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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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26.09.2016 1.126
 
Nachts im Museum V


Vampire, die nachts ein Museum besuchen, sind nun nichts Seltenes mehr. Die Gründe für die Wahl der Uhrzeit sind hinreichend bekannt.

Nur, wer war es diesmal, der sich in der Geschichte weiterbilden wollte? Oder hatte Derjenige gar etwas anders im Sinn? Sollte es hier wieder zu einem Verbrechen kommen? Einem Einbruch und dem Raub eines seltenen und zugleich teuren Gemäldes, wie es im Louvre mit der Mona Lisa der Fall gewesen war?

Schnell huschte ein Schatten über die langen Flure des Museums, das wie ausgestorben dalag. Nicht verwunderlich, wo es doch kurz vor Mitternacht war. Lautlos glitt er durch die Gänge, sein Ziel klar vor Augen und den Geruch verführerisch süß in der Nase. Doch er war nicht hier, um zu jagen, auch wenn er gern ein sehr deutlichen Zeichen setzen wollte. Er musste sich zügeln und seinen langsam aufsteigenden Durst kontrollieren.

Er war wütend. Wütend auf den Mann, der es wagte, seine Autorität zu untergraben und ihn für dumm zu verkaufen! So ließ er nicht mit sich umgehen! Das machte Niemand ein zweites Mal mit ihm!

Seine Warnungen waren ignoriert worden. Ein ums andere Mal. Nun war es Zeit, zu handeln.

Der Direktor des British Museum konnte sich auf etwas gefasst machen!

Warum er wusste, dass er den Herren hier und jetzt antreffen konnte? Weil dieser seit einiger Zeit versuchte, zu betrügen und bedeutende Kunstwerke für sich selbst beanspruchen wollte. An deren Platz kamen in der Regel gut gemachte Fälschungen. Und das konnte er am besten nachts tun, wenn kaum jemand ihn dabei beobachtete. Die Wachmänner waren bestochen und vermutlich bekamen sie eine ordentliche Summe dafür, dass sie diese nächtlichen Aktivitäten ignorierten. Vielleicht war ihnen sogar das eine oder andere Gemälde versprochen, was sich zu reichlich Geld machen ließ. So genau wusste er das nicht und es war ihm auch nicht wichtig, diese Details zu kennen. Wichtig war nur, diesem Treiben ein für alle Mal  Einhalt zu gebieten.

Da der lautlose Schatten ein bedeutender Geldgeber dieses Museums war, gefiel ihm die Einstellung des Direktors ganz und gar nicht.

Er hatte sein Ziel erreicht und verharrte einen Augenblick still, um zu beobachten. Es war interessant, wie eifrig der Mann mit den graumelierten Haaren, schätzungsweise Mitte 50, agierte. Routine war in den Handgriffen zu erkennen. Er machte das hier nicht zum ersten Mal. Der dunkel gekleidete Mann, der entspannt und mit verschränkten Armen im Türrahmen lehnte, wollte nicht darüber nachdenken, wie lange der Direktor diesen Machenschaften schon nachging. Er war schon wütend genug.

„Guten Abend.“

Erschrocken drehte der Mann sich um und konnte gerade noch den schweren goldenen Rahmen halten, den er in Händen hatte. „Sie haben mich erschreckt.“ Die Versuche des Mannes, ruhig zu bleiben und sich sein schlechtes Gewissen nicht anmerken zu lassen, scheiterten kläglich.

„Das war meine Absicht. Ich hoffe, Sie haben ein schlechtes Gewissen.“

„Ich wüsste nicht, warum.“ Die Selbstsicherheit war aus seiner Stimme gewichen.

„Ist es denn üblich, um diese Uhrzeit“, er sah demonstrativ auf seine Uhr, es war Mitternacht, „Gemälde umzuhängen?“

„Während der Besuchszeiten gestaltet sich das als etwas schwierig.“ Trotz der Anspannung war der Mann noch in der Lage, solch schlagfertige Antworten zu geben. Er schien sich der Gefahr in der er sich befand, nicht bewusst zu sein. Oder ignorierte sie, wie die meisten Menschen.

„Aber natürlich.“ Wenn der Grund seiner Anwesenheit ihn nicht so wütend machen würde, könnte er über diese Ausrede vermutlich herzhaft lachen. „Wann gedachten Sie, mich darüber zu informieren, was Sie hier treiben?“

Angstschweiß perlte von der Stirn des Mannes herab. Den Rahmen musste er auf dem Boden abstellen. Vermutlich konnte er ihn aufgrund der verschwitzten Hände nicht mehr halten. Die geforderte Antwort blieb aus und der blonde Mann, der immer noch an der Tür gelehnt dagestanden hatte, trat näher. Er nahm die Kapuze vom Kopf, und als der Direktor in die roten Augen blickte, stolperte er einige Schritte zurück und fiel rücklings auf den Boden. Nur auf den Unterarmen abgestützt versuchte er, Abstand zwischen sich und dieses Monster zu bringen, das ein gefährliches Grollen aus seiner Kehle erklingen ließ.

„Wir haben Sie und Ihre Machenschaften schon lange im Auge, also belügen Sie mich nicht!“

Der Direktor spürte eine Wand im Rücken. Das Monster hatte ihn in die Ecke gedrängt und stand drohend und grollend über ihm.

Eine bleiche Hand streckte sich nach seinem Kragen und hob ihn spielend leicht daran hoch. Ihre Gesichter waren nur Millimeter voneinander getrennt und der Direktor konnte den eiskalten Atem seines Gegners spüren, als dieser leise zischend sprach. „Halten Sie mich nicht zum Narren!“

Der Direktor spürte einen Schmerz an seinem Hals und ein leichtes Brennen und Ziehen. Bevor er begriff, was mit ihm geschah, war es auch schon wieder vorbei. Er taumelte und landete schmerzhaft auf dem Boden. Verwirrt blinzelte er einige Male und fragte sich, ob er sich diese Begegnung nicht nur eingebildet hatte. Es war niemand außer ihm in diesem Raum.  Immerhin war es die sechste Nacht in Folge, in der er nun schon arbeitete. Vermutlich war er einfach nur übermüdet und seine Fantasie hatte ihm einen Streich gespielt. Die Zeit drängte.

Er rappelte sich auf und fuhr sicherheitshalber mit seiner Hand über seinen Hals an der Stelle, wo er das angebliche Ziehen und Brennen verspürt hatte. Zwei Stellen waren etwas angeschwollen und er spürte Schorf. Etwas musste ihn gestochen haben.

Es war schon spät, fast viertel vor eins in der Nacht, wie er mit einem Blick auf seine Uhr feststellte. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr und er musste sich beeilen.

Gerade als er sich dem Gemälde zuwenden wollte, was an der Wand gelehnt stand, ertönte ein lautes Grollen in der Nacht. Erschreckt fuhr er herum. Anstatt das Gemälde durch ein anderes zu ersetzen, wie er es vorgehabt hatte, hängte er das Original wieder an seinen Platz und entschied, es für heute gut sein zu lassen.

Morgen Nacht war immer noch Zeit. Er sollte wirklich nach Hause und ins Bett gehen.



*



Er leckte sich die Lippen.

Caius war zufrieden mit sich, als er das Museum verließ und die steinernen Stufen hinunter auf den Gehweg trat. Solch einen Fehler erlaubte der Mann sich nicht noch einmal. Da war er sich ziemlich sicher.  Und eine kleine Mahlzeit hatte er auch gehabt. Wohl eher ein Appetithappen, der Lust machte auf mehr.

Bevor er den Rückweg nach Italien antrat, wo er sicherlich schon sehnsüchtig von Athenodora erwartet wurde, musste er seinen aufkommenden Durst noch stillen, auch, wenn er bei dem Direktor auf den Geschmack gekommen war. Vielleicht sollte er ihm öfter einen Besuch abstatten und ihn in regelmäßigen Abständen an seine Warnung erinnern. Und bei den Gelegenheiten konnte er ihn auch verkosten. Wie einen guten Wein, der noch Zeit zum Reifen brauchte. So war es doch auch mit dem menschlichen Blut.
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