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MMFF - Die Kinder Oxfords

von Lilac
GeschichteAbenteuer / P12
18.11.2010
13.10.2011
5
8.168
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18.11.2010 526
 
Der glühende Sonnenaufgang gähnte ihr müde entgegen, als Selda Narrin ihren Kahn durch den Oxford Canal lenkte. Goldenes Licht flutete durch die Gassen Oxfords. Langsam regte sich das Leben am Hafen. Der stechende Rauch der Kohlewerft drängte sich dunkelgrau über das Kanalbecken. Befehle gellten zu Selda herüber. Ein Dampfer, beladen mit schweren Eisengerüsten keuchte vorbei. Ein Lastkahn entlud gerade panisch kreischende Schweine, die bald zur Schlachtbank geführt wurden. Der Kapitän pfiff Selda zu, als sie ihren Kahn zu nahe an den seinen brachte. „Gypter! Halt dich fern von meiner kostbaren Fracht, sonst wird sie verschmutzt!“, rief er mit rauer Stimme. Seine Mannschaft brüllte vor Lachen, die Schweine quiekten umso lauter. Selda spuckte verächtlich aus und konzentrierte sich wieder darauf, ihr Boot durch den Kanal zu lenken, der sich mit zunehmender Sonnenstrahlung mit Schiffen, Lastkränen und Fischerbooten füllte. Selda stieg der Geruch von geräuchertem Fisch in die Nase. Ihr Magen grummelte. Eine junge Fischerin lud gerade einen Haufen toter Fische auf einen Wagen, der auf direktem Wege zum Markt gebracht werden sollte. Dort profitierte man vom Kanal, von den Frachtern, die exotische Früchte, frische Kohlköpfe, Schlachttiere, die eine lange Fahrt über den Deutschen Ozean erdulden mussten, stechend scharfe Gewürze von den Gewürzinseln, kürzlich gefangene Süß- und Salzwasserfische, leckerste Gourmethäppchen aus Neufrankreich, Felle aus Sibirien, feinste Seidengewebe aus der Levante, den schönsten Schmuck aus Simbabwe und noch so vieles mehr zu den brytannischen Inseln brachten.
Der Sommer brach an und so war es am Hafen an der Zeit für den Pferdemarkt. Je südlicher Selda kam, desto lauter wurde das Geschrei der Händler, die glänzende Rösser, läufige Stuten und zierliche Fohlen an feine Herren oder grobschlächtige Züchter feilboten. Das war die beste Zeit für die Kinder. Sie ließen sich keine Gelegenheit entgehen, ein Pferd zu klauen, um einen kurzen Ritt zu erleben, bevor sie von den Händlern bestraft wurden. Einige Kinder konnten auch etwas Geld oder Essen verdienen, indem sie die Pferde hielten, die gerade verkauft wurden.
Selda ging in den Motorraum, um den tuckernden Motor auszustellen. Durch das Gedränge der Händlerboote würde sie nur schwer hindurchkommen, da wäre ein laufender Motor sehr hinderlich. Als sie wieder an Deck kam, um sich ans Steuer zu stellen, begann ein Aufruhr auf dem Pferdemarkt.
„Was ist denn los?“, murmelte Selda und zuckte zusammen, als ein hellbraunes Fohlen vor Panik blind beinahe in die Fluten stürzte, hätte ein Junge es nicht festgehalten.
Ihr Dæmon, der die endgültige Gestalt einer schlanken Gepardin angenommen hatte, schnurrte leise. „Eines der Kinder hat sich von hinten an eine Stute angeschlichen.“
Selda kraulte Riella hinter den runden Ohren. Das Schallen der Ohrfeige reichte über den Lärm bis zu ihnen, gefolgt von heftigem Geschrei des Mädchens. Selda grinste amüsiert. „Sie sind schon eine Plage, diese Kinder. Aber was wäre Oxford ohne sie?“
Die Gepardin schaute unter ihren langen Wimpern hervor, ihre Augen waren dunkel und hatten etwas Trauriges. Nicht etwa durch das leicht ironische Schimmern, eher wegen der schwarzen Musterung, die diese schöne Raubkatzenart so unverwechselbar machte. „Ja, was wäre diese Stadt nur ohne ihre Kinder?“

Ich hoffe, er gefällt euch. Ich bin immer noch offen für neue Charaktere, habe sogar noch zu wenige... Also, mischt mit!
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