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Aschenbecherküsse

von MariLuna
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Skuzz Tex Hex
06.12.2010
03.01.2011
12
15.375
 
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42 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
06.12.2010 1.082
 
Disclaimer: die Charaktere sind Eigentum von L. Sheimer und Filmation Ass. – die Geschichte nicht, die gehört mir :-)

Die Idee, daß Skuzz über einen minimalen Anteil Magie verfügt, habe ich aus Meg-Girys tollen Geschichten, die ich nur wärmstens empfehlen kann.
Danke, daß ich diese Idee aufgreifen darf, Meg!


Genre: Humor/Romanze
Pairing: gibt es, ja *g*
Rating: vorsichtshalber P16 Slash, aber wenn, das erst sehr viel später...
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- Aschenbecherküsse -



1. Eine blöde Idee



„Skuzz! Du elende, stinkende, dauerqualmende Ratte!“

Ehe ich es mich versehe, werde ich von ziemlich krallenartigen Fingern am Kragen gepackt und in die Höhe gezogen. Ich baumele mal wieder in der Luft, bin jedoch erfahren genug in solchen Situationen, um nicht wild herumzuzappeln, denn das macht es nur noch schlimmer. Also hänge ich schlapp herunter wie ein Kätzchen, wenn es von seiner Mama am Nackenfell hochgehoben wird.
Und staune mal wieder. Über die Kraft, die doch so offensichtlich in diesem Mann steckt, obwohl er wirklich nicht so aussieht.

„Was hast du dir dabei gedacht?“

„Ehrlich, ich konnte doch nicht ahnen, daß die schon auf uns warten“, versuche ich mich zu verteidigen.

Als ob das etwas bringen würde!  Er weiß es ja selber. Aber er braucht nun einmal jemanden, dem er die Schuld in die Schuhe schieben kann. Und das bin diesmal ich.

Schließlich sind wir diesmal, um die Festungstore zu umgehen, durch einen von mir gegrabenen Tunnel gekrabbelt. Leider werden wir schon vor der Bank erwartet, und ich weiß, das haben wir bestimmt meinem blöden Cousin zu verdanken, der sich hier als Deputy aufspielen muß und die leisen Erderschütterungen ganz genau gespürt hat.

„Skuzz, du nervtötender, unfähiger, kleiner Wurm…“

Der Rest seiner Beschimpfungen rauscht an mir vorbei. Ich bin müde, weil ich die letzte Woche kaum durchgeschlafen habe und höre ihm schon lange nicht mehr zu, dafür nimmt mich das Lodern in seinen Augen viel zu sehr gefangen. Und nicht nur das.
Wenn er wütend wird, steigt ihm das Blut genauso in die Wangen wie wenn er verlegen ist, ein leiser Hauch von einem etwas dunklerem Lila, und eine Ader an seiner Schläfe beginnt überdeutlich zu pochen. Auch seine Stimme verändert sich, wird ganz tief und dunkel, und jagt mir wahre Schauer über den Rücken.
Natürlich muß man sich vor seiner Wut in Acht nehmen, aber ich finde ihn trotz aller Angst immer ausgesprochen süß, wenn er die Contenance verliert.

„… weiß sowieso nicht, wieso ich dich noch dulde …“

Er hält mich nicht nur auf Augenhöhe, sondern ist mir inzwischen so nahe, daß sich unsere Nasenspitzen fast berühren.
Sein Atem riecht nach Pfefferminz, das kommt von den Kaugummis, die er immer kaut. Wir sind hier auf einem Wüstenplaneten, und die meisten, die von außerhalb stammen so wie er, haben ständig eine ausgedörrte Kehle, und kauen daher auf irgendetwas herum. Der Marshall hat seine komischen Zahnstocher – obwohl, bei ihm liegt es wohl einfach nur am Lässigkeitsfaktor, den er sich bewahren will -  die Richterin ihre Zitronendrops und der Boß eben seine Kaugummis.

„… du bist echt die Laus in meinem Pelz …“

An dieser Stelle beschließe ich, daß ich genug davon habe, angeschrien zu werden – und dabei hilflos in der Luft herumzuhängen. Gegen letzteres kann ich nicht viel machen, aber ersteres … hm … ich gebe zu, ich komme auf komische Ideen, wenn ich müde bin.

Entschlossen strecke ich meine Arme aus, lege meine Hände um seine Wangen, lehne mich ein wenig zu ihm vor und presse meine Lippen auf seinen Mund.
Ich spüre, wie sich seine halbgeöffneten Kiefer wieder schließen. Jedes weitere Wort bleibt ihm buchstäblich im Halse stecken, während ich gar nicht anders kann als meine Lippen noch etwas nachdrücklicher gegen seinen Mund zu drücken.

Hm … das fühlt sich wirklich gar nicht mal so schlecht an. Warm. Und … sein Schnauzer kitzelt. Ganz tief in mir rumort das bißchen Magie, das ich mein eigen nenne – oder ist das doch nur ein gewöhnliches Magengrummeln?

Der Zug um meinen Kragen verstärkt sich, als sich seine Hand, die mich dort hält, regelrecht verkrampft. Ich halte meine Augen genießerisch geschlossen, so kann ich also seine Mimik nicht beurteilen, aber wie er regelrecht erstarrt, das fühle ich auch so.
Ein kaum merkliches Zittern geht durch den Arm, der mich hält, und ich bin mir der Gefahr bewußt, in der ich schwebe – er könnte mich jede Sekunde einfach fallenlassen, aber ich kann nicht widerstehen.

Keck schleicht sich meine Zunge zwischen meinen Lippen hervor, ich schmecke Salz und Feuchtigkeit … Speichel. In jener Sekunde, wo mir bewußt wird, daß sich meine Zunge in seinem Mund befindet, reißt er mich mit einem einzigen scharfen Ruck am Kragen zurück.

Wirklich enttäuscht öffne ich die Augen, nur, um in seine schreckgeweiteten zu blicken. Ich weiß nicht, wie lange wir uns wirklich anstarren, mir kommt es wie eine Ewigkeit vor, aber in Wirklichkeit können es nicht viel mehr als zwei Sekunden sein. Zwei Sekunden, in denen ich das ganze Spektrum seiner Emotionen in diesen keriumrot leuchtenden Augen verfolgen kann, die meine Aktion in ihm ausgelöst hat: Schrecken, Verwirrung, Unbehagen, nagender Zweifel und schließlich diese kühle Distanziertheit, in die er sich so gerne flüchtet.

Als sich seine Augen verengen, fürchte ich tatsächlich, ziemlich unsanft auf dem Boden zu landen. Aber dann stellt er mich nur wieder zurück auf meine Füße und bemerkt erstaunlich gelassen – aber auch sehr, sehr boshaft:

„Kein Wunder, daß du keine Freundin hast. Du schmeckst wie ein Aschenbecher.“

Autsch, das tut weh. Aber ich schlucke nur einmal schwer und sage nichts, schließlich will ich mein Glück nicht überstrapazieren.
Stattdessen werde ich mir der verblüfften Blicke bewußt, die wir durch meine kleine Aktion eben geerntet haben.

„Was ist?“ raunzt Tex herausfordernd in die Runde. „Habt ihr nichts besseres zu tun als blöd zu glotzen? Uns daran hindern, die Bank auszurauben zum Beispiel?“

Und tatsächlich schreckt dies die Gesetzeshüter aus ihrer Starre. Die und unsere Mitstreiter.
Dennoch kann der Marshall es nicht lassen.

„Ich wußte gar nicht, daß eure Freundschaft so weit geht, Tex“, grinst er, sich den weißen Hut aus der Stirn schiebend, den Zahnstocher von einem Mundwinkel in den anderen schiebend und die Hand locker am Neutrallaser.

„Es ist auch nichts, was dich etwas anginge, Marshall!“ erwidert der Boß und wischt sich lässig etwas Erde vom Ärmel.

Ich bin wirklich positiv überrascht über die Coolness, mit der sich der Boß hier präsentiert. Nicht, daß ich mir etwas vormache – ich weiß genau, daß das ganze für mich noch ein Nachspiel hat. Wenn wir zuhause im Hexagon sind.

Aber lange Zeit, um darüber nachzudenken bleibt mir nicht, denn jetzt geht der Job ganz einfach vor.

***
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