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Sunset Over Imdahl

von Sharaku
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Gen
24.12.2010
17.04.2011
8
18.990
 
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
24.12.2010 835
 
Update: Dank ein paar Kommentaren von Fleny zu dieser Geschichte habe ich sie noch einmal überarbeitet und hoffentlich deutlich verbessert. Vor allem den Namen des Protagonisten. ;) Danke nochmal.
Viel Spaß beim Lesen.

Update #2: Durch Insomnia666s fleißige Kritik und Verbesserungsvorschläge wird die Geschichte zum zweiten Mal grundlegend verbessert. Vielen, vielen Dank an sie. :)

***

Prolog: Die belagerte Stadt

„Sieh sie dir an. Sieh sie dir an, wie ihre boshaften Blicke nach uns spähen.“
„’Sehen’?“
„Dann fühle es. Fühle ihren Hass …“


Ein gewaltiger Regenschauer prasselte vom Himmel in ein Meer aus wogendem Scharlachrot. Nicht die herabfallenden Wassermassen waren es, die den reißenden Ozean speisten, sondern die Zelte der in Eiseskälte ausharrenden Soldaten, die sich schutzsuchend am Fuße einer kargen Erhebung drängten. Die aufkommenden Windböen zerrten an den schützenden Planen und bauschten den vom strömenden Regen Stoff der Flaggen auf, die an langen Stangen befestigt dazwischen aufragten.
Kein Sonnenstrahl vermochte es, durch die dichte Wolkendecke zu dringen.
Ein grauer Tag, ebenso düster wie die Absichten der Soldaten, die bei den Zelten Stellung bezogen hatten.
Majestätisch, beinahe schon herausfordernd, thronte die Stadt Imdahl über ihnen. Das Objekt ihrer Begierde war sie einmal gewesen … Entsandt vom Imperium hatten sie versucht, die „letzte Bastion der Freiheit“, wie die Festung landläufig genannt wurde, zu erobern. Doch die mächtige Stadt sträubte sich.
Noch nie waren Imdahls Mauern gefallen. Und auch jetzt schienen die steinernen Wälle standzuhalten.

Trotz des Unwetters, das draußen über den Hügel tobte, war es in dem geräumigen Zelt des Oberoffiziers relativ warm. Dank dem dicken Leinen der Planen und den unzähligen Fellteppichen vermochte es die Kälte nicht, Besitz von diesem gemütlichen Ort zu ergreifen. Nichtsdestotrotz herrschte eisige Stimmung zwischen den beiden Männern, die sich beim flackernden Licht der beinahe herab gebrannten Kerzen über die wild verstreute Ansammlung strategischer Karten und Pläne über den Offiziersschreibtisch beugten.
„Ich muss Sie enttäuschen, Captain.“ Die raue Stimme des Älteren durchbrach das kalte Schweigen, das drückend in dem kleinen Raum gehangen hatte. Seine Stirn war in tiefe Falten gelegt und seine dichten Brauen senkten sich gefährlich, als er den Kopf hob, um dem stechenden Blick seines Beraters zu begegnen. „Wir werden nicht aufgeben. Diese feigen Ratten sind uns meilenweit unterlegen. Egal wie lange sie sich noch in ihrer dreckigen Stadt verschanzen, bald schon werden wir sie vernichten.“
Der Captain senkte die Augen, um seinem Herren, dem Oberoffizier der Imperialen Armee, nicht mehr ansehen zu müssen. Er befürchtete, dass dieser sonst die Verachtung, die dahinter lag, erkennen konnte. „Acht Monate sind vergangen, seit wir unsere Zelte vor den Toren Imdahls aufgeschlagen haben“, wisperte er heiser. „Acht bittere Monate fern von der Heimat. Schlechtes Wetter und miserables Essen drücken die Moral der Männer, seit Wochen gibt es nichts als vom Regen aufgeweichten Zwieback und wässrige Suppe, die aus ebenjenen zu bestehen scheint. Die Soldaten sind erschöpft, mein Herr. Falls unser Ziel ihnen jemals etwas bedeutet hat, ist es jetzt in so weiter Ferne, dass selbst der letzte Funke Kampfesmut in ihren Herzen erloschen ist.“ Er bedachte den Offizier mit einem eindringlichen Blick, doch aus den harten Zügen seines Herrn blitzte nichts als Entschlossenheit. Seine impossante Rüstung blitzte silbrig im Schein des flackernden Lichts, als er seinen tiefblauen Umhang in einer hoheitsvollen Geste über die Schulter warf und den streng geschorenen Kopf stolz aufrichtete.

„Ich dulde keinen Widerspruch“, entgegnete er unbewegt. „Noch vor Anbruch des Winters wird Imdahl fallen.“ Er lächelte nachsichtig. „Ich gebe Ihnen mein Wort darauf.“
„Ihr Wort?“, fragte der Captain bitter. „Verzeihen Sie mir, mein Herr, aber verlangen Sie von mir wirklich, dass ich vor tausende hungernde Soldaten trete mit nichts als Ihrem Wort?
Diesen Männern bedeutet Ihr Wort rein gar nichts“, schnaubte er verzweifelt. „Keiner von ihnen ist bereit zu verhungern, nur um Ihren verdammten Stolz zu befriedigen! Dieses Unterfangen war von Anfang an dem Untergang geweiht. Wie konnten wir nur so töricht sein, anzunehmen, uns könnte etwas gelingen, woran schon unzählige andere Streitmächte gescheitert sind?“
„Wenn die Männer nicht bereit sind, für das Imperium zu sterben, sollten sie ein bisschen an ihrer Loyalität feilen“, erwiderte der Oberoffizier mit kühler Gelassenheit. „Doch sorgen Sie sich nicht, die Situation wird sich schon bald zu unseren Gunsten wenden. Ich habe endlich die Erlaubnis des Königs erhalten, das Projekt einzuleiten. Ich nehme an, Sie wissen, wovon ich rede?“

Die Augen des jungen Captains weiteten sich erschrocken. „Der Hohe Rat hat es doch ausdrücklich verboten! Es wurde ein Vertrag geschlossen, dieses Mittel niemals zu verwenden …“
Der Oberoffizier lächelte. „Wir stehen am Rande eines großen Umbruchs, mein Guter. Die alten Königreiche werden unter unserer Übermacht fallen, die geschlossenen Verträge sind unbedeutend. Legenden werden nicht geboren, indem man sich an staubige Paragraphen hält, Geschichte schreibt man auf dem Schlachtfeld. Durch Entschlossenheit! Durch Taktik! Vor uns steht eine glorreiche Zukunft … und es wird niemand übrig bleiben, der unsere Mittel infrage stellen könnte.“


„Die Männer haben nur mein Wort. Sie werden sich damit zufrieden geben müssen. Aber Sie, Captain, Sie wissen nun bescheid. Die Ereignisse sind bereits ins Rollen geraten.

Noch bevor der erste Schnee fällt wird Imdahl uns gehören.“
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