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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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24.06.2016 1.543
 
Nachts im Museum II




Erneut befinden wir uns des Nachts in einem Museum. Diesmal sind es nicht Aro und Sulpicia, die durch die weitläufigen Hallen wandeln, sondern Amun.

Auch sind diesmal nicht die Uffizien in Florenz Schauplatz dieser kleinen Geschichte, sondern ein Museum in Ägypten. In Kairo um genau zu sein. Das Ägyptische Museum bot sich gerade für Amuns Bedürfnisse an.

Was machte Amun in einem Museum, dessen Geschichte er doch kennen müsste? Die Ägyptische Geschichte hatte der Vampir mit geprägt, daher kannte er die Stücke, die hier ausgestellt waren und dennoch hatte er einen triftigen Grund, warum er sich an diesem Ort aufhielt und warum er es des Nachts tat.

Doch Amun war nicht alleine, sein Ziehsohn Benjamin begleitete ihn. Grund Nummer eins für die Wahl der Uhrzeit. Benjamin hatte immer noch Schwierigkeiten mit seiner Selbstbeherrschung. Daher wäre es nicht klug, tagsüber einen ungeübten Vampir in das Chaos der Stadt zu entlassen, was auf jeden Fall in einem Blutbad enden würde.  Oder in einem Sandsturm mit orkanähnlichen Ausmaßen.  

Sein Ziehsohn hatte dem Älteren so viele Fragen über seine Vergangenheit gestellt, dass Amun der Stadt der Toten fast wöchentlich einen Besuch abstattete, um genügend Menschen zu töten und  Blut zu tanken. Die Erklärungen, welche der Jungvampir forderte waren anstrengend. Seine Toleranz war am Sinken und Kebi hatte ihm geraten, auch Benjamin einen Tapetenwechsel zu gestatten. Es war gefährlich, soviel war ihnen klar. Doch der junge Mann wurde nicht müde, sich um alles und jeden zu sorgen. Er verstand die Regeln nicht. Kannte die alten Gesetze nicht und vieles der alten Kultur war ihm unbekannt.  Amun wollte Benjamin die Geschichte des Landes näher bringen.  Vielleicht halfen die Artefakte des Museums.



***




Benjamin lief staunend durch die Gänge und wusste gar nicht, wohin er zuerst seine Blicke richten sollte. An jeder Ecke fand er etwas Neues, das ihn interessierte.

Amun hatte zunächst nicht gesagt, wohin sie ihre Reise führte. Eine ausgiebige Jagd hatten sie schon hinter sich als reine Vorsichtsmaßnahme und als Amun nicht gleich den Rückweg eingeschlagen hatte, war Benjamin stutzig geworden.

Seine Neugierde war geweckt und er vertraute Amun insoweit, dass er ihm folgte, nicht ohne viele Fragen zu stellen. Amun hatte ihm doch bis jetzt alle Fragen beantwortet, die er ihm stellte und so würde es auch dieses Mal sein.

Ihr erster Halt war die Sphinx von Gizeh gewesen. Sie stellt einen liegenden Löwen mit einem Menschenkopf dar. Man musste nahe heran treten um den anmutig, eng am Körper anliegenden Schwanz zu sehen. Der Kopf war in Relation zum Körper zu klein geraten und  Amun kannte den Grund. Der alte Vampir lachte. „Die Forscher heutzutage denken, sie hatte einst einen größerer Kopf, doch das ist Unsinn. Der wahre Grund ist…“

Benjamin räusperte sich. „Die Ursache kenne ich auch. Aber wie hat sie denn wirklich ihre Nase verloren?“

Er musste sich eingestehen, dass er viele Fragen erwartet hatte, aber ganz gewiss nicht diese. Es kursierten verschiedene Gerüchte, wie die Nase dieser Statue abgebrochen sein könnte. Letztendlich entschied er sich für folgende Version:

„Weißt du, das ist nicht genau überliefert. Eine der gängigsten Varianten unter Vampiren ist die, dass sie bei einem Kampf beschädigt wurde. Relativ unspektakulär, wenn du mich fragst. Die witzigste und daher in meinen Augen auch die plausibelste ist die, dass es tatsächlich auf einen Ehestreit bei den Volturi zurückzuführen ist.“

„Wie bitte?“ Benjamin blinzelte. „Du redest von den ehrwürdigen Volturi?“

Amun schmunzelte. Diese Reaktion hatte er erwartet. „Dieses Gerücht hält sich hartnäckig seit mehreren Jahrhunderten. Wer genau dafür verantwortlich ist, weiß man nicht so genau. Manch einer glaubt, Aro und Sulpicia hatten eine sehr heftige Meinungsverschiedenheit, andere wiederrum sagen, dass Caius und Athenodora hier ihre Ehestreitigkeiten ausgetragen haben.“

„Und was glaubst du?“

Amun zögerte. Sollte er Benjamin wirklich davon erzählen? „Ich glaube, dass die Geschichte um Caius und Athenodora die wahrscheinlichste ist. Aus dem Grund, weil Diejenigen, die Caius kennen, nicht daran glauben, dass er so von seiner Gattin vorgeführt wird. Den genauen Grund für den Streit weiß niemand und darüber zu mutmaßen, würde zu nichts führen. Athenodora soll in einem Anfall von Wut auf die Sphinx geklettert sein, um von einem erhöhten Standpunkt aus, Caius ihre Meinung deutlich zu machen. Dabei muss sie wohl etwas zu fest aufgetreten haben und die Nase war nicht mehr zu retten. Caius soll einige Minuten stocksteif dagestanden und sie einfach nur angestarrt haben, da er nicht glauben konnte, dass es wirklich passiert war und sie so das Wort gegen ihn erhob.“

„Und was hat Athenodora gemacht?“

„Sie hat mit dem Lachen nicht mehr aufhören können, als sie ihren Mann so sah. Vermutlich war der Anblick eines geschockten Caius ein Bild für Jahrhunderte.“

„Der Mann hat auch Gefühle“, wisperte Benjamin, „warum sollte er die nicht auch zeigen?“

„Caius Volturi hat keine Gefühle!“, erwiderte Amun ernst. „Und sollte er welche zeigen, dann renne in die entgegen gesetzte Richtung und rette dein Leben.“

Diese kleine Episode aus vergangenen Zeiten schien vergessen, als Benjamin nun staunend durch die Gänge wandelte. Die Überraschung, ihn in dieses Museum zu führen und ihn damit zu begeistern, war Amun gelungen. Er behielt seinen Schützling wachsam im Auge, sodass er selbst sich nur bedingt auf die Exponate konzentrierte. Die Exponate hier waren nur ein Bruchteil dessen, was in der Vergangenheit an Kultur und Kunst geschaffen worden war. Wenn er sich daran erinnerte, wie er zusammen mit Kebi einst lebte. Wie anders die Menschen hier lebten, bevor … Er schüttelte sich. Die Veränderungen der neuen Zeit ließen sich nicht aufhalten. Er musste sich um seinen Ziehsohn kümmern.

Normalerweise waren um diese Uhrzeit sämtliche Sicherheitsmaßnahmen aktiv. Die Videoüberwachung war ausgeschalten, das Wachpersonal für einige Stunden mit Anderweitigem beschäftigt, als dem Überwachen und Patroulieren durch die Flure. Es war etwas Geld in die Spendenkasse des Museums geflossen und dieser Umstand war einer von Vielen, weshalb Kebi diesen Besuch guthieß.

„Lass dir ruhig Zeit.“

Das ließ Benjamin sich nicht zweimal sagen. Obwohl es zu einigen ausgestellten Stück eine Erklärung gab, erkundigte Benjamin sich oft bei Amun, und dieser beantwortete ihm geduldig alle Fragen und freute sich über das Vertrauen, das Benjamin in dieser Angelegenheit in ihn hatte. Viele Erlebnisse, die durch die Exponate erzählt wurden, hatte Amun miterlebt und er ließ Benjamin gern an seinem Leben teilhaben.

„Kanntest du Anubis, oder Ahkmenrah*?“ Amun hatte schon lange auf eine solche Frage gewartet und Benjamin hatte ihn nicht enttäuscht.

„Du hast mich durchschaut. Anubis, der Gott der Totenriten und der Mumifizierung, ist der Grund, warum wir heute das sind, was wir sind.“

Benjamin wollte seinen Ohren nicht trauen. „Das wusste ich gar nicht.“

„Deswegen habe ich dich heute hierhergeführt. Damit du all das lernst, was es über unsere Kultur und unser Land zu wissen gibt. Natürlich kann ich dir noch viel mehr darüber erzählen, aber das hier ist ein guter Anfang, um sich einen Überblick zu verschaffen, finde ich.“

Etwas weiter den Gang hinunter hatte etwas Benjamins Aufmerksamkeit erregt und er rief Amun herbei. „Amun!“

Er hatte gewusst, dass Benjamin früher oder später darauf stoßen würde und er hatte lange genug Zeit gehabt, um sich eine Antwort zurecht zu legen.

„Was hat das zu bedeuten?“ Lächelnd schaute Amun auf das kleine Metallschild, welches sein Leben zweisprachig in Kurzform wiedergab. Die steinerne Statue, welche die Gottheit mit dem Widderkopf darstellte, und zu der die Beschreibung gehörte, war ihm sehr vertraut.

Amun, (auch Amon, Amoun, Amen) galt in der altägyptischen Religion als der Wind- und Fruchtbarkeitsgott.

„Hättest du dir nicht etwas Spannenderes einfallen lassen können?“ Benjamin schien enttäuscht zu sein.

„Die spannenden Posten waren alle schon belegt“, versuchte Amun zu scherzen und Benjamin seine Enttäuschung vergessen zu lassen, die ihn persönlich schon etwas getroffen hatte. „Die Griechen haben mich mit Zeus gleichgestellt und identifiziert.“ Das schien Benjamin wenig zu beeindrucken, oder er hörte nicht richtig zu, da ihn auf der kleinen Tafel aus Metall eine andere Information ins Auge gefallen war:

„Hier steht, du hattest eine Göttin. War das Kebi? Und wenn ja, warum nennt sie sich heute anders?“

Ein trauriger Ausdruck trat auf Amuns Gesicht. „Es gab eine Zeit vor Kebi“. Der Ton in dem er dies sagte, ließ darauf schließen, dass er sich nicht gern daran zurückerinnerte. „Es ist eine lange Geschichte, deren Zeit noch nicht gekommen ist.“ Benjamin schien traurig, aber er akzeptierte Amuns Entscheidung dahingehend. Irgendwann war sicher der Augenblick gekommen, in dem er alles erfahren würde und Amun bereit war, zu erzählen.

„Wie habt ihr euch kennengelernt?“

Amun fasste sich kurz. Es gab noch vieles, was ihm heute Nacht wichtiger war und sie verbrachten noch viele Stunden versunken in vergangenen Zeiten und so manch Geschichte wurde noch erzählt und konnte doch nicht annähernd den Wissensdurst des Jüngeren stillen.

„Werden wir wiederkommen?“, fragte Benjamin, als es an der Zeit war, zu gehen. Die Sonne würde bald aufgehen und bis dahin wollten sie zurück bei Kebi sein.

„Das werden wir.“

Das Leuchten das in Benjamins Augen trat, war für Amun Belohnung genug. Er schwor sich, Benjamin ein guter Vater zu sein und ihn in Allem zu unterrichten, was sein Interesse auch nur annähernd weckte.



___

*Ich habe mir hier eine kleine Spielerei erlaubt. Ahkmenrah ist der Pharao aus dem Film „Nachts im Museum“ und daher eine erfundene Figur. Gespielt wird er von Rami Malek der unter anderem Benjamin in Breaking Dawn verkörpert.
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