Schlaflose Nächte

GeschichteKrimi / P12 Slash
24.10.2010
30.03.2013
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Dieses Kapitel
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Hallo^^
Nachdem ich hier schon seit längerer Zeit angemeldet bin, aber nie wirklich aktiv war (von ein paar Reviews abgesehen) dachte ich mir, dass es Zeit wird, nun auch mal eine Geschichte zu posten. Als Fan von Krimis im Allgemeinen und dem Tatort Dream-Team Thiel/Boerne im Besonderen, bot sich natürlich dieses Fandom an.

Ach ja, bevor ich es vergesse. Mir gehören weder die Charaktere noch irgendetwas anderes. Ich bin nur ein Fan, der seiner Fantasie freien Lauf lässt…

Viel Spaß beim Lesen :-)


***


„Sagen Sie mal, Thiel, hören Sie mir überhaupt zu?“ Professor Boerne stand neben Hauptkommissar Thiel, der an seinem Schreibtisch saß und versuchte, sich auf den Bericht in seinen Händen zu konzentrieren.

„Hmm“, brummte Thiel ohne aufzusehen.

Boerne war inzwischen um den Schreibtisch herumgegangen, stand nun vor Thiel und wedelte mit einem Blatt Papier durch die Luft. Über den Rand seiner Brille blickte er ihn mit leicht hochgezogenen Augenbrauen und zur Seite geneigtem Kopf an. „Was heißt ‚hmm’? Bedeutet das nun ja oder nein? Sie müssen sich schon etwas konkreter artikulieren. Aber wenn es Sie nicht interessiert, was ich zu sagen habe – bitte, ich kann auch wieder gehen.“ Seine Stimme klang ein wenig eingeschnappt.

Thiel seufzte resigniert und sah auf. „Mein Gott, Boerne, was gibt´s denn so Wichtiges?“

„Danke, aber die Anrede ‚Herr Professor’ ist vollkommen ausreichend – weil Sie es sind.“

Frank Thiel war müde. Der Fall der ermordeten Studentin hatte ihn mitgenommen. So etwas passierte in Münster schließlich nicht jeden Tag. Das Opfer, Verena Falkenstein, war nicht nur eines gewaltsamen Todes gestorben, auch ihr Herz war nach allen Regeln der Kunst entfernt worden. Wenigstens war dies post mortem geschehen, wie er dem Bericht des Rechtsmediziners soeben entnommen hatte.

Thiel seufzte erneut. „Boerne! Ich habe noch zu arbeiten! Kommen Sie einfach zum Punkt.“

„Na gut.“ In der ihm eigenen Art stand Karl-Friedrich Boerne nun kerzengerade vor dem Schreibtisch. „Ich habe noch eine Ergänzung zu meinem Bericht. Verena Falkenstein war schwanger.“ Erwartungsvoll sah der Professor Thiel ins Gesicht um die Wirkung seiner Worte auszukosten.

„Na, hoffentlich sind Sie nicht der Vater. Schließlich hatte das Mädchen auch Ihre Pathologievorlesungen besucht“, brummte Thiel vor sich hin.

„Sind Sie eifersüchtig, Thiel?“ Diese Bemerkung konnte der Rechtsmediziner sich nicht verkneifen, er liebte die verbalen Scharmützel mit seinem Nachbarn. „Ach übrigens Thiel, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber ich bin kein Pathologe, ich bin Rechtsmediziner. Und ich halte auch keine Vorlesungen, ich gebe Kurse, die für die Studenten selbstverständlich freiwillig sind. Natürlich, sie rennen mir die Bude ein. Ist ja auch kein Wunder, bei einem so interessanten Fachgebiet und einem noch interessanteren – und mindestens ebenso fähigen – Dozenten. Die Studenten hängen nur so an meinen Lippen und lauschen immer wieder mit großer Begeisterung meinen lichtvollen Ausführungen. Also, wenn Sie mich fragen - “

„Boerne!!“ Bis zu diesem Punkt hatte Thiel den Redeschwall des Professors mit stoischer Gelassenheit über sich ergehen lassen. „Und was haben nun Ihre 'lichtvollen Ausführungen' damit zu tun, dass die Tote schwanger war?“  

„Nichts.“ Boerne bedachte Thiel mit einem Blick, der völliges Unverständnis darüber ausdrückte, dass dieser ihm nicht mindestens ebenso andächtig zuhörte wie die angehenden Mediziner. „Übrigens genauso wenig, wie ich damit zu tun habe. Ich wasche meine Hände in Unschuld.“

„Waschen Sie sie lieber mit Wasser und Seife.“ Zum ersten Mal im Laufe dieser Unterhaltung lächelte Thiel und blickte seinem Gegenüber direkt in das verblüffte Gesicht. Endlich einmal war er es, der das letzte Wort behalten hatte.

***


Es war spät geworden an diesem Tag. Zuerst hatte Thiel überlegt, das Fahrrad stehen zu lassen und seinen Vater anzurufen, damit dieser ihn mit seinem Taxi nach Hause fahren konnte. Dann aber hatte er sich doch für das Rad entschieden. Es hatte aufgehört zu regnen und außerdem musste er versuchen, seinen Kopf frei zu bekommen. Manchmal fragte er sich wirklich, welchen Job er eigentlich hatte, mit welchen Perversen er es im Laufe seines Berufslebens noch zu tun bekommen würde. Sicher, er war bei der Mordkommission, aber das hier war kein ‚normaler’ Mord, das hier war anders. Er kannte sich aus mit Morden aus niederen Beweggründen, aus Habgier, aus Eifersucht, Rache, Neid oder sonstigen Motiven. Bei Fällen wie diesen aber fragte er sich, wie manche Zeitgenossen eigentlich tickten. War es nicht genug, jemanden, den man hasste umzubringen? Wie krank musste man eigentlich sein, einer Leiche auch noch das Herz herauszureißen? Und vor allen Dingen – wer war rein handwerklich betrachtet dazu überhaupt in der Lage? Erst kürzlich hatte er eine Fernsehreportage über den legendären ‚Jack the Ripper’ gesehen, einen Mörder der nie gefasst worden war und der es dennoch zu zweifelhaftem Weltruhm gebracht hatte. Das einzige, was man von ihm wusste war, dass er anatomische Kenntnisse gehabt haben musste, denn auch er hatte seinen Opfern Organe entnommen. Die Spekulationen gingen damals soweit, dass es sich um den Leibarzt der Königin gehandelt haben könnte. Unwillkürlich schweiften Thiels Gedanken zu seinem Nachbarn, dem Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne. Er ertappte sich dabei, wie er den Kopf schüttelte. Boerne als moderner ‚Jack the Ripper’! Was für eine absurde Vorstellung! Wäre dieser ganze Fall nicht so grauenvoll, er wäre in schallendes Gelächter ausgebrochen.

Zuhause angekommen schloss Thiel leise die Wohnungstür auf. Inständig hoffte er, dass Boerne ihn nicht noch aus irgendwelchen Gründen abfangen würde. Er wollte nur noch schlafen, die nächsten Tage würden noch anstrengend genug. Seinen hyperaktiven Nachbarn jedenfalls konnte er beim besten Willen jetzt nicht gebrauchen. Doch nachdem er seine Wohnung betreten hatte, erschien sie ihm auf einmal so leer wie noch nie. Der Fall machte ihm zu schaffen und so müde er auch war, er wusste, dass er nicht von jetzt auf gleich würde abschalten und zur Ruhe kommen können. Kurz überlegte er, doch noch bei Boerne zu klingeln, verwarf den Gedanken aber sofort wieder. Stattdessen nahm er sich ein Bier aus dem Kühlschrank, setzte sich hin und ließ den Tag an sich vorbeiziehen.

Schon wieder wanderten seine Gedanken zu Boerne. Was genau wusste er eigentlich von ihm? Thiel war nun schon seit mehr als zehn Jahren bei der Kripo Münster, aber er erinnerte sich noch sehr gut an seine Anfangszeit. Als er dem Rechtsmediziner Boerne zum ersten Mal begegnet war, wäre er am liebsten auf der Stelle nach Hamburg zurückgekehrt. Dieser eitle Fatzke war ja noch schlimmer als seine Ex! Ein arroganter Snob, der eindeutig zuviel und zu abgehoben redete und der einem dabei ständig den Eindruck vermittelte, man sei zu blöd ihm zu folgen. Ein Mann mit dem aufregenden Äußeren eines Finanzbeamten, der sich aber allen Ernstes für etwas Besseres hielt, immer recht zu haben glaubte und dabei unerträglich geltungssüchtig war. Das alles sah Thiel auch heute noch so, inzwischen aber hatte er auch andere Seiten an Boerne kennen gelernt. Der Mann hatte etwas charismatisches, er konnte sogar ausgesprochen charmant und unkonventionell sein. Er hatte etwas an sich, dem man sich nur schwer entziehen konnte, und auch sein äußeres Erscheinungsbild fand Thiel auf den zweiten Blick gar nicht so unattraktiv. Sobald er auf seinen blasierten Gesichtsausdruck verzichtete, hatte er ein jugendliches, hübsches Gesicht und ehrliche Augen. Thiel nahm einen ordentlichen Schluck aus der Bierflasche. Ein Blick auf seinen Bauch sagte ihm, dass der sportliche Professor ihm auch einiges voraus hatte, was die Figur betraf.

Thiel stand auf, stellte die angebrochene Bierflasche zurück in den Kühlschrank und legte sich ins Bett. Wieso eigentlich dachte er in letzter Zeit so oft über Boerne nach? Was scherte ihn dessen Aussehen? Verdammt, er war schließlich nicht schwul. Männer hatten ihn nie interessiert und sie interessierten ihn auch jetzt nicht. Punkt. Krampfhaft versuchte er einzuschlafen, doch je mehr er sich dazu zwang, desto wacher wurde er wieder.

Erst nach mehreren Stunden weiteren Grübelns über seinen Nachbarn und seinen aktuellen Fall fiel Frank Thiel in einen unruhigen Schlaf.

***



TBC (kann aber ein wenig dauern)
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