatte sich beispielsweise einen Spaß daraus gemacht, von seinem Fenster aus in die Carabinieri-Station auf der gegenüberliegenden Seite des Schlosses zu schauen und die Beamten zu beobachten. Von seinem Platz am Fenster seines Zimmers hatte er einen fantastischen Blick auf die mehr oder weniger fleißigen Beamten.

Ein jüngerer Polizist saß gerade ziemlich gelangweilt an seinem Schreibtisch und drehte einen Kugelschreiber zwischen den Fingern. Vor der Station selbst standen zwei Einsatzfahrzeuge, die verwaist waren. Bei dem schönen Wetter konnte Phileas sich wahrlich Schöneres vorstellen, als gelangweilt in einem Büro zu sitzen, oder in einem kleinen Fahrzeug durch die recht engen Gassen zu fahren und die Einhaltung der geltenden Gesetze zu überwachen. Doch auch er war gezwungenermaßen daran gehalten, das Schloss bei diesem Wetter nicht zu verlassen. Es gab zwar die Möglichkeit, sich durch die Gänge, welche unterhalb der Piazza dei Priori entlangführte, hinauszuschleichen, aber das war kein so guter Gedanke. Schon das eine oder andere Mal hatten es Gardisten probiert und waren entweder Santiago oder Meister Marcus in die Arme gelaufen. Was Letzterer dort unten getan hatte, das war immer noch ein großes Rätsel. Doch der Schock, erwischt worden zu sein, hatte seine gewünschte Wirkung erreicht und sie alle hatten daraus gelernt. Kaum jemand wagte es noch, sich hinauszuschleichen. Irgendwann konnte auch Santiago recht ungemütlich werden und ihn zu weit zu provozieren, das wollte dann doch niemand.

Er war versucht, in der Polizeistation anzurufen, nur, um zu sehen, wie sich aus dem trägen Menschen am Schreibtisch ein eifriger Gesetzeshüter entwickelte, gewillt, der Kriminalität Einhalt zu gebieten. Jedoch fürchtete er, dass man sehr schnell nachvollziehen konnte, wer hinter diesem Anruf steckte und vor allem, von welcher Nummer dieser kam, auch, wenn er mit unterdrückter Nummer dort anrief. Die Technik war heutzutage soweit fortgeschritten, dass es nur wenige Minuten dauerte, den Anschlussinhaber zu ermitteln und im Schloss hatte man eigene Methoden, um Lügner zu entlarven und entsprechend zu bestrafen.

Die Meister würden nicht begeistert sein und ob man ihn von Seiten des Schlosses in Schutz nehmen würde, war fraglich und er wollte nicht darauf hoffen. Und ausprobieren, was für Konsequenzen sein Handeln haben würde, dazu war er dann doch zu feige.

„Na, stalkst du wieder?“

„Wann lernst du endlich, anzuklopfen und nicht ungefragt hereinzukommen?“, brummelte er. Wie oft hatte er das angesprochen und doch schien sie das völlig zu ignorieren. Machte sie das mit Absicht? Wollte sie ihn damit möglicherweise provozieren?

Therasia überhörte diesen Kommentar geflissentlich und gesellte sich zu ihm ans Fenster, um ebenfalls einen Blick in die Carabinieri-Station zu werfen. Der Beamte hatte den Blick auf die Piazza gerichtet und beobachtete etwas, was sich wohl im Eingang des Palazzo abspielen musste und das die beiden jungen Vampire von ihrem Platz aus nicht erkennen konnten.

„Schade, dass die Rothaarige nicht da ist.“ Es war eher eine Feststellung ihrerseits, aber Phileas hatte den stichelnden Unterton in ihrer Stimme deutlich wahrgenommen und er überlegte, ob er darauf reagieren sollte. Warum auch immer waren einige seiner gleichaltrigen Kameraden der Meinung, er hätte ein Auge auf eine rothaarige Polizistin geworfen, was völliger Quatsch war. Schlecht sah sie nicht aus, das stimmte und ihr Blut roch sehr verführerisch, doch Phileas konnte sich zusammenreißen. Lange und hart hatte an seiner Selbstbeherrschung gearbeitet, um zu zeigen, dass er seine Triebe unter Kontrolle hatte.

Er hatte nicht den Kopf frei für eine Gefährtin und außerdem würde man ihm das jetzt noch nicht gestatten, da er sich eben noch nicht kontrollieren konnte und eine Polizistin zur unsterblichen Gemahlin zu nehmen, würde weitreichende Ermittlungen nach sich ziehen, zumal sie nicht mal eben gegenüber ihrer Dienststelle als Untote einziehen konnte. Wie sollte man das erklären?

Wenn er diese Behauptung jetzt vehement abstritt, würde man ihm nicht glauben und wenn er dem zustimmte, oder schwieg, dann würde man genau das annehmen. Wie er also reagierte, es würde zwangsläufig auf das Gleiche hinauslaufen. Glücklicherweise nahm sie ihm den Druck, eine Antwort geben zu müssen, indem sie weiter sprach:

„Willst du heute den gesamten Tag hier sitzen und aus dem Fenster starren? Lass uns etwas unternehmen“, schlug sie vor, da sie seine Stimmung bemerkt hatte und dem entgegen wirken wollte. „Das Wetter ist viel zu schön, um den gesamten Tag hier drinnen zu hocken und Trübsal zu blasen.“

„Was kann man hier im Schloss schon großartig unternehmen, wenn man nicht nach draußen kann?“, entgegnete er. Auf Schach hatte er nicht wirklich Lust, da er meistens verlor und Bücher gab es nicht wirklich spannende in der Bibliothek. Lernen war bei diesem Sonnenschein auch keine sonderlich verlockende Alternative.

Therasia lächelte. „Das wirst du schon sehen. Komm mit!“

„Komm ich in Schwierigkeiten wegen dir?“

„Wart ab.“

Und so folgte er ihr, gespannt, was sie denn für Vorschläge hatte.



***






Phileas staunte nicht schlecht, als sie den Innenhof betraten und beinahe die gesamte Garde anwesend zu sein schien. Sogar die Meisterinnen waren dort und ließen sich das Sonnenlicht auf die marmorne Haut scheinen. Einen Augenblick war Phileas wie erstarrt. Er hatte gewusst, dass die Damen des Schlosses mit unfassbarer Schönheit gesegnet waren, aber wenn das Sonnenlicht von der Haut reflektiert wurde, konnte der junge Vampir nicht anders, als zu starren. Erst ein Rippenstoß von Therasia holte ihn in die Realität zurück und ließ ihn beschämt zurück.

„Und ich dachte, du stehst auf rothaarige Polizistinnen. Hör auf zu sabbern und mach dich nicht lächerlich! Die beiden sind schon vergeben und ich glaube nicht, dass du dich mit den Meistern anlegen willst. Da wirst du mit Sicherheit den Kürzeren ziehen und bist für alle Jahre blamiert, wenn es gut ausgeht. Wenn nicht, dann endest du vielleicht als Aschehäufchen, oder ...“

„Es reicht jetzt Therasia. Ich brauche deine moralischen Vorträge heute wirklich nicht“, fauchte er. Seine Geduld war bald am Ende.

„Wer hat dir denn in den Kelch gespuckt?“

Der Springbrunnen in der Mitte plätscherte munter vor sich hin und manch einer saß auf dem Rand und ließ seine Füße im Wasser baumeln. Er sah Chelsea und Renata zusammen plaudern und gelegentlich lachen. Es war eine lockere und gelöste Stimmung, was sehr wohl dem Wetter zu verschulden war. Was sollte man auch großartig bei diesem Wetter als wandelnde Discokugel draußen auf der Straße? Entgegen allen Mythen war die Sonne auf der marmornen Haut sehr angenehm und Phileas blieb einen Augenblick stehen und schloss genießerisch die Augen. Fast hätte er sich entspannt.

Ein Kreischen war zu hören und kurz darauf ein Platschen, dann Gelächter von überall her. Auch Phileas stimmte in das Lachen mit ein, nachdem er erschrocken in die Richtung blickte, aus der der Schrei gekommen war. Therasia hatte die anderen wohl auch etwas schwach angeredet. Das konnte sie gut. Und so war sie kurzerhand von Magnar und Titus an Armen und Beinen gepackt und in den Brunnen geworfen worden. Die Rache folgte meist auf dem Fuße.

Prustend und schnaufend tauchte sie wieder auf. Ihre Augen funkelten wütend und es war jedem klar, dass sie auf Rache sann. Nur brauchte sie dazu noch Verbündete. Phileas war ganz klar auf ihrer Seite. Therasia schien dafür prädestiniert zu sein, meist im Brunnen zu landen. Er erinnerte sich nur zu gut an einen ähnlichen Vorfall von vor einigen Monaten, nur waren dort nicht so viele Zuschauer gewesen.

„Das hast du nun davon, wenn du so ein vorlautes Mundwerk hast“, konnte Phileas sich den Kommentar nicht verkneifen und er ging gleich in Deckung, bevor er selbst noch im Brunnen landete. Obwohl er bei diesem Wetter an  einem unfreiwilligen Bad nichts auszusetzen hatte.

„Na warte!“, knurrte sie und Phileas nahm lachend die Beine in die Hand, um sich vor ihr in Sicherheit zu bringen. Die Anfeuerungsrufe seiner Kameraden konnte er noch weit bis ins Schlossinnere vernehmen.
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