Der Preis des Glücks

von Sanrah
GeschichteRomanze / P12
02.11.2010
24.04.2013
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An diesem herrlichen Morgen verwehte ein frischer Wind die schmackhaftesten Gerüche, die aus der Schlossküche drangen, bis in die letzten Winkel des Schlosses.
Ein kleiner blonder Lockenschopf bewegte sich in seinen Federbetten angesichts des sich ankündigenden Frühstück. Binnen weniger Minuten war das energiegeladene Bündel aus dem Bett direkt in seine Kleider geschlüpft und schnurstracks im Eiltempo die Treppe herunter gerannt.
Doch das kleine Mädchen hatte die Treppe noch nicht ganz überwunden, als sein Blick eines der Fenster streifte und etwas auf dem Schlossvorplatz seine Aufmerksamkeit erregte.  
Eine einsame Gestalt lenkte ihr Pferd gerade  in den noch menschenleeren Schlossinnenhof. Smeralda konnte zwar das Gesicht des ganz in Schwarz gehüllten Mannes nicht sehen, aber sie erkannte ihn sofort: „TARABAS!“
Wie ein aufgescheuchtes Huhn polterte sie die Treppe herunter, wobei ihre Eltern – sehr zu ihrer Enttäuschung – bereits über die Ankunft des Magiers unterrichtet worden waren.  
Kaum wollte Smeralda Fantaghiro und Romualdo einen ´Guten Morgen´ wünschen, ging auch schon die Tür auf und ein lang ersehnter Freund trat ein.
Smeralda ließ ihn nicht einmal ankommen, sondern sprang ihm auf der Stelle in die Arme. „Tarabs! Du bist wieder da!“ Das Mädchen kuschelte sich regelrecht in seine Arme, während der Magier ihre stürmische Umarmung liebevoll erwidert: „Ja, ich habe doch gesagt, dass ich euch besuchen komme.“
„Ja das hast du!“ lächelte Fantaghiro ihren alten freund an, nur um ihm wenige Momente später ebenfalls um den Hals zu fallen.
Diverse Aktivitäten hatten es veranlasst, dass sie sich nun schon ein Jahr nicht mehr gesehen hatten. „Willkommen Tarabas! Willkommen in unserem Schloss!“ Romualdo war hinzugetreten und legte dem Angekommenen eine Hand auf die Schulter. Ein dankbares Lächeln schlich sich auf Tarabas Gesicht worauf sich die Gruppe mehr und mehr in ihrem Gespräch verlor...

       
*Währenddessen bei Angelika*

„Vetter Tobalt, ich weiß was ihr meint, aber ich kann sehr wohl dieses Land regieren. Dazu brauche ich eure Hilfe nicht. Ich bin die Tochter meines Vaters und nachdem Rufus bereits in einem Kampf sein Leben gelassen hat, bin ich die rechtmäßige Thronerbin und mein Sohn nach mir.“ Tobte eine sehr ausgelaugt wirkende Prinzessin Angelika.
Ihr Vater war vor einigen Wochen verstorben und nun war es zum ende der Trauerzeit üblich den nächsten Thronfolger zu bestimmen. Rufus wäre der nächste gewesen, doch dieser war tot. Angelika selbst war noch nicht verheiratet und hatte auch keine Kinder und jetzt, wo der Magier, der für gewöhnlich still an ihrer Seite war, das verwöhnte Prinzesschen alleine zurück gelassen hatte, sah Tobalt seine Chance die verhasste Cousine endlich aus dem Weg zu räumen. Anscheinend war sie nicht gewillt sich freiwillig ihrem Schicksal als eine den Traditionen folgende Frau zu fügen.
Ein unterwürfiges Lächeln auf den Lippen verneigte sich Tobalt: „Verzeiht Cousine, ich wollte euch nur eine solche Last nicht aufbürden. Aber ich bin mir sicher, dass ihr es schaffen könnt. Verzeiht meine Kurzsicht. Vielleicht mögt ihr mich auf einen kleinen Ausritt begleiten? Ich meine die fische Luft würde euch sicherlich beruhigen.“ Als Angelika nach einiger Überlegung zustimmte, nickte Tobalt und geleitete sie aus dem Versammlungssaal.
In Gedanken beglückwünschte er sich zu ihrer Entscheidung. Alle Vorkehrungen waren schon im Voraus getroffen worden sie hatte nur noch ihre Zustimmung für den Ausritt geben müssen.  
Ihr Gespräch verlief nicht sehr tiefgründig. Es war mehr ein Austauschen höflicher Floskeln, als ein wirkliches Gespräch, aber das war sowohl Tobalt als auch Angelika sehr gelegen.
Tarabas war noch nicht einmal einen Tag weg und sie vermisste ihn, als habe sie ihn Wochen nicht gesehen. Ein leises Seufzen entfuhr ihr. Tarabas hatte ihr zwar versprochen bei ihr zu bleiben, dennoch fürchtete sie ihn zu verlieren, wenn er Fantaghiro nach so langer Zeit wiedersehen würde.  
„Halt!“ donnerte Tobalt so plötzlich neben ihr, dass sie vor Schreck fast aus dem Sattel fiel. „Warum schreit ihr denn so Tobalt?“ giftete Angelika, als sie einen Dolch unter der Nase spürte versagte ihre Stimme. Ihr blieb keine Wahl. Sie musste absitzen.
Hämisch grinste Tobalt sie an. „Da du nicht freiwillig deinen Platz räumen willst liebstes Prinzesschen muss ich wohl ein bisschen nachhelfen. Dein kleiner Magierfreund kann dir jetzt nicht mehr helfen.“ Aus einem anfänglichen Grinsen wurde ein hohles Lachen. Es gab keinen Ausweg. Angelikas Gedanken rasten. Sie musste einen Ausweg finden. Ihr Kleid erlaubte ihr keine großen Bewegungen, dennoch musste sie versuchen wegzulaufen. Ein beherzter Tritt und dann drehte sie sich um und begann blindlings in den Wald hinein zu laufen. Tobalt verfiel in ein überraschtes und ungalantes Fluchen, als er seinen Dolch in der Hand hinter Angelika her rannte. „So ein verfluchtes Miststück!“
Panisch drehte Angelika sich um. Der Verfolger hatte sie eingeholt. *Da der Fluss, wenn ich es über den Fluss schaffe, dann kann er mir nicht mehr folgen. Hilf mir Tarabas!!!* Mit letzten Kräften versuchte sie das Ufer des reißenden Stromes zu erreichen. Plötzlich gerieten ihre Beine ins Straucheln. „NEIN!“ Tobalt hatte nur ihren Umhang zu fassen bekommen und warf diesen achtlos zur Seite. „Nein! Lass mich!“ *Nur noch wenige Meter! Tarabas!“ Bei dem Gedanken an ihren Liebsten füllten sich ihre Augen nur noch mehr mit Tränen. Sollte sie ihn nie wieder sehen ?
Nur noch ein Schritt, dann würde sie das Ufer des Flusses erreichen und dann nur noch über die Steine und sie würde in Sicherheit sein. Nur noch ein Schritt... Da durchfuhr sie ein merkwürdiger Schmerz. Sie verlor das Gleichgewicht. Es war nur ein Schritt gewesen. Ein Schritt in die tosenden Fluten des Flusses.
Laut fluchend schmiss Tobalt den Zopf aus schwarzem Haar zu boden. Prinzessin Angelika war zwar verloren, aber er hatte sie mit eigenen Händen töten wollen. Nun blieb ihm nur noch die Genugtuung mit dem Haar und dem Mantel ins Schloss zurück zu kehren und über den tragischen Unfall zu beichten, um dann schweren Herzens ihren Platz einzunehmen.
 
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