Wenn keiner hinsieht

von Eilith
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Draco Malfoy Harry Potter Pansy Parkinson
01.12.2010
01.12.2010
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Wenn keiner hinsieht

Disclaimer: Alle Charaktere gehören der Great Scottish Lady Rowling. Ich besitze keine Rechte und verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.
Pairing: HP/DM
Raiting: P12 Slash
Summary: Pansy Parkinson weiß nicht zu sagen, was Draco Malfoy dazu gebracht hat die Seiten zu wechseln, aber sie ist vielleicht dabei herauszufinden, was ihn seitdem auf der anderen Seite hält.
Kommentar: Ich weiß auch nicht warum, aber Geschichten über die beiden (H/D) aus der Sicht eines anderen haben es mir im Moment angetan. Deshalb dieser OS, der wieder eine Fortsetzung zu Nicht einmalig und Glücklich sein sein könnte, der aber hoffentlich auch ohne die anderen zwei Geschichten verständlich ist.  
Betas: Ein großer Dank und virtuelle Umarmungen gehen an Modesty, Kiyoshi und Oki-Chan, die mir alle drei die Hand halten mussten, damit dieser OS zu Ende gebracht werden konnte. Vielen Dank für eure Hilfe!
Edit: Überarbeitete Version 30.01.2012


Wenn keiner hinsieht


Pansy sah deutlich den Schatten an der Tür, der nach kurzem Zögern vollkommen geräuschlos in das Zimmer huschte. Nach einigen Schritten in den Raum hinein, trat die Gestalt in einen der schwachen Lichtkegel und sie hielt den Atem an. Harry Potters dunkle Haare, die immer noch wie bei einem kleinen Jungen in alle Richtungen abstanden, waren genauso eindeutig zu erkennen, wie seine Augen, die suchend von einem  Feldbett zum nächsten huschten und schließlich auf einem Bett zu ruhen kamen.

Als Potter sich langsam in ihre Richtung zu schieben begann, breitete sich in ihrem Magen ein ungutes Gefühl aus. Was, wenn Draco sich geirrt hatte? Was, wenn der Retter der Welt nicht bereit war ihr Unterschlupf zu gewähren und sie nun holen kam? Sie wollte sich bereits aufrichten und nach Draco rufen, als Potter plötzlich neben dessen Bett stehen blieb.

Verwirrt beobachtete Pansy, wie Potter sich auf die Bettkante setzte und sich dann umblickte. Im Dämmerlicht würde er sie kaum bemerken, trotzdem schloss sie vorsichtshalber die Augen. Sie hatte wirklich kein Bedürfnis Dumbledores Goldjungen zu dieser nachtschlafenden Zeit gegenüberzutreten. Draco hatte ihr erzählt, dass Potter und seine Truppe in einem geheimen Auftrag unterwegs waren und so wie Potter gerade aussah, war er vor kurzem von diesem Auftrag zurückgekehrt. Seine Hose war an einer Stelle eingerissen und an seinem Mantel erkannte sie eindeutig dunkle Flecken. Ob es sich dabei um Blut handelte, konnte Pansy nicht sagen.

Als sie ein Rascheln hörte, öffnete sie die Augen und spähte wieder zu Draco und Potter rüber. Letzterer hatte den Mantel abgelegt und war dabei seine Stiefel zu öffnen, was Pansy noch mehr verwunderte. Sie blickte zu Draco und verhinderte nur mit Mühe sich durch ein lautes Luftholen zu verraten. Draco lag mit offenen Augen und dem Gesicht zu ihr gewandt auf der Seite. Hinter ihm begann Potter, der mittlerweile nur noch in Unterhosen und T-Shirt bekleidet war, sich auf dem schmalen Bett auszustrecken und Pansy war sich sicher, dass sie diesmal laut nach Luft geschnappt hatte, aber Dracos Blick flog nicht zu ihr, wie sie es befürchtete. Stattdessen drehte sich Draco auf den Rücken, als Potter einen Arm um seine Hüfte legte und sah ihn an. Potter richtete sich auf einem Ellbogen auf.

„Hey“, flüsterte er nach einem Moment leise. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht wecken.“

Draco antwortete nicht darauf. Stattdessen beobachtete Pansy fasziniert, wie Dracos Hände erst Potters Gesicht umfassten und dann in Potters widerspenstigem Haar verschwanden. Potters Blick war auf Dracos Gesicht fixiert und Pansy wusste kein anderes Wort als ‚intensiv‘ um Potters Gesichtsausdruck zu beschreiben. Sie sah, wie Dracos Hände langsam über Potters Hals und Schultern glitten und dann seinen Rücken hinab fuhren und biss sich auf die Lippen. Sie wollte jetzt um keinen Preis der Welt die Aufmerksamkeit der beiden auf sich lenken. Potter schloss die Augen und Draco ließ seine Hände erst an Potters Seiten und dann über seiner Brust wieder nach oben wandern, wo sie verharrten.

„Ich bin ok, Draco. Wirklich“, sagte Potter schließlich ruhig und Pansy fragte sich, was das zu bedeuten hatte. Ob es wohl nicht das erste Mal war, dass Dracos Hände auf diese Art und Weise über Potters Körper glitten, ob Draco das immer tat, wenn Potter zurück kam, ob er – und der Gedanke ließ sie aus irgendeinem Grund schwer schlucken – immer auf diese Art sicher gehen musste, dass Potter heil und ganz war.

„Die Durchsage kam vor mehr als zwei Stunden“, sagte Draco ohne auf Potters Aussage einzugehen. Pansy grinste. Immer noch ein Slytherin, dachte sie erheitert. Nun musste sie nur noch herausfinden, was hier eigentlich gespielt wurde.

Potter strich mit seiner freien Hand eine Haarsträhne aus Dracos Stirn. „Ich musste noch zu Dumbledore.“ Seine Hand wanderte Dracos Gesicht entlang und er lehnte sich etwas weiter vor, sodass ihre Nasen aneinander rieben. Ihre Münder schienen sich jeden Moment berühren zu müssen, aber keiner der beiden überbrückte die letzten Millimeter, die noch zwischen ihnen lagen.

„Ich hab dich vermisst“, flüsterte Potter gegen Dracos Lippen.

„Natürlich hast du das“, erwiderte Draco nach einer Weile und klang dabei so wie der Draco, den Pansy von früher kannte. Nur, dass seine Bewegungen und wie sich seine Hand in Potters Hemd festkrallte nicht zu seinem hochmütigen Tonfall passen wollte. Zu Pansys Erstaunen schnaubte Potter daraufhin nur leise.

Dann beugte er sich vor und Pansy war sich nicht sicher, wem ein leiser Seufzer entwich, als Potters Zunge zwischen Dracos Lippen glitt. Eine Weile war es still, abgesehen von den unmissverständlichen Geräuschen zweier Menschen, die sich küssten. Pansy war verwirrt, oder besser gesagt; irritiert. Was in Medrods und Morganas Namen geht hier eigentlich vor? Sie schloss die Augen, ihre Gedanken rasten. Draco hatte nie Interesse an Jungen gezeigt. Aber wenn sie ehrlich war, dann hatte Draco den Mädchen in Hogwarts auch keine große Beachtung geschenkt. Sie war im vierten Jahr mit ihm zum Weihnachtsball gegangen, sie hatten getanzt und sie hatten Händchen gehalten, aber das war alles gewesen. So sehr sie sich auch gewünscht hatte, dass er sie küsste, es war nie soweit gekommen. Sie waren einfach Freunde geblieben, bis zu dem Moment, als der Krieg ausbrach. Dann hatten sie sich aus den Augen verloren.

Sie hatten sich nicht wiedergesehen, bis die Neuigkeit von Dracos Verrat an die Dunkle Seite bekannt geworden war, und sie anfing zu glauben, dass sie es vielleicht schaffen könnte den Krieg zu überleben. Wenn die ‚Ach-so-Guten‘ Draco in ihren Reihen aufnahmen, dann bestand für sie vielleicht auch eine Chance. Aber als der Kontaktmann sie schließlich zu einem Verhör vor den Orden geführt hatte, war ihr klar geworden, dass es nicht so einfach werden würde, wie erhofft.

Pansy dacht mit einem Schauer an all die Fragen, die sie hatte beantworten müssen. Warum sie auf die andere Seite wechseln wollte, war die schwierigste davon gewesen. Schließlich hatte Pansy nicht plötzlich Sympathien für Muggelstämmige entwickelt. Nein, sie war immer noch der Meinung, dass die Bräuche und Traditionen der alten Zauberfamilien von denen nicht verstanden und nicht hinreichend geehrt wurden. Es gab so vieles, was diese halben Zauberer mit ihrer Ignoranz kaputt machten. Aber sie wollte die Halbblüter deswegen nicht tot sehen. Und die Muggel … nun, im Grunde war es ihr egal, was mit denen passierte, solange sie selber von ihnen in Ruhe gelassen wurde.

„Du stinkst, Potter. Schon wieder. Du musst dir endlich angewöhnen zu duschen, bevor du bei mir auftauchst“, sagte Draco und unterbrach damit Pansys Gedanken an ihre Unterhaltung mit dem Orden. Kein Einzelfall also, das Auftauchen mitten in der Nacht.

„Mhmm“, murmelte Potter und vergrub sein Gesicht an Dracos Hals. Was er danach sagte, war für Pansy kaum zu verstehen, aber es klang verdächtig nach: „Müde… keine Lust… morgen.“

„Und weswegen glaubst du, sei das ein Grund meine Atemluft zu verpesten?“, fragte Draco.

„Deine Luft?“, lachte Potter. Lachte! Pansy konnte es nicht fassen. Seit wann brauste der Gryffindor nicht mehr bei jeder Kleinigkeit aus Dracos Mund auf?

„Mein Schlafsaal, mein Bett, meine Luft“, erwiderte Draco ungerührt.

„Hmmm… Was hältst du von meinem Zimmer, meiner Dusche und meinem Bett?“ Bildete sie sich das nur ein, oder war Potters Stimme tiefer geworden?

„Subtil wie ein Neandertaler, Potter.“

„Anders kommt es ja nicht durch deinen dicken Schädel.“

Bitte?“

„Ich sagte; du bist ja schließlich auch kein Mädel“ Pansy konnte ihn regelrecht grinsen hören, dann richtete er sich auf. „Oder möchtest du vielleicht doch Rosen, Poesie und Geschenke bevor wir – hmpf!“ Der Rest des Satzes verlor sich in einem Stöhnen, als Draco ihn an den Haaren wieder zu sich runterzog und effektiv seinen Mund verschloss.

„Im Ernst“, sagte Potter, nachdem er sich von Draco gelöst hatte, und warf einen Blick durch das Zimmer. Pansy schloss eiligst die Augen. „Hier sind noch andere und – wer ist das da drüben?“, endete er wieder leiser als zuvor.

„Pansy.“

„Pansy … Parkinson?“ Potter klang vorsichtig und Pansys Herz setzte einen Schlag lang aus.

„Ja, ist das ein Problem?“, fragte Draco und Pansy wäre am liebsten aufgestanden und ihm um den Hals gefallen, weil er dabei so herausfordernd klang. Sie würde es nicht vergessen, oh nein. Sie würde ihn am nächsten Tag trotzdem mit Fragen löchern, aber sie würde nicht vergessen, dass er für sie einstand.

„Nein, aber ein weiterer Grund in mein Zimmer zu gehen“, antwortete Potter und hielt kurz inne, dann fuhr er mit tiefer Stimme fort. „Ich habe nicht vor leise zu sein, weißt du? Und du auch nicht. Und ein Silencio hält nur so viel aus.“

„Du bist so ein –oh Gott, Potter!“

Pansy setzte eine Mischung von ‚fasziniert‘ und ‚schockiert‘ auf die Liste ihrer momentanen Gefühlsregungen. Bei dem Gedanken, was genau die beiden da gerade im Begriff waren zu tun, spürte sie eine leichte Hitze von ihrem Hals bis zu ihrem Gesicht hochkriechen. Vielleicht war jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich bemerkbar zu machen.

„Mhm, das ist nett, Draco. Aber Harry würde auch reichen.“

„Arhg, Troll! Ich wollte Troll sagen! Und ich fasse es nicht, dass du wirklich diesen albernen Spruch bringst! … Ich dachte du bist müde?“

„Ich war müde.“

Pansy konnte Draco grummeln hören und während sie noch überlegte, ob sie laut husten oder die beiden ansprechen sollte, kündigte das Geräusch von zurückgeschlagenen Decken und ein unterdrücktes Fluchen an, dass Draco Potters Vorschlag annahm und sie sich zu dessen Räumen begaben.

Die zwei waren also – was? Zusammen? Irgendwie war die Vorstellung seltsam. Draco verhielt sich seltsam. Die ganze Situation gerade war seltsam. Und doch. So vertraut wie sich die zwei miteinander gaben, war das alles keine allzu neue Entwicklung. Pansy brannten tausende von Fragen auf den Lippen, aber ihr war klar, dass sie bis zum nächsten Tag damit warten müsste.

Als die Tür hinter den beiden ins Schloss fiel, drehte sich Pansy zurück auf die andere Seite. Sie wusste nicht, warum Draco vor einigen Monaten die Seiten gewechselt hatte, da er sich nicht dazu geäußert hatte. Aber vielleicht konnte sie nun herausfinden, was ihn seitdem auf der Seite des Lichts hielt.

*

Als Pansy am nächsten Morgen erwachte, dauerte es eine Weile bis sie sich in ihre Umgebung orientieren konnte. Dann erinnerte sie sich daran, wie Draco sie am Tag zuvor zu dieser Gemeinschaftsunterkunft geführt hatte, nachdem sie in der großen Halle ein karges Abendessen aufgetischt bekommen hatten. Als Pansy die Nase rümpfend in den spärlich eingerichteten Raum getreten war, erzählte Draco ihr, dass diese Art von Zehn-Bett-Zimmern, bei denen es sich um ehemalige Klassenzimmer handelte, für gewöhnlich von Informanten und Flüchtlingen bewohnt wurden, die nur kurze Zeit im Schloss blieben. Er hatte mit keiner Silbe erwähnt, dass er selber seit mehr als fünf Monaten auf diesen Pritschen, die es wagten sich Betten zu schimpfen, schlief und bisher der einzige dauerhafte Gast in dieser Absteige war.

Pansy schloss nochmal die Augen und dachte sehnsuchtsvoll an ihr früheres Himmelbett in den Mädchenschlafsälen, mit den weichen, weißen Kissen und den warmen, dunkelgrünen Decken. Als sie Draco fragte, was aus den Slytherinräumen geworden war, erzählte er ihr, dass dort nun die Krankenstation untergebracht war. Man hatte so viel wie möglich in die unteren Etagen des Schlosses verlegt, da die Türme seit dem letzten Angriff nicht mehr bewohnbar waren und der Schutzschild, der um die einstige Schule lag, immer kleiner wurde.

Pansy seufzte und öffnete wieder die Augen. Ihr Blick fiel auf Dracos leeres Bett und plötzlich waren die Ereignisse der vergangenen Nacht wieder in all ihrer detailtreue da. Draco und Potter... Wer hätte das gedacht?

Aber vielleicht interpretierte sie auch zu viel in das, was sie gesehen hatte, hinein. Vielleicht war das alles nur eine Ablenkung für Draco? Oder für Potter? Vielleicht war es ihre Art Stress abzubauen. Vielleicht hatte Draco Potter aber auch verführt, mit der Absicht seine Verbindung mit dem Wunderjungen nach dem Krieg zu nutzen um besser da zustehen. Schließlich war Draco ein Slytherin bis aufs Blut. Und ein Malfoy.

Sie würde ihn fragen. Aber zuerst würde sie einige Vorbereitungen treffen müssen.

*

Nach einem kargen Frühstück in der Großen Halle machte sich Pansy auf die Suche nach dem alten Klassenzimmer für Zaubertränke, das laut Draco nun als Labor diente. Ohne auf die finsteren Blicke einiger Schlossbewohner zu achten, schritt sie durch die verbarrikadierte Eingangshalle zu der Treppe, die in den Keller führte. Bis der Orden zu einer Entscheidung kam, hatte sie eingeschränkte Bewegungsfreiheit gewährt bekommen und niemand würde sie aufhalten. Die schmale Zauberfessel um ihr linkes Handgelenk würde dafür Sorge tragen, dass sie sich an die Vorschriften hielt.

Als sie nach einigen Biegungen endlich ihren alten Unterrichtsraum erreichte, öffnete sie ohne zu klopfen die Tür. Es hatte sich einiges verändert; verschwunden waren die Bänke und Pulte für die Schüler, stattdessen waren drei große Tische aufgestellt worden, auf denen ein wildes Durcheinander von Tiegeln und Töpfen, Kesseln und Zylindern herrschte. An den Wänden standen immer noch Regale voller seltsamer Zutaten, wie zu Snapes Zeiten, doch anders als bei dem Tränkemeister lag der Raum nun nicht mehr länger im Halbdunklen. Pansy ließ ihren Blick über das dampfende und zischende Wirrwarr gleiten und blieb an dem jungen Mann hängen, der mit dem Rücken zur Tür an einem der Tische stand und arbeitete.

Gerade als sie seine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte, machte er klar, dass es ihm nicht entgangen war, wer in der Tür stand. „Rein oder raus, Pansy? Aber mach die Tür zu“, sagte er ohne sich umzudrehen.

Sie schmunzelte und schloss die Tür hinter sich.

„Wo ist Granger?“ fragte sie.

„Wahrscheinlich mit dem Wiesel beschäftigt“, antwortete Draco und begann einige Zutaten in einen dampfenden Kessel zu kippen.

Eine Weile beobachtete sie ihn dabei, wie er weitere Zutaten kleinschnitt und überlegte, wie sie am besten mit ihrer Inquisition beginnen sollte.

„Draco, weißt du eigentlich, worauf du dich da eingelassen hast? Sie werden dich umbringen, wenn sie rausbekommen, dass du ihren Goldjungen verführt hast“, versuchte sie schließlich Draco zu provozieren, indem sie mit der Tür ins Haus fiel.

Draco drehte sich zu ihr um, sein Gesicht unbewegt und kalt. Nun, das war etwas, mit dem Pansy umgehen konnte. Sie hatte schließlich ihre gesamte Schulzeit in Slytherin verbracht. Von Draco würde sie sich nicht so leicht etwas vormachen lassen.

„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst“, sagte Draco und sah ihr geradewegs in die Augen.

„Oh, Draco“, lachte sie, „du hast ihn wirklich gerne, oder? Das hätte ich nie von dir erwartet.“

„Und was, Pansy, wenn ich fragen darf, hättest du von mir erwartet?“, fragte Draco übertrieben liebenswürdig.

„Du bist ein reinblütiger Zauberer. Und noch dazu der einzige Sohn der Familie. Du weißt ganz genau was ich erwartet hätte. Eine Hochzeit mit einer hübschen, vorzugsweise blonden Hexe mit tadellosen Familienstammbaum und vollen Verliesen in Gringotts. Und dann natürlich die Weiterführung der Familie –“

„Es gibt nichts, was sich weiterzuführen lohnt, Pansy“, fiel ihr Draco ins Wort und klang nun überhaupt nicht mehr liebenswürdig.  „Vielleicht ist dir das noch nicht aufgefallen, aber ich bin von meinem Vater enterbt worden für meinen Verrat an ihm und dem Dunklen Lord. Genaugenommen darf ich mich nicht mehr Malfoy nennen.“

„Deswegen Potter?“

Draco schüttelte den Kopf und wandte sich wieder dem Trank zu, der leise im Kessel vor sich hin brodelte. Eine Weile lang beobachtete sie ihn dabei, wie er Flussgras kleinschnitt.

„Du hast meine Frage nicht beantwortet“, sagte sie schließlich an seinen Rücken gewandt, als klar wurde, dass er sich nicht wieder zu ihr umdrehen würde.

„Ich wiederhole mich nur ungern, Pansy, aber ich habe keine Ahnung wovon du sprichst“, sagte Draco ohne sie eines Blickes zu würdigen.

Pansy lächelte. Ja, ganz der Alte. Verleugnen, solange es geht. „Ich verstehe“, sagte Pansy und schwieg einen Moment, um ihren folgenden Worten mehr Gewicht zu verleihen. „Ich konnte gestern übrigens nicht schlafen, weißt du“, sagte sie dann gespielt beiläufig und beobachtete amüsiert, wie Draco versuchte seine Schultern nicht verkrampft aussehen zu lassen. „Es ist erstaunlich, wie hell diese Leuchttaler sind, obwohl sie nur provisorisch angebracht wurden, findest du nicht auch?“

Draco hatte aufgehört das Flussgras zu schneiden und Pansy wartete gespannt auf seine Reaktion. Ihm war klar, dass sie ihn und Potter gesehen hatte. Die Frage war nun, wie er reagieren würde. Draco senkte langsam das Messer auf den Tisch und drehte sich dann zu ihr um. Er sah Pansy einen Moment lang kalkulierend an. Sie hob die Augenbraue als seine Hand in Richtung seines Zauberstabes zuckte, der neben dem Kessel auf dem Tisch lag.

„Das würde ich sein lassen, Draco. Ich hab die Erinnerung bereits extrahiert und verwahrt“, sagte Pansy und sah ihn ruhig an, in dem Wissen, dass die Glasflasche mit einer Erinnerung der vergangenen Nacht unter ihrer Matratze verstaut war. Ihre Vorbereitung hatte sich gelohnt.

Um Dracos Mundwinkel zuckte es kurz. „Slytherin.“

„Danke, aber mit Komplimenten kommst du nicht weiter“, erwiderte sie nonchalant.  Eine Weile standen sie sich so gegenüber. Schließlich schüttelte Pansy den Kopf und schnaubte leicht. „Du hast nicht nur meine Frage nicht beantwortet, Draco. Du hast auch nie geleugnet, dass du ihn gerne hast.“

Draco, das musste sie ihm zugestehen, zuckte mit keiner Wimper. Viele glaubten, dass Stolz bis hin zu Hochmut, sowie List und Tücke die hervorstechendsten Eigenschaften der Slytherins waren, aber sie wusste es besser. Sturheit und Eigensinn, das waren ebenso starke Attribute eines jeden Slytherinschülers. Und Sturheit war es, die Pansy jetzt nicht klein beigeben ließ, als Draco sie wieder mit diesem kalten Blick bedachte, der früher so viele Schüler verunsichert hatte.

„Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig“, sagte Draco schließlich, nachdem sie sich mehrere Minuten lang angeschwiegen hatten, und Pansy lächelte, weil sie wusste, dass das so gut wie ein Eingeständnis war. Und Draco wusste das auch. Ein wenig ihrer Anspannung ließ nach und sie ging auf ihn zu. Als sie vor ihm stand, legte sie ihm eine Hand auf den Arm.

„Versprich mir, dass du aufpasst, Draco.“

Er sah sie für einen Moment überrascht an. „Es ist nicht … Es ist nichts.“ Er zuckte leicht mit der Schulter und sah weg. Pansy erinnerte sich nicht, wann Draco das letzte Mal die Worte gefehlt hatten oder wann er jemals als erster den Blick abgewandt hatte.

„Nichts … Ernstes? Ich denke, dass du dir vormachst das zu glauben. Ich wünschte, es wäre wirklich so“, sagte sie. Aber ich denke, dass es schon lange nicht mehr ‚nichts‘ ist. Oh, Draco, du machst es dir nicht gerade einfach. Er sah sie an und Pansy hatte das Gefühl ihn zum ersten Mal seit sehr langer Zeit so unsicher zu sehen.

„Er ist ein Gryffindor.“ Draco hob spöttisch eine Augenbraue. Bevor er etwas einwenden konnte, fuhr sie fort. „Ich weiß, was du sagen willst. Aber in einigen Dingen hatte der Sprechende Hut letztendlich recht. Wir sind schlau und gerissen, wir sind auf unser eigenes Wohl bedacht. Wir vertrauen nicht jedem ohne weiteres und nicht einmal unseren Freunden bedingungslos. Und wir verschenken unsere Herzen nicht ohne Bedacht. Nicht wahr? Draco –“ Sie packte seinen Arm fester, als er sich von ihr abwenden wollte. „Wir sind nicht wie sie. Sie denken nicht nach, bevor sie handeln. Sie stürzen sich in Gefahren. Sie –“

„Das ist alles nichts Neues“, fiel ihr Draco ungeduldig ins Wort, aber sie fuhr unbeirrt fort.

„Sie sind mutig und selbstlos und wahrscheinlich würde jeder von ihnen sich opfern, wenn es dem Großen Wohl dienen würde.“ Sie grinste, als er bei ihren Worten mit den Augen rollte und schnaufte.

„Es ist einfach, sich von ihnen mitreißen zu lassen. Und Potter ist nicht nur irgendein Gryffindor, er ist DER Gryffindor.“

„Pansy, es ist…“ Er verstummte.

Sein Unvermögen den Satz zu beenden ließ sie schwach lächeln. „Nichts, hm? Dann verrat mir eins, Draco. Was wirst du tun, wenn er von einem Einsatz nicht mehr zurückkommt?“

Das brachte Draco dazu den Kopf mit einem Ruck zu heben und sie anzustarren. „Er ist der Auserwählte, nicht wahr?“, fragte sie leise. Und plötzlich, für einen Augenblick nur, sah Draco so verloren aus, dass Pansy einen Schritt weiter auf ihn zuging und ihre Hand an seine Wange legte. Als Draco daraufhin seine Augen schloss, glaubte sie beinah den Schmerz zu fühlen, den sie für einen Moment in Dracos Blick gesehen hatte. Sie biss sich auf die Lippen. Oh Draco, warum musste es ausgerechnet Harry Potter sein?

Ein Räuspern aus Richtung der Tür riss Pansy aus ihrer Überlegung. Dracos Augen weiteten sich leicht. Noch bevor sie reagieren konnte, war Draco einen Schritt zurück getreten, so dass ihre Hand noch einige Sekunden in der Luft hängen blieb. Auf seinen Wangen breitete sich ein Hauch von Röte aus. Pansy starrte ihn an. Sie hatte Draco noch nie erröten sehen. Das war etwas, was sie und die Jungs nie geschafft hatten. Draco war nie rot geworden, egal wie sehr sie ihn geärgert hatten. Außer vor Wut und das war dann meistens Potters Schuld. Pansy drehte sich neugierig um.

Im Türrahmen stand niemand anderes als Potter, der sie beide mit einem betont ausdruckslosen Gesichtsausdruck musterte. Natürlich. Wer sonst? Einige Dinge ändern sich anscheinend nicht. Nur der Grund dafür.

„Stör ich?“, fragte Potter ein wenig zu höflich. Pansy grinste.

„Nein, überhaupt nicht. Wir sind nur zwei alte Freunde, die sich ein wenig unterhalten, nicht wahr Draco? Wir kennen uns schließlich schon ewig. Und es ist immer wieder schön aus dem Nähkästchen zu plaudern.“

„Pansy.“ Draco sah sie warnend an.

„Ich war grad bei Dumbledore. Er möchte dich jetzt gern sprechen“, sagte Potter.

Pansy nickte. Sie blickte noch einmal bedeutungsvoll zu Draco bevor sie auf die Tür zuging, in deren Rahmen Potter noch immer angelehnt stand und sie beobachtete. Als sie kurz vor Potter inne hielt, suchte sie seinen Blick.

„Brich ihm das Herz und ich brech dir alle Knochen“, zischte sie ihm so leise zu, dass Draco es nicht hören konnte. Potters Augenbrauen verschwanden unter dem dunklen Haar, das ihm in die Stirn fiel und sein Blick huschte zu Draco und zurück zu ihr. Dann nickte er.

„Pansy“, hörte sie Draco sagen. Er klang dabei nicht gerade glücklich.

Sie drehte sich noch ein letztes Mal zu ihm um. „Ach, übrigens, Draco? Bevor ich es vergesse – Es wäre nett, wenn ihr heute Nacht direkt zu Potter gehen würdet, um zu… duschen. Ein Mädchen braucht schließlich seinen Schönheitsschlaf.“

Bevor sie sich umwandte und an Harry Potter vorbei auf den Flur trat, konnte sie noch erkennen, wie Dracos Wangen rot wurden. Ha!


*

FIN

*
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