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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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03.07.2016 1.968
 
Dramaturgische Künste




Venedig, Herbst 1963

Das Theater war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die wohlhabende Schicht der Gesellschaft hatte sich für diesen Anlass in die beste Abendgarderobe gekleidet und verweilte in angespannter Vorfreude auf das bevorstehende Stück, das an diesem Abend Premiere feiern würde.

Es war noch Zeit, bis der Vorhang sich unter tosendem Applaus öffnen würde. Zeit genug, um einige wichtige Bekanntschaften zu machen, sich über Neuigkeiten auszutauschen, oder sogar Geschäfte abzuschließen. Welcher Ort eignete sich dafür besser, als ein Theater? Dem Ort, an dem einst der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten worden war?

In dem nun menschenleeren Foyer verborgen im Schatten standen vier Gestalten beieinander, die noch nicht ihre Plätze eingenommen hatten, aber dennoch beabsichtigten, sich das Stück anzusehen. Pünktlich zur Ouvertüre würden sie ihre Plätze besetzt haben. Denn dafür waren sie extra den weiten Weg angereist. Doch noch etwas anderes hatte sie dazu veranlasst, diesen Ort aufzusuchen.

Schnelle Schritte erklangen auf dem Parkettboden und ein kleiner dicklicher Mann trat in das schummrige Licht. Suchend blickte er sich um und da erst traten sie in den  kleinen Lichtkreis den eine einsame Lampe auf den Parkettboden malte. Der Kleidung nach zu urteilen waren sie der oberen Gesellschaftsschicht zuzuordnen und mit ihrer Schönheit vermochten sie es, dass einem jeden der Atem stockte.

Als der Mann sie erblickte, schien er erleichtert und kam eiligen Schrittes auf sie zu.

„Vielen Dank, dass Sie dieses Treffen so kurzfristig ermöglichen konnten.“ Die Dankbarkeit in Aros Worten war echt als er den Mann begrüßte.

„Signori, Signora, ich danke Ihnen für Ihr Kommen. Es tut mir furchtbar Leid für die Verspätung, doch leider ist unser Chefdirigent erkrankt und nun muss ich gezwungenermaßen für ihn einspringen. Aus diesem Grund habe ich auch leider nicht so viel Zeit. Vielleicht besprechen wir das doch lieber nach der Aufführung.“ Er klang hoffnungsvoll, hoffte, dass sein Gegenüber diesem Vorschlag zustimmen würde und war erleichtert, als diese Zustimmung auch kam.

Es klingelte zum ersten Mal und der Intendant blickte erschrocken auf seine Uhr. „Ich muss jetzt auch wieder in den Orchestergraben. Beeilen Sie sich, dass Sie Ihre Plätze noch einnehmen, bevor die Ouvertüre startet.“ Und sogleich hastete er mit kleinen schnellen Schritten davon, um seiner Pflicht nachzukommen.

*

Es klingelte zum dritten Mal, die Saalbeleuchtung wurde ausgeschaltet und der Vorhang hob sich. Aro hatte Gerüchte gehört, die er an diesem Abend gern bestätigt, oder aber widerlegt haben wollte. Die Volturi hatten einen anonymen Hinweis erhalten. Im Zeitalter in dem Racheakte nicht auszuschließen waren, häuften sich diese anonymen Hinweise zum Leidwesen der Herrscher. Aro selbst konnte nur denen Schutz bieten, die einer Aufnahme in die Garde zustimmten. Mit Austritt aus dieser erlosch automatisch der Schutzstatus und konnte nicht mehr umfassend garantiert werden. Nur wenige Artgenossen waren mit dieser Regelung einverstanden.

Die ersten Töne erklangen aus dem Orchestergraben und der Vampir war versucht, genussvoll die Augen zu schließen und sich ganz und gar den Klängen hinzugeben. Das Schauspiel auf der Bühne interessierte ihn nur bedingt. Die meisten Schauspieler waren Laien, die nichts von der darstellenden Kunst verstanden. Aro hatte lange genug gelebt, um die Entwicklung des Musiktheaters mitzubekommen und diese zu studieren. Möglicherweise lag darin auch seine Vorliebe für die darstellende Kunst begründet, die er mit seiner Gattin teilte.

Sulpicia neben ihm schien es ebenfalls zu genießen und Aro freute es, dass er sie mit diesem Besuch ein Stück weit hatte überraschen können und so hatte er das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Wenn sich die Gerüchte die ihn hierher geführt hatten, nicht bestätigten, so konnten sie sicherlich noch die Stadt erkunden und eine Fahrt auf dem Canale Grande unternehmen und noch so Einiges mehr.

Dann aber erklang eine Stimme die so schön und rein war, dass sie keinesfalls menschlichen Ursprungs sein konnte und Aro musste unweigerlich die Augen öffnen, um das Spektakel auf der Bühne zu verfolgen. Der Mann der auf der Bühne erschienen war und ein Solostück zum Besten gab, wurde nur schwach beleuchtet und doch war das Funkeln seiner Haut unverkennbar. Die menschlichen Augen mochten das Glitzern der Schminke zuschreiben, die zweifellos auch bei diesem Darsteller zur Anwendung gekommen war, doch ein geschultes Vampirauge sah eindeutig die abertausenden von Lichtreflexionen, die die Bühnenbeleuchtung  auf der marmornen Haut des Unsterblichen verursachte.

Sulpicia saß stocksteif und blinzelte mehrfach. Sie legte ihre Hand auf Aros, um so zu kommunizieren. „Schatz, wie außergewöhnlich!“ Sie blickte zu ihm. Er schüttelte fast unmerklich mit dem Kopf. Er wollte hier keine Debatte. Caius hatte den Mann ebenfalls gesehen und war nicht erfreut.

Der erste Akt und somit dieses Solostück war fast beendet, als Aro von dem rechten Platz neben sich ein Grollen vernahm.  „Wir müssen eingreifen!“

Aro hielt Caius am Arm, der im Begriff war, sich zu erheben und der Darbietung ein Ende zu bereiten. „Beruhige dich. Es ist noch genug Zeit. Solange ihn niemand fotografiert, soll er seine Arbeit verrichten. Entspanne dich und genieße diese Kunst der Künste. Noch hat er nichts Verwerfliches getan.“

Ein abfälliges Schnauben war von Caius zu vernehmen, doch er setzte sich wieder, schwieg und wartete, bis er endlich zum Zug kommen konnte. Vorausgesetzt, Aro würde ihm freie Hand lassen, was er bis jetzt jedoch noch bezweifelte.  

*

Der Vorhang senkte sich unter tosendem Applaus zum letzten Mal herab. Caius hielt es nicht länger auf seinem Platz und Aro hatte Mühe, ihn einzuholen. Es war schon schwierig gewesen, ihn in der Pause davon abzuhalten, in die Umkleiden der Schauspieler hinter der Bühne zu stürmen, um sich den Mann zu schnappen.  Das Theater hatte dunkle Ecken. Hier ein Urteil zu sprechen und gleich auszuführen wäre für den blonden Mann ein Leichtes gewesen.  

Sie würden am Schlussapplaus nicht mehr teilnehmen können und Aro bedauerte es. Er hätte gern die Leistung des Akteurs gebührend gewürdigt. Aber wenn Caius in Rage war, konnte man ihn nur schwer aufhalten.

„Caius warte doch! Es bringt nichts, wenn wir ihn hier exekutieren und ihn anschließend mit den Vorwürfen konfrontieren. Lass ihn erst einmal selbst zu Wort kommen, bevor du handelst.“

Murrend blieb Caius im Durchgang zu den Umkleiden der Darsteller stehen und drehte sich zu Aro um. „Und was genau denkst du, zu tun? Willst du dich bedanken? Er hat gefunkelt wie eine Disco Kugel.“

In Aros Augen lag ein Ausdruck, der bestätigte, dass er bereits einen Plan hatte, doch bevor Caius ihn danach fragen konnte, hatte Aro seinen Blick auf einen Punkt hinter ihm gerichtet.

„Da kommt der Mann des Abends“, erwiderte Aro stattdessen und setzte ein breites Lächeln auf. Als Caius sich umdrehte, fand er sich einem Vampir gegenüber, der die anderen Schauspieler mit seinem Können weit übertrumpft hatte.

Wenn der Unsterbliche überrascht war, die Herrscher zu sehen, ließ er es sich nicht anmerken.

„Eine wirklich exzellente Leistung heute“, lobte Aro und erging sich mit dem Akteur in einer Debatte über das Schaffen des Komponisten, der das Solo vor langer Zeit erschaffen hatte. Caius stand daneben und konnte sich nicht entscheiden, ob er mit den Augen rollen oder dem Ganzen gleich ein Ende bereiten sollte, indem er das Gesetz durchsetzte und die Strafe ausführte.

„Es freut mich, dass es gefallen hat.“ Der Vampir schien bescheiden oder aber eingeschüchtert von dem immensen Wissen, das Aro zum Theater vorzuweisen hatte. Eine Reaktion, die Aro überraschte. Er kannte durchaus Artgenossen, die in so einer Position die Nase weit oben getragen und sich hätten feiern lassen für eine Leistung, die durchaus des Lobes wert war, gesetzlich jedoch weit im dunkelgrauen bis schwarzen Bereich lag.

Aro schien da nun großzügig drüber hinwegzusehen. Etwas, das Caius ganz und gar nicht passte. „Ich habe ein Angebot zu machen.“



***




Aro hatte erst gar keine Diskussion mit Caius und dem Mann begonnen. Er wollte sich den Rest der Reise in Venedig nicht durch einen Miesepeter namens Caius verderben lassen, der, einmal in Fahrt, immer neue Argumente fand und eine Debatte mit ihm sich daher endlos in die Länge ziehen konnte. Und das machte Aro auch mehr als deutlich, sodass Caius seiner Art gleich, bald nach Volterra abreiste und Aro und Sulpicia in Ruhe ließ.

„Was hast du mit ihm geplant? Erzählst du es mir, wenn du es Caius schon nicht verraten möchtest?“

Aro schmunzelte, hatte er doch ihre Gedanken und Neugierde diesbezüglich genauestens bemerkt, ebenso die Versuche Sulpicias ihn mit allen Mitteln, sei es beispielsweise ein liebreizender Augenaufschlag, doch noch zum Reden zu bringen.

„Lass dich genauso überraschen, wie alle anderen.“ Mehr war von ihm zu diesem Thema auch nicht mehr zu hören und sie verbrachten noch zwei romantische Tage in der Lagunenstadt, bevor sie ins Schloss nach Volterra zurückkehrten. Dabei waren sie sich sicher, dass sie die Argumente von Caius und dessen Willen endlich zu einem Urteil zu kommen, nur für einige Tage hatten entfliehen können. Irgendwann mussten sie sich mit ihm auseinandersetzen und Aro war gut vorbereitet.



***




Caius verstand nicht, warum Aro die Darbietung des Unsterblichen noch belohnt hatte, indem er ihn ins Schloss einlud und das hatte er ihm mehr als einmal gegenüber kundgetan. Mal mehr und mal weniger impulsiv. Aro hatte sich etwas in den Kopf gesetzt und war taub für die Worte die Caius an ihn richtete, egal, was dieser auch für Argumente vorbringen mochte. Doch irgendwann konnte selbst Aro seine Gründe nicht mehr geheim halten und musste mit offenen Karten spielen:

„Du weißt, wie sehr auch die Wächter diese Darbietung der Künste lieben und ich dachte, ich hole so eine Darbietung ins Schloss und biete ihnen somit Abwechslung vom Alltag. Meinst du nicht, dass man jahrelange treue Dienste einmal belohnen kann?“

„Und anschließend? Willst du ihn wieder ins Theater entlassen?“ Aus seiner Stimme sprach Zorn und man könnte meinen, er zweifle an Aros Zurechnungsfähigkeit, womit man gar nicht mal so falsch lag. Er sah  bereits seine Chance verstreichen, eine Gesetzesahndung nicht durchführen zu können, da sein Bruder seine Pläne vereitelte.

„Du vertraust mir zu wenig Caius.“

„Ich habe meine Gründe.“

„Du kränkst mich.“

„Das ist mir gleichgültig.“

„Wenn man euch zuhört, könnte man meinen, ihr seid zwei bockige Kinder.“

Unbemerkt der beiden Herrscher hatte Athenodora das Arbeitszimmer von Aro betreten. „Wenn ihr meine Meinung dazu wissen wollt: Ich finde diese Idee gar nicht schlecht. Und ich muss Aro zustimmen. Gib ihm diese eine Chance. Vielleicht wirst du deine Meinung noch ändern“, waren die gut gemeinten und an Caius gerichteten Worte ihrerseits.

Vermutlich murmelte Caius in diesem Augenblick etwas von einer Verschwörung, doch Athenodora hatte gefunden, was sie gesucht hatte und war schon wieder gegangen, ohne sonderlich auf die Worte ihres Gatten zu achten.



***




Der Innenhof war gefüllt mit Wächtern aller Altersklassen und jeden Geschlechtes. An einer Seite war ein kleines Podest ähnlich einer Bühne aufgebaut worden. Eine gespannte Vorfreude lag in der Luft. Die Abenddämmerung hatte bereits eingesetzt und alle Blicke waren erwartungsvoll auf die kleine provisorische Bühne gerichtet.

„Ich kann gar nicht glauben, dass ich das noch erleben darf.“

„Wie lange gab es denn solche Aufführungen nicht mehr im Schloss?“, erkundigte Therasia sich bei Chelsea

„Da warst du noch gar nicht geboren.“

„Aber ihr habt doch die Meister des Öfteren auf Missionen und Ausflüge begleitet. Doch sicher auch ins Theater?“

„Jaah … das schon, aber hier im Schloss gab es bisher keine einzige solche Aufführung. Das ist heute ein Premiere und etwas ganz Besonderes.“ Die Wächterin strahlte vor Begeisterung und Aufregung.

Aro persönlich bestieg zunächst die kleine Bühne und sofort verstummten die vereinzelten Gespräche der Wächter ringsum.

„Es freut mich, heute etwas ganz Besonderes ankündigen zu dürfen. Vor einigen Tagen konnte ich mich selbst von seinem außerordentlichen Können überzeugen und heute ist er hier, um für uns seine Darbietung zum Besten zu geben.“

„Ich habe kein gutes Gefühl dabei. Die Sache hat einen Haken“, hörte Therasia Chelsea neben sich murmeln.

„Wie kommst du darauf?“

Chelsea kam nicht mehr dazu, zu antworten, da der Vampir unter verhaltenem Applaus die Bühne betreten hatte und zu singen begann.

Nie hatte sie etwas Schöneres gehört.
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