Der Gott und sein Engel

von Xanokah
GeschichteDrama / P12
Konan Yahiko / Pain
14.11.2010
14.11.2010
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Pain/Konan bzw. Yahiko/Konan.

Das Pairing ist die absolute Liebe, allerdings mit dem Problem, dass Yahiko in der Form gar nicht mehr existiert. Ich habe versucht, die Problematik dieser Situation und Konans Gefühle darzustellen, das, was ihr durch den Kopf geht, wenn sie jeden Tag die Leiche ihres Geliebten betrachten muss.

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Regen



     Die Tropfen prasselten leise auf den Boden, erst schwächer, dann stärker.
     Menschen in bunten Regenmänteln huschten durch die engen Gassen von Amegakure, Läden wurden geschlossen und die zarten engelförmigen Papierfiguren vor der Gefahr des Nasswerdens in Sicherheit gebracht. Die Stadt wirkte durch den Regen noch trostloser, hoffnungsloser, als ohnehin schon. An einem Ort, an dem der Himmel tagein, tagaus, nur weint, gab es kein Licht. Doch die Leute verehrten den Regen, sahen ihn als das Geschenk ihres Gottes an, durch den herab fallenden Schauer zeigte er seine Präsenz, er beobachtet das Treiben des Volkes.
     Er selbst befand sich am höchsten Ort der Stadt, schutzlos den niedergehenden Strömen ausgeliefert und den Blick in die Ferne gerichtet, wobei seine Sicht gen Horizont durch die vielen Hochbauten stark eingeschränkt war. Er richtete seine Arme Richtung Himmel, um den Regen wieder etwas abklingen zu lassen. Denn er war sein Herrscher. Er, der Gott dieses verkommenen Landes.

     „Pain,“ raunte eine vertraute Stimme hinter ihm, „Komm bitte rein, es regnet.“ Die Silhouette einer Frau zeichnete sich im Schatten ab. Den durchaus besorgen Ton nahm auch der Angesprochene wahr, doch er blieb weiterhin unberührt, den Blick starr an einen unsichtbaren Punkt in der Ferne gerichtet, stehen. Die Frau trat einige Schritte nach vorn, ihre Kleidung sog sich augenblicklich mit dem herab fallenden Wasser voll und kleine Rinnsale liefen ihr die blauen Haare und das Gesicht herunter. Konan konnte dem Regen bei Weitem nicht so gut trotzen wie Pain, dem Herrscher über diesen, der seine Arme mittlerweile wieder vom Himmel abgewendet hatte und seinen Kopf leicht drehte, um die Frau mit den Augenwinkeln erfassen zu können. Ihr Blick glich dem Tonfall ihrer Stimme, ebenso beklommen starrte sie auf den Körper vor ihr, der nur mit dieser ausdruckslosen Geste erwiderte.

     Yahiko ist tot, das vor mir ist Pain, schoss es ihr durch den Kopf. Etwas, dass sie sich immer und immer wieder sagen musste, versetzte sie der Anblick ihres einst geliebten Freundes wieder in die Zeit zurück, in der sie mit Yahiko gemeinsam Tag und Nacht verbracht hatte. Doch diese Zeit war schon lange vorbei, vor ihr befand sich nicht mehr Yahiko, sondern Pain, Nagato. Er war der Kopf einer Organisation bestehend aus Kriminellen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Welt von ihrem Schmerz zu erlösen. Die Metallstäbe, die Piercings, mit denen Nagato diesen Körper lenkte, in seinem Gesicht und auch das Rinnegan waren ein Zeichen dafür, dass es sich hierbei nicht mehr um ihren Freund aus der Kindheit handelte. Und obwohl sie dies wusste, sie dies schmerzte, dass sich vor ihr nur die von Nagato gelenkte Leiche Yahikos befindet, bekam sie diese unerträglichen Gefühle für ihn jedes einzelne mal, wenn sie ihn ansah.
     Die beiden Augenpaare trafen sich erneut, Pain starrte noch immer mit diesem emotionslosen Ausdruck über seine Schulter, während Konan darauf hin gedankenverloren zu Boden blickte.
     Der Regen ließ langsam nach, nur noch vereinzelte Tropfen fanden ihren Weg von den Wolken bis herab auf den Grund Amegakures. Pain und Konan harrten auch weiterhin, unfähig ein Wort zu sagen. auf der weitläufigen Terrasse des Hochhauses, das Wasser tropfte ihnen die Mäntel, die Haare, das Gesicht herab. Kühle Blicke gingen von dem jeweils gegenüber aus, unendliche Minuten der Stille vergingen, nicht einmal mehr das Nieseln des Regens war noch zu vernehmen.
     
     „Yahiko...“ flüsterte die Frau, deren Gliedmaßen schwer wurden, hatte sie doch die Kunst des Papiers auf ihrer Seite und war deshalb den Strömen des Regens nicht sonderlich wohlgesonnen. Pain jedoch entgegnete nichts, stattdessen bewegte er seinen Kopf wieder in Normalposition und sein Blick glitt in die Ferne. Konan stieß einen lautlosen Seufzer aus und zog sich mit schwermütigen Schritten wieder in den Schatten des Daches zurück.
     Im Dorf waren die beiden als „Gott und sein Engel“ angesehen, gar angebetet worden. Dennoch hatte Konan im Augenblick nichts engelhaftes an sich, zum jetzigen Zeitpunkt war sie einfach nur ein triefendes Etwas mit einem zerbrochenen Herzen, dass mit der Tatsache leben musste, ihren Geliebten zu sehen und ihn doch nicht sehen zu können. Doch auch wenn sie Körper Yahikos und auch Nagato noch an ihrer Seite hatte, fühlte sie sich unnütz, allein. Nagato redete kaum noch mit ihr, die sechs Körper Pains zu kontrollieren, kostete ihn viel Kraft. Kraft, die er für Konan nicht aufbringen konnte. Kraft, die er benötigte, um Gott zu sein.

     Er hatte sich verändert. Sie hatte sich verändert. Doch der Himmel weinte unveränderlich weiter.

     Konan stand nun wieder unter dem Dach der grauen Terrasse, der Regen hatte mittlerweile gänzlich aufgehört. Gott und Engel hatten sich den Rücken zugewandt, der eine mit eisiger Kälte in der Brust, die andere erfüllt von Trauer und Wut gleichermaßen.
     Zu gern würde Konan sich umdrehen, ihre Gefühle preis geben, dieser seelenlosen Hülle von Yahiko gestehen, was sie wirklich empfindet. Doch ihr war bewusst, dass das Sprachrohr Nagatos keine Reaktion zeigen, egal, was sie auch sagen, was sie auch tun würde. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, sie biss sich die Unterlippe wund, sie war wütend über sich selbst, Yahiko ist damals nur ihretwegen gestorben und sie konnte nichts dagegen tun.
     Eine sanfte Brise wehte ihr die nassen Haare ins Gesicht und einzelne Tropfen bahnten sich den Weg über ihre Wangen bis hin zum Hals herab. Ob es sich dabei um ihre eigenen Tränen oder die von Amegakure handelten, vermochte sie selbst nicht zu sagen.


     Gedankenverloren blickte sie weiterhin zu Boden, sie stand noch immer unter dem Dach der Terrasse, Pain dem Rücken zugewandt. Die Kleidung noch immer vom Regen durchnässt, begann sie vor Kälte zu zittern, der aufkommende Wind schlug ihr den Kragen ins Gesicht. Sie versuchte, einen Schritt nach vorn zu gehen, um sich ins Innere des Gebäudes zu begeben, doch etwas hielt sie auf. Ein, nein zwei, Arme umschlungen sie von hinten und jemand drückte sie fest an sich. Das  eisige Metall der Piercings drückte sich an ihren Hinterkopf und ihr Herz stockte, als sie den warmen Atem Pains auf ihrer Haut fühlte, und ein Schreckenslaut drang aus ihrem Mund. Die Umarmung strahlte jedoch keine Wärme aus, sondern in ihr stieg noch mehr Kälte auf, als zuvor.  
     Etliche Augenblicke verbrachten sie dort stehend, wortlos, Pain konnte keine Emotionen zeigen, auf Konans Gesicht waren Trauer und Sorge zugleich zu erkennen. Die Zeit schien still zu stehen, der Wind war kaum mehr spürbar, in diesem Moment existierten nur ein Gott, welcher sein Gesicht in den Haaren des Engels vergrub und dessen Flüstern für niemand anderen, außer für Konan, bestimmt war. Sein Mund streifte ihr Ohr, während er ihr kaum hörbare Worte schenkte.
     
     Konan blickte verwundert auf, versuchte sich aus dem Griff Pains zu lösen, wehrte sich dagegen. Pain jedoch tat keinen Gedanken daran, Konan gehen zu lassen, stattdessen packte er sie an den Schultern und riss den Körper des Engels herum, so dass die beiden sich nun wieder gegenüberstanden. Pain sah sie durchdringend an, seine Augen fixierten sich auf die ihren, Konan wich dem Blick jedoch aus und starrte weiterhin zu Boden. Er nahm eine Hand von Konans Schulter und legte die Finger dieser unter das Kinn des Engels. Der Gott Amegakures hob ihren Kopf und starrte in die müden Augen des Engels, in deren Gesicht sich Unwohlsein abbildete.
     Konan trat einen Schritt zurück, Pain jedoch zog sie weiter zu sich hin und presste seine Lippen auf die ihren. Sie erwiderte den Kuss nicht, löste sich jedoch auch nicht von ihm. Ihre Gedanken schweiften augenblicklich ab, sie schloss ihre Augen und stellte sich vor, dass der noch lebende Yahiko sein vom Regen durchnässtes Gesicht, seine feuchten Lippen auf die ihre würde. Der Arm, der bis eben noch auf ihrer Schulter lastete, schlang sich um ihren Rücken und drückte sie noch fester an den Körper ihres Gegenüber.

     Sobald sie die Augen wieder öffnen würde, würde sie nicht Yahiko vor sich sehen, sondern Pain. Und davor hatte sie Angst. Sie fragte sich, warum Nagato so etwas tat, er wusste doch, wie sehr es ihr weh tat und wie sehr sie das alles gerne vergessen würde. Und trotzdem war er es, der diese Wunde wieder geöffnet hatte. Nagato war es, der durch diesen Körper Konan diese Zärtlichkeit schenkte, die sie schon viel zu lange nicht mehr gespürt hatte.

Sie wusste, dass es falsch war und doch wollte sie, dass dieser Moment nie enden würde.

Ihre Augen blieben geschlossen.
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