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Blutsschwestern - Lissas Sicht

von Doiko
GeschichteMystery / P12 / Gen
Christian Ozera Dimitri Belikov Rosemarie "Rose" Hathaway Vasilisa "Lissa" Dragomir Victor Dashkov
15.12.2010
15.12.2010
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Blut. Alles war voller Blut. Der Wagen meiner Eltern überschlug sich. Ich klammerte mich an Rose und schrie. Überall war Rauch. Ich wollte zu meinen Eltern und zu meinem Bruder.
Warum war keiner von ihnen bei mir?! Rose. Rose war bei mir.
Aber sie sagte nichts zu mir. Sie durfte nicht auch noch gehen, sie nicht! Nein!

„Liss“, drang eine Stimme an mein Bewusstsein, „Liss wach auf.“
Was ist mit meinen Eltern? Mit meinem Bruder? „Andre“ rief ich ihn weinend, aber er antwortete nicht.
„Oh Gott.“  Ich wollte dass er bei mir ist und mich tröstet.
„Liss, du bist nicht mehr dort. Wach auf.“
Ich öffnete langsam die Augen und verstand, dass Rose mich die ganze Zeit gerufen hatte.
Ich lehnte mich erleichtert an sie. Es war nur ein Traum. Rose war bei mir. Sie war schon immer bei mir.
„Es ist alle gut“, sagte sie sanft. „Alles in Ordnung.“
„Ich hatte wieder diesen Traum.“
„Ja. Ich weiß.“

Sie verstand mich. Sie wusste immer wenn es mir schlecht ging und deshalb verließ ich mich voll und ganz auf sie.
Wir saßen eine Weile da, bis sich Rose auf einmal zum Nachttisch vorbeugte und die Lampe einschaltete.
Das Licht war schwach, doch ich brauchte nicht viel Licht, um alles gut zu sehen.
Und schon kam Oscar, der Kater unseres Mitbewohners, der von dem Licht angelockt worden war.
Er machte einen großen Bogen um Rose - Tiere mochten keine Damphire – und kam schnurstracks auf mich zu
. Ich hieß ihn willkommen und graulte ihn unter dem Kinn.

Tiere mochten Morois. Doch mich mochten sie besonders, was mir sehr gefiel denn ich liebte Tiere. Zum Glück war ich kein Damphir. Ich könnte es ohne Tiere nicht ausgehalten.
„Wann habe ich dich das letzte Mal trinken lassen?“, fragte sie mich während sie mir in die Augen schaute. Ich wusste was sie dachte. Ich sah nicht grade aus als wär ich in Bestform.
Und der Traum hatte mir zusätzlich zu schaffen gemacht. Auch in der Schule war zurzeit Hektik angesagt gewesen.
Und obwohl ich so großen Durst hatte, hatte ich Rose in Ruhe gelassen.
„Es ist, … mehr als zwei Tage her, nicht wahr? Drei vielleicht? Warum hast du nichts gesagt?“
Ich zuckte die Achseln und vermied es ihr in die Augen zu sehen.

Sie sollte sich nicht dazu gezwungen fühlen, nur weil es mir schlecht ging.
„Du hattest viel zu tun. Ich wollte nicht …“, fing ich an aber Rose kam mir zuvor.
„Zum Teufel damit“, sagte sie und schaute sich im Raum um als suche sie irgendwas. Schließlich setzte sie sich neben mich, was Oscar gar nicht gefiel. Er sprang von meinem Bett und kehrte wieder auf seinen Fensterplatz zurück.
„Komm. Lass es uns tun.“
„Rose …“
„Komm schon. Danach wird es dir besser gehen.“

Sie neigte ihren Kopf zur Seite und entblößte somit ihren wundervollen weichen Hals. Und trotzdem zögerte ich.
Ich wollte ihr nicht weh tun. Doch das Blut das unter ihrer Haut pulsierte war zu verlockend.
Jetzt sah ich nur noch das Blut vor Augen und mir wurde bewusst wie hungrig ich war.
Die Reiszähne die ich sonst vor den Blicken der Menschen schützte kamen zum Vorschein und ich wollte nur noch eins.
Das warme Blut in meinem Mund schmecken.

Ich näherte mich dem Hals und hörte wie sich Roses Pulsschlag beschleunigte.
Das stachelte mich nur noch mehr an und ich schlug meine Zähne in das weiche Fleisch.
Ich hörte einen kurzen Schrei von ihr, ließ mich aber nicht stören, denn ich wusste, dass in kürzester Zeit mein Speichel in ihrem Körper Endorphine verbreiten würde. Mit dieser Wonne konnte man sogar die Welt vergessen.
Doch ich hatte etwas viel besseres. Mich durchströmte die Wärme des Blutes.

Der Geschmack erregte meinen Mund und ich wollte nie mir aufhören zu trinken.
Doch umso mehr ich trank umso vernünftiger wurde ich.
Nach weniger als einer Minute rückte ich von ihr ab, weil ich genug hatte und mir Sorgen um sie machte.
Ich wischte mir mit der Hand den blutverschmierten Mund ab.

„Bist du okay?“
„Ich…ja.“ Sie legte sich aufs Bett weil ihr von dem großen Blutverlust wahrscheinlich schwindelig war. „Ich muss nur etwas schlafen mir geht es gut.“
Rose sah blass, uns niedergeschlagen aus. So als würde sie gleich in Ohnmacht fallen.
„Ich werde dir etwas zu Essen holen.“
Ich sah, dass sie protestieren wollte doch ich ging, ohne darauf zu achten. Vorsichtig stieg ich die Treppen hinunter und lief in die kleine Küche unseres Wohnheims auf dem College-Campus.
Wie waren schon seit acht Monaten hier.

Jeremy, einer unserer Mitschüler, saß am Tisch und blickte bekümmert in ein Lehrbuch über Infinitesimalrechnung.
„Hey Jeremy!“, begrüßte ich ihn sehr freudig. Ich war immer noch voller frischem Blut und das machte meinen Körper stärker.
„Hallo Lissa“, antwortete er müde, „Warum bist du so spät noch auf?“
„Ich mach mir nur etwas zu Essen.“
„Ach so.“
Er blickte wieder zurück in sein Buch. Während dessen machte ich den Kühlschrank auf und suchte nach etwas das Rose schmecken könnte.
Doch auf einmal kam sie in die Küche gestürmt, komplett angezogen mit meinem Mantel und unseren Brieftaschen in der Hand und blickte mich ernst an.

„Du solltest noch nicht aufstehen.“
„Wir müssen gehen. Sofort.“
Das konnte nur eins bedeuten. Man hatte uns gefunden.
Wahrscheinlich waren Damphire da die uns zurück bringen sollten. Das war nicht gut! Gar nicht gut!
„Bist du…wirklich? Bist du dir sicher?“
Sie nickte. Jeremy hatte uns beobachtet und fragte: „Was ist los?“
Dann sah ich in den Augen von Rose etwas aufblitzen.
„Liss, hol seine Autoschlüssel.“

Er blickte zwischen uns hin und her. „Was habt ihr…“
Ich ging ohne zu zögern auf ihn zu. Und doch hatte ich Angst.
Aber ich vertraute Rose, dass sie sich um alles kümmern würde.
Sie konnte meine Gefühle durch unser mentales Band spüren, das wusste ich.
Deswegen sah ich ein glückliches Lächeln in ihrem Gesicht, nur wegen meinem Vertrauen zu ihr das ich schon so oft bewiesen hatte. Lächelnd schaute ich Jeremy in die Augen.
Ich setzte eine Kraft frei, bei der ich nicht wusste was sie bedeutete, und ein leichtes warmes Kribbeln erfüllte meinen Körper.

Ich konzentrierte mich nur noch auf ihn und diese innere Kraft.
Langsam wurden seine Augen glasig und er schaute mich mit Bewunderung an.
„Wir müssen uns deinen Wagen leihen“, sagte ich sanft. „Wo sind
deine Schlüssel?“
Er lächelte. Er griff wie hypnotisiert in seine Tasche und reichte mir ein paar Schlüssel, die an einem langen roten Band hingen.
„Danke“, sagte ich. „Und wo hast du ihn geparkt?“
„Die Straße runter“, antwortete er träumerisch. „An der Ecke. Bei Brown.“
Also vier Häuserblocks entfernt.
„Danke“, wiederholte ich während ich mich aufrichtete.
„Sobald wir weg sind, möchte ich, dass du weiterlernst. Vergiss, dass du uns heute Nacht überhaupt gesehen hast.“ Wieder nickte er und starrte mich an.

Ich ließ die Kraft langsam zurückgehen und dachte über diese Art von Zwang nach.
Jeder Moroi konnte Zwang benutzen, doch es wurde uns von Anfang an beigebracht es nie zu benutzen. Alle Menschen waren empfänglich für Zwang und Jeremy war fast zu einfach gewesen.
Auch Damphire und andere Moroi konnte man zu etwas zwingen aber Rose war eine Ausnahme. Sie hatte eine sehr große Widerstandskraft dagegen.
„Komm“, sagte sie zu mir. „Wir müssen los.“

Wir traten nach draußen und gingen auf die Ecke zu, die er uns genannt hatte.
Doch Rose konnte wegen dem hohen Blutverlust von vorhin nicht schnell laufen und ich musste sie immer wieder festhalten, dass sie nicht hinfiel.
Außerdem hatte ich furchtbare Angst vor dem was kommen würde. Konnten wir überhaupt rechtseitig fliehen?
„Rose …was werden wir tun, wenn sie uns fangen?“, flüsterte ich.
„Das werden sie nicht“, erwiderte diese grimmig. „Ich werde es nicht zulassen.“
„Aber wenn sie uns gefunden haben…“
„Sie haben uns schon früher gefunden. Und da haben sie uns auch nicht gefangen. Wir werden einfach zum Bahnhof fahren und in einen Zug nach L.A. steigen. Sie werden unsere Spur verlieren.“
Das klang zu einfach.

Sie ließ immer alles so einfach klingen, obwohl es fast unmöglich war vor diesen Damphiren davon zu laufen.
Wir taten dies schon seit zwei Jahren, versteckten uns, wo immer wir konnten, und versuchten einfach, die Highschool zu beenden.
Unser letztes Jahr hatte gerade begonnen und Rose hatte mit versichert, dass der College-Campus ein sicherer Ort wäre.
Doch ich vertraute ihr wieder. So war es schon immer.

Ich konnte mich auf sie verlassen, obwohl sie eine verwegene meist unvernünftige Person war. Ich hatte den Part der Vernunft übernommen. Und diese sagte mir wir sollten uns einfach stellen. Doch ich ignorierte es.
 Ich und Rose waren seit dem Kindergarten beste Freundinnen gewesen, als unsere Lehrerin uns für den Schreibunterricht zu einem Team erklärt hatte.
Es war mehr als grausam gewesen, Fünfjährige zu
zwingen, Vasilisa Dragomir und Rosemarie Hathaway zu buchstabieren, und wir – oder vielmehr sie – hatten entsprechend reagiert. Sie hatte doch tatsächlich unserer Lehrerin ein Buch an den Kopf geworfen und sie einen faschistischen Bastard genannt.
Das hatte natürlich Folgen.
Seit jener Zeit waren ich und Rose unzertrennlich.

Plötzlich hörte ich mit meinem überempfindlichem Gehör ein leichtes klackern auf den Pflastersteinen. Schritte!
„Hast du das gehört?“, zischte ich.
Sie verzog das Gesicht als sie es mit ihrem weniger empfindlichen Gehör endlich wahrgenommen hatte.
„Wir müssen rennen“, sagte sie und fasste mich am Arm.
War das ihr Ernst? Die Sache mit dem Blut war noch nicht lange her.
„Aber du kannst nicht …“
„Lauf.“
Ich sah wie sie sich zwingen musste zu rennen. Ihr Körper wollte noch keine schwere Arbeit leisten nach einem solchen Verlust.
Ich hielt sie am Arm fest damit sie bei ihrem ständigen stolpern nicht auf den Boden knallte. Sonst war ich diejenige, die nicht hinterherkommt aber jetzt war es Rose.
Die Schritte unserer Verfolger wurden immer lauter, kamen näher. Vor uns konnte ich schon Jeremys grünen Honda erkennen. Er war nur noch ein paar Meter entfernt. Oh Bitte …
Da stellte sich auf einmal, wie aus dem Nichts, ein Mann in den Weg.

Schlitternd kamen wir zum Stehen. Sofort riss mich Rose am Arm hinter sich und ich ging in Deckung. Vorsichtig schaute ich an ihr vorbei und musterte den Damphir.
Er sah älter aus als wir, ich schätze ihn auf Mitte zwanzig, und bestimmt zwei Meter groß. Er überragte uns weit.
Sein schulterlanges, braunes Haar hatte er sich zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden. Als ich in sein Gesicht schaute sah ich ernste, dunkelbraune Augen.
Außerdem trug er einen langen, braunen Mantel.
Meiner Meinung nach hätte er gut in einen Westernfilm gepasst.

Ich hörte wie die Schritte hinter und langsamer wurden und wie links und rechts neue dazukamen.
Hatten sie eine ganze Wächter -Armee nach uns ausgeschickt?
Vorsichtig drängte Rose mich zurück. Weg von dem Mann.
„Lassen Sie sie in Ruhe“, knurrte sie. „Fassen Sie sie nicht an.“
Dieser streckte die Hände aus um Rose zu beruhigen.
Ich wusste, dass sie es falsch verstehen würde.
„Ich werde nicht…“, begann er aber meine Beschützerin reagierte schon.

Sie griff ihn an, doch sie war zu langsam und schwach.
Der Wächter war ganz offensichtlich kein Anfänger und reagierte.
Ich wusste bis dahin nicht, dass sich ein Damphir so schnell bewegen konnte. Er wehrte sie einfach ab wie eine Fliege, was vollkommen reichte um Rose nach hinten kippen zu lassen.
Ich wollte sie schon auffangen, doch der Mann fing sie auf genauso schnell wie er sie abgewehrt hatte.
Ich sah ihn an und bemerkte worauf sein Blick viel:
Auf den Hals von Rose.

Die Bisswunde blutete noch und als auch sie den Blick bemerkt hatte griff sie sich an die Wunde und bedeckte es mit ihren langen, dunklen Haaren. Dann riss sie sich los und stolperte zu mir zurück.
Sie richtete sich auf als würde sie gleich nochmal angreifen, doch das konnte ich nicht zulassen. Sie war einfach zu schwach und wie sie aussah schon fast einer Ohnmacht nahe. Nicht einmal in Bestform hätte sie alle Wächter besiegen können. Und auch nicht diesen Mann, der so eine gewaltige Macht ausstrahlte.
Also hielt ich sie zurück. Ich griff nach ihrer Hand.
„Rose“, flüsterte ich. „Nicht.“

Ich sagte ihr auch über unser Band, dass sie aufhören solle und dass es nichts bringe. Ich ließ ein kleines bisschen Zwang mit hineinfließen. Den direkten Zwang würde ich bei ihr nie Anwenden, aber hier brauchte ich ein bisschen davon weil Rose so stur war.
Ich sagte ihr mit meinen Gedanken und Gefühlen, dass es hoffnungslos war.
Wir waren geschlagen und gefangen.
Langsam wich die Anspannung aus ihrem Körper und sie sackte zusammen.

Als der Damphir das Aufgeben von Rose spürte trat er vor und richtete sich an mich. Sein Gesicht blieb regungslos. Er verbeugte sich, trotz seiner enormen Größe, elegant vor mir und sah mir in die Augen.
Er hatte etwas an sich das Respekt ausströmte. Es war zugleich furchteinflößend als auch bewundernswert.
„Mein Name ist Dimitri Belikov“, sagte er mit einem leichten, russischen Akzent.
„Ich bin hier, um Sie in die St.-Valdimir-Akademie zurückzubringen, Prinzessin.“



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