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Australian Trip [PSI Factor]

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
16.12.2010
16.12.2010
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7.104
 
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16.12.2010 7.104
 
Title: Australian Trip
Author: DancingStar
Pairing: Doyle/ Donner
Rating: 12
Anmerkungen: Meine elfte PSI Factor FanFiction... Wow! Die Spinnenart und der Teil der Englischen und Französischen Königsfamilie, um die es hier geht, sind frei erfunden!
Inhalt: Das Team soll Spukerscheinungen auf einem Schloss in Australien untersuchen.


Australian Trip

„Mit wem haben wir es zu tun, Anton?“, fragte Connor, als er den Wagen über eine Landstraße steuerte. Zu ihrer Rechten erstreckte sich bereits das Korallenmeer und Lindsay ließ die Fensterscheibe herunter, um die kühle Meeresluft einzuatmen. Sie war noch nie in Australien gewesen und so freute sie sich über den Fall, den ihnen ein alter Freund von Anton zugespielt hatte. Soweit Lindsay wusste ging es um eine Frau namens Martha McDougal. Sie lebte auf einem alten Schloss, welches einer ihrer Vorfahren gebaut hatte. Das Schloss befand sich direkt am Meer etwas abseits gelegen in der Nähe von Townsville, einer Stadt im Norden von Queensland. Das mysteriöse war, dass es auf dem Schloss angeblich spuken sollte. Als Lindsay dies hörte, war ihr bewusst, dass sie weder Kängurus, noch Koalas noch den Ayers Rock zu sehen bekäme.
Sie erreichten das kleine Schloss pünktlich und stellte fest, dass es noch sehr gut aussah. Inzwischen musste das Gebäude über 200 Jahre alt sein.
Das Mobile Labor wurde neben dem Schloss geparkt.
Als sie ausstiegen bemerkten sie, dass eine Frau mittleren Alters bereits auf sie wartete. Sie stellte sich als Martha McDougal vor, Alleinerbin und Besitzerin dieses Schlosses.
„Lassen Sie Ihre Koffer einfach bei Ihren Autos“, schlug Martha vor, „Wir holen Sie später rein. Beginnen wir erst mit der Führung… Bevor es dunkel wird.“ Martha war sehr aufgeregt.
Aus den Unterlagen wusste Lindsay, dass Martha in Australien geboren war, aber in London Geschichte studiert hatte, bevor sie hier auf McDougal Castle, wie ihre Familie das Schloss nannte,  ihr Erbe antrat. Trotz ihrer Aufregung war Martha eine sehr vernünftige Person.
„Ich zeige Ihnen das Schloss“, bot Martha an und sie öffnete für das Team eine schwere Holztür. Sie betraten das Gebäude und befanden sich nun in einer riesigen Eingangshalle.
„Wenn Sie nach links schauen, sehen Sie am Ende des Korridors den großen Festsaal. Wenn Sie nach rechts gehen würden, kämen Sie als erstes in ein Zimmer, was heute als Büro verwendet wird. Hinter diesem Zimmer befindet sich der Korridor zum Westflügel… Aber nun lassen Sie uns mit den Interessanten Teil der Führung beginnen.“ Martha ging eine breite Treppe hinauf und das Team folgte ihr. Sie begannen die Schlossführung in einem sehr langen Gang. Auf der rechten Seite gab es Fenstern, sodass das Tageslicht die teuren Gemälde gut zur Geltung brachte, die an der linken Wand hingen.
„Das hier ist der Flur zum Westflügel im ersten Stock“, erklärte Martha, „Die Zimmer, die sich auf diesem Stockwerk befinden, sind inzwischen alles Gästezimmer. Als die Zimmer vor fünf Jahren renoviert wurden, berichteten die Architekten und Bauarbeiter damals schon vor seltsamen Erscheinungen und eines Tages haben sie sich sogar geweigert, in der Nacht zu Arbeiten…“, Martha lachte ein wenig, dann blieb sie von einem Ölbild stehen, was einen bärtigen Mann zeigte, „Das Gemälde ist das von meinem Ur- Ur- Großvater Sir Everett McDougal. Sir Everett war der illegitime Sohn von Sir Edward Bowen, einem späten Nachfahren des britischen Königs Henry VIII und einer, wie er sagen würde bedeutungslosen Schottin, die bei der Geburt ihres einzigen Kindes gestorben ist, weshalb sein Vater ihn wiederwillig bei sich aufnahm. Sir Everett lernte seine Frau, eine Cousine von Marie Antoinette, im Jahr 1790 am französischen Königshof bei der Verlobungszeremonie der Prinzessin, kennen. Da Sir Everett in illegitimes Kind seines Vaters Sir Edward Bowen war, sollte sein legitimer Bruder eigentlich Prinzessin Therese heiraten. Sir Edward glaubte nämlich, dass wenn er seinen legitimen Sohn mit der Cousine der damaligen Königin von Frankreich verheiratete, käme er eines Tages so an den Thron. Was die wenigsten wussten, war, dass Sir Edward einer Untergrundbewegung angehörte, die versuchte, den König und die Königin vom Thron zu schubsen. Laut Überlieferung hätten aber erst 15 potentielle Thronfolger sterben müssen, bevor man Prinzessin Therese auf den Thron setzen konnte…. Jedenfalls traf Sir Everett die Prinzessin am französischen Königshof und es war Liebe auf den ersten Blick. Natürlich wusste Prinzessin Therese, dass man sie mit Sir Edward´s zweitem Sohn verheiraten wollte und da dem Mann ein äußerst übler Ruf vorauseilte, beschloss das Paar eines Abends durchzubrennen. Sie flohen von Paris übers Land bis nach Calais, von dort aus fuhren sie mit dem Boot nach Dover. Inzwischen hatte Sir Edward aber Kenntnis davon, dass ausgerechnet sein unliebsamer Sohn Everett mit der Prinzessin durchgebrannt war und so hetzte er ihnen Kopfgeldjäger auf den Hals. Sir Everett beschloss, dass sie weder in England noch in Frankreich sicher waren und so wanderten er und seine Liebste schließlich nach Australien aus. Sie schickten sich sozusagen selbst ins Exil.“
Martha blieb vor einem Bild stehen, welches eine wunderschöne blonde Frau zeigte. Unter dem Bild hing ein kleines Blechschild. „Prinzessin Therese“, war darauf eingraviert.
„Der Sir und die Prinzessin kamen im Jahr 1791 in Australien an und von dem Geld seines Erbes, was der Sir noch retten konnte, ließ er für sich und seine Frau dieses Schloss bauen. Sie lebten fortan ohne ihre Adelstitel weiter. Laut lokaler Geschichte galten sie als reiches Ehepaar aus Europa. Dass sie in Wirklichkeit vom Englischen und Französischen Königshaus abstammten, ahnte niemand. Die Prinzessin und der Sir heirateten, sie waren glücklich und sie bekamen sechs Kinder…“
Peter im Hintergrund verkniff sich den Kommentar, dass der Sir und die Prinzessin wohl sehr fleißig gewesen waren.
„…Die Kinder waren alles Mädchen und obwohl Sir Everett alle seine Töchter liebte, wünschte er sich natürlich einen Jungen, der eines Tages Haus und Hof übernehmen würde“, fuhr Martha fort und zeigte ihnen das Bild einer Familie mit sechs Kindern, „Als Prinzessin Therese schließlich mit ihrem letzten Kind schwanger war, soll sie bereits 47 Jahre alt gewesen sein. Die älteste Tochter Jeanne war damals bereits 17 Jahre alt und selbst schon verheiratet. Ihre damals jüngsten Kinder, die Zwillinge Prinzessin Nadine und Prinzessin Nicole, waren sieben Jahre alt, als ein schreckliches Unglück über die Familie kam: In einer stürmischen Nacht im Sommer gebar Prinzessin Therese ihrem Mann endlich einen Sohn, doch als das Kind geboren war, stellte der Arzt fest, dass dessen Kopf und Gliedmaßen völlig deformiert waren. Erschrocken über das Aussehen seines Stammhalters, ließ Sir Everett den Säugling bei lebendigem Leibe verbrennen und veranlasste, dass weder seine Familie noch der bei der Entbindung anwesende Arzt jemals wieder über das missgebildete Kind sprechen durften. In der Nacht nach der Geburt wurde Prinzessin Therese vom Geräusch eines schreienden Babys aufgeweckt. Als sie ihr Bett verlassen wollte, sah sie ihrem missgebildeten Sohn am Fußende ihres Bettes sitzen. Er starrte sie durch seine leeren Augen an. Prinzessin Therese war außer sich und aus Angst, der Geist ihres toten Kindes könnte ihr in der folgenden Nacht noch einmal erscheinen, stürzte sie sich von der Balustrade im ersten Stock. Nach dem Tod seiner Frau zog sich Sir Everett zurück und überließ dem Kindermädchen die Erziehung der übrigen Töchter, bis Sir Everett 1815 unglücklich starb.“
Hiermit war zumindest die Führung durch den langen Korridor zum Westflügel beendet und Martha und das Team standen nun vor einem Geländer, welches Sicht auf eine weitere Halle bot. Sie befanden sich nun an dem Ort, an dem sich Prinzessin Therese das Leben genommen hatte. Die Halle war eine Art großes Wohnzimmer mit vielen alten, aber schönen Möbeln. In dem Wohnzimmer gab es eine Tür, die in einen wunderschönen Garten führte.
„Wie ich bereits sagte, wurden die heutigen Gästezimmer zu den Zeiten von Sir Everett für einen anderen Zweck genutzt: Damals waren sie Kinderzimmer. Als die Bauarbeiter die Zimmer damals renovieren sollten, kam es besonders in dem Zimmer des letzten Kindes der Familie zu Spukerscheinungen. Eines Tages kam ein Bauarbeiter und kündigte, weil er sagte, er habe den Geist eines deformierten, nackten Säuglings auf der Fensterbank sitzen sehen. In den Zimmern der Mädchen ist bisher noch nie etwas vorgefallen. Vor einem Jahr beherbergten wir Urlaubsgäste aus Neuseeland im Schloss. Es war eine sehr nette Familie, die mir eines Nachts erzählte, sie haben Geräusche auf dem Flur vor den Gästezimmern gehört. Als sie nachsehen wollten, woher das Geräusch kam, sahen sie, wie sich die Gemälde im Flur wie von selbst auf den Kopf drehten. Am nächsten Morgen wollte ich nachsehen und… Dreimal dürfen Sie raten: Nichts! Alles war wie immer! Einmal hatten andere Gäste den Geist von Prinzessin Therese oben im Flur auf und ab gehen sehen und angeblich habe sie dabei immer nach ihrem Mann gerufen“, Martha führte sie am Ende des Flurs durch eine Tür, die auf eine der vielen Dachterrassen des Hauses führte. Von hier aus konnte man auf das Meer blicken.
„Hier soll einigen Touristen der Geist von Sir Everett McDougal erschienen sein. Die Leute erzählen, der Sir geht hier in der Nacht umher um nach dem brennenden Scheiterhaufen seines Sohnes Ausschau zu halten. Danach soll der Geist durch die Wand gehen und den Flur hinunterlaufen um seine Frau vom Sturz von der Balustrade abzuhalten.“
„Darf ich Sie etwas fragen, Martha?“, wollte Anton plötzlich von ihr wissen und die Frau nickte, „Glauben Sie eigentlich an diese Geistergeschichten?“
Martha zögerte nicht einen Moment. „Das ist vor sechs Wochen passiert: Ich saß in einer stürmischen Nacht im Wohnzimmer und las ein Buch, als ich über mir auf der Balustrade plötzlich einen Schrei hörte. Ich schaute nach oben und entdeckte Prinzessin Therese. Ich wusste, dass es Therese war, denn sie sah genauso aus, wie auf den Gemälden im Flur. Mit einem lauten Aufschrei sprang Therese vom Geländer und als sie auf den Boden aufschlug, war sie plötzlich verschwunden. Von da an wusste ich, dass sich die Gäste dies nicht eingebildet hatten. Meine Ur- Ur- Großmutter hatte sich umgebracht.“
„Aber wenn niemand über das missgebildete Kind sprechen durfte, woher wissen Sie davon?“, Antons Frage war natürlich berechtigt.
„Als vor 10 Jahren im Garten das Rosenbeet verlegt wurde, fand man einen deformierten Menschenschädel. Ich gehe davon aus, dass der Sir es damals nicht geschafft hat, das Kind restlos zu verbrennen und dann hat er die Überreste im Garten vergraben lassen. Daraufhin bat ich eine Freundin, den Schädel zu untersuchen. Es stellte sich heraus, dass es sich um den leicht angesengten, Schädel eines neugeborenen, männlichen Säuglings handeln musste. Untersuchungen zufolge stammte er aus den frühen 1800- Jahren. Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, stammt das Familiengemälde aus dem Jahr 1809 und Prinzessin Therese war auf dem Bild bei genauem Hinsehen schwanger. Als ich dann auch noch ihre alten Tagebücher fand, die ich zugegebener Maßen erst aus dem Französischen übersetzten lassen musste, passte alles zusammen.“
Als nächstes schlug Martha vor, dass sie ihre Ausrüstung ins Haus brachten. Auf dem Weg zum Wagen ging Lindsay noch einmal an dem Familiengemälde der McDougals vorbei. Es stimmte: Das Bild, welches Sir Everett McDougal und seine Frau Therese mit den sechs Töchtern zeigte, stammte aus dem Jahr 1809 und auf dem Gemälde war Therese schwanger. Wenn es stimme, was Martha ihnen erzählte, dann bekämen sie hier richtig was zu sehen!

Als Martha Lindsay in ihr Zimmer brachte, staunte diese. Von hier aus konnte man das Meer sehen und im Zimmer gab es ein riesiges Himmelbett, welches aus Mahagoniholz gearbeitet war. Die Bettwäsche bestand aus edlen Stoffen und es gab sogar einen Kamin in dem Raum. Über dem Kamin hing ein Ölgemälde von McDougal Castle. So ein hübsches Zimmer hatte Lindsay noch nie gehabt!
„War das hier auch eines der Kinderzimmer?“, fragte Lindsay, als sie ihren Koffer abstellte und zum Fenster ging. Das Zimmer befand sich auf dem gleichen Flur, auf dem Martha ihnen heute die Geschichte erzählt hatte, aber auf der anderen Seite der Balustrade.
„Nein“, antwortete Martha, „Dies hier war das Zimmer von Prinzessin Therese.“
Plötzlich musste Lindsay schlucken. Dies war das Zimmer, in dem Prinzessin Therese vor 200 Jahren den Geist des toten Säuglings gesehen hatte. Offenbar hatte Martha ihre Gedanken gelesen.
„Keine Angst“, sagte sie, „In diesem Zimmer ist der Geist des Kindes nie aufgetaucht. Er spukt lediglich in dem Zimmer, was als sein Kinderzimmer vorgesehen war.“
Lindsay war erleichtert. „Von welchem der McDougal- Kinder stammen Sie eigentlich ab?“, sie stellte diese Frage nur aus reinem Interesse.
„Nadine McDougal war meine Ur- Großmutter“, lächelte Martha. Dann entschuldigte sie sich. Sie müsste nach unten gehen und den Angestellten in der Küche sagen, was sie für die Gäste zum Abendessen kochen sollten.
Lindsay blieb alleine in dem Zimmer zurück und so legte sie ihre Kleidungsstücke in den aufwändig gearbeiteten Schrank. Dann ging sie hinunter zu Connor, Peter und Cooper, die sich im großen Wohnzimmer befanden. In dem Wohnzimmer gab es ein riesiges Bücherregal und Connor wählte ein bestimmtes Buch. „Sir Arthur Conan Doyle“, las er vor, „Wussten Sie, dass er sich mit Geisterjagt beschäftigt hat? Er hat Der Hund von Bakersville geschrieben. Eine sehr beeindruckende Geschichte.“
Peter betrachtete hingegen gespannt das Geländer, von dem sich Prinzessin Therese gestürzt hatte. Er schlug vor, das Gebäude mit einem Magnetometer abzusuchen und heute Abend wollte er sich das Kinderzimmer des toten Säuglings ansehen. Dabei wollte er sich mit einer Kamera und einem Infrarotthermometer ausstatten.
„Wir sind keine Geisterjäger“, sagte Connor, trotzdem fand er sich damit ab, dass er diesen Fall aufklären sollte. Natürlich war ein kein Geisterjäger, aber Martha McDougal hatte Antons Freund und somit auch das OSIR um Hilfe gebeten, die Situation aufzuklären. Martha ging es nicht nur ums Geld. Manche Touristen reisten vorzeitig ab, weil sie glaubten, einen Geist gesehen zu haben, andere Menschen reisten extra wegen den Spukerscheinungen an.
Natürlich hatte Lindsay gehört, was er gesagt hatte. „Das ganze Schloss sieht sehr Englisch aus“, erklärte Lindsay ihm, „Ich habe nicht den Eindruck, dass wir uns in Australien befinden.“
Connor stimmte ihr zu. Wie sie gesehen hatten, hingen selbst im Speisesaal des Schlosses alte Gemälde, an einer Wand des Saales hing sogar das alte Familienwappen der McDougals aus England. Wahrscheinlich wollte Sir Everett damals zumindest den Eindruck erhalten, er befände sich in England.
„Wollen wir uns das Zimmer nicht einmal bei Tageslicht ansehen?“, fragte Cooper.
„Haben Sie etwa Angst?“, zog Peter ihn auf.
„Nein, aber wer weiß, was uns dort erwartet.“
Connor stimmte Cooper zu und zusammen gingen sie die Treppe wieder hinauf. Sie öffneten die Tür zu dem Zimmer und traten ein. Es wartete ein schön eingerichteter Raum. Auf dem Boden lag ein weicher Teppich, es gab auch hier ein Himmelbett und man hatte Aussicht auf den Garten des Schlosses. Im Gegensatz zu den anderen Zimmern gab es hier jedoch keine Blumen und keine Zimmerpflanzen. Lindsay bemerkte es. Sie sah auch die dicke Staubschicht, die auf dem Boden lag.
„Das liegt daran, dass das Zimmer seit Fertigstellung der Renovierungsarbeiten, nur ein einziges Mal vermietet worden ist“, erklärte ihnen eine Stimme und sie drehten sich um. Die Stimme gehörte zu Martha, die nun im Türrahmen stand und sie freundlich anlächelte, „Auch dem Paar ist der Geist des deformierten Säuglings erschienen und sie sind sofort abgereist. Seitdem hat niemand mehr das Zimmer betreten. Nicht einmal das Zimmermädchen traut sich herein.“
Sie verließen gemeinsam mit Martha das Zimmer und gingen für das Abendessen in den Speisesaal hinunter. Danach verteilten sie im Schloss zumindest die Magnetometer und Infrarotthermometer. Die Kameras würden sie morgen installieren, denn dazu war es heute bereits zu spät.

In der Nacht regnete es und der Regen klopfte ungeduldig an die Fensterscheibe. Der Wind pfiff durch die 200 Jahre alten Gemäuer und klang wie ein heulendes Gespenst. Zusammengekauert lag Lindsay in dem großen Himmelbett, welches einst Prinzessin Therese gehörte, und lauschte. Es donnerte und blitzte. Einmal knalle es besonders laut: Ein Blitz hatte in den Blitzableiter auf dem Dach eingeschlagen und sie drehte sich müde herum. Etwas piekte sie in die linke Wade und mit einem Mal fühlte sie sich beobachtet. Ein Schatten am Ende ihres Bettes erregte ihre Aufmerksamkeit. Noch einmal drehte sie sich um, sah genauer hin… und war noch nie so schnell aus dem Bett gesprungen. Ihr Gehirn brauchte einen Moment, bis es verarbeitete, dass der Geist eines missgebildeten, nackten Säuglings auf dem Fußende des Bettes saß und sie anstarrte. Ihr Mund öffnete sich und ein panischer Schrei entwich ihr.
Connor, Peter, Anton, Cooper und Claire in den umliegenden Zimmern sprangen ebenfalls aus ihren Betten, eilten zur Tür und dann über die Balustrade zu Lindsays Zimmer. Connor riss als erster die Tür auf, knipste Licht an und kümmerte sich um Lindsay, die sich mit panischem Gesichtsausdruck an den Schrank drängte. „Lindsay, was ist passiert?“, fragte er und legte vorsichtig seine Hände auf ihre Schultern.
„Ich hab ihn gesehen“, ihre Stimme zitterte, „Er saß auf meinem Bett. Der Geist des Kindes…“
Peter ging auf den Flur zurück um das Magnetometer und das Infrarotgerät, welches er dort aufgestellt hatte, zu kontrollieren. Dabei ging er an Martha vorbei, die nun ebenfalls das Zimmer betrat. Da sich Marthas Schlafraum im Erdgeschoss befand, brauchte sie ein wenig länger um Lindsays Zimmer zu erreichen. Als Lindsay sie sah, richtete sie sich auf.
„Sie haben gesagt, der Geist ist bisher nur im für ihn vorgesehenem Kinderzimmer erschienen!“, sie war außer sich. Tränen traten in ihre Augen, aber sie versuchte sich zu beherrschen. Noch nie war Lindsay so erschreckt worden!
„Das könnte bedeuten, wir haben es nicht mit einem ortsbezogenen Geist zu tun“, sagte Cooper und alle sahen ihn an. Nicht zu fassen, dass er sich noch für andere Dinge als Insekten und Reptilien interessierte! Dabei war er doch nur mitgekommen, weil ihn die Fauna Australiens sehr interessierte.
„Was ist ein ortsbezogener Geist?“, fragte Martha verwirrt und bevor Peter zu einer Antwort ansetzten konnte, erklärte es Cooper der Gastgeberin: „Ortsbezogene Geister nehmen ihr Umfeld nicht wahr. Sie wissen nicht einmal, wo sie sich aufhalten und sind normalerweise keine Gefahr. Dieser Geist aber bewegt sich anscheinend im Haus. Er ist sich also bewusst, dass er spukt.“
„Das Magnetometer und das Infrarotgerät haben nichts aufgezeichnet“, erklärte Peter enttäuscht und er betete, dass sie morgen zügig die Überwachungskameras aufstellen konnten.  Erneut verabschiedeten sie sich voneinander und verabredeten, morgen früh sofort die Kameras aufzustellen. Lindsay machte in dieser Nacht kein Auge mehr zu…

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück machte Peter sich sofort daran, die Überwachungskameras zu platzieren, während sich Anton von Martha den Rosengarten zeigen ließ, in den man den missgebildeten Schädel der letzten Kindes der Prinzessin gefunden hatte.
Sie richteten ihre Überwachungszentrale in Marthas Büro ein, die in den nächsten Nächten darauf verzichten konnte. „Wie lange wollen Sie eigentlich bleiben?“, fragte Martha, als Connor einen Bildschirm aufstellte.
„Vorgesehen sind noch drei Nächte“, erklärte Connor und Cooper war enttäuscht. Sie wollten nicht mal eine Woche hier blieben. Also würde er keine Gelegenheit haben, sich Alligatoren, Schnabeltiere, Koalas und Kragenechsen anzusehen.
Sie brauchten fast den ganzen Tag bis sie ihre Ausrüstung aufgestellt und überprüft hatten, ob die Kameras die Bilder auf dem Flur, die Terrasse, das Kinderzimmer und die Balustrade gut im Blick hatten.  Als es Nacht wurde, begaben sich Martha und die Mitglieder des Teams auf ihre Zimmer. Auf Anraten von Connor holte sich Anton aus dem Wohnzimmer sogar das Buch Der Hund von Bakersville.
Cooper und Peter bildeten das erste Team, das in der heutigen Nacht das Schloss überwachen sollte. Sie beschlossen, die Überwachungsmonitore an den Rekorder anzuschließen und selbst durch das dunkle Schloss zu laufen. Sie kontrollierten als erstes die Gemälde auf dem Flur im ersten Stock. Die Bilder waren in Ordnung. „Cooper, ich sage es Ihnen, wir bekommen in den nächsten Tagen keinen einzigen Geist zu sehen. Das ist der sogenannte Vorführeffekt!“, meinte Peter, seine Taschenlampe huschte über die Bilder an der Wand. Sie gingen weiter bis ans Ende des Flurs, öffneten eine schwere Holztür und betraten dann die Terrasse auf der angeblich der Geist von Sir Everett umherging. Heute war eine schöne, klare Nacht. Der Mond schien hell und sie brachten ihre Taschenlampen zumindest hier nicht. Peter kontrollierte die Überwachungskamera, während Cooper zu einer am Geländer aufgestellten Fahne ging. Er betrachtete das Motiv der Fahne genau: Sie zeigte das Familienwappen der McDougals. „Wenn man ein bisschen fantasievoll ist, könnte man aus einer bestimmten Entfernung denken, bei dieser Fahne handle es sich um den Geist von Sir Everett“, vermutete Cooper und Peter nickte. Deshalb wollten sie später noch einmal nach unten in den Hof gehen und wie sie feststellen sollten, sah die Fahne von dort unten tatsächlich aus wie die Umrisse eines Geistes.
Sie verließen die Terrasse, kontrollierten dann das Zimmer des Säuglings, wo es ebenfalls unheimlich still war. Dann gingen sie ins Wohnzimmer, welches als Bibliothek diente und als dort alles still war, gingen sie in Marthas Büro zurück, um die Monitore zu überwachen. Die Nacht blieb ruhig, bei ihnen zumindest…

Nachdem sie etwas ins Handgelenk gestochen hatte, öffnete Prinzessin Therese die Augen und richtete sich in ihrem Bett auf. Sie blickte auf ihre Hände herab und stellte fest, dass diese aus Fleisch und Blut bestanden. Schwungvoll erhob sie sich aus dem Bett und betrachtete sich in einem Spiegel. Die Frau in deren Körper ihr Geist nun gefahren war, hatte schulterlange, blonde Haare und schöne blaue Augen. Sie hatte eine perfekte Figur und Therese war sehr zufrieden damit. In ihrem richtigen Leben hatte Therese zwar grüne Augen gehabt und ihre Haare waren auch viel länger, aber das störte sie nicht. Therese entledigte sich ihrer Kleidung und schlüpfte in ihren langen Seidenbademantel. Ob sie ihren Mann wohl finden würde? Sie hatten damals schon getrennte Schlafzimmer gehabt, weil es sich nicht gehörte im gleichen Zimmer zu nächtigen. Aber sie wollte unbedingt wissen, wo er war.
Bevor sie zur Tür ging, stellte sie fest, dass ihr Schloss sich nicht sehr verändert hatte: das Bett war immer noch das gleiche, nur der Teppichboden war neu, die Wände waren schöner gestrichen und neben dem Bett auf einem Nachttischchen stand ein kleiner schwarzer Kasten, der in rotleuchtender Schrift die Zahlen 23:56 anzeigte.
Prinzessin Therese verließ das Zimmer, ging zwei Schritte über den Flur und öffnete die Tür zum Zimmer ihres Mannes, Sir Everett. Die Tür war niemals abgeschlossen und so auch heute nicht.
Im Zimmer ihres Mannes wohnte nun ein sehr attraktiver, dunkelhaariger Mann mit traumhaft grauen Augen. Er schien verwirrt zu sein, sie zu dieser Zeit noch in seinem Zimmer zu sehen. „Everett, sieh mich nicht so an“, bat sie ihn und lächelte. Und er erwiderte das Lächeln.
„Therese!“, Everett umarmte sie, hob sie hoch und dann küsste er sie, „Liebste, ich habe befürchtet, ich sehe dich niemals wieder. Nach deinem Tod habe ich…“
Zärtlich legte sie ihm einen Finger auf den Mund. „Lass uns nicht von dieser schrecklichen Zeit sprechen“, flehte sie, „Nach 200 Jahren habe ich besseres mit dir im Sinn.“ Sie war über 200 Jahre von ihrem Mann getrennt und hatte nicht im Sinn, es noch länger andauern zu lassen.
Wieder lächelte er. Auch er wollte nicht länger auf sie verzichten und so half er seiner Prinzessin aus ihrem Bademantel und entledigte sich seiner Kleidung. Sie begaben sich auf eine spannende Reise, entdeckten sich völlig neu und gaben sich dieser Nacht so einander hin, als wollten sie die letzten 200 Jahre nachholen und keine Sekunde davon verpassen.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, bemerkte Connor sofort, dass etwas nicht stimmte. Connor hatte keine Ahnung, wie er seine Kleidung losgeworden war, schließlich war er gestern völlig bekleidet zu Bett gegangen. Und sein Kissen roch seltsam. Eine Mischung aus Vanille und Jasmin- Blüten. Der Duft kam ihm vertraut vor, aber er konnte ihn nicht zuordnen.  Connor dachte sich nichts weiter dabei und bereitete sich auf den Tag vor.
Nach einem Blick in den Spiegel, stellte Lindsay fest, dass ihr Hals mit roten Flecken übersät war. Sie hatte keine Idee, wie das passiert war. Also duschte sie, zog sich an und als sie ihr Zimmer verließ, sah sie, wie Connor und Anton ratlos vor einem Gemälde an der Wand standen. „Guten Morgen“, sagte sie zu ihnen, „Stimmt etwas nicht?“
Ihre Frage beantwortete sich von selbst, als sie sah, dass das Gemälde von Sir Everett McDougal auf den Kopf gedreht war. „Bisher, so berichtete Martha, hingen die Bilder im Flur immer richtig“, sagte Anton und sah sie an.
„Vielleicht ist es der Geist von Sir Everett McDougal, der im Flur umhergeht und uns darauf aufmerksam machen will, dass er es ist“, vermutete Lindsay.
„Der Geist von Everett McDougal soll auf der Terrasse erscheinen. Hier im Flur ist es der Geist von Prinzessin Therese. Aber warum sollte sie das Bild ihres Mannes umdrehen?“
„Lassen Sie uns nach unten gehen und mit Cooper und Peter sprechen“, schlug Connor vor, „Vielleicht haben die beiden etwas herausgefunden.“

„Was soll das heißen, Sie sind eingeschlafen?!“, fragte Connor ein wenig ungehalten, als Cooper und Peter ihm berichteten, sie müssten gegen 24 Uhr eingeschlafen sein, der Jetlag, entschuldigten sie sich.. Aus irgendeinem Grund habe zur gleichen Zeit die Kamera, die die Gemälde filmte, die Verbindung verloren und zeigte nur noch ein schwarzes Bild. Wie sich dann herausstellte, hatte sich das Kabel der Kamera gelöst.
„Vielleicht hätten Sie ein bisschen mehr Kaffee trinken sollen!“, schimpfte Connor und Anton erklärte ihm, dass das nicht weiter schlimm sei. Schließlich hatten die anderen Kameras alles aufgezeichnet und sie hätten den ganzen Tag Zeit, sich das Videomaterial anzusehen.
Wie sich herausstellte, war auf den Videobändern nichts Aufregendes zu sehen. Wie Peter schon sagte: der Vorführeffekt.
Etwas besser gelaunt erschien Connor mit Lindsay als letzter zum Abendessen.
„Connor, ich habe Sie noch gar nicht gefragt, in wessen Zimmer sie eigentlich übernachten?“
„Im Zimmer von Sir Everett, ihnen gegenüber. Bei mir spukt es jedenfalls nicht, falls sie das meinen“, er lächelte. Connor wusste, dass das Team sich einen Spaß daraus machte, wer in wessen Zimmer übernachtete.
„Hoffentlich sehen wir heute Nacht einige Geister“, meinte Claire, „Dann sind wir zumindest nicht umsonst hergekommen.“ Claire und Anton waren heute für die Überwachung zuständig. Nachdem sich Martha und dann auch das Team auf ihre Zimmer verabschiedet hatten, kontrollierten sie zuerst die Terrasse, auf der der Geist von Sir Everett umher gehen sollte. Sie waren kein bisschen erstaunt, als dort friedliche Stille herrschte. Auch im Flur war es ruhig und Claire prüfte, ob die Kamera, die die Bilder filmte, auch wirklich funktionierte. So einen Fauxpas wie letzte Nacht, durften sie sich nicht noch einmal erlauben!
Da auch im Flur alles normal war, sahen sich die beiden als nächstes das Kinderzimmer des missgebildeten Kindes an, dann gingen Anton und Claire ins Wohnzimmer hinunter. „Ein wirklich schönes Haus“, sagte Anton leise zu Claire.
„Vergessen Sie´s Anton. Sie müssten ziemlich lange arbeiten, bis Sie sich so etwas leisten können.“
Anton grinste. Das stimmte wirklich. Dann hatte er eine Idee. „Was halten Sie davon, wenn wir eine Tonbandaufnahme machen?“, fragte er und Claire war einverstanden. Anton zückte ein Tonbandgerät und schaltete es an. „Bist du der Geist von Prinzessin Therese?“, fragte er und wie er es erwartet hatte, erhielt er keine Antwort. Wenn er Glück hatte, könnten sie die Antwort auf diese Frage nachher bei der Auswertung des Tonbandes hören.
„Bist du auf der Suche nach deinem Mann, Sir Everett?“
Wieder nichts.
Plötzlich hörte Claire oben auf der dunklen Balustrade ein Geräusch. Nur ganz leise, aber es war da.
„Haben Sie das gehört?“, fragte Claire, „Ich habe gehört, wie eine Tür auf und zu ging.“
„Das könnte auch der Wind gewesen sein.“ Sie blieben noch zwei Minuten, dann beendete Anton die Tonbandaufnahme und sie gingen zu den Monitoren zurück.

Die Tür, die Claire gehört hatte, war wirklich aufgegangen. Es war die Tür zu Lindsays Zimmer und erneut im bodenlangen Seidenbademantel, öffnete  Prinzessin Therese die Tür und schloss sie hinter sich. Im Schutz der Dunkelheit, schlich sie in das Zimmer gegenüber. Sie wusste, dass ihr Mann, Sir Everett, dort bereits auf sie warten würde.
Sie begrüßte ihn mit einem strahlenden Lächeln und er stand auf, als sie den Raum betrat. „Liebster“, murmelte sie und küsste ihn. Geschickt löste sie den Knoten ihres Bademantels, ließ das Stück Stoff zu Boden gleiten und sank mit ihrem Gatten auf das große Himmelbett zurück. Therese bedauerte, dass morgen vielleicht wieder alles vorbei war, vielleicht bekämen sie und Everett nicht noch einmal die Chance sich zu lieben, also wollte sie nicht länger daran denken, wie es wäre, ohne ihn zu sein.
Zwei Stunden später lag Therese in Everett ´s Armen und genoss seine Nähe. „Ich liebe dich, Therese“, flüsterte er. Dieses Geständnis jagte einen Schauer durch Therese. Wäre es tatsächlich so, hätte er mit Sicherheit ihren Sohn nicht auf den Scheiterhaufen geworfen. Auch, wenn es inzwischen 200 Jahre her war, wusste sie nicht, ob sie es ihm verzeihen konnte.
Sie stand auf und blieb auf der Bettkante sitzen.
„Geh nicht“, sagte Everett zu seiner Frau und hob die Hand um die weiche Haut ihres Rückens zu streicheln, „Du hast mir so sehr gefehlt, Liebste. Ich wünschte, ich könnte rückgängig machen, was ich dir und unserem Sohn angetan habe. Vergib mir.“
Therese blieb stehen, dann drehte sie sich um und beugte sich zu ihrem Mann herunter um ihn zu küssen. „Ich liebe dich, Everett“, flüsterte sie. Und sie blieb liebend gerne. Sie wollte nicht noch ein einziges Mal von ihrem Mann getrennt sein, also blieb sie heute die ganze Nacht.

Connor fühlte sich, als ob er am gestrigen Abend zu viel Alkohol getrunken hatte. Ihm war schwindelig und übel und irgendetwas war heute anders als sonst. Er schlug die Augen auf und sah, dass eine hübsche blonde Frau in seinen Armen lag. Sein Herz setzte einen Schlag aus: Lindsay! Sie war hier, in seinem Zimmer, in seinem Bett und so wie es aussah, war sie unbekleidet. Das Schlimme war, dass er sich an die vergangene Nacht kein bisschen erinnern konnte.
Connor versuchte aufzustehen, aber in diesem Moment begann sie, sich zu bewegen und sie schlang ihre Arme fester um seinen Oberkörper. Er registrierte, wie schön es sich anfühlte, sie im Arm zu halten, aber er wusste, dass es falsch war. Connor musste etwas tun und sie aufwecken, bevor sie noch jemand so sah. Er flüsterte leise ihren Namen und sagte ihr, sie solle aufwachen.
„Warum?“, fragte sie im Halbschlaf zurück, schlug die Augen auf und als sie bemerkte, wo sie war,  war ihr alles klar. Sie schlang eine Decke um ihren Körper und sprang auf.
„Was machen Sie hier?“, fragte sie und lehnte sich an den Schrank.
„Eigentlich ist das mein Zimmer“, sagte Connor.
„Aber wie…?“, auch Lindsay konnte sich nicht daran erinnern, was letzte Nacht passiert war, „Connor, verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber ich kann mich an letzte Nacht nicht erinnern.“
„Nein, schon gut. Mir geht es genauso… Bleibt nur die Frage, wie es dazu kommen konnte.“  Er bemerkte, dass sein Kissen wieder nach Vanille und Jasmin- Blüten duftete. Lindsays Parfüm… Das war also nicht die erste Nacht, die sie miteinander verbrachten.
„Oh Gott“, murmelte sie plötzlich und ließ den Kopf gegen den Schrank sinken, „Martha sagte doch, dass der Geist von Prinzessin Therese nachts im Flur umhergeht und nach ihrem Mann sucht. Vielleicht war ihr Geist ich und Sie waren….“
Mehr musste sie nicht sagen, Connor wusste, was sie meinte. Eigentlich fand Lindsay es schade, dass sie erst die Geister eines vor 200 Jahren verstorbenen Liebespaares brauchte, um sich im Klaren zu werden, dass sie sich gerne an die gemeinsamen Nächte mit Connor erinnert hätte. Nie hatte sie davon zu träumen gewagt, dass dies eines Tages passieren würde. Er war ein sehr verantwortungsbewusster Mann und hätte nie… Für einen Moment kam ihr in den Sinn, dass die Gefühle, die sie für ihn entwickelte, nur einseitig waren. Die beiden Geister hatten durch ihre Körper ihre leidenschaftliche Liebe noch einmal ausgelebt, hinterlassen hatten sie aber ein großes Gefühlschaos. Enttäuscht suchte sie nach dem Bademantel.
„Lindsay, ich denke, wir sollten es den anderen nicht unbedingt sagen“, schlug Connor vor, „Vergessen wir es einfach.“
Dieser Vorschlag war für Lindsay ein Schlag ins Gesicht. Sie wusste, dass nichts mehr so sein würde, wie vorher. Trotzdem stimmte sie ihm zu. „Ja, vergessen wir es einfach“, murmelte sie und ging.

Der heutige Tag war äußerst schwierig. Nachdem sie sich von Connor „verabschiedet“ hatte, hatte sie sich förmlich in ihr Zimmer eingeschlossen. Zuerst versuchte sie sich auszuruhen, dann musste sie doch über das, was er gesagt hatte, nachdenken. Eigentlich fand sie es schade, wie er über die ganze Sache dachte. Aber es änderte nichts daran, dass Connor und Lindsay das dritte und letzte Team bildeten, welches die Geschehnisse auf McDougal Castle im Auge behalten sollte.
Es war Nacht und müde starrte Lindsay auf die Monitore, die vor ihr aufgebaut waren. Eine Kamera filmte im großen Speisesaal, eine weitere Kamera filmte den Korridor im Westflügel des alten Schlosses.
Ihre Augen wurden immer schwerer, doch dann bemerkte sie, wie sich ein Bild, welches im Korridor des Westflügels befand und von der Kamera aufgezeichnet wurde, bewegte. Plötzlich hatte sich das Bild auf den Kopf gedreht. Sir Everett McDougal stand plötzlich Kopf.
„Connor!“, entsetzt griff sie nach seinem Oberarm und er schrak auf.
„Was ist?“, fragte er und sie zeigte auf den Überwachungsmonitor. Auch er sah, dass das Bild um 180 Grad gedreht war. „Schwenken Sie die Kamera nach links“, sagte er und Lindsay folgte seiner Anweisung. Neben den Bildern von Sir McDougal waren auch die Bilder seiner Kinder auf den Kopf gedreht. Die Nachtsichtkamera schwenkte weiter nach links, als sie eine große Gestalt erblickten.
„Peter?!“, Lindsay war fassungslos, „Er dreht die Bilder um?!“
Sie und Connor standen auf, um zu Peter zu gehen, der noch immer im Flur damit beschäftigt war, die Gemälde umzudrehen. Sie beobachteten ihn. „Schlafwandelt Peter?“, fragte Lindsay und Connor zuckte mit den Schultern. Er hatte einmal gelesen, dass Schlafwandler die Augen offen hatten und dass sie Hindernissen zwar ausweichen konnten, aber trotzdem oft stolperten. Betroffene erinnerten sich am nächsten Morgen meist nicht an das Schlafwandeln.
„Wichtig ist, dass wir ihn irgendwie von der Treppe wegschaffen“, sagte Connor. Peter kam der breiten Treppe immer näher. Connor überlegte, ob er einfach nach Peters Arm greifen und ihn von der Treppe wegziehen sollte, aber er wusste nicht, ob das bei Schlafwandelnden Personen ein Trauma auslösen konnte. „Was ist?“, fragte Lindsay, als sie bemerkte, wie er überlegte, „Sie haben gesagt, er muss von der Treppe weg.“
Ein quietschendes Geräusch erregte plötzlich ihre Aufmerksamkeit. „Das Magnetometer schlägt aus!“, rief Lindsay fast ein wenig entsetzt. Ein sicheres Zeichen für Geisteraktivität!
Hinter ihnen öffnete sich eine Tür und sie entdeckten Martha. „Ich habe Geräusche gehört“, rechtfertigte sie sich.  
„Ist das ein geheimer Aufzug?“, fragte Connor und Martha nickte. Als sie den Aufzug verließ und diesen nach unten fahren ließ, beruhigte sich das Magnetometer. Nun entdeckte auch Martha, wie Peter ein Gemälde nach dem anderen umdrehte und der Treppe immer näher kam.
„Vorsicht! Er stürzt die Treppe runter!“, rief sie plötzlich, Connor hechtete nach vorne, griff nach Peters Oberarm und zog in im allerletzten Moment von der Treppe weg.
„Was zum Teufel ist hier los?“, fragte Peter dann verwirrt.

Sie untersuchten Peter im Mobilen Labor und dieser reagierte entsetzt, als Connor ihm das Videoband zeigte, auf dem er im Flur im ersten Stock die Gemälde auf den Kopf drehte. Lindsay äußerte den Verdacht, dass Peter als Schlafwandler vielleicht für den Spuk auf McDougal Castle verantwortlich war.
„Ich bin kein Schlafwandler!“, dessen war sich Peter ziemlich sicher. Es gab auch keinen Sinn, dass Peter der Grund für die Spukerscheinungen sein sollte. Schließlich waren die Geister vor Peter im Schloss…
„Vielleicht ist es ihnen auch noch nicht aufgefallen“, sagte Anton. Er glaubte jedoch nicht, dass Peter tatsächlich ein Schlafwandler war. Sie waren schon so oft miteinander unterwegs, dass ihnen das hätte auffallen müssen.
Plötzlich öffnete sich die Tür und Cooper kam herein. Er sah zufrieden aus und zeigte ihnen einen transparenten Beutel, in dem eine Spinne eingepackt war. „Dies habe ich eben in Peters Zimmer gefunden“, aus einer Tasche holte er zwei weitere Beutel in denen sich ebenfalls Spinnen befanden. Die anderen beiden Spinnen hatte er in der Zimmern von Doyle und Donner gefunden, wie er erklärte.
„Sind die Spinnen lebendig?“, fragte Martha entsetzt und Cooper schüttelte den Kopf.
Die Spinnen, die Cooper gefunden hatte, waren riesig und haarig und verdammt eklig.
„Ich fürchte, wir haben den Grund für die Spukerscheinungen gefunden. Und es ist nur halb so spektakulär, wie Sie dachten“, meinte Cooper.
„Eine Spinne?“, fragte Lindsay.
„Ja, die Gattung heißt Das grüne Auge und kommt eigentlich in Afrika vor“, erklärte Cooper, „Wahrscheinlich wurde sie von illegalen Tierhändlern ins Land eingeschleppt. Ihr Gift paralysiert ihre Gegner in Tierreich sofort, beim Menschen lösen sie augenblicklich Halluzinationen und einen Schlafwandelähnlichen Zustand aus. Manche der Opfer berichten auch, dass sie sich an die Halluzinationen nicht erinnern konnten. “
„Was auf mich definitiv zutrifft“, bestätigte Peter.
„Das Gift ist noch einige Tage im Blut der Opfer nachzuweisen, was bei Peter übrigens der Fall ist. Ich habe auch Anton und Claire untersucht und Sie sind auch gebissen worden“, meinte Cooper, „Von Connor und Lindsay bekomme ich noch Blutproben… Eigentlich frisst Das grüne Auge alle Tiere, die kleiner sind, als sie selbst…. Ich würde sagen, Martha, Sie haben eine Spinnenplage in Ihrem Schloss.“
„Aber wenn es die Gäste sind, die in ihren Halluzinationen zum Beispiel die Gemälde auf dem Flur herumdrehen… wieso hängen sie morgens wieder richtig?“, fragte Martha.
„Vielleicht gab es noch mehr Leute, die Nachts im Haus umhergingen und die Bilder wieder richtig drehten“, vermutete Claire.
Enttäuscht verschränkte Lindsay die Arme vor dem Brustkorb. Sie wusste nicht, warum sie so traurig war. Vielleicht war es, weil sie und Connor sich nicht an die vergangenen Nächte erinnern konnten, oder ob es passiert war, weil sie beide von einer Spinne gebissen wurden. Sie wünschte sich, sie könnte sich zumindest ein bisschen daran erinnern… Lindsay schüttelte den Kopf und ging davon.
„Was hat sie?“, fragte Peter, als er sah, dass sie ging.
Für einen Moment überlegte Connor, ob er ihr nachlaufen sollte, aber er blieb hier im Labor. Immerhin hatte er keine Ahnung, was er ihr sagen sollte. Sollte er sich bei ihr entschuldigen, weil er mit ihr geschlafen hatte? Möglicherweise würde sie ihm dann eine ordentliche Ohrfeige verpassen und Connor dachte, dass er die auch verdient hatte. Er hatte es ausgenutzt, dass die Spinne sie gebissen hatte. Andererseits waren sie BEIDE nicht Herr der Lage, sie hatten keine Kontrolle über sich. Sie waren nicht sie selbst… Er schüttelte ebenfalls den Kopf. Die „Wir waren nicht wir Selbst“- Geschichte fiel als Entschuldigungsmöglichkeit weg.
„Was ist hier los?“, fragte Peter, der nun bemerkte, dass sich Connor ähnlich wie Lindsay verhielt.
„Das geht nur uns beide etwas an“, Connor war erstaunt, dass er so gefasst war. Noch einmal überlegte er, ob er ihr nachlaufen sollte. Schließlich beschloss er, dass Connor sich selbst erst einmal im Klaren werden musste, wie es nun mit ihnen weitergehen sollte.

Sie hatten vor, am nächsten Tag aufzubrechen. Im Hof der Burg verluden Claire, Cooper, Anton und Peter die Ausrüstung in das Mobile Labor. Als sie fertig waren und losfahren wollten, stellte Anton fest, dass Connor nicht hier war. „Ich gehe ihn suchen“, erklärte Lindsay. Seit gestern hatte sie nicht mehr mit Connor gesprochen, aber was sollte sie ihm sagen? Sie konnte ihm nicht beibringen, dass sie sich wünschte, sie könnte sich daran erinnern.
Sie ging eine schmale Treppe hinauf, die zu einer weiteren Dachterrasse führte. Von dort aus hatte man exzellente Sicht auf das Korallenmeer und die Klippen. Heute schien die Sonne, aber der Wind war kühl.
Connor stand auf dem Dach und beobachtete, wie die Wellen des Meeres unten an den Klippen zerschellten. Das Meer rauschte und er versuchte, über die letzten Tage nachzudenken.
Plötzlich hörte er Schritte auf der Treppe und er drehte sich halb um. Es war Lindsay, die im steinernen Bogen stand und überlegte, ob sie zu ihm kommen sollte. „Hey“, seine Stimme war sehr leise, aber er freute sich, sie zu sehen.
„Wir sind soweit“, sagte sie und kam ein bisschen näher, „Also…. Die Ausrüstung ist im Wagen verstaut und wir können losfahren.“ Lindsay war ein wenig nervös. Sie wollte schon gehen, als Connor sich von dem schönen Panorama, das die Küste bot, riss und zu ihr kam. Sie trafen sich ungefähr in der Mitte der Terrasse und sie hörte auf zu atmen, als er direkt vor ihr stehen blieb.
„Der Punkt ist“, begann Connor, „Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich kann nicht verstehen, wie das Gift einer Spinne uns so durcheinander bringen kann, sodass wir beide miteinander ins Bett steigen!“
„Schon in Ordnung“, sagte sie und bemühte sich, nicht enttäuscht zu klingen, „Vergessen wir es einfach. Die Spinne war schuld.“ Damit wiederholte sie eigentlich nur, was er schon einmal zu ihr gesagt hatte.
„Was?“, fragte Connor, dann begriff er, dass sie ihn völlig falsch verstand. „Ich bin nicht gut in solchen Dingen“, sagte er und hielt sie auf. Er wollte nicht, dass sie ging. „Was ich eigentlich sagen wollte, ist: Es ist schade, dass ich mich nicht daran erinnern kann. Wir sollten…“, Connor zog sie an sich und bemerkte, wie sie nervös nach Luft schnappte.
„Ich möchte nicht, dass dies falsch ankommt, aber ich möchte mich gerne daran erinnern können.“
Dieses Geständnis überraschte sie und trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass sie lächelte. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hatte niemals daran geglaubt, dass Connor sich an ihre Nächte erinnern wollte. Sie überlegte fieberhaft nach einer Antwort, aber ihre Hände legten sich auf seine Schultern, sie sah ihn an und plötzlich küsste sie ihn. Er war so sanft, als wollte er sich davon überzeugen, dass sie es auch wirklich wollte. Und wie sie wollte! Allein seine Hände auf ihrer Taille genügten, um sie durcheinander zu bringen. Wie fühlte es sich dann erst an, wenn er sie überall berührte? Sie konnte nicht aufhören ihn zu küssen und sie musste lächeln.
Währenddessen fragte sich Peter, wo Lindsay so lange blieb. Es konnte schließlich nicht so lange dauern, Connor zu suchen. Er schickte Anton nun ebenfalls die Treppe hinauf und als dieser am oberen Ende der Treppe ankam, sah er, wie die beiden eng umschlungen auf der Dachterrasse standen und sich liebevoll küssten. Anton beschloss, dass er sie keinesfalls stören wollte. Also machte er auf dem Absatz kehrt und ging wieder die Treppen hinunter.
„`Konnte sie nicht finden“, entschuldigte er sich bei Peter und schlug vor, noch einen Moment zu warten.
Lindsay unterbrach den Kuss nur wiederwillig. „Wir sollten nach unten gehen… Sie warten sicherlich auf uns…“
Connor nickte und seine Hände glitten von ihrer Taille. Während sie gemeinsam zu Treppe gingen, murmelte er ihr ein leises „Schade“ ins Ohr und sie versprach ihm die folgende Nacht.
„Das ist ein wundervolles Angebot, meine schöne Prinzessin.“
Sie sah ihn fragend an, als sie dies hörte, aber als er lachte, wusste sie, dass es nur ein Spaß war. Mit einem Augenzwinkern sagte er: „Nur ein kleiner Scherz.“ Gemeinsam gingen sie zur Treppe. Bestimmt warteten die anderen schon auf sie…

Fin
 
 
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