Als es Nacht war

GeschichteRomanze / P12
Emppu Vuorinen
19.10.2010
19.10.2010
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Die FF hab ich ca. 2007 mal geschrieben. Als ich sie heute wieder gefunden hab, dachte ich, ich stell sie einfach mal hier rein. Wär schön, wenn ihr mir ein paar Reviews zu dem OS schreibt :)
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Die Nacht war schon über Helsinki hereingebrochen. Tuomas stand an seinem großen Wohnzimmerfenster und blickte auf die in Licht gehüllte Stadt. Das nachtschwarze Firmament war mit silbernen Sternen durchwebt und er wurde von einer Welle der Melancholie erfasst, wie er sie noch nie gespürt hatte. Jeder Ablenkungsversuch schlug fehl. Da half kein gutes Buch und auch kein Telefonat mit Marco oder Emppu. Im Gegenteil, als er mit Emppu telefonierte, war ihm, als brächen Wogen aus Feuer über ihm zusammen und alles nur wegen - nein, das konnte er sich nicht eingestehen! Er durfte es schlicht und ergreifend nicht. Doch dieses nagende Gefühl war da und es fraß sich immer tiefer in ihn hinein. Nachdem er das Telefonat mit Emppu beendet und sich seine innere Aufgewühltheit immer noch nicht gelegt hatte, im Gegenteil, sogar noch schlimmer geworden war, sah er keinen anderen Ausweg mehr, als seine Gefühle zu Papier zu bringen. Und so schrieb er:

Die Nacht hat sich schon lang über Helsinki gelegt. Alles sieht so friedlich aus und dennoch ist etwas an dem Frieden falsch. Eigentlich sollte ich doch glücklich sein. Ich bin ein erfolgreicher Musiker, mit einer fantastischen Band. Wir haben gewonnen, was es nur zu gewinnen gab. Jede Halle haben wir in einen Hexenkessel verwandelt und die Fans riefen ekstatisch unsere Namen. Jetzt ist das anders.
Du weißt, es fällt mir schwer Fehler einzugestehen und doch habe ich einen begangen. Der Glanz von Nightwish ist mit dir gegangen. Du bist auch jetzt noch erfolgreich, während sich unsere Hallen zusehends leeren.
Tarja, tähtini - anteeksi!
Könnte ich nur alles wieder ungeschehen machen, doch dafür scheint es jetzt zu spät zu sein. Ich habe dir nie den wahren Grund für mein Handeln genannt. Kannst du dich noch an die Stelle in dem offenen Brief erinnern, als ich schrieb:
"Kulturelle Unterschiede, gepaart mit Geldgier, Opportunismus und Liebe sind eine gefährliche Kombination." ? Ich dachte stets, du würdest verstehen, was ich dir damit zu sagen versuchte, doch leider hast du es nicht. Dieser Brief war auf zwei Sichtweisen bezogen. Zum Einen war es die Sichtweise unserer Band, die es nicht unterstützen konnte, dass du unsere Fans wegen deinem Soloprojekt enttäuscht hast und zum Anderen war es meine Sichtweise.
Du sagtest zu mir:
"Bedenke Tuomas, dass ich die Band jederzeit mit nur einem Tag Vorwarnung verlassen könnte."
Hättest du die Band verlassen, so hättest du auch mich verlassen...
Verstehst du nun, was ich meine? Es gibt kein Zurück, das weiß ich selbst. Doch lass mich zum Schluss noch sagen, wer auch immer fortan bei Nightwish das Mikrofon führen wird, wird dich nie ersetzen können. Du wirst stets die Stimme von Nightwish bleiben, denn so haben dich die Fans, und auch ich, in unsere Herzen geschlossen.

Müde legte Tuomas den Stift beiseite und erhob sich. Mit langsamen Schritten umrundete er seinen Schreibtisch und stand nun direkt vor dem großen Fenster. Das sanfte Licht des Kerzenleuchters, der auf seinem Schreibtisch stand und brannte, reflektierte sich in der kalten Scheibe aus Glas. Er fühlte sich mit einem Mal so leer und in seinen Augen glitzerten Tränen. Durch das Läuten seiner Klingel aufgeschreckt, wischte er schnell die Tränen fort und lief zur Tür. Als er sie öffnete, traute er seinen Augen kaum. Da stand doch tatsächlich eine zierliche, junge Frau mit langem, glänzend schwarzem Haar und blauen Augen.
"Tarja! Was tust du denn hier?", fragte Tuomas überrascht und fügte hinzu:"Was ist mit dem Konzert, das du jetzt eigentlich geben wolltest?"
"Ich habe es abgesagt.", antwortete Tarja und lief an Tuomas vorbei, in sein Wohnzimmer.
"Abgesagt? Aber warum?"
"Tuomas, lass es so nicht enden. Wir können doch nicht einfach so zerstören, was wir gemeinsam aufgebaut haben. Das sind wir unseren Fans - und vor allem uns schuldig!" Tuomas war sprachlos. Tarja bewies in diesem Moment unglaubliche Stärke. Er hatte sie einst fortgejagt, doch sie hatte den Weg zu ihm und somit auch zu Nightwish zurück gefunden.
"Das heißt, du kommst - du kommst zurück?", fragte der junge Mann ungläubig.
"Nach allem, was geschehen ist?"
Tarja bedachte ihn mit einem sanften, verzeihenden Blick und nickte.
"Ja, ich komme zu euch zurück, noch in dieser Nacht - in dieser Stunde. Wenn ihr es wollt - wenn du es nur willst, Tuomas..."
Sie machte einen Schritt auf Tuomas zu und er schloss sie in seine Arme und lächelte.
Und in dieser Nacht, strahlten die Sterne nirgendwo heller, als über Helsinki.