Auroran Gunpowder

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
06.01.2011
20.04.2014
3
5.774
 
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06.01.2011 1.735
 
So hier mal die erste Geschichte zu Fable 3.
Sie läuft so unter Romanze/Action/Humor


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Gedankenverloren fuhr sie den seidenen Ärmel des Kleides nach. Der Stoff kitzelte ihre Fingerspitzen.
„Kann ich Euch helfen, Eure Majestät?“ fragte Jasper, ihr Diener, der hinter ihr geduldig wartete. Die Königin zuckte kurz zusammen, und ließ von dem Kleid ab. Es war ein sehr extravagantes Kleidungsstück. Doch es gefiel ihr recht gut, obwohl es so üppig und verschwenderisch geschmückt war. Es war ja schließlich ein Ballkleid.
Ein kurzes Lächeln zuckte über ihre Lippen, als sie an den Abend dachte, an dem sie dieses Kleid „ausgeführt“ hatte. Sie hatte es von Page, der Anführerin des Bowerstone- Widerstandes. Sie hatte die Revolution gestartet. Damals war sie mit Page nach Millfields gegangen, um ein paar ihrer Männer zu befreien, die versucht hatten sich einzuschleichen.
Bei ihm. Dem größten Fabrikbesitzer Albions; Reaver.
Ein eigenartiger Geselle.
Sie konnte sich noch an ganz früher erinnern, wo sie noch als Prinzessin im Schloss von Bowerstone gelebt hatte, als ihr Bruder noch König gewesen war.
Als sie ungefähr fünfzehn Jahre alt gewesen war, hatte sie diesen Kerl einmal im Schloss gesehen, doch sie hatte ihn nicht weiter beachtet. Täglich waren viele Menschen im Schloss ein und aus gegangen, sie war nur verwundert über die Körpergröße des Mannes gewesen. Die Legenden besagten, dass Menschen, die gut im Umgang mit Schusswaffen waren, auch viel wuchsen.
Erst als sie ihn nach Jahren, als sie von Mourningwood nach Bowerstone zurück gekehrt war, hatte sie ihn erkannt. Er hatte auf einem Balkon seiner Fabrik gestanden, und auf einen der protestierenden Arbeiter geschossen. Das hatte sie sehr schockiert.

Als sie sich nun verkleidet zu einer von Reavers Partys eingeschlichen hatten, wurden sie von ihm und seinen Gästen empfangen. Der Fabrikbesitzer ließ sie gegen allerhand Kreaturen kämpfen, doch Page und die Heldin hatten sie alle besiegt. Am Schluss stellte sich heraus, dass die Gäste der Feier Balverine waren, die die Rebellen angriffen. Als die beiden Frauen alle Feinde getötet hatten, lachte Reaver nur schmierig und lud sie zu einer privaten Party in seinem Schlafzimmer ein. Wie dreist dieser Kerl doch war! Sie hatten doch vor ihn für seine Taten büßen zu lassen, doch der Schurke wehrte einen Schuss, den Page ihm entgegen schleuderte mit seinem Gehstock ab, und verschwand, als Page die Identität der Heldin preisgegeben hatte.
Verwirrt verließen die beiden sofort die Villa.

Die Situation um den mysteriösen Mann änderte sich jedoch als sie Königin wurde.
Plötzlich tat er so, als hätte er gar nicht versucht sie zu töten, und trat so gar vor sie um seine Anliegen vor zu bringen. Rosie gab ihnen nicht statt, außerdem musste die Königin doch die Versprechen halten, die sie ihren Alliierten gegeben hatte.
Egal um welche Angelegenheit es gegangen war, Reaver hatte immer dagegen gewetteifert.
Aus dem Waisenhaus wollte er ein Bordell machen, die Auroraner nicht unterstützen.
Hin und wieder war er auch mit eigenen Vorschlägen gekommen, die meistens etwas mit Verbrechen, Sex, Geld und Vergnügungssucht zu tun hatten.
Alleine aus Prinzip hatte sie die Anträge und Vorschläge zur „Verbesserung Albions“, des nervtötenden, immer wieder kehrenden Mannes nie unterstützt.
Und es hatte immer funktioniert, denn Albion war keine Müllkippe voller Kneipen, Bars und Freudenhäuser.
Die Bürger waren glücklich!
Zufrieden!

Dann war die Schlacht um Bowerstone gewesen.
Dank dem Vermögen, das sie durch Immobilien erwirtschaftet hatte, war es ihr gelungen, trotz der gehaltenen Versprechen ein Heer aufzustellen.
Und seit der Kriecher besiegt war, war Reaver verschwunden.

Das alles ging der jungen Königin, Rosie, benannt nach der Schwester, Rose, ihrer Mutter, durch den Kopf, als sie vor der Puppe stand, die dieses Ballkleid ausstellte.
Die Schlacht war nun schon ein halbes Jahr her.
Es hatte sich viel verändert.
Albion erholte sich langsam von der Pest der Dunkelheit, die es befallen hatte.
In Aurora drängten die tapferen Soldaten die Armee des Kriechers zurück.
Es sah alles ganz gut aus.
Öfters hatte die Königin Aurora besucht, um nach den Rechten zu sehen.
Sie liebte dieses Land irgendwie.
Kalin, die Sprecherin der auroranischen Bevölkerung war überglücklich, dass die Heldin diesem Teil des Königreiches so viel Aufmerksamkeit widmete.

Momentan befand sie sich in ihrem Unterschlupf zu dem sie sich mittels des Gildensiegels, das sie von ihrer Mutter, der Heldin von Bowertümpel, geerbt hatte, teleportieren konnte.
„Wenn Ihr mich fragt.“ Begann Jasper mit seiner förmlichen Stimme zu reden. „eignet sich dieses Kleid nicht besonders gut für Streifzüge durch die Wüste.“ Die Heldin lachte kurz auf.
„Ist schon gut, Jasper, es sind nur ein paar alte Erinnerungen aufgekommen.“
Sie schnappte sich ein bequem wirkendes Outfit, und verschwand hinter dem Paravent in der Ecke, um sich umzuziehen. Es war Kleidung, die sie in Brightwall erworben hatte, praktisch, aber auch modisch, was ihr, wie sie nicht zugeben wollte, auch sehr wichtig war.
Kaum hatte sie sich fertig umgezogen, streifte sie leicht über das Gildensiegel und befand sich in Aurora, dem Ort, an dem sie gewesen war, bevor sie den Unterschlupf aufgesucht hatte.

Der Wüstenwind strich ihr sanft über ihr Gesicht. Vor ihr erhob sich die Wüstenkaserne.
Ein Soldat salutierte. „Eure Majestät!“ rief er laut, was ihr ein Lächeln entlockte.
Sie hatte die Macht, die Kontrolle über Albion.
Ihr Albion.
Doch im Grunde fühlte sie sich noch immer wie die Prinzessin, die mit Sir Walter Beck täglich trainiert hatte um eines Tages eine Heldin zu werden.
Sie hoffte, Walter würde stolz auf sie sein, wenn er sah, wie sie das Königreich verändert hatte.
Einer der Soldaten, der am Tor zur Wüste stand, hob seine Hand zum Schirm seines Hutes.
„Wie geht es voran, Major?“ fragte sie ihn.
„Alles läuft gut, Eure Majestät!“ erklärte er „Sie greifen nicht mehr so häufig an. Ich denke sie werden immer weniger.“
Sie nickte ihn verstehend und anerkennend an. „Weitermachen.“
Die Königin freute sich, dass alles so gut lief.

„Eure Majestät!“ hörte sie plötzlich jemanden in einem starken Akzent hinter ihr rufen.
Sie drehte sich um.
„Kalin!“ rief sie aus. Die Frau trat auf sie zu, und verneigte sich.
Kalin trug eine typisch auroranische Kluft aus weitem, leichtem Stoff in strahlenden Farben.
Ihre Haut war kunstvoll bemalt und ihr Gesicht war exotisch geschminkt. Auf der Seite ihres kahl rasierten Kopfes war eine große blaue Spirale tätowiert.

Die beiden Frauen umarmten sich freundschaftlich.
„Es ist gut Euch wieder zu sehen.“ Sprach sie fröhlich und löste sich aus der Umarmung.
„Es ist mir ebenfalls eine Freude, Kalin!“ sagte die Königin und strahlte die Auroranerin an.
„Und… was führt Euch in die Wüste?“ wollte sie wissen, als sie ein Stück nebeneinander gingen. „Nur der übliche Kontrollgang…“ meinte die Königin. „Ich muss sichergehen, dass wir die Schergen des Kriechers unter Kontrolle halten.“
„Ah, ich sehe!“ seufzte sie. „Eure Sorgen um Aurora ehren mein Volk.“
Die Frau winkte ab. „Ich gab Euch mein Versprechen.“ Meinte sie.
„Rosie.“ Sprach Kalin die Heldin bei ihrem Vornamen an. „Wir sind Euch Dank schuldig. Ihr verspracht das gleiche wie Euer Bruder, aber Ihr übertraft alle unsere Erwartungen!“
Rosie blickte gequält, sie mochte es nicht, wenn man sich bei ihr so überschwänglich bedankte.
„Es… ist nur gerecht!“ druckste sie herum „Ihr habt die Leben von Sir Walter und mir gerettet.“
Ein kurzer Schatten huschte über Kalins Gesicht.
Sie kannte Walter ebenfalls.
Walter, der sie praktisch groß gezogen hatte, der wie ein Vater für sie war.
Damals hatte Kalin die beiden gerettet.
Der Kriecher hatte Walter erblinden lassen, und sie hatte ihn kämpfend aus der Höhle geführt.
Immer wieder flehte er Rosie an, ihn zurück zu lassen, damit wenigstens sie überlebte, doch sie konnte es einfach nicht. Die Heldin war fest entschlossen gewesen ihn nicht einfach in der Wüste seinem Schicksal zu überlassen.

Die Dunkelheit war die ganze Zeit ihn ihm gewesen… Seit der Kriecher ihn so verletzt hatte.
Dann, bei der Schlacht um Albion… es war schrecklich gewesen.

Die Sonne ging hinter der riesigen Statue aus rotem Stein, dem Wahrzeichen von Aurora, unter. Ein schöner Anblick.

„Und habt Ihr noch vor lange zu bleiben?“ erkundigte sich die Frau.
Die Heldin legte den Kopf schief.
„Eigentlich wollte ich ein wenig hier bleiben, um etwas neue Energie zu tanken.“
Kalin lächelte breit: „Eine sehr gute Wahl, Eure Hoheit. Dank Euch ist Aurora wieder ein genießenswerter Ort!“
Rosie grinste zurück. „Ja, ich besitze hier ohnehin ein Häuschen. Ich wollte einfach einmal diesen neuen Teil des Königreiches erkunden, und besser kennenlernen.“
Sie schüttelte belustigt den Kopf: „Unsere Königin! Immer in die Arbeit vertieft! Aber vielleicht ist das genau das, was unser Königreich jetzt braucht.“
Die Heldin verabschiedete sich von Kalin und machte sich auf den Weg zur Stadt.



Rosie betrat ihr Haus, kurz bevor die Sonne unterging.
Die Hitze machte ihr, obwohl sie es nicht zugeben wollte, doch sehr zu schaffen.
Der Schweiß rann von ihrer Stirn, über ihre Nase, wo es Tröpfchen bildete, die sie flüchtig wegwischte.
Vielleicht sollte sie ihren Urlaub abbrechen, bevor sie hier noch umkam?
Energisch schüttelte Rosie den Kopf, und ließ sich auf das Bett fallen.
Sie teilte es mit niemand.
Bisher war noch niemand in Frage gekommen, der ihr Gemahl und so der Prinz von Albion zu werden hätte können.
Bei Kampf und politischen Entscheidungen blieb keine Zeit für die Ehe.
Sie hatte zwar so einige nette junge Männer getroffen, aber das war alles nichts Ernstes gewesen.
Seit Elliot…

Elliot.
Die Liebe ihrer Jugend.
Aber er war tot.
Schnell versuchte sie an etwas anderes zu denken, um nicht wieder in Trauer zu verfallen.
Wo sie schon bei dem Thema war:
Rosie grinste in sich hinein, als sie an Benjamina dachte.
Sie war ein nettes, junges Frauchen, das in Bowerstone lebte.
Und sie war auf eine extrem perverse und verstörende Art von Reaver besessen.
Sie hatte Rosie einmal gebeten, in Reavers Villa zu schleichen, um dort ein paar seiner… „Unerwähnbaren“… zu stehlen.
Das war auch für die junge Heldin verstörend gewesen, denn es lag ihr ferner zu erfahren, was der gemeinste Fabrikbesitzer Albions „unten drunter“ trug.
Was die verrückte Stalkerin damit machte, wollte sie lieber nicht erfahren.
Lethargisch streifte sie ihre Stiefle ab, und kroch unter die Decken.
Sie war zu erschöpft um ihren Pyjama anzuziehen.
Noch ein letztes Mal ließ sie den Blick durch ihr Haus schweifen.
Zusammengerollt auf einem Flickenteppich lag der schlafende Grapevine, der Hund, den sie schon hatte seit sie sich zurückerinnern konnte.
Ihn machte die Außentemperatur auch fertig, und deshalb schlief er schon den ganzen Tag.
Müde stöhnte Rosie noch kurz auf, bevor ihr die Augen zufielen.


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Hoffe es hat bis jetzt gefallen.
Reviews erwünscht xDD