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Moments of Immortality (Fragmente)

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Carlisle Cullen Esme Cullen
07.01.2011
09.01.2022
89
149.974
11
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
18.05.2016 1.136
 
Hiermit beginne ich eine kleine Reihe, von der ich immer mal wieder etwas zwischendurch posten werde. Teil 2 hierzu ist in Arbeit.




Nachts im Museum I




Wir befinden uns zu nachtschlafender Zeit an einem recht ungewöhnlichen Ort. Ungewöhnlich der Uhrzeit wegen. Wer läuft schon in tiefster Nacht durch ein Museum, wo doch die Exponate bei Tageslicht besser zu bestaunen sind?

Nun, wenn man Einfluss, Geld, Macht und dazu noch den Respekt des Museumschefs besaß, konnte man ein Museum besuchen, wann immer man es wünschte. Und dabei spielten die Öffnungszeiten keine Rolle. Selbst Geld war nicht wichtig, wenn man nur über die nötigen Beziehungen verfügte. Für Vampire war es sowieso von Vorteil, störten sie doch keine Menschen mit ihrem verführerischen Geruch nach Blut.

Niemand beschwerte sich, wenn man sehr lange vor einem Gemälde stand und dieses eingehend betrachtete, jeden einzelnen Pinselstrich verfolgte und den Maler bei der Arbeit vor seinem geistigen Auge sah.

Übertrieben denkt ihr? Nicht für eine Vampirin, welche die Künste liebte.

Sulpicia hatte nicht gedacht, dass Aro es schaffte, sie mit so einem nächtlichen Besuch in einem Museum zu überraschen. Das war auch für sie nicht alltäglich und sie fragte sich, was Aro mit diesem Ausflug bezwecken wollte. Irgendetwas hatte er immer vor, wenn er sie überraschte und sie grübelte, ob er möglicherweise etwas getan hatte, das ihr missfallen könnte. Hatte er ein schlechtes Gewissen und wollte etwas wiedergutmachen?  

Meist, wenn er etwas außerhalb Volterras plante, steckte etwas Größeres dahinter. Noch hatte sie nicht herausgefunden, was es war und sie hatte sich fest vorgenommen diesen Ort nicht zu verlassen, bis sie dahintergekommen war.

Wie üblich kleidete sich ihr Gatte in den Mantel des Schweigens, doch Sulpicia würde schon einen Weg finden, dieses Schweigen zu brechen. Sie kannte ihren Gatten gut genug und Zeit hatte sie auch genügend.

Sulpicia war etwas vorgelaufen, um ein Gemälde genauer zu betrachten und hatte damit die Verbindung zu Aro gelöst, der bis vor kurzem noch ihre Hand gehalten hatte. Sie wollte ihn an ihren Gedanken jetzt nicht teilhaben lassen, auch wenn sie wusste, wie begierig er gerade jetzt danach war, zu wissen, was sie dachte.

Diese Genugtuung gönnte sie ihm nicht.

Sie hatte ihren eigenen Willen und den wollte sie heute durchsetzen. Auch, wenn es Aro nicht passte. Mit Aro hatte sie schon oft Debatten darüber geführt, aber diese waren heute nicht wichtig. Sie wollte genießen und die Künste bewundern.

Aro ließ seine Liebe vorlaufen und betrachtete ebenfalls die Gemälde um sich herum. Sulpicia würde ihren eigenen Weg gehen und irgendwann auf das stoßen, was er für sie vorbereitet hatte. Er war davon überzeugt, dass sie seine Arbeit und die Liebe zum Detail sowie seine Liebe zu ihr darin erkennen konnte.  Er liebte sie und musste schmunzeln über die Gedanken, die sie sich so unnütz machte. Nicht immer war es Vergeben, welches er von ihr ersuchte. Manchmal wollte er ihr zeigen, dass sie das Wichtigste war, das er hatte.  Seine Frau war stehen geblieben und Aro blickte sie freundlich an. „Was gibt es?“

„Du hast uns nicht nur hierher geführt, damit wir uns in Ruhe die Bilder ansehen können.“ Aro schmunzelte ob dieser Feststellung und schwieg, tat so, als wäre er in das Gemälde vor sich vertieft und nähme ihre Stimme gar nicht wahr.

„Ich möchte wissen, warum wir hier sind.“

„Gefallen dir die Werke der Meister nicht?“

„Aro! Was ist geschehen?“

Die dunklen Augen strahlten. „Was soll geschehen sein? Darf ein Mann seine Frau nicht ausführen?“

Sie hätte fast mit dem Fuß gestampft. „Was für ein Aufwand, mitten in der Nacht! Was wirst du tun, wenn mir nicht gefällt, was du vorbereitet hast?“

„Vorbereitet?“ Aro zog eine Augenbraue hoch. „Ich verstehe nicht.“

Sulpicia wurde ruhiger. „Das ist eine Sonderausstellung, oder nicht? Oder es kommt bald eine. Was machst du, wenn es mir nicht gefällt?“

„Dazu wird es nicht kommen.“ Da war er sich sehr sicher.

„Was macht dich da so sicher?“ Der misstrauische Blick der ihn traf, konnte ihn ebenso nicht erweichen, wie ihre skeptischen Worte.

„Ich kenne dich schon über 2000 Jahre und ich kenne dich zumindest gut genug, um zu beurteilen, was dir gefällt und was nicht. Und es wird dir gefallen. Wenn nicht, dann will ich verdammt sein und mich nicht mehr deinen Gatten nennen.“

„Du musst dir deiner Sache wirklich sehr sicher sein.“

„Das bin ich meistens.“ Er deutete ihr an, dem Gang weiter zu folgen. Auch ein Museumsdirektor musste einmal schlafen. Oder zumindest das Gebäude verlassen, ehe die Angestellten am Morgen wieder ihren Dienst antraten. Damit kehrte wieder Schweigen zwischen ihnen ein und der Kunst wurde wieder die volle Aufmerksamkeit gewidmet.

Wie gern würde er jetzt ihren Gedanken und Spekulationen lauschen, doch sie war es gewesen, die die Verbindung ihrer Hände getrennt hatte und offensichtlich wollte sie nicht, dass er ihre Gedanken kannte. Hatte sie etwas Angst, dass er sich darüber amüsierte? Oder etwas in Erfahrung brachte, was ihn erzürnen könnte? Vielleicht wäre das auch so, doch so musste Aro sich damit zufrieden geben leer auszugehen und schritt langsam zum nächsten Gemälde, um es einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen.

Irgendwann hielten ihre langsamen Schritte kurz inne, um dann umso schneller über den Linoleumboden zu laufen. Aro wusste, dass sie den Grund ihres Besuches gefunden hatte und schaute ihr nach. Würde es ihr gefallen?

„Es ist wunderschön.“ Ihre Stimme war in dem riesigen Raum kaum zu vernehmen, doch Aro hörte jede Silbe und genoss den Klang ihrer Stimme. Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht und er beglückwünschte sich innerlich zu dieser Entscheidung.

Lange hatte er überlegt, wie er ihr dieses Geschenk gebührend präsentieren konnte und es war Alec gewesen, der ihn auf diese Idee gebracht hatte. Er würde ihm danken, wenn er wieder im Schloss war.

Sulpicia war immer noch ganz fasziniert und sprachlos, angesichts des Bildes, das ihr Antlitz zeigte und auf einer übergroßen Leinwand präsentiert wurde. Das Licht war perfekt und ihre Schönheit atemberaubend. Sowohl in der Kunst, als auch unsterblich vor ihm stehend.

Es hatte Aro einiges an Zeit gekostet, einen geeigneten Maler aufzutreiben, dessen Kunst er vertraute. Nicht jedem vertraute er die Liebe seines Daseins an. Auch wenn sie nur aus Farben bestand. Jeder Pinselstrich musste perfekt sitzen und dieser Maler war sein Geld wert gewesen.

„Gefällt es dir?“, fragte er, nachdem er an sie herangetreten war und das Werk nun ebenfalls betrachtete. Sulpicia war zu fasziniert von dem Bild, dass sie es nicht wagte, die Augen davon abzuwenden. „Es ist unbeschreiblich schön. Ich danke dir Aro. Du schmeichelst mir.“

Aro lachte leise. „Nun, auch ich sehe, was der Künstler in dir gesehen hat. Du bist schön. Noch immer. Und ich liebe dich!“

Und dann wandte sie doch ihren Blick von dem Gemälde ab, umarmte ihren Gatten und legte sämtliche Liebe die sie für ihn empfand in den Kuss, der ein kleines Weilchen andauerte.



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