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Herz des Anubis

von Liwen
GeschichteAbenteuer / P12
Kurtis Trent Lara Croft Zip
24.10.2010
21.08.2012
25
60.315
 
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24.10.2010 2.432
 
Zaghaft erwachte Lara wieder.
Das Erste, was sie bewusst wahrnahm, war, das sie auf einem Feldbett lag. Vermutlich und mit ziemlicher Sicherheit war es ihr eigenes.
Dann setzte sich jemand zu ihr und fühlte wohl ihren Puls am Handgelenk.
,,Lara? Hören Sie mich?” es war Leslies Stimme.
Langsam öffnete die Archäologin ihre Augen und blickte die Grabungstechnikerin an. Dann stemmte Lara sich abrupt auf die Ellenbogen: ,,Miss Schubert?”
,,Lara. Wie geht es Ihnen?” Es war Robert, der näher trat.
Lara setzte einen fragenden Blick auf: ,,Was ist passiert?” Sie wollte sich aufsetzen, doch Leslie hielt sie zurück: ,,Nein, bleiben Sie liegen. Sie haben vorhin das Bewusstsein verloren.”
,,Was?…” frage Lara, doch hörte auf ihren Körper, der sie zwang, sich wieder zurück zu legen. Sie schloss kurz die Augen, da ihr noch immer schwindelig war. Sie legte eine Hand an ihre Stirn und murmelte: ,,Verdammt!” Sie hatte die Sache mit Seth noch immer nicht wirklich verdaut.
Es war zwar schon eine Weile her, aber es beschäftigte sie wohl noch immer, das wurde ihr jetzt klar und sie wünschte sich, nie hierher gekommen zu sein.
,,Ich habe sie untersucht soweit mir das möglich war, doch ich konnte nichts besonderes feststellen, außer das ihr Blutdruck und ihr Kreislauf etwas verrückt spielen. Ich glaube Sie sind dehydriert. Sie sollten dringend unter den Bedingungen hier mehr Wasser trinken.” erklärte der Arzt.
,,Wie lange war ich weg?” fragte Lara noch immer etwas verstört.
,,Ein paar Stunden…” antwortete die Grabungstechnikerin, ,,…es ist jetzt kurz nach Mittag. Sagen Sie, wie fühlen Sie sich?”
Lara überlegte und nach einigen Sekunden antwortete sie: ,,Ich weiß nicht recht, ich…” dann brach sie ab, als wieder unangenehme Erinnerungen von ihrem letzten Abenteuer in Ägypten auftauchten. Sie schluckte da es sich anfühlte, als würde man ihr die Luft abschnüren.
,,Haben Sie das öfter?…” fragte Robert, ,,…Ich meine die Schwindelanfälle und die Bewusstlosigkeit und…”
,,Es ist schon okay, Doktor Williams…” unterbrach Lara, ,,…es geht mir gut…” sie verdrängte die Bilder aus ihrem Kopf, doch sah die fragenden Blicke des Doktors und Leslie.
,,Naja, Sie kennen ja die Geschichte. Die war damals immerhin lange in den Medien und…“ Lara brach abrupt ab und blickte die beiden an, da sie bemerkte, das es draußen zu leise war. Keine Arbeiter waren mehr zu hören. Dann fragte sie verwundert: ,,Wieso ist es hier so leise?”
Leslie und der Arzt tauschten wissende Blicke.
,,Was ist hier los?” fragte Lara, rutschte an der Grabungstechnikerin vorbei und stand auf.
Diese wollte sie zurück halten, doch der Arzt stellte sich ihr schon in den Weg: ,,Lady Croft, das wird Ihnen sicher nicht gefallen.”
Lara blickte ihn fragend an, ging jedoch an ihm vorbei und trat aus dem Zelt. Sie weitete die Augen
Niemand war mehr da...

,,Was ist hier los?…” fragte Lara fordernd, drehte sich zu dem Arzt und Miss Schubert um, die ihr gefolgt waren, ,,…Wo sind die alle?” Für einen kurzen, langen Moment glaubte Lara zu träumen.
,,Hören Sie, wir wollten es Ihnen sagen, sowie Sie wieder fit genug sind…” begann Robert, ,,…Kenneth hat Randan mit den Arbeitern nach hause geschickt und…”
,,Was?…” unterbrach Lara, ,,…Ja wie kommt er denn auf einen solchen Gedanken?”
,,Er ist mit Marianna in die Ruinen rein…” erklärte Leslie und Lara weitete die Augen und unterbrach die Frau fassungslos: ,,Bitte was? Ich habe das doch ausdrücklich untersagt!”
,,Ja, ja…” begann Leslie erneut, ,,…aber er wollte unbedingt nachsehen und wollte Sie ja aufsuchen, doch Sie waren gerade bewusstlos geworden und da hat er Marianna mitgenommen. Die Anderen hat er nach Luxor zurück geschickt, damit ihnen nichts passiert.”
,,Und wie lange sind sie schon weg?”
,,Knapp zwei Stunden.” antwortete Robert.
Lara seufzte genervt und nickte dann knapp.
Sie ging an den beiden vorbei, zurück in ihr Zelt und zu ihrer Reisetasche.
Dort nahm sie ihren Gürtel mit dem Wurfmagnethaken, der Taschenlampe, dem Kompass und den Pistolen an sich und schnallte ihn um ihre Hüften. Sie überprüfte den Sitz ihrer Holster und die Pistolen.
,,Was haben Sie vor?” fragte Leslie, die ihr mit Robert wieder gefolgt war.
Die Archäologin band sich die Haare zu einem hohen Pferdeschwanz und dabei sagte sie: ,,Ich werde die beiden zurückholen. Der Gang ist mehr als Einsturz gefährdet!”
,,Sie können da nicht rein gehen…” entgegnete der Arzt, ,,…Haben Sie vergessen, das sie vorhin zusammengebrochen sind? Ist halte das nicht für ratsam.”
Lara blickte ihn an: ,,Ich habe keine Wahl. Oder wollen Sie beide etwa dort hineingehen? Sie haben überhaupt keine Erfahrung in Gräbern oder Ruinen…Außerdem ist es zu gefährlich und das nicht nur wegen der Einsturzgefahr.”
,,Wieso?” hinterfragte Miss Schubert.
,,Ich habe das Relief beinahe fertig…” begann Lara und lud ihre Waffen durch, ,,…Im Groben heißt es so viel wie: Wer da rein geht, ist des Todes!”
,,Aber Mrs. Trent…” hielt Leslie dagegen, ,,…Sie glauben doch nicht etwa an alte Legenden und Warnungen an Mauerwänden? Ich denke nicht, das Sie ihre Waffen brauchen werden, es sei denn, Sie wollten Ken und Marianna erschießen.”
Lara fand ihr Gerede überhaupt nicht witzig: ,,Ich war oft genug an scheinbar verlassenen Orten oder Ruinen und war jedes mal wieder dankbar darüber, das ich es selbst in der Hand hatte, mein Leben zu verlängern und wie Sie ja wissen, bin ich heute der festen Überzeugung, das man auf alte Legenden oder Warnungen hören und ihnen mit Respekt begegnen sollte…” sie schluckte, ,,…Ich erwarte nicht, das Sie das verstehen oder glauben, aber vertrauen Sie mir bitte.”
,,Dann werden wir Sie doch lieber begleiten und…” begann Doktor Williams, doch Lara unterbrach ihn einfach: ,,Nein! Das Kuratorium hat mich hierher geschickt. Ich trage die Verantwortung! Sie beide bleiben hier, denn alleine komme ich schneller voran…Wenn etwas passiert, müssen Sie Hilfe verständigen…Das müssen Sie mir versprechen!”
Leslie nickte.
,,Ich finde das nicht gut, Lady Croft.” räumte Robert ein.
,,Ich weiß, aber ich werde mich nicht umstimmen lassen, das sollten Sie beide wissen.” hielt Lara dagegen.
,,Meinetwegen…“ schließlich nickte auch der Arzt.
Lara ignorierte den Brechreiz und zog los. Sie musste zwei ihrer Kollegen davor bewahren, etwas dummes zu tun…


Es behagte Lara nicht da hinein zu gehen.
Das wurde ihr deutlich bewusst, als sie die ersten Schritte tiefer in den uralten Tempelkomplex machte und schon ziemlich bald völlig von der Dunkelheit umschlossen war. Nur ihre LED-Taschenlampe am Gürtel spendete ihr Licht.
…Zum Glück hat Zip das Ding aufgerüstet…Der Akku hält nun viel länger am Stück, als zu Anfang…
Sie konnte deutlich die Spuren sehen, wo Kenneth und Marianna sich Zugang verschafft hatten. Es war also ein leichtes einfach ihren Fußabrücken zu folgen.
Die Archäologin schluckte und drehte noch einmal den Kopf zurück zum Eingang. Sie konnte, dank der Helligkeit draußen, am Eingang noch den Arzt und die Grabungstechnikerin erkennen und hoffte, das die beiden klug genug waren, um auch wirklich draußen zu warten. Denn Lara ahnte, das dies kein gutes Ende nehmen wird.
…Nur weil irgendwelche Neulinge mich imitieren müssen…
Sie schüttelte seufzend den Kopf, drehte sich wieder zur Dunkelheit und ging vorsichtig weiter. Der Gang führte recht schnell steil nach unten, jedoch wollte Lara die Wände gar nicht erst schief ansehen, denn sie befürchtete, das diese dann einstürzen würden.
…Der Bau hier ist mehr als einsturzgefährdet…
Das bewiesen die Risse an den Wänden und die teilweise losen Brocken des Fußbodens. Stetig rieselte Staub von der Decke und den Wänden, was bewies, das die Mauern dem ägyptischem Sand nicht standhalten wollten. Vermutlich war dieser Tempel hier einmal eins der höchsten Gebäude in der Stadt. Wenn nicht sogar das Heiligtum des Anubis. Die normalen Häuser und sonstige eher unwichtige Einrichtungen waren sicherlich viel tiefer unter dem Sand begraben. Aber diese würden schwer zu finden sein, da nun überall dort, wo einst Straßen waren, jetzt meterdicker Sand sich breit gemacht hatte. So war es also noch wahrscheinlicher, das sich die beiden Abtrünnigen in diesem einen Tempel hier befanden und nicht sonst wo hin kommen konnten, da wohl alle anderen Ausgänge unterirdisch lagen und der Sand ihnen den Weg versperrte. Folglich also würden Kenneth und Marianna ohnehin wieder den selben Weg zurück nehmen, wie sie rein gekommen waren.
Lara beschloss die beiden Möchtegern-Abenteurer hoffentlich schnell zu finden und schleunigst hier wieder raus zu flitzen. Sie gestand es sich zwar nicht wirklich ein, aber sie musst sich wirklich zusammenreißen und beherrschen, nicht einfach umzukehren, denn die Gänsehaut auf ihrem Rücken wurde mit jedem Schritt den sie ging größer.
Das beklemmende Gefühl in ihrer Brust, das ihr versuchte die Luft abzudrücken, war groß.
Es kam ihr so vor, als wenn der Gang immer enger werden würde.
Es kam ihr so vor, das die Dunkelheit neben dem Licht der Taschenlampe noch dunkler wurde und irgendwelche Schatten ihr folgten. Es kam ihr sogar so vor, als ob sie Schritte hörte, auch Geräusche von vorne und von hinten, die nur darauf warteten zuzuschlagen.
Lara schluckte abrupt und blieb stehen. Sie ballte die verschwitzten Hände zu einer Faust.
…Das bildest du dir nur ein, Croft. Hier ist niemand außer dir, Marianna und Kenneth…Verhalte dich gefälligst wie du selbst und nicht wie ein verängstigtes Kind, das Angst vor seinem eigenen Schatten hat…
Dann schüttelte sie den Kopf und ging weiter. Sie musste dringend etwas unternehmen, sobald sie Zeit hatte. Sie musste ihre unangenehmen Ängste von damals in Ägypten vergessen. Hier war nicht Edfu, hier war kein Seth, hier war kein…
Plötzlich wurde sie jäh unterbrochen in ihrem Gedankengang.
Ein Knall ertönte, ein gewaltiges Beben erschütterte den uralten Tempel. Es ging rasend schnell. Lara war gar nicht fähig zu realisieren, was geschah, da wurde sie auch schon von etwas großem, hartem getroffen und bewusstlos…

,,Au…” war das erste, was ihre Lippen wieder verließ, als sie zu sich kam. Sie blinzelte, schmeckte und roch Staub und Dreck.
…Genau wie damals!…
Lara wollte Luft holen, doch verschluckte sich und hustete heftig den Staub aus ihren Lungen. Sie musste sich nicht in Erinnerung rufen, was passiert war, das wusste sie.
Der Tempel war eingestürzt.
Sofort begannen ihre Hände an zu zittern. Sie schloss die Augen, wollte das alles nicht sehen und wollte es nicht wahr haben. Sie sah sich wieder in Edfu, eingeklemmt und mit gebrochenen Gliedern begraben.
Panik stieg in ihr auf und das nicht zu knapp. Ihre Atmung beschleunigte sich, genau wie ihr Pulsschlag. ,,Nein...bitte nicht, nein…”
Sie wollte jetzt am liebsten wieder in England sein, bei Kurtis. Weg von der eisigen Kälte unter dem heißen Wüstensand. Wäre sie doch nur nicht hier her gekommen.
Alles wurde ihr wieder bewusst.
Alles, was damals geschehen war, war nun wieder Hautnah.
Lara spürte alles wieder. Jede Empfindung, jeden Schmerz. Sie konnte ihren zitternden Atem und ihr laut pochendes Herz wahr nehmen.
Minutenlang war sie nicht fähig sich zu bewegen. Sie wartete auf den Schmerz, der ihr verraten würde, das sie sich sämtliche Knochen gebrochen hatte.
Hätte sie es gekonnt, wäre sie von den quälenden Erinnerungen davon gelaufen.
Dann jedoch besann sie sich, als der Schmerz nicht eintrat und beruhigte langsam ihren Atem. Es war nicht wie damals.
,,…Es ist nicht wie damals…“ Sie durfte nicht die Nerven verlieren, das würde eine Lara Croft nicht tun.
Sie musste sich aufraffen und sie musste die Anderen beiden finden, ob tot oder lebendig.
Lara schluckte noch einmal und begann dann zu überprüfen, ob sie noch ganz war. Sie öffnete die Augen wieder und sah das Licht der Taschenlampe, die noch immer an ihrem Gürtel befestigt war. Wieder musste sie leicht den Staub aus ihrem Mund husten.
Ihr wurde erst jetzt bewusst, als sie sich langsam aufsetzte das sie auf der Seite gelegen hatte. Ihre Stirn tat weh.
Lara tastete nach ihrem Kopf und erfühlte eine blutende Platzwunde.
…Deshalb also war ich im Traumland, aber wie lange?…
,,Na toll…” murmelte sie halblaut und stellte zugleich fest das sie teilweise unter Steinbrocken begraben war, die allerdings nicht so groß waren, als das sie sich nicht befreien konnte.
…Es ist nicht so, wie beim letzten Mal…
Diese Worte redete sie sich immer wieder ein, um sich zu beruhigen. Und es half, sie wurde ruhiger, ihr Kopf wieder klarer. Dieser pochte heftig, als sie sich nach vorne beugte und die Trümmer von ihrem rechten Bein drückte. Zum Glück war es schnell unter den Trümmern raus und als sie ihr Bein und ihren Fuß bewegte, stellte sie erleichtert fest, das nichts gebrochen war. Überhaupt schien sie dieses Mal gut davon gekommen zu sein.
…Mann  ( und Frau auch ) muss ja schließlich nicht jedes Mal Krankenhausreif sein…
Lara nahm die Taschenlampe in die Hand und leuchtete durch den Gang. Der Rückweg war versperrt und nach vorne konnte man, aber man musste durch Trümmer kriechen und klettern und sicher aufpassen, das nicht noch etwas einbrach.
Was war passiert?
Wieso war der ohnehin schon zerstörte Tempel eingestürzt? Waren es die Bewegungen, die Lara und die Anderen irgendwo taten oder hatten Kenneth und Marianna eine Falle ausgelöst? Oder waren die beiden so dumm, das sie am falschen Hebel gezogen haben?
Das waren alles Fragen, die danach schrieen beantwortete zu werden. Und Lara würde eine Antwort finden.
Vermutlich schon, sobald sie Ken und Marianna fand. Es war durchaus denkbar, das die beiden für den Einsturz verantwortlich waren. Doch trotz der Wahrscheinlichkeit und der Tatsache, das die beiden bei ihr schon fast `unten durch´ waren, wollte Lara keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es konnte auch etwas ganz anderes der Grund gewesen sein.
Die Archäologin schüttelte den Kopf und wollte diesen Gedankengang nicht weiterführen, da sie unweigerlich auf irgendeine antike Gottheit kam, die über diesen Tempel wacht und alle Eindringlinge zu Tode bringen will.
…Tja wenn man die Warnung auf der Steinplatte betrachtet…
Lara seufzte laut und stieß Luft aus ihren Lungen aus, dabei steckte sie die Taschenlampe, die mit einer kleinen rückziehbaren, stabilen Schnur zusätzlich fest gemacht war, falls sie mal abging, an ihren Gürtel zurück. Mit beiden Händen befreite sie sich das Gesicht von dem Staub und seufzte abermals. Musste eigentlich immer alles schief gehen, was sie anfing?
Wann hatte sie das letzte mal einen Job erledigt, der nicht irgendwie aus dem Ruder gelaufen war? Sie konnte sich nicht daran erinnern und es war ihr jetzt auch egal, denn sie musste diesen Job hier noch erledigen. Sie musste nach den Anderen suchen.
Also raffte sie sich langsam auf. Doch kaum stand Lara, fing die Welt sich an zu drehen. Abrupt hielt sie sich an den Trümmerteilen fest, die vermutlich einmal zur Wand gehörten, da sie das Gefühl hatte, zu fallen.
Sie schloss die Augen und atmete ein paar mal tief durch, um den Schwindelanfall zu überwinden. Und nach einigen Sekunden, war er genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war.
…Toll, mit ´ner Gehirnerschütterung in einer eingestürzten Grabstätte…Das kommt mir so bekannt vor…
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