Regungslos

von sharizai
GeschichteDrama / P16 Slash
23.12.2010
15.02.2011
3
1787
 
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Regungslos
I. Unter dem Eis
Fandom: "The Hollows" von Kim Harrison
Autorin: Sharizai
Hinweis: lesbische Beziehungen
auch zu finden unter folgendem Link: http://come-out-to-play.forumkostenlos.com/

Sie liegt in meinen Armen aber ich kann sie nicht haben. Sie ist mir nah, ich schmecke ihren Duft auf den Lippen, fühle die Wärme ihrer Haut unter den Fingerkuppen… Sie ist so fern, so unglaublich weit weg.
Ich schaue ihr in die Augen, in diese verführerische Dunkelheit, sehe das Glimmen darin, das Leuchten und Flackern. Ich habe Angst um sie. Dass eines Tages dieses Licht erlöschen könnte und sie auf Immer und Ewig verschwindet. Aus meinem Leben, aus meiner Welt. –Aus diesem Ort, der unser Zuhause geworden ist.
Ich schaue ihr in die Augen… ich versinke… aber dort ist auch der Grund, der bodenlose Abgrund schließt sich für mich. Ich kann nicht bis zu ihr durchdringen. Meine Hände gleiten über ihre Schultern, das Weiß in der Dunkelheit. Es schimmert, es glitzert, ich senke meine Lippen hinab und spüre ihren Puls unter der Haut.
Sie lebt aber sie könnte genauso gut tot sein.
Sie liegt hier bei mir aber sie könnte auch alleine in der Dunkelheit atmen.
-Für sie bin ich nichts weiter als ein Platzhalter. Eine nette Ablenkung für einsame Stunden. Ein Rückhalt, eine Beschäftigung….
Ich atme tief ein, unseren Geruch der sich in solch majestätischer Einzigartigkeit vermischt hat. Das Raubtier in mir rührt sich, doch ich halte es zurück. –Um ihretwillen.
Es ist dieser ewige Tanz, der unsere Beziehung auszeichnet. Einen Schritt vor, das Leben erfüllt mich, denn ich denke wir können endlich glücklich werden. Nun kommt der Tag an dem sie mich lieben kann, furchtlos und voller Leidenschaft, so wie wir beide es verdienen.
Zwei Schritte zurück, einander ausweichen. Ihre Zurückweisung, meine Angst, meine Trauer, mein Leiden. Meine Sehnsucht.
Sie kommt mir wieder entgegen, ich werde die Arme für sie öffnen, sie empfangen und ihr alles schenken, was ich habe. All meine Liebe, meine Wärme und Geborgenheit. –In der Hoffnung, sie nie wieder gehen zu sehen. Doch sie wird gehen.
Und sie wird wieder kommen.
Ein ewiges Hin und Her.
Ich bin müde. Unglaublich müde, denn mein Leben besteht nur noch aus Schmerz. Dem Scherz, sie verloren zu haben und selbst in den wenigen Augenblicken, in denen sie mich umarmt, meinen Namen flüstert… ich denke schon an den nächsten Abschied, mit angehaltenem Atem, einem Ziehen in der Brust. Und mir wird kalt.

Sie erwidert meinen Kuss, mein Herz schlägt schneller. Sie ist so unglaublich weich und zart. So zerbrechlich, so fragil wie eine Eisskulptur. Ich fürchte mich vor der Stunde, wo sie unter meiner Hand, einer unbedachten Geste, zerbricht. Ich fürchte mich so sehr, dass ich zittere. Ich wünsche mir, von ihr in den Arm genommen zu werden, nicht immer die Starke sein zu müssen. –Sie kann mir nicht geben, was ich brauche. Sie kann mir nicht schenken, was sie selbst nicht mehr besitzt.
Sie wird schmelzen, denn mein Feuer brennt. Sie wird schmelzen und vergehen. Ich werde einsam bleiben, denn es gibt keine wie sie. Selbst wenn es sie da gäbe, niemals würde ich diesen Verrat begehen. Eher rafften mich meine zwei Tode dahin!
Ein Schwur, in düsterer Stunde gesprochen, auf den Kalten Laken unseres Bettes. Niemals werde ich ihn brechen. Sie lachte, als sie mich die Worte flüstern hörte. Mein Herz zerbarst voller Liebe zu dieser Stimme, voller Trauer um die Wahrheit ihres Gesagten.
Ich muss auf sie Acht geben, sie vor jedem weiteren Schaden beschützen und darf ihr doch nicht zu nahe kommen, denn sonst schmilzt sie in meinem Höllenfeuer. Ich muss kalt zu ihr sein, eisig und umschmeichelnd wie ein Blizzardsturm. –Nur so kann ich ihre Schönheit, ihre Reinheit und Existenz erhalten.

Ich atme ihr Versprechungen in den Nacken, süß und bitter zugleich, niemals werde ich sie halten können, denn sie wird es nicht zulassen. Für einen Moment ist sie vergessen, die Wut auf die Welt, auf mich, auf sie, auf unsere Eltern, auf all jene, die uns nicht verstehen… wollen. Sie schaudert unter mir, ihre Haut ist so weich und kühl, ich presse meine Wange gegen ihre. Spüre, wie ihre Wimpern über mich streifen wie die Berührung eines Schmetterlings. Ich behalte die Augen geschlossen, atme tief und fest, verschreibe mich der Illusion, dass sie mich so lieben könnte. Ihre Hände liegen auf meiner Hüfte, beschreiben Wellenlinien. Ich spüre die Anspannung in ihren Muskeln und schiebe mich von ihr, bevor sie mich zurückweisen kann. Mein Herz zerspringt in tausende Splitter.
Ich bin ihr so nah und doch so fern…
Ich schaue ihr in die Augen, sehe mein Spiegelbild in dieser Unendlichkeit. Das strahlende, traurige Blau meiner Iris. Sie lächelt, doch es gilt nicht mir. Ich stelle mir vor, wie es wäre wenn sie sich mir so sehr verschreiben könnte.
Das Bild im Inneren meines Kopfes treibt die Worte über meine Lippen und es tut mir nicht Leid, dass ich es sage. „Ich liebe dich, Ivy.“
Ihr Lächeln bleibt beständig, die Worte vergehen in der unüberbrückbaren Distanz zwischen uns. Die Nacht –diese Verräterin- schluckt sie. Ungehört.


~*~
Die vorliegende Geschichte ist Teil einer Sammlung von Shortstorys. Ich werde nach und nach immer mal wieder Uploads hochstellen, was aber auch schon mal etwas länger dauern kann. =)
Die handelnden Charakere sind allesamt geistiges Eigentum von Kim Harrison, ich habe sie lediglich in einen von mir erdachten Handlungsstrang eingebunden.
Lob, Kritik und Verbesserungsvorschläge sind mir natürlich wie immer sehr willkommen!
Auf ein baldiges Wiederlesen
Sharizai
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