Koma

von Hasimausi
GeschichteDrama / P18 Slash
02.01.2011
21.08.2011
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Dieses Kapitel
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Hallo alle Zusammen,

nachdem ich ja mittlerweile schon 2 längere Story´s gepostet habe, wage ich mich jetzt mal an die absolute Königsdisziplin. Genau, dies wird eine Schweinski-FF:)) Eigentlich habe ich bisher ja immer eher ungewöhnliche Pairings in meinen Geschichten bevorzugt, aber an Lukas und Bastian kommt man einfach nicht vorbei, irgendwie sind sie halt Kult.

Ich hoffe natürlich, dass einige meiner alten Leser mir hier auch wieder treu sind und vielleicht auch noch der ein oder andere Neugierige hinzu kommt. Wahrscheinlich werde ich die FF wöchentlich am Sonntag posten. Also dann, viel Spass beim Lesen von Koma.

GLG
Hasimausi



Koma



1. Kapitel: Hilflos

Regungslos saß Lukas auf dem weißen Stuhl. Schon oft hatte er sich während der letzten Tage gefragt, warum der Stuhl, der Tisch, das Bett und auch die Wände in dem Krankenzimmer so weiß waren. Warum gab es keine Farben, gerade hier, wo doch eine freundliche Umgebung so wichtig war? Er konnte sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen, als in dem Bett zu liegen und dieses klinische Weiß anstarren zu müssen. Wie sollte man es denn in einer solchen Atmosphäre schaffen, wieder gesund zu werden?

Lukas lächelte ein wenig traurig. Aber das war ja ´eh nur Wunschdenken von ihm. Bastian was so weit davon entfernt gesund zu werden, wie der FC davon entfernt war, Meister zu sein. Lukas war immer etwas unwohl zu Mute, wenn er an seinen Club dachte. Offiziell hatte er noch genau eine Woche Sonderurlaub, dann musste er seinen Job in Köln wieder aufnehmen. Soviel hatte man ihm immerhin zugestanden, als die Nachricht von Bastians Autounfall bekannt geworden war. Aber über seine Rückkehr nach Köln wollte er jetzt eigentlich nicht nachdenken. Ob er in einer Woche wirklich fahren würde, konnte er heute schließlich noch nicht entscheiden. Alles hing von Bastian ab.

Zögernd ließ er seinen Blick zu der reglosen Gestalt im Bett gleiten. Bastian war bleich, was bei ihm ja eigentlich nichts Besonderes war. Aber die jetzige Blässe war anders, unnatürlich und auch irgendwie beängstigend. Die Sommersprossen auf Bastians Haut kamen dadurch noch viel besser zur Geltung und stachen fast schon plastisch daraus hervor.

Langsam hob Lukas die Hand und ließ sie über die vielen kleinen Punkte auf Bastians Wange gleiten. Seine Oma hatte ihm als Kind immer erzählt, dass die kleinen Male von Feen hinterlassen werden, wenn sie ihren Glücksstaub über die Menschen verteilten. Wer also viel davon abbekam, war mit besonders viel Glück gesegnet. Bitter fragte sich Lukas, was Bastian wohl falsch gemacht hatte. Denn anscheinend hatte er wohl schon seinen gesamten Glücksvorrat aufgebraucht gehabt, als er in diesem Krankenzimmer gelandet war.

Von der Wange glitt Lukas Hand zu Bastians Brust, die sich langsam hob und senkte. Das fühlte sich beruhigend an, wurde aber durch das Wissen getrübt, dass eine Maschine die regelmäßigen Atembewegungen auslöste. Bisher war Bastians Zustand noch nicht stabil genug, um ihn selbst atmen zu lassen. Er war deshalb vorsorglich in ein künstliches Koma versetzt worden, das heute aufgehoben werden sollte.

Der Autounfall war vor drei Tagen passiert und hatte einiges im Körper seines Freundes zerstört. Zu den Abschürfungen und Prellungen war ein Milzanriß und ein Schädel-Hirn-Trauma hinzu gekommen. Außerdem gab es noch die Kleinigkeit eines zertrümmerten Kniegelenks und die ein oder andere innere Blutung, die gestillt worden war.

Jedes Mal wenn er sich Bastians ganze Verletzungen vor Augen führte, wurde es Lukas regelrecht schlecht. Aber so schlimm das alles auch war, Bastian lebte und alles andere war nebensächlich. Trotzdem wusste Lukas genau, wie knapp es für seinen Freund gewesen war und das es auch für die Genesung von Bastian keine Garantien gab. Aber immerhin war bei diesem Unfall niemand anders zu Schaden gekommen. Bastian hatte nämlich bei plötzlich aufgekommenen Blitzeis die Gewalt über sein Fahrzeug verloren und war dann in die Leitplanke gekracht.


Wieder nahm Lukas das stetige Atmen unter seiner Hand wahr. Er würde alles tun, damit Bastian den Weg zurück ins Leben fand. Und vielleicht fand er ja dann auch wieder zurück zu ihm.


*********************


Bastian fühlte sich, als wäre er in einer Wasserblase eingeschlossen. Er nahm Geräusche nur gedämpft wahr und sein Gedanken plätscherten so vor sich hin. Außerdem war sein Körper unheimlich müde und ließ sich nicht bewegen, es war fast so, als hätte er einen Bleimantel an. Egal welche Anstrengungen er auch unternahm, er konnte die Barriere der Wasserblase nicht durchdringen. Manchmal erschien es Bastian fast so, als würde er schon eine Ewigkeit in diesem hilflosen Zustand verbringen.

Oft hörte er Geräusche von Menschen, die er nicht kannte. Sie unterhielten sich über medizinische Dinge, zerrten an seinem Körper herum und stachen ihn mit irgendwelchen Dingen und fügten ihm dabei Schmerzen zu. Eigentlich müssten sie doch erkennen können, dass er in dieser Blase feststeckte.Warum konnten Sie ihn also nicht in Ruhe lassen? Diese Menschen machten Bastian Angst und immer wieder suchte er nach einer Möglichkeit sich ihnen mitzuteilen, aber er schaffte es einfach nicht.

Dann gab es aber auch Zeiten, in denen er seine Familie erkannte. Seine Eltern waren da und manchmal hörte er seine Mutter weinen. Bastian wollte sie gerne trösten, sie fragen, ob etwas Schlimmes geschehen sei, aber es ging nicht. So war es für ihn nur möglich ihren Gesprächen zu lauschen und ihre Gesellschaft zu genießen. Denn es gab ja auch die Zeitabschnitte, wo niemand bei ihm war. Er war dann ganz alleine und niemand sprach zu ihm, oder hielt seine Hand. In diesen Stunden fühlte er sich unendlich verloren und hatte Angst, nie mehr aus seinem Gefängnis zu entkommen.

Bastian spürte eine Hand, die sich auf seine Brust legte. Es war keiner dieser Fremden, der ihn da berührte, das spürte er sofort. Das war jemand, den er schon lange kannte und der einfach zu seinem Leben gehörte. Wenn Bastian gekonnt hätte, hätte er jetzt gelächelt, aber selbst das war zu anstrengend. Lukas brauchte nichts zu sagen, damit er ihn erkannte. Er würde ihn immer und überall erkennen. Schließlich war er der Mann, den er liebte.

Jetzt spürte Bastian, wie Lukas ihn zart küsste und dann leise flüsterte: „Kämpfe Bastian, tu es für uns beide. Wenn du mich nämlich hier allein lässt, schwör ich dir, dass ich dich persönlich von deiner Wolke herunterreiße und dich dann mit deiner Harfe verprügle. Und du weißt, ich scherze nicht, genau so werde ich das machen. Hast du mich verstanden Basti?“

Bastian spürte, wie etwas auf sein Gesicht tropfte. Wenn er doch nur verstehen würde, was das alles zu bedeuten hatte und warum Lukas weinte. Aber Bastian merkte, dass sich seine Müdigkeit wieder verstärkte und er jetzt schlafen musste. Er würde später versuchen herauszufinden, was los war, jetzt brauchte er erst einmal Ruhe.


*********************


Drei Tage später saß Lukas mit Bastians Eltern zusammen in der Cafeteria. Den ganzen Vormittag hatte die Familie Schweinsteiger bei Bastian gewacht, Lukas kam jetzt zur Ablösung und würde bis zum späten Nachmittag bleiben. Meist kamen die Schweinsteigers oder Bastians Bruder Tobias dann noch einmal für ein, zwei Stunden am Abend vorbei, damit sichergestellt war, dass Bastian während der Besuchszeiten nicht allein war. Dieses System hatte sich in den letzten sechs Tagen gut bewährt und sie hatten vor, es weiter so zu halten. Und leider war das auch weiter nötig, denn trotz den Hoffnungen der Ärzte, war Bastian bisher nicht aus dem Koma erwacht.

Lukas hatte Monika und Fred jetzt zu einem Kaffee eingeladen, um die neuesten Prognosen der Ärzte zu erfahren. Da er kein Familienmitglied war, wurden ihm keine Auskünfte erteilt, obwohl die Schweinsteigers schon mehrmals ihre Erlaubnis dazu gegeben hatten. Wahrscheinlich hatte das irgendwelche haftungstechnischen Gründe, aber eigentlich war das ja auch egal. So lange ihm überhaupt jemand sagte, wie es mit Bastian weitergehen würde, war Lukas zufrieden. Und da hatte er bei seinem Gegenüber nun wirklich keine Probleme. Die beiden war im Laufe der letzten Jahre fast schon zu Ersatzeltern für ihn geworden.

Gedankenverlorenen rührte Lukas in seiner Tasse und sah dabei zu, wie sich die Milch in dem schwarzen Kaffee verteilte. Wie jedes Mal hatte er Angst nachzufragen, ob die Ärzte etwas Neues herausgefunden hatten, andererseits konnte er die Antwort auf seine Frage aber auch kaum erwarten. Monika erlöste ihn aus seinem Zwiespalt.

„Ich habe heute Morgen noch einmal mit Professor Hassocht gesprochen. Alles ist unverändert. Bastians Verletzungen sind zwar schwer, aber es gibt aus medizinischer Sicht keinen Grund, warum er nicht aus dem Koma erwacht ist, körperlich müsste er dazu in der Lage sein.“ Lukas sah in das müde Gesicht von Monika. Man konnte ihr ansehen, dass sie in den letzten Tagen nicht viel geschlafen hatte. Die Sorgen und der Schlafmangel waren mittlerweile an den kleinen Fältchen um ihre Augen und Mundwinkel zu erkennen.

Lukas seufzte resigniert. „Aber es muss doch irgendetwas geben, was man noch tun kann. Vielleicht sollte man noch einen anderen Arzt hinzuziehen, der mit Komapatienten mehr Erfahrung hat.“

Jetzt schaltete sich auch Fred Schweinsteiger ein. „Das haben wir uns auch schon überlegt. Wir haben mit Dr. Müller-Wohlfahrt gesprochen, ob er uns vielleicht einen Experten empfehlen kann. Er hat uns an einen Professor Kruse in Hamburg verwiesen. Bastian Krankenakte ist auch schon zu ihm unterwegs, aber eigentlich ist das wohl eine rein vorbeugende Maßnahme. Laut Dr. Mülller-Wohlfahrt hat Professor Hassocht wohl einen sehr guten Ruf. Ich glaube fast, mit diesem neuen Arzt sollen wir nur das Gefühl bekommen, dass überhaupt etwas getan wird. Das Ganze fällt wohl in die Rubrik “Motivation für die Angehörigen.“ Fred hatte es auf den Punkt gebraucht.

Enttäuscht hatte Lukas den Ausführungen von Bastians Vater gelauscht. „Das heißt also, wir können gar nichts tun? Wir bleiben einfach an seinem Bett sitzen und sehen dabei zu, wie er immer dünner und bleicher wird, bis er dann gar nicht mehr da ist? Das kann ich einfach nicht!“ Lukas war während seiner Rede immer lauter geworden. Verzweiflung stand in seinen Augen und auch seine Stimme zitterte nicht gerade wenig.

Verständnisvoll legte Monika ihre Hand auf die Seine. „Ach Junge, ich versteh´ dich ja so gut. Die Hilflosigkeit macht mich auch ganz fertig. Ihn da in diesem Bett liegen zu sehen, angeschlossen an diese ganzen Überwachungsapparate, tut mir regelrecht körperlich weh.“ Monika blinzelte ein paar Tränen weg. „Aber wir können etwas tun, Lukas. Professor Hassocht hat gesagt, dass es durchaus möglich ist, dass Komapatienten ihre Umwelt wahrnehmen und sich selbst nur nicht äußern können. Und es werden wohl immer wieder Erfolge erzielt, wenn man in dem Patienten Emotionen weckt, indem man ihnen zum Beispiel Begebenheiten aus ihrem Leben erzählt. Einige Patienten sind dadurch tatsächlich wieder erwacht. Wir habe damit heute auch schon angefangen und ihm Geschichten aus seiner Kinderzeit erzählt. Und das Gleiche könntest du doch auch tun, Lukas. Ihr Zwei habt in den ganzen Jahren so viel miteinander erlebt und auch geteilt, da gibt es sicher viel zu berichten.“

Bei Monikas verständnisvollen Blick wurde Lukas ganz warm zu Mute. In ihren Augen konnte er ablesen, dass sie wusste, was er für ihren Sohn fühlte und dass das für sie auch in Ordnung war. Aber wie hätten ihr seine Gefühle auch entgehen können? Im Moment war er ihnen hilflos ausgeliefert und sein Schutzschild, den er sonst nach außen zeigte, funktionierte nicht mehr wie gewünscht.

Es konnte aber vielleicht auch so sein, dass Bastian selbst mit seiner Mutter über ihre Beziehung gesprochen hatte. Schließlich stand er seiner Familie sehr nah und vertraute ihnen voll und ganz. Und Monika hatte natürlich Recht mit ihrer Aussage. Es gab verdammt viel, was er Bastian erzählen konnte.

„Stimmt Monika, da gibt es Einiges zu erzählen. Wenn es euch nichts ausmacht, geh´ ich dann jetzt auch mal zu ihm rauf. Vielleicht überrascht er uns ja damit, dass er oben schon die Krankenschwestern herumscheucht, während wir hier gemütlich Kaffee trinken.“ Natürlich was allen klar, dass das nur eine sehr schwache Hoffnung war, aber man klammerte sich in schlimmen Situationen manchmal auch an Kleinigkeiten. Lukas umarmte Monika und Fred noch kurz, dann verließ er die Cafeteria.


********************


Bevor Lukas zu Bastian hinauf ging, rief er noch kurz in Köln an, um mit seinem Sohn zu sprechen. Er vermisste den kleinen Louis, gerade in seiner derzeitigen Situation sehr. Denn es was so unglaublich tröstlich, den kleinen Kinderkörper zu umarmen und sich nasse Küsse auf die Wange geben zu lassen, wenn es einem einmal schlecht ging.

Aber selbst über das Telefon hatte der Kinderzauber irgendwie gewirkt, denn er fühlte sich nach dem Gespräch gleich viel ruhiger. Natürlich hatte er seinem Sohn versichert, dass es Basti bald wieder gut gehen würde und er dann auch wieder nach Hause käme. Warum sollte er auch den Kleinen mit den tatsächlichen Fakten belasten? Er würde es ´eh nicht richtig verstehen können und dadurch vielleicht Angst bekommen. Moni hatte er natürlich die Wahrheit gesagt. Und sie hatte Verständnis dafür, dass er unter diesem Umständen noch nicht nach Köln zurückkommen konnte.

Mittlerweile war Lukas auch in Bastians Krankenzimmer angekommen. Automatisch ging sein Blick zu den bunten Zeichnungen, Briefen und Postkarten, die mittlerweile die Wände bedeckten. Das alles war von Fans an die Familie Schweinsteiger geschickt worden, um ihre Anteilnahme zu zeigen. Gemeinsam mit Bastians Familie hatte er dann alles hier im Zimmer aufgehängt. Wenn Bastian erwachen würde, würde er sich sicher über die vielen Genesungswünsche freuen. Und er würde erwachen. Ganz sicher.

Lukas setzte sich mit seinem Stuhl ganz nah an Bastians Bett heran und nahm dann dessen Hand zwischen Seine. Sanft streichelte er mit seinem Daumen über die helle Haut. „So Basti, da du keine Lust zu haben scheinst von allein aufzuwachen, muss ich dir also mal wieder zur Hilfe kommen. Aber was soll´s, dafür bin ich doch da. Und so lange du hier den sterbenden Schwan gibst, werde ich dich voll labern, bis du Ohrensausen hast, also würde ich mir das mit der Schlafnummer nochmal überlegen.“ Trotz seiner burschikosen Worte küsste Lukas Bastians Hand ganz sanft. Dann fuhr er fort. „Also, das wird jetzt eine Reise in die Vergangenheit, um genau zu sein geht es in unsere Vergangenheit. Und wo beginnt man da am Besten? Richtig! Zehn Punkte für dich. Ganz am Anfang werde ich beginnen, du weißt schon, bei unserem ersten Treffen. Also lass dich entführen in meine Version von Tausendundeiner Nacht. Das hier ist die Geschichte von Lukas und Bastian, eine Geschichte von Freundschaft, Schmerz und Liebe.....“