Dragon Hunters: Vorbereitung ist alles

GeschichteHumor / P6
28.12.2010
28.12.2010
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28.12.2010 2.061
 
Titel: Vorbereitung ist alles
Autor: Lady Charena
Fandom: Dragon Hunters
Paarung: Jeanneline, ZaZa, Gwizdo, Lian Chu, Hector & Leopold
Rating: gen, Humor
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: In der Schenke "Zum schlafenden Drachen" laufen die Vorbereitungen für das Weihnachtsgeschäft auf vollen Touren, denn Jeanneline ist sehr für das Motto "Eine gute Vorbereitung ist die Mutter des Erfolges". Zu Gwizdos Leidwesen, der die ihm zugeteilten Aufgaben eines Drachenjägers für unwürdig hält, verlässt sie sich da ganz auf die Mithilfe ihrer Familie und ihrer Freunde.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




Die Tür zu der Dachschlafkammer, die sich Gwizdo und Lian Chu teilten, öffnete sich lautlos. Eine Gestalt mit grimmiger Miene stahl sich geräuschlos in den Raum, einen Eimer in beiden Händen. Zwei Sekunden später wurde besagter Eimer schwungvoll über Gwizdo ausgeleert.

Schnaubend, prustend, zähneklappernd und um sich schlagend fuhr Gwizdo aus angenehmen Träumen auf, in denen er ein Vermögen an Goldonen gezählt hatte. "Ich ertrinke... Hilfe...", gurgelte er. Er kam endlich in eine aufrechte Haltung, spuckte eiskaltes Wasser aus und schlug die Augen auf. Um sich gleich darauf zu wünschen, er hätte es nicht getan. Jeanneline starrte ihn grimmig an.

Die Wirtin hatte beide Hände in die üppigen Hüften gestemmt und musterte ihren Dauergast wütend. Und wenn Jeanneline wütend war, ergriff sogar ein Drache die Flucht. Da er wie üblich pleite war, musste Gwizdo Kost und Logis wieder einmal abarbeiten. Aber obwohl sich die Sonne gerade erst verschämt am hintersten Eckchen des Himmels zeigte und sich sogar der Hahn noch einmal umdrehte, war es Jeanneline bereits spät genug. "Bist du Faulpelz immer noch im Bett!", fuhr sie Gwizdo an, der das Wasser aus seiner tropfenden Bettdecke wand. "Glaubst du denn, die Kartoffeln schälen sich von selbst? Oder dass das Geschirr sich alleine abwäscht?"

"Jeanneline, Lian Chu und ich haben gestern...", begann Gwizdo, doch davon wollte die resolute Wirtin nichts hören.

"Lian Chu und ZaZa sind schon unterwegs, um einen hübschen Baum für die Gaststube zu besorgen. Und wenn du nicht in zwei Sekunden unten in der Küche bist, dann..." Jeanneline grinste zufrieden und verschränkte die Arme vor der Brust. Gwizdo stürmte - noch im Schlafanzug - bereits die Treppe hinab. Sie schnappte sich den Eimer und folgte ihm. Das kalte Bad hatte dem Kleinen schon nicht geschadet, er wusch sich ohnehin nicht regelmäßig genug. Du lieber Himmel, wenn sie nicht so auf Ordnung halten würde, dann sähe die Kammer bald aus wie Leopolds Schweinekoben!

* * *

Mit einer von Jeannelines Schürzen angetan, in der er förmlich versank, saß Gwizdo vor einem Berg Kartoffeln in der Küche und schälte und schälte und schälte, als draußen in der Gaststube muntere Stimmen zu vernehmen waren. Neugierig ging ihnen Gwizdo  nach.

Mitten in der Gaststube stand Lian Chu mit dem größten Baum, den Gwizdo je innerhalb eines Hauses gesehen hatte. Gut, es war der einzige Baum, den er jemals *in* einem Haus gesehen hatte. Während seiner Zeit auf dem Waisenbauernhof hatte es kein Weihnachten
gegeben. Mutter Pauline hatte ihnen zwar eine Menge über alte Feste und Feiertage beigebracht, nur das war nicht dabei gewesen. Aber seit ein Gast Jeanneline vor ein paar Wochen davon erzählt hatte, war sie ganz wild darauf, Weihnachten auch auf ihrer Insel einzuführen.

----"Sicher lockt es neue Kunden an", meinte Jeanneline damals mit einem Seitenblick auf Gwizdo und Lian Chu, die beim Kamin saßen. "Ich brauche schließlich zahlende Kundschaft, um gewisse Herren durchzufüttern, die Miete und Verpflegung schuldig bleiben." Die beiden Drachenjäger setzten betont unschuldige Mienen auf.----

Und offenbar gehörte dazu, dass man eine Tanne in die Stube stellte. Merkwürdiger Brauch. Gwizdo stemmte die Hände in die Hüften. "Ja sapperlot, jetzt sei doch vorsichtig mit diesem Ungetüm, Lian Chu", schimpfte er. "Ich habe den Boden gerade geschrubbt."

Lian Chu lud den Baum neben dem Kamin ab. "Jeanneline hat gesagt, wir sollen ihn hier aufstellen. Aber wie?" Von alleine blieb die Tanne nicht stehen. Und gegen den Kamin gelehnt sah sie nicht sehr schön aus. Ganz zu schweigen von der Brandgefahr.

ZaZa schleppte einen mit Sand und Steinen gefüllten Eimer herein, Hector half ihr dabei. "Mama meint, damit müsste es gehen. Du sollst den Baum da reinstecken, Lian Chu", rief sie. Ihre Wangen glühten rot vor Aufregung. Das kleine Mädchen hielt respektvoll Abstand, als der Drachenjäger den Stamm des Baumes in den Eimer drückte. Aber siehe da, es klappte. Die Tanne stand aufrecht und breitete anmutig ihre Zweige nach allen Seiten aus.

Jetzt wagte sich auch Gwizdo näher heran. Die Nase kritisch gerümpft umrundete er das Machwerk und schüttelte den Kopf, als er die abgefallenen Nadeln entdeckte. Unauffällig schob er sie mit dem Fuß in die Feuerstelle. Nicht auszudenken, wenn Jeanneline das sah! Sie würde ihn den Boden noch und noch und noch mal wischen lassen. Schon aus bloßer Gemeinheit. Aber was konnte er dafür, dass die Geschäfte für Drachenjäger gerade schlecht liefen und er die Miete schuldig blieb? Jeanneline hatte einfach kein Verständnis für den Kummer und die Nöte eines Geschäftsmannes.

"Gwizdo!", kam es aus der Küche und der kleine Drachenjäger eilte stehenden Fußes dorthin. "Ja, Jeanneline, meine Teuerste?"

Die Wirtin sah ihn empört an und deutete anklagend auf die bereits geschälten Kartoffeln. "Was fällt dir ein, meine Kartoffeln so zu schälen, dass fast nichts mehr übrig bleibt?", beschwerte sie sich. "Mach' das gefälligst ordentlich, Gwizdo."

"Mach' das gefälligst ordentlich, Gwizdo", äffte er sie nach - allerdings erst, nachdem sich die Küchentür bereits hinter Jeanneline geschlossen hatte. Seufzend griff er erneut zum Messer und nahm sich eine weitere Kartoffel. Wenn er erst einmal damit fertig war...
wartete noch ein Berg Geschirr auf ihn. Und das alles ohne ordentliches Frühstück. Die Welt war unfair.

* * *

Jeanneline begutachtete ebenfalls den Baum. "Der ist wirklich sehr hübsch, Lian Chu", befand sie.

"Und was machen wir jetzt damit, Mama?", fragte ZaZa und lachte entzückt, als ein verschlafener Vogel aus dem Baum taumelte und hastig das Weite suchte.

"Nun, der Mann hat gesagt, man schmückt die Tanne." Jeanneline rieb sich sinnend das Kinn. "Aber er ist nicht näher darauf eingegangen mit was. Er meinte nur, man sollte schöne, glitzernde Dinge und Kerzen verwenden."

"Oh, das wird toll", freute sich ZaZa. "Darf ich die Kerzen anzünden?"

"Nein, dafür bist du noch zu klein", entschied Jeanneline. "Aber du und Lian Chu könnt sie schon einmal auf dem Baum verteilen. Ich werde in der Zwischenzeit einmal auf dem Dachboden nachsehen, ob ich etwas brauchbares für den Schmuck finde."

ZaZa lief und holte die Kerzen, die Lian Chu mit Klebstoff auf den dickeren Ästen befestigte. Als Jeanneline mit einem Korb vom Dachboden zurückkam, saßen ZaZa und Hector unter dem Baum und spielten Verstecken.

"ZaZa, komm' sofort da raus, du wirst ja noch ganz schmutzig."

Zwischen den Zweigen erschien ZaZas strahlendes Gesicht. "Mama, darf ich Leopold auch unseren Baum zeigen?" Ihr liebster Spielkamerad würde große Augen machen, wenn er dieses Weihnachten auch kennen lernen durfte.

Jeanneline holte empört Luft. "Auf keinen Fall kommt mir dieses Schwein in die frischgewischte Gaststube!", erwiderte sie. Nicht einmal Gwizdos Gejammer und Gemecker beim Putzen war es wert, Leopold ins Haus zu lassen. Dieses schwerfällige Ungetüm von Hausschwein würde nicht weniger Schaden als ein Drachen anrichten.

ZaZa zog eine Schnute und kam unter dem Baum hervor.

Hector nutzte die Gelegenheit und schlich sich in die Küche, um dort nach etwas Essbarem zu suchen. Keine Minute später flog er durch die Tür. Gwizdo hatte seinem Abgang mit einem Besen völlig unerwartet Flügel verliehen... Knurrend verzog sich der so Misshandelte unter eine Bank am Kamin.

Lian Chu legte das Strickzeug beiseite. Er war mit den Socken, die Jeanneline über die Feuerstelle hängen wollte, schon fast fertig. Auch wenn ihm unbegreiflich blieb, wieso sie das mit nagelneuen und trockenen Socken tun wollte und die auch noch groß genug sein
mussten, dass er sie einem Drachen anziehen könnte, aber keinem der Bewohner der Schenke. "Hast du etwas gefunden, um den Baum zu schmücken, Jeanneline?", fragte er.

Die Wirtin nickte. Sie zog ein Tuch aus dem Korb und hielt einen silbernen Löffel in die Luft. "Die stammen noch von meiner Urgroßmutter. Wenn man sie noch ein bisschen poliert, glitzern sie sehr schön."

Die Aufgabe, die Löffel zu polieren, wurde der schmollenden ZaZa übertragen, die jedoch dadurch nicht besonders aufgeheitert wurde.

Jeanneline verschwand in die Küche, es war Zeit, mit dem Kochen des Essens für den Abend anzufangen und überließ es Lian Chu und Hector, noch weitere Dinge zum Schmücken des Baumes zu finden.

Und so war schließlich ein nettes Sammelsurium an Dingen zusammengekommen, als Gwizdo endlich eine Pause einlegen durfte. Kopfschüttelnd umrundete er die Tanne, die nun nicht nur mit Kerzen versehen war, sondern auch mit silbernen Löffeln; goldenen Münzen (die leider längst wertlos geworden waren, als ein betrügerischer Kunde damit seinen Braten bezahlte); ein paar bunten Haarbändern von ZaZa; Zorias alten Puppen und anderem Spielzeug; Scherben eines Spiegels, den Gwizdo versehentlich zerbrochen hatte; Bündeln der roten Beeren, die um die Herberge wuchsen und ein paar blankpolierten Maschinenteilen, die eigentlich als Ersatzteile für den Flugschrauber fungierten. Das ganze krönten Hector und Lian Chu gerade mit einer selbstgestrickten Girlande in vielen bunten Farben.

"Ist Mama hier?" ZaZa steckte den Kopf zur Tür herein und als sie sah, dass ihre Mutter nicht im Raum war, schob sie Leopold herein, der fast im Türrahmen stecken blieb. "Ist er nicht wunderschön?", meinte sie und zeigte auf den Baum.

"Also wunderschön würde ich nicht gerade sagen", meinte Gwizdo, der sich ärgerte, dass er nicht beim Schmücken hatte helfen dürfen. Er überlegte, ob er nicht die Münzen...

"Leopold! Verschwinde sofort aus meiner Gaststube oder ich serviere dich mit Preiselbeersoße zum Abendessen!", schrie Jeanneline aufgebracht, die eben kam, um nach dem Rechten zu sehen und drohte mit der Suppenkelle, die sie in der Hand hielt. Empört sah sie zu, wie sich das erschreckte Schwein schnell in Sicherheit brachte. ZaZa machte sich vorsichtshalber ebenfalls gleich aus dem Staub. Und Gwizdo flitzte an ihr vorbei in die Küche, zurück zum Geschirrspülen.

Die Wirtin der Schenke stemmte die Fäuste in die Hüften. Also wirklich, sie war sich nicht sicher, ob ihr dieses Weihnachten gefiel. Sie hatte doch wahrlich schon genug Arbeit auch ohne diese neumodischen Sperenzchen...


Ende



Infos zur Serie:


Eine Welt in weiter Zukunft, bewohnt von Schurken, Bauern und ungebildeten Adligen, wird von einer schrecklichen Plage bedroht: Drachen haben das ferne Reich heimgesucht!

Die Drachenjäger haben es sich zur Aufgabe gemacht, die ungemütlichen Eindringlinge zu fangen. Für Lian Chu und Gwizdo ist das ein florierendes Geschäft, denn sie gehören zu den besten Drachenjägern der Welt!

Dragon Hunters - Die Drachenjäger
RC/F 2004 (Dragon Hunters / Chasseurs de Dragons)

26 Episoden
Kategorie: Zeichentrick
Deutsche Erstausstrahlung: 5.9.2005 SuperRTL



Das Weltall, viele Jahrhunderte nach unserer Zeit. Ein gewaltiger Knall hat die Menschheit in mittelalterliche Verhältnisse zurückgeworfen und die Erde in Tausende Einzelteile zertrümmert. Klingt schlimm? Es kommt noch dicker. Auf den einzelnen Asteroiden, die einmal die Erde waren - nun Inseln genannt - haben sich Drachen breit gemacht. Keine normalen Drachen, wie man sie aus Märchenbüchern kennt, sondern Drachenmutanten. Gemeingefährliche Biester, die nicht einfach nur Feuer spucken, sondern noch viele andere unsympathische Eigenschaften haben. Doch zum Glück gibt es die Drachenjäger: Gwizdo und Lian Chu. Die zwei jagen die Untiere. Das ist ihr Job. Die Situation scheint alles andere als lustig, ja sogar düster, doch dank der beiden Helden ist sie das natürlich nicht. Die tapferen Jäger bringen jede Menge Humor mit. Dass Gwizdo eine furchtbare Angst vor Drachen hat und Lian Chu für sein Leben gerne strickt, hindert sie keinesfalls an der perfekten Ausübung ihres Berufs, nur manchmal, garantiert dafür aber, dass selbst die auswegloseste Situation immer noch für einen Lacher gut ist. Zum Glück steht den eigenwilligen Drachenjägern ein treuer Freund zur Seite: Der ungehobelte Drachenhund Hector. Und auch bei ihrer Wirtin, Jeanneline, finden sie hin und wieder moralische Unterstützung. (Super RTL)

Bilder zur Serie: http://www.toggo.de/dragon_hunters/dragon.htm
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