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Herz des Anubis

von Liwen
GeschichteAbenteuer / P12
Kurtis Trent Lara Croft Zip
24.10.2010
21.08.2012
25
60.315
 
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24.10.2010 2.160
 
Ohne Probleme kamen sie in Luxor an und bezogen ihre Zimmer im Hotel.
Es war bereits kurz nach fünf und Kurtis kramte in seinem Koffer herum, als Lara zu ihm kam und ihn anblickte: ,,Kurtis?”
,,Ja?” er wandte sich zu ihr.
,,Wenn du willst, dann können wir anfangen, wir brechen erst morgen früh auf.”
Der Lux Veritatis räusperte sich und klang unsicher: ,,Wills du das nicht verschieben, bis wir das hier hinter uns haben?…Es ist sicher nicht einfach.”
,,Ich weiß, das ich es mit deiner Hilfe schaffen kann, also, was muss ich tun, um Gegenstände zu bewegen. Nur daran denken? Bei der Vase hat es jedenfalls geklappt.”
Kurtis kam nicht drum herum zu grinsen und sagte: ,,Nein, so einfach ist es nicht und ich glaube kaum, das du es sofort beherrschen wirst, aber du lässt dich ja sowieso nicht davon abbringen…” er nahm ihre Hand und entfernte sich von der Couch…


,,Konzentriere dich…” erklang seien sanfte, ruhige, männliche Stimme in dem totenstillen Raum.
Es war dunkel um sie herum, da er den Vorhang vorm Fenster geschlossen und das Licht ausgeschaltet hatte.
Kurtis saß ihr gegenüber, auf dem Boden, ebenfalls im Schneidersitz und hielt ihre Hände: ,,Es ist wichtig, das du deine innere Ruhe findest…Erst dann kannst du die Kraft finden, deine Kräfte zu kontrollieren und dann…und nur dann…wenn du aufhörst mit deinem Willen zu sprechen, aufhörst etwas zu erzwingen, dann wird es dir gelingen...” Er musterte sie.
Lara hatte ihre Augen geschlossen und wirkte todernst.
Zwischen ihr und ihm lag das Chirugai. Sie sollte es bewegen.
,,…Beruhige deinen Atem…zügle ihn…lass alles los, an was du gerade denkst, versinke ganz tief in dir selbst…”
Noch zwei Sekunden lang lauschte Lara seinen Worten, doch dann brach das Lachen aus ihr heraus. Sie öffnete die Augen, löste sich von ihm und hielt sich die Hand vor den Mund: ,,Tut mir leid…” lachte sie laut, ,,…tut mir wirklich leid.”
Kurtis seufzte über ihren erneuten Stopp. Es war bereits der Dritte: ,,Lara, so wirst du es nie lernen. Versuch doch mal ernst zu bleiben…” er nahm wieder ihre Hände, ,,…Setz dich gerade hin, schließ die Augen und konzentrier dich. Da ist doch nichts witziges dran.” Er war schon leicht genervt. Seit fast einer vollen Stunde, saßen sie sich schon gegenüber.
Sie nickte mit einem Grinsen, doch kam seiner Bitte nach.
,,Okay, Lara, von vorne, verlangsam deinen Atem..du…” wieder wurde er jäh unterbrochen, als Lara zu lachen begann.
Kurtis stieß einen genervten Ton aus seiner Kehle, ehe er abrupt aufstand, an der noch immer lachenden Lara vorbei ging und das Licht neben der Zimmertür einschaltete. Ihrer beider Augen mussten sich augenblicklich an das helle Licht gewöhnen. Er drehet sich zu ihr und tadelte sie fast so, wie ein Vater seine Tochter: ,,So wird das nie was!”
Lara versuchte ihr Lachen in den Griff zu bekommen: ,,Entschuldige…ich weiß nicht, was in mich gefahren ist…” sie beruhigte sich und drehte sich zu ihm, ,,…Vielleicht sollten wir diesen ganzen `Ich-muss-mich-konzentrieren-meine-innere-Ruhe-finden´- Kram weg lasen und gleich zur Praxis schreiten.”
Er schüttelte den Kopf: ,,Das wird nicht funktionieren. Ja, wenn du diese Fähigkeiten mal so beherrschst wie ich, dann kannst du es einfach mal so machen, aber am Anfang eben nicht. Es funktioniert nicht.”
,,Das weiß ich nicht.” sagte sie schlicht.
,,Gut, dann zeig es mir. Lass das Chirugai schweben.” forderte er sie auf.
Lara drehte den Kopf zu der goldenen Scheibe und fixierte ihren Blick darauf. Sie stellte sich vor, wie das Chirugai sich erhob.
…Komm schon…flieg…oder wie auch immer…tu was…los!…
Doch es tat sich nichts.
Ein leichtes Seufzen verließ ihre Lippen nach langen, erfolglosen Sekunden mit der Erkenntnis, das Kurtis recht hatte. Entmutigt ließ sie die Schultern hängen und hörte Kurtis wieder näher kommen. Dann trat er auch schon in ihr Blickfeld und ließ sich auf die Bettkante nieder, er sah zu ihr herab.
,,Hab ich es nicht gesagt?”
Lara sah noch immer vor ihm auf dem Boden: ,,Kurtis, es tut mir leid, aber wenn du jemanden willst, der seine innere Ruhe hat, dann hast du die Falsche. Dieser Meditationskram ist nichts für mich, ich habe einfach keine innere Ruhe, egal was ich auch mache. Ich kann einfach nicht so herum sitzen und an nichts denken und entschuldige nochmals, aber, wenn ich weiterhin so ganz, ganz ruhig atmen muss, da werde ich Ohnmächtig, weil ich mich selbst einschläfere.” Sie sah ihn wieder an.
Er grinste kurz auf: ,,Na meditieren hat ja auch im Grunde damit zu tun.”
,,Und dann, wenn ich also `eingeschläfert´ bin…” sie machte gestikulierende Formen mit den Fingern, ,,…wie weiß ich dann, was ich tun muss? Ich kann mir auch gar nicht Vorstellen, wie du das machst oder mal gemacht hast. Du hättest nach dieser Methode hier anfänglich ja Stunden gebraucht, um deine Fähigkeiten zu benutzen und was wenn dein Leben davon abhing? Ich meine, man muss doch in Sekundenbruchteilen darauf zugreifen können.”
,,Ja…das konnte ich…” entgegnete er, ,,…du bist eben anders. Du bist innerlich…einfach…” er suchte nach dem richtigen Wort, ,,…unruhig. Beschäftigt dich vielleicht noch irgendetwas?”
Lara überlegte, dann sagte sie nach einigen Sekunden: ,,Nein. Gut, außer vielleicht mein aktueller Job, der darauf wartet abgeschlossen zu werden.”
,,Du musst das abstellen, das habe ich dir doch gesagt. Du darfst an nichts denken…” Kurtis schluckte, ,,…du musst beim ersten Mal zuerst herausfinden welchen Schalter du umlegen musst, um deine Kräfte zu aktiveren. Wenn du es einmal geschafft hast, dann weißt du, wie es funktioniert, zumindest theoretisch.”
,,Theoretisch?”
,,Ja, bei mir war es anders, vergiss das nicht. Mir wurde das alles schon in die Wiege gelegt und wahrscheinlich wusste mein Körper dann, was zu tun war. Deiner eben nicht und du auch nicht. Du wehrst dich wahrscheinlich unterbewusst gegen deine neuen Fähigkeiten, deswegen bist du so unkonzentriert und deswegen hast du sie auch nicht im Griff.”
Seine Erklärung war ihr einleuchtend.
,,Ich muss zugeben, das es mir schon noch etwas schwer fällt und wirklich unrealistisch vorkommt. Ich fürchte mich wohl gerade vor mir selbst ein wenig.” meinte Lara nachdenklich.
Kurtis nickte, dann fragte er: ,,Willst du es noch einmal versuchen?”
Lara nickte ebenfalls und ermahnte sich diesmal im Geiste, sich nicht wie ein kleines Kind zu verhalten, sondern mit Ernst und Respekt an die Sache ran zu gehen.
Der Lux Veritatis stand erneut auf, um das Licht aus zu schalten und dann wieder, genau wie vorhin, vor der Archäologin platz zu nehmen.
,,Bereit?” fragte er, als sie sich eindringlich ansahen.
Lara nickte abermals nur und griff seine Hände. Sie wusste genauso gut wie Kurtis, dass das, also die Verduneklung im Raum, der Schneidersitz und die Berührung ihrer Hände, alles nur dazu da war, Lara zu helfen. Bringen würde es nichts, es hatte keinerlei Einfluss auf das Geschehen. Es sollte Lara dadurch lediglich leichter fallen, sich zu konzentrieren. Ob sie es letzten Endes schaffen würde, lag nur an ihr allein.
,,Schließ die Augen…” forderte Kurtis. Sie tat es…

Abrupt brach sie ab, das leichte Triumphgefühl es geschafft zu haben, schwand augenblicklich und Lara fasste sich mit beiden Händen an die Schläfen, als ein heftig stechender schmerz in ihr explodierte. Das Chirugai fiel dumpf klappernd auf den Teppichboden zurück.
Kurtis grinste. Es hatte geklappt, sie hatte es schweben lassen, zwar nur für einige Sekunden, aber für den Anfang war es gut.
,,Aau!” stöhnte Lara und schloss die Augen, da alles in ihrem Schädel dröhnte und mit jeder Bewegung und mit jedem Reiz würde das dröhnen größer.
Kurtis rutschte näher zu ihr hin und fasste sie and en Oberarmen: ,,Du hast es geschafft…Keine Sorge, die Schmerzen sind normal, sie werden schon vorüber gehen.”
Lara stöhnte abermals auf und krümmte sich leicht nach vorne: ,,K…konntest du mich…nicht vorwarnen?…”
Er rieb besänftigend ihre Arme und schüttelte den Kopf: ,,Nein, denn dann hätte sich wohl dein Unterbewusstsein eingeschaltet.”
Lara wusste wie das Unterbewusstsein funktionierte. Es war dafür verantwortlich, das der Mensch sich selbst nicht verletzen oder gar umbringen kann.
,,Oh…Mann…” stöhnte Lara. Die Schmerzen in ihrem Kopf wollten nicht weniger werden, sie hielten an, vermischten sich mit plötzlich aufkommender Übelkeit.
,,Es ist normal. Bei mir war es am Anfang auch so. Das vergeht bist dein Körper sich daran gewöhnt hat.”
Lara schluckte und versuchte ruhig zu atmen: ,,Das…das erklärt wenigstens…warum es mir in Ägypten schon…so dreckig ging.”
Kurtis nickte: ,,Ja. Scheint wohl so…” er sah das ihre Schmerzen groß waren, ,,…komm, leg dich etwas hin, dann vergeht es schneller.” Er half ihr auf die Beine. Lara ließ es zu denn, ihr ganzer Körper schien weh zu tun.
Mühsam setzet sie sich auf´s Bett und legte sich augenblicklich zurück. Sie fasste sich an die Stirn.
Kurtis konnte sich ein bemitleidendes Grinsen nicht verkneifen: ,,Tut mir leid…” er hatte sich zu ihr gesetzt und hielt ihre Hand.
,,Schon gut…” die Grabjägerin atmete tief durch, ,,…es tut jetzt zu weh, als das ich dich mal wieder in einen Streit verwickeln und fertig machen könnte. Das vertage ich auf später.”
Der Lux Veritatis begann augenblicklich zu lachen und strich ihr über die Hand. Lara hingegen lächelte nur.
,,Hab ich etwa immer noch schlechte Karten bei dir?” fragte er amüsiert.
Lara zwang sich ein Lächeln auf und klang gespielt beleidigt: ,,Ja, jetzt wieder!”
Er lachte und wusste, das sie nur Spaß machte. Sein Blick ruhte in ihren Augen, er stich ihr eine Haarsträhne nach hinten: ,,Ich hol dir ein Glas Wasser okay?”
Sie sagte nichts, sah ihm zur zu, wie er aufstand, da das Dröhnen in ihren Ohren einfach zu laut war…


Nach einer halben Stunde, ging es langsam wieder.
,,Sicher?” fragte Kurtis, als Lara sich aufsetzte und die Beine vom Bett schwang.
Die Archäologin stand auf und nickte: ,,Ja, mein Schädel gehört wieder mir selbst.” Sie schenkte ihm ein leichtes Lächeln.
Kurtis stellte sich vor sie und sagte: ,,Magst du es noch einmal versuchen.”
Lara schüttelte den Kopf: ,,Nein…das reicht mir fürs erste. Du hattest mal wieder recht, Kurtis, es wird dauern, bis ich das im Griff habe und daher ist es nicht absehbar, ob vielleicht wieder etwas unvorhergesehenes passiert, aber das ist jetzt Nebensache. Wir haben jetzt wichtigeres zu tun.”
,,Willst du nicht warten, bis du das richtig beherrschst? Dieser Morris-Typ flitzt immer noch irgendwo herum, wahrscheinlich beobachtet er uns, ist uns…”
,,…af den Versen, ja ich denke das auch…” meinte Lara und sprach weiter, ,,…aber sei es drum, er wird über kurz oder lag, wahrscheinlich im letzten Moment auftauchen und ich werde bereit sein, genau wie Nate…” nach einer kurzen Pause, fragte sie, ,,…Hilfst du uns?”
Kurtis Blick hellte sich auf: ,,…Du…fragst, ob ich euch helfe?”
,,Würdest du zurückbleiben, wenn ich dich darum bitte…” stellte Lara fest. Sie wusste, das er es nicht tun würde und fügte dann hinzu: ,,Außerdem habe ich Nate an der Backe, nicht dass das schlecht wäre, aber ich habe nun mal gerne meine Ruhe wenn ich arbeite, aber wenn er schon mal mit geht, dann kannst du das auch tun…”
,,…zumal du nicht weißt, was Marianna tun wird und wann dieser Morris-Typ auftaucht und du jemanden brauchst, der dir vielleicht Rückendeckung gibt…” Kurtis grinste und deutete ihren Blick richtig, ,,…Nein, ich habe deine Gedanken nicht gelesen, nur eben richtig kombiniert.”
Lara lächelte: ,,Das kannst du ja schon richtig gut, was?”
Kurtis legte seine Arme um ihre Taille: ,,…Na, ich habe doch bei der besten gelernt.”
,,Gut, dann wirst du auch wissen, was ich jetzt tun werde…”
,,Du geht jetzt zum Nesthäkchen und ließt ihr die Leviten…” Kurtis grinste breit.
Die Archäologin lächelte ebenfalls und legte ihre Hände an seine Oberarme. Dann nickte sie: ,,Sie war so still, schon den ganzen Tag…”
,,Ist sie das nicht immer?” wollte er wissen.
Lara zuckte mit den Schultern: ,,Keine Ahnung, aber ich habe sie gestern wohl etwas zu heftig angefahren, weil sie nicht auf mich gehört hat und…” sie seufzte.
,,…Sie erinnert dich an sich selbst, oder?”
,,Ja…” antwortete Lara und sah ihm in die Augen, ,,…und das nicht zu knapp. Ich meine, ich war nie auf diesem Gothik-Trip aber vom Wesen her war ich genauso. Ein Einzelgänger, der in jeden Schlamassel gestolpert ist.”
,,Gut, das du mittlerweile erwachsen bist…sonst muss ich noch ernsthaft anfangen, auf dich aufzupassen, Mrs. Trent.”
Lara schenkte ihm erneut ein Lächeln: ,,Wer sagt dir denn, das ich erwachsen bin?…” sie näherte sich ihm, als wolle sie ihn küssen, doch kurz bevor sie seine Lippen berührte, schob sie ihn von sich weg, zeigte ihm so, das er es noch immer im Salz liegen hatte bei ihr, ,,…Ich bin dann mal weg.”
Kurtis lachte glucksend, warf kurz seinen Kopf nach hinten und seufzte, als er wieder zu ihr blickte: ,,Du machst mich echt fertig.”
Erneut schenkte sie ihm ein Lächeln, streckte sich schnell, hauchte ihm flüchtig einen Kuss auf die Wange und verschwand dann. Kurtis steckte seine Hände zufrieden in die Hosentaschen und blickte ihr diesen kurzen Moment noch nach. Mann, was liebte er diese Frau…
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