Das Ende der Zeiten

von Deira
GeschichteAbenteuer / P18
Engel & Dämonen
02.01.2011
23.05.2020
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23.05.2020 1.033
 
Hier gibt es jetzt auch ein neues Kapitel. In diesem und dem nächsten Kapitel geht es noch mal etwas friedlicher zu, ehe es dann ungemütlicher wird. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.


Ruhe vor dem Sturm, Teil I




Ein wenig später beobachtete Anna vom Fenster ihres ehemaligen Kinderzimmers die Schießübungen der anderen und sie war froh, nicht mehr daran teilnehmen zu müssen. Zwar verstand sie die Notwendigkeit durchaus und kam sich wie ein zickiges kleines Mädchen vor. Aber sie konnte sich einfach nicht dazu überwinden.

Sie würde ihren Beitrag leisten. Das war für sie selbstverständlich. Waren sie jetzt nicht so etwas wie eine Familie? Oder ein Clan? Der Semmerbacher Clan?

Irgendwie kam ihr dies ein bisschen albern vor. Kein besonders cooler Name. Sie hatte wenige Jahre zuvor gerne eine Fernsehserie, „The Tribe“, gesehen. Dort waren, bis auf die Kinder und Teenager, die Menschen ebenfalls gestorben.
Die überlebenden jungen Menschen hatten sich zu Gruppen, Stämmen, zusammengeschlossen und weitaus bessere Namen als „Der Semmerbacher-Clan“ gehabt.

Aber im englischen klang manches besser. Leider ließ sich Semmerbach so schlecht ins englische übersetzen.

Außerdem war es wahrscheinlich sowieso Unsinn, sich über so etwas Gedanken zu machen. Die anderen taten dies wahrscheinlich auch nicht.

Ihr Blick fiel auf das Foto auf dem Schreibtisch, das sie mit ihrer besten Freundin und den Lebkuchenherzen zeigte. Wie gerne hätte sie mit Lea über ihre Bedenken wegen des Schießens, ihre Fähigkeit und noch einige andere Dinge gesprochen.
Sie hätte ihr gerne erzählt, dass sie Alexander nett fand und dann hätte sie Lea gefragt, ob die beiden ihrer Meinung nach eine Chance hatten. Immerhin war Alexander zwanzig und sie selber sechzehn. Aber so groß war der Unterschied doch auch nicht, oder?

Ihre Oma und ihre Mutter wären vielleicht anderer Meinung gewesen und zumindest hätten sie darauf bestanden, ihn kennen zu lernen. Sie selbst fand so was blöd. Die Erwachsenen hatten es als vernünftig bezeichnet und dass sie wissen wollten, mit wem die geliebte Tochter und Enkelin Kontakt hatte.

„Wenn ich mal dreiundzwanzig in und er ist siebenundzwanzig, dann klingt es doch direkt ganz anders. Und wenn er fünfundachtzig ist und ich einundachtzig, dann ist es ganz harmlos,“ dachte sie und hätte so gerne mit Lea darüber gesprochen.

Gemeinsam hätten sie dann Pläne geschmiedet, wie sie an Alex heran kommen könnte….



Unterdessen hatten die anderen ihre Schießübungen beendet und es wurde Zeit, wieder ins Haus zu gehen, denn die kurze Schneepause, die sie für ihre Übung genutzt hatten, war vorüber und erneut fielen dichte Flocken vom Himmel.

Julia fragte sich, ob die Dämonen auch bei dichtem Schneefall, wenn sie selber kaum etwas sehen konnten, auftauchen würden. Oder funktionierten deren Sinnesorgane anders als bei gewöhnlichen Menschen?

Nun saß sie, abseits von den anderen, im Wohnzimmer im Obergeschoss. Sie hatte sich auf das dortige Sofa gesetzt und dachte bei sich, dass es in diesem Raum im Sommer oder wenn die Heizung funktionierte sicherlich sehr gemütlich sein würde. An diesem Wintertag war es kalt und sie trug ihre dicke Winterjacke.

Gegenüber von ihr stand der Fernseher in einer Schrankwand und auf dem Tisch vor ihr lag die Fernbedienung. Beinahe war sie versucht, das Gerät in die Hand zu nehmen und den Fernseher anzuschalten.
Bald würde eine Sendung laufen, die sich sich an freien Tagen, wenn sie nicht gerade bei der Arbeit war, um diese Zeit gerne angesehen hatte. Es hatte sich um eine amerikanische Comedy-Serie, in der es um ein hübsches Kindermädchen, das sich um die Kinder eines reichen Geschäftsmannes kümmerte, gehandelt.

Einfache Unterhaltung, aber eben genau das, unterhaltsam. Sie hatte sich dabei immer recht gut entspannen und manchmal wirklich lachen können.

Sie blickte auf, als Christian den Raum betrat und er machte, beinahe schuldbewusst, an der Tür kehrt. „Ich wollte dich nicht stören. Ich verstehe es, wenn du ein bisschen alleine sein willst.“
Aber sie hatte gegen seine Gesellschaft nichts einzuwenden, im Gegenteil. „Komm ruhig rein. Wir könnten uns zusammen eine Folge meiner Lieblingssendung ansehen. Und heute Abend kommt „Wer wird Millionär“. Wäre doch schön, die Millionen zu gewinnen. Dann könnten wir alle Kaufhäuser der nächsten Stadt damit leer kaufen.“

Er nahm neben ihr auf dem Sofa Platz. „Das wäre schön. Aber das könnten wir jetzt auch. Wir können uns alles nehmen. Die Welt gehört uns. Aber wir können es nicht mehr genießen. Was nutzt eine Jacht?“
Sie nickte und lächelte ein wenig bitter. „Stimmt, was nutzt die schönste Promi-Jacht, wenn man nicht mehr damit angeben kann.“

Er sah sie fragend an und schien irgendwie seinen Mut zusammen zu nehmen. „Hast du...einen Freund gehabt?“

Sie nickte. „Ja. Er hieß Dennis. Aber er ist tot. Wie alle anderen. Und was ist mit dir? Hattest du eine Freundin?“
„Nein, keine Freundin. Aber zwei gute Freunde, mit denen ich kurz vorher noch verreist bin...und ich wünschte, ich hätte es nicht getan...“, antwortete Christian und warf ihr einen schuldbewussten Blick zu, den sie nicht verstand.

Sie nahm seine Hand, denn er schien ein wenig Trost zu brauchen- und vielleicht war da auch noch etwas mehr, dass ihre Gefühle gerade ein wenig durcheinander brachte, obwohl sie der Ansicht war, dass dies der definitiv falsche Zeitpunkt war.

„Sei doch froh, dass ihr drei noch einmal eine schöne Zeit hattet. So hatten sie wenigstens noch einmal Spaß, bevor sie krank wurden und...starben….“, sagte sie und er zuckte kurz zusammen.
„Ich bin auch froh, dass ich eine Woche vorher mit Dennis im Kino war. Es war ein schöner Abend und ich bin froh, dass wir ihn noch erlebt haben!“

„Ja, es war sehr schön auf Ibiza. Wir hatten Spaß. Aber...ist ja auch egal. Das spielt keine Rolle“, sagte er und stand auf. „Ich schaue mal, ob ich mich irgendwo nützlich machen kann. Simon scheint hier ja so ein bisschen eine Anführer Rolle zu übernehmen. Er macht es nicht schlecht, aber er sollte auch nicht das alleinige Sagen haben.“
Sie erhob sich ebenfalls. „Nein, sollte er nicht. Aber im Moment ist er derjenige, der weiß, wie die Waffen richtig funktionieren. Aber wenn er nicht zufällig ein hochdekorierter General war, der schon Einsätze in Kriegsgebieten geleitet hat oder eine Polizeieinheit befehligt hat, dann ist er als Anführer genauso gut oder schlecht geeignet wie der Recht von uns.“
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