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Magenta III - Im Bann der Aspekte

von Maginisha
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
19.10.2010
28.09.2012
17
243.214
5
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19.10.2010 12.069
 
Der Ansturm der Bestie kam zu plötzlich, um ihm noch auszuweichen. Die riesige Pranke des Bären traf den Nachtelfen völlig unvorbereitet und schleuderte ihn zu Boden. Mit einem Satz war das Untier über ihm. Zähne wie Dolche ragten vor seinem Gesicht auf und näherten sich seiner Kehle. Nur Sekunden trennten den wehrlos am Boden festgepinnten Nachtelfen noch von einem schmerzhaften Tod, der ihn mit zerfetzter Kehle und in tausend blutige Stücke gerissen hier auf der eigentlich so friedlichen Waldlichtung ereilen würde. Da stoppte der Bär in seiner Bewegung und schien irgendwie…zu grinsen?
Geschlagen ließ Abbefaria den Kopf nach hinten sinken und klopfte mit der flachen Hand auf den Boden. „Also schön, Easy, du hast gewonnen. Und jetzt runter von mir. Du bist verdammt schwer.“
Der große Bär über ihm brummte etwas und ließ sich auf seinen Hinterbacken nieder. Abbefaria seufzte und versuchte, den anderen Druiden von sich herunter zuschieben – was schon schwierig war, wenn er sich nicht in seiner Bärenform befand. Dabei berührte die Schulter des Bären, auf der neben einer weißen Mondsichel auch eine frische Wunde prangte, die das Fell rund herum bereits mit Blut getränkt hatte. Der Bär brüllte voller Wut auf und holte erneut zum Schlag aus. Abbefaria glaubte bereits zu spüren, wie die fürchterlich Pranke seinen Schädel zermalmten. Aber dann gab der Bär nur einen weiteren Schmerzenslaut von sich und trollte sich endlich von ihm herunter. Das Tier schleppte sich ein paar Schritte weit und ließ sich dann schwer atmend auf die unverletzte Seite fallen.
Der Körper des Bären begann sich zu verändern; er wurde weniger massig, die Schnauze schrumpfte, die Arme und Beine wuchsen in die Länge und der Pelz verschwand. Kurz darauf lag Easygoing wieder in seiner Nachtelfenform auf der Lichtung. Sein Gesicht war schmerzverzerrt und auf der Stirn unter den zu langen, dunkelblauen Kriegerzöpfen geflochtenen, Haaren glänzte der Schweiß.
„Verdammt, Abbe.“, fauchte er. „Kannst du nicht aufpassen?“
„Entschuldige mal.“, verteidigte sich der kleinere Druide. „Du hättest ja auch gleich runtergehen können, anstatt mir noch eine Rippenquetschung verpassen zu wollen.“
Trotz seiner harschen Worte erhob er sich und wollte nach der Schulter seines Freundes sehen.
Easygoing knurrte ihn an und drehte die Schulter weg. „Das kann ich allein.“
Der große Druide murmelte Worte der Heilung und die Wunde begann bereits sich zu verschließen, bevor er die Formel beendet hatte. Er wartete noch einen Augenblick und bewegte dann zögerlich den Arm.
„Na geht doch.“, brummte er. „Fast wie neu. Du immer mit deinen dämlichen Zaubern.“
Abbefaria hob abwehrend die Hände. „Irgendwie muss ich mich ja wehren.“
„Dann tu das wie ein richtiger Druide!“, raunzte Easygoing, ergriff aber trotzdem Abbefarias ausgestreckte Hand und ließ sich von ihm auf die Füße ziehen. „Oder beschränk dich auf´s Heilen.“
„Das kann er zumindest besser als du.“, mischte sich der dritte anwesende Nachtelf ein, der bis dahin im Schatten eines Baumes nahezu unsichtbar gewesen war. Jetzt streckte er die schlaksigen Glieder und kam langsam näher. In der rechten Hand balancierte er einen Wurfdolch und ließ das rasiermesserscharfe Metall mit spielerischer Leichtigkeit durch die langen Finger gleiten.
„Ich erinnere dich dran, wenn ich dich das nächste Mal zusammenflicken soll.“, knurrte Easygoing.
„Gerne doch, Bruderherz.“ Deadlyone legte den Kopf schief und grinste breit. „Na, Abbe, Lust auf noch eine Runde.“
Der Druide schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Für heute hab ich genug. Sucht euch einen andere Prügelknaben.“
„Würde ich ja gerne, aber Ceredrian ist nach Darnassus unterwegs.“, gab der Schurke zurück und brach zusammen mit seinem Bruder in wieherndes Gelächter aus.
„Ihr spinnt.“, murmelte Abbefaria und verdrehte die Augen. Er ging ein paar Schritte und ließ sich mit einem lautlosen Stöhnen gegen den Baum sinken, unter dem Deadlyone es sich gerade noch bequem gemacht hatte. Der Druide rollte den Kopf von rechts nach links und streckte die verspannte Nackenmuskulatur. Sein Körper wies eine erkleckliche Anzahl an Blutergüssen auf, die aufgrund seiner violetten Hautfarbe allerdings nicht so recht zur Geltung kamen. Weh taten sie trotzdem. Er ließ einen Heilzauber über die gequälten Partie streichen und schloss die Augen. Mit halben Ohr hörte er zu, wie Easygoing und Deadlyone sich zu einer erneuten Runde ihres Kampftrainings verabredeten, und als er die Lider einen Spalt weit öffnete, erstreckte sich vor ihm nicht mehr als die leere Lichtung. Schurke und Druide waren in die reichlich vorhandenen Schatten abgetaucht.

Kein Laut war zu hören, wenn man einmal vom Flüstern des Windes in den Baumkronen und dem leisen Wellenrauschen absah, mit dem das Meer gegen die Küste der Insel Sardor lief. Der graue Sandstrand des Eilands ging rasch in einen schmalen Streifen kurzen, grünen Grases über, der ebenso bald wieder von einem urtümlichen, dunklen Waldbestand abgelöst wurde. Zwischen den riesigen Bäumen, die wie bucklige Riesen, düster und bedrohlich, dicht nebeneinander gedrängt standen, fanden sich selbst mitten am Tag noch Reste des Nebels, der Abend für Abend aus dem Meer emporstieg und über die Insel zog. In den Tiefen der Wälder streiften Bären und wilde Wolfsrudel umher und die Küsten wurden von Nagas unsicher gemacht. Alles in allem war Sardor seinen Besuchern gegenüber nicht eben freundlich gesonnen und seine Bewohner waren eben verschlossen wie kampfkräftig.
Die Nachtelfen, die sich an der nordöstlichen Küste angesiedelt hatten, bildeten dabei keine Ausnahme. Unter den wachsamen Augen von Generalin Shandris Feathermoon, der engsten Vertrauten der Nachtelfenherrscherin Tyrande Whisperwind, wurden hier die besten Kämpferinnen der Schildwache ausgebildet. Die Generalin selbst hatte diesen Ort einige Kilometer vor der Küste von Feralas ausgewählt, ihn in eine Schmiede für außerordentliche Kriegerinnen verwandelt und ihn zu Ehren ihres verstorbenen Vaters auf den Namen Feathermoon getauft. Wer sich der meisterhaften Bogenschützin gegenüber würdig erwies, hatte gute Chancen, es in den Rängen des nachtelfischen Militärs weit zu bringen. Oft genug hörte man die Stimme der geübten Kämpferin wie Peitschenknall über die Übungsplätze hallen, wo sich die ausschließlich weiblichen Rekruten im unbewaffneten Kampf, im Kampf mit der nachtelfischen Gleve und allem voran natürlich im Bogenschießen übten.
Unzählige, bereits ausgebildete Schildwachen bewachten die Siedlung, die eher einer Festung glich, gegen die mannigfaltigen Gefahren, die vom Wasser und aus den Wäldern die Sicherheit Feathermoons bedrohten, und nicht selten schickte die Generalin auch Truppen in das wilde Innere der Insel, wo sich zahlreiche nachtelfische Ruinen befanden, die noch immer nicht vollständig erforscht waren. Hauptsächlich deswegen, weil auch die Nagas einen verstärkten Anspruch auf die Ruinen erhoben und oft ganze Patrouillen einfach niedermetzelten.

Als Abbefaria das charakteristische, metallische Geräusch aneinander reibender Rüstungsteile hörte, glaubte er daher zunächst, eine dieser Erforschungstrupps nähere sich ihnen, um in der hereinbrechenden Nacht einen neuerlichen Vorstoß auf die Ruinen von Solarsal zu unternehmen. Normalerweise bewegten sich die Schildwachen nahezu lautlos, doch im Verbund einer großen Gruppe mochte es durchaus vorkommen, dass sich das eine oder andere Geräusch nicht vermeiden ließ. Es konnte natürlich auch sein…
Oh nein, bitte nicht.
So schnell Abbefaria konnte, ließ er sich tiefer in den Schatten sinken, und als die Silhouette einer einzelnen Nachtelfe über der Grasnarbe des Strandes auftauschte, lag die Lichtung wie verlassen im orangeroten Licht der untergehenden Sonne. Die Schildwache, eine kräftig gebaute Nachtelfe, deren mächtiger Brustpanzer sich über einem muskulösen Oberkörper spannte, stemmte die Hände in die Hüften.
„Ich weiß, dass du hier bist.“, rief sie mit lauter, rauer Stimme. „Komm heraus und zeig dich!“
Nichts rührte sich. Die groben Kieferknochen der Nachtelfe mahlten unablässig Worte, die sie wohl zu sich selbst sprach, während ihre Augen die Lichtung und vor allem die Schatten zwischen den Bäumen absuchten. Als sie nicht fand, wonach sie suchte, schnaubte sie missmutig.
„Du kannst dich nicht ewig vor mir verstecken. Irgendwann wirst du zurückkommen und dann werde ich da sein.“, rief sie noch einmal und in den Ohren des im Schatten versteckten Nachtelfen klang das durchaus wie eine Drohung. Er schloss die Augen und betete, dass dieser Alptraum ihn endlich in Frieden ließe. Als er bis zwanzig gezählt hatte und die Augen wieder öffnete, war die Schildwache verschwunden und an ihrer Stelle standen die beiden feixenden Nachtelfenbrüder und stießen sich in die Seite.
„Hast du gehört, Abbe, sie wartet auf dich.“, neckte Easygoing den anderen Druiden.
„Wenn ich du wäre, würde ich doch lieber noch ein bisschen mit Easy trainieren.“, fiel Deadlyone ein. „Dabei riskierst du bestimmt weniger schmerzhafte Verletzungen.“ Mit einem breiten Grinsen fügte er hinzu. „Keina soll ziemlich leidenschaftlich sein.“
„Ziemlich aufdringlich trifft es wohl eher.“, stöhnte Abbefaria zwischen den Fingern vor seinem Gesicht hervor. „Wann begreift sie endlich, dass ich nicht interessiert bin?“
„Vermutlich erst, wenn ihr eine Naga deinen Kopf auf einem Dreizack serviert.“, spekulierte der Schurke. „Obwohl ich mir nicht sicher bin, dass sie das wirklich abhalten würde.“
Easygoing sah in die Richtung, in der die Schildwache verschwunden war. „Wobei ich sie so übel nun auch wieder nicht finde. Warum gehst du nicht mal mit ihr was Trinken.“
„Und danach noch was anderes.“, fiel Deadlyone ein, der sich sichtlich am Leid des kleineren Druide weidete. „Danach hast du dann garantiert deine Ruhe und wir mal wieder was zu lachen.“
Abbefaria schoss einen glühenden Blick auf den Schurken ab. „Erstens mal bin ich einfach nicht interessiert, klar? Weder zu ihrem noch zu Eurem Vergnügen. Und zweitens hat sie den Charme eines triefäugigen Kodos mit Mundgeruch. Da gehe ich lieber eine Runde mit den Nagas schwimmen.“
Deadlyone machte große Augen. „Ach auf so was stehst du? Na dann wundert mich nichts mehr.“
„Komm her du…“, grollte Abbefaria und wollte sich auf den grinsenden Nachtelfen stürzen, doch der Schurke entwich ihm, drehte ihm eine lange Nase und wies über die Schulter in Richtung der Festung Feathermoon.
„Kommt mit, wir machen was Lustiges.“
„Was denn?“, knurrte Easygoing und bewegte prüfend seine frisch geheilte Schulter.
„Wir gehen rüber auf´s Festland.“, schlug der Schurke vor. „Ich habe gehört, dort soll es eine Arena in den Ruinen von Düsterbruch geben.“
„Gehört?“, fragte Easygoing und seine Augen wurden schmal. „Von wem?“
„Och, von einem Reisenden.“, wich sein Bruder der Frage aus. „Du hast gesagt, ich soll dich daran erinnern, dass du lieber nicht genau wissen willst, woher ich Sachen habe oder weiß.“
Der große Druide verzog das Gesicht. „Ja, solltest du. Also schön, ich bin dabei. Abbe?“
Abbefaria war von der Idee alles andere als begeistert. Allerdings erschien ihm die Aussicht darauf, allein auf der Insel zurückzubleiben und womöglich der liebestollen Keina noch einmal über den Weg zu laufen, ebenso wenig reizvoll. So seufzte er und meinte dann mit einem halben Lächeln: „Also schön, ihr habt mich überzeugt. Auf zum Hafen.“


Die drei Freunde umgingen einen großen Teil der Siedlung und steuerten zielsicher auf den Anlegesteg zu, der von der Insel aus weit in das nördliche Meer hinausragte. Etwa einmal die Woche legte dort ein Schiff an, das Waren und manchmal sogar Reisende oder neue Rekruten vom Festland auf die Insel brachte und im Gegenzug diejenigen, die von der Insel herunter wollten oder mussten auf die andere Seite der Meerenge brachten.
Am Ende des Steges angekommen blickte Easygoing in Richtung der untergehenden Sonne. „Welchen Tag haben wir?“
„Keine Angst, das Schiff kommt heute.“, beantwortete Deadlyone die Frage hinter der Frage. „Ich habe mich extra erkundigt.“
Sein Bruder nickte zunächst, dann stutzte er und fasste den Schurken scharf ins Auge. „Du hast das alles doch von langer Hand geplant, hab ich Recht?“
„Du überschätzt mich.“, wiegelte Deadlyone ab. „Woher hätte ich denn wissen sollen, dass ihr tatsächlich einwilligt? Gerade Abbe ist doch zu so etwas normalerweise nicht zu bewegen.“
„Stimmt auch wieder.“, brummte Easygoing nicht recht überzeugt.
Deadlyone begann kleine Steine ins Wasser zu werfen. „Ja sicher stimmt das. Sonst hätte ich ja so etwas Verrücktes tun müssen, wie mich in die Unterkünfte der Schildwachen zu schleichen und Keina einen sorgfältig gefalteten Zettel unter das Kopfkissen ihres Feldbettes zu legen, auf dem Abbe sie um ein Stelldichein bittet.“ Er hob den Kopf und grinste breit. „Aber so etwas würde ich natürlich nie tun.“
Abbefaria verspürte urplötzlich die Lust, Deadlyone das Grinsen mit den bloßen Fäusten aus dem Gesicht zu wischen. Er gönnte dem Schurken die Genugtuung jedoch nicht, und gähnte betont geleangweilt. „Ja, das wäre wirklich dämlich. Wenn Keina nämlich erfahren würde, wer sie da reingelegt hat, wäre sie bestimmt sehr ungehalten. Ich frage mich, wem sie wohl eher glauben würde: mir oder dir.“

Befriedigt sah Abbefaria, dass Deadlyone tatsächlich eine Spur blasser geworden war. Aber nur für einen Moment, dann kehrte der leicht überhebliche Ausdruck, der seinen normalen Gesichtsausdruck darstellte, wieder zurück.
„Das Dumme ist nur, dass du dann mit ihr reden müsstest und ich weiß,dass du das nicht tun wirst. Zumindest nicht freiwillig.“
Easygoing schüttelte nur den Kopf. „Ihr beiden…ich frage mich nur, Abbe, warum du die Gelegenheit nicht einfach wahrnimmst. Ich meine, Keina ist keine Schönheit, aber sie hat immerhin zwei sehr überzeugende Argumente, die für sie sprechen.“ Der Druide hielt sich in einer vielsagenden Geste die Hände vor den Brustkorb.
„Ich glaube, es sind eher die schlagenden Argumente, die ihn abschrecken.“, stichelte Deadlyone. „Ich habe gehört, sie spaltet ein massives Holzstück mit der bloßen Hand. Da wird unser kleiner Abbe ja ganz zerdrückt.“
„Könnten wir jetzt bitte das Thema wechseln.“, grollte Abbefaria in einem Ton, der das Lachen aus den Gesichtern seiner Freunde verschwinden ließ und eisiges Schweigen verbreitete. Deadlyone warf weiterhin Steine ins Wasser und Easygoing ließ sich neben Abbefaria auf den Steg sinken. Für eine Weile sprach keiner, dann räusperte der große Druide sich.
„Reg dich mal wieder ab.“, brummte er. „Du weißt doch, wie das gemeint ist.“
„Ich kann trotzdem nicht darüber lachen.“, knurrte Abbefaria.
„Wir wollen doch nur, dass du ein bisschen Spaß hast.“, erklärte Easygoing weiter. „Seit du von deinem Ausflug wiedergekommen bist…“
„Lass es einfach.“, winkte Abbefaria ab. „Schon gut. Ich weiß, wie´s gemeint ist und Schluss. Ich habe keine Lust, schon wieder über meinen Ausflug zu reden.“
„Wie du willst.“, erwiderte Easygoing und Deadlyone sprang auf.
„Da kommt das Schiff. Los ihr Schnarchnasen. Wer zuletzt an Bord ist, muss die Fahrt bezahlen.“

Abbefaria ließ sich von dieser Drohung nicht erschrecken. Er war einem Fallensteller auf der Insel zur Hand gegangen und dieser hatte ihn geradezu fürstlich belohnt. Daher konnte der Druide es sich leisten, betont gemächlich das Schiff zu betreten und die Kapitänin für die Überfahrt zu bezahlen. Während die Münzen den Besitzer wechselten, musste er kurz an Easygoings Reaktion auf seinen plötzlichen Reichtum denken. Blutgeld hatte der andere Druide seinen Lohn abwertend genannt. Abbefaria war sich allerdings nicht sicher, ob sich das tatsächlich auf das Handwerk seines Auftraggebers bezog, oder ob der Grund dafür nicht viel eher die Tatsache war, dass Pratt McGrubben ein Mensch war; der einzige Mensch, der zusammen mit den Nachtelfen auf der Insel  Sardor wohnte.

Der Druide stellte sich ein wenig abseits der beiden anderen an die Reling und starrte aufs Meer hinaus. Er ignorierte das leise Rascheln von Papier in seinem Kopf und beförderte das Gedankenbuch, in dem er seine Erinnerungen an seine Zeit bei den Menschen und besonders eine gewisse Hexenmeisterin eingeschlossen hatte, mit einem gezielten, mentalen Tritt wieder dorthin, wo er es in seinem Geist versenkt hatte. Der Einzige, mit dem er je über seinen Inhalt geredet hatte, war Ceredrian. Wobei darüber geredet nicht wirklich der richtige Ausdruck war. Er hatte sich verplappert und der Priester hatte einfach die richtigen Schlussfolgerungen gezogen. Er hatte Abbefaria geraten, die Sache nicht zu schwer zu nehmen und einfach nach einer anderen Kandidatin Ausschau zu halten, an die er sein Herz verschenken konnte. Außerdem, so hatte er nach einigen Zögern angefügt, würde aus einer Liebe zu der Frau eines anderen ohnehin nichts Gutes erwachsen und Abbefaria würde sich viel Kummer ersparen, wenn er es bleiben ließe. Und wer, wenn nicht Ceredrian, konnte sich in solchen Dingen auskennen. Es war somit richtig, die Erinnerung an die Hexenmeisterin und das, was zwischen ihnen vorgefallen war, weit von sich zu schieben und sich auf das zu konzentrieren, was vor ihm lag. Denn wenn Deadlyone es geplant hatte, bedeutete es nämlich mit ziemlicher Sicherheit eine ganze Menge Ärger.





„JUNGE DAME, wenn du nicht augenblicklich hier herunter kommst, bedeutet das eine ganze Menge Ärger für dich!“
Unter anderen Umständen hätte der Mann, der dort in einem Nachthemd und mit einer Bommelmütze auf dem Kopf auf einem Bein herumhüpfte und dabei schimpfte wie ein Rohrspatz, sicherlich komisch gewirkt. Aber Strahad Farsan war kein Mann, über den man lachen sollte, wenn man es vorzog, nicht frühzeitig eines langsamen und qualvollen Todes zu sterben Allerdings sah die junge Dame, die durch sein Geschrei geweckt worden war und jetzt verschlafen und zerzaust die Treppe herunter gestolpert kam, auch nicht unbedingt aus, als wäre ihr nach Lachen zumute.
Strahad Farsan schob die ergrauten Augenbrauen zu einer steilen Falte zusammen. „Magenta! Dein Teufelsjäger ist heute Nacht schon wieder frei im Turm herum gestreunt, er hat die Bibliothek verwüstet, zwei magische Artefakte vernichtet und noch dazu die Katze gefressen. Anders kann ich mir das hier  nicht erklären.“
Er hob anklagend den Fuß mit dem ebenfalls bebommelten Pantoffel, an dem eine formlose, undefinierbare, allem voran aber scheußlich stinkende Masse klebte.
An der anderen Seite des Raumes klappte eine Tür. „Was ist das für ein Lärm hier mitten in der Nacht.“, wollte Menara Voidrender wissen. Sie schlug den Morgenrock fester um sich und verzog das Gesicht. „Und was ist das für ein beißende Gestank? Das treibt einem ja die Tränen in die Augen.“
„Frag sie!“, polterte Strahad Farsan und wies auf die junge Hexenmeisterin. „Ihr Teufelsjäger hat anscheinend sein Revier markiert. Mitten in meiner Bibliothek.“
„Tut mir leid.“, nuschelte Magenta und ließ den Kopf hängen. Anscheinend hatte sie vergessen, Sloojhom gestern Abend noch zu entlassen, bevor sie ins Bett ging. Es war bereits das dritte Mal in dieser Woche.
Tut mir leid! Tut mir leid! “, echote Strahad Farsan und sah sich erfolglos nach etwas um, mit dem er seinen Pantoffel hätte säubern können. Als er nichts fand, ließ er das verdorbene Kleidungsstück seufzend zu Boden fallen, wo es in Flammen aufging und binnen Sekunden zu einem Häuflein Asche verkohlte. „Du wirst diese Schweinerei  jetzt beseitigen. Und zwar ohne irgendwelchen magischen Hilfsmittel.“
„Ist gut.“
„Und wenn ich auch nur noch ein einziges…“
„Ist gut.“, murmelte Magenta noch mal und schlurfte dann hinfort, um sich Eimer und Putzlappen zu holen.

Strahad Farsan sah ihr nach und schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, warum ich mich eigentlich darauf eingelassen habe.“, schimpfte er vor sich hin. „Was hat mich nur dazu bewogen, diese Göre in mein Haus aufzunehmen? Ich muss verrückt gewesen sein!“
„Oder einfach nur ein wenig nostalgisch.“, lächelte Menara. Sie reichte Strahad ein neues Paar Hausschuhe. „Erinnert sie dich nicht an jemanden?“
„Ich wüsste nicht an wen.“, brummte der Hexenmeister und äscherte auch den zweiten Bommelschuh ein. „So ein depressiver Plagegeist ist mir seit Jahren nicht untergekommen.“
„Stimmt.“, antwortete Menara und ihr Lächeln wurde breiter. „Deine Jugend ist ja auch schon ein paar Jahre her.“
Er runzelte die Stirn. „Was willst du damit sagen?“
„Nun, mich erinnert diese junge Frau an einen gewissen jungen Mann, der sich unsterblich in eine gewisse Magierin verliebt hatte, die sein Werben aber einfach nicht erhören wollte.“
„Ich weiß nicht, von wem du sprichst.“, grollte Strahad Farsan und klingelte nach einem Akolyten, damit der ihm etwas zu Essen und einen Kaffee brachte. Gerade als der Hexenmeister überlegte, ob man zu dieser Stunde, die man eher sehr spät als früh nennen konnte, wohl auch noch etwas Branntwein in das heiße Getränk ordern sollte, dämmerte ihm langsam, was Menara andeuten wollte. Er stieß einen Laut der Entrüstung aus.
„Ich habe mitnichten irgendetwas mit dieser Schülerin gemein.“, echauffierte er sich. „Ich war wesentlich fähiger als sie, beherrschte in ihrem Alter bereits das Beschwören einer Teufelswache und überhaupt…sieh dir nur an, wie sie herum läuft. Mich  hätte man niemals in einem derart desolaten Zustand vorgefunden. Liederlich gekleidet mit einer zerfetzten Robe.“
„Jetzt klingst du wie ein Magier.“, stichelte Menara gutmütig. „Aber was die Robe angeht, muss ich dir Recht geben. Vielleicht wird es Zeit, dass sie endlich  ihren Lohn für ihre Mühe erhält.“
Strahad Farsan brummte etwas Unfreundliches vor sich hin, ließ aber zu, dass Menara nach Magenta rief, obwohl die junge Frau gerade mal die Hälfte der Schweinerei in der Bibliothek bereinigt hatte.

Magentas Hand krallte sich um den Mobstiel, als sie vor ihre Lehrmeister und trat. Sie war sich nicht sicher, welche weitere Strafe sich die beiden wohl für sie ausgedacht hatten. Womöglich hatten sie entdeckt, dass Magenta vor drei Tagen auch eine der kostbaren Seherkugeln zerbrochen hatte, bei dem Versuch, die Vision eines bestimmten Nachtelfen hervorzurufen. Magenta war sich zwar sicher, dass sie das Brandloch, das die Kugel auf dem Teppich hinterlassen hatte, sorgfältig abgedeckt hatte, aber man wusste ja nie.
„Magenta.“, sagte Menara und die junge Hexenmeisterin zuckte zusammen. Der Ton der älteren Hexenmeisterin war sanft, aber Magenta wusste aus Erfahrung, dass sich das binnen Sekunden ändern konnte.
„Komm näher, Kind.“, sagte Menara und  deutete auf den Platz direkt vor sich. „Ich habe etwas für dich.“
Magenta hörte das Rascheln von Stoff und das Knistern magischer Entladungen, als Menara nach einem Bündel griff, das sie Magenta mit einem breiten Lächeln reichte. Der Blick der jungen Hexenmeisterin irrte für einen Augenblick zu Strahad Farsan, der immer noch eine steile Falte auf der Stirn hatte und dann zurück zu Menara.
„Für mich?“, fragte sie erstaunt.
„Aber ja, dummes Kind.“, erwiderte Menara und ihr Ton wurde eine Spur ungeduldiger. „Immerhin hast du hart dafür geschuftet…und ich auch. Also los, pack die Robe endlich aus. Ich will sehen, ob sie passt.“
Endlich dämmerte Magenta, was sich in dem Paket befand. Mit fliegenden Fingern öffnete sie die Schnur, die das Päckchen zusammenhielt und eine Kaskade aus rotem und braunem Stoff ergoss sich vor ihr auf den Fußboden. Bewundernd glitten ihre Finger über das weiche und zugleich feste Gewebe, über die mit feinstem Goldfaden eingestickten Runen und Verzierungen, den dunklen, fast samtartigen Stoff, gefärbt mit der Asche von Feuerelementaren und getränkt mit dem Blut der Sartyre, das Magenta in Maraudon erbeutet hatte, und blieben schließlich an der Schließe der Robe hängen, die, wie Magenta erkannte, aus dem Stein der Höllenbestie geformt worden war. All das hatte Menara mit Hilfe des Seelensplitters erschaffen, den Magenta ihr bereitwillig ausgehändigt hatte. Es war wie ein kleines Wunder.
„Beeindruckend, nicht wahr?“, fragte Menara und auf ihrem Gesicht erschien ein selbstgefälliges Lächeln. „Ich habe lange keine so gute Robe mehr gemacht. Die Materialien, die du besorgt hast, waren ausgezeichnet.“
„D-danke.“, stotterte Magenta. Sie konnte immer noch nicht fassen, dass sie statt einer weiteren Strafe jetzt so etwas erhielt. Dann wanderte ihr Blick zum zerfetzten Ärmel ihrer alten Robe und der Stich, den ihr Herz dabei bekam, ließ sie das Gesicht verziehen. „Danke, aber ich kann sie nicht annehmen.“
„Was?“ Menaras Lächeln entgleiste. „Was soll das heißen? Ich habe über eine Woche daran gearbeitet. Du wirst sie tragen.“
„Aber…“ Magenta kam nicht dazu, weiter zu sprechen.
„Menara hat Recht.“, sagte Strahad Farsan und stellte seine leere Tasse ab. „Es wird Zeit, dass du wieder in die Welt hinausgehst und etwas unternimmst. Und wenn dich diese Robe nicht aufheitert, dann habe ich etwas für dich. Eine Aufgabe, deren Belohnung etwas richtig Großes, Gewaltiges sein wird.“
„Und was?“ Magenta war sich nicht sicher, ob sie es wirklich wissen wollte, doch ihr Lehrmeister sprach unbeirrt weiter.
„Du wirst dich nach Felwood begeben. Dort gibt es eine Menge freier, dämonischer Macht. Es ist geradezu ein Kurort für Hexenmeister wie uns. Außerdem wirst du dort jemanden besuchen. Einen begnadeten Hexenmeister, Niby, den Allmächtigen.“
Menara atmete tief ein und wollte offensichtlich etwas sagen, doch Strahad Farsan brachte sie mit einer Geste zum Schweigen.
„Niby wird dir beibringen, wie man eine Höllenbestie beschwört.“, erklärte er. „Das ist genau das, was du brauchst.“
„Was bitte soll sie denn mit einer Höllenbestie?“, schnappte Menara. „Da sieht man mal wieder, dass du keine Ahnung hast.“
„Was denn?“, verteidigte sich Strahad Farsan. „Es ist groß, es ist laut, es macht ordentlich Schaden! Welcher Hexenmeister wollte nicht  unbedingt seine eigene Höllenbestie haben. Sie sind extrem praktisch.“
„Wofür? Um Löcher in den Fußboden zu stanzen und alles in einer halben Meile Umkreis in Schutt und Asche zu legen.“, giftete Menara.
„Ja genau.“, strahlte Strahad Farsan. „Wenn du doch weißt, wozu man sie braucht, warum fragst du dann noch?“
Menara Voidrender wollte noch etwas erwidern, überlegte es sich dann aber anders und verschloss den Mund zu einem dünnen Strich. Sie musterte Magenta, die immer noch mit der Robe im Arm dastand und sich ziemlich überflüssig vorkam.
„Na schön.“, knurrte Menara Voidrender. „Felwood also. Mir soll es recht sein. Und mit der Robe kannst du machen, was immer du möchtest.“ Damit stand sie auf und verließ mit wehendem Morgenmantel den Raum. Strahad Farsan lehnte sich in seinem Sessel zurück.
„Weiber!“, murmelte er und verdrehte die Augen. „Und du solltest lieber zusehen, dass du den Dreck von deinem Teufelshund aufgekehrt bekommst, bevor er sich noch in das untere Stockwerk vorfrisst. Die Schlafräume der Akolythen liegen genau unter der Bibliothek.“
„Ja, Meister, sofort.“, beeilte Magenta sich zu versichern. Sie verbeugte sich noch einmal knapp und folgte dann Menara Voidrender die Treppe hinunter. An der Tür nach draußen holte sie die ältere Hexenmeisterin ein.
„Meisterin Voidrender?“
„Was willst du?“, brummte die Frau. Sie war mit einem dunklen Umhang bekleidet und hatte die Hand bereits an die Türklinke gelegt.
„Ich…ich wollte Euch danken.“, stotterte Magenta. „Ihr habt so viel für mich getan und ich bin so undankbar. Es tut mir leid.“
Für einen Moment sah es so aus, als wollte die andere Frau zu einer geharnischten Antwort ansetzen, doch dann seufzte sie nur und nickte Magenta zu. „ Es ist gut. Du kannst nichts dafür. Ich habe mich nur…geärgert, das ist alles. Wir beide wissen doch, das keine Robe und kein Dämon dieser oder einer anderen Welt dir wirklich das Glück bringen wird, dass du dir erhoffst.“
Magenta errötete.
„Was? Bereust du jetzt, dass du mir die Geschichte mit dem Nachtelfen erzählt hast?“, lachte Menara auf. „Du wärst doch geplatzt, wenn du es nicht getan hättest. Stundenlang hast du mir in den letzten Wochen von ihm vorgeschwärmt, wenn du nicht gerade darüber gejammert hast, dass er nichts von dir wissen will.“
Das Rot auf Magentas Wangen wurde noch dunkler und sie senkte die Augen. „Ich bin dumm.“, sagte sie leise.
„Du bist nicht dumm, nur ziemlich jung, auch wenn ziemlich häufig beides gleichzeitig der Fall ist.“, antwortete Menara und ihr Ton wurde wärmer. „Wenn man jung ist, folgt man noch seinem Gefühl, egal was der Verstand dazu sagt. Und vielleicht ist das in deiner Situation nicht einmal der schlechteste Weg. Geh nur und versuche dein Glück. Vielleicht ist es dir ja hold und du läufst diesem Abbefaria ja tatsächlich noch einmal über den Weg, obwohl ich es für ziemlich unwahrscheinlich halte. Aber zunächst einmal, musst du tun, was Strahad befohlen hat. Geh nach Felwood und besuche Niby, aber versprich mir, dass du die Robe tragen wirst. Der verfluchte Wald dort ist kein ungefährliches Pflaster – besonders nicht in Nibys Nähe - und ich würde mich besser fühlen, wenn die Zaubersprüche, die ich in den Stoff eingewebt habe, dich zumindest ein wenig beschützen.“
Magenta sagte daraufhin nichts mehr. Sie nickte nur und nahm dann die Hand von der Tür, so dass Menara ungehindert hindurch schlüpfen konnte. Für eine Weile sah Magenta der älteren Hexenmeisterin nachdenklich nach und versuchte zu verarbeiten, was hier gerade geschehen war. Doch gerade, als die Tatsache zu ihr durchzudringen begann, dass sie so eben Menaras Billigung erhalten hatte, sich auf die Suche nach Abbefaria zu begeben, ertönte ein panischer Schrei aus einer der Unterkünfte der Akolyten.
„Was bei Sargeras’ linken Zehennagel tropft da aus der Decke? Iieh, wie das STINKT!“
„Ach nein, nicht doch.“, stöhnte Magenta auf und beeilte sich mit Mob und Putzeimer endlich etwas gegen Sloojhoms Hinterlassenschaften zu unternehmen.





Abbefaria nieste. Sofort ruckte der Kopf der zweiten, schwarzen Raubkatze vor ihm herum. Easygoing hatte die Ohren angelegt und durchbohrte ihn förmlich mit Blicken. Abbefaria duckte sich unwillkürlich tiefer ins Unterholz und fuhr mit der rauen Zunge über seine immer noch juckende Nase. Was konnte er denn dafür, dass der dumme Tropfen zielsicher vorne auf seiner Schnauze landete?
Immer noch dicht an den feuchten Waldboden gepresst, folgte er Easygoing weiter durch die mannshohen Farne, über moosüberwucherte Steine und umgestürzte, vor Feuchtigkeit glitschige Baumstämme auf ihr Ziel zu. Über ihnen rauschte der Regen auf das Blätterdach von Feralas herab und tauchte den Wald darunter in eine diesige Dunstschicht. Vereinzelte Lichtstrahlen durchdrangen das dichte Laubwerk und trafen wenige Meter über dem Boden auf fadenförmige Nebelschleier, die wie übergroße Spinnenweben zwischen den Bäumen hingen. Die allgegenwärtige Feuchtigkeit des Regenwaldes ließ die Luft dumpf werden und gab ihr einen schweren Geschmack nach vermoderndem Holz und frischen Pilzen. Welke Blätter des Vorjahres raschelten unter Abbefarias Pfoten, als er sich neben Easygoing schob, der flach auf dem Bauch lag und mit hin und her zuckendem Schwanz auf einen Hohlweg hinabstarrte.
„Was siehst du?“, fragte der kleinere Druide leise.
„Sch.“, machte Easygoing nur und stellte die langen Ohren auf. Abbefaria tat es ihm gleich und dann hörte er es ebenfalls: Auf dem Weg kam jemand. Zwei Personen, der eine groß und schwer, der andere klein und leichtfüßig. Dem Tonfall nach zu urteilen, stritten sie miteinander, auch wenn Abbefaria nicht verstehen konnte, worum es ging.
Vermutlich hätte er jetzt nur abwarten müssen, bis die zwei näher kamen, doch die Neugier war stärker. Er erhob sich wieder, ignorierte Easygoings warnendes Knurren und schob sich zwischen den nassen Farnen hindurch näher an die Stimmen heran. Ein Ast knackte in seiner Nähe. Abbefaria schrak zusammen und fuhr die Krallen ein Stück weit aus, bis ihm ein vertrauter Geruch entgegen wehte. Seine sprungbereiten Muskeln entspannten sich wieder und er schenkte Deadlyone einen bösen Blick. Der Schurke grinste, zwinkerte ihm zu und verschwand dann wieder in den Schatten. Anscheinend hatte er die Stimmen ebenfalls gehört und pirschte sich jetzt an ihren Ursprungsort heran. Von einem plötzlichen Anfall von Ehrgeiz gepackt, ließ Abbefaria alle Vorsicht fahren und sprang mit großen Sprüngen durch das Unterholz. Wenn ihn jemand erblickte, würde derjenige außer einer großen, schwarzen Raubkatze mit einem weißen Fleck auf der Schulter ohnehin nicht viel zu sehen kriegen. Allerdings schien es auch wenig wahrscheinlich, dass die zwei Streithähne überhaupt irgendetwas bemerkten, das kleiner war als ein ausgewachsener Drache.

„Sei vorsichtig damit, du Riesentölpel“, quäkte der kleinere der beiden Wegbeschreiter. Die grüne Haut, gepaart mit einer schmächtigen Statur und dafür umso größeren Fledermausohren wies ihn eindeutig als Goblin aus. „Wenn du noch eins der Schilder zerbrichst, ziehe ich dir das von deinem Lohn ab.“
„Lohn?“ Die den Goblin um mehr als das Dreifache überragende Gestalt kratzte sich am Kopf. Es klang, als würde jemand mit einem stumpfen Messer über eine Tischplatte schaben. „Aber Gropp noch nie Lohn gekriegt.“
„Das liegt daran, dass du immer alles kaputt machst.“, zeterte der Goblin. „Und nun bring deinen Ogerhintern in Bewegung und stell das nächste Schild auf.“
„Okidoki.“, antwortete der Oger vergnügt und griff nach einem der Gegenstände, die er im Arm trug. Er nahm sorgfältig Maß und rammte den angespitzten Holzpfahl in den Boden…mit der unangespitzten Seite zuerst,
„AAUUUAAAHH!“, heulte der Oger auf. Er ließ sämtliche Schilder fallen und steckte den Daumen in den Mund. „Gropp hat Splitter im Finger!“
„Heb sofort die Schilder wieder auf!“, kreischte der Goblin und raufte sich die nicht vorhandenen Haare. „Wie kann man nur so dämlich sein? Du kannst wirklich froh sein, dass du nicht auch noch Pudding in den Muskeln sondern nur im Kopf hast, sonst hätte ich dich schon längst an die Zentauren verfüttern lassen.“
„Nein!“, nuschelte der Oger „Nicht Zentauren. Zentauren nicht nett. Pieken Gropp mit Speeren und lachen Gropp aus.“
„Das liegt daran, dass sie nicht mit dir zusammenarbeiten müssen.“, knirschte der Goblin. „Da vergeht einem das Lachen nämlich ganz schnell.“
Er nahm eines der Schilder, die der Oger hatte fallen lassen, und drückte sie dem Koloss in die Hand. „So herum. Und jetzt stell es auf und sammle den Rest wieder ein. Ich will vor der Dämmerung wieder in Düsterbruch sein. Diese verdammten Wälder sind mir nicht geheuer.“
„Okidoki, Dreeble.“
Der Oger rammte das Schild – diesmal  mit der richtigen Seite nach oben – in den weichen Waldboden, klaubte den Rest vom Weg auf und wankte dann zusammen mit dem Goblin von dannen.
„Meinst du, Giago wird diesmal wieder gewinnen?“, fragte der Oger. „Ich mag Giago. Er guter Oger. Groß und stark. Und Brlee. Er nicht so groß und stark, aber er hat Axt. Meinst du Brlee kann wieder gewinnen?“
„Was weiß ich denn?“, meckerte der Goblin. „Wenn ich es wüsste, wäre ich bestimmt nicht mehr hier und würde mit dir die Drecksarbeit verrichten. Die Werbebranche ist einfach nichts für mich.“
„Oh, ich hoffe es bald soweit…ich mögen Kämpfe.“
„Pass lieber auf, dass du mir die Schilder nicht an den Kopf schlägst.“
„Okidoki!“
„Und sag nicht immer okidoki.“
„Okidoki!“

Abbefaria sah noch einmal prüfend in beide Richtungen, dann sprang er auf den Hohlweg hinunter und lief zu dem Schild. Der Geruch des Ogers nach Bratenfett und ungewaschenen Lumpen lag in der Luft. Abbefarias Schnurrhaare kräuselten sich, als seine feinen Sinne die Duftspur aufnahmen, und er verwandelte sich zu seinem eigenen Behagen zurück, bevor er las, was auf dem Schild stand:

Nächsten Monat großes Turnier in der Arena von Düsterbruch. Der purpurne Ring präsentiert die legendärsten Gladiatoren des Landes in einem Kampf auf Leben und Tod. Beginn beim ersten Sonnenaufgang nach Neumond.

„Brr, Sonnenaufgang.“, bemerkte Deadlyone, der unbemerkt neben Abbefaria getreten war. „Warum machen die das nichts einfach nachts. Ist doch viel einladender.“
Abbefaria, der bemüht war, sich sein Erschrecken durch den plötzlich aufgetauchten Schurken nicht anmerken zu lassen, zuckte nur mit den Schultern.
„Wahrscheinlich wollen sie nicht, dass Nachtelfen daran teilnehmen.“, meinte Easygoing, der ebenfalls auf den Hohlweg getreten war. „Was meint ihr? Machen wir da mit?“
Deadlyone wollte schon begeistert zustimmen, doch Abbefaria verneinte entschieden „Ich glaube, das ist eine Nummer zu hoch für uns. Da steht auf Leben und Tod. Ich glaube nicht, dass die sich damit begnügen, dich auszubuhen, wenn du verlierst. Denk mal an die Arena in Gadgetzan.“
„Genau daran denke ich.“, grinste Easygoing. „Du hast doch wohl nicht etwa Angst, dass wir verlieren könnten?“
„Och, wenn ich Abbe wäre, hätte ich auch Angst.“, stichelte Deadlyone. Er winkelte die Ellenbogen an und stolzierte eine Flügelbewegung imitierend um den Druiden herum. „Komm schon, kleines Hühnchen. Putt, putt, putt.“
„Lass den Quatsch.“, fauchte Abbefaria. „Ich meine ja nur, dass das wirklich gefährlich sein könnte. Und ich habe nicht vor mein Leben auf irgendeinem dreckigen Arenaboden zu beenden.“
„Lass gut sein, Deadly.“, winkte Easygoing seinem Bruder. „Abbe hat Recht. Mit ihm in einem Team würden wir vermutlich wirklich verlieren. Wir sollten warten, ob Cere rechtzeitig wieder zurück ist.“
Deadlyone machte ein unflätiges Geräusch. „Der? Dann doch lieber mit Abbe.“
„Vielen Dank für die Blumen.“, knurrte der kleinere Druide. „Aber wo wir gerade davon sprechen, Ceredrian ist schon ziemlich lange unterwegs. Vielleicht sollten wir zurückgehen und nachsehen, ob er schon da ist. Hier scheint es ja nichts Interessantes mehr zu geben. Dein tolles Turnier ist ja erst in einem Monat“
„Och nööö.“, maulte Deadlyone. „Lasst uns wenigstens noch ein paar Oger umhauen gehen. Oder meinetwegen nachts Tauren umschubsen in Camp Mojache. Oder noch ein paar von Abbes Lieblingsfreunden, den Yetis erlegen. Alles aber nicht zurück auf diese todlangweilige Insel. Mag ja sein, dass ihr Druiden es toll findet, den ganzen Tag im Wald rumzuhängen, aber mir ist das zu öde.“
„Er hört sich schon an wie Ceredrian.“, urteilte Abbefaria fachmännisch und sah Easygoing an. „Findest du nicht?“
„Naja fast.“, brummte der große Druide. „Wir könnten ihm noch ein Kleid anziehen, dann wirkt es echter.“
„Ach ihr habt sie doch nicht alle.“, grollte der Schurke beleidigt. „Macht doch was ihr wollte, ich geh Gnolle ärgern.“
„Da bin ich dabei.“, schloss sich Easygoing ihm an. „Abbe?“

Abbefaria überlegte einen Augenblick lang. Eigentlich wäre es ihm wirklich am liebsten gewesen, gleich wieder zur Insel Sardor zurückzukehren. Er erwartete Ceredrians Rückkehr, weil er sich von dem Priester Nachricht von seiner Schwester erhoffte. Er hatte ihr Grüße ausrichten lassen, nachdem er zu feige gewesen war, Ceredrian nach Darnassus zu begleiten um ihr selbst gegenüber zu treten. Navala hatte so eine Art Dinge aus ihm herauszukriegen, die er ihr nicht erzählen wollte, und es gab nun einmal Sachen, eine gewisse Hexenmeisterin betreffend, die der Druide zurzeit lieber für sich behielt. Kleine Schwestern musste nicht alles wissen.
„Also was nun? Kommst du?“, drängelte Deadlyone und Easygoing sah ihn auffordernd an.
„Also schön.“, seufzte er. „Aber nur bis zur Dämmerung, dann geht´s wieder zurück zur Insel.“
„Abgemacht.“, strahlte Deadlyone. „Aber zurück schwimmen tu ich nicht.“
„Und wie willst du dann rüber kommen?“, erkundigte sich sein Bruder.
„Na ihr tragt mich.“, antwortete der Schurke. „Ganz einfach.“
„Träum weiter.“, knurrte der große Druide, gab seinem Bruder noch einen wenig sanften Rempler und verwandelte sich wieder in eine schwarze Raubkatze, die sogleich im Unterholz verschwunden war.
„Sieh mich nicht so an.“, verteidigte sich Abbefaria. „Meine Idee war das mit dem Hierbleiben nicht.“ Er grinste breit, verwandelte sich ebenfalls und folgte Easygoing ins Gebüsch.
„Oh man.“, knurrte Deadlyone und machte sich daran, den beiden Druiden zu folgen. „Irgendwie isses lustiger, wenn wir auf Abbe rumhacken. Na wartet, euch krieg ich schon noch.“
Er sprang ebenfalls ins Unterholz und war kurz darauf ebenso wie seine beiden Freunde in den Schatten verschwunden. Zurück blieb das Hinweisschild, das ein wenig schief im Boden stand und Ausschau nach lohnender Kundschaft hielt. Der Regen setzte wieder ein und die schweren Tropfen pladderten auf die Blätter, liefen die Äste entlang und tropften schließlich auf das Schild herunter, dessen schwarze Farbe kurz darauf anfing zu zerfließen. Es sah aus, als würden schwarze Tränen zur Erde tropfen und sich dort mit dem Regen zu einem Rinnsal mischen, das schließlich irgendwo im Boden versickerte. Und nach wenigen Minuten wusste niemand mehr, was irgendwann einmal auf dem hölzernen Hinweisschild zu lesen gewesen war.





„Was steht da?“ Magenta kniff die Augen zusammen und fixierte den verwitterten Wegweiser. „Keine Ahnung, was das für Schriftzeichen sind, aber lesen kann ich sie nicht.“
„Ach, du kannst lesen?“, staunte Pizkol. „Ist ja mal was ganz Neues.“
Magenta schoss einen bösen Blick auf den Wichtel ab und blickte dann wieder zu dem Schild hinauf. „Azsh…nein, das kann nicht stimmen. Oder heißt das Astranaar? Dann müssten wir in diese Richtung zurück. Oh verflucht.“
Vor einiger Zeit hatte Magenta sich gerade noch dazu beglückwünscht, wie einfach es doch dieses Mal gewesen war, aus dem Brachland herauszukommen. Sie hatte schon befürchtet, sie müsse sich wieder ihren Weg freikämpfen, doch irgendjemand war freundlicherweise mit einer Belagerungsmaschine in die hölzernen Barrikaden gefahren, die die Horde an den Eingängen des Brachlandes errichtet hatte. So hatte Magenta nichts weiter tun müssen, als sich zwischen den Trümmern hindurch zu schlängeln, um in die Wälder von Ashenvale zu gelangen. Und jetzt scheiterte sie hier an einem simplen Wegweiser.

„Was heißt denn nur das da?“, grübelte sie weiter. „Da ist ein Totenkopf daneben gemalt.“
„Vermutlich: Vorsicht Bären, Wölfe, Schlangen, Spinnen und sonst noch jede Menge Kroppzeug.“, moserte Pizkol. „Oh guck mal, Frühstück.“
„Ich glaube nicht, dass die Schale da für dich ist.“, wies Magenta ihren Wichtel zurecht und musterte weiter die unleserlichen Zeichen.
„Nicht? Schade.“ Mit einer Geste ließ der Wichtel die hölzerne Schale mit Nüssen und Früchten, die am Fuß des Wegweisers stand, in Flammen aufgehen. „Bratapfel gefällig?“
„Pizkol! Du bist noch weniger als nicht hilfreich.“, meckerte Magenta, deren Magen beim Geruch der schmorenden Früchte zu knurren begann. Als sie aufgebrochen war, hatte sie es gerade noch geschafft, an ihre Robe, ihr Pferd und Proviant für einen Tag zu denken. Der jedoch war längst aufgezehrt, noch bevor sie das Brachland hinter sich gelassen hatte.

„Also lass es uns mal logisch angehen.“, sagte sie mehr zu sich selbst.
„Wieso, hast du deine Würfel verlegt?“, ätzte Pizkol. Magenta zog es vor, nicht darauf einzugehen.
„Wir kommen von da hinten. Dort ist also falsch. In diese Richtung dort müsste Astranaar liegen und irgendwie bezweifele ich, dass hier noch mehr Wege abzweigen werden, die überhaupt einen Wegweiser verdienen. Also muss das vor uns der Weg nach Felwood sein.“
„Glückwunsch, Sherlock.“, sagte Pizkol und applaudierte zweimal. „Allerdings hättest du auch einfach die Dryade da hinten fragen können.
„Welche Dryade?“ Magenta sah sich um. Gerade noch rechtzeitig, um ein paar Hinterbeine und weißgetupftes Fell in den Büschen verschwinden zu sehen. Für einen Augenblick war sie so perplex, dass sie einfach weiter auf die Stelle starrte, so als könne sie die Dryade damit wieder zum Vorschein bringen. „Seit wann stand sie schon da?“
„Och, eine ganze Weile.“, entgegnete der Wichtel. „Sie wollte anscheinend irgendwas. Hat auf dich und mich und diese verbrannte Schale gedeutet und mit ihrem Speer herumgefuchtelt. Ich glaube, sie war nicht sehr erbaut darüber, was du getan hast.“
„ICH?“ Magenta zog die Augenbrauen bis zum Haaransatz hinauf. „Aber ich hab doch gar nichts…“
„Hey, ich bin nur dein Diener.“, unterbrach Pizkol sie. „Mea culpa est tea culpa oder so ähnlich.“
Magenta wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. „Pizkol, ich erkläre es dir jetzt zum letzten Mal. Wir sind hier zu Gast und du wirst dich benehmen. Es wird also nichts angezündet. Keine Opferschalen, keine Bäume und auch keine Eichhörnchen!“
Der Wichtel legte den Kopf schief und verzog das Gesicht. „Na gut, dann eben nicht.“, brummte er und schnippte mit den Fingern, so dass der Feuerball, den er so eben nach dem possierlichen Nagetier hatte werfen wollen, wieder im Nichts verschwand. „Du bist ganz schön langweilig geworden, seit du dich in diesen Baumkuschler verliebt hast.“
„Das ist nicht und wird auch niemals Thema einer Unterhaltung zwischen uns sein.“, zischte Magenta. „Habe ich mich da klar ausgedrückt?“
Angesichts des Tonfalls seiner Meisterin, der ihm einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte, schrumpfte der Wichtel ein wenig in sich zusammen.
„Verstanden.“, antwortete er kleinlaut. „Und jetzt? Nach Felwood?“
„Ja, nach Felwood.“, schnaubte Magenta und ließ das Teufelsross antraben. Vor ihr lag ein mit üppiger Vegetation schier überbordender Weg, der sie tiefer in die ihr unbekannten Regionen des Eschenwaldes hinein führte. Hirsche ästen auf den Lichtungen und ab und an steckte ein Wolf seine Nase zwischen den Bäumen hervor, verschwand jedoch gleich wieder, wenn er Magenta erblickte. Das Sonnenlicht wurde durch das dichte Blätterdache gefiltert und ließ die Umgebung in allen möglich Blau und Violett-Tönungen erstrahlen. Saubere, klare Luft lag über allem, die durchsetzt war mit dem Geruch von Blumen, Bäumen und frischen Grün. Magenta schloss die Augen, atmete tief ein und stellte sich vor, wie es wohl wäre hier zu leben, als plötzlich ein fremder, fauliger Gestank die Idylle durchbrach. Irritiert öffnete Magenta die Augen wieder, zügelte ihr Pferd und betrachtete aufmerksam, was vor ihr lag.

In einiger Entfernung schien die blühende Landschaft mit einem Mal wie abgeschnitten. Das frische, grüne Gras ging in etwas Gelbes, Struppiges über, das den Boden wie eine Krankheit überwucherte. Die Bäume waren verkrüppelt und schienen sie auf eine seltsame Art anzusehen. Dämonische Magie lauerte hinter allem, was sich bewegte, und davon gab es mehr, als in einem Wald normal war. Eine Aura, die Magentas Innerstes berührte wehte von dem verderbten Wald herüber und ließ sie gleichzeitig erschauern und jubeln. Sie hatte den Teufelswald gefunden.
Magenta wollte gerade weiter reiten, als etwas hinter ihr im Gebüsch raschelte. Misstrauisch wendete Magenta das Pferd und spähte in das dichte Unterholz.
„Hallo? Ist da jemand?“, rief sie.
„Hast du Hoffnung, dass dir jemand antwortet?“, moserte Pizkol. „Hier ist doch weit und breit niemand außer ein paar Dryaden.“
Magenta ließ noch einen letzten, prüfenden Blick über den Waldrand schweifen, doch als sie immer noch nichts erkennen konnte, zuckte sie mit den Schultern, wendete das Pferd wieder und erstarrte dann buchstäblich in der Bewegung. Auf dem Weg vor ihr, der gerade noch leer gewesen war, stand jetzt ein gutes Dutzend Dryaden. Sie alle hatten ihren Speer unmissverständlich auf Magenta und Pizkol gerichtet und ihre Gesichter sahen nicht aus, als würden sie besonders viel Spaß verstehen.
„Ok, ich revidiere mein Urteil.“, bemerkte der Wichtel trocken. „Vielleicht sind es auch ein paar mehr.“





Der Dreizack bohrte sich nur wenige Zentimeter vor Abbefaria in den Sand und blieb dort zitternd stecken. Eilig zog der Druide die Beine an und krabbelte rückwärts den Strand hinauf. Dabei ließ er das Meer nicht aus den Augen, denn ein gutes Stück vor ihm erhoben sich drei Nagas aus dem Wasser. Zwei von ihnen hatten breite, mit dicken Schuppen und Stacheln bedeckte Köpfe, die ihnen ein reptilienhaftes Aussehen gaben, während die mittlere, wesentlich schlankere Naga eher humanoide Züge aufwies. Die Wesen zögerten sichtlich ihr angestammtes Element zu verlassen und blieben hinter der Brandungslinie zurück. Sie schüttelten die Fäuste und zischten ihm Verwünschungen hinterher, bis die mittlere Naga gebietend die Hand hob. Langsam kam sie auf Abbefaria zu geschwommen.
Als sie den Strand erreichte, knirschte der Sand unter ihrem geschuppten Schlangenleib. Ihre gelben Augen fixierten den Druiden und ihr Schuppenkamm war hoch aufgestellt. Sie hatte vier Arme, die sich unablässig in einem betörenden Rhythmus bewegten wie die Arme einer Seeanemone in der Gezeitenströmung. Ihre Haut hatte einen blassgrünen Farbton und Abbefaria erkannte, dass es sich um eine weibliche Naga handeln musste, denn ein Teil des schlanken Oberkörpers wölbte sich unmissverständlich vor und glitzernde Schuppen verdeckten ihre Blöße. Ihr Gesicht, das der Nachtelf jetzt besser erkennen konnte, war fein geschnitten, fast anmutig, und ließ noch seine Verwandtschaft zu den Hochgeborenen erkennen, die vor unendlich langer Zeit ins Meer gerissen und von den magischen Strömen des zerbrochenen Brunnens der Ewigkeit verändert worden waren.
Die Naga glitt über den Strand und strafte Abbefarias Annahme Lügen, dass er auf dem trockenen Land in Sicherheit war. Er und die beiden anderen hatten die Nagas bei ihrem Rückweg zur Insel aufgescheucht und waren ihnen – wenn auch getrennt voneinander – nur mit knapper Not entkommen. Zumindest hatte er das bis vor ein paar Augenblicken noch geglaubt. Doch jetzt lag er hier, reglos, unfähig dem starren Blick der Fischfrau zu entkommen, die sich ihm unaufhaltsam näherte.
Ihr hypnotisches Zischeln kitzelte in seinen Ohren. Er roch den Geruch von Tang und frischem Seewasser, der sie einhüllte, als sie sich zu ihm herab beugte. Ihre schmalen Finger strichen über seine Wange und sie waren eiskalt. Dann packte die Naga blitzschnell und unerwartet zu. Sie grinste, als sich ihre Hand um den Schaft des Dreizacks schloss und die schwere Waffe nahezu mühelos aus dem Sand zog. Abbefaria konnte spitze Zähne und eine gespaltene Zunge erkennen, als sie ihn mit einem glucksenden Laut auslachte, ihm noch einmal verschwörerisch zuzwinkerte und dann in Windeseile zurück ins Wasser glitt. Endlich wagte der Druide wieder zu atmen. Immer noch unfähig sich zu rühren, starrte er auf das Wasser hinaus, wo die Köpfe der drei Nagas jedoch schon längst in den Fluten verschwunden waren.

„Mir scheint, sie mag dich.“, riss eine Stimme Abbefaria aus seinen Gedanken. „Man könnte meinen, dass du anfängst, mir Konkurrenz zu machen.“
Der Druide drehte den Kopf und starrte minutenlang auf den Nachtelfen, der neben ihm stand, ohne wirklich zu begreifen, wen er vor sich hatte. Erst als schallendes Gelächter aus den Büschen hinter ihnen drang, schüttelte Abbefaria den Kopf und brach so den Bann.
„Ceredrian?“, keuchte er erstaunt.
„Höchstpersönlich, live und in Farbe.“, grinste der weißhaarige Priester und warf sich in Positur. „Hast du mich vermisst?“
„Oh, er sprach Tag und Nacht von Nichts anderem.“, witzelte Deadlyone. „Man hätte fast meinen können, du kontrollierst seine Gedanken.“
„Ach, so was würde unser lieber Cousin doch nie tun.“, schloss sich jetzt auch Easygoing dem  gutmütigen Spott an. Der große Druide schüttelte sich wie ein großer Hund und das Wasser spitzte zu allen Seiten. „So was verstößt doch bestimmt gegen irgendeinen Ehrenkodex der Priesterschaft.“
Abbefaria dämmert so langsam, was gerade passiert war. Die Naga war keineswegs freiwillig auf den Strand gekommen und er mal wieder Ziel eines bösen Streiches gewesen. Er starrte Ceredrian finster an und grollte: „Schöner Freund bist du. Kaum bist du wieder da, hat sich mein Leben um Längen verschlechtert.“
„Ah, dein Bekümmernis schmerzt mich tief, mein Freund.“, gab Ceredrian zurück und griff sich ans Herz. „Und das, wo ich Überbringer solch froher Kunde bin und dir sogar Grüße von deiner geliebten Schwester übermitteln soll.“
„Frohe Kunde?“ Easygoing horchte auf. „Red nicht so geschwollen und erzähl lieber, was diese Gracina zu Raschals Bericht gesagt hat. Was ist jetzt mit diesen übergroßen Käfern?“
„Gemach, gemach, werter Cousin.“, lachte Ceredrian und hob beschwichtigend die Hände. „Alles zu seiner Zeit. Zuerst einmal solltet ihr vielleicht meine Begleiterin begrüßen. Ich glaube, ihr dürftet euch noch gut an sie erinnern.“
Damit drehte der Priester sich herum und wies den Strand hinauf zu einem kleinen Hügel, auf dem sich eine kleine Gestalt gegen den Sonnenaufgang abzeichnete. Abbefarias Magen krampfte sich zusammen, als er erkannte, um wen es sich handelte.

„Hallo alle zusammen.“, rief Emanuelle und winkte fröhlich. „Ihr glaubt ja gar nicht, wie ich mich freue, euch zu sehen.
„Die Freude ist ganz auf ihrer Seite.“, antwortete Ceredrian mit einem breiten Grinsen. „Sie können es nur nicht so recht zeigen.“
„Was zum…“, brach es aus Easygoing heraus, der sofort von Abbefaria unterbrochen wurde.
„Was macht sie hier?“
„Sag nicht, du hast sie mitgebracht.“, moserte auch Deadlyone. „Und ich dachte eigentlich immer, du hättest einen ganz guten Geschmack, was Frauen angeht. Das ist ein Gnom.“
„Ah, höre ich da Neid in deiner Stimme, liebster Cousin.“, frohlockte Ceredrian immer noch grinsend. „Aber nur keine Sorge, die kleine Magierin begleitet mich in offizieller Mission. Kommt, wir suchen uns ein etwas trockeneres Plätzchen und dann erzählen wir euch alles.“
Er schritt mit großen Schritten voran und nach kurzem Zögern folgten Easygoing und Deadlyone ihm. Abbefaria jedoch blieb noch für einen Moment am Strand sitzen und schloss die Augen. Das durfte einfach nicht wahr sein. Hatte er denn nie seine Ruhe?
„Hey, Großer.“
Abbefaria versuchte, die Gnomin zu ignorieren.
„Ist ja wirklich ein ganz schöner Zufall, dass wir uns hier wieder treffen. Ich hätte nicht gedacht, dass meine Suche so schnell von Erfolg gekrönt sein würde.
„Suche?“ Abbefaria öffnete ein Auge und sah auf die Gnomin, die sich jetzt, da er saß, etwa auf Augenhöhe mit ihm befand.
„Ja, genau. Ich habe dich gesucht.“, versicherte sie mit weit aufgerissenen, blauen Augen. „Wir müssen uns unbedingt unterhalten. Ich brauche deine Hilfe.“
„Hilfe? Hilfe wobei?“ Abbefaria war immer noch nicht gewillt, die Tatsache zu akzeptieren, dass ausgerechnet diese Gnomin ihm hier in einem der abgelegensten Winkel von Kalimdor über den Weg laufen musste.
„Das erkläre ich dir später.“ Emanuelle sah sich um. „Man könnte uns belauschen und ich muss sichergehen, dass du nicht scheiterst. Du bist unsere einzige Hoffnung.“ Damit drehte sie sich um und trippelte den Strand entlang, so dass Abbefaria sich wohl oder übel ebenfalls erheben und ihr folgen musste. Das ungute Gefühl in seiner Magengegend breitete sich aus und das Rascheln von Papier in seinem Kopf wurde lauter.



„So, jetzt mach es aber nicht so spannend.“, verlangte Easygoing, als sie wenig später in einer  Ecke des Gasthauses zusammen saßen und der Priester alles tat – frühstücken, mit den Kellnerinnen flirten und mit Emanuelle über das Wetter schwatzen – außer endlich mit seinem Bericht zu beginnen.
Ceredrian ließ noch einige kostbare Minuten verstreichen, in denen er sich einen frischen Tee von einer der Bedienungen bringen ließ, bis er schließlich den Kopf über die Tischplatte neigte und in leisem Ton sagte: „Also schön, hört es euch an. Wie ihr ja wisst, sind wir bei unserer Suche nach dem vermissten Kurier auf einen Bau dieser riesigen Insekten gestoßen. Wir haben den armen Raschal aus den Fängen dieser Biester befreit und er begleitete uns zurück nach Feathermoon. Sein Bericht über die Aktivitäten dieser Silithiden, wie man die Riesenkäfer auch nennt, war höchst beunruhigend und Generalin Feathermoon hat mich höchstpersönlich damit betraut, den Bericht zu Gracina Spiritmight zu bringen, einer Priesterin, die im Tempel des Mondes wohnt, und sich mit dererlei Dingen gut auskennt.“
„Ja ja, das wissen wir doch alles schon.“, unterbrach Deadlyone ihn ungeduldig. „Vielleicht kommst du mal zu dem Teil, wo wir nicht dabei waren?“
„Ich wollte gerade dazu kommen, werter Deadlyone.“, gab Ceredrian jovial zurück. „Als ich im Tempel ankam, war Gracina nicht allein. Sie hatte so eben einen ganz ähnlichen Bericht aus Tanaris erhalten, wo die Silithiden ebenfalls in beunruhigendem Maße zu Tage getreten sind.“
„Und nun ratet mal, wer den Bericht wohl gebracht hat.“, mischte sich diesmal Emanuelle ein. Die Gnomin strahlte über das ganze Gesicht. „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie aufregend das war. Alles begann damit, dass…“
„War deine Geschichte schon fertig?“, platzte Deadlyone dazwischen und ignorierte die Gnomin gekonnt.
Ceredrian schnalzte tadelnd mit der Zunge und wechselte ins Darnassische. „Deadly, reiß dich ein bisschen zusammen. Emanuelle ist unser Gast und was sie zu erzählen hat ist äußerst wichtig. Und falls du es unbedingt wissen musst, ja, mein Bericht war beendet. Zumindest insofern, dass der Rest davon sich mit dem Ende von Emanuelles Geschichte deckt. Also zügele dein Temperament etwas und hört zu.“
Der Schurke murmelte noch etwas Unfreundliches, war dabei jedoch so taktvoll, es auf Emanuelles fragenden Blick nicht zu wiederholen. Die Gnomin sah ein wenig irritiert zwischen den Nachtelfen hin und her und zuckte dann mit den Schultern.
„Also wo war ich“, fuhr die fort. „Ach ja, alles fing damit an, dass ich meinen Transporter perfektionieren wollte. Ihr wisst schon, der Transporter, der uns damals…“
„Wissen wir…“, brummte Easygoing. „Ihr seid also in Tanaris gelandet?“
„Ja genau.“, strahlte Emanuelle wieder. „Wie klug Ihr doch seid. Na zumindest hat dort jemand Hilfe gesucht um einige merkwürdige Vorfälle zu untersuchen, die die Wasserversorgung von Gadgetzan betrafen. Wie ihr euch vorstellen könnt ist das gerade in der Wüste ein Thema von äußerster Dringlichkeit. Ich untersuchte also ein Wasserloch in der Nähe und wurde dort von Insekten angegriffen, die gut und gerne die Größe eines Ponys hatten. Ich besiegte sie und berichtete meinem Auftraggeber, dem leitenden Feldmesser Fizzledowser, davon. Ein Goblin, aber von einer gar nicht mal üblen Sorte. Es stellte sich heraus, dass bereits mehrere Abenteurer von solchen Vorfällen berichtet hatten. Wie es scheint, haben die Silithiden bereits halb Tanaris untergraben. Ich selbst war in einem der Nester auf der Suche nach dem Fizzledowsers vermissten Assistenten und ich sage euch: Die Dinger sind riesig. Höhlen von unglaublicher Ausdehnung und Brutkammern, so weit das Auge reicht. Wenn die alle mal schlüpfen, dann kann Azeroth sich auf einen Invasion gefasst machen, die die Welt, wie wir sie kennen, vermutlich völlig vernichten wird.“
„Ist das nicht ein bisschen sehr übertrieben?“, zweifelte Easygoing. “Ich meine, es sind Käfer.“
„Käfer, die in der Lage sind, selbst einen wehrhaften Nachtelfen gefangen zu nehmen und als lebendiges Futter für ihre Jungen aufzubewahren.“, gab Ceredrian zu bedenken. „Diese Silithiden sind alles andere als dumm und selbst wenn das Nest, was wir in Feralas gesehen haben, nicht besonders groß war, so ist doch die alleinige Anzahl der Nester beunruhigend. So beunruhigend, dass selbst Erzdruide Staghelm nicht umhin kam, sie zu bemerken.“
„Ihr wart beim Erzdruiden?“, fragte Abbefaria erstaunt. „Es wundert mich, dass er Emanuelle empfangen hat.“
„Nun sagen wir mal, es ist den Wachen schwer gefallen, sie aufzuhalten.“, schmunzelte Ceredrian.
„Ich kann es mir lebhaft vorstellen.“, grollte Easygoing. „Aber was hat Staghelm gesagt?“
„Er war ebenfalls beunruhigt, allerdings nicht in dem Maße, wie ich erwartet hatte. Ehrlich gesagt, erschien er mir irgendwie abwesend, aber ich kenne den Mann nicht gut genug, um das beurteilen zu können. Auch kann ich mich täuschen, wenn ich denke, dass er Emanuelle und mich möglichst schnell loswerden wollte.“
„Nun ja, der Erzdruide ist nicht gerade dafür bekannt, dass er ein Freund der anderen Rassen ist.“, bemerkte Easygoing. „Gerade Gnome kann er nicht besonders gut leiden.“
„Ja, ich weiß.“, entgegnete Ceredrian und nickte. „Und auch die Priesterschaft ist ihm gerne mal ein Dorn im Augen. Aber er war nicht nur abweisend, er war…merkwürdig.“
„Er hat uns einen Gutschein gegeben.“, half Emanuelle aus.
„Einen Gutschein?“, hakte Easygoing verblüfft nach. „Aber wofür?“
„Für Samenkörner und so einen Botanisierbeutel“, erklärte Emanuelle, langte in ihre Tasche und zog beides aus den Tiefen hervor. „Er sagt, wir sollten die Samen zusammen mit Erde aus dem Un’Goro-Krater dort hinein tun und sie kultivieren. Dann, wenn die Pflanzen ausgewachsen sind, sollten wir sie ihm bringen. Er sagte, er sei auf der Suche nach etwas, dass sich Morgenkorn  nennt.“

Für einen Augenblick herrschte verblüfftes Schweigen am Tisch. Easygoing war derjenige, der sich als Erster wieder fing. Er sah Ceredrian und Emanuelle scharf an und fragte:
„Der Erzdruide?“
„Ja.“, antworteten beide einstimmig.
„Hat euch einen Gutschein gegeben?“
„Ja.“
„Für Samenkörner?“
„Ja.“
„Um Morgenkorn zu züchten.“
„Ja.“
„Das ist ausgemachter Blödsinn.“, rief Easygoing. Er hieb mit der Faust auf den Tisch und fletschte die Zähne. „Wenn ihr glaubt, dass ihr uns veralbern könnt, dann habt ihr euch aber die falschen ausgesucht. Was bei Malfurions Geweih sollte der Erzdruide mit Morgenkorn anfangen? Und was ist das überhaupt?“
„Das wissen wir auch nicht.“, gestand Ceredrian ein. „Aber es ist so passiert.“

„Entschuldigung, wenn ich mich einmische.“, erklang eine Stimme vom Nachbartisch. Ein Nachtelf mit kurzen grünen Haaren deutete eine Verbeugung an. Die anderen Nachtelfen kannten ihn flüchtig; sein Name war Quintis Jonespyre, er war einer der Druiden, die auf Sardor lebten, und hatte ihnen bei der Suche nach dem vermissten Boten geholfen, indem er dessen Erinnerungen aus einem Messer heraufbeschworen hatte, dass Rasschall an der Küste von Feralas verloren hatte. Abbefaria hätte sich gerne noch näher mit dem fremden Druiden unterhalten, doch Easygoing war die Art und Weise, auf die Quintis an seine Visionen gelangt war, merkwürdig vorgekommen. Abbefaria hatte daraufhin entschieden, seinem Freund nicht noch mehr Angriffsfläche für Kritik zu bieten, als er es nach seinem Ausflug in die Menschenwelt ohnehin schon getan hatte. Es war schlimm genug, dass er sich mehr für Magie interessierte, als Druiden es normalerweise taten, denn das wurde immer misstrauisch beäugt. Entsprechend unfreundlich reagierte Easygoing nun auf die Störung.

„Können wir etwas für Euch tun, Meister Jonespyre?“, fragte er förmlich.
„Nun ja, ich hörte, dass Ihr von Morgenkorn spracht.“, antwortete der andere Druide höflich. Wie es schien, war auch ihm der abweisenden Ton Easygoings nicht entgangen. „Ich dachte mir, ich könnte Euch dabei vielleicht ein wenig behilflich sein.“
Quintis Jonespyre griff in seine Tasche und legte einige, kleine Schoten vor den Augen der Versammlung auf den Tisch. „Das“, erklärte er, „ist Morgenkorn.“
Abbefaria fühlte ein unerklärliches Unbehagen in sich aufsteigen, als er die Samenschoten sah. Es war daran nicht besonders. Sie waren etwa so lang wie sein kleiner Finger, ungefähr halb so dick und ihre Oberfläche war von einer dunklen, fast schon ins Bläuliche übergehenden Farbe.
„Ihr fühlt es ebenfalls, nicht wahr?“, fragte Quintis Jonespyre die Nachtelfen, deren Blick auf die Samen gerichtet war. „Ich habe gehört, dass Morgenkorn unter den richtigen Bedingungen Fähigkeiten verströmt wie andere Kräuter, die in primitiven Flüchen eingesetzt werden. Nun frage ich mich, was der Erzdruide mit solchen Mengen an Morgenkorn anstellen will.“
Auf die fragenden Blicke der Runde hin erklärte er: „Ihr seid nicht die Einzigen, die der Erzdruide ausgeschickt hat, um Morgenkorn zu besorgen. Zudem lässt er große Mengen der fruchtbaren Erde aus dem Un’Goro-Krater nach Darnassus bringen, vermutlich um dort selbst Morgenkorn anzubauen. All das kommt mir sehr eigenartig vor und mich würde interessieren, wohin das führen soll. Oder anders gesagt: Der Erzdruide sitzt auf einem großen Haufen Dreck und ich will unbedingt wissen, wieso.“
„Ihr seid ziemlich neugierig.“, knurrte Easygoing. „Ich kann zwar nicht sagen, dass ich mit allem Entscheidungen, die der Erzdruide trifft, zu hundert Prozent einverstanden bin, doch würde ich nie wagen, seine Autorität so offen in Frage zu stellen. Sicherlich weiß jemand in seiner Position doch, was er tut.“
„Oh, davon gehe ich ebenfalls aus.“, lächelte Quintis Jonespyre. „Was mich beunruhigt ist vielmehr die Tatsache, dass es außer ihm kein anderer zu wissen scheint. Aber ich will nicht über die Politik des Erzdruiden streiten. Doch, wenn Ihr nun schon einmal auf dieser Mission seid, vielleicht könntet Ihr ja ein wenig des Morgenkorns erübrigen, das Ihr ernten werdet. Nicht viel, nur gerade so, dass ich mit meinen Forschungen fortfahren kann. Möglicherweise entdecke ich dabei, was für wunderbare Kräfte dieses Kraut sonst noch hat, und erlange damit eine höhere Weisheit. Natürlich soll diese Hilfe nicht zu Eurem Schaden sein.“
„Abgemacht.“, antwortete Emanuelle, bevor jemand reagieren konnte. „Ich war schon immer für Chancengleichheit und…hey, seht mich nicht so an. Ich habe meinen eigenen Beutel und kann mit meinem Morgenkorn ja wohl machen, was ich will.“
„Und Ihr versteht Euch auf Kräuterkunde?“, fragte Easygoing lauernd. Jeder hier wusste, dass er derjenige aus der Gruppe war, dessen Wissen auf diesem Gebiet das höchste war. Jeder außer Emanuelle.
„Nun ja.“, sagte die Gnomin. „Nicht wirklich. Also ich hatte da mal diesen Kaktus, aber…“
Easygoings Lächeln wurde breiter. „Also abgemacht, Meister Jonespyre. Was immer die Gnomin an Morgenkorn heranzieht, werden wir Euch bringen. Den Rest erhält der Erzdruide.“
Quintis Jonespyre nickte. „Ich bin mit allem zufrieden, was Ihr mir bringt.“, antwortete er höflich. „Und nun entschuldigt mich, ich muss noch einen Bericht fertig stellen.“

Der Nachtelf verbeugte sich noch einmal und ließ die Gruppe allein zurück.
„Tja, ich würde sagen, wir reisen zum Krater von Un’Goro.“, stellte Easygoing fest.
„Ich könnte uns nach Tanaris bringen.“, schlug Emanuelle vor, doch die Nachtelfen lehnten einstimmig ab. Die Gnomin zog eine Schnute. „Aber ich habe den Transporter jetzt wirklich gut im Griff. Dann versprecht mir wenigstens, dass wir noch einmal in Gadgetzan vorbeischauen. Gracina bat mich, Fizzledowser noch zu berichten, wie die Sache mit den Silithiden ausgegangen ist. Und wer weiß, vielleicht hat er ja noch ein paar gute Tipps für uns,  was den Krater angeht.“
„Reise mit einem Gnom und Ratschläge von einem Goblin.“, stöhnte Deadlyone. „Ich glaube, so geschämt habe ich mich in meinem Leben noch nicht.“
„Auch nicht, als du damals…“, begann Easygoing, doch der Schurke schnitt ihm das Wort ab.
„Wenn du die Geschichte erzählst, dann schwöre ich dir, dass du morgen ohne deinen Kopf aufwachst.“
Der große Druide grinste breit. „Wir sollten uns beeilen und sofort aufbrechen. Bis zum Krater von Un’Goro ist es ein weiter Weg.“

Alle am Tisch erhoben sich, um ihre Sachen zu packen, und auch Abbefaria wollte die Runde bereits verlassen, als Emanuelle ihn wieder auf seinen Sitz zog.
„Halt, mein Freund, wir haben noch etwas zu besprechen.“
Mit einem Gefühl, als hätte er einen Wackerstein verschluckt, ließ sich Abbefaria wieder auf die hölzerne Bank sinken. Er beantwortete Easygoings fragenden Gesichtsausdruck mit einem Zeichen, dass er gleich nachkommen würde. Dann drehte er sich zu der Gnomin herum.
„Was wollt Ihr?“
„Sei doch nicht so förmlich.“, spöttelte die Gnomin. „Ich wollte da noch etwas besprechen. Mit jemandem, der sich ebenfalls für schwarze Drachen interessiert.“
Abbefaria wusste nicht, ob er jetzt erstaunt oder erleichtert sein sollte. Für einen Moment lang hatte er gefürchtet, Emanuelle würde…aber das war natürlich Unsinn.
„Ich bin nicht ganz freiwillig nach Tanaris gereist.“, erklärte die Gnomin gerade heraus. „Oh nein, ich weiß, was du denkst. Es war nicht, weil der Transporter nicht funktioniert hat. Aber ich war auf der Flucht. Jemand hatte etwas dagegen, dass ich meine Nase in seine Angelegenheiten gesteckt habe und, ehrlich gesagt, glaube ich, dass schwarze Drachen dahinter stecken. Ich war in der Brennenden Steppe unterwegs. Dem Ort, wo sich die Aktivitäten der schwarzen Brut in den östlichen Königreichen am deutlichsten zeigen. Marschall Maxwell hält dort einen Posten aufrecht und zusammen mit einem von Eurer Rasse, einem gewissen Helendis Riverhorn, machte ich mich daran, die Sache zu untersuchen. Wie es scheint haben sich die schwarzen Drachen der Kontrolle der Blackrock-Orks bemächtigt und ihre Zahl wächst. Riverhorn sandte mich mit einem Bericht über die Lage zu Magistrat Solomon nach Lakeshire, das in unmittelbarer Nähe zur Brennenden Steppe liegt. Nettes Plätzchen übrigens. Ich glaube nicht, dass Ihr es kennt, aber…“
„Doch, ich war schon einmal da.“, würgte Abbefaria die Gnomin ungeduldig ab. „Aber was geschah weiter?“
„Nun ja, Der Magistrat war ebenfalls beunruhigt und entschied, dass dieses Anliegen in die höchsten Ränge getragen werden müsste. Ich reiste - wieder einmal - zu Hochlord Bolvar. Aber stell dir vor, er hat mir nicht geglaubt.“
„Hätte ich auch nicht.“, gab Abbefaria zu.
„An all dem ist nur diese dumme Pute Prestor Schuld. Sie hat mich verspottet, nannte mich…nun ja nicht direkt eine Lügnerin, aber sie hat mir nahe gelegt, ich solle mich doch lieber aus dem Abenteurer-Geschäft zurückziehen. Bolvar hat mich dann zum Trost zum offiziellen Vertreter von Sturmwind ernannt und gesagt, ich solle Magistrat Solomon und Marschall Maxwell nur tatkräftig in ihren Vorhaben unterstützen. Ich war außer mir. Wie sollte ich vor den Magistrat treten? Also nicht, dass meine Unterstützung nichts wert wäre, aber immerhin hat der Magistrat wohl mehr mit einer Armee gerechnet…und nicht nur mit einem einzelnen Magier.“
„Und warum musstest du flüchten?“
„Naja, wie es aussah, wollte irgendjemand dem Magistrat nicht mal den einen Magier gönnen. Ich wurde verfolgt, ohne Zweifel von fiesen Meuchelmördern. Ich rettete mich in die Untergrundbahn und entkam zunächst nach Ironforge, wo ich Hilfe suchte. Aber sie fanden mich und mir blieb nichts anderes übrigens, als den nächsten Transporter nach Gadgetzan zu nehmen.“
„Eine wirklich aufregende Geschichte.“, bestätigte Abbefaria. „Aufregend und beunruhigend. Aber was hat das alles mit mir zu tun?“
Emanuelle sah ihn an, als wäre ihm gerade eine zweite Nase gewachsen. „Na, du sollst jetzt an meiner Stelle nach Ironforge reisen und dort weiter machen, wo ich aufgehört habe. Jemand muss diese schwarzen Drachen stoppen.“
„Ich ganz allein?“, lachte Abbefaria auf. „Dein Vertrauen in allen Ehren, aber das ist nun doch…“
„Nein, doch nicht alleine.“, antwortete Emanuelle kopfschüttelnd. „In Ironforge erwartet dich Hilfe, das sagte ich doch.“
„Oh wunderbar, und wer?“, fragte Abbefaria.
„Er wird dich erkennen, wenn er dich sieht.“, meinte Emanuelle leichthin. „Wir haben ein Zeichen dafür vereinbart. Ich kann nicht riskieren, dir seine Identität zu offenbaren, bevor du in Ironforge angekommen bist. Es steht zu viel auf dem Spiel.“
„Und was ist dieses geheime Zeichen?“, wollte Abbefaria eigentlich nicht wirklich wissen, aber er fragte trotzdem.
„Du wirst einen Kasten mit Schleimproben aus Felwood nach Ironforge bringen. Laris Gaerdawdle erwartet sie dringend. Er ist ein Kollege von mir, ein wirklich ansehnlicher Gnom und großer Spezialist auf dem Gebiet der Alchemie.“
„Das ist wirklich das dümmste Erkennungszeichen, von dem ich je gehört habe.“,  brummte Abbefaria. „Als nächstes sagst du noch, dass ich die Proben selbst aus Felwood besorgen muss.“
„Woher weißt du das?“, staunte Emanuelle. „Du bist nicht zufällig im Besitz einer dieser Wahrsagekugeln, nein?“

Abbefaria ließ sich stöhnend in seinem Sitz zurücksinken und schloss die Augen. Das konnte alles nicht wirklich passieren. Vermutlich hatte er sich den Kopf  beim Kampf mit Easygoing doch härter gestoßen, als er dachte, und würde gleich wieder im Wald aufwachen und alles wäre gut.
„Ach, und da wäre noch etwas.“, drang Emanuelle Stimme an sein Ohr. „Ich dachte, es interessiert dich vielleicht, dass Magenta und Abumoaham sich getrennt haben.“
Das Erinnerungsbuch in Abbefarias Kopf explodierte und die Seiten flogen ihm um die Ohren. Seine Augenlider schossen nach oben und er starrte Emanuelle wie vom Donner gerührt an. Die kleine Gnomin grinste schelmisch.
„Ah, wusste ich doch, dass dich das interessiert.“
„Aber…sie…er…warum?“, stotterte er.
„Nun, ich glaube, Abumoaham sagte so etwas wie, dass sie sich in jemand anderen verliebt hätte. Ich glaube auch, dass er sagte, der Name des Kerls wäre Abbefaria. Komisch, nicht wahr? Was für Zufälle es auf der Welt doch gibt.“ Emanuelle kam noch ein Stück näher und flüsterte. „Ich habe gehört, sie soll in Ratchet sein. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das gar kein so großer Umweg, wenn man von hier aus nach Felwood reist.“
Abbefaria wusste, dass das nicht stimmte. Es war sogar ein ganz gehöriger Umweg. Trotzdem erwog er einen Augenblick lang, ihn tatsächlich zu nehmen. Doch dann siegte sein Verstand und er schüttelte entschlossen den Kopf.
„Nein.“, sagte er fest. „Ich nehme die Aufgabe mit den Drachen an, denn das ist wirklich bedeutend. Ich werde nach Felwood reisen, die Schleimproben besorgen und mich dann mit der Verstärkung in Ironforge treffen. Alles andere ist reine Zeitverschwendung.“
„Oh, na wie du meinst.“, sagte Emanuelle und zuckte mit den Schultern. „Aber sag nicht, ich hätte es dir nicht erzählt.“
Damit stand die Gnomin ebenfalls vom Tisch auf und verließ das Gasthaus. Abbefaria blieb allein zurück und versuchte seine Gedanken zu ordnen, die in seinem Kopf herumschwirrten wie ein wütender Hornissenschwarm. All das war definitiv mehr, als ein Nachtelf aushalten konnte. Von einer plötzlichen Unruhe gepackt sprang auch er auf und beeilte sich, nach draußen zu kommen. Je eher er den Schleim aus Felwood besorgt hatte, desto eher würde er sich endlich einem handfesten Problem zuwenden können: dem Geheimnis der schwarzen Drachen.



Easygoing war, gelinde gesagt, nicht begeistert von Abbefarias Plan, erneut einen Alleingang zu unternehmen. Er kleidete seinen Unmut in die Worte: „Und wenn ich dich höchstpersönlich auf einem Hippogreifen festbinden muss, du wirst mit uns kommen.“
Allein Emanuelles und vor allem Ceredrians – er war von Emanuelle als Einziger in den Plan eingeweiht worden – Eingreifen war es zu verdanken, dass der große Druide dieses Drohung nicht in die Tat umsetzte.
Am Ende knurrte Easygoing nur noch vor sich hin und sagte mit finsterem Blick: „Warum ausgerechnet du ausgewählt worden bist, um den Druiden im Smaragdrefugium in Felwood auszuhelfen, ist mir allerdings trotzdem schleierhaft.“
„Wahrscheinlich setzt man auf meine Erfahrung im Umgang mit dämonischer Verderbnis.“, beeilte sich Abbefaria zu erwidern. Ihre Ausrede stand ohnehin schon auf wackeligen Füßen. Er würde sicherlich kein zweites Mal den Fehler begehen, Easygoing daran zu erinnern, dass er im Besitz von Celebras’ Szepter war und sich die Dankbarkeit von Behüter Remulos durch seinen eher zufälligen Besuch in Maraudon verdient hatte.
„Ich werde vermutlich meine Zeit damit verbringen, kranke Pflanzen, Rehe und Eichhörnchen zu pflegen.“, versicherte Abbefaria glaubhaft. „Während ihr loszieht und Rieseninsekten jagt. Noch dazu auf Befehl des Erzdruiden persönlich.“
Die letzte Behauptung entsprach so zwar ebenfalls nicht ganz den Tatsachen, denn wenn man es genau nahm, hatte der Erzdruide mehr Interesse am Morgenkorn denn an den Silithiden gezeigt, aber Easygoing schient trotzdem mit dieser Erklärung zufrieden zu sein.
„Wahrscheinlich hast du Recht. Heilen scheint ja ohnehin bei euch in der Familie zu liegen, wenn man Ceredrians Bericht Glauben schenken kann.“
„Warum sollte ich mir das ausdenken?“, fragte Ceredrian erstaunt. „Abbes kleine Schwester Navala macht sich wirklich gut als Heilerin.“
„Ja, ja, ich hab´s ja verstanden. Na los, hau schon ab.“, knurrte Easygoing schließlich und Abbefaria vermied es, ihn darauf hinzuweisen, dass er ohnehin gegangen wäre. Es gab keinen Grund, darüber in Streit zu geraten.

Der kleinere Druide verbeugte sich vor Easygoing, der diese Geste erwiderte, nickte in Deadlyones Richtung, was der Schurke mit einem Kopfschütteln quittierte und sich mit dem Finger gegen die Stirn tippte, und ging dann in Begleitung von Emanuelle und Ceredrian zum Greifenmeister.

„Das hier sind die Ampullen für die Proben.“, erklärte die Gnomin und reichte Abbefaria ein Päckchen, in dem es leise klirrte. „Sie sind aus unzerbrechlichem Glas, daher dürfte ihnen eigentlich nichts passieren. Aber pass auf, dass du sie nicht verlierst. Und nicht vergessen, zu Laris Geardawdle in Ironforge bringen.“
„Alles klar.“, bestätigte der Druide und machte eine galante Geste. „So gehabt Euch denn wohl, Mylady.“
„Aus dir wird doch noch ein richtiger Charmeur.“, flachste Ceredrian. „Ganz meine Schule.“
„Bloß nicht noch einer von der Sorte.“, spottete Emanuelle und winkte Abbefaria dann zum Abschied.
„Mach´s gut, mein Freund.“, sagte nun auch Ceredrian und nickte Abbefaria zu. Dann trat er noch einmal dicht an den Hippogreifen heran und senkte die Stimme. „Und sei vorsichtig. Deine Schwester lässt dir nämlich ausrichten, dass, sollte dir etwas passieren, sie höchstpersönlich vorbeikommt und dir in die hinteren Körperregionen tritt.“
Abbefaria rollte mit den Augen. „Ich passe schon auf mich auf.“
„Dann wünsche ich dir eine gute Reise und viel Erfolg.“, sagte Ceredrian nun wieder lauter. „Und dass du irgendwann deinen Platz in dieser Welt finden wirst.“
„Oh nun hör aber auf.“, lachte der Druide. „Man könnte ja meinen, du wärst meine Amme.“
„Ja, so fühle ich mich manchmal auch.“, gab der Priester mit Grabensstimme zurück, doch in seinen Augen glitzerte der Schalk. „All meine Babies gehen in die Welt hinaus und lassen mich ganz allein zurück.“
„Spinner!“, grinste Abbefaria und kletterte immer noch leise lachend auf den Rücken eines schlanken Hippogreifenweibchens, das ihn aus klugen Augen ansah. Der Druide tätschelte dem Tier den Hals und flüsterte: „Los mein Mädchen, auf nach Astranaar.“
Der Hippogreif krächzte gehorsam, nahm ein paar Schritte Anlauf und katapultierte sich mit einem mächtigen Sprung in den Himmel hinauf. Sanft glitt die Insel Sardor unter ihnen hinweg und Abbefaria konnte für einen Augenblick ganz Feralas überblicken, dessen üppiges Blätterdach im strahlenden Sonnenschein wie ein riesiger, grüner Teppich wirkte. Dann drehte der Hippogreif ab in Richtung Norden und nahm Kurs auf das Steinkrallengebirge, hinter dessen schroffen Gipfeln sie Ashenvale erwartete.
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