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What you are [PSI Factor]

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
10.12.2010
10.12.2010
1
6.276
 
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10.12.2010 6.276
 
Titel: What you are
Pairing: Doyle/ Donner  
Rating: NC17
Spoiler: lange nach Regeneration
Eine PSI Factor FF: Lindsay kommt hinter das dunkelste Geheimnis ihres Mannes
Anmerkungen: In dieser Story gibt es eine Stelle, die nur funktioniert, wenn man die Folge mal auf Deutsch gesehen hat: Anstatt „Ich habe dich vermisst“ sagt Lindsay in der deutschen Übersetzung so etwas wie „Lauf mir nicht wieder weg“ zu Connor, nachdem sie ihn küsst. Eigentlich wollte ich diese Story auch gar nicht schreiben und ich habe keine Ahnung, warum ich es doch gemacht habe….  :-/
Ratet mal um welchen Film es geht, der in der Dinner- Szene diskutiert wird! :-)
Merry Christmas everyone!

What you are

„Wo zum Teufel steckt Peter?“, fragte Connor und sah sich um. Es war der Weihnachtstag und alle seine Freunde saßen um den großen Tisch versammelt, der im Wohnzimmer des Hauses stand welches er mit seiner Frau Lindsay und seiner sechsjährigen Tochter Camille bewohnte. Mia Stone zuckte unwissend mit den Schultern. „Keine Ahnung, er ist jedenfalls mit uns hergekommen“, meinte sie. Sie wollten Essen und alle warteten nur auf Peter. Plötzlich hörten sie Geräusche auf dem Dach und Camille sprang von ihrem Stuhl neben ihrer Mutter auf und rannte zum Fenster. „Der Weihnachtsmann!“, rief sie begeistert und schaute hinaus. Das Poltern auf dem Dach wurde immer lauter und nun sahen sie, wie die Plastikausgaben von Santa Claus und seinen Rentieren vor dem Haus im Schnee landeten. Camille schrie auf, machte einen entsetzten Schritt zurück und umarmte ihren Daddy. Als dann auch noch Peter vor ihren ungläubigen Gesichtern mit seinem Fuß in einer Lichterkette hängen blieb und vor dem Fenster kopfüber hin und her baumelte, begann Mia als erste zu lachen.
„Was macht er auf dem Dach?“, fragte Connor und ging mit Anton hinaus, um Peter aus seiner Falle zu befreien. Er erklärte ihnen, als er hergefahren war, habe er bemerkt, dass ausgerechnet die Beleuchtung von Santa Claus nicht mehr funktionierte und er habe es nur gut gemeint. Also war er mit einer neuen Glühbirne aufs Dach geklettert und wollte es in Ordnung bringen.
„Nächstes Mal überlassen Sie das mir“, meinte Connor, „Ist schließlich mein Haus. Und jetzt rein da! Wir wollen Essen!“ Connor schloss die Tür hinter sich und schüttelte amüsiert den Kopf. Camille hatte schneller aufgegessen, als die Erwachsenen und weil sie nicht warten konnte, durfte sie bereits jetzt ihr Geschenk auspacken. Ihre Mom und Mia beobachteten sie dabei. „Wissen Sie noch, wie Camille letztes Jahr geheult hat, als wir ihr dieses Puppenhaus geschenkt haben?“, fragte Mia leise und Lindsay nickte. Camille war ihr ganzer Stolz. Sie war ihr einziges Kind und sie liebte sie umso mehr. Doch letztes Jahr war das schlimmste Weihnachten aller Zeiten und nur, weil Camille das falsche Geschenk bekommen hatte. Doch in diesem Jahr waren sie besser vorbereitet: Einige Wochenvor Weihnachten hatte Lindsay ihrer Tochter Stift und Zettel gegeben und sie sollte malen, was sie sich zu Weihnachten wünschte (Den Live- Auftritt von Hannah Montana in ihrem Wohnzimmer würden sie sich niemals leisten können). Den Wunschzettel hatte sie dann an Mia weitergereicht, die losgegangen war um stellvertretend für das ganze Team ein Geschenk für Camille zu kaufen. Camille war schließlich das Lieblings- Kind des Teams und wenn Mia genau darüber nachdachte, war sie auch das erste Kind, dessen Eltern beim OSIR zueinandergefunden hatten. Sie war das erste OSIR- Baby, wie Claire einmal scherzhaft sagte.
Auch Claire war heute hier. Sogar Anton hatte sich Zeit genommen, herzukommen. Peter begann, unaufgefordert zu singen und er hörte damit gar nicht mehr auf. „Halten Sie die Klappe, Peter!“, rief Claire irgendwann, als sie genug davon hatte. Aber Peter sang immer weiter.
„Connor, Sie gehen raus in den Garten und graben ein Loch, während ich in den Keller gehe und irgendwas hole, womit wir Peter zum Schweigen bringen können!“, meinte Claire.
„Warum wollen Sie sich so viel Mühe machen?“, fragte Mia und trank einen Schluck Wein.
„Sollen wir ihn kopfüber in die Mülltonne stecken?“
Während Claire sprach, fingen nun auch alle anderen an, durcheinander zu reden, wie sie die Nervensäge Peter am besten abstellten. „Ich denke ich habe noch Paketband. Das könnten wir ihm über den Mund kleben“, schlug Lindsay vor und Connor warf ihr einen amüsanten Blick zu, als er es hörte. Sie diskutierten noch eine Weile so weiter, als es ihnen reichte. Peter besann sich, dass er lieber mit dem Singen aufhörte. Schließlich wollte er nicht, dass man ihn hinauswarf.
„Was machen wir nach dem Essen?“, fragte er plötzlich.
„Ist das ihr Ernst?“, kam es von Lindsay zurück, „Camille hat heute ihren großen Auftritt in der Ballettgruppe.“ Sie strahlte, als sie davon sprach.
„Welches Stück tanzt du, Schatz?“, wollte Connor dann von seiner Tochter wissen.
„Wir tanzen den Nussknacker.“
„Schade“, Peter rollte mit den Augen. Er hatte keine Lust, am Weihnachtsabend zu einer Ballettaufführung zu gehen. „Ich dachte, wir könnten mal wieder ins Kino gehen.“
„Nein“, kam es sofort vom anderen Ende des Tisches und Lindsay war fast aufgesprungen, „Der letzte Film, den ich mit euch gesehen habe, war furchtbar: Er hat sie am Ende des Filmes umgebracht.“
„Weil er sie geliebt hat“, wand Connor ein.
„Hätte er das nicht getan, hätte sie außerdem die Welt zerstört!“, warf nun auch Mia ein und alle sahen sie überrascht an, „Was? Ich hab den dritten Teil auch gesehen! War das verboten?“
Lindsay reichte diese Diskussion. Was machen sie überhaupt alle hier? Sie sprach diese Frage laut aus und wieder rollte Peter mit den Augen. „Wollten wir nicht zur Ballettaufführung gehen?“

Nach der Ballettaufführung  am Nachmittag und nach einer Tasse Punsch verabschiedete sich Lindsay an der Haustür von ihren Freunden und sie musste einen Moment durchatmen. Sie schickte Camille in ihr Zimmer. Der ganze Tag hatte sie Überwindung gekostet. Überwindung, Connor nicht auf der Stelle vor die Tür zu setzten. Für sie gab es nichts Schlimmeres, als angelogen zu werden und offensichtlich hatte er dies in den letzten Jahren skrupellos getan. Aufgefallen war ihr das bisher noch nie, aber letzte Nacht hatte sie etwas Schockierendes beobachtet. Sie lagen gemeinsam im Bett und liebten sich. Lindsay hatte die Arme um ihn geschlungen, den Kopf an seine Schulter gepresst und ihm heiser ins Ohr geflüstert, dass er sie endlich erlösen sollte. „Liebling“, murmelte sie und jagte ihre Fingernägel  wie Raubtierkrallen in seine Schultern. Sie war bereit für ihn, doch als sie im Spiegel über der Kommode sah, wie die Kratzer auf seinem Rücken binnen Sekunden heilten, wurde ihr eiskalt und ihr stockte der Atem. Im Nachhinein fand sie es falsch, sich ihm hinzugeben, aber er schaffte es selbst mit einer einzigen Bewegung, sie fliegen zu lassen. In dieser Nacht schöpfte Connor also keinen Verdacht.
Sie betete, dass sie es sich im Rausch der Gefühle nur eingebildet hatte, aber als sie am Morgen das Blut unter ihren Fingernägeln bemerkte und dann sah, dass Connors Schultern unversehrt waren, als er sich anzog, realisierte sie, dass es stimmte. Dass diese Kratzwunde so schnell heilte, war unmöglich und mit einem Male wurde ihr übel Sie wusste nicht, ob sie sich zu Tode fürchten sollte weil sie nun wusste, was er war oder ob sie etwas anderes tun sollte. Aber was? Wenn sie daran dachte, was vor sieben Jahren passiert war dann war Angst das einzige Gefühl, welches ihr einfiel. Es hatte einen Moment gedauert, bis Lindsay begriffen hatte, was dieser Umstand überhaupt bedeutete: Der Connor, den sie gekannt hatte, gab es nicht mehr. Stattdessen hatte sich dieser Doppelgänger in Gestalt des Mannes den sie liebte, in ihr Leben geschlichen…
Sie dachte immer mehr darüber nach und sie wollte wissen, warum er ihr das nicht gesagt hatte. Warum? Das war genau die Frage, die sie ihm jetzt stellen wollte. Wenn sie denn dazu kam…
„Ich muss mir dir reden“, begann sie ernst  und Connor sah von seinem Buch auf, „Ich weiß es, Connor. Ich weiß, was du bist.“
Er verstand nicht, was sie meinte. „Du bist eines dieser….“, sie suchte verzweifelt nach dem passenden Wort, „Du bist einer von Spurveys Supersoldaten…“
Entsetzt klappte Connor das Buch zu und stand von dem Sessel auf, in dem er saß. Lindsay ging sofort einen Schritt zurück und anhand seiner Reaktion nahm sie an, dass sie Recht behielt.
„Du hast mich angelogen“, sagte sie und sah ihn mit Tränen der Wut in den Augen an, „Sieben Jahre lang!“ Wutendbrand ging sie ihm Wohnzimmer auf und ab. Am liebsten hätte sie ihn für diese Lüge eiskalt….
„Lindsay, lass mich es dir erklären…“, fing er an und lief ihr nach.
„Du streitest es ja nicht einmal ab!“, heulte sie und ihr wurde plötzlich übel, „Bleib weg von mir, du…“, sie wusste in diesem Moment nicht, was er überhaupt war, „Bleib von mir und meinem Kind weg! Raus aus meinem Haus!!!“, sie brüllte es regelrecht.
„Du wirfst die letzten Jahre einfach weg?“
„Nein, ich wünschte, ich könnte sie rückgängig machen!“, schrie sie, „Und jetzt raus hier!“
„Aber…!“
„Ich hasse dich! Also verschwinde!“
Gut, er wollte nicht gehen, dann ging sie eben! „Camille, pack deine Tasche. Wir fahren ein paar Tage zu deiner Uroma!“
„Lindsay, bitte…“, er griff liebevoll nach ihren Händen aber sie entriss sich seiner Berührung.
„Fass mich nicht an!“, fauchte sie. Lindsay rannte förmlich aus dem Zimmer und half Camille, einige Kleidungsstücke einzupacken. Eine halbe Stunde später hörte Connor, wie sie ihre und Camille´s Tasche in den Wagen warf und davonfuhr. Innerhalb von Sekunden hatte er die Kontrolle über sein Leben verloren und er fragte sich, was er tun sollte, wenn Lindsay von ihrer Großmutter zurückkam. Sie wollte, dass er verschwand. Es war offensichtlich, dass es sie so sehr gekränkt hatte, dass sie ihn nie wieder sehen wollte. Also holte auch er eine Tasche aus dem Keller, packte seine Sachen ein und fuhr ziellos davon. Das kleine, weihnachtlich geschmückte Haus am Stadtrand von Toronto blieb einsam und verlassen zurück.

A star is a star
It doesn’t have to try to shine
Water will fall
A bird just knows how to fly

You don’t have to tell a flower how to bloom
Or light how to fill up a room
You already are what you are
And what you are is beautiful

Connor war nun seit Stunden unterwegs, er hatte längst die Orientierung verloren, und seit Stunden sah er nichts anderes als eingeschneite Bäume, mit Schnee bedeckte Wiesen und Felder. Er musste husten, so kalt war es. Plötzlich begann das Auto zu stottern und der Motor hustete ebenfalls. Dass nun auch der Wagen streikte, war das letzte, was er brauchen konnte.  Schließlich blinkten die Armaturen des Autos ein letztes Mal und das Fahrzeug blieb stehen. Sofort hatte der Schnee die Frontscheibe bedeckt, sodass er nicht mehr sehen konnte, ob der Sturm schlimmer oder besser wurde. Er überlegte, ob er vielleicht aussteigen und loslaufen sollte, um nach einer Tankstelle zu suchen, aber er beschloss, dass er das nicht tun würde. Er hatte sein Handy bei sich im Wagen. Damit würde er einfach die Feuerwehr oder die Pannenhilfe rufen. Connor meldete sich bei letzterer Nummer und war erstaunt, als man ihm sagte, man würde seine Position orten, aber es könnte acht Stunden dauern, bis man aufgrund des Schneesturmes zu ihm durchgedrungen war.
„Acht Stunden“, wiederholte er, als er aufgelegt hatte. Er hoffte nur, dass es bis dahin auch im Auto warm blieben würde. Nicht, dass die Heizung bisher gut funktioniert hätte… Für eine Sekunde bereute er, dass er einfach von zuhause weggegangen war, aber war hätte er tun sollen? Lindsay hatte ihm deutlich gemacht, was sie von ihm hielt und er konnte es sogar verstehen. Connor hätte sich wahrscheinlich nicht besser gefühlt, wenn er in ihrer Situation war. Anfangs hatte er natürlich nur an seine Aufgabe gedacht, aber dann hatte er sich in sie verliebt und es nicht übers Herz gebracht, sie zu enttäuschen. Er mochte es, wenn sie ihn anlächelte und er war verrückt nach dem Klang ihrer Stimme, wenn sie ihm versicherte, wie sehr sie ihn liebte. Wenn er die letzten Sieben Jahre mit nur einem einzigen Wort beschreiben müsste…. Er überlegte lange, welches Wort ihre bisherige Beziehung am besten beschreiben würde. Viele Worte kamen ihm in den Sinn: liebevoll, leidenschaftlich, romantisch. Schließlich entschied er sich für: perfekt. Sie gab ihm so vieles. Und er hatte es ausgenutzt und ihr Jahre lang die Wahrheit verschwiegen. In diesem Moment hasste er sich dafür dass er ihr das angetan hatte und er schwor sich, dass er, sobald er aus diesem kalten Auto gerettet war, nach Hause zurückfahren und sich bei ihr entschuldigen wollte. Sie war das Beste, was ihm je passiert war und er ertrug den Gedanken nicht, sie zu verlieren.

Vier Stunden später war die Pannenhilfe noch immer nicht eingetroffen und mit der letzten Energie des Sattelitentelefons versuchte Connor sein Glück bei der Feuerwehr. Die Feuerwehr sagte ihm das gleiche wie der Pannenservice Stunden zuvor und müde legte er das Telefon neben seiner Brieftasche auf dem Beifahrersitz ab. Inzwischen war der Wagen völlig ausgekühlt und er konnte schon seinen Atem in der Luft sehen. Er hustete schwer. Seine Füße fühlten sich wie Eisklumpen an, seine Finger ebenso und er fragte sich, warum er keine Handschuhe mitgenommen hatte. Sein Kopf sank erschöpft gegen die Lehne des Autositzes. Connor hatte keine Ahnung, wie lange es noch dauern würde, bis ihm jemand zur Hilfe eilte. Die Digitaluhr des Wagens war längst ausgefallen. Er atmete die kalte Luft ein und es schmerzte in seinen Lungen. Connor musste an Lindsay denken. Schon wieder… Was sie wohl eben machte? Ob sie sich Sorgen um ihn machte?
Er dachte an den Moment vor sieben Jahren zurück, als sie ihn nach so langer Zeit wiedergesehen hatte. Sie hatte ihn geküsst und ihm gesagt, er solle ihr nicht wieder weglaufen. In diesem Moment sah er vor seinem geistigen Auge, dass er sie heiraten und viele kleine Kinder mit ihr bekommen würde. Er hatte nicht vor, sie jemals wieder zu verlassen. Er hatte sie damals vermisst und konnte es kaum erwarten, ihr zu zeigen, wie sehr. Natürlich waren es nicht seine Erinnerungen, sondern die Erinnerungen einer anderen Person. Aber das Gefühl, was er verspürt hatte, als er sie zum ersten Mal in diesem Hotelzimmer in Cleveland gesehen hatte, war echt. Sie war mit Abstand das hübscheste Wesen, was er jemals gesehen hatte und sie im Arm zu halten fühlte sich unglaublich toll an. Nachdem sie dann Lilith nicht helfen konnten, hatte Lindsay sich ein Wochenende frei genommen und sie waren zusammen in die Berghütte ihres Onkels gefahren. In den Bergen lag damals schon Schnee und zum ersten Mal seit langer Zeit konnte er dem Schnee etwas Positives  abgewinnen.
Als sie in der Berghütte ankamen, hatte sie beide sich nicht mehr zurückhalten können: Kaum hatte Lindsay die Tür hinter sich geschlossen, zog sie ihn an sich, küsste ihn heiß und verführerisch und begann, ihn auszuziehen. Mehr oder minder riss sie ihm fast die Kleidung vom Leib und lächelte ihn an, als er sie hochhob. Schließlich landeten sie irgendwann vor dem Kamin. So tief von ihr geküsst zu werden, war ein berauschendes Gefühl und er wollte sie immer mehr. Er wollte wissen, wie sie sich anfühlte und küsste ihr Schlüsselbein, als er merkte, dass ihr Tränen übers Gesicht liefen und er hörte auf. „Liebes“, er wirkte erschrocken, „Hab ich dir weggetan?“
„Nein“, sie schüttete den Kopf, „Nein, Liebling. Ich bin so glücklich, dass du wieder bei mir bist. Ich habe lange Zeit geglaubt, ich könnte dich nie wieder auf diese Art fühlen. Hör nicht auf…“ Sie streckte sich nach ihm aus um ihn erneut zu küssen, schlang verführerisch Arme und Beine um ihn. Sofort stieg die Hitze erneut ihn ihm hoch und er bemerkte dieses sehnsuchtsvolle Gefühl in seinem Körper. Ihm wurde schwindelig, auf eine angenehme Art und Weise.  Es fühlte sich so gut an. Sie wusste, welche Knöpfe sie bei ihm drücken musste. Danach lag sie noch lange in seinen Armen und obwohl sie erschöpft war, fühlte sie sich so entspannt und erholt wie nach einem dreiwöchigen Urlaub. Er fragte sie, was sie sich am meisten wünschte und merkte sofort dass sie es ihm nicht sagen wollte. „Ich möchte es wissen“, murmelte er und küsste  zärtlich ihren Hals. „Nein, das kann ich nicht“, sie lächelte verträumt und ihre Worte klangen noch heute in seinem Kopf, „Es ist mir peinlich.“ Sie drehte sich zu ihm herum und sah ihn an.  „Das entscheide ich“, meinte er.
„Möchtest du es wirklich wissen?“, eine kurze Pause entstand und sie atmete tief durch, „Ein Baby. Ich wünsche mir ein Baby.“ Das Ergebnis dieser Beichte war, dass sie es danach noch einmal taten. Und als das Wochenende vorbei war, fuhren sie zuhause fort. Lindsays Wunsch erfüllte sich: vier Monate später stellte sie fest, dass sie schwanger war und sie konnte diese Nachricht kaum für sich behalten. Sie überfiel Connor regelrecht damit und küsste ihn vor Freude fast in Grund und Boden. Den Tag, an dem Camille das Licht der Welt erblickte, würde er niemals vergessen. Zufälligerweise wurde seine Tochter ebenfalls am siebten Dezember geboren, es hatte sehr viel geschneit an diesem Tag und es hatte noch nie einen Moment wie diesen gegeben. Als Camille ihn zum ersten Mal angesehen hatte war so unglaublich gewesen. Lindsay hatte so glücklich ausgesehen… Dabei sollte er…. Ja, was eigentlich? Er hatte es komplett vergessen. Lindsay brauchte ihn nur anzusehen, oder ihren hübschen Mund aufzumachen und ihm sagen, wie sehr sie ihn liebte, schon vergas er alles um sich herum. Und von seinem Kind genügte nur ein einziger Blick und er schwor, dass er dieses kleine Wesen vor allem Bösen beschützen würde.
Entsetzt stellte Connor fest, dass er über den Gedanken an seine Frau und Tochter fast eingeschlafen war. Das war nicht gut. Wenn er hier in dieser Kälte einschlief, wachte er vielleicht nie wieder auf. Er hatte schließlich keine Ahnung, ob er das überleben würde. Connor wusste zwar, dass Verletzungen schnell heilten und dass er nie krank wurde, aber was war mit den äußerlichen Einflüssen?
Müde versuchte er, sich wachzuhalten, doch er merkte, dass es fast unmöglich war. Er dachte noch einmal an seine Frau und seine Tochter, als er einschlief…

Lindsay hasste ihre Großmutter, als die ihr deutlich erklärte, dass sie Connor nicht wegen so einer „Lappalie“ (wie sie es nannte) verlassen konnte. Natürlich konnte Lindsay ihrer Großmutter nicht die Wahrheit erzählen, warum sie Connor zum Teufel wünschte, sie hätte es nicht verstanden. „Mädchen, ist dir noch zu helfen?“, fragte Lindsays Großmutter entsetzt, „Das ist der Mann, nach dem du dich jahrelang gesehnt hast und dann verlässt du ihn, weil er dir etwas verschwiegen hat? Bei mir kannst du diese Nacht nicht bleiben! Geh nach Hause und rede mit deinem Mann! Eines Tages wirst du mir dafür noch dankbar sein!“  Mit diesen Worten setzte die alte Mrs. Donner ihre Enkelin vor die Tür. Natürlich fand Lindsay, dass ihre Großmutter ein wenig Recht hatte. Aber zumindest von ihrer Familie hatte sich Lindsay ein bisschen Unterstützung erhofft. „Gott sei Dank muss ich heute nicht mit ihm darüber reden“, dachte Lindsay missmutig. Sie war ziemlich lange bei ihrer Großmutter gewesen und sie hoffte, dass Connor bereits zu Bett gegangen war.
Sie öffnete leise die Haustür. Inzwischen war es Nacht und sie trug die schlafende Camille in ihr Bett. Sie schloss die Tür zu Camille´s Zimmer und suchte nach Connor. Wie sie bereits feststellte, hielt Connor sich nicht im Wohnzimmer und in der Küche auf. Auch im Badezimmer brannte kein Licht. Es blieb also nur das Obergeschoss ihres kleinen, gemütlichen Hauses übrig. In ihrem Schlafzimmer war es ebenfalls dunkel, das Bett war leer. Lindsay schluckte. Connor war nirgends zu sehen und das beunruhigte sie. Sie wusste nicht, warum, aber plötzlich ging sie zum Schrank und öffnete ihn. Seine Kleidung war verschwunden. Mit einem Mal wurde ihr klar, dass er weggegangen war.
Fast panisch rannte sie zum Telefon um ihre Freunde anzurufen. Es war mitten in der Nacht und sie hoffte, sie waren über diesen späten Anruf nicht allzu verärgert. Als Lindsay auflegte, stand Camille hinter ihr in der Tür und schaute sie mit großen Augen an. Natürlich hatte sie gehört, was sie am Telefon unter Tränen zu Peter gesagt hatte. „Mommy, wo ist Daddy?“, fragte Camille.
„Ich weiß es nicht, mein Schatz. Und jetzt geh wieder in dein Bett.“ Sie brachte Camille nach oben in ihr Zimmer und wartete, was nun passieren würde.
„Was ist los?“, fragte Peter als Lindsay ihm und Anton wenig später die Haustür öffnete. Peter hatte Anton unterwegs benachrichtig und ihn mitgebracht. Ihnen war es egal, dass es mitten in der Nacht war. So, wie Lindsay am Telefon geklungen hatte, musste etwas Schlimmes passiert sein.
„Connor ist verschwunden.“
„Was?“
„Er hat seine Sachen gepackt und ist weggefahren. Ich habe keine Ahnung, wo er ist.“
Nun betrat auch Anton das Haus. Er hatte gehört, was Lindsay gesagt hatte. „Warum ist er weggefahren?“
„Wir haben uns gestritten“, gab Lindsay zu und versuchte, ihre Haare zu ordnen, „Über…“ Nein, sie konnte es ihnen nicht sagen. Sie wusste nicht, was sie dann mit ihm machen würden, falls sie Connor jemals wiedersehen würden.  Lindsay konnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als dass sie ihn in ein Versuchslabor stecken und irgendwelche Tests mit ihm durchführten. Außerdem ging es sie auch nichts an, weshalb sie sich gestritten hatten.
„Was ist, wenn ihm etwas passiert ist?“, fragte Lindsay verzweifelt und weinte.
„Was ist mit seiner Kreditkartenabrechnung? Vielleicht finden wir so heraus, wo er ist…“, schlug Peter vor und Lindsay putzte ihre Nase. Sie setzte sich an den Laptop und versuchte über die Internetseite ihrer Bank herauszufinden, wo er seine Kreditkarte zuletzt benutzt hatte. Weil Lindsay es nicht aushielt, ließ sie Peter die Abrechnung ausdrucken.
„Anton, wenn ihm nun etwas passiert ist?“, fragte Lindsay verzweifelt und sie und Anton setzten sich auf die Couch. „Beruhigen Sie sich“, Antons Stimme war sehr ruhig, „Wie geht es denn Camille?“
„Sie… Sie möchte wissen, wo Connor ist und warum er nicht da ist.“
„Sind Sie sicher, dass Sie mir nicht sagen wollen, warum Sie sich gestritten haben?“
Trotzig schüttelte Lindsay den Kopf und Anton fand sich damit ab, dass sie nicht darüber sprechen wollte. „Er HAT seine Karte benutzt!“, rief Peter im Hintergrund triumphierend.
„Wichtig ist“, begann Anton, „Dass Sie sich erst einmal beruhigen. Es hilft weder Ihnen noch Connor, wenn Sie in diesem Zustand aufbrechen, um ihm zu suchen. Sonst passiert Ihnen noch etwas!“
„Aber…!“
„Connor geht es gut und ich denke, wenn Sie ihm erklären, dass es Ihnen Leid tut, kommt er wieder zurück. Connor liebt Sie.“
„Wirklich?“
Anton war ein wenig erstaunt, als sie ihn das fragte. Er hatte noch nie zwei Menschen gesehen, die mehr ineinander verliebt waren, als Connor und Lindsay. Aber er fand, es stand ihm nicht zu, die beiden in Frage zu stellen. „Natürlich liebt Connor Sie. Er redet von nichts anderem.“ Als Anton dies sagte, weinte sie nur noch mehr. Es war alles ihre Schuld! Connor liebte sie und sie hatte ihn eiskalt von sich gestoßen, weil…
„Peter, wir sollten gehen“, sagte Anton leise zu seinem Kollegen und Peter legte die ausgedruckte Kreditkartenabrechnung auf den Tisch. Lindsay blieb auf der Couch sitzen und versuchte, sie sich zu beruhigen. Zum Glück war Camille in ihrem Bett und sah sie nicht so.  
Wenn das was Anton sagte, stimmte, war mit Connor etwas nicht in Ordnung. Lilith hatte in ihrem dritten „Lebensjahr“ die Kontrolle über sich verloren. Inzwischen hätte Connor das gleiche passieren müssen. Aber er war immer ein liebevoller Mann und Vater. Er hatte sich ihr und Camille gegenüber immer… perfekt… verhalten. Außerdem fragte Camille ständig nach ihm. Sie mussten dringend etwas tun! Lindsay fragte sich, wie es überhaupt soweit hatte kommen können. Sie hatte drei Jahre lang davon geträumt ihn nach diesem schrecklichen Unfall in Russland wieder in den Armen halten zu können, und als es dann endlich soweit war…. Es war ein unglaublicher Moment. Auch, wenn er nicht der richtige Connor war, sondern ein… Sie wagte es kaum, zu daran zu denken.
In dem Moment, in dem sie ihn wieder bei sich hatte, war einer der schönsten Momente ihres Lebens.
Lindsay wurde müde, aber sie musste darüber nachdenken, wieso sie es nicht gemerkt hatte. Sie hatte ihn geküsst und ihn darum gebeten, niemals wieder wegzulaufen. Dann hatten sie versucht, Lilith zu helfen, aber aus irgendeinem Grund hatte sie die Blutspende des Originals nicht überlebt. Lindsay erinnerte sich noch zu gut daran, wie das war, als Lilith´s Körper förmlich explodierte, nachdem diese sich aggressiv gegen die Behandlung gewehrt hatte. Natürlich war Lindsay enttäuscht, vor allen Dingen, weil sie gehofft hatte, sie und Lilith könnten so etwas wie Schwestern werden. Dann aber sie erinnerte sich daran zurück, dass sie Connor nun wiederhatte. Ein Gefühl, was sie in diesem Moment trotzdem unheimlich glücklich machte…
Sie schlief langsam ein und sie träumte von dem Baum, der in ihrem Garten stand. Eines Abends, zu diesem Zeitpunkt war Lindsay eben im zweiten Monat schwanger und sie waren frisch verheiratet, ritzte Connor mit einem Taschenmesser ein Herz in die Rinde des Baumes. „Lindsay & Connor 4 EVER“ stand in der Mitte des Herzes und eigentlich fand sie es sehr kitschig. „Das entspricht so gar nicht unserem Alter“, hatte sie damals gekichert, „Wir sind keine Teenager mehr.“
„Mit dir fühlt es sich aber so an…. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich mehr“, entgegnete Lindsay in ihrem Traum.
„Ich denke nicht, dass das irgendwie möglich ist“, Connor lächelte sie an. Das Herz im Baum gab es heute noch. Auch, wenn im Winter manchmal so viel Schnee an der Rinde klebte, dass man es gar nicht sehen konnte…
Im nächsten Moment brach eine Sturmflut über sie herein und dann saß sie, wie Connor in einer Art Höhle aus Eis gefangen war und versuchte, zu entkommen. Die Luft war eiskalt und er suchte nach einem Ausweg bevor alles dunkel wurde.
Lindsay erwachte aus ihrem Schlaf und schoss senkrecht in die Höhe. Draußen war es noch dunkel und sie konnte hören, wie Camille im Obergeschoss ebenfalls aufwachte und nach ihrer Mutter rief. Ein Poltern auf der Treppe verriet Lindsay, dass Camille aufgestanden und zu ihr auf dem Weg war. „Mommy, wo ist Daddy?“, fragte Camille, als sie neben ihrer Mom auf der Couch platznahm, „Ich hatte einen ganz schlimmen Traum. Ich habe geträumt, Daddy ist in einer Eishöhle gefangen.“
Als Camille ihr dies erzählte, begann Lindsay zu zittern. Sie hatte genau das gleiche geträumt. War dies ein Zeichen von Connor?
„Camille, ich hatte den gleichen Traum“, erzählte sie ihr, „Hast du eine Ahnung, wo Daddy sein könnte?“ Dass Connor in einer Art Eishöhle gefangen war, war das einzige, was sie gesehen hatte.
„Es muss ein ziemlich kalter Ort sein“, sagte Camille. Aber zu dieser Jahreszeit war mehr als die Hälfte des Landes von Schnee bedeckt. In diesem Moment erinnerte sich Lindsay daran, dass Peter die ausgedruckte Kreditkartenabrechnung in der Hand hielt. Also holte sie die Abrechnung vom Küchentisch und las, wo Connors Kreditkarte zuletzt benutzt wurde. Zuerst wurden 36 Dollar von einer Tankstelle etwas außerhalb der Stadt abgebucht. Dann folgte nach zwei Stunden Fahrt weiter östlich die nächste Abbuchung an einer Tankstelle in Belleville. „Wo fährt er hin?“, fragte Lindsay, „Camille, denkst du, wir sollten Daddy folgen?“
„Ja“, Camille´s Antwort war deutlich. Sie vermisste ihren Daddy und wollte, dass er zurückkam.
„Dann hol deine Jacke. Wir fahren.“

Seit fast zwei Stunden waren Lindsay und Camille nun schon unterwegs und etwas besorgt beobachteten sie, dass der Schneesturm immer schlimmer wurde. „Mommy, wie weit ist es noch?“, fragte Camille. Lindsay warf einen kurzen Blick auf das Navigationssystem. „Noch fünf Meilen“, antwortete sie. Der Schneesturm hatte zufolge, dass sie ein wenig später, als geplant an ihrem Zielort ankamen. Schließlich erreichten sie Belleville. Hier hatte Connor aufgetankt. Lindsay überlegte, wie sie wohl am effektivsten nach Connor suchen könnten und ihr erster Weg führte sie zur Polizeistation. Sie fragte den Sherriff, ob man Connor in der Stadt gesehen hatte, aber er verneinte. Lindsay bat ihn, eine Vermisstenanzeige aufzugeben und der Sherriff erklärte ihr, das wäre nur in ihrem Heimatort möglich, trotzdem würden sie die Augen offen halten. Enttäuscht setzten sie und Camille sich ins Auto. Es begann bereits zu dämmern und da Camille hungrig war, gingen sie in einem kleinen Diner etwas essen.
Danach fuhren sie zu allen Tankstellen im Umkreis. Als sie die Tankstelle erreichten, an der Connor laut Kreditkartenabrechnung sein Auto auftankte, war sie sehr enttäuscht, als man ihr sagte, niemand hier habe Connor gesehen. „Haben Sie vielleicht noch weitere Mitarbeiter?“, fragte Lindsay, „Hat vielleicht jemand anderes zu dieser Zeit hier gearbeitet?“
„Ja, unsere Auszubildende. Aber sie ist krank.“
„Können Sie mir sagen, wo sie wohnt?“
„Nein, das geht leider nicht.“ Mit diesen Worten wollte die Tankstellenbesitzerin, dass Lindsay ging und ratlos fuhr sie mit Camille zu Ärzten, Werkstätten und Restaurants um dort nach Connor zu fragen. Aber niemand hatte ihn gesehen. Inzwischen war es spät geworden und es war bereits wieder dunkel.
„Mommy, ich bin müde“, beschwerte sich Camille vom Rücksitz aus und Lindsay atmete tief ein.
„Du hast Recht“, gab sie zu, „Ich auch… Komm wir fahren nach Hause.“
Die Fahrt nach Toronto dauerte diesmal zwei Stunden, da sie in einen Stau gerieten.
Dann sperrte Lindsay die Tür zu ihrem kleinen Häuschen auf und trat mit Camille ein. Sie schlug die Tür hinter sich zu und hörte, wie der Weihnachtskranz, der draußen hing, mit einem dumpfen Geräusch zu Boden fiel.
„Geh in dein Zimmer“, sagte sie zu Camille und das kleine Mädchen ging die Treppe hinauf.
Lindsay gab auf. Die Polizei in Belleville hatte ihr zwar gesagt, wie würden nach Connor Ausschau halten, aber…
Mit Tränen in den Augen sank sie gegen die Haustür und fühlte, wie sie auf den Boden rutschte. Sie hätte ihn nicht wegschicken dürfen, dachte sie sich. Sie weinte immer mehr, als plötzlich das Telefon klingelte. Schnell wischte sie sich die Tränen aus den Augen, stand auf und nahm ab.
„Doyle“, sagte sie und versuchte, möglichst gefasst zu klingen.
Ihr Herz blieb fast stehen, als sie mit einem Doktor Dupont sprach. Connor war in einem Krankenhaus in Montreal eingeliefert worden. Sie bedankte sich für den Anruf, legte auf und beschloss, dass sie sofort aufbrechen musste. Sie musste sofort nach Montreal!
„Camille!“, Lindsay rief aufgebracht nach ihrer Tochter, „Camille! Komm! Daddy ist in Montreal!“
Im Obergeschoss hörte Lindsay ein Poltern. Kurz darauf kam ihre Tochter die Treppe herunter. Plötzlich wurde Lindsay immer aufgeregter. Wie weit war es bis nach Montreal? Wie lange dauerte die Fahrt? Oh Gott, was, wenn Connor sie gar nicht mehr wiedersehen wollte…? Nein, darüber wollte sie gar nicht nachdenken!
„Camille!“, rief sie. Je länger sie darüber nachdachte, desto nervöser wurde sie.
„Ja, Mommy!“, mit einer Tasche in der Hand rannte Camille zur Haustür. Draußen setzten sie sich ins Auto und fuhren los. Als sie nach zwei Stunden Fahrt Belleville erreichten, stellte Camille fest, dass sie hier schon einmal waren und ihre Mommy nickte. Camille fragte, ob sie gar nicht müde war, aber Lindsay verneinte. Jede Minute zählte. Sie musste einfach wissen, ob es Connor gut ging.

Nach fast sieben Stunden Fahrzeit erreichten sie um halb zwei Morgens das Krankenhaus in Montreal, in dem Connor lag. Unterwegs hatte sich Lindsay mehrmals gefragt, ob sie noch ganz bei Trost war. Schließlich hatte sie ihn gehasst, weil er sie angelogen hatte. Doch die Leere in ihrem Haus zu ertragen, war fast noch schlimmer. Und sie konnte sich nicht vorstellen, ihn noch einmal zu verlieren.
Mit der schlafenden Camille auf dem Arm suchte Lindsay nach dem Arzt, der sie angerufen hatte. „Doktor Dupont?“, fragte sie und ein Mann im blauen OP-Kittel, der eben mit einer Krankenschwester sprach, hob den Kopf.
„Das bin ich“, sagte er in französischen Akzent.
„Ich bin Lindsay Doyle. Wir haben miteinander telefoniert. Mein Mann ist eingeliefert worden.“
Der Arzt nickte und sie machten sich langsam auf den Weg zu dem Zimmer, in dem Connor untergebracht war. „Wie geht es ihm?“, Lindsay klang besorgt.
„Es ist ein Wunder, dass er leichte Erfrierungen hat. Er ist sehr lange in dem eiskalten Auto gewesen und seit seiner Bergung ist er nicht aufgewacht. Mrs. Doyle, wir haben keine Ahnung, wie sein Zustand sein wird, wenn er aufwacht.“
Lindsay nickte, sie hatte verstanden. Inzwischen waren sie und der Arzt vor dem Zimmer angekommen, in dem Connor lag. Durch ein Fenster konnte sie sehen, wie er schlief und er sah ziemlich blass aus. Am Daumen trug er ein Gerät, welches den Herzschlag messen und überwachen sollte. Lindsay wurde übel, als sie ihn so sah. Sie dachte, dass sie ihn nicht hätte wegschicken dürfen, dann wäre das niemals passiert. Andererseits hatte sich Connor noch nie verletzt und er war noch nie krank geworden. Sie hoffte, dass er auch von seinen Erfrierungen keine bleibenden Schäden behalten würde.
„Darf ich zu meinem Mann?“, wollte sie wissen und der Arzt nickte. Er ließ sie alleine und mit der schlafenden Camille auf dem Arm, betrat sie das Zimmer. Sie legte ihre Tochter neben ihm ins Bett und setze sich dann auf einen Stuhl und griff nach seiner Hand. Seine Haut fühlte sich kalt an und im Gegensatz zu den anderen Fingern, war sein Mittelfinger grün verfärbt.
Sie bliebt bis spät in die Nacht und dachte darüber nach, wie es nun weitergehen sollte. Wenn sie ihn nicht liebte, so dachte sie sich, wäre sie gar nicht erst hergekommen. Zuhause war sie vor Sorge um ihn fast gestorben. Nicht zu wissen, wie es ihm ginge, machte sie fast krank. Ihr war es egal, ob er der „echte“ Connor war, oder nicht. In den letzten Sieben Jahren hatte sie sich in IHN verliebt. Und sie hatten schließlich ein Kind! Sie hatten ein tolles, kleines und normales Mädchen! Camille war als kleines Kind so oft hingefallen und war mit blutigen Knien vom Spielen nach Hause gekommen. In dieser Hinsicht hatte sie nichts von ihrem Vater. In den letzten Stunden hatte sie sich so oft gefragt, ob Camille ein normales Kind war, aber sie war sicher, dass mit ihr alles in Ordnung war.
Camille lag noch immer schlafend neben ihrem Dad und Lindsay konnte nicht anders. Sie nahm Connors Arm und legte ihn um Camille´s Schultern.
Sie bemerkte, wie müde sie war und Connor würde es bestimmt nichts ausmachen, wenn sie sich eine Weile neben ihn legte.

Als er aufwachte, fühlte er, dass etwas auf seiner Schulter lag. Erschöpft öffnete er die Augen und hob den Kopf. Zuerst sah er in einer Ecke des Zimmers einen Plastikweihnachtsbaum, dann bemerkte er die seltsamen Maschinen in dem schwach beleuchteten Raum. In einem Schrank neben der Tür befanden sich Medikamente. Offenbar befand er sich in einem Krankenhaus, Lindsay lang rechts neben ihm im Bett. Ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter und sie hatte seinen Arm um ihre Taille platziert. In seinem linken Arm lag Camille, die ebenfalls schlief. Sie waren hier! Sie waren tatsächlich gekommen! Für einen Moment hatte Connor geglaubt, er würde beide nie wieder sehen.
Connor versuchte, sein Gewicht zu verlagern sodass er aufstehen konnte aber Lindsay war schon aufgewacht. „Connor?“, ebenfalls verwirrt schlug sie die Augen auf und als sie registrierte, dass er aufgewacht war, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Sie konnte nicht wiederstehen, sie musste ihn einfach küssen. Sie war so erleichtert, dass es ihm gut ging.
Im ersten Moment war Connor überrascht, weil sie ihn küsste und er fragte sich, ob sie ihm vielleicht verziehen hatte. Ein leises „Ich liebe dich“ und ein noch innigerer Kuss bestätigten seine Vermutung und schließlich löste sie sich von ihm. „Du hast mir einen Schrecken eingejagt“, Lindsay versuchte, nicht zu vorwurfsvoll zu klingen, „Tu das niemals wieder…. Warum bist du weggegangen?“
„Weil du es so wolltest.“
„Connor, ich…“, sie schüttelte den Kopf, „Ich habe nachgedacht. Viele Dinge hätte ich nicht sagen sollen… Ich hatte furchtbare Alpträume als du verschwunden bist. Ich hatte solche Angst, dass ich dich niemals wiedersehe und… Als du mir die Wahrheit gesagt hast, war ich so enttäuscht und wütend. Connor, warum ist dir nicht das Gleiche passiert, wie Lilith damals?“
„Weil etwas passiert ist, was niemand vorausahnen konnte: Ich habe mich in dich verliebt. Dazu brauchte ich nicht einmal die Erinnerungen von…“, er konnte es nicht sagen, „Ich kann verstehen, wenn du mich niemals wiedersehen möchtest. Wenn du möchtest, unterschreibe ich die Scheidungspapiere….“ Connor versuchte, gefasst zu klingen.
„Bitte komm wieder mit mir nach Hause.“
„Was?“, fragte er. Sie wollte, dass er wieder mit nach Hause kam?
„Hast du mir nicht zugehört? Ich hab dir gesagt, dass ich dich liebe und ich liebe dich so, wie du bist. Bitte komm wieder mit mir und Camille nach Hause“, flüsterte Lindsay.  
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und er hob die Hand um ihre Wange zu streicheln. Ihre Lippen trafen sich zu einem zaghaften Kuss, als sie plötzlich Schritte auf den Flur hörten.
„Wer ist das?“
„Die Nachtschwester“, antwortete seine Frau, „Tu so, als ob du schläfst. Wenn sie merkt, dass du wach bist, muss ich gehen.“
Die Nachtschwester kritzelte eine Minute später auf ihren Notizblock, dass Connor Doyle noch immer schlief. Als sie sicher waren, dass die Nachtschwester gegangen war, lachte er leise und küsste seine Frau noch einmal. Er freute sich darauf, seine Tochter morgen früh umarmen zu können, wenn sie wach war und er freute sich noch mehr auf zuhause.

I’d have to tell myself
“In every scene there’s a perfect plan”
Everything I hoped to be
I already am

A flower is a flower
It doesn’t have to try to bloom
And light is light
Just knows how to fill a room

And dark is dark
So the stars have a place to shine
The tide goes out
So it can come back another time

Goodbye makes a love so sweet
And love is love so it can teach us
We already are what we are
And what we are is beautiful

Fin
 
 
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