2. Meine Familie

GeschichteDrama, Familie / P6
05.01.2011
11.01.2012
5
5948
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Nun beginnt das letzte Kapitel.
Der letzte Arm im Fluss der Seele.
So viel erzählt. So viel von mir Preis gegeben.
Nun wird es Zeit, meine Vergangenheit aufzudecken.

Dir Mutter, dir Vater. Welches ist diese Hölle, in die ihr mich reingesetzt habt?
Ich kann keinen Tag verbringen, ohne durch die Wunden der Zeit zu gehen.
Um mich rum sehe ich nur brennende Ruinen der Seelen.
Und in mir drin sind beißende Wunden, die niemals mehr heilen werden.

Egal an welchen Ort ich in der Vergangenheit reise, egal in welche Zeit.
Ich sehe in jedem Ort, in jeder Zeit nur Leid und Schmerz.
Beispiele und Taten gab es genug, sie alle aufzuzählen, sprengt jeden Rahmen.
Doch ein paar Riten in meinem Buch sind noch erhalten...

~break~

In meinem Leben gab es eine Zeit, in der Hass und Wut meine Rüstung war.
Gegen alle Emotionen. Weil mir weh getan wurde wie noch nie in meinem Leben.
Wenn ein unfassbarer wichtiger Mensch dir eine Beleidigung ins Auge haut,
die daraus besteht, dass du deinem wichtigsten Menschen dato Gesellschaft leistest,
dann werden deine Augen rot und deine Seele schwarz. Wut und Hass steigt empor.
Dies ist der Zeitpunkt, an dem du mit deiner Mutter brichst.
Ihr ins Gesicht schreist, sie möge sich dir niemals mehr zeigen.

~break~

Wut, Verzweiflung, Hass und pure Mordlust loderten in mir.
Die Wut verschleierte meine Seele.
Die Verzweiflung bohrte sich in meine Gedanken.
Wie kann ein Mensch nur so abartig böse sein und sich nicht entschuldigen?

Nacht für Nacht mordete ich in meinen Träumen.
All jene, die mir so weh taten wie diese Frau.
Doch am Ende war ich immer alleine. In einem Raum.
Und die Wände kamen bedrohlich nah auf mich zu, bis ich erstickt wurde.

In meiner tiefsten Verzweiflung brach ich mit allen Leuten, die ich kannte.
Versteckte mich in mir selber. In meiner dunklen Seele.
Ein böser, dunkler und abartiger Mensch wurde ich.
Habe zerstört und habe um mich rum gewütet.

Eines Tages kam die Erlösung in Form eines großen Seelenopfers.
Ich lernte neue Leute kennen und lernte wieder zu lächeln.
Lernte den größten Teil meines Lebens kennen - Musik.
Immer, wenn ich down war, kann ich auf sie vertrauen.

~break~

Auf einer wichtigen Ereignisfeier konnte ich nicht teilhaben.
Weil ich nicht Teil der Gesellschaft bin. In die ich soll.
Warum wurde mir das angetan? Um mich anpassen zu lassen?

Ich schreie euch in meinen Träumen an. Sehe sie in meinen Träumen.
Nehme wieder und wieder Abschied von ihr und doch bleibt sie.
Ich verlier sie niemals, so lange ich klar denken kann, aus meinen Erinnerungen.
Bis die Aufgabe, die ihre Seele in mir spielt, erfüllt ist.

~break~

Und zum zweiten Mal im Leben verfiel ich in tiefste Dunkelheit.
Eventuell erlebte ich die dunkelste Stunde meines Lebens.
Nimm ein Stück vom Kuchen der Zeit in meinem Herzen.
Nimm das dunkelste Stück und du hast diese Zeit.

Niemals im Leben war ich so dermaßen verbittert.
War ich so dermaßen Sauer auf meine ganze Familie.
Ich habe euch alle so dermaßen verabscheut.
Ihr wart keine besseren Menschen als ich! schrei ich euch jede Nacht an den Kopf.

Der Tod hat mir an diesen Tagen alles genommen, was mir jemals wichtig war.
Ihr habt versagt. Ihr wolltet meine Diktatur sein.
Soll euch der Tod holen, ich werde nicht an eurem Grab stehen.

Meine Gedanken an euch völlig verklärt, ohne jeglichen Sonnenschein.
Wird sich das im Laufe der Zeit ändern und rebelliere ich nur gegen euch?
Ich kann es nicht sagen, denn die Zukunft ist in stetigen Wandel.
Eines ist sicher. Ihr habt niemals meine Seele berührt. Nur Narben hinterlassen.

Wenn ich heute darüber nachdenke, frage ich mich, wie man nur so blind sein kann?
Wie kann man die Seele eines so jungen Kindes nur so dermaßen schädigen?
Einen Schaden verursachen, der niemals wieder heilen wird.
Doch auch beim zweiten Mal habe ich einen Weg gefunden - den goldenen Käfig der Gefühle.

In ihm war ich lange Zeit zu Hause. In ihm konnte ich lange überleben.
In ihm brauchte ich nichts an mich ran lassen. Keine Gefühle, kein nix.
Zwar war das kein Leben, dafür mein persönliches Überleben.

~break~

Ein Vater voller Wut - ein Kind voller Angst. Schläge, Alkohol und Sucht.
Alles mischt sich zu einer Fratze aus puren Albträumen zusammen.
So unvorstellbar grausam und doch so unvorstellbar wahr.
Wunden, körperlich als auch geistig entstehen zu Hunderten.

Manche sind größer als andere. Manche sind unsichtbar.
Doch alle werden sie wiederkommen und den Charakter der Opfer formen.
Denn derer gibt es 2. Der Täter wird später zum Opfer seiner Selbstverzweiflung.
Die er sich selber beigebracht hat...

~break~

Warum, Vater? Warum hast du das getan?
Warum hast du deiner Wut, deiner Hilflosigkeit
auf diese Art und Weise Luft gemacht?
Warum hast du Narben in meine Seele und Herz gerissen, die nie verheilen werden?

Damit ich ein so schlechter Mensch werde wie ich?
"Mein Sohn soll mal später genauso sein wie ich!"
Das waren deine Worte. Warst du echt so dermaßen blind?
Hast du nicht gesehen, was du anrichtest?

Ich glaube, du streitest es noch Heute ab. Möge dich dein eigener Gott richten.
Mögest du von Lady Justitia bis ins Mark mit der Wahrheit getroffen werden.
Mögest du alle Schulden, seelisch und körperlich, bezahlen die du angerichtet hast.
Mögest du leiden wie ich litt und sei es nur, um zu verstehen.

Und so bleibe ich in der Welt, die ihr alle für mich gemacht habt.
In mir kocht es immer wieder hoch und ich leide Qualen.
Beißende Wunden in mir, die niemals mehr heilen werden.
Meine Seele fühlt mich euch, durchlebt diese Hölle wie ihr immer wissen werdet.

Written on 10/10/09
Review schreiben