Somebody's me

GeschichteRomanze / P16 Slash
Seishiro Sakurazuka Subaru Sumeragi
21.10.2010
10.05.2015
7
36.155
 
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21.10.2010 7.020
 
Aloha~
Wie immer; Nichts gehört mir, nur vielleicht diese verrückte Idee

Mir gefällt das Ende nicht, welches Subaru-kun und Seishiro teilen, demnach werde ich mein eigenes schreiben und diesmal vollständig aus Seishiros Sicht
Manchmal war es nicht leicht und ich nehme an, an manchen stellen ist er etwas anders als sonst...aber naja, im großen und ganzen hat es aber mehr spaß gemacht ihn zu schreiben als Subaru. Allgemein ist mir der Teil erstaunlich leicht von der Hand gegangen, aber das lieg wahrscheinlich daran, dass es mal eine völlig andere Perspektive ist

Zumal ich diese merkwürdige FF, die mir wirklich mehr spaß zum schreiben gemacht hat, als alle anderen davor, Chemia widmen, wenn es denn auch für dich in ordnung ist. Als Gegenzu dazu, dass du mir bis jetzt immer kommis hinterlassen hast und diese mich wahnsinnig gefreut haben

Gehen wir davon aus, Fuma hat ihn aus den Trümmern gerettet und dann ins Krankenhaus gebracht, außerdem ignoriere ich völlig, dass was Hokuto-chan angerichtet hat xD also diesen Fluch; dass wenn Sei Subaru genauso töteten will wie er subarus schwester getötet hat, diese Attacke auf ihn zurückfällt – sagen wir einfach mal, Subaru hat ihn verletzen können, aber nicht tödlich, dennoch dachten beide, seishiro wird sterben, daher hat er ihm ja auch seine Liebe gestanden – sonst wäre dies niemals geschehen.

und das Ende vom Anime gefällt mir auch nicht und vom Manga aus, kann man ja eigentlich gar nicht gehen, da es ja ab dem 18/19? aufhört und man somit das Ende garnicht kennt. Gehen wir jetzt einfach mal davon aus, Kamui hat Fumas Wunsch erkannt hat und ihn dann besiegt, bzw diesen böse Fuma hat er besiegt. Der wirkliche liebe und süüüße Fuma lebt und liebt voller Inbrunst. XD Somit ist das Ende der Welt weg und Geschichte! Aber es ist ganz normal bis zum 16ten Band verlaufen, bis dann der große Umbruch kam xD

Das Gedicht ist von Karoline von Günderode und heißt Liebe. Ich hab mir allerdings nur den zweiten Teil des Gedichts genommen, da ich finde, stellenweise passt es doch zu Seishiro und Subaru. Der erste Part dagegen nicht sooooo. Und dass dieses Lied so heißt, naja, das war nicht Absicht.

~

Lebendiger Tod, im Einen sel`ges Leben
Schwelgend in Not, im Widerstand ergebend,
                    Genießend schmachten,
                    Nie satt betrachten
                    Leben im Traum und doppelt Leben.


Die Wand war weiß. Es war ein steriles und langweiliges Weiß. Ich mochte diese Farbe nicht so sehr, wenn man es genau nahm. Erst recht nicht, in dem Zusammenhang, in dem es mich in diesen Raum fesselte. An dieses Bett.

Noch immer fragte ich mich, wieso ich eigentlich lebte. Ich hätte sterben müssen. Wollen. Aber ich ahnte bereits, dass Kamui seine Finger im Spiel gehabt haben musste.

An der Decke des Raumes hingen die typischen Lampen, welche einfach hier zugehörten. Ebenso wie dieser chemische Geruch, der durch jede Ritze drang wie eine Säuere. Selbst das offene Fenster sorgte nicht für die nötige Frische, die einen aufatmen lassen würde. Seufzend schloss ich die Augen. Es wäre ein leichtes gewesen, mich umzubringen. Dennoch tat ich nichts dergleichen. Mein Wunsch war es nicht, durch meine eigene Hand zu sterben. Lautlos glitt die Tür zu meinem Zimmer auf und erst das leise Klacken hoher Absätze verriet, dass jemand eintraf.

„Ihre Medizin, Sir.“ Sanft und säuselnd war ihre weiche Stimme. Diese eine Krankenschwester hatte einen Narren an mich gefressen und es war mir mehr als nur ein Vergnügen, ab und zu mit ihr zu Flirten. Betont freundlich Lächelte ich ihr zu und blinzelte ihr entgegen. Sie hatte lange schwarze Haare und funkelnde, neckische braune Augen. Allerdings würde sie mich ganz sicher nicht mehr so liebreizend ansehen, würde sie wissen, dass ich der Mann war, der ihr den Sohn genommen hatte. Mit ihren schlanken Fingern hielt sie mir einen Löffel entgegen, auf dem eine durchsichtige Flüssigkeit lag. Es war sogar ein Esslöffel und kein Teelöffel. „Kommen Sie, machen Sie 'ah'.“ Zusätzlich beugte sie sich vor und würde ich es wollen, könnte ich einen Einblick in ihre Untiefen des Dekolleté haben. Jedoch konzentrierte ich mich bewusst auf den Löffel, welcher sich meinen Lippen näherte.

Fröhlich, wie sie es nicht anders von mir kannte, lachte ich leise und folgte ihren Worten. „Ahhh...“ Und schluckte auf Anhieb und ohne das Gesicht zu verziehen, die Flüssigkeit. Auch wenn es eigentlich allen Grund dazu gab. Selbst Urin würde wahrscheinlich besser Schmecken als diesen Dreck, den sie mir gaben. Ein wenig verstimmt ließ ich zu, das sie mir ein bisschen Medizin von der Wange strich, untermalte ihre Handlung allerdings mit einem verlegenen Lächeln. „Sie sind viel zu gut zu mir, Anna-chan.“, erwiderte ich freundlich auf ihr Tun und deutete dann auf die Tabletten, welche auf den Nachttisch lagen. „Ich muss davon 2 Schlucken, oder?“

Auf ihren blassen Wangen zeichnete sich ein weicher Rotton ab, so fein, dass man ihn kaum erkennen konnte und sie ließ ihr helles Lachen erklingen. Es sah wie eine flüchtige Handbewegung aus, jedoch war sie vollkommen bewusst gewählt, als sie sich langsam und kokett einige Haarsträhnen aus dem Gesicht strich. Ein fast schon niedliches Lächeln um malte ihre Lippen. „Das mach ich nur für Sie, Sakurazuka-san.“ Sie lehnte sich wieder zurück und drückte mir ein Wasserglas in die Hand. „Genau, wenn Sie jetzt zwei zu sich nehmen, reicht das für heute. Kann ich Ihnen sonst noch irgendeinen Wunsch erfüllen?“ Beinah schon einladend klangen ihre Worte, doch ignorierte ich dies. Sanft ließ ich meine kalte Hand auf ihre fallen und streckte mich etwas auf dem Bett zu ihr auf. Vollkommen beabsichtigt, wanderte mein Blick unsicher umher, ehe ich sie wieder anschaute „Könnten Sie...“ Verlegen räusperte ich mich. „Also....ich hab da ein Problem...verstehen Sie?“ Ihre Augen wurden groß, als sie mein Anliegen verstand, ehe sie langsam errötete und den Kopf schüttelte. Unruhig begann sie mit einer Haarsträhne zu spielen. „Ich..ähm...“

Betrübt und verletzt sah ich weg. „Ach...Entschuldigen Sie, es war eine dumme Idee.“

„Nein...Nein! Ganz und gar nicht. Jeder hat mal das Bedürfnis...aber soll...“ Leise hüstelte sie und ich spürte wie das Bett ein wenig einsackte, als sie bei mir Platz nahm. „Soll ich das wirklich machen?“ Man konnte bei weitem nicht mehr sagen, das sie nur sprachlos war. Eine gewisse Erregung schwang in ihrer Stimme mit. Aufmunternd sah ich zu ihr. Trotz dessen, das mein Körper angeschlagen war, wollte ich so wenig Zeit wie möglich in diesem Krankenhaus verbringen und wenn möglich innerhalb 4 Tagen weg sein. Es reichte schon, dass ich in diesem Krankenhaus eine Woche oder sogar ein bisschen länger, ohnmächtig gelegen hatte. „Wie Sie es selbst sagten, jeder hat mal das Bedürfnis und nur Sie können mir helfen, Anna-chan.“

„Also....soll ich Ihnen....eine....eine....Bla-“

Lachend klopfte ich ihr auf den zierlichen Rücken und nickte. „Ja, ich hätte einen Heißhunger auf Dounats!“, unterbrach ich sie mit einem guten Gewissen. Ich war mir vollkommen bewusst, dass es nicht das war, was sie vielleicht erwartet oder eventuell sogar gewollt hatte, dennoch genoss ich ihre Fassungslosigkeit in vollen Zügen und lächelte auf ihr dämlichen Gesichtsausdruck nur Lieblich vor mich hin. „Wenn Sie das für mich machen würden, wäre ich Ihnen mehr als nur Dankbar.“

„Ich...ich...oh...“ Verwirrt stand sie auf und bekam noch ein viel röteres Gesicht, als zu Anfang. „Ich...weiß nicht, ob ich das Zeitlich schaffe, Sir. Aber...aber, ich werde es versuchen.“ Es war eine herrliche Reaktion.

„Das wäre wirklich nett!“, erwiderte ich voller Inbrunst und strahlte ihr entgegen, während ich geistesgegenwärtig nach den Tabletten griff und mir eine auf die Zunge legte, ehe ich dann mit Wasser nach spülte und kurz darauf die Prozedur wiederholte. Die junge Krankenschwester stolperte mehr aus dem Raum, als das sie selbst ging und erst, als sie den Raum verlassen hatte, ließ ich ein leichteres Seufzen entweichen. Sie war ohne zu fragen, anstrengend. Vielleicht....Vielleicht sollte sie mal dem Tod richtig ins Auge sehen?

Es hatte sich nichts geändert. Noch immer würde Subaru-kun eine offene Wunde im Gesicht tragen und ich war nicht Lebend fähig dazu, sie zu lindern.

Sanft zog ich den schweren Ledermantel enger um meine Schultern und hinterließ das laute Getöse von den Menschen. Den Maden unter meinen Füßen. Die junge Krankenschwester hatte angeblich Selbstmord begonnen, hieß es.  Aber ich wusste es besser. Immerhin klebte ihr Blut an meinen Fingern. Dabei war sie nur aus einer Laune heraus umgebracht worden. Sie war keine 'Mission' gewesen, nur ein nerviger Stein; ein Kaugummi der sich nicht ohne Gewalt von meiner Schuhsohle entfernen ließ.

Denn sie hatte wissen wollen, ob ich nicht mal Zeit für sie hätte. Als ob ich jemals für sie Zeit gehabt hätte!! Sie war nicht mehr als ein Es. Etwas, was sich ersetzten ließ, über kurz oder lang. Etwas, was ich zerstören könnte, ohne das es jemanden stören würde. Es war ein Leichtes die Menschen in meiner Umgebung zu täuschen, denn sie würden nur dass sehen, was sie sehen wollten. Niemals würde sich der Chefarzt, der mich behandelt hatte, vorstellen können, dass ich seine Kollegin getötet hatte. Und das, ohne mit der Wimper zu zucken. Ohne einem einzigen Gefühl dabei. Selbst die Nahrungsaufnahme war aufregender, als jemanden umzubringen. Wobei, die nackte Angst im Gesicht des Opfers war schon etwas Tiefgreifendes. Wenn die Menschen wissen würden, wie sehr sie dann Mensch seien würden, ich glaube, sie würden dann nicht vor mir weglaufen wollen.

Mit kalten Fingern wühlte ich in meiner Manteltasche herum und suchte fieberhaft nach meiner Zigarettenschachtel. Ich war mir ziemlich sicher, dass mir die gute Anna-chan noch eine Neue gekauft hatte, als sie bemerkt hatte, dass ich einer von denen war, die unglaublich viel Nikotin zu sich nahmen. Als ich in der linken Tasche nichts finden konnte, wühlte ich in der anderen herum und stellte kurz darauf erleichtert fest – als meine Kuppen gegen umpackte Pappe stießen – das ich für den heutigen Tag gerettet war. Sanft ließ ich also die verpackte Schachtel in meine Handfläche gleiten und zog sie hinaus, kratzte geistesabwesend über die Folie, um sie zu lösen. Der Weg zu dem Wohnsitz der Sakurazukamori war relativ weit und ich hatte keine große Lust, durch die Menschen befüllten Straßen zu laufen, demnach entschied ich spontan, den Weg durch den Park zu nehmen.

Aber bevor ich den Umweg nahm, überbrückte ich noch schnell den Weg zu Starbucks, um mir einen heißen Becher Latte Macchiato mit Karamellgeschmack, zu besorgen. Denn man konnte recht gut behaupten, dass es wohl bald schneien würde, so kalt wie es an dem heutigen Tag war und ich bereute zutiefst, dass ich unter dem Mantel nur ein Hemd trug und keinen dicken Pulli oder ähnliches. Also nichts, was mich auf kurz oder lang gut wärmen konnte. Mit dem Kaffee schließlich in der Hand, der mich halbwegs wärmte und in der anderen fummelte ich einen Stummel aus der Zigarettenpackung, um ihn mir kurz darauf zwischen die Lippen zu stecken. Ein weicher Windstoß ließ mich stockend die Luft anhalten und erinnerte mich daran, das ich tunlichst in den nächsten Tagen auf meinen Körper achten sollte; noch immer war die Wunde, welche mir Subaru-kun zugefügt hatte nicht verheilt. Jedoch hatte ich den Arzt überreden können, mich früher zu entlassen. Sonst hätte ich mich wohl später selbst entlassen. Aber was hieß auf meinen Körper achten? Ich würde so leben wie immer.

Mit dem Schmatzen meiner Füße trat ich in den Park hinein. Der Boden war noch weich und feucht, ich versank ein bisschen darin. Es musste wohl die Nacht über geregnet haben, denn sonst könnte man sich nicht erklären, wieso denn die Erde nass war. Die Sakurabäume um mich herum, waren verdorren und die weichen Blüten waren schon lange Geschichte. Nur die kalten Äste erzählten ihre Geschichte, wie schön sie eigentlich waren. Im Sommer war der Park eine wahre Augenweide, im Winter dagegen lag er einsam und verlassen in Tokyo herum. Kaum waren hier Besucher zu sehen. Es war so, als würden ihn die Menschen verstoßen und erst wieder lieben, wenn er in seiner ganzen Pracht erstrahlte. Schon makaber, wie Ich-Bezogen die Menschen eigentlich waren. Selbst in diesem Zustand sollte man den Park mögen. Er hatte seine eigene Magie, fand ich. Denn wenn man nicht nur Oberflächlich auf das Leben auf diesem Stück Erde schaute, stellte man überrascht fest, dass sich die ein oder anderen Tiere ein Zuhause in den Bäumen gesucht  hatten und die Äste von den Bäumen mit aufregenden schönen Kristallen geschmückt war. Es würde definitiv ein kalter aber schöner Winter werden. Vorsichtig setzte ich den Becher an meinen Lippen und nahm einige Schlückchen von dem warmen beinah schon heißen Gebräu zu mir. Eine ältere Dame kam mir entgegen und schnaubte geräuschvoll. Sie hatte einen Katzenbuckel und ignorierte mich. Zurecht wie ich fand, immerhin musste ich eine komische Gestalt abgeben. Von einem tiefen Seufzen begleitet ließ ich mich auf die feuchte Bank fallen und war froh, einen Ledermantel zu tragen. Zwar konnte die Kälte in meine Kleider kriechen, aber nicht die unangenehme Nässe. Langsam und gemächlich wanderte mein Blick in den grauen und wolkenbedeckten Himmel. Vögel zwitscherten leise.

Ich konnte nicht sagen, was es war, aber ich hatte das Gefühl, als hätte sich der Sturm gelegt. In den letzten Tagen, in denen ich im Krankenhaus lag, erschütterte kein Erdbeben mehr Tokyo und auch keine Meldung erzählte davon, dass ein weiterer Stadtteil von Tokyo zerstört worden war. Sollte das etwa bedeuten, dass das Ende der Welt beendet war? Es war schwer vorzustellen, wo ich doch eigentlich damit gerechnet hatte. Aber noch schwerer war es, sich vorzustellen, weiter zu Leben, obwohl ich eigentlich mit meinem Leben abgeschlossen hatte. Ich hatte einfach nicht erwartet zu überleben. Dabei war ich mir so sicher gewesen, dass Hokuto-chans Fluch klappen würde. Aufseufzend setzte ich dazu an, aus dem Pappbecher zu trinken, bemerkte jedoch dabei, dass ich vollkommen vergessen hatte, mir die Zigarette anzuzünden. Ich schlug ein Bein über das andere, um es mir ein bisschen bequemer zu machen.

„He...Alter....bist du etwa, Seishiro Sakurazuka...mori?“

Ich verkniff mir meinen überraschten Gesichtsausdruck und zwang mir stattdessen ein überhebliches und süffisantes Lächeln auf. Wenn derjenige mich unter den Namen kannte, musste er einer der Boten oder der Siegel sein. „Kann ich helfen?“, gab ich höflich zurück und beugte mich ein wenig vor, um den Mann vor mir zu mustern. Ich hatte ihn irgendwann schon Mals gesehen, jedoch war mir nicht klar, wann. Aber ich war mir ziemlich sicher, das er zu den Siegeln gehörte. Er stemmte die Hände in die Taille und eine Wutfalte malte sich zwischen seine dichten Augenbrauen. Sein Blick war entschlossen und plötzlich wusste ich wieder, woher ich ihn kannte. Er war einer deren, die es sich zu Aufgabe gemacht hatten, den Himmelsdrachen Kamui um jeden Preis zu schützen. Sein Name blieb mir allerdings aus. „Du Arsch!“ Mit einem Satz war er bei mir angelangt und umfasste meinen Kragen. Unsanft wurde ich hochgezerrt und ein stechender Schmerz zog sich durch meinen Brustbereich. Ich verkniff mir ein leises keuchen, welches sich durch meine Kehle hoch schleichen wollte. „Was hast du mit Subaru gemacht?!“

Seine Frage schickte einen Gänsehaut durch meinen Körper, denn genau an diesem hatte ich nicht denken wollen. Ich wusste, was es für Subaru-kun und mich bedeuteten könnte, da ich völlig unbedacht etwas gesagt hatte. Es hatte unsere merkwürdige Beziehung zerstört und ich wollte wirklich nicht wissen, was jetzt kommen würde, würde ich ihm begegnen. Denn wir hatten beide unsere Karten offen auf den Tisch gelegt und nichts und niemand würde ihn mehr täuschen können. Dennoch lächelte ich nur fröhlich zurück, als ich grob seine Finger aus meinen Kragen löste. „Nichts.“

Mit einem schnauben trat der Himmelsdrache zurück und verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust. In seinem Blick loderte die Wut. „Verarsch' mich nicht! Subaru ist seit Tagen verschwunden und nur du hast dazu beigetragen. Außerdem...bist du nicht eigentlich Tod?!“

Ich tat uninteressiert, auch wenn es mich wirklich irritierte, das Subaru-kun vom Erdboden verschwunden war. Beton lässig strich ich mir durch mein kurzes Haar und nahm wieder auf der Bank platz. „Ich hatte einen Schutzengel.“, gab ich ruhig zurück und nahm einen Schluck vom Kaffee. Gekonnt ignorierte ich die Tatsache, dass es mich wirklich verwirrte, dass Subaru verschwunden war. Und ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, es würde sich nicht das Gefühl von Sorge in meinem Bauch ausbreiteten. Aber Gott sei Dank konnte niemand in mir reinschauen. Ein trockenes Lachen ließ der Mann vor mir von sich und drehte sich abrupt von mir weg, schritt seinen eigenen Weg entlang. Schnell bemerkte ich, dass es ihn zu einer jungen Frau zog, eine wirklich hübsche Dame. Sie kam mir ebenfalls wage bekannt vor. Neben ihr standen zwei weitere Personen, doch beachtete ich sie nicht.

Das Ende der Welt wurde besiegt. Allem Anschein nach.

Und Subaru war verschwunden...

Seufzend erhob ich mich mit einem Ruck und warf die leere Verpackung in den Mülleimer neben der Bank. Dann zündete ich mir endlich meine vorgehabte Zigaretten an. Sie brachte die erwartete sanfte Ruhe und es fiel mir wesentlich leichter, mich auf das wesentliche zu konzentrieren. Nämlich, das ich erst mal nach Hause kam und vielleicht würde ich mir eine Flasche Whisky aufmachen, nebenbei einen schlechten Film anschauen und dabei hoffentlich einschlafen. Eine Hand grub ich in meine Manteltasche, ehe es mich ebenfalls weiter durch den Park trieb. Ich ging wesentlich langsamer als die Gruppe vor mir, in der dieser komische junge Mann gehörte, der mich angesprochen hatte. Wieso sollte ich es auch eilig haben? Es gab niemand der auf mich wartete, zumal ich das wirklich nicht wollte. Niemand sollte auf mich warten.

„Hey! Willst du etwa ein Problem mit uns?“

Zutiefst amüsiert schenkte ich der vierer Gruppe meine Aufmerksamkeit. „Wieso denkt ihr eigentlich immer, das ich auf euch losgehen will, nur weil ich einer der Bösen bin?“ Verständnislos schüttelte ich mein Haupt und ging schmunzelnd weiter. Es war armselig wie verschreckt sie waren. War es etwa verboten, den Weg nach Hause zu nehmen? Sollte ich demnächst mit einer weißen Flagge herum rennen, nur um den Siegeln in meiner Umgebung deutlich zu machen, das ich nicht auf Kriegsfuß aus war? Lächerlich....

Es gab durchaus andere Dinge, die mich wirklich interessierten, aber das hier lag weit davon entfernt.

„Sakurazuka!“

„Kamui-san! Lass ihn. Wir werden auch ohne ihn herausfinden wo Subaru-san ist.“

Seufzend blieb ich auf dem Absatz stehen und drehte mich zu den Himmelsdrachen herum. Kamui stand in meiner unmittelbaren Nähe, während die schwarzhaarige Schönheit ihm einen Hand auf den Oberarm gelegt hatte. Sie schaute besorgt, während der junge Mann mit sich selbst haderte. Ich lächelte ironisch und sog den Rauch der Zigarette ein, ehe ich ihn wieder in die Kälte ausstieß. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich den großen Mann, welcher mir ein Nicken zuwarf. Er kannte mich zu gut, etwas was mir gar nicht gefiel, dennoch war er ein angenehmer Geselle. Es war der andere Kamui, allerdings hatte sich seine gesamte Ausstrahlung verändert und ich nahm an, dass er wieder der Alte war, bevor er sich dieser rasanten Veränderung unterzogen hatte. Wenn ich mich recht erinnerte, nannte ihn der kleine Kamui immer Fuma.

„Ich...dachte du wärst tot?“, setzte der kleine schwarzhaarige junge Mann vor mir stockend an, bevor er sich abermals näher an mich heranwagte. Es war tatsächlich erstaunlich, dass er sich das traute.

Da ich ihm und auch sonst niemanden Rechenschaft schuldig war, zog ich nur eine Braue hoch und schnippte den abgebrannten Stummel zu Boden. Gemächlich wühlte ich in meiner Tasche nach einer neuen. „Stört es etwa?“, gab ich nonchalant zurück und steckte mir eine Kippe an den Lippen, um mir diese kurz darauf anzuzünden.

„Aber...Subaru....er dachte...wir dachten...“

Humorlos lachte ich auf. „Das ich tot sei? Nein, da täuscht ihr euch anscheinend. Ich muss einen Schutzengel gehabt haben.“ Unauffällig zog ich den Ärmel meines Mantels hoch und blickte auf die Uhr. Schon viertel nach acht Uhr abends. Eigentlich hätte ich bereits zuhause seien können. Das Stechen in meiner Brust war bei weitem noch nicht abgeklungen und die tierische Kälte hatte mich nun ganz im Griff. Ein Wunder das ich noch nicht Zitterte oder blaue Fingerkuppen bekam. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie Fuma leicht den Kopf schüttelte und näher an uns herantrat. Der Mann mit den dichten Augenbrauen, hatte sich wie ein Vater hinter einem Sohn, hinter Kamui gestellt. Ich grinste bei diesem Anblick spöttisch auf. „Jedenfalls...ich habe mit Subaru-kun nichts gemacht. Ich habe ihn außerdem gar nicht sehen könnten!“ Das war wohl genug des ganzen. Bei weitem musste ich mich auch noch nicht rechtfertigen, wenn ich nicht da seien konnte. Ich lag in der ganzen Zeit im Krankenhaus, wie sollte ich dann dazu fähig sein ihn umzubringen? Außerdem war es wohl das letzte was ich mit Subaru machen würde.

Plötzlich räusperte sich Fuma und legte Kaumi sanft die Hand auf die Schulter. „Seishiro kann gar nichts damit zutun haben, Kamui. Er lag im Krankenhaus. Zwar hat er überlebt, allerdings mehr Tod als Lebendig....und mich wundert es wirklich, dass du schon nach so kurzer Zeit draußen bist.“

Lustlos zuckte ich mit den Schultern. „Mein Charme.“, entkam es mir trocken und ich zog die Schultern hoch, während ich gleichzeitig versuchte, die eisige Kälte aus meinen Kochen zu vertreiben. Dann mit einem süffisanten Lächeln wandte ich mich den anderen zu. „Da es ja keine weiteren Fragen gibt, wünsche ich euch einen wunderschönen Abend.“ Es war gedacht nach diesen Worten, mich umzudrehen und mir am Ende des Parks einen Taxis zu bestellen, doch hinderte mich etwas daran. Vielleicht war es Kamuis Tonlage? Oder den Inhalt seiner Worte? So genau konnte ich es nicht sagen. Jedenfalls war er der Letzte, der das Wort erhob. In seinem Blick waren Zweifel zu sehen und er spielte mit seinen Fingern, die in dicke Handschuhe verpackt waren.

„Was hast du zu Subaru gesagt? Bevor er dachte du stirbst?“

Ich spürte deutlich die Blicke der andern auf mir ruhen und bereute bereits, dass ich nicht einfach an ihnen vorbeigegangen war. Zwar lud das kalte Wetter einen geradezu ein, ein heißes Bad zu nehmen, doch das war das letzte, was ich in meinem Zustand machen durfte. Selbst Duschen wäre ein Problem, da ich ja früher aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Abwehrend und kühl musterte ich Kamui. „Ich hab ihm mein wahres Alter verraten.“, erwiderte ich ohne jeglichen Emotionen, ehe ich kurz darauf mit den Schultern zuckte. Sein ungläubiger Ausdruck ließ mich annehmen, dass er mir nicht glaubte. Warum auch. „Ohje...habe ich wohl vergessen.“, verbesserte ich mich ausweichend. Neben Kamui sah ich Fuma seufzen und er blinzelte mir mit schräg gelegten Gesicht entgegen.
Er schaute Nachdenklich und eine Braue wanderte von ihm in die Höhe. Auf seinem jungen Gesicht bildeten sich einige Falten. Man könnte es als betrübt darstellen, so wie er zu mir schaute, aber eigentlich gab es dazu keinen Grund. „Er hat dir deinen Wunsch nicht erfüllt.“, es war mehr eine Feststellung als eine Frage.

Fast schon verstimmt presste ich meine Lippen aufeinander und schnippte den nächsten Zigarettenstummel zu unseren Füßen. „...Hm.“ Es gab nichts dazu zu sagen. Er kannte die Wünsche der andern und es wäre völliger Blödsinn sich dagegen zu stellen. Am Ende würde ich mich nur lächerlich machen, selbst wenn es jetzt bedeutete, dass ich etwas von mir Preis gab. Außerdem überraschte mich der plötzliche Themawechsel, aber andererseits war es mir nur recht, wenn man von meinem Ausrutscher absah. Obwohl ja 'Ausrutscher' zu hart ausgedrückt war, aber als etwas anderes konnte und wollte ich es einfach nicht sehen. Ein Sakurazukamori war zu keinen Gefühlen fähig, ganz einfach. Und selbst wenn ich nur aus eine kindische Art von Trotz handelte. Ich wollte es einfach nicht einsehen. Zumal ich Subaru nicht sehen wollte. Denn...so schlecht es auch für mich war, ich wäre ihm eigentlich eine Antwort schuldig, aber solange ich ihn nicht sehen würde, würde sich das Problem von ganz allein lösen. Zwar war es nicht fair, aber wann war das Leben an sich schon mal Fair zu einem Menschen?

Leise räusperte ich mich, um meine Gedanken zu vertreiben aber auch, um Fuma's Aufmerksamkeit wieder auf mich zu ziehen. „Sein Wunsch war mich nicht zu töten....“,setzte ich an und strich mit einigen Kuppen sanft über die Verpackung der Zigaretten in meiner Tasche. „Welcher war es dann?“ Gut, ich wusste es eigentlich, aber es war wirklich schwer vorzustellen, dass er sich durch meine Hand, seinen Tod wünschte. Das konnte einfach nicht in meinen Kopf gehen. Zu meinem angenehmen Erstaunen, konnte ich sagen, dass die anderen sich aus unser Gespräch raus hielten, auch wenn ich mir ziemlich sicher war, dass ihnen einige Fragen auf den Zungen brannten. Gemächlich setzte ich mich in Bewegung und stelle fest, dass mir Fuma folgte. Abgesehen davon, dass er vielleicht seine 'Brutale-Seite' verloren hatte, war er immer noch der gleiche Mann, den ich kennen gelernt hatte und ich konnte sagen, das ich Sympathie für ihn hegte. Wobei, das war auch wieder viel zu weit herausgeholt.

„Frag ihn doch selbst.“

Seine Aussage irritierte mich zutiefst und ich wandte mich leicht um. Es wäre kaum vorstellbar, das Subaru-kun hinter irgendeinem Baum lauerte und das nur eine angeblich miese Falle der Himmelsdrachen war. Doch wie erwartete hockte der junge Sumeragi hinter keinem Baum und keiner Bank, nur ein beklommenes Gefühl blieb zurück. Abrupt zog ich erneut eine Zigarette aus der Schachtel und rollte sie in den Fingern hin und her, bevor ich mir mein Feuerzeug herauszog und dem Stummel Gift anzündete und zwischen die Lippen schob. „Willst du mir etwas Bestimmtes damit sagen?“ Für einen Sekundenbruchteil hatte ich das Gefühl, als wollte er mir die Schulter tätscheln, doch dann fuhr er sich nur durch sein strubbeliges Haar. Amüsiert grinste er mir zu. „Nicht doch. Aber hey....gehen wir mal nach Starbucks? Ich hab gehört, dort soll es leckeren Kirschkuchen geben. Muffins und all den Zuckerkram.“

„Starbucks ist gut.“ Leise lachend stieß ich einige Qualmwölkchen in den grauen Himmel hinauf. Es gab eigentlich nicht viel dazu zu sagen. Nur das er wahrscheinlich meine heimliche Liebe zu all dem Zuckerzeug teilte. Vielleicht war es sogar meine größte Schwäche. Zucker meine ich. „Immerhin droht jetzt nicht der Untergang der Erde...oder?“ Unsere langen Schritte erstarben langsam, als wir uns gemächlich dem Ausgangs des Parks näherten. Bis wir schließlich ganz stehen blieben. Leicht wandte ich mich Fuma zu. Er schaute zu den andern zurück, welche uns in einem angemessenen Abstand gefolgt waren.

„Nein...“ Ein wisperndes Seufzen folgte seinen Worten und er grub seine anscheinend kalten Finger in die Jeanstaschen. „Wir haben soviel Zeit der Welt.“ Noch immer musterte er die andern.

„Die Zeit macht aber keinen Halt vor dem Alter.“ Dann zuckte ich mit den Schultern. „Immerhin bin ich schon ein Mann über Dreißig, da muss ich mitdenken.“ Seine Mundwinkel zuckten amüsiert. Ehrlich gesagt, brannte eine Frage auf meiner Seele, doch wagte ich sie nicht zu stellen. Das wäre ein Thema, welches mich einfach nicht anging und da er meine Verschwiegenheit billigte, wollte ich seine nicht infrage stellen. Außerdem war ich mir ziemlich sicher, die Antwort schon zu kennen. Man sah ihm deutlich an, das ihm Kamui etwas bedeutete. Er musste es nicht bei Worten benennen.

Höflich nickte ich ihm schließlich zu. „Ich nehme an, du weißt, wo ich wohne?“

„Wenn der Ort 'Krankenhaus' heißt, dann ja. Denn da gehörst du eigentlich hin.“ Er neigte sein Gesicht etwas zur Seite und seufzte dann erneut. „Aber wenn du den Wohnsitz der Sakurazukamori meinst, dann ebenfalls.“ Den ersten Teil seiner Worte ignorierte ich völlig, denn dadurch wurde mir mal wieder bewusst, das ich fast alle Menschen in meiner Umgebung täuschen konnte. Nur ihn nicht. Er war einer derjenigen, die bemerkten, wenn ich etwas missbilligte oder ähnliches. Und anscheinend hatte er auch bemerkt, dass ich Schmerzen hatte, aber dieses Thema ging ihn schlicht und ergreifend nichts an. Außerdem, ein 'danke schön' würde er von mir auch nicht hören. Ich hatte sterben wollen....um Subarus Wunde aus der Welt zu schaffen, aber genau das wurde mir genommen, obwohl ich mir Hundertprozentig sicher war, es zu schaffen. Es war ziemlich ernüchternd. Zwar zog sich mein Bauch zusammen, wenn ich an Subarus fassungslosen Gesichtsausdruck dachte, wobei fassungslos war noch untertrieben, aber es war leicht zu verdrängen, solange er nicht in greifbarer Nähe war.

Genaugenommen kannte ich ja auch seinen Wunsch.

...Er wollte nicht meinen Tod.

Nein, das wäre auch zu einfach gewesen. Stattdessen wollte er...dass ich ihn Töte, wie es ja eigentlich auch beim Verlauf der Wette seien sollte. Aber anscheinend hatte meine Mutter recht behalten, dass ich irgendwann jemanden finden würde, den ich sehr gern hatte. Ich wollte das Kind einfach nicht beim Namen nennen. Dazu würde es wahrscheinlich noch früh genug kommen. Wenn überhaupt.

„Dein Taxi...“, weckte mich Fuma aus meinen Gedanken und deutete mit einer leichten Handbewegung auf das farbige Auto. Irritiert zog ich eine Braue hoch, sagte jedoch nichts dazu, dass er mir allem Anschein nach einen Taxi bestellt hatte. Ohne ein weiteres Wort an die andern zu verlieren, stieg ich in den Wagen ein, schnippte den Zigarettenstummel zu Boden und nannte dem Fahrer die Straße. Nicht unbedingt direkt jene, aber eine davor. Geld hatte ich genügend bei mir, daran würde es ganz sicher nicht liegen. Mit einem sanften Brummen fuhr der Wagen los und aus dem alten Radio summte die Stimme einer jungen Sängerin die erst kürzlich bei dem Erdbeben ums leben gekommen war.

Nichts besonderes. Es starben jeden Tag, jede Minute, gar jede Sekunde Menschen. Da machte eine einzigen populären Sängerin zu einigen Tausend keinen Unterschied.

~

„Was...willst du von mir?“

Überrascht blieb ich stehen und starrte auf die Gestalt die in dem Ziergarten meines Hauses stand. Es war etwas womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, dass ich ausgerechnet ihn hier sehen würde. Ich hatte schon zu Anfang bemerkt, dass jemand hier war, dennoch wäre ich niemals auf den Gedanken bekommen ihn zu sehen. Zumal es das Letzte war, was ich gewollte hatte. Allerdings war ihm wohl nicht klar, wer im Rahmen der Tür stand, denn er hatte die Augen geschlossen und das Gesicht leicht erhoben. Der seichte Wind spielte mit seinem relativ kurzem Haar und seine Hände waren tief in der Manteltasche vergraben. Seine Haltung war resigniert, es wirkte beinah so, als gäbe es nichts mehr im Leben, was ihn noch interessieren würde. Aber das könnte ich mir einfach nicht vorstellen, immerhin hatte er doch noch seine Großmutter, den ehemaligen Oberhaupt der Sumeragis. Für einen Sekundenbruchteil gestattete ich mir spöttisches Lächeln, auch wenn ich wusste, was dieses Zusammentreffen beherbergte. „Das sollte wohl eher ich Fragen, Subaru-kun. Was machst du in meinem Haus?“

Ich genoss das Gefühl der Überheblichkeit, welches mich durchfuhr, als ich erkennen konnte, wie stark er zusammen zuckte und er sich ruckartig zu mir umdrehte. Sein ohnehin schon blasses Gesicht, verlor an Farbe und er formte seine Lippen zu einem festen Strich, den Sturm in seinen Augen konnte er allerdings nicht verbergen. Tausend und abertausend Gedanken musste ihm durch den Kopf gehen, bei meinem Anblick. Und dennoch stellte ich fest, dass sein Erscheinen trostlos war. Ungern wollte ich wissen wieso. Wahrscheinlich kannte ich schon den wahren Grund seiner ausgemergelten Gestalt.

„Sei...shiro-san...“ Seine Worte kamen kaum bei mir an, sie wurden erstickt ausgesprochen und waren so leise und bitter, das mich ein beklommenes Gefühl heimsuchte. Plötzlich wusste ich, dass ein Gespräch unumgänglich war. Leise stieß ich die Luft aus meinen Lungen und bemerkte erst jetzt, wie schnell mein Herzschlag in meiner Brust trommelte. Ich fürchtete mich fast schon vor seiner Reaktion, jedoch tat ich es mit einem kalten Lächeln ab. Es reichte schon, wenn Subaru-kun mit seinen Emotionen zu kämpfen hatte. Ich konnte es niemals gebrauchen. Außerdem brauchte ich dringend eine heiße Tasse Kaffee und vielleicht einen warmen Pulli, da ich wirklich keine Lust hatte, erneut im Krankenhaus zu liegen.

Ungeduldig deutete ich auf das Innere der Wohnung. „Würdest du eventuell reinkommen? Das heißt, wenn du in dieser Wohnung bleiben willst.“, bemerkte ich mit einem süffisanten Lächeln, ehe ich ohne zu warten ins Innere des Hauses trat. Im Schlafzimmer schmiss ich meinen ledernen Mantel auf das große Futon, bevor ich dann an meinen Kleiderschrank trat und mir wahllos einen warmen Pulli herausgriff. Die Farbe war mir ziemlich egal und als ich feststellte, das er in einem sanften Grauton gehalten war, zog ich ihn mir über mein weißes Hemd. Unmittelbar darauf, mit dem Einfluss der warmen Wohnung, hatte ich nicht mehr das Gefühl, ein einziger Eiszapfen zu werden. Mit einem Kaffee wäre mein Glück fast schon perfekt. Nur Subaru-kun sollte eventuell verschwinden.

Seufzend griff ich wieder nach meinen Mantel und holte daraus mein Medikament. Tabletten zu schlucken würden reichen, meinte der Arzt und drei Täglich alle male, von daher zog ich es jetzt mal vor, direkt die zweite zu nehmen. Die dritte Tablette würde ich einfach morgen nehmen. Eine Verletzung war nichts weiter als Vergangenheit. Von daher musste keine große auffällige Behandlung her. Ich wollte mich gerade umwenden und aus dem Zimmer treten, als ich Subaru-kun im Türrahmen bemerkte. Er hatte die Schultern hochgezogen und die unnatürliche Blässe war nicht verschwunden. Die Arme waren vor seinem Brustkorb verschränkt. Er zitterte ein bisschen, aber ich konnte nicht sagen, woher der Grund kam. Von der Kälte, oder das ich hier war? Kühl und Abwehrend musterte ich ihn. Ich neigte mein Gesicht zur Seite. „Du hast dich entschieden zu bleiben?“, bemerkte ich spöttisch und schloss die Schranktüre wieder. Eine Gänsehaut bereitete sich auf meinem Körper aus, als ich bemerkte, wie er näher trat. Unauffällig, wie aus einer einfachen Eingebung heraus, trat ich an das große Fenster und schaute hinaus. Eigentlich war es nur dazu gedacht, Abstand zu gewinnen, aber das konnte der gute Subaru-kun ja nicht wissen.

„Kamui...also...der jetzige Fuma war hier.“, setzte er plötzlich leise an und die Auswahl seines Themas irritierte mich zutiefst, jedoch ließ ich mir nichts anmerken. Stumm zog ich eine Braue hoch und lehnte mich gegen die Wand. „Er meinte zu mir, das du leben würdest...“ Seine geballten Fäuste zitterten und er wendete abrupt sein Gesicht gen Boden. In seiner Stimmen schwangen Tränen, welche er nicht weinte und ich vermied es Tunlichst mir anmerken zu lassen, wie sehr mich sein jetziger Anblick störte. „Ich...ich konnte es nicht glauben. Wieso? Ich hab dich doch...getötet, wegen dem Fluch meiner...Schwester...warum? Ich versteh das nicht...“ Verzweifelt schüttelte er den Kopf und er lehnte sich kraftlos gegen den großen Kleiderschrank. Seinen Blick, welchen er langsam wieder hob, war gequält und resigniert. Seine Haltung war ungewohnt offen. „Ich...wollte nicht deinen Tod. Alles.....nur nicht, dass du Stirbst...“

Aus dem Augenwinkel fiel mir ins Auge, das weiße und fluffige Schneeflocken von Himmeln fielen. Wie kleine Kristalle. Kalt lächelte ich ihm zu. „Du bist halt ein gutherziger Mensch, Subaru-kun. Du kannst niemanden töten.“ Ein leises lachen folgte meinen Worten und ich schüttelte sanft den Kopf. „Aber wie du siehst, lebe ich.“ Ärgerlich runzelte ich die Stirn, als mir klar wurde, das ich gerade fast versucht hatte, ihn aufzumuntern. Aber das wäre wohl das Letzte was ich tun würde. Es gäbe keinen Grund für mich, ihn aufmuntern zu wollen. Jeder Tod (oder in meinem Fall ein Fast-Tod) nahm ihn mit. Es war egal, ob ich es war oder nicht.

Als ich ihn abermals musterte, hatte ich plötzlich das Gefühl, ein Déjà-vu zu zu haben. Es weckte das Gefühl der Erinnerung, als ich das Gespräch mit Subaru-kuns Schwester gehabt hatte. Im Krankenhaus. Als Subaru-kun völlig fassungslos wegen dem Verlust meines rechten Auges war.

Ich habe ihn noch nie so...fassungslos erlebt. Dass der ruhige und vernünftige Subaru...so durcheinander ist, hat es noch nie gegeben.(Hokuto-chan)

Subaru-kun gibt an allem sich selbst die Schuld. Egal, wer verletzt wäre....er wäre genauso besorgt und fassungslos. (Seishiro-san)

Das stimmt nicht.....Es liegt daran, dass du das bist. (Hokuto-chan)


Leise räusperte ich mich, um diese merkwürdige Erinnerung zu vertreiben und verschränkte die Arme vor der Brust. „Nun, da du ja jetzt weißt, das ich Quicklebendig bin, kann du ja wieder gehen. Du weißt ja, wo die Tür ist.“ Noch immer ergab es für mich keinen Sinn, das Subaru-kun tatsächlich auf mein Leben baute. Aber eigentlich, würde das seine extreme Reaktion erklären. Seine Worte im Tränenfluss gesprochen, auf jener Brücke. Das Hier und Jetzt. Alles sprach ihren Worten zu, das es angeblich an mir liegen musste. Dennoch wollte ich es nicht glauben.

„Ich...“ Unsicher trat er einen Schritt ins Zimmer hinein und ich zwang mich dazu, nicht wegzuweichen. „Seishiro-san...das...was du...an jenem Tag auf der Brücke...zuletzt sagtest. Entspricht das der Wahrheit?“ Trotz dessen, dass ich genau wusste, das er dieses Thema anschneiden würde, traf es mich unvorbereitet und ich verzog minimal meine Lippen. Ich war froh, eine Wand im Rücken zu haben. Kühl sah ich auf ihn herab und lächelte nonchalant.

„Nein.“, gab ich ruhig zurück und bemerkte wohlgefällig, dass sich seine Augen ein Stück weiteten und er dann betroffen sein Gesicht gegen Boden richtete.

„Ach....“ Fahrig strich er sich durchs Gesicht, doch ich konnte nicht erkennen wieso er es tat. Skeptisch beäugte ich ihn. „Achso...“

Ich wusste in dem Moment, als ich es aussprach, das mich der Teufel ritt. In dem Augenblick, verfluchte ich mich. „Das heißt, solange du es willst, entspricht es nicht der Wahrheit.“ Aufmerksam musterte ich ihn. Bei meinen Worten zuckte er zusammen und er versteifte sich ein bisschen mehr. Dann räusperte er sich vernehmlich. Noch immer hob er nicht seinen Blick. Seine Stimme war ebenso leise wie zu Anfang und seine Emotionen kaum ersichtlich. „Und wenn ich es nicht will?“

Ungelenkt zuckte ich mit den Schultern, auch wenn er es nicht sehen konnte. „Wird es wohl die Wahrheit sein...“

„..Sei...shiro....“

Seufzend lehnte ich meine Stirn gegen das kühle Fenster und schaute hinaus. Ein kleines spöttisches Lächeln um meinen Lippen geschlungen. „Aber...ich will und werde einfach keine 'Beziehung' mit dir anfangen.“ Überrascht schnippte sein Kopf nach oben und ich konnte aus dem Augenwinkel erkennen, dass er beinah schon ungläubig und verdattert dreinschaute. Das Lächeln auf meinem Gesicht vertiefte sich. „Wir sind zu gegensätzlich, als das es gut laufen würde.“ Selbst in meinen Ohren klang das mehr als eine Ausrede, doch dies war mir gleichgültig. Ich hatte die Karten auf den Tisch gelegt und ihm deutlich gemacht, dass ich jegliche Art der Beziehung zu ihm Abbrechen wollte. Vielleicht auch um seinetwillen, denn....ganz ehrlich, wie sollte er mit dem Mörder seiner Schwester glücklich werden? Es war geradezu lächerlich, der Gedanken an einer glücklichen Liebesbeziehung mit Subaru Sumeragi-kun.

Es würde einfach nicht klappen!

„Seishiro-san.“ Sanft spielte ich mit der Verpackung der Tabletten in meiner rechten Hand und drehte sie im Uhrzeigersinn umher. Die weiche Schneeschicht legte sich wie ein sanftes Pulver über die Erde und ich bedauerte es bereits, dass er später wieder von Straßenschuhen verdreckt und zertreten seien würde. „Lass uns einen Wette abschließen...“ Als ich verwundert zu ihm schaute, war sein Blick entschlossen und unsicher zugleich. Wie vor Kälte zog er die Schultern hoch und umschlang seine Taille mit seinen Armen. Plötzlich hatte ich den Eindruck, das er unglaublich zierlich war. Nahrungsaufnahme gehörte wohl nicht zu seinen regelmäßigen Tätigkeiten. Genau wie Früher. Hokuto-chan musste ihn regelrecht zwingen etwas zu essen, da er es so häufig vergaß. Aber jetzt war niemand da, der ihn daran erinnern könnte.

Irritiert von seinen plötzlichen Worten, zog ich eine Augenbraue hoch, lächelte jedoch selbstgefällig. „Eine Wette?“, wiederholte ich fragend und drückte mich von der Wand ab, schritt langsam und gemächlich auf ihn zu. Erschrocken, dass ich aufeinmal auf ihn zuging, zuckte er zusammen und machte einen Satz zurück.„Wieso sollten wir eine Wette abschließen, Subaru-kun?“

Hastig fixierte er einen Punkt hinter mir und leckte sich nervös über die Lippen. Ein wenig Farbe hatte sich auf seine Wangen gemalt, stellte ich zufrieden fest. Wie lang er wohl im Ziergarten meines Hauses gestanden hatte? „Zwei Wochen.“ Er räusperte sich. „Wir...werden zwei Wochen versuchen, eine ganz normale Beziehung zu führen....und wenn es nicht Klappt, dann-“

„Dann tötest du mich.“, unterbrach ich ihn und genoss das Gefühl der Überlegenheit. „Wenn es klappen sollte... dann bekommst du deine ganz normale Beziehung.“ Ich würde nur unter der Bedingung mit ihm eine Wette abschließen, denn ich wusste einfach, dass es nicht klappen würde. Am Ende würde ich dann doch meinen Willen bekommen. Oder anders gesagt; mein Wunsch würde sich erfüllen.

„Seishiro-san...das....kannst du nicht von mir verlangen!“ Noch eine Fußbreite war ich von ihm entfernt und ich konnte die verblassten Tränenspuren auf seinen Wangen erkennen. Unsanft fasste ich nach seinem Kinn und hinderte ihn daran, das er sein Gesicht zu Boden senken konnte. Leicht zog ich ihn zu mir. Der leichte Rosaton auf seiner Haut verstärkte sich. Hilflos schloss er die Augen und ich zog überrascht eine Braue in die Höhe. „Doch, das kann ich von dir verlangen, Subaru-kun. Und ich werde auch nur unter diesen Bedingungen mit dir Wetten.“

„Das kann ich nicht...Seishiro-san...“, flüsterte er resigniert zurück, bewegte dabei kaum seine Lippen.

Boshaft lächelte ich in mich hinein. „Ich werde dir schon einen Grund geben können, mich töten zu wollen, Subaru-kun.“ Als ich mich dann vorbeugte, zu seiner Wange und ungewollt mit meinen Lippen darüber strich, beschlich mich das Gefühl von süßem Wohlgefallen. Bei seinem Ohr erstarb meine Bewegung. „Denk da am besten an deiner süßen Schwester.“ Während sich seine Fingerkuppen unangenehme in den Pulli meiner Oberarme gruben, wurde mir bewusst, dass dieser junge Mann sich einfach nicht verändert hatte. Er war immer noch der kleine, süße und naive Jugendliche von damals, der dem Verlust seiner Schwester nicht gewachsen war. Beinahe kraftlos lehnte er sich vor, seine Stirn an meiner Schulter und ich kam nicht umhin, mich zu fragen, wie es wohl war, sein grenzenloses Vertrauen mal nicht auszunutzen und wegzuwerfen. Dennoch tat ich nichts dergleichen um seine Berührung zu erwidern, lediglich stand ich da und konnte nicht fassen, dass ich mich auf diese absurde Wette eingelassen hatte.

~

da es sonst wirklich zu lang geworden wäre, hab ich es gestückelt, der zweite Teil ist aber noch in Arbeit (xD wie das klingt!)

nja,

lg Nogisu
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