Liebe in den Bergen

GeschichteRomanze / P6
02.01.2011
29.09.2011
16
19001
 
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Rating: P6
Pairing: Es wird lang und es wird viele geben. Für die, die es nicht abwarten können, sei gesagt, dass es nicht die Originalen sein werden und doch wird jeder seine Liebe finden.
Genre: Romanze
Kapitelanzahl: (4x4) -> 16
Eigencharakter: Katharina und Lara

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LIEBE IN DEN BERGEN

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TEIL 1 – NEUE WEGE
Kapitel 1 – Alte Freundschaft

Leuchtend strahlen sie am Horizont. Sie ragen in den Himmel und strecken sich zugleich über weites Land. Die Berge lassen diese Macht und Größe spürbar werden und auf einige Menschen werden sie sicherlich bedrohlich und vielleicht sogar Furcht einflößend wirken. Dabei liegen sie nur da wie eh und je und verändern sich nicht. Sie sind keine Unwesen, sondern können eine Hürde sein, die der Mensch überwinden kann, wenn er den Mut dazu aufbringt. Der Weg zur Spitze ist steil und steinig, aber er bringt einen zu sich selbst. Der Berg wird auf einmal zum Freund, wenn man bereit ist, seinem Weg zu folgen und zu vertrauen, um am Ziel die eigene Freiheit zu finden.

Das Gefühl, fliegen zu können, wenn man ins weite Tal blickt und nichts mehr unerreichbar scheint. Kann jeder es fühlen? Und was ist, wenn man etwas fühlt? Fühlt dann jeder das Gleiche oder ist es immer wieder anders? So wie ein Leben zum Andern, ein Mensch zu seinem Nächsten und eine Liebe zweier Menschen…

Das, wovon wir denken, wie es sein muss, erfasst uns immer wieder neu. Liebe, Hoffnung, Vertrauen – keines ist immer wie zuvor, sondern wird von uns immer wieder neu und anders erfahren und ein Dritter hat ganz andere Gefühle als du und ich. Dies kann er nicht beschreiben, ebenso wenig wie du, denn für Gefühle reichen Worte nicht aus. Es ist so viel mehr, denn es lässt dich nicht mehr los. Es hält dich gefangen und du willst gar nicht mehr loslassen, da das Glück dich auszufüllen scheint. Und genau so soll es immer sein, das sei dein einziger Gedanke. An diesem sollst du festhalten, solange es dir möglich ist, dein Glück zu genießen.


Eine Tür des Balkons geht auf und in eine Strickjacke gehüllt setzt sich eine junge Frau an den kleinen, runden Tisch. Ihr Blick schweift über das Geländer hinweg und in ihren brauen Augen, die einen leichten grünen Stich haben, spiegeln sich die blauen, hohen Gipfel des Wilden Kaisers. Er scheint so weit weg, und doch ist er so nah, dass sie sich fast vorstellen kann, wie sie die Wanderwege entlang geht. Ein Schritt nach dem Anderen und den Blick immer nach oben hin gerichtet zum Ziel. Nicht überheblich und nicht gierig. Nicht fordernd, sondern nur hoffend, das Oben zu erreichen. Denn die Wege sind nicht immer einfach und der Höhenunterschied kann einem ganz schön zu schaffen machen. Deshalb sollte man diese Wege wohl auch nicht alleine gehen.

Bei diesem Gedanken fährt sich die junge Frau mit ihrer Hand langsam durch ihr braunes, glattes Haar. Ihr Blick weicht ab von der Berglandschaft und stattdessen schaut sie zur Glastür, welche sie hinter sich zugezogen hatte. Schwer atmend denkt die Brünette daran, dass sie nicht alleine hier ist. Es sollen vielmehr ein paar Tage wie früher werden, doch ist das möglich? Kann man eine vergangene Zeit zurückholen? Kann man einfach dort weitermachen, wo man aufgehört hat? Ist ein Ende zum Schluss gar kein Ende, sondern nur der Absprung von einer weiteren Hürde, wie sie uns im Leben so viele begegnen? Und was ist, wenn diese Hürden einen nicht mehr zurückschrecken können oder wir sie einfach überwinden, als wären sie eine langsame Schnecke, die wir ohne großes Geschick einfach überholen und sie auf dem Weg zurücklassen? Bleiben wir stehen und sehen die Ruhelosigkeit vorbeifliegen oder hasten wir zum nächsten Ereignis, als würden wir uns nur daran festhalten können?

Hör auf, soviel nachzudenken, Katharina. In Gedanken ermahnt sich die junge Frau selbst und zieht dann die Jacke enger um sich. Es wird frisch auf dem Balkon, doch Katharina will noch nicht zurück ins Zimmer. Nur noch ein paar Minuten. Nur solange es noch geht. Das sagt sie sich immer wieder und doch weiß sie, dass es nichts bringt. Sie sollte nicht weglaufen, sondern ihren Urlaub genießen, so gut dies eben ging.

Tief durchatmend steht Katharina auf und geht auf die Glastür zu, als sie von drinnen etwas hört. Eine vertraute Stimme und das Gefühl, das sie eine falsche Entscheidung getroffen hatte, erfüllt die junge Brünette. Doch dann schüttelt sie den Kopf und setzt ein Lächeln auf, macht gute Miene zum bösen Spiel. Sie öffnet die Tür und geht ins Zimmer, wo eine andere Frau gerade ihr Bett macht: „Oh, warst du draußen? Ist das denn nicht viel zu kalt? Ich meine, es ist ja früh am Morgen und du willst doch nicht krank werden, Katharina. Und dann glaub ich, dass da draußen wohl keiner außer dir war. Die meisten Menschen schlafen ja noch. Nur du bist eben eine Frühaufsteherin. Hast du denn gut geschlafen?“

„Ja, ich hab gut geschlafen, sonst wäre ich gar nicht so früh wach. Wenn ich abends nicht einschlafen kann, dann brauch ich morgens sehr lange. Aber nun, wo wir beide wach sind, können wir ja frühstücken gehen“, Katharina weist die Blondine zur Tür und gleich darauf folgt ihre Mitbewohnerin ihr. Gemeinsam gehen sie die Treppe nach unten und stellen tatsächlich fest, dass die meisten Menschen noch schlafen. Denn im Restaurant läuft außer ihnen nur eine Kellnerin rum, die sie darum bittet Verständnis dafür zu haben, dass der Kaffee noch nicht fertig ist: „Das macht nichts, wir trinken auch Milch.“

„Auch? Du trinkst doch nur Milch zum Frühstück. Na, da muss ich dann wohl alleine auf den Kaffee warten. Wir können ja in der Zwischenzeit überlegen, was wir heute noch unternehmen können“, Katharinas Freundin setzt sich an einen Tisch und ihre grauen Augen strahlen das Frühstück an, das ihr eine große Auswahl bietet: „Wenn ich alleine hier wäre, dann wäre ich wahrscheinlich wieder so spät aufgestanden, dass ich gar kein Frühstück bekommen hätte. Kathi, du machst mich nochmal zur Frühaufsteherin. – Jetzt setzt dich doch mal.“

„Ja, Lara, ich bin vielleicht doch noch müde. Aber sag mal, was wolltest du denn heute machen?“, Katharina setzt sich zu ihrer Freundin an den Tisch und lächelt diese herzlich an, doch der Schein der heilen Welt beginnt zu bröckeln.


Noch im Bett arbeitet ein kleines Mädchen an ihren Hausaufgaben. Die kleine Lilli Gruber hat am vorherigen Tag einfach keine Lust mehr gehabt und ist nun in Eile. Sie muss die Aufgaben noch fertig bekommen, ehe ihr Vater sie zur Schule fährt. Er darf sie nicht einmal dabei erwischen, dass sie ihre Hausaufgaben erst jetzt macht. Denn dann wäre es sehr enttäuscht von ihr und das wollte sie wirklich nicht. Vielmehr sollten ihre beiden Väter stolz auf sie sein und so strengt sie sich nun auch an, bis sie ein Geräusch auf dem Flur hört. Schnell versteckt sie Stift und Heft unter der Decke und löscht das Licht, während jemand anderes durch das Haus schleicht. Eine Stufe nach der anderen geht der Mann die Treppe hinunter und versucht so leise wie nur möglich zu sein. Hoffend, dass sein Handy nicht wieder klingelt und einen anderen im Haus weckt. Denn es reicht ja schon, dass er bereits so früh aufstehen muss. Dies gehört allerdings zu seinem Beruf und so schleicht sich Doktor Martin Gruber aus dem Haus und fährt mit seinem Wagen, einem älteren, olivegrünen Mercedes, hinunter ins Dorf zu seinem Patienten.


Lara geht mit Katharina ans Büffet und nimmt sich ein Brötchen und zwei Scheiben Mortadella. Damit setzt sie sich wieder an den Tisch und beobachtet ihre Freundin, die heute erstaunlich lange braucht. Es scheint so, als würde etwas mit ihr nicht stimmen. So als hätte sie etwas auf dem Herzen, dass sie belastet. Nur warum redet sie nicht darüber? Warum schweigt Katharina, wo sie und Lara doch einmal die besten Freundinnen waren? Ist diese Freundschaft denn wirklich ganz erloschen? War dieser Urlaub eine Fehlentscheidung, weil es nicht mehr so werden kann wie früher? Werden sie und Katharina nach den zwei Wochen wieder getrennte Wege gehen? Was ist, wenn sie die zwei Wochen nicht einmal gemeinsam durchhalten und ihren Urlaub schon früher als erwartet abbrechen?

Lara ist beunruhigt und starrt ins Leere. Sie merkt nicht einmal wie Katharina sich wieder zu ihr setzt und sie anspricht. Erst als Katharina sie an der Schulter berührt, sieht Lara ihrer Freundin direkt in die Augen und beide merken sie, dass etwas nicht stimmt. Reden will jedoch niemand von ihnen, denn keiner weiß wie er anfangen soll und so versucht Lara ein unverfängliches Thema anzusprechen: „Das Wetter ist draußen so schön, was hältst du denn davon, wenn wir wandern gehen? Das hast du doch früher immer so gerne gemacht und hier sind sie ja wirklich nahe. Man kann… wie heißt der Berg da draußen?“

„Das ist der wilde Kaiser. Aber wir müssen nicht wandern gehen. Ich weiß immerhin noch, dass du das nicht machen wolltest. Du hast immer gesagt, dass du, wenn du volljährig bist, nur noch ans Meer willst. Du hast immer davon gesprochen, dass deine Eltern dir diese Wandertouren extra aufhalsen, damit du in den Ferien ruhig bist und früh schlafen gehst… na ja, aber wir können auch einfach… shoppen gehen. Dann fahren wir in eine größere Stadt und…“, Katharina merkt, dass es ihr unangenehm ist, soviel von früher zu erzählen, aber sie kann nicht anders. Ihre frühere Freundschaft zu Lara hat ihr immer so viel bedeutet, dass es noch immer wehtut.