Dragon Hunters: Waidmanns Heil

GeschichteHumor / P12
28.12.2010
28.12.2010
1
2.030
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
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28.12.2010 2.030
 
Titel: Waidmanns Heil
Autor: Lady Charena
Fandom: Dragon Hunters
Paarung: Gwizdo, Lian Chu, Hector
Rating: gen, Humor
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Gwizdo, Hector und Lian Chu sind auf der Jagd nach einem überhaupt nicht weihnachtlich-friedlich gestimmten Drachen.

Infos zur Serie finden sich bei der Story „Vorbereitung ist alles“

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Auf der Insel Xmasius kauerten Gwizdo und Lian Chu hinter einem Stechginstergebüsch. Gwizdo befingerte nervös seinen Pilotenhelm, mit dem er sich schon mehrfach im stachligen Gezweig verfangen hatte. Beim Versuch ihn loszumachen, hatte er sich in die Finger gestochen. Außerdem fror er erbärmlich. Wie er Schnee hasste! Und das nicht erst, seit ihn auf einer anderen Eiswelt ein Schneedrache in einen Eisblock eingefroren hatte. Er seufzte. Warum hatte er nicht auf Mutter Pauline gehört und etwas Anständiges gelernt, wie all die anderen Kinder auf dem Waisenbauernhof? Gwizdo seufzte erneut.

Lian Chu sah ihn ernst an, einen Finger über die Lippen gelegt, um ihm zu bedeuten, leiser zu sein.

"Ja sapperlot", beschwerte sich Gwizdo gekränkt. "Ich versuche ja schon so leise mit den Zähnen zu klappern, wie ich kann! Wo bleibt dieser vermaledeite Hector nur?"

Wie schon so oft zuvor, war auch diesmal wieder der unglückliche kleine Hausdrache Hector dazu auserkoren worden, den Köder zu spielen. Sie hatten ihn vorgeschickt, um ihre Beute aus seiner Höhle zu locken.

"Es kann nicht mehr lange dauern", flüsterte Lian Chu. "Geduld und Mut sind des Jägers höchstes Gut."

Gwizdo verdrehte die Augen. Schon wieder einer dieser sinnlosen Sinnsprüche.

"Außerdem kann ich ihn riechen", fuhr der riesige Drachenjäger gelassen fort.

"Riechen?" Gwizdo schnüffelte lautstark und erinnerte dabei an Leopold, ZaZas geliebtes Hausschwein, beim Verschlingen seines Futters. "Was riechen? Ich rieche überhaupt nichts! Aber das ist ja auch kein Wunder, mir ist schon längst die Nase abgefroren."

"Dieser süßliche, würzige Duft... Draconii xmasis decembrii sondert ihn durch die Haut ab." Lian Chu spähte angestrengt durch die Zweige. "Honig, Nüsse und Gewürze... Zimt... Nelken... Sternanis..." Er schnüffelte und seine Nasenflügel zuckten. "Damit lockt der Drache seine Opfer an. Ich glaube, wir haben es mit einem voll ausgewachsenen Exemplar zu tun. Es gibt da Untertöne von Orangen
und..."

"Schon gut, schon gut", unterbrach ihn Gwizdo genervt und verschränkte die Arme vor der Brust, er konnte einfach nicht aufhören zu bibbern. "Ich glaube dir, dass du ein feines Näschen hast – groß genug ist es ja - aber weißt du auch, wie wir dieses Biest unschädlich machen können?"

Lian Chu nickte. "Jedes Kind kann das. Draconii xmasis decembrii ist einer der gefräßigsten, aber ansonsten harmlosesten Drachen. Er gibt sich große Mühe, keine Schäden anzurichten und hinterlässt immer ein kleines Geschenk in dem Dorf, das er überfallen hat."

Gwizdo schnaubte verächtlich. "Das nennst du harmlos?", beklagte er sich. "Wie sieht dieser Drache überhaupt aus?"

Der riesenhafte Jäger neben ihm rieb die Handflächen aneinander, um sie aufzuwärmen. "Ich habe noch nie einen gesehen, aber eine Beschreibung gehört." Sein Blick wich jedoch nicht eine Sekunde von der Lichtung vor ihnen, auf die Hector den Drachen locken sollte. "Er hat vier Beine, seine Haut ist rot, mit weißen Streifen um den Hals, den Bauch und die Beine. Kälte macht ihm nichts aus, bis auf sein Maul, das sehr kälteempfindlich ist. Deshalb ist es von einem dichten Wust weißen, lockigen Haares umgeben. Er ist sehr leicht zu erkennen, auch an dem brauen, sackartigen Auswuchs auf dem Rücken, in dem er einen Vorrat an den kleinen Geschenken bunkert, die er zurücklässt."

Gwizdo schüttelte es und dieses Mal nicht unbedingt nur wegen der Kälte. "Und wie groß ist dieses liebenswürdige Vieh?"

"Oh, kleiner als ein hammerharter Hüpfer", erwiderte Lian Chu etwas abwesend. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf ein paar Büsche am gegenüberliegenden Rand der Lichtung, die leicht schwankten. Er presste eine Handfläche auf den hartgefrorenen Boden und spürte die feinen Vibrationen, ausgelöst von vier durch den Tannenwald stampfenden Beinen. Der Drache kam genau auf sie zu. Gut gemacht, Hector. Lian Chu griff nach seiner Waffe.

Neben ihm riss Gwizdo erstaunt die Augen auf. "Aber Lian Chu, was ist denn mit deinem Schwert passiert?", zischte er, denn das, was der Jäger in den Händen hielt, war eine rotweiß gestreift Stange, an einem Ende gebogen und im fahlen Sonnenlicht leicht klebrig glänzend.

"Ich habe es im Flugschrauber gelassen. Das hier ist eine Zuckerstange. Draconii xmasis decembrii ist allergisch gegen Zucker. Das kommt daher, weil sie sich in früherer Zeit nur von Milch und Plätzchen ernährt haben. Und diese einseitige Ernährung hat sie krank gemacht, so dass sie schließlich eine Zuckerallergie entwickelten. Jetzt fressen sie dafür alles andere, was ihnen vor das Maul kommt. Es gibt nicht viele Drachen von dieser Sorte." Lian Chu erhob sich und überragte das Gebüsch, als Hector mit heraushängender Zunge und keuchend auf die Lichtung einbog.

Dicht hinter ihm tauchte nun auch der Drache auf. Lian Chu hatte recht. Das Biest war wirklich kleiner als ein hammerharter Hüpfer. Allerdings nur minimal. Riesige Tannen knickten wie Streichhölzer um, als sich der Drache auf die kleine Lichtung schob und sie dabei beträchtlich vergrößerte. Gwizdo wich langsam zurück - selbstverständlich nur, um Lian Chu nicht im Wege zu sein, der sich darauf vorbereitete, das Monster zu erledigen.

Neben ihm plumpste Hector schnaufend und keuchend in den Schnee. "Pfui, Nase... Drache eklig... riechen...", brachte er in dem merkwürdigen Kauderwelsch hervor, in dem er sich mit den Menschen verständigte.

"Zumindest fühlst du deine Nase noch", erwiderte Gwizdo jämmerlich. "Meine ist vollkommen taub."

Hector rollte äußerst ausdrucksvoll mit den Augen.

Lian Chu hatte sich inzwischen mit einigen Sätzen auf einen Baum geschwungen und war fast bis zu dessen Gipfel hochgeklettert. Die vier Augen des Drachen, die wie bei einer Schnecke auf Stielen saßen, folgten dem Jäger und verknoteten sich dabei in ihrer Hast fast zu einem Zopf. Draconii xmasis decembrii war nicht unbedingt für seine Intelligenz berühmt. Schwerfällig wendete der Drache seinen massigen Körper und links und rechts krachten Bäume wie Kinderspielzeug zur Seite. Das riesige, von wirrem Haar umsäumte Maul öffnete sich mit einem ohrenbetäubenden Quietschen wie ein Scheunentor und der Drache begann tief Luft zu holen. Seine Opfer anzusaugen war die bevorzugte Jagdmethode des Draconii xmasis decembrii. Die wenigen noch stehenden Bäume um die Tanne, auf die Lian Chu geklettert war, beugten sich bedrohlich in Richtung Drachenmaul. Eine Menge Zweige lösten sich und flogen davon, direkt in die klaffende Öffnung, die mit Reihen um Reihen spitzer Zähne besetzt war.

Auch der Baum, auf dem der Drachenjäger saß, beugte sich. Lian Chu hatte jedoch mit Bedacht eine alte Tanne mit dickem Stamm und vielen Wurzeln ausgewählt, die etwas länger standhalten würde als die jüngeren, dünneren Bäume an ihren Seiten. Von denen lösten sich mit dem nächsten Atemzug des Drachens zwei vom Boden und wurden in das riesige Maul gesogen. Es knirschte und knackte und schmatzte und klickte, als der Drache die Tannen verschlang. Dann öffnete er seine Futterluke für einen weiteren  Atemzug...

Lian Chu stand auf einem der obersten Äste, so weit vorne, wie er sich gerade noch hatte vorwagen können - und ihn der Ast trug. Er klammerte sich mit einer Hand fest, mit der anderen zielte er mit der Zuckerstange auf den Drachen. Ein Luftstrom, der rasch heftiger wurde, zerrte an ihm und um ein Haar hätte der Jäger den Halt verloren und wäre in das klaffende Maul gestürzt. Lian Chu schleuderte die Zuckerstange weg und sie landete genau in der Mitte der moosgrünen Zunge des Ungetüms. Dann klammerte er sich mit beiden Armen am Baumstamm fest.

Gerade noch rechtzeitig, wie es schien, denn der Drache schickte sich an, erneut einen gewaltigen Luftsog zu produzieren... doch aus dem offenen Maul kam nur ein ohrenbetäubendes Röcheln. Die noch stehenden Bäume schwankten kaum. Das Monstrum röchelte erneut, dann knickten seine vier Beine weg, seine vier Augen sanken wie zerkochte Spaghetti herab und es fiel um. Der Aufprall erschütterte die Umgebung wie ein Erdbeben; der Schnee, der zwischen den Bäumen lag, lief in Wellen davon.

Langsam wurde es still. Der Drache gab keinen Mucks mehr von sich. Lian Chu kletterte von der Tanne und sah sich nach seinen Freunden um. Hectors blaues Fell war leicht zu entdecken, doch von Gwizdo keine Spur! "Hector - such Gwizdo!", befahl der Jäger und Hector sprang auf die Beine und salutierte. "Jawohl!" Der Drachenhund drehte sich ein paar Mal im Kreis, die Nase dicht über dem Schnee. Dann spurtete er los. Lian Chu folgte ihm.

In einiger Entfernung stand ein Schneemann. Hector umrundete ihn schnüffelnd und begann dann, daran zu kratzen und zu graben. Lian Chu, der rasch begriffen hatte, was da vor ihnen stand, half ihm und bald stand Gwizdo zitternd und bibbernd vor ihnen. Eine Schneewelle hatte ihn erwischt und verschüttet.

* * *

Die Jäger kehrten zum Flugschrauber zurück. Und Gwizdos Miene hellte sich beträchtlich auf, als er den großen Sack mit ihrer Belohnung neben dem Flugzeug liegen sah. Die Dorfbewohner hatten sich an den mit ihnen geschlossenen Vertrag gehalten. Seltsam nur, dass sie nicht auf die Drachenjäger gewartet hatten. Obwohl, wer wollte schon in der Kälte herumstehen, wenn er ein gemütliches Heim hatte. Die Leute auf Xmasius schienen leidlich intelligent zu sein. Nur leidlich, denn er würde nie verstehen, wieso sie auf dieser Eisinsel lebten.

Gwizdo wollte den Sack öffnen, doch Lian Chu nahm ihn weg und packte ihn in den Flugschrauber. "Das kannst du später tun, Gwizdo", meinte er und nickte Hector zu, der an den Pedalen Platz nahm. "Jetzt müssen wir erst einmal hier weg, damit du dich aufwärmen kannst. Ansonsten wirst du dich erkälten." Er griff nach seinem Strickzeug. "Ein Glück, dass ich deinen neuen Schal fast fertig habe."

Obwohl Gwizdo sich nicht darum kümmerte, krank zu sein wenn er dabei auch noch reich war, nahm er doch auf dem Pilotensitz Platz.

Eine paar Minuten später befanden sich die drei Helden auf dem Rückweg zur Herberge.

Einige Zeit später hatte Gwizdo die Kälte schon wieder so weit vergessen, dass er fast nicht mehr mit den Zähnen klapperte. Er schob seine Pilotenbrille hoch und warf einen Blick auf Lian Chu, dessen Stricknadeln ebenfalls emsig klapperten. Dann öffnete er den Sack mit ihrer Bezahlung und griff hinein - und zog ein hübsch verpacktes kleines Geschenk heraus. "Was ist...?" Er zog an der Schleife und entfernte das buntbedruckte Papier und in einem blauen Karton befand sich - nichts! Er holte ein zweites, ein drittes, ein viertes Geschenk heraus, packte sie aus und alle Kartons waren leer!

"Sapperlot, das darf doch nicht wahr sein!", schimpfte Gwizdo. "Sie haben uns betrogen, diese vermaledeiten Betrüger!"

"Das müssen die Geschenke sein, die der Draconii xmasis decembrii im Dorf hinterlassen hat", bemerkte Lian Chu überflüssigerweise. "Falls sie mit etwas gefüllt gewesen sein sollten, haben die Dorfbewohner wohl den Inhalt entfernt."

Wütend verpasste Gwizdo dem Sack einen Tritt. Der plumpste gegen Hector, der eifrig in die Pedalen trat, die den Propeller des Flugschraubers antrieben.

Hector geriet aus dem Tritt und der Flugschrauber sackte ab.

Lian Chu ließ zwei Maschen fallen.

Gwizdo landete auf seinem Allerwertesten.

Und der Sack mit den leeren Geschenkkartona ging über Bord. Er öffnete sich im Fallen, überschlug sich mehrfach und die Kartons fielen heraus, um sich über die unter ihnen schwebenden Inseln zu verteilen.

"Hoffentlich verklagt uns nicht jemand wegen Inselverschmutzung", meinte Lian Chu besorgt und besserte seine Strickarbeit aus, nachdem Hector und Gwizdo die kleine Maschine wieder unter Kontrolle gebracht hatten.

"I wo, woher sollte denn jemand wissen, dass sie von uns stammen", erklärte Gwizdo grimmig. "Außerdem freut sich vielleicht irgendwo irgendjemand darüber... Was mich betrifft, ich will endlich nach Hause und ein heißes Bad nehmen. Meine Zehen sind..."

Hector begann schneller in die Pedale zu treten und der Flugschrauber schoss davon. Gwizdos Klagen verhallten ungehört im Wind.


Ende
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