Nothing is forever

von Mia Hall
GeschichteAllgemein / P12
03.01.2011
03.01.2011
1
996
 
Alle
5 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
 
 
His Dark Materials


Nothing is forever


William Parry war gerade einundzwanzig geworden.
Er studierte an der Oxford University.
Er besuchte regelmäßig seine Mutter und die Wissenschaftlerin Mary Malone, die zusammen in einer Wohnung am Stadtrand lebten.
Er hatte eine Freundin, die er liebte.
William Parry hatte alles von dem gewöhnlichen Studenten, der er zu sein versuchte, doch die Vergangenheit holte ihn ein.
Ständig, überall.
In seinen Träumen, sogar im Supermarkt.
Alte Wunden rissen auf, von denen er geglaubt hatte, sie seien längst verheilt. Doch die Zeit heilte eben nicht alle Wunden.
Und er war tatsächlich für einen Augenblick der törichten Meinung gewesen, alles sei gut. Nun, das war es nicht.
Will saß auf einer Parkbank; es war dunkel und er grübelte. In seinem Schoß lag ein Lehrbuch, das er bislang nicht angerührt hatte.
Er hatte seinen Vater sterben sehen.
Er hatte sich jahrelang allein um seine kranke Mutter kümmern müssen, weil sein Vater sie verlassen hatte, und als Will ihn endlich in einer anderen Welt wiedergefunden hatte, war John Parry vor seinen Augen von einer liebeskranken Hexe getötet worden.
Will ballte die Faust.
Es tat weh, bloß dazusitzen und nichts tun zu können.
Es tat so weh wie ein Dolch in seiner Brust, der sein Herz durchbohrte. Sein Herz, das er bereits verloren hatte, vor langer Zeit.
An Lyra.
Nach all den Jahren ebbte der Schmerz, sie in einer anderen Welt zurückgelassen zu haben, allmählich ab, doch er würde wohl nie ganz vergehen.
Will konnte sich nicht vorstellen, Lyra jemals vergessen zu können. Immer würde er an sie denken, auch wenn er es nicht wollte.
Auch wenn der Gedanke an sie alles zerstörte.
Lyra Belacqua.
Es gab nicht viele Erinnerungen an sie; zu wenige, um sich jahrelang an sie zu erinnern. Und doch tat Will es, weil er einfach nicht anders konnte.
Er konnte sich an alles erinnern, als sei es gestern gewesen.
Gemeinsam mit Lyra hatte er den Toten zur Freiheit verholfen, anstatt an sich selbst zu denken.
Und es war die richtige Entscheidung gewesen; Will bereute nichts.
Nichts außer der Liebe zu Lyra, die er nie hätte empfinden dürfen. Die Ursache aller Qualen, die er durchlebt hatte, war seine Liebe zu Lyra.
Will hielt ihre verabredeten Treffen schon so lange nicht mehr ein. Es schmerzte zu sehr.
Er litt Höllenqualen, wenn er auf dieser Bank saß und an sie dachte und wünschte, sie in den Armen halten zu können.
Ihre Liebe war verboten.
Will seufzte.
Das alles war vorbei, lange vorbei. Vergangenheit.
Er musste an die Gegenwart denken. An alles Schöne, Glückliche, Helle.
Seine Mutter war wieder beinahe ganz gesund und in Mary Malone hatte er eine ehrenvolle Person gefunden, die sich um sie kümmerte.
Und er hatte eine Freundin, eine wundervolle Freundin, die ihn liebte.
Samantha.
„Will! Hier steckst du also.“ Es war ihre Stimme.
Will sah sie auf sich zukommen.
Die Nacht war kalt und sie hatte sich eine Strickjacke um den Leib geschlungen, doch ihre Füße waren nackt.
Sie lief über die Straße auf ihn zu.
Im Licht der Straßenlaternen konnte Will ihre rotbraunen Locken sehen, die sie im Nacken zu einem Zopf geflochten hatte. In ihren dunklen Augen stand Sorge geschrieben.
„Sam“, murmelte Will abwesend. „Was tust du hier?“
Auch ihm war kalt; er trug bloß ein weißes Hemd und Jeans.
Behutsam legte er den Arm um seine Freundin, als sie sich neben ihn setzte.
„Ich hab’ mir Sorgen gemacht“, wisperte sie. „Ich hab’ gehört, wie du nach draußen gegangen bist, und ich dachte sofort, du schlafwandelst wieder.“
Ihr Blick fiel auf das Lehrbuch, das neben Will auf der Bank lag. Sie sah ihn vorwurfsvoll an. „Was tust du hier mit deinem Physiklehrbuch? Es ist zu dunkel zum Lesen, und außerdem ist es mitten in der Nacht, Will.“
„Das weiß ich doch, Sam.“ Will versuchte ein zaghaftes Lächeln, und seine Freundin lehnte den Kopf an seine Schulten und schloss die Augen.
Die Welt um sie herum war still.
Oxford schlief.
„Ist etwas passiert?“, fragte Samantha irgendwann ganz leise. „Ich meine, hast du schlecht geträumt?“
Will hob die Schultern und schwieg.
„Warum bist du hier, Will?“
„Ich konnte nicht schlafen“, log Will geradeheraus. „Ich weiß auch nicht, was los ist. Mach’ dir keine Sorgen, ja?“
Er strich Samantha behutsam eine Locke aus der Stirn. Sie schmiegte sich an ihn.
„Du bist du so verschlossen“, sagte sie zögernd. „Warum redest du nicht mit mir?“
Will sah in ihre besorgten Augen. Ihre dunklen Wimpern zitterten kaum merkbar, ihre Lippen bebten.
Eine Träne lief ihre Wange hinab, als er nicht antwortete.
„Nicht weinen“, flüsterte Will, „nicht, Sam, hör’ auf. Bitte.“
Doch sie hörte nicht auf. Will drückte sie an sich und erstickte ihre Tränen an seiner Brust.
„Was ist nur los mit dir?“, wimmerte sie, als sie die Sprache wiedergefunden hatte. „Was hast du nur, Will?“
Da nahm Will ihr Gesicht in beide Hände und zwang sie so, ihm direkt in die Augen zu sehen. „Es ist nichts“, sagte er bestimmt und seine Lippen näherten sich den ihren, um sie zu küssen. „Ich liebe dich doch, Sam. Ich liebe dich wirklich.“
Review schreiben
 
 
'