Außer Kontrolle

GeschichteDrama / P12
Dschinn
06.12.2010
06.12.2010
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Wenn Menschen mit Beschwörungen experimentieren und aus Spaß Todernst wird.



Es war der Moment des Schocks, der mich versteinern ließ. Mein Atem ging schneller und wurde zu einem entsetzten Keuchen, als mir bewusst wurde, was gerade passiert war. Ich starrte auf meine Hände, aus denen das Blut gewichen zu sein schien. Sie waren so bleich, dass ich dachte, sie wären mit der Kreide bemalt worden, die ich vor Sekunden fallen gelassen hatte.

Der Schrei weckte mich aus meiner Trance, ich blickte auf. Ein neues Entsetzten überkam mich. Im Zimmer war es dunkel geworden. Alle Kerzen waren erloschen. Der Rauch brannte noch in meiner Nase, bevor er sich verzog.

Mir stockte der Atem, ich wagte es nicht Luft zu holen, aus Angst mich verraten zu können. Gänsehaut breitete sich auf meinen Armen aus. Die Stille wurde ohrenbetäubend.



Neben mir kratzte leise etwas über den Boden. Ich erstarrte von neuem. Panisch presste ich mich mit dem Rücken an die Wand. Meine Lunge fing an nach Luft zu schreien, doch die Angst hielt mich davon ab zu atmen.

Ein Lufthauch streifte mein Gesicht, dann hallte ein gackerndes Lachen von allen Wänden auf mich nieder. Der Laut kam so plötzlich, dass ich zusammenzuckte und erschrocken nach Luft schnappte. Panik überwältigte mich.

Schauer rannen meinen Rücken hinab. Meine Muskeln spannten sich vor Furcht. Ich hielt es kaum aus. Das Wissen, dass sich jeden Augenblick etwas aus der Finsternis auf mich stürzen konnte, jagte mir Wellen mit Adrenalin durch den Körper. Ich konnte spüren, wie sich Schweiß auf meiner Stirn sammelte.



Plötzlich erklang neben mir ein raues Stöhnen. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Mein Kopf wollte sich nicht drehen, meine Augen weigerten sich den Nebel wahrzunehmen, der um meine Beine wirbelte und langsam meinen Körper heraufkroch.

Kälte packte mich und breitete sich um mich herum aus.

Ich fing an zu zittern. Mein Herz schlug so laut, dass ich meinte es würde mich verraten. Es schien zerspringen zu wollen.

Die Kälte nahm zu.



Ein weiterer Schrei zerfetzte die Stille. Ich konnte mich kaum mehr auf den Beinen halten. Tränen schossen mir in die Augen, als ich erkannte, wessen Schrei es gewesen war. Die Angst wurde so stark, dass ich dachte von ihr erdrückt zu werden.

Als die Augen vor mir aufglommen, konnte ich es nicht mehr zurückhalten. Mein eigener Schrei grellte in meinen Ohren.

Rotes Flimmern machte sich vor meinen Augen breit, die Panik in mir verwandelte sich in nackte Todesangst.

Das Lachen, was an meinem Ohr erschallte, war so grausam, dass ich nur noch einen Wunsch verspürte: Flucht.



Ich riss mich aus meiner Versteinerung, stürzte blindlings auf die Tür zu, oder das, was davon übriggeblieben war.

Ich kam nicht weit. Ein Beben erschütterte die Luft und den Boden. Augen, dämonisch und voller Tücke leuchteten vor meinem Gesicht auf. Ein weiterer Schrei brach aus mir hervor, ich schlug mit den Händen nach dem Wesen, das mir den Weg versperrte. Doch alles, was ich zu fassen bekam, war Luft.

Plötzlich wurde ich mit voller Wucht nach hinten geschleudert. Ich kam mir einen Augenblick lang vor, wie eine Puppe, doch schon ergriff mich die Panik wieder mit all ihrer Kraft.

Der Aufprall raubte mir fast die Sinne. Mein Kopf schien zu explodieren, als er schmerzhaft gegen die Wand prallte. Ich keuchte vor Schmerz. Schlaff sank ich zu Boden. Wie ein Kind rollte ich mich dort zusammen, als könnte ich mich vor der Wirklichkeit verstecken.



Um mich herum wurde es still. Es war wie die Ruhe vor dem Sturm. Ich wusste, dass es nicht sehr lange anhalten würde. Die Todesangst hatte sich in Ergebenheit verwandelt. Ich wollte, dass es aufhörte. Ich wollte… Vielleicht, wenn ich Glück hatte, übersah er mich…

Wieder kratzte etwas über den Boden. Ich erschauderte.

Mein Körper spannte sich an. Ich konnte vor Anspannung nicht mehr denken.

Plötzlich wallte Gestank auf. Eine Stimme flüsterte so nahe an meinem Ohr, dass ich fast wieder geschrien hätte, doch ich brachte keinen Laut hervor. Es fühlte sich an, als würde ich ersticken…

„Dein letztes Stündlein hat geschlagen…“ Eine Stimme, wie aus dem Grab. Meine Nackenharre stellten sich auf.

Mein Herz setzte fast aus, mein Atem ging so unregelmäßig, ich hatte das Gefühl zu ersticken.

Etwas brach aus mir hervor, ein Wimmern, meine Stimme war kaum stark genug, um zu tragen. „Bitte…bitte nicht…“

Das Lachen wurde lauter, mein Bewusstsein schwand…
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