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I met three Angels [PSI Factor]

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
05.12.2010
05.12.2010
1
6.488
 
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05.12.2010 6.488
 
Titel: I met three Angels
Autor:  Dancing Star
Pair: Doyle/ Donner
Spoiler: Season 1
Eine PSI Factor FanFiction: Weil Connor dem Team an Weihnachten nicht frei geben will, wird er von drei Engeln heimgesucht.
Anmerkungen: Viele Grüße an NubianGeek! Auf deiner Seite gibt es bereits eine ähnliche Gesichte und als ich sie gesehen habe, war die hier bereits fast fertig. Kurzum: ich bin ein Fan von dir und bitte hab nicht den Eindruck, dass ich dich nachmachen will!!!
Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten, viele Geschenke und (ganz viel) Schnee!
<<<=


I met three Angels

„Fröhliche Weihnachten, alle miteinander“, sagte Peter Axon, als er die letzte Kiste voller Akten ins Regal stellte. Es war der 23. Dezember und sie alle hatten nicht vor, die Feiertage hier zu verbringen. Ihr letzter Klient hatte zum Glück ein Nachsehen und auch er hatte keine Lust, Weihnachten in Gesellschaft des OSIR zu verbringen. Also war Peter bester Laune.
Etwas nervös beobachtete Lindsay ihn. Er war wirklich sehr gut drauf. Sie atmete tief durch und betrat den Besprechungsraum, in dem Connor Doyle alleine saß und einige Berichte studierte. Sie hatte sich zurechtgelegt, was sie sagen wollte, wie sie ihm zum Skifahren einladen wollte. Sie war gerne mit ihm zusammen und genoss seine Gesellschaft. Tag und Nacht grübelte sie darüber nach, ob er es inzwischen vielleicht schon bemerkt hatte, dass sie ihn… Lindsay wagte es gar nicht, daran zu denken: Dass sie ihn liebte. Wenn sie nicht zusammen waren, vermisste sie ihn schmerzlich. Sie musste ständig an ihn denken und sie träumte von ihm. Wenn er sie anschaute, flatterten tausend Schmetterlinge durch ihren Bauch. Ja, Lindsay war sich verdammt sicher, dass sie ihn liebte und sie wollte ihn und sonst niemanden… Sie dachte, dass er sie wahrscheinlich auf der Stelle feuern würde, wenn sie ihm das gestand. Sie hatte keine Ahnung, wie es überhaupt dazu kommen konnte und sie beschloss, dass sie sich nicht länger einreden wolle, dass es nicht so war.
Sie holte Luft. „Ähm… Ich wollte fragen…. Ich….“ Was war nur mit ihr los? Sonst stotterte sie doch auch nicht! „Ich wollte fragen, ob Sie Weihnachten schon etwas vor haben und wenn nicht, ob Sie dann Lust hätten, mit mir zum Skifahren zu kommen?“
„Nein, danke. Hier wartet ziemlich viel Arbeit auf mich.“ Connor sah sie nicht einmal an als er ihr dies sagte und so bemerkte er auch nicht, wie unruhig sie war und wie sie enttäuscht ausatmete. Sie nickte ein bisschen traurig und verließ den Konferenzraum. Vor dem Raum waren Anton und Peter noch immer damit beschäftigt, ihre Ausrüstung aufzuräumen. Morgen war Heilig Abend und auch sie hatten große Pläne für die Feiertage: „Ich fahre nach Toronto zu meinem Bruder“, erklärte Anton, „Meine Nichte hat eine Buchhandlung eröffnet und die Einweihungsfeier ist morgen. Ich freue mich schon sehr darauf. Und Sie, Lindsay?“ Anton grinste sie an.
„Ach, ich weiß nicht“, sagte sie ein wenig gleichgültig und halft ihnen beim Aufräumen, „Ich gehe alleine zum Skifahren. Eigentlich wollte Claire mitkommen, aber wie Sie wissen, hat sie sich das Bein gebrochen.“ Claire lag seit fünf Tagen mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus. Sie hatte es neulich beim Schlittschuhlaufen ein wenig übertrieben und war gestürzt.
Die Tür zum Besprechungsraum öffnete sich und Connor sah, dass sein Team bereits am Aufräumen war. „Was haben Sie vor?“
„Wir wollten über die Feiertage weg…“
Peter hatte den Satz noch nicht einmal zu Ende gesprochen, da unterbrach Connor ihn schon: „Niemand fährt über die Feiertage weg. Unser Fall hat höchste Priorität! Wir wurden zwar gebeten, uns über die Feiertage im Hintergrund zu halten, aber ich sehe keine Notwendigkeit, den Klienten jetzt zu verlassen.“
„Kommen Sie schon! Nur über die Feiertage! Meine Schwester hat ein Baby bekommen und ich habe meine Nichte noch nicht gesehen!“
„Ich sagte nein“, Connor betrat wieder den Besprechungsraum, schloss die Tür hinter sich und der Rest den Team blieb zurück. Enttäuscht sahen sie sich an. So viel also zu den besinnlichen und erholsamen Feiertagen, die sie verbringen wollten! „Was wollen wir nun machen? Zumindest verbietet er uns nicht den Feierabend“, meinte Peter sarkastisch.
„Keine Ahnung“, sagte Lindsay, „Draußen regnet es.“ Die Regentropfen trommelten auf das Dach des Mobilen Labors. Sie hatte gehört, dass das Weihnachtskonzert von Celine Dion heute in der Stadt draußen stattfand. Also war es keine gute Idee, den Feierabend dort zu verbringen. Andererseits war es ihr aber auch egal, was sie machte: Immerhin fiel jetzt auch ihr Skiurlaub ins Wasser. Wahrscheinlich verbachte sie die Feiertage mal wieder alleine vor dem Fernseher… Alternativ wäre sie gerne zu ihrer Mutter gefahren und hätte sie besucht. Das war, bevor Connor ihnen allen verboten hatte, wegzufahren.
„Hoffentlich hat er nichts dagegen, wenn wir heute Abend zumindest Essen gehen“, meinte Peter und sah mit einem finsteren Blick zu Connor, der wieder im Besprechungsraum am Tisch teilgenommen hatte und las. Anton und Lindsay nickten zustimmend und beschlossen, Connor noch Bescheid zu geben, wo sie waren und wo er sie erreichen konnte. Dann brachen sie zu dritt auf. In der Stadt gab es angeblich ein gutes, mexikanisches Restaurant. Connor blieb alleine zurück in dem dunklen Mobilen Labor.

Je später es wurde, desto müder wurde Connor. Er hatte sich vorgenommen, die Nacht durch zu arbeiten und mit den Berichten bis morgen früh fertig zu sein. Aber irgendwann verschwammen die Buchstaben vor seinen Augen und seine Lider wurden schwer. Er schlief doch ein.
Zuerst träumte er, dass er auf eine Wiese war. Die Sonne schien und es war angenehm warm. Plötzlich war die Sonne verschwunden und er stand in einem hell erleuchteten Raum. „Hallo?“, fragte er und seine Stimme hallte. Nun bemerkte er auch, dass er völlig andere Kleidung trug. Bevor er eingeschlafen war, trug er einen Anzug, jetzt war er komplett in Weiß gekleidet. „Was ist hier los?“, fragte er sich selbst.
„Überrascht?“, wollte eine andere Stimme von ihm wissen und Connor drehte sich eilig herum.
“Peter?”
“Nicht ganz. Ich dachte, es wäre leichter für dich, wenn ich die Gestalt von jemanden annehme, den du kennst.“
„Leichter?“, wiederholte Connor, „Bin ich tot?“
„Du bist nicht tot. Du bist sogar sehr lebendig“, bestätigte der Mann, der wie Peter aussah, „Ich bin der Engel der Vergangenen Weihnacht.“
“Guter Scherz! Den Film mit Bill Murray hab ich gesehen… Außerdem bist du kein Engel sondern ein Geist”, meinte Connor. Der Engel zog die Augenbrauen hoch. Er hatte keine Lust, mit Connor zu diskutieren, ob er nun wirklich ein Engel war oder ein Geist.
„Und selbst, wenn es so wäre, dann glaube ich nicht, dass ausgerechnet ICH deinen Besuch verdient habe“, machte Connor weiter.
Peter lachte. Selbstverständlich wusste der Engel der Vergangenen Weihnacht, dass Connor seinen Kollegen das Weihnachtsfest ordentlich verdorben hatte. „Natürlich. DU hast alles richtig gemacht… Das denkst du zumindest. Aber das ist genau der Grund, aus dem ich hier bin: Ich zeige dir, was du falsch gemacht hast…. Weißt du, was vor dreiundzwanzig Jahren passiert ist?“, fragte der Engel und Connor verneinte.
„Ich gebe dir einen Tipp: Es hat Lindsays Einstellung zu Weihnachten grundlegend verändert“, Peter sah ihn an und für einen Moment war alles um ihn herum in Dunkelheit getaucht. Dann fanden sie sich an einem völlig fremden Ort wieder.

Vor dreiundzwanzig Jahren, am Abend vor Weihnachten, waren die dreizehnjährige Lindsay und ihr Vater mit einem Helikopter unterwegs. Sie waren ohne ihre Mutter in der Stadt gewesen, weil Lindsays Vater eines seiner neuen Bücher vorgestellt hatte und weil sie noch nie in der Hauptstadt gewesen war, wollte sie unbedingt mitkommen. Sie wusste nicht mehr warum, aber plötzlich war der Helikopter abgestürzt und Lindsay konnte noch heute den Schmerz des Aufpralls fühlen, wenn sie daran dachte. Als Lindsay mit Kopfschmerzen aufwachte, sah sie, wie ihr Vater neben dem toten Piloten saß. William Donner hing bewegungslos in seinem Sicherheitsgurt und Blut tropfte von seiner Stirn. Die Luft roch ekelhaft nach Benzin und nach Kupfer.
„Dad!“, sie versuchte, ihn aufzuwecken, „Dad! Wach auf! Bitte!“
Endlich schlug ihr Dad die Augen auf. „Linds…“, sagte er, „Verschwinde hier.“
„Nein!“, heulte Lindsay.
„Du musst hier raus… Der Helikopter wird explodieren… Geh, Lindsay.“ Ihr Vater wurde wieder bewusstlos und Lindsay schrie auf. Sie rief ihren Dad und merkte, dass er nicht mehr aufwachen würde. Ein knackendes Geräusch erinnerte sie an das, was er gesagt hatte. Sie sollte gehen. Also ging sie. Im Nachhinein bereute sie es. Manchmal gab es Situationen, in denen sie sich wünschte, sie hätte ihren Vater nicht alleine gelassen. Auch ihre Mutter brauchte lange, bis sie sich von diesem Schock erholt hatte. Und Weihnachten war nie wieder dasselbe...
Die dreizehnjährige Lindsay hatte den kleinen, roten Helikopter rechtzeitig verlassen. Sie weinte bitterlich, als sie in der Dunkelheit der Nacht auf dem Acker saß und beobachtete, wie das kleine Fluggerät mitsamt ihrem Vater explodierte. Die Wolken am Himmel brachen gemeinsam mit ihr in Tränen aus. Connor und der Engel der Vergangenen Weihnacht beobachteten sie.
„Was habe ich damit zu tun?“, wollte Connor wissen.
„Damit?“, fragte der Engel, „Mit diesen Unfall hast du nichts zu tun. Aber das ist der Grund, warum Lindsay Weihnachten mit etwas anderen Augen sieht.“
Während der Engel sprach, beobachtete Connor weiter, wie die dreizehnjährige Lindsay mit inzwischen durchweichter Kleidung auf dem Acker hockte und sich in sicherer Entfernung zu dem brennenden Trümmerhaufen die  Augen ausweinte.
„Können wir ihr…?“, begann Connor und schluckte schwer, aber Peter schüttelte den Kopf. „Sie kann uns weder sehen noch hören…. Komm, wir müssen weiter. Es gibt da etwas, was ich mir ansehen möchte…. Kannst du dich noch an eure Weihnachtsfeier im letzten Jahr erinnern?“, fragte der Engel und Connor nickte. Letztes Jahr war das Team ebenfalls an Weihnachten unterwegs und Connor hatte sie zum Italiener zum Essen eingeladen. Auch an diesem Abend hatte es geregnet, erinnerte Connor sich. Zum Zeitvertreib hatten sie ein Spiel gespielt: Jeder sollte ein Foto aus seiner Kindheit mitbringen, ohne dem Rest des Teams zu verraten, wem das Bild gehörte.  Die anderen mussten raten, wer das Kind auf dem Foto war. Lindsay saß zwischen Connor und Peter und als sie das Foto eines pummeligen Vorschulkindes im Schneeanzug in den Händen hielt, lehnte sie sich zu Peter und fragte ihn: „Wer ist denn dieses fette Kind?“ Wie sie später erfuhr, war das Kind auf dem Foto Peter selbst. Lindsay entschuldigte sich tausend Mal bei Peter, alle anderen lachten sehr. Auch, wenn sie an diesem Abend Spaß hatten, bemerkte Connor erst jetzt, dass einige Teammitglieder lieber bei ihren Familien gewesen wären.
Nach dem Abendessen verabschiedeten sie sich an der Tür des Restaurants voneinander. Da Connor und Lindsay auf dem gleichen Parkplatz geparkt hatten, begleitete er sie ein Stück. Auf dem Weg zum Parkplatz mussten sie über eine Brücke gehen. Das Holz der Brücke war vom Nebel nass und rutschig und auf den höchsten Punkt der Brücke verlor Lindsay den Halt. Connor fing sie auf, drückte sie an sich und sie lächelte, als er ihr so tief in die Augen sah. So nahe waren sie sich noch nie zuvor und er fragte sich ernsthaft, wie es wäre, mit ihr zusammen zu sein. Er wollte sie küssen und ein kurzes Bild in seinen Gedanken flackerte auf, wie er mit Lindsay Donner in seinen Armen auf dieser Brücke stand und sich ihre Lippen zaghaft berührten. Er verwarf den Gedanken wieder, als sie zuckersüß lächelnd sagte „Danke fürs Auffangen“. Connor wusste, dass sie als nächsten ihren Weg zu ihren Autos fortsetzen würden.
„Warum hast du dich davon abschrecken lassen?“, fragte Peter ratlos. Er und Connor befanden sich nun ebenfalls auf der hölzernen Brücke, nur einige Meter hinter dem Paar, war sich in den Armen hielt, „Ich meine, es wäre schlimmer gewesen, wenn sie gesagt hätte du wärst ein dummer Vollidiot und sollst sie gefälligst in Ruhe lassen. Aber das hat sie nicht gesagt.“ Peter marschierte einmal um das Paar herum und musterte sie. „In dem Moment, in dem Lindsay wieder Gefallen an Weihnachten fand, hast du alles wieder kaputt gemacht.“
„Möchtest du eine ehrliche Antwort auf die Frage, warum ich sie nicht geküsst habe?“, fragte Connor und der Engel meinte: „Das weiß ich schon.“
Im nächsten Moment befanden sie sich in einem dunklen Flur in einem Mietshaus. Connor erkannte den Flur sofort: Hier hatte seine damalige Freundin gewohnt. Inzwischen wusste er gar nicht mehr, wie sie überhaupt aussah, aber wie ihre Beziehung geendet hatte, wusste er noch. Damals vor zwei Jahren hatte er geglaubt, er müsste sterben vor Kummer weil er sie ernsthaft geliebt hatte. Bis dahin war sie die einzige Frau mit der er sich eine Zukunft hatte vorstellen können. Dann, am Weihnachtsabend, war er überraschend nach Hause gekommen. Eigentlich hätte er arbeiten sollen, der Klient hatte ihnen aber kurzfristig abgesagt. Er wollte seiner damaligen Freundin eine Freude machen und besuchte sie am Heiligen Abend in ihrer Wohnung. Weil sie nicht an die Tür ging, suchte er auf dem Türrahmen nach dem Ersatzschlüssel, betrat die Wohnung und erwischte sie mit dem Typen von gegenüber im Bett. Seine Freundin veranstaltete dann einen großen Streit und gab ihm die Schuld, weil er ständig beruflich unterwegs war und nie Zeit für sie hatte. Er sah die Szene, er der sie sich stritten wieder klar und deutlich.
Im Nachhinein fragte Connor sich, wie lange sie ihn schon betrogen hatte ohne dass er etwas merkte und er war auch wütend. Connor schwor sich, dass er niemals wieder eine Frau so nah an sich heranlassen würde, dass es ihn selbst schaden könnte.
„Weißt du, es gibt ein Sprichwort. Das heißt: Die Zeit heilt alle Wunden“, die Stimme des Engels klang weit entfernt.
Das wusste Connor auch, dieses Sprichwort kannte er. Aber er war nicht bereit für…. Eigentlich hatte er keine Ahnung, wofür er nicht bereit war. Er fürchtete lediglich, dass er eine neue Frau in seinem Leben genauso enttäuschen würde, wie seine damalige Freundin. Und er fürchtete, dass er sich selbst enttäuschte.
Der Engel der vergangenen Weihnacht rollte mit den Augen. Natürlich wusste er, was Connor dachte. Er musste nicht fragen. Und er beschloss, dass er ihn jetzt alleine lassen sollte. Connor sollte nachdenken. Plötzlich befand sich Connor nicht mehr in dem finsteren Hausflur, er befand sich wieder in dem lichtdurchfluteten Raum, in dem er dem Engel erstmals begegnet war.
„Wo gehst du hin?“, fragte er, als er sah wie der Engel der wie Peter aussah, sich von ihm entfernte. Er erhielt keine Antwort und irgendwie hatte Connor das Gefühl, dass sein Traum, sollte es tatsächlich einer sein, an dieser Stelle noch nicht zu Ende war.

“Now the air is getting cold at night
And you say you have to leave
On the weather report there is
No Christmas in white
But it's you and the snow that I need

Why does it rain on Christmas?
When I'm wishing for some snow
Why can't you stay, if you'll miss me?
Do you really have to go?

I know when Santa Claus is coming
He will give me something
But all I need is you and the snow
Why does it rain on Christmas?
I don't know”          (“Why does it rain on Christmas?” by Sarah Connor)

Connor blieb nicht lange alleine in dem hellerleuchteten Raum. Er sah in der Ferne einen Punkt, der sich bewegte. Nach einigen Minuten kam er zu dem Schluss, dass dies ein Mensch war, der auf ihn zu ging. Als die Person noch näher kam, erkannte er ihn.
“Anton?“, fragte Connor. Wie zuvor auch Peter oder der Engel der Vergangenen Weihnacht, trug der Engel komplett Weise Kleidung.
Doch dann fiel Connor an, dass dies hier nicht der richtige Anton war. Also sagte er: „Nein, warte: Der Engel der Gegenwärtigen Weihnacht, richtig?”
„Richtig“, stimmte Anton ihm zu, „Ich brauche dir nicht zu sagen, dass….“
„…wir höchstwahrscheinlich die Ereignisse des heutigen Tages durchkauen werden“, ergänzte Connor und ein seltsames Grinsen im Gesicht des Engels erschien. „Wir sollten keine Zeit verschwenden“, erklärte der Engel und im nächsten Augenblick saßen er und Connor auf einem hölzernen Untergrund und hatten Aussicht auf ein riesiges, mit Möbeln eingerichtetes Zimmer. Die Welt erschien ihm plötzlich so riesengroß…!
Unter ihnen öffnete sich eine Tür und eine Frau drückte auf den Lichtschalter. Das Zimmer war jetzt erhellt.
„Gute Nacht“, sagte Lindsay müde und eine andere Stimme erwiderte: „Ja, bis morgen.“
Der Engel zeigte Connor, wie Lindsay nach eben dem Abendessen mit Peter und Anton ihr Hotelzimmer betrat.
„Warum sitzen wir auf dem Türrahmen?“, fragte Connor. Er und der Engel waren winzig kleine Gestalten, die auf dem Türrahmen von Lindsays Hotelzimmer saßen. Von hier aus hatten sie einen guten Überblick über das Zimmer.
Sie beobachteten, wie Lindsay ein Buch aus ihrer Tasche zog und es aufschlug. Der Titel des Buches war „Ein Hund zu Weihnachten“, soweit Connor von seinem Platz aus erkennen konnte. Lindsay lehnte sich auf ihrem Bett zurück, las einige Zeilen und legte das Buch anschließend auf den Nachttisch. „Sogar die Leute in dem Buch haben ein besseres Weihnachten als ich“, meinte sie, stand auf und griff zur Fernbedienung des Fernsehers. Wahllos zappte sie durch die Kanäle und stoppte bei einem Weihnachtsfilm.
„Es hat sie eine ganze Menge Überwindung gekostet, dich zu fragen ob du mir ihr zu Skifahren kommst“, der Engel, der wie Anton aussah, lehnte sich leicht zu ihm hinüber, „Stattdessen verbringt sie die Feiertage bei der Arbeit und danach sitzt sie einsam vor dem Fernseher und sieht sich „Das Wunder von Manhattan“ an. Du hast ihr Weihnachten ziemlich vermiest.“
„Woher willst du wissen…?“
„Ich kann hören, was sie denkt“, die Stimme des Engels klang sehr geheimnisvoll. Er nickte und im nächsten Moment befanden sie sich im Besprechungsraum des Mobilen Labors. Connor blickte auf sich selbst, der da am Tisch saß, seine Akten studierte und nicht einmal aufsah, als Lindsay den Raum betrat. Sie wirkte tatsächlich sehr nervös. Es war ihr unangenehm, ihn zu stören. Aufgeregt drehte sie einen der Ringe, den sie an ihrem Finger trug. „Ähm… Ich wollte fragen…. Ich….“ , sie stotterte und Connor und der Engel konnten hören, wie sie dachte: „Sieh mich doch wenigstens an, wenn ich mich vor dir lächerlich mache. Tu mir das nicht an.“
Schließlich schluckte Lindsay. „Ich wollte fragen, ob Sie Weihnachten schon etwas vor haben und wenn nicht, ob Sie dann Lust hätten, mit mir zum Skifahren zu kommen?“  In Gedanken wiederholte sie immer wieder: „Bitte sag ja. Bitte sag ja.“
„Nein, danke. Hier wartet ziemlich viel Arbeit auf mich.“ Der Connor, der am Tisch saß, hielt es noch immer nicht für nötig, sie anzusehen und deshalb registrierte er auch nicht, wie enttäuscht und traurig sie aussah. Als er nun aber selbst darauf aufmerksam gemacht wurde, tat es ihm leid, dass er ihr einen Korb gegeben hatte. Wie erstarrt beobachtete er, dass Lindsay den Besprechungsraum verließ und er alleine am Tisch sitzen blieb. Dabei wollte sie offenbar nur mit ihm zusammen sein, weil…
„Es regnet“, meinte der Engel leise zu ihm. Jetzt hörte auch Connor, wie der Regen aufs Dach niederprasselte. „Na und?“, fragte er.
“Du verstehst gar nichts”, sagte der Engel, “Solange deine Freunde an Weihnachten unglücklich sind, wird es regnen. Jahr für Jahr. Los, lass uns nachsehen, was Peter macht. Er hat Lindsay und Anton eben im Hotel abgesetzt…” Nachdem der Engel dies gesagt hatte befanden sie sich in einer Bar und sahen zu, wie Peter ein Bier nach dem anderen in sich hineinschüttete.
„Sehr besinnliche Feiertage“, meinte der Engel und er meinte es ironisch. Der Engel der Gegenwärtigen Weihnacht und Connor nahmen je links und rechts neben Peter an der Bar Platz. Sie beobachteten weiter, wie Peter ein Gläschen Schnaps trank und nun fragte ihn der Barkeeper, ob er ihm ein Taxi rufen sollte.
„Nein“, lallte Peter, „Sie haben ja keine Ahnung, wie das ist, wenn man Weihnachten alleine ist.“ Jetzt bekam er auch noch Schluckauf. „Mein Boss, dieser Kotzbrocken, gibt uns nicht mal über die Feiertage frei, sodass ich meine Schwester besuchen könnte….. Stattdessen sitze ich hier und quatsche Ihnen die Ohren voll... Ich dachte immer, Elsinger wäre ein Trottel, aber Doyle schlägt ihn ihm Längen…“
Connor war nicht überrascht, dass Peter auf ihn sauer war, weil er über Weihnachten arbeiten musste, aber dass er ihn für einen Kotzbrocken hielt, war im neu. Doch Peter war mit seiner Ansprache noch nicht fertig. Betrunken schwenkte er ein leeres Schnapsglas in den Händen und erzählte weiter: „Das Traurige ist, dass er nicht mal merkt, dass sich meine Arbeitskollegin in ihn verknallt hat…… Jeder sieht es…. Nur…. Nur er nicht…. Hoffentlich merkt sie bald, dass er”, Peter konnte sich selbst auf dem Barhocker kaum noch aufrecht halten, “…ein riesen Vollidiot ist… Und dass er es gar nicht wert ist….” Das war das letzte was er sagte, dann kippte er nach vorne über  und der Barkeeper rief nach einem Mann, der wie ein Taxifahrer aussah. Sie fanden in Peters Jackentasche einen Hotelschlüssel und der Barkeeper sagte zum Taxifahrer, er sollte Peter dorthin fahren.
Connor und der Engel der Gegenwärtigen Weihnacht blieben am Tresen der Bar sitzen. In diesem Moment fühlte sich Connor wirklich wie ein Idiot. Er hätte die Anzeichen, dass Lindsay sich in ihn verliebt hatte, selbst sehen müssen. Jeder wusste Bescheid, nur Connor nicht. Er fragte sich selbst, wie blind er eigentlich war…?
„Müssen wir uns jetzt auch noch ansehen, was Anton heute Abend macht?“, fragte Connor und der Engel sah ihn an. „Nein. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass Anton um diese Zeit bereits schläft.“
„Was machen wir dann noch hier?“
„Wir können jederzeit gehen.“
„Seid ihr normalerweise nicht zu dritt?“, fragte Connor und der Engel wusste, was er meinte. „Ich kann dir versprechen, dass er dich nicht vergessen hat“, sagte der Engel. Mit Er meinte er den Engel der zukünftigen Weihnacht und Connor war schon unheimlich gespannt auf denjenigen, der ihm zeigte wie er auch in der Zukunft das Weihnachtsfest anderer Leute verdarb!
Noch bevor Connor etwas fragen konnte, befand er sich in einem dunklen Tunnel und der Engel und die Bar, in der sie gesessen hatten, waren verschwunden. Er hörte eine Frau singen:

“Listen up to what I gotta say
I found true love and it's here to stay
Chapel bells are gonna ring in May
I met an angel on Christmas day

24th of December
It was a cold and snowy night
I can still remember
Gazing at the stars and the moonlight
Fell asleep on the sofa bed
Dreams of Christmas in my head
I awoke to my surprise
There he was right before my eyes     (“I met an angel on Christmas Day” by Celine Dion)

Ein Weihnachtslied schallte aus dem Radio als Connor am nächsten Morgen im Besprechungsraum des Mobilen Labors erwachte. Noch immer müde hob er den Kopf und versuchte herauszufinden, wo genau die Musik herkam. Er hatte gestern Abend das Radio nicht angeschaltet und er hatte auch keinen Wecker gestellt. Dann erinnerte er sich an diesen seltsamen Traum von letzter Nacht und beschloss, dass es wirklich ein Traum gewesen sein musste. Immerhin war das so absurd, das konnte unmöglich wahr sein…
Connor sah, wie Peter vor dem Besprechungsraum damit beschäftigt war, sich eine Tasse Kaffee einzuschenken. Langsam stand Connor auf und ging zu Peter hinaus. „Guten Morgen“, sagte er, aber Peter antwortete nicht. „Gut“, dachte Connor, „Er ist immer noch sauer.“
„Reden wir neuerdings nicht mehr miteinander?“, fragte Connor und Peter antwortete auch darauf nicht. Stattdessen marschierte er zu seiner Jacke, zog sie an und verließ das Mobile Labor. Jetzt betrat Anton das Labor. „Guten Morgen, Connor“, sagte er, „Im Haus unseres letzten Klienten ist es letzte Nacht wieder zu einem äußerst seltsamen Vorfall gekommen. Er möchte, dass wir uns das auf der Stelle ansehen… Kommen Sie doch raus, wenn Sie soweit sind. Der Rest des Teams wartet bereits draußen.“ Mit diesen Worten ging Anton wieder hinaus und Connor war alleine. Er beschloss, er könne auch später frühstücken. Also nahm auch er seine Jacke und verriegelte das Labor.
Connor war auf dem Weg zu dem Van, in dem bereits das Team saß, als alles um ihn herum wieder schwarz wurde…

Um ihn herum herrschte Dunkelheit. Weit und breit war niemand zu sehen. Connor fragte sich, was ihn wohl erwarten würde, als eine sehr vertraute Stimme hinter ihm plötzlich „Hi“ sagte und er herumfuhr. Der Mann, der ihm nun gegenüber stand, sah genauso aus, wie er selbst. Zudem war der Mann komplett in schwarz gekleidet, er wirkte ziemlich blass und er schaute ihn mit einem seltsamen Ausdruck an.
“Wer bist du?”, Connor musste diese Frage einfach stellen.
„Ich bin die Zukunft.“
„Du bist ich.“
Der Engel nickte und Connor ahnte, was nun folgen würde. „Lass mich raten: Du zeigst mir meine Zukunft.“
„Du siehst sie bereits“, antwortete der Engel und Connor verstand nicht. Um ihn herum war alles dunkel. „Das ist meine Zukunft?“, fragte er, „Ich sehe gar nichts.“
„Was glaubst du denn, was man sieht, wenn man tot ist?“
Von dieser sehr direkten Frage war Connor geschockt. Er sollte tot sein? Das hier, die völlige Dunkelheit und Kälte, sollte seine Zukunft sein? Nein, das konnte nicht wahr sein! Warum sollte er….?
Connor beobachtete, wie sein Ebenbild einmal um ihn herumging und ihn genau musterte. „In deiner Zukunft gibt es nicht viel zu sehen“, sagte der Engel, „Stattdessen zeige ich dir, was passieren kann, wenn du nicht stirbst… Denn noch hast du die Chance, es richtig zu machen. Also werfen wir einen Blick in deine mögliche Zukunft…“

Der Ort an dem sie sich nun befanden, war eindeutig sein Haus. Es hatte sich ein bisschen verändert: so hatte sich zum Beispiel die Wandfarbe im Schlafzimmer in einen warmen Pfirsichton verwandelt. Im Bett lag ein Mann und es war eindeutig Connor selbst, der dort schlummerte. Der Connor Doyle den er sehen konnte, lag am Morgen des Christmas Days in seinem Bett und genoss die freie Zeit. Es war warm und gemütlich und er hatte keine Lust aufzustehen, obwohl es draußen bereits hell war und einige Schneeflocken leise vom Himmel fielen.
„Schatz?“, meldete sich eine Stimme auf der anderen Seite des Bettes und Connor erkannte sie sofort. Sie war hier! Bei…. Naja, zumindest bei seinem zukünftigen Ich…
„Was?“, fragte Connor im Halbschlaf und linste auf den Wecker. Die Uhr zeigte 10:10 Uhr. „Noch zwanzig Minuten“, murmelte er und streckte sich. Immer noch müde drehte er sich herum, schlang die Arme um seine Frau und erzählte, er habe heute Nacht geträumt, er wäre ein Mitglied von ABBA. „Thank you for the music“ hatte vor einem großen Publikum singen müssen. Lindsay kicherte mit geschlossenen Augen und sie schliefen weiter. „Das ist schön….“, meinte er plötzlich.
„Was?“
„Was du da mit meinem Knie machst….“, murmelte er.
„Ich mache doch gar nichts“, sagte Lindsay und schaute ihn an. Gleichzeitig schauten sie unter die Bettdecke. „Paula!“, rief Lindsay als erstes und entdeckte ein schwarzes Meerschweinchen. In diesem Moment öffnete sich die Schlafzimmertür und zwei dunkelhaarige Mädchen stürmten herein. Das eine Mädchen war etwas kleiner als das andere.
Lindsay rollte mit den Augen. Kinder waren manchmal so furchtbar unromantisch.
„Mommy!“, rief das größere Mädchen und hüpfte aufs Bett, „Mommy, Paula ist schon wieder weggelaufen!“
„Sie ist nicht weggelaufen“, meinte Connor, der das schwarze Fellknäul inzwischen in den Händen hielt. Das Meerschweinchen quiekte, als das Mädchen es in seine Arme schloss. Connor fragte sie, ob sie Paulas Käfig vielleicht nicht richtig geschlossen hatte und das Mädchen verneinte.
Inzwischen wunderte der Connor, der in Begleitung des Engels war, sehr über die Kinder. Er hatte sie noch nie gesehen. „Wer sind die beiden?“, fragte er.
„Das sind Hayley und Fiona. Deine Kinder.“ Der Engel und Connor beobachteten, wie die beiden Mädchen hinausgingen und der andere Connor aufstand. Er zog sich an und verabschiedete sich von seiner Frau mit den Worten, dass er noch einen Termin hatte. Anscheinend wusste sie nicht, was er vor hatte, denn sie blieb mit einem verwunderten Gesichtsausdruck liegen. Außerdem war heute Weihnachten, welchen Termin könnte er wohl haben? Als er gegangen war, verließ  auch sie ihr Bett.
Wenig später sahen Connor und der Engel der Zukünftigen Weihnacht ihr zu, wie sie ein Geschenk einpackte. Unter dem großen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer lagen bereits die Geschenke ihrer Kinder. Das Geschenk, das sie jetzt einpackte, war für ihre besten Freunde. Im Haus duftete es nach Weihnachtsplätzchen und wie Connor feststellte, hatte Lindsay es in der Zukunft ein wenig mit der Weihnachtsdekoration übertrieben: Es gab keinen Platz im Haus, der nicht mit Engeln oder Santa Claus dekoriert war. Wie er im Laufe des Tages noch merken sollte, war das Haus auch von außen über und über mit Lichterketten dekoriert. Von oben konnte man sein Haus bestimmt mit einem Flugplatz verwechseln…
Jemand klingelte an der Haustür. Der Partyservice, denn Lindsay hatte keine Lust zu kochen. Also ließ sie liefern... Die Kinder fragten, wann sie ihre Geschenke aufmachen durften und ihre Mom meinte, damit müssten sie warten bis ihr Daddy und ihr Onkel da waren.
Lindsays Mann war nun schon seit einer Stunde weg, Hayley und Fiona saßen noch immer in ihren Schlafanzügen vor dem Baum und spielten mit Weihnachtsdekoration, die sie von den Fensterbrettern genommen hatten. Auf die Geschenke zu warten war an Weihnachten das schlimmste, fanden sie.
„Hey, ihr beiden, wollt ihr euch nicht anziehen?“, fragte ihre Mom und bemerkte, wie ein Auto in der Garage parkte. Es war ihr Mann. Mit einem seltsamen Gesichtsausdruck betrat er das Haus und nahm ihre Hand. „Komm mit“, sagte er und ging mit ihr wieder nach draußen. Fiona und Hayley blieben im Haus. Vor der Tür sagte er seiner Frau, sie solle die Augen schließen und sie machte es. Connor warte sie vor einer Stufe und als sie dann gemeinsam durch den kalten Schnee gingen, lachte Lindsay leise. „Wo gehen wir hin?“, fragte sie, aber er antwortete ihr nicht. Stattdessen knipste er das Licht in der Garage an und führte sie hinein.
„Woraus machst du so ein Geheimnis?“, fragte sie.
Connor und der Engel der Zukünftigen Weihnacht hockten auf dem Dach des Autos und beobachteten die Szene. Natürlich konnte man sie nicht sehen.
„Du darfst die Augen jetzt öffnen“, meinte Connor, der inzwischen etwas aus dem Kofferraum geholt hatte. „Wow, wir sind in unserer Garage“, Lindsay lächelte ihn an und zog die dünne Strickjacke fester um sich, „Sehr geheimnisvoll.“
„Können wir zumindest so tun, als ob?“, ihr Mann grinste und kam mit einer Kiste ohne Deckel auf sie zu. „Wirf doch mal einen Blick da rein“, sagte er. Lindsay schaute in die Kiste.
„Gefällt es dir?“, fragte er und sie nickte. In der Kiste saß ein kleines Hundebaby mit goldenem Fell.
„Haben wir nicht abgemacht, wir schenken den Kindern keinen Hund?“, fragte sie nahm den Welpen aus der Kiste und drückte ihn an sich. Das Hundebaby winselte. Wenn Fiona und Hayley auf den Hund genauso gut aufpassten, wie auf ihr Meerschweinchen, dann…
„Ja, aber als ich Henry gesehen habe, wusste ich, dass das unser Hund ist. Er war der letzte Welpe aus seinem Wurf der im Tierheim auf eine Vermittlung gewartet hat. Noch ein Tag länger ohne dass ihn jemand mit nach Hause genommen hätte und sie hätten ihn eingeschläfert.“
„Nur dieses eine Mal“, Lindsay war doch einverstanden. Mit Henry auf dem Arm gingen sie beide ins Haus zurück, wo Fiona und Hayley noch im Wohnzimmer spielten.  Sie freuten sich über den kleinen Hund mit goldenem Fell, der mit wedelnder Rute auf sie zu stürmte. Henry fühlte sich in seinem neuen Zuhause offenbar sofort wohl: Freudig tollte er um die beiden Kinder herum und bellte frech.
„Jetzt zieht euch was an!“, sagte Lindsay zu den Mädchen und Hayley und Fiona polterten die Treppe zu ihren Zimmern hinauf. Henry folgte ihnen. Lindsay schüttelte amüsiert den Kopf und ihre Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz gebunden hatten, tanzten über ihre Schulter.
„Das war ein sehr schönes Geschenk“, meinte sie dann zu ihrem Mann und küsste ihn liebevoll, „Ich liebe dich.“ Er bedankte sich für das Kompliment, erklärte er, dass er sie ebenfalls sehr liebte und sie hörten im Obergeschoss erneut ein lautes Poltern. Fiona und Hayley waren angezogen. Während sie die Treppe herunterkamen, sah Fiona, dass ein weiteres, graues Auto vor dem Haus parkte. „Onkel Peter ist da!“, rief Fiona und eilte zur Tür. Sie schloss ihre Augen, weil das Licht sie so blendete und ihre Mom hob sie hoch. „Hey Peter“, sagte sie, „Das rechte Licht an deinem Wagen ist kaputt.“
„Ja, das ist auch der Grund, warum er seit Monaten mit Abblendlicht durch die Gegend fährt“, frotzelte Mona, Peters Frau. Mona war Connors jüngere Schwester. Sie hatte Peter auf Connors und Lindsays Hochzeit kennen gelernt. Zwei Jahre später hatten sie geheiratet. Die Feiertage verbrachten sie seitdem immer gemeinsam.
Mona und Lindsay umarmten sich lachend, dann ging die Familie ins Haus zurück. Draußen schneite es noch immer und die Luft war eiskalt. Außerdem trugen sie keine Jacken.
Der Engel der Zukünftigen Weihnacht und Connor sahen, wie endlich die Geschenke ausgepackt wurden, wie die Familien zu Mittag aßen, danach wollten sie mit Henry nach draußen gehen. Es war ein schöner aber kalter Tag.
„Warum zeigst du mir das alles?“, fragte Connor irgendwann.
„Damit du siehst, was du verpasst, wenn du meinen Weg einschlägst“, sagte der Engel der Zukünftigen Weihnacht. Durchs Fenster sahen sie, wie Connor mit Hayley auf dem gefrorenen Gartenteich stand und ihre Hände hielt. Er versuchte, seiner Tochter Schlittschuhlaufen beizubringen. Henry hüpfte um sie herum und auf dem Eis rutschte er aus.
„Du wärst ein ziemlich guter Vater“, meinte der Engel der Zukünftigen Weihnacht und ein sehnsüchtiger Blick lag in seinen Augen. Er vermisste sie. Er vermisste Lindsay wirklich sehr. Schließlich sah er ihn an: „Die perfekte Familienidylle: Du hast eine hübsche Frau, zwei süße Kinder, nette Freunde und einen Hund namens Henry… Naja, das heißt, wenn du Lindsay heiraten würdest…. Ansonsten endest du nämlich wie ich und ich glaube nicht, dass du das möchtest.“
Connor dachte, dass er Lindsays Einladung zum Skifahren besser hätte annehmen sollen.
„Du hast Recht“, sagte sein Gegenüber, der seine Gedanken gelesen hatte, „Im Grunde kannst du dir nichts besseres Vorstellen, als dich mit der Frau deiner Träume in einer einsamen, romantischen Berghütte im Bett zu wälzen. Stattdessen erwartet dich meine dunkle Zukunft. Du bist allein. Du bist tot. Getrennt von der Frau die du liebst.“
„Woher weißt du...?“
„Ich bin du, schon vergessen?“, der andere Connor zuckte mit den Schultern, „Ich kenne dich… Und vielleicht solltest du mit ihr nicht nur zum Skifahren verreisen, verstehst du?... Ich hab gehört, im Februar soll es in Südamerika ziemlich schön sein. Frag sie doch, ob sie mit dir wegfährt…“
Der Rest des Tages verging für Connor wie im Flug: Am Abend gingen sie gemeinsam in die Kirche, danach mussten die Kinder ins Bett und endlich herrschte Stille im Haus. Connor und Lindsay setzten sich gemeinsam auf die Couch und machten es sich vor dem Kamin gemütlich.
„Lass uns gehen“, sagte der Engel der zukünftigen Weihnacht und Connor sah ihn überrascht an. Er wäre gerne noch geblieben, aber er wusste, dass es nicht möglich war. Mit einem Windstoß öffnete sich die Hintertür des Hauses, eine kleine Schneewehe flog herein und der Engel trat in die Dunkelheit hinaus. Connor warf einen letzten Blick in das Wohnzimmer: Nur noch die Lichterkette am Weihnachtsbaum funkelte vor sich hin. Er war schon auf dem Weg zur Hintertür, als er ein leises Geräusch auf der Treppe hörte. Es war Fiona, die Henry in sein Körbchen tragen wollte. Sie setzte den Welpen auf den Boden und griff nach einem gelben Ball. „Henry, los, fang den Ball!“, rief Fiona dem Hund leise zu, warf einen Tennisball durch den Flur des Hauses. Ihre Mom hatte ihr verboten, im Haus mit Bällen zu spielen, aber der Hund bettelte förmlich danach. Der Ball rollte auf dem Boden und stoppte direkt neben Connors Fuß. Er hob den Ball auf und in diesem Moment sah Fiona ihn. „Hi, Daddy“, sagte sie zu ihm und ihm wurde warm, als er es hörte. Connor steckte den Ball in seine Jackentasche und ging nach draußen…

“Ich glaube, er wacht auf”, hörte Connor eine helle Stimme sagen und er öffnete die Augen. Zuerst konnte er nur drei verschwommene Umrisse erkennen, dann wurde seine Sicht klarer. Anton, Peter und Lindsay hatten sich über ihm gebeugt und sahen ihn besorgt an. Wie Connor feststellte, lag er im Medizinischen Bett des Mobilen Labors. Sein Kopf schmerzte fürchterlich.
“Was ist passiert?”, fragte er und als er sich erhob, begann auch sein Nacken zu schmerzen.
„Sie sind draußen auf einer gefrorenen Pfütze ausgerutscht. Ein ziemlich übler Sturz“, erklärte Lindsay ihm und Connor tastete nach seiner Jackentasche. Für einen Moment hatte er geglaubt, dass er alles nur geträumt hatte, aber als er den gelben Tennisball in Händen hielt, wusste er, dass alles real war. Lindsay wunderte sich nicht allzu sehr über den Ball. Schließlich hatte sie nicht erlebt, was er erlebt hatte.
„…aber wir sind froh, dass es Ihnen jetzt wieder besser geht“, fügte Anton hinzu und Connor sah verwirrt durch die Runde.
„Was… ähm…“, begann er, „Was halten Sie davon, wenn Sie sich über die Feiertage frei nehmen?“
Jetzt war das Team noch verwirrter. Hatte sich Connor bei seinem Sturz etwa ernsthaft verletzt?
„Wie lange genau haben wir frei?“, fragte Peter nun und Anton wagte es nicht, ihn zu unterbrechen. Schließlich hatte auch er an Weihnachten besseres vor, als diesen Fall zu bearbeiten.
„Wir besprechen am dritten Januar alles weitere am Telefon“, entgegnete Connor und sofort waren Anton und Peter hinausgegangen. Er war mit Lindsay alleine. Sie sah ihn noch immer ein bisschen ungläubig an, weil sie nicht verstand, warum er plötzlich alle nach Hause schickte. Gespannt beobachtete Connor jede einzelne ihrer Bewegungen, als sie für Anton noch einige medizinische Instrumente wegräumte. Sie war so eine atemberaubende Frau, dachte Connor sich. Verwirrt ging Lindsay an ihm vorbei und er überlegte für eine Sekunde ob er sie zurückhalten sollte und…
Seine Reflexe waren offenbar schneller als sein Kopf, denn er griff nach ihrem Handgelenk, zog sie in seine Arme und küsste sie. Lindsay erwiderte den Kuss.
„Wofür war das denn?“, fragte sie atemlos, als er sich von ihr gelöst hatte.
„Ich weiß nicht“, meinte er, aber das stimmte nicht. Er wollte dass seine wundervolle Zukunft mit ihr so schnell wie möglich begann. Und er hatte große Lust, mit ihr zu verreisen.
„Außerdem war es längst fällig, dass ich dich küsse, schon vergessen?“
Natürlich erinnerte sie sich noch an letztes Jahr, wie sie gemeinsam auf der Holzbrücke standen und sich beinahe geküsst hätten.
„Ich hab mich gefragt, ob du Weihnachten immer noch mit mir verbringen würdest? Vielleicht…  können wir uns auch eine Auszeit nehmen und in den Urlaub fahren… In den Süden, vielleicht“, er lächelte sie an und hatte nicht erwartet, dass sie nickte: „Das würde ich sehr gerne.“ Sie fand wirklich, dass das sehr gut klang.
Gemeinsam gingen sie zur Tür. Sie waren die Letzen, die das Mobile Labor verließen. „Es schneit“, stellte Lindsay fest, als sie draußen war und eine Schneeflocke schmolz in ihrer Handfläche. Das war seit sehr langer Zeit das erste Weihnachten, an dem es schneite. Und sie war glücklich…

Fin
 
 
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