Krähenschwingen & Engelsflügel

KurzgeschichteDrama / P12
Branka Fly
27.10.2010
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Als er seine Schwingen dem Himmel öffnete , seine schwarzseidenen Federn Abschied von der Erde nahmen , wollte er nur ihr nahe sein.
Wie lange sehnte sich Fly schon danach ?
Seit wie viel Jahren hegte er diesen Wunsch ihre Hand zu nehmen ?
Mit ihr zusammen durch das Tor zu schreiten , die ersten gemeinsamen Schritte in frischer Luft zu gehen ?
Der Welt sein vollendetes Geschöpf zu präsentieren , doch gleichzeitig , was sicherlich das Wichtigste für ihn darstellte ,  seinem Engel die Welt zu zeigen ?
Zum Teufel mit der Thronfolge ..
Die Studien zu den fesselnden Ereignissen der + Anima’s hatte er sich zur Lebensaufgabe gemacht.
Welche Gerüchte auch immer sich im Palast herumsprachen waren nicht weiter von Interesse , er lebte nur noch für die Arbeit.
Anders als den anderen war ihm Macht gleichgültig , das geordnete Leben im Sinne eines Königs kam für ihn keineswegs in Frage.
Niemand außer Meister Eiron teilte seine Ansicht der Faszination gegenüber den besonderen Menschen mit Tierfähigkeiten.
Und letztendlich hatte der junge Minister nur aufgrund des künstlich erschaffenen Wesens mit engelsgleichen Schwingen die Forschung so weit betrieben.

Fye verliebte sich in das anmutige , schlafende Engelswesen mit dem Namen Branka , wenngleich sie keinerlei Notiz von ihm nahm.
Trotzdem gab er nicht auf und ließ sein Verlangen nicht schwinden für ihre komplette Vollendung hart zu arbeiten.
Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht , dass ein besonderer Junge ihn zu seinem Wunsch verhelfen würde.
Erst als Meister Eiron ihm von dem am Tage geschehenden Erlebnis über das Baby , was von Geburt an ein + Anima war , erzählte , zogen Veränderungen in das Leben des blonden jungen Mannes ein.
An diesem schicksalhaften Tag erwachte Branka aus ihrem Schlaf , was den Forscher in große Euphorie versetzte und anscheinend Vorbote war für die bevorstehende Vollendung.
In vereinzelnden Nächten konnte er sogar beobachten , wie ihre schleierhafte Seele sich im Labor umher bewegte.
Nach kürzester Zeit kamen Gerüchte eines schwarzgeflügelten Babys im Umlauf , was im Kloster aufgefunden wurde.
Seitdem an wurde Fly das Gefühl nicht mehr los , dass Branka möglicherweise auf dieses Ereignis reagiert hat und nahm sich vor das zu untersuchen , indem er dem Kloster einen Besuch abstattete.
Als er Cooro , dem besonderen Anima , beim Aufwachsen zusehen durfte , spürte er als einer der Einzigen die Anwesenheit der Krähen und deren besondere charismatische Ausstrahlung , die auch Branka förmlich anzog.
Er machte sich die kindliche Naivität des Kleinen zunutze und bekam das besondertste Anima in seine Hände gelegt.
Nichtsdestotrotz mussten dafür noch ein paar Jahre vergehen.
Doch nun , wo Cooro endlich zurück gekehrt war und er sein Versprechen einlösen musste , lag es an Fly sich das abgelegte Krähengen selbst einzuverleiben.
Endlich nach so langer verstrichener Zeit , schweißtreibender Arbeit und wachsender Hoffnung war es ihm gelungen seinen Traum zu verwirklichen.
Auch Branka , die einer göttlichen Gestalt glich , fertig zu stellen.
Der Zeitpunkt war nun endlich gekommen , auch wenn er diesen nicht selbst gewählt hat , sich dem Himmel hinzugeben , von Sonne und Mond umwoben die ersten gemeinsamen Flügelschläge zu wagen.
Dies würde der Augenblick ihrer Vereinigung sein , endlich war er nicht mehr alleine.
Zwar waren seine Flügel noch recht instabil und noch nicht kräftig genug , doch er brachte jeden Kraftaufwand auf , um genauso anmutig beim Fliegen zu wirken wie sie es tat.
Doch Branka tat es wieder.
Ihr Interesse galt nur ihm , dem schemenhaften Kind , in dessen Körper von Anfang an eine Krähe ruhte.
Wie konnte sie nur , wo er doch nun die prächtigen schwarzen Schwingen , geschweige denn das Anima der Krähe in sich trug ?
Er griff nach ihrer Hand.

- Schau mich an ! Wenigstens einmal ! Sehe in mir das Krähen-anima , was die Anziehung auf dich ausübte ! -

Seine Hand erreichte ihre nicht.
Mit gesammelter Kraft versuchte er es erneut , immer wieder und sah plötzlich ihr lachendes Gesicht vor Augen.
Zum ersten Mal zeigte sie Emotionen !
Stand nun endlich die Vollendung bevor ?
Bevor er sie erfassen konnte , spürte er einen beißenden Schmerz in Rücken und Schultern.
Unglaubwürdig musste er mit ansehen , wie jedes der Federn sich von seinen Prachtschwingen löste und er somit in die Tiefe gerissen wurde.
Sein Traum schien unerreichbar
Jedoch entging ihm nicht , wie Branka sich derweil zu ihm gewand und ihn dezent in ihre Arme schloss , während sie gemeinsam Richtung Erdboden sanken.
Sein Herz quoll vor Glück regelrecht über und drückte all die Angst und den Kummer hinfort , schloss seine Augen und seinen geliebten Engel in die Arme.

„Branka ..
Ich bin so glücklich , weil ich mit dir den Himmel durchfliegen konnte ...
Bist du es auch ?“
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