Lazy Town: Die Weihnachtsaufführung

GeschichteHumor / P6
Freddie Faulig Sportacus Stephanie
30.11.2010
04.04.2011
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„Liebes Tagebuch. Morgen ist bereits der erste Dezember. Onkel Meinhard wird dann die Kisten mit dem Weihnachtsschmuck vom Dachboden holen. Ich bin ganz aufgeregt! Ach, und stelle dir vor: Ich bin schon in Lazy Town! Eigentlich hätten wir noch Schule, aber leider hatten wir eine Grippewelle, so dass viele Lehrer krank geworden sind. Da hat man gleich beschlossen, die Ferien früher anfangen zu lassen! Ist das nicht eine tolle Nachricht? Bis auf die kranken Lehrer, natürlich. Hoffentlich werden sie vor Weihnachten wieder gesund...“

Stephanie klappte das Tagebuch zu und legte es auf ihren Nachttisch. Gestern war sie in Lazy Town angekommen und freute sich wie eine Schneekönigin, so lange bei ihrem Onkel und bei ihren Freunden bleiben zu können.  Und morgen begannen die Weihnachtsvorbereitungen. Wenn das kein Grund zur Freude war! Jedes Jahr am ersten Dezember überprüfte Herr Meintsgut alle Lichterketten und sonstigen Weihnachtsschmuck und überhaupt schien es, als würde sich pünktlich über Nacht ein Zauber über diese Stadt legen. Stephanie legte ihren Kopf zufrieden auf ihr Kissen. Alles würde wie immer sein, dachte sie. Jedes Jahr dasselbe, aber es war immer etwas Besonderes. „Aber ich glaube, dieses Jahr müsste man noch etwas tun, was das Ganze noch besser macht...“, murmelte sie. „Was könnte man tun, um dem Weihnachtsfest noch eine besondere Note zu geben?“ Sie beschloss mit ihrem Onkel darüber zu reden und das tat sie auch gleich am nächsten Morgen. Anfangs verstand er Stephanies Gedanken etwas falsch, so dass er gleich besorgt fragte: „Ist denn unser Weihnachtsfest nicht schon etwas Besonderes? Oder fehlt dir wirklich noch etwas?“ Er hatte schon ein bisschen Angst, dass seine Nichte abreisen könnte.

„Aber nein, Onkel Meinhard! So habe ich das doch nicht gemeint. Ich liebe unser Weihnachtsfest  so, wie wir es feiern“, sagte Stephanie und setzte sich an den Küchentisch. Meinhard atmete aus. „Ach Gottchen, da bin ich ja beruhigt! Ich dachte schon, du wolltest lieber wieder nach Hause!“
„Ich habe mir nur gedacht, dass wir noch etwas machen könnten. Nur habe ich keine Ahnung, was.“
„Wir könnten an dem Abend nach der Bescherung fernsehen. Du könntest dir doch einen schönen Film ausleihen, wenn du unbedingt möchtest.“ Stephanie schüttelte den Kopf. Ihr stand nicht der Sinn danach, an diesem besonderen Abend in die Glotze zu sehen und ihren Freunden bestimmt auch nicht. Meinhard kratzte sich nachdenklich am spärlichen Haarschopf. „Also früher haben wir...ihr könntet vielleicht....“
„Was?“
„Eine Theateraufführung vielleicht? Früher haben wir das regelmäßig gemacht, gerade an Weihnachten. Noch vor der Bescherung haben wir ein Stück aufgeführt und allen hat es großen Spaß gemacht. Nur leider haben wir diese Tradition irgendwann aufgegeben, weil keiner mehr Lust oder Zeit dazu hatte.“ Schon sprang Stephanie vom Stuhl auf. „Das ist es doch! Onkel Meinhard, du bist ein Schatz!“
„Da bist du mit Senta einer Meinung.“ Herr Meintsguts Wangen färbten sich leicht rötlich. „Wir sollten gleich morgen alle zusammentrommeln!“,rief das Mädchen begeistert, „Oh, hoffentlich machen alle mit! Das wäre so wunderbar!“,
„Und es würde euch sogar die Zeit bis Weihnachten verkürzen, noch ehe ihr es richtig merkt“, meinte der Bürgermeister. Am nächsten Morgen lud Stephanie ihre Freunde zu sich ein. So saßen alle im gemütlichen Wohnzimmer und der Bürgermeister verteilte Kakao. Für Sportacus gab es welchen ohne Zucker, damit er keinen Zuckerzusammenbruch bekam. „Und was hast du für eine Idee, Stephanie?“, fragte Sportacus erwartungsvoll. Sie erzählte und Senta schlug begeistert die Hände zusammen. „Du bist ein richtiges Goldkind, weißt du das? Damit würde eine alte Tradition wieder aufleben!“
„Genau genommen war es Onkel Meinhards Idee.“
„Wundervoll! Sie sind ja ein richtiger Engel, Meinhard, ein Weihnachtsengel!“ Der Bürgermeister wusste vor Verlegenheit gar nichts mehr zu sagen. „Was meint ihr dazu, Kinder?“, wollte Senta wissen. „Naja“, sprach Pixel wenig begeistert, „Wenn so etwas in der Schule stattfand, habe ich mich für die Rollen nie gemeldet. Ich habe mich nie getraut. Und für die Technik waren immer nur die Lehrer zuständig.“
„Ich habe mich schon mal für eine Rolle gemeldet! Aber nur einmal! Und es war öde!“, maulte Trixie.  „Und nie hat etwas geklappt. Und einmal hat mich meine Mutter tatsächlich in eine Theatergruppe stecken wollen. Es war genauso öde. Was sollen wir denn überhaupt spielen?“
„Die Weihnachtsgeschichte natürlich!“, schlug Senta vor. „Das muss zu Weihnachten einfach sein!“ Trixie stöhnte auf. „Och neee! Nicht diese olle Geschichte von den zwei armen Typen die herumlatschen und 'ne Bleibe suchen!“ Senta war etwas pikiert. „Wenn du Maria und Josef damit meinst: Genau daran dachte ich.“
„Das ist doch die Geschichte mit den Heiligen Drei Prinzen, die Geschenke bringen, nicht?“, fragte Pixel nach. „Wie – Geschenke?“, fragte Ziggy verwirrt. „Ich dachte der Weihnachtsmann bringt die Geschenke?“
„Erstens waren das Könige“, korrigierte Senta. „Und Zweitens gab es damals noch keinen Weihnachtsmann. Die Heiligen Drei Könige haben Geschenke überbracht, jeder von ihnen hatte eines für das Jesuskind. Dadurch entstand die Tradition, etwas an Weihnachten zu verschenken.“ Meinis Augen blitzten gierig auf. „Und was waren das für Geschenke?“
„Es waren Myrre und...“
„Aaahhh, ich weiß es!“, unterbrach Ziggy schnell und zählte auf: „Myrre, Minze und Salbei!“
„Wie kommst du denn auf sowas, Zwerg?“, fragte Trixie.
„Als ich heute mit meinem Papa einkaufen war, haben wir Zahnpasta gesucht. Und Papa hat eine gefunden und auf der Packung stand: „Mit Myrre, Minze und Salbei! Für die Gesundheit Ihrer Zähne!“ Das sind doch genau die richtigen Geschenke für das Jesuskind. Gesunde Zähne sind wichtig, auch wenn ich nicht weiß, ob das Jesuskind schon welche hatte.“
„Da magst du Recht haben und Myrre stimmt ja auch“, sagte Senta, „aber ich glaube mich stattdessen an Gold und Weihrauch zu erinnern.“
„Ach, Sie waren dabei?“, feixte Trixie. Jetzt mischte sich der Bürgermeister ein. „Ich hätte einen anderen Vorschlag, wenn es euch recht ist. Wenn ihr das Stück nicht spielen wollt, könnt ihr doch ein anderes nehmen oder sogar eines selbst schreiben.“
Die Kinder hoben neugierig die Köpfe. „Wie? Selbst schreiben?“
„Jeder könnte seine Ideen einfließen lassen und wir hätten automatisch ein Stück, dass nicht zu lang oder zu kurz und auch nicht langweilig wäre.“
„Wir sollten es zumindest einmal versuchen“, sagte Stephanie. Die Begeisterung flammte wieder auf, auch wenn Senta ein bisschen enttäuscht darüber war, dass die Kinder nicht die Weihnachtsgeschichte spielen wollten. Dafür wollte sie nach der Bescherung diese Geschichte wenigstens vorlesen. Sie empfand es als ihre Aufgabe und heilige Pflicht, diese Bildungslücke unbedingt schließen zu müssen.

Stephanie entschied, dass sich jeder einen Tag lang Gedanken machen sollte und dann würden sie wieder zusammen kommen um zu sehen, was sie an Ideen aufbringen konnten. Die einzige Bedingung war, dass es sich um Weihnachten drehen musste. So zerbrachen sich die Kinder wirklich einen Tag lang ihre Köpfe und trafen sich dann im Lazy Town Theater. Stephanie wollte  sich außerdem einen Überblick verschaffen und im Kostümfundus stöbern. Aber das Wichtigste waren zunächst die Ideen. Die Kinder saßen in der ersten Reihe, nur Stephanie stand auf der Bühne und hatte vor sich ein Mikrophon stehen, in das sie sprechen wollte. Sportacus stand neben ihr. Er war zu neugierig und wollte unbedingt mitbekommen, was sich seine Freunde ausgedacht hatten und bei den Vorbereitungen wollte er natürlich auch helfen.
„Wer möchte denn als Erster auf die Bühne und seine Idee vortragen?“, fragte Stephanie. Es herrschte Grabesstille. „Na kommt, Freunde! Wir sind doch unter uns!“
„Hier wird keiner ausgelacht oder beschimpft“, ermunterte Sportacus. „Ziggy, möchtest du?“ Ziggy schaute sich schnell um, so als hoffte er, noch jemanden mit seinem Namen zu finden. Dann sprang der Kleine vom Sitz und begab sich auf die Bühne. Sportacus zog das Mikrophon auf die richtige Größe. „Also meine Geschichte handelt von einem Lollipop!“ Pixel, Meini und Trixie kicherten. „Pscht!“, machte Stephanie. „Erzähle weiter!“
„Tja, der Lollipop war ganz allein und es gab einen Jungen der war auch ganz allein. Und an Weihnachten bekam der Junge den Lollipop als Geschenk. Und er war froh und der Lolli auch!“
„...Und wurde aufgegessen, oder was?“, rief Trixie. „Das ist ja zum Weinen!“
„Neeeiiiin, der Junge behielt den Lollipop und nahm ihn mit ins Bett und mit in den Sandkasten und zum Schwimmen, und nur manchmal schleckte er daran.“
„IIHHHH! Wie eklig! Und das soll jemand glauben?“
„Willst du meinen Lollipop sehen? So war das nämlich mit meinem! Es ist eine wahre Geschichte!“
„Ich glaube, mir wird gleich schlecht“, sagte Trixie und machte würgende Geräusche.
„Das hast du aber trotzdem gut gemacht“, fand Sportacus und er meinte es ehrlich. Immerhin ging es um Weihnachten und Freundschaft. Dann betrat Meini die Bühne.
„Meine Geschichte ist die Geschichte meines Lebens! Aber dafür brauche ich etwas Hilfe. Sportacus? Die Geschichte liegt hinten auf dem Tisch.“ Sportacus trat von der Bühne und kam kurz darauf mit etwas zurück, was den Umfang eines Warenhauskataloges entsprach.

Meini sah gebieterisch auf seine Freunde. „Lehnt euch zurück und horcht auf das, was ihr jetzt hören werdet! Eine unglaubliche Geschichte, angefangen von meiner Geburt bis zum heutigen Tag!“ Sportacus blätterte ein wenig ungläubig in dem Wälzer herum.
„Entschuldige die Unterbrechung, Meini. Aber hast du das wirklich an einem Tag geschrieben?“
„Ehrlich gesagt...“, er hüstelte verlegen, „habe ich das schon seit längerem im Schrank liegen. Ich hatte schon immer vor, meine Erinnerungen aufzuschreiben. Gestern habe ich nur noch die neuesten Ereignisse dazugeschrieben und es kopieren lassen. Würdest du es bitte für mich halten? Herzlichen Dank.“
Sportacus blätterte zurück. „Zumindest die ersten Seiten könntest du lesen. Ich denke, alles wirst du heute nicht schaffen.“ Meini räusperte sich. „Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten alles, was man sich für Geld kaufen konnte. Nur eines hatten sie nicht: Ein eigenes Kind. Und das wünschten sie sich sehnlichst. Als es endlich da war – oder besser gesagt, als ich endlich da war - da wussten sie, dass ich das schönste Kind sei, dass sie je gesehen hätten. Sie gaben mir den Namen Meini.“
„Wirklich sehr gut“, bewunderte Sportacus. „Das hört sich nach einer wunderschönen Geschichte an.“
„Es geht noch weiter! Noch am gleichen Tag wurde ich schon mit Geschenken überhäuft. Natürlich kann ich mich nicht mehr daran erinnern, aber laut meinen Eltern waren es...“
„Mal eine Zwischenfrage: Wo kommt denn darin Weihnachten vor?“
„Du musst dich etwas gedulden, Pixel. Aber ich habe jedes Weihnachten meines Lebens haargenau beschrieben.“
„Du solltest aber etwas eigenes erfinden und nicht dein ganzes Leben aufschreiben“, protestierte Trixie. „Ziggy hat auch schon etwas von sich geschrieben, er hat nur ein bisschen dazugedichtet.“
„Stimmt nicht!“, rief Ziggy sofort. „Es ist alles wahr...denke ich. Ich bin aber ziemlich sicher, dass mein Lolli vorher sehr einsam war.“
„Ob wahr oder nicht, dass ist doch nicht schlimm“, fand Stephanie. „Wenn man nichts eigenes erfinden kann, kann man auch etwas aufschreiben, was man selbst erlebt hat. Das finde ich sogar sehr gut! Aber Meini: Ich muss dir trotzdem leider sagen, deine Geschichte ist viel zu lang. Das Vorlesen dauert schon Jahre! Kannst du es nicht kürzen? Vielleicht bis auf den Teil, in dem Weihnachten vorkommt...“

„Kürzen? Mein Leben kürzen? Wie stellst du dir das vor? Aber schön, wenn ihr kein Interesse habt...du kannst mein Werk wieder auf den Tisch legen, Sportacus! Banausen! Unholde!“ Meini trat beleidigt ab und Pixel traute sich als Nächster. „Ich dachte an Außerirdische, die an Weihnachten ein paar Menschen zu sich auf ihren Heimatplaneten mitnehmen um ihnen zu zeigen, wie sie Heilig Abend feiern. “Stephanie nickte aufmunternd. „Das hört sich gut an! Und weiter?“
„Aber auf ihrem Weg durch das All stürzt das Raumschiff ab, und zwar auf einen anderen fremden Planeten und das Schiff zerbricht in tausend Teile! Alle sind unverletzt, aber sie müssen die Teile zusammensuchen. Der Planet ist unterteilt in Wüstenbereich, Unterwasserwelt und Sumpfgebiete,  aber mit Hilfe eines Cheats – also einem Code – kann man einige Bereiche überspringen....“
„Du hast nicht dabei zufällig an Videospiele gedacht, oder?“, bemerkte Stephanie.
„Also um die Wahrheit zu sagen: Nein.“ Die Kinder sahen sich in der ersten Reihe verblüfft an.
„Also heißt das“, begann Trixie, „dass du im Grunde immer an Videospiele denkst, selbst wenn du nicht daran denkst. Denke ich da richtig?“ Pixel sagte nichts. Ihm blieb nur der Mund offen stehen. „Wie geht es denn weiter?“, wollte Stephanie wissen. „Tja, also äh – ich dachte an ein fieses Spinatmonster als Endgegner. Der Weihnachtsmann kommt auch darin vor und hilft den Menschen und den Außerirdischen, das Spinatmonster zu besiegen...was meint ihr? Ich dachte, es sollte etwas Action drin sein.“ Stephanie sah skeptisch aus. „So ganz das Richtige ist es nicht. Jedenfalls nicht zu Weihnachten.“ Trixie war anderer Meinung. „Pixel hat aber recht. Action könnte wirklich nicht schaden. Ich habe da auch etwas in der Richtung geschrieben....“ Sie lief nach oben und drängte Pixel vom Mikrophon. „Ich dachte an Kung – Fu – Weihnachtsmänner! Fünf an der Zahl und...“
„Wo nehmen wir denn die Kung – Fu – Kämpfer her?“, fragte Sportacus ganz verschmitzt.
„Och, das machen wir schon. Wir haben ja schon mal dich! Und den Rest kriegen wir auch noch hin, wenn wir jeden Tag üben. Also die springen da so herum und müssen das Fest retten. Bloß gegen wen sie genau kämpfen, das weiß ich noch nicht. Wir könnten aber Pixels Spinatmonster dafür nehmen. Sagt schon, wie findet ihr die Idee?“ Stephanie versuchte sich krampfhaft vorzustellen, wie wohl so eine Weihnachtsaufführung auf die Zuschauer wirken könnte. Lebhaft sah sie die Kung – Fu – Weihnachtsmänner auf der Bühne  umherspringen und mittendrin im Getümmel ein Spinatmonster in Lebensgröße... ihr Onkel und Senta würden in der ersten Reihe sitzen und versuchen, Gefallen an dieser actiongeladenen Vorführung zu finden. Was ihnen mit Sicherheit schwer fallen würde, zumindest an Weihnachten. „Wir könnten echten Spinat nehmen!“, sagte Trixie. „ Wir nehmen einen großen grünen Ballon und füllen ihn damit! Und das Monster platzt dann am Schluss!“
In Stephanies Fantasievorstellung gab es einen lauten Knall, die Kung – Fu – Weihnachtsmänner sprangen nach allen Seiten auseinander und ein großer Schwall Spinat ergoss sich über die ersten Sitzreihen. Alle Zuschauer saßen im Spinatmodder, darunter Senta und Meinhard. Danach würde der Vorhang fallen, aber diesmal endgültig. Sie würden nie wieder ein Stück aufführen dürfen.

„Was guckst du denn so, Pinkie?“
„Also, naja...“ Meini erhob sich von seinem Platz. „Und du glaubst wirklich, dass soll besser sein als mein niedergeschriebenes Leben?! Spinatmonster! Da lachen ja die Hühner!“
„Dein niedergeschriebenes Leben ist langweilig! Da kommen doch überhaupt keine Monster darin vor!“, keifte Trixie.
„Woher willst du das wissen? Du kennst es ja noch gar nicht!“ Jetzt erhob sich Stephanie und bat um Ruhe. „Freunde! Jetzt lasst mal gut sein! Also ich denke, ihr alle habt euch große Mühe gegeben, aber ich fürchte, so ganz ist das noch nicht das Richtige. Ich glaube wir haben dabei etwas vergessen. Jeder hat etwas geschrieben, was ihm persönlich gefallen könnte. Aber wir haben nicht an die Zuschauer gedacht.“
„Wie meinst du das?“
„Pixel, ich meine, dass die Zuschauer lieber etwas anderes sehen möchten als Spinatmonster und Kung – Fu Weihnachtsmänner. Für uns mag das okay sein, aber meint ihr, dass das all die Leute sehen wollen? An diesem Festtag erwarten sie etwas anderes.“
„Und wofür, frage ich dich, haben wir uns die Mühe gemacht? Pinkie, du weißt wirklich nicht was du willst! Und ich habe keine Ahnung, was die Leute unbedingt sehen wollen!“
„Sie wollen etwas weihnachtliches, ist doch klar! Aber dass es so schwierig werden könnte, daran habe ich auch nicht gedacht.“ Trixie verzog mürrisch und ein wenig beleidigt das Gesicht. „Also weißt du – dann hätten wir gleich die olle Weihnachtsgeschichte aufführen können! Aber ohne mich!“
„Die Anfänge waren doch schon sehr gut“, beschwichtigte Sportacus. „Ziggy ging es um Freundschaft, bei Meini war es ein besonderer Wunsch, bei Pixel ging es um einen völlig anderen Weihnachtsbrauch und du Trixie, du hast auch etwas beigesteuert. Dir ist Weihnachten nämlich wichtig. Sonst würden deine Kung – Fu Kämpfer nicht versuchen, das Fest zu retten, oder?“
„Joar, da könntest du recht haben...“
„Na siehst du!“
„Was hattest du eigentlich für eine Idee, Stephanie?“, fragte Ziggy voller Neugier. „Dich haben wir ganz vergessen!“ Stephanie betrat ein wenig verschüchtert die Bühne. „Also ich habe überlegt und mir ist eingefallen, dass ich Engel sehr gerne mag. Und in meiner Geschichte geht es um einen kleinen Engel, der das erste Mal in seinem Leben mit den großen Engeln auf die Erde fliegt um dem Weihnachtsmann zu helfen. Er möchte sein Bestes tun, aber er bringt alles durcheinander, vor allem die Geschenke, und die Großen sind natürlich verärgert. Aber dann schafft er es schließlich doch noch und bringt alles in Ordnung, und alle haben ein schönes Fest.“ Stephanie sah von ihrem Blatt Papier auf. Im Saal war es ganz still geworden. „Ich dachte mir schon, dass es euch nicht so gut gefällt“, sagte Stephanie leise.
„Aber nicht doch!“, sprach Sportacus ganz gerührt, „Ich finde das sehr, sehr schön.“ Das Mädchen lächelte und fuhr zaghaft fort: „Ich hatte mir gedacht, dass es am Anfang oder in der Mitte des Stückes etwas lustiger zugeht, wenn der kleine Engel alles durcheinander wirbelt. Damit die Zuschauer etwas zum Lachen haben. Und später wird es ein ganz kleines bisschen traurig, weil der Engel den Mut verliert, aber am Ende wird alles gut. Das ist natürlich nur ein Vorschlag.“
„Aber bis jetzt der beste, den wir haben“, fand Trixie. „Auch wenn mir die ganzen Actionszenen fehlen.“
„Wenn die Engel und der Weihnachtsmann alle Geschenke einpacken und verstauen, könnte man da sicher einige Ideen einbauen. Es herrscht ja praktisch Chaos, weil alle so aufgeregt sind und die Zeit bis zum Fest so knapp ist. Da kann man bestimmt etwas Action einbauen.“ Trixie sah zu Pixel hinüber, der unentschlossen die Schultern zuckte. Meini war immernoch beleidigt und Ziggy  wusste auch nicht so recht, ob er ja oder nein sagen sollte. „Wir können aber erst mal weitere Ideen sammeln“, entschied Stephanie um ihren Freunden eine faire Chance zu geben. „Also ich habe mir den ganzen Tag den Kopf zerbrochen, und mir ist außer den Kung Fu – Weihnachtsmännern nicht viel eingefallen.“
„Sollen wir es denn vorerst mit Stephanies Vorschlag probieren?“, fragte Sportacus. „Noch haben wir Zeit. Sehen wir erst mal, ob wir damit klar kommen und wenn nicht, überlegen wir uns etwas anderes.“

Fast alle fanden es okay, nur Meini sagte noch immer keinen Ton und saß mit verschränkten Armen auf seinem Platz. Stephanie freute sich, dass ihre Geschichte bei fast allen vorläufig Anklang fand und sie war fest entschlossen, jeden zufriedenzustellen. Selbst Meini. Noch am gleichen Tag wurde versucht, das erste Kapitel auszuarbeiten. Sportacus half ihnen dabei. Es war ja nicht nur die Geschichte, die von Anfang an mit allen Einzelheiten ausgebaut werden musste. Da waren die Texte, die Requisiten, die Kulisse, die Beleuchtung und die Kostüme....Erst jetzt fingen die Kinder an zu begreifen, auf was sie sich da überhaupt eingelassen hatten. „Das kriegen wir schon hin“, ermunterte sie Sportacus, als er ihre mutlosen Gesichter sah. „Aller Anfang ist schwer, das ist klar. Wir müssen uns nur überlegen, wie wir das am besten und schnellsten mit den Kulissen und der Beleuchtung hinbekommen. Mal abgesehen davon, dass wir die Kulissen wahrscheinlich erst einmal bauen müssen, wenn wir nichts brauchbares im Theater haben.“

„Da könnte ich helfen. Ich könnte Baupläne für die Kulissen zeichnen und mich um alles technische kümmern“, bot Pixel an. Sportacus klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. „Von dir habe ich auch nichts anderes erwartet.“
„Die Kostüme!“, rief Stephanie. „Die müssen wir ja auch noch nähen!“
„Da könnten wir im Kostümfundus nachsehen“, sagte Sportacus. „Ansonsten müsste jeder selbst zusehen, woher er ein Engelskostüm bekommt, aber das ist ja nicht so schwer zu besorgen, denke ich. Notfalls müsste uns Senta helfen. Vorausgesetzt, wir wollen wirklich Stephanies Idee zu einem Bühnenstück umfunktionieren. Aber dabei muss es dann auch bleiben. Habt ihr euch denn schon Gedanken gemacht?“ Es sollte bei Stephanies Idee bleiben. Auch Trixie hatte nichts mehr dagegen. Aber sie bestand darauf, als Engel auch mal frech sein zu dürfen. Und Meini durfte den herumkommandierenden Aufsichtsengel spielen. Das fand er schon mal herrlich.

Nach zwei Tagen schaute Senta im Theater vorbei um sich nach den Fortschritten zu erkundigen. Da kam Stephanie gleich auf die Kostüme zu sprechen. „Nur für den Fall, dass wir nichts Richtiges finden – wir müssten allerdings noch alles genau durchsuchen...das Wichtigste wären allerdings die Engelskostüme.“
„Dann wäre es besser, wenn ich sofort anfange sie selbst zu schneidern“, meinte Senta. „Die müssen euch haargenau passen und ich glaube nicht, dass ihr alles finden werdet was ihr braucht. Man weiß auch gar nicht in welchem Zustand das alles ist. Unser letztes Theaterstück liegt schon so lange zurück. Seitdem wurden die Kostüme und Requisiten nicht mehr benutzt.“
„Sie würden die Sachen wirklich nähen? Wäre das nicht zuviel Arbeit?“
„Ich bitte dich!“, sagte Sente und lachte, „Ich mache das gerne und gerade Engelskostüme sind das Einfachste von der Welt! Da kümmere ich mich gerne drum! Also für jedes Kind eines? “
„Für Sportacus auch“, erklärte Stephanie, „er spielt nämlich zwei Rollen. Einmal den Weihnachtsmann und eben den obersten Engel, den Chefengel sozusagen.“
„Ohhhh...!“ Sentas Augen erstrahlten wie zwei Weihnachtssterne. Sie blickte Sportacus an und sah in ihm den perfekten Engel, mit goldenen Flügen und umgeben von Lichterglanz. „Ich war schon immer der Meinung, dass Sie etwas von einem Engel an sich haben“, meinte sie zu ihm schwärmerisch. „Ich sehe es schon ganz genau vor mir: Ein heller Lichtstrahl und wie Sie von oben auf die Erde herabsteigen - ich meine auf die Bühne - und im Hintergrund singt ein göttlicher Engelschor...“ Sie faltete andächtig die Hände. „Ob ich von oben herabsteige, das weiß ich noch nicht“, sagte Sportacus lachend.
„Doch, das müssen Sie! Ich bestehe darauf! Und es wäre schön, wenn auch die anderen Engelchen fliegen würden.“
„Mal sehen, was sich machen lässt“, meinte Pixel.
„Und wie steht es mit dem Kostüm des Weihnachtsmannes?“, fragte Senta.
„Zumindest das sollte im Theater zu finden sein, hoffe ich.“
„Und wenn nicht, kann ich noch immer eines nähen oder ich besorge woanders eines. Sag mir nur rechtzeitig Bescheid. Verlass dich nur auf mich, Stephanie.“ Danach lief die eifrige Sekretärin gleich zu Meinhard, um ihm alles brühwarm zu berichten. Er war sehr stolz auf die Kinder und freute sich mit Senta auf das bevorstehende Theaterstück, was sie am Weihnachtstag zu sehen bekommen würden. Bloß war es bis dahin noch viel Zeit und ein langer Weg voller Stolpersteine und Tücken. Und Freddie Faulig schwor sich, dass er alles tun würde, um ihnen den Spaß am Theaterspielen zu verleiden. Er holte sein Periskop von Meinhards Küchenfenster ein und grinste bis über seine beiden, abstehenden Ohren.

Es dauerte allerdings zwei weitere Tage bis endgültig feststand ob man die Kulissen und das Kostüm des Weihnachtsmannes selbst anfertigen musste. Im Lagerraum des alten Theaters lag alles kreuz und quer durcheinander und übereinander. Es war so wie Senta gesagt hatte: Niemand hatte sich in den letzten Jahren darum gekümmert. Doch Stephanie hätte nie gedacht, dass es so schlimm aussah. Wenigstens hatte der Bürgermeister darauf geachtet, dass das Gebäude nicht verkam, denn das alte Theater lag ihm sehr am Herzen. Bloß hatte er nie die Zeit gefunden, die Lagerräume zu überprüfen und alles gründlich auszumisten.
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