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Herz des Anubis

von Liwen
GeschichteAbenteuer / P12
Kurtis Trent Lara Croft Zip
24.10.2010
21.08.2012
25
60.315
 
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24.10.2010 2.347
 
Auf dem Weg zum Hauptzelt, kam ihr Kenneth entgegen.
,,Oh, hallo Lara…” begann er und blieb bei ihr stehen, ,,…Haben Sie dem Relief schon etwas entnehmen können?”
Lara schüttelte den Kopf: ,,Nein, ich wollte mich gerade wieder an die Arbeit machen. Ich sage Ihnen bescheid.”
Kenneth nickte: ,,Okay…” gerade wollte er weitergehen, doch hielt dann noch mal inne und blickte zu Lara, ,,…Ach hören Sie…”
Die Archäologin blickte wieder zu ihm, denn auch sie war dabei gewesen ihren Weg fort zu setzen. Sie blickte ihn fragend und auffordernd an.
,,Ich habe die Fundstücke bereits alle katalogisiert und wollte mich mal in dem Durchgang umsehen. Ich werde ein paar Arbeiter mitnehmen, um mir ein genaues Bild davon zu machen.” erklärte er.
Lara hob eine Augenbraue: ,,Ich glaube, ich wurde missverstanden, oder?…Ich habe Ihnen doch geraten sich nicht dort hinein zu begeben, da es Einsturz gefährdet ist und schon gar nicht mit mehreren Leuten.”
,,Ja, aber bis Montag ist es so lange, ich werde mich umsehen, denn dann kann ich am Wochenende in Luxor alles besorgen, was wir brauchen, um den Gang abzustützen.”
Lara war es leid, Warnungen auszusprechen. Der Mann ihr gegenüber verhielt sich schon fast wie ein kleines Kind, das am Vorabend zu Weihnachten durchs Schlüsselloch spitzte, um seine Geschenke schon vorher zu sehen.
Sie gab nach, mit einem Seufzen.
,,Meinetwegen…” entgegnete Lara dann, ,,…Sie können da rein gehen, aber denken Sie an den Schutz der Arbeiter. Wenn etwas passiert, haben Sie den Kopf in der Schlinge, Kenneth.”
Der Historiker nickte: ,,Ich verstehe schon…Ich passe auf.”
Lara nickt ihm zu, drehte sich dann um und ging weiter zum Zelt.
Sie hätte Kenneth natürlich über Mariannas Benehmen einweihen können, aber sie ließ sich eben nicht auf Herumzickereien ein. Das war lediglich unprofessionell. Sie konzentrierte sich nun auf ihre Arbeit…

Stundenlang saß Lara an ihrer Übersetzung. Trotz des sehr guten Abzuges waren die Reliefs und Hieroglyphen schwer zu entziffern, da sie steinerne Wand alles andere als gut erhalten war.
Lara kam dennoch gut voran und ihr altägyptisch war nicht so eingerostet, wie sie gedacht hatte. Dennoch würde sie wohl bis tief in der Nacht daran sitzen, was auch nicht schlimm war, denn auf Grund der immer noch enormen Hitze, konnte man sowieso nicht gut schlafen.
Nach weiteren Minuten des hin her Übersetzens der Hieroglyphen, lehnte Lara sich auf ihrem Stuhl zurück und seufzte.
Dann legte sie den Bleistift zur Seite und hielt sich die Hand vor den Mund, da sie gähnen musste und doch ganz schön müde war. Es wunderte sie, denn sie war so oft schon so früh am Abend müde in der letzten Zeit. Überhaupt war sie ehrlich gesagt erschöpft, das musste sie sich eingestehen.
…Ich glaube, ich werde so langsam alt…
Die letzten Aufträge, die sie wie immer mit Perfektion gemeistert hatte, waren doch anstrengend gewesen. Zum einen die Bergung eines Schatzes für einen Privatmann in Japan, bei der es Lara, mal wieder, mit einer ganzen Horde Söldner der Yakuza zu tun bekam und zum anderen, kurz darauf die Suche nach einem antiken, griechischen Amulett für das britische Museum, die sich auch über drei anstrengende Wochen hingezogen hat, von der Meeresküste bis hin ins Gebirge Himalayas.
Wieder entkam ihr ein Gähnen.
…Nein, du wirst nicht alt, Croft…das bildest du dir nur ein…aber sieh zu, das du fertig wirst, sonst sitzt du noch an dieser Übersetzung bis du alt bist…
Lara schmunzelte kurz selbst, über ihren Gedankengang, doch blickte dann wieder auf den Schreibtisch vor ihr und zog verwundert die Augenbrauen zusammen. Sie suchte ihren Bleistift, der vermutlich unter all den Zetteln und Papieren irgendwo herum lag.
…Verdammt, vor einer Sekunde hatte ich ihn doch nocht…Wenn ich doch nur mal Ordnung halten würde, dann müsste ich mein Zeug nicht immer ausbuddeln…
Sie hob einige Zettel hoch, blickte auch auf den Boden, doch nirgends war ihr Bleistift zu sehen.
…Verdammt, wo ist das Ding?…Ich glaube, du wirst doch alt, wenn du jetzt schon nicht mehr weißt, wo du dein Zeug herum liegen lässt…
,,Wo ist das Ding?” fluchte sie halblaut.
Plötzlich dann, bemerkte Lara etwas eigenartiges vor sich und aus irgendeinem Reflex heraus blickte sie auf, nur um abrupt zurück zu zucken. Sie weitete die Augen und traute ihnen kaum, denn der Bleistift, den sie suchte, schwebte vor ihr in der Luft.
,,Was soll das denn?” murmelte sie nach einigen Sekunden in sich hinein, nachdem sie festgestellt hatte, das sie nicht träumte, sondern das Ding wirklich vor ihrer Nase herum tanzte.
…Was ist denn das jetzt?…Wo ist der Faden?…
Sie dachte einen Sekundenbruchteil daran, das sie irgendjemand auf den Arm nehmen würde, doch verwarf diesen Gedanken so schnell wieder, wie er gekommen war.
Der Bleistift sank derweil etwas ab, doch als Lara ihre Aufmerksamkeit wieder darauf richtete, hob er sich wieder.
Die Archäologin schluckte und blickte starr auf das kleine Etwas, das vor ihr schwebte. Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrem Rücken aus. Langsam streckte sie die Hand nach dem Bleistift aus, um ihn zu greifen, doch hielt erneut inne, als er sich auf sie zu bewegte.
Sie war sichtlich verwirrt und zögerte, da sie sich das nicht erklären konnte. War sie jetzt verrückt geworden? Bleistifte konnten nicht fliegen.
Sollte sie ihn nun nehmen oder nicht?
Die ganze Sache war ihr schon fast gruselig, jedoch gab Lara sich dann einen Ruck und griff nach dem Stift. Sie nahm ihn blitzschnell an sich und blickte sich um.
Niemand war hier.
Nichts war zu hören, außer die Arbeiter und Stimmen draußen vor ihrem Zelt.
Lara schluckte wieder. Starr blieb sie sitzen.
Was war hier passiert? Wieso hatte der Bleistift plötzlich zu schweben begonnen?
Wäre Kurtis hier gewesen, wäre die Antwort sicher klar gewesen, doch der Haken daran war, Kurtis war nicht hier. Er war irgendwo in England und Lara irgendwo in der ägyptischen Wüste bei Luxor und sicher reichten seine Fähigkeiten nicht so weit.
Was war das denn dann gewesen?
Waren es die Götter selbst, die diese Ausgrabungsstätte bewachen, als eine Art Warnung?
Lara verwarf den Gedanken, denn das erschien ihr einfach zu unlogisch. Ägyptische Götter neigen schon eher dazu Warnungen mit mehr Nachdruck zu hinterlassen.
Dennoch, etwas war da gerade passiert. Etwas, das Lara sich nicht erklären konnte.
…Moment…
Plötzlich kam ihr ein ebenso absurder Gedanke.
Der Gedanke war sogar so absurd, das sie ihn, obwohl sie ihn ebenfalls verwerfen wollte, doch zu Ende dachte.
War sie es etwa selbst gewesen?
Sie schluckte hart.
…Dieser Gedanke ist aber nun wirklich unrealistisch…Ich kann doch keine Telekinese…Diese Fähigkeit war noch nicht einmal wissenschaftlich nachgewiesen und Kurtis ist vermutlich der einzige Mensch auf Erden, der diese `Fähigkeit´ beherrscht…
Oder?
Dann zuckte Lara erschrocken zusammen, als ihr jemand eine Hand auf die Schulter legt.
,,Lady Croft!…” es war Kenneth Burnham, der neben ihr stand, ,,…Ist alles in Ordnung?”
Lara atmete aus und blickte den Historiker an: ,,Ja…” sie schluckte kurz, ,,…Wieso schleichen Sie hier herum? Sie haben mich ganz schön erschreckt, Kenneth…” sie legte sich die freie Hand auf die Brust.
,,Das war keinesfalls meine Absicht, doch Sie haben nicht auf mein Rufen reagiert und sahen nachdenklich aus. Nebenbei scheint es mir so, nach der Blässe und Ihren Gesichtsausdruck zu schließen, als hätten Sie einen Geist gesehen…Sind die Götter denn aus ihren Gräbern gestiegen?” Er blickte sich beiläufig um Zelt um, doch sah nichts, was Laras Blick verursacht haben könnte.
Lara schluckte wieder: ,,Nein, em… es ist alles bestens, ich habe nur über dem Relief gegrübelt. Es tut mir Leid, das ich abwesend wirkte. Was wollten Sie, Kenneth?” Seinen schlechten Scherz über die Götter, überging sie einfach mal.
,,Ich wollte Ihnen nur bescheid geben, dass das Abendessen angerichtet ist. Sie haben heute Mittag nicht viel gegessen, das sollten Sie nachholen.” erklärte er.
Lara nickte eifrig: ,,Ja, sicher, ich werde sofort nachkommen.”
Kenneth nickte leicht lächelnd, dann drehte er sich um und ging los.
Lara sah ihm nach und als er nicht mehr zu sehen war, blickte sie auf den Bleistift, den sie noch immer in ihrer Hand hielt.
Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht und das wusste sie nur zu gut…

Die darauf folgende Nacht verging nicht besser, wie die vergangene.
Die Archäologin hatte nach dem Abendessen nur noch wenige Stunden über ihrer Arbeit verbracht, dann war sie doch zu müde gewesen und zog sich in ihr Zelt zurück.
Jedoch an Schlaf war nicht zu denken. Trotz der leichten Schwindelanfälle, fand Lara keine Ruhe und wälzte sich von einer Seite auf die andere.
Sie dachte über vieles nach.
Über diese Ausgrabung hier, die Hieroglyphen und das, was sie bisher herausgefunden hatte und über das mit dem Bleistift, was ihr immer noch mehr oder weniger ein Rätsel war. Sie konnte es sich einfach nicht erklären und Lara hasste es, wenn sie keine Antwort parat hatte…


Am Frühstückstisch wurde natürlich wieder allerhand geredet.
Lara hörte, vor ihrer Tasse Tee sitzend, dem Geschwätz teilweise zu, obwohl ihre Gedanken abschweiften.
Heute war Freitag, also würden übers Wochenende nur Leslie, Marianna und der Doktor hier bleiben, um die Ausgrabungsstätte zu bewachen, während alle anderen, auch die Arbeiter nach Luxor fuhren.
Randan und die Arbeiter hätten frei und Lara würde sich wohl mit Kenneth um alles kümmern, was sie brauchten, um in die Ruine vorzudringen, bevor sich alle dann wieder am Montagmorgen treffen und hierher zurückkehren würden.
Nach dem Frühstück dann, waren Leslie und Lara an der Reihe den Abwasch zu machen. Wohl eine Regelung, damit Abwechslung in das Expeditionsteam kam. Jeder war mal an der Reihe mit putzen.
,,Mrs. Trent, kann ich Sie etwas fragen?” kam es dann von der Grabungstechnikerin, die, die stille unterbrach.
Lara blickte zu ihr und nickte.
,,Sie sehen irgendwie blass aus, schon beim Frühstück…Fühlen Sie sich nicht wohl?” fragte Leslie dann.
…Sind das hier denn alles Leute, mit Mutterkomplexen?…
Lara war es leid, das jedermann diese Frag an sie stellte. Erstens kannte sie diese Leute hier kaum und zweitens würde Lara es schon den anderen Mitteilen, wenn es ihr mal nicht gut ging, vorausgesetzt natürlich, sie wollte, das die anderen es erfuhren.
,,Ja, ich habe nur nicht gut geschlafen.” Lara wollte freundlich bleiben. Es hätte sowieso nichts gebracht, ihre Gedanken der Frau mitzuteilen, also gab sie in diesem Fall keine aggressiven, oder genervten Sprüche von sich. Bei Kurtis wäre das wohl etwas anderes gewesen.
…Moment, wieso komme ich jetzt auf Kurtis?…
,,Sie sehen ziemlich fertig aus. Auch gegessen haben Sie nichts und gestern nur das nötigste. Sind Sie krank?” plapperte Leslie weiter.
Lara blicket die Frau erneut an und zögerte kurz, dann schüttelte sie den Kopf und trocknete einige Teller ab, die Leslie gewaschen hatte: ,,Nein, ich bin kerngesund. Ich bin vermutlich nur die Hitze nicht mehr gewöhnt.”
,,Wenn es nur das ist…” begann Leslie und spülte weiter, ,,…aber wenn nicht, Robert wird sich Ihrer sicher annehmen.”
Innerlich verdrehte Lara die Augen über diese völlig überflüssige Bemerkung. Sie war Lara Croft, sie brauchte keine Hilfe. Sie würde so auch klar kommen, wie schon immer.
,,Danke, aber ich denke, das ist nicht…” Lara brach dann plötzlich abrupt ab, schloss die Augen, als ihr wieder schwindelig wurde und hielt sich an einem der Beistelltische, neben der Spüle an der Leslie stand, fest. Sie ließ das Geschirrtuch los und legte sich eine Hand auf den Bauch, da ihr urplötzlich schrecklich übel wurde.
…Woww…was ist denn jetzt?…
Lara schluckte und versuchte, den aufsteigenden Brechreiz zu besänftigen.
Die Grabungstechnikerin bemerkte das, trocknete sich die Hände ab und legte Lara eine Hand auf die Schulter, während sie erschrocken fragte: ,,Lara, ist alles okay?”
Die Archäologin wollte schon nicken, so wie sie es immer tat.
Sie wollte es herunter spielen, so wie sie es immer tat, doch dieses mal, war es völlig anders. Es ging ihr ganz plötzlich richtig dreckig.
Lara schüttelte den Kopf: ,,Nein…”
,,Geht es Ihnen nicht gut? Ich meine, wie kann ich Ihnen helfen?” fragte Leslie und musterte die junge Archäologin.
Lara schüttelte erneut den Kopf, als ihre Übelkeit groß wurde. Zu groß.
,,Oh, verdammt…“ murmelte sie, legte sich eine Hand auf den Mund, drehte sich abrupt um, und verließ das Zelt. Leslie folgte ihr besorgt…


,,Miss Schubert, es geht mir wieder gut!” beharrte Lara nach wenigen Minuten, auf dem Weg zum Hauptzelt, vorbei an den Ruinen, in denen die Arbeiter arbeiteten. Sie versuchte Leslie los zu werden, die ihr seit der Szene beim Abwasch gefolgt war.
Die Grabungstechnikerin ließ sich nicht so leicht abschütteln und wollte mit der Archäologin reden: ,,Nein, das stimmt nicht, Mrs. Trent und das sieht man Ihnen auch an. Lassen Sie sich untersuchen, ich denke, Sie sind krank.”
Lara hatte die Nase voll.
Gleich würde noch das ganze Lager wissen, das was abgelaufen war.
Ja, sie hatte sich gerade übergeben müssen und ja, es ging ihr nicht gut, aber was sollte sie tun? Das würde schon wieder vorbei gehen, wenn sie mal wieder eine Nacht durchschlafen würde.
Es machte sie einfach nur von Null auf Hundert wütend, das Leslie, eine Frau, die sie kaum kannte, ihr so nahe trat, also drehte sie sich zu ihr um und sagte sauer: ,,Miss Schubert…Es geht mir bestens. Bitte hören Sie auf…mich von meiner Arbeit abzuhalten und…und…” Lara brach ab, als ihr wieder schwindelig wurde und das nicht gerade zu knapp. Es war heiß. Lara fühlte sich elend, spürte die knallende Sonne und wie ihre Umgebung anfing zu verschwimmen. Sie blinzelte zwar einige Male in den Bruchteilen dieser Sekunden, doch alles blieb unscharf.
,,Mrs. Trent?”
Die Archäologin schloss kurz die Augen und fasste sich an die leicht pochende Stirn: ,,Mir…mir…wird so…” sie schwankte und dann wurde es vollends schwarz vor ihren Augen.
Leslie erschrak, als die junge Frau vor ihr den Halt verlor. Jedoch konnte sie Lara gerade noch auffangen, bevor diese in den Sand geschlagen wäre.
Behutsam kniete die Grabungstechnikerin sich mit ihr hin und hielt die nun bewusstlose Archäologin in den Armen. Sie versuchte sie zu wecken, doch Lara war vollkommen weggetreten.
,,Oh Gott…” Leslie schluckte und blickte auf, da einige Arbeiter, die aufmerksam wurden, näher gekommen waren, ,,…Holt Robert! Holt den Arzt!…” sagte Leslie aufgeregt zu ihnen und direkt eilte einer der Einheimischen los…
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