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Killing Tessa [PSI Factor]

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
16.10.2010
16.10.2010
1
8.502
 
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16.10.2010 8.502
 
Titel: Killing Tessa
Autor: Dancing Star
Pairring: Doyle/ Donner
Rating: 16?
Spoiler: Keiner
Kategorie: Romance/ Crime
Inhalt: Lindsay Donner zieht in ihre neue Wohnung und lernt ihren netten Nachbarn kennen. Bei einem Date beobachten die beiden einen Mord.
Anmerkungen: Wieder mal eine von meinen PSI Factor FanFictions, bei denen niemand beim OSIR arbeitet.  Übrigens viele Grüße nach Neuseeland!  


Killing Tessa

Lindsay Donner machte sich mit einem Stück Schokoladenkuchen auf den Weg zu ihrer neuen Wohnung. Sie war umgezogen und all die Kisten in ihrem neuen Apartment im achten Stock eines hübschen Mietshauses schrien förmlich danach, ausgepackt zu werden. Sie liebte ihre neue Wohnung: Sie lag näher an ihrer Arbeit, sodass sie jetzt jeden Morgen eine halbe Stunde länger schlafen konnte und sie brauchte ihr Auto nur noch zum Einkaufen. Das Haus war ruhiger, denn in ihm gab es auf jedem Stockwerk nur eine Wohnung. Bei neun Stockwerken waren dies achtzehn Mieter. Einige wenige hatten Kinder, Mrs. Caulfield aus dem Erdgeschoss war hingegen schon sehr alt. Einige Nachbarn hatte sie noch nicht kennen gelernt, denn bisher hatte sie die Wohnung nur besichtigt, die Leute von der Umzugsfirma hatten die Möbel gestern gebracht, sie würde also noch auspacken müssen. Nur einzelne Kisten hielten sich noch in ihrem Auto auf.
Lindsay überlegte, wo sie dieses zauberhafte Bild von einer weisen Seerose aufhängte, was ihre Arbeitskollegen ihr zum Umzug geschenkt hatte, als sie mit ihrem Kuchen in der Hand plötzlich in einen Mann hineinlief.
„Mein Hemd!“, beschwerte sich der dunkelhaarige Mann, der jetzt einen großen, braunen Fleck auf dem Brustkorb hatte, „Können Sie nicht aufpassen, wo Sie mit Ihrer Torte hin latschen?!“
„Entschuldigung! Es tut mir unendlich leid, aber…“ Mist! Einmal wenn Lindsay vom Bäcker ein Stück Torte holte und es auf dem Weg zu ihrer besten Freundin essen wollte, lief sie gegen einen wildfremden Mann und die Torte landete auf seinem Hemd. Der Mann schimpfte unheimlich darüber, dass er ausgerechnet heute zu spät zur Arbeit kam und jetzt noch einmal nach Hause gehen musste, um sich umzuziehen. Lindsay versuchte, sich zu entschuldigen, aber er war so wütend, sodass er einfach davon lief.

Am nächsten Tag hatte Lindsay ihre Sachen in der Wohnung zum größten Teil aufgeräumt, die Möbel standen perfekt und sogar das Bild mit der Seerose hatte einen Platz gefunden. Es fehlten nur noch einige Kleinigkeiten. Zum Glück hatte sie heute frei und so konnte sie den ganzen Tag damit verbringen, ihrer Wohnung den letzten Schliff zu verleihen. Sie ging in die Tiefgarage des Hauses um den letzten Karton, ihre Trinkgläser, zu holen. Vorsorglich schloss sie die Wohnungstür ab und erschrak. „Sie?!“, fragte Lindsay ungläubig. Aus der Wohnung gegenüber kam der Mann, dessen Hemd sie gestern mit einer Schokoladentorte ruiniert hatte.
Der Mann schaute sie an und grinste: „Haben Sie wieder vor, mich mit einer Torte zu bewerfen?“
Irritiert und genervt schüttelte sie den Kopf und ging die Treppen hinunter. Er blieb zurück und weil er offensichtlich noch etwas in seiner Wohnung vergessen hatte.
Lindsay holte die schwere Schachtel aus ihrem Auto, trug sie aus der Tiefgarage und weil das Haus noch keinen direkten Zugang zur Garage hatte, musste sie außen herum gehen. Sie war die Treppe zum Haupteingang hinaufgegangen, als von innen plötzlich jemand die Tür aufriss, diese auf die Kiste knallte und sie laut klirrend zu Boden fiel.
„Meine Gläser!“, rief Lindsay entsetzt, kniete neben dem Karton und sammelte einige Scherben auf, „Alle meine Gläser waren in der Kiste!“
„Es tut mir leid, aber ich hab´s wirklich eilig.“ Sie erkannte die Stimme! Sie gehörte ihrem neuen Nachbarn.
„Hey, können Sie mir verraten, woraus ich jetzt trinken soll?!“
„Tassen.“ Mal wieder hatte er es eilig. Connor Doyle sprintete auf die andere Straßenseite, wo sein bester Freund Peter bereits auf ihn wartete. Er hatte die Szene beobachtet und sah auch jetzt noch zu, wie Lindsay die Scherben vom Boden aufsammelte. „Was war das denn?“, fragte Peter.
„Was? Du solltest eher fragen, wer!“, maulte Connor, als er sich am Kiosk eine Zeitung kaufte, „Das ist meine neue Nachbarin. Sie ist vor ein paar Tagen gegenüber eingezogen.“
„DAS ist deine Nachbarin? Die ist echt hübsch“, sagte Peter, „Sie sieht ein bisschen aus wie Heidi Klum.“ Peter und Connor kannten sich seit der Schulzeit, ihre Familien wohnten schon in Kindertagen nebeneinander. Während der Collegezeit hatten sie sich lange nicht gesehen, aber da ihre Eltern darauf bestanden, dass sie zumindest Weihnachten nach Hause kamen, gab es einige Tage im Jahr an dem sie sich doch sahen. Sie sprachen über das College, über Frauen und als sie die Schule beendet hatten, zogen sie beide zufällig in die gleiche Stadt. Peter war Polizist, Connor Professor an der Uni. Beste Freunde waren sie auch heute noch.
„Wenn du meinst“, Connor klang noch immer sehr genervt und als Peter ihn frage, was los sei, erzählte er ihm die Geschichte mit der Schokoladentorte. Daraufhin verstand Peter noch weniger: Er lachte zwar amüsiert, hielt Connor aber vor, dass er, wäre er in der Situation gewesen, bei so einer hübschen Frau nach einer Einladung zum Kaffee als Entschädigung gefragt hätte.
„Peter, ich habe wirklich keine Zeit für so etwas…“
Diese Ausrede kannte Peter schon. Connor war mit seiner Arbeit verheiratet, aber trotzdem war Peter der Meinung, dass es im Leben noch etwas anderes geben musste, als das. Wenn Peter jetzt zu ihm sagte, er solle ihn als Beispiel nehmen, hielte Connor ihm bestimmt vor, dass es nicht seine Art war, jede Frau zu daten, die ihm vor die Flinte kam. Seine Traumfrau musste etwas Besonderes sein. Sie musste intelligent, humorvoll und liebevoll sein, sie musst seine miserablen Kochkünste ertragen und Tiere mögen und wenn sie hübsch wäre, hätte er auch nichts dagegen.
Auch diesen Traumfrau- Satz hatte Peter schon hundert Mal gehört. „Dann solltest du anfangen, zu lernen, wie man mit einer Frau umgeht. Dass du zu deiner neuen Nachbarin nicht besonders freundlich warst, konnte ich selbst aus hundert Metern Entfernung sehen.“

Connor gab es nicht gerne zu, aber Peter hatte Recht: Zu seiner Nachbarin war er wirklich nicht besonders freundlich gewesen. Also nahm er sich vor, sich zu entschuldigen.
Am Abend klingelte es an Lindsay´s Tür und sie stellte die Tasse, aus der sie notgedrungen trank, zu den vielen Zeitschriften auf den Tisch. Bevor sie an die Tür ging, knipste sie den Fernseher aus. Sie öffnete die Tür und war erstaunt über den späten Besuch: Vor ihr stand ihr neuer Nachbar mit einem Karton in der Hand.
„Hi, Lindsay“, sagte er, „Ich hab mich Ihnen noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Connor.“
Für einen Moment fragte sie sich, woher er ihren Namen wusste, aber ihr Türschild erklärte sich von selbst. „Ja, Ihr Name steht auch auf Ihrer Tür. Was ist in der Kiste?“
„Gläser. Nachdem ich Ihre kaputt gemacht habe, habe ich Ihnen Neue gekauft.“
„Danke, das ist sehr nett von Ihnen“, sie nahm den Karton an sich und sah ihn gespannt an. Er schien sehr nett zu sein (und sie fand, er sah gut aus), aber alleine die Tatsache, dass er sie gestern auf der Straße wegen einem Hemd und heute wegen einer Kiste voller Gläser so angepflaumt hatte, machte sie misstrauisch. Vielleicht wäre auch Lindsay nicht amüsiert gewesen, wenn sie in seiner Situation wäre… Warum stand er eigentlich noch hier? Hatte er nichts Besseres zu tun?
„Darf ich reinkommen?“
„Nein!“, rief sie entsetzt. Aber nicht, weil sie seine Entschuldigung nicht akzeptierte, sondern weil sich in ihrem Flur unzählige neue Schuhkartons stapelten, auf ihrem Küchentisch lagen genauso viele Modemagazine (von der Konkurrenz) und einige Produktproben, sie sie ausprobieren durfte. Was sollte er denn von ihr denken?
„Schönen Abend noch“, meinte sie und kickte die Tür hinter sich zu. Danach hasste sie sich dafür: Schließlich war er hergekommen, um sich zu entschuldigen und sie hatte das Gefühl, er meinte es wirklich ernst.Sie knallte ihm einfach die Tür vor der Nase zu…. Armer Kerl! Jetzt würde sie sich bei ihm entschuldigen müssen…

Für den nächsten Abend hatte Lindsay ihre beste Freundin Mia zu sich in ihre neue Wohnung eingeladen. Die beiden kannten sich schon ewig und arbeiteten in der gleichen Firma. Lindsay hatte ihr praktisch den Job besorgt, nachdem Mia beim People Magazin rausgeflogen war. Seitdem arbeitete Mia bei EVA, einem der marktführenden Frauenmagazine des Landes.
Lindsay hatte bereits alle Sachen ausgepackt und um die neue Wohnung zu feiern, wollte sie Pizza machen. Ihre beste Freundin war davon jedoch nicht sonderlich begeistert. „Warum sitzen wir hier?“, fragte Mia, „Um die Ecke hat ein neuer Club aufgemacht…“ Stattdessen hockten sie in Lindsays Wohnung und backten Pizza.
„Ich bin nicht in dieses Haus gezogen, weil ein neuer Club hier aufgemacht hat“, entgegnete Lindsay, „Ich bin hierher gezogen, weil es so nahe am Büro liegt. Außerdem habe ich durch den Umzug in diesem Monat leider nicht mehr viel Geld zur Verfügung.“  
„Dann kannst du nur hoffen dass du den Job als Assistentin der Geschäftsleitung bekommst und mehr verdienst“, Mia nahm ein Glas entgegen. Ihre Chefin suchte nach einer neuen Assistentin und Mia wusste, dass Lindsay sich auf diesen Posten beworben hatte. Hoffentlich würde es nicht mehr allzu lange dauern, bis man Lindsay sagte, ob sie den Job bekam oder nicht.
„Ist das Sekt? Warum servierst du mir den in einem Limonadenglas?“
„Frag doch meinen Nachbarn. Der Mann, der mir gegenüber wohnt, hat alle meine Gläser kaputt gemacht. Gestern Abend stand er mit einer Kiste Gläser vor meiner Tür. Die hat er als Entschädigung gekauft. Aber leider hat er nicht an Sektgläser gedacht“, meinte Lindsay.
Mia wusste nicht, warum sie während Lindsay erzählte, zum Spion ging und hindurchschaute.
„Dein neuer Nachbar ist echt süß“, meinte Mia. Sie kam wohl eben zum richtigen Zeitpunkt, denn sie beobachtete, wie Connor gegenüber seine Wohnung verließ.
„Findest du?“, fragte Lindsay, die den Pizzateig auf ein Backblech ausrollte, ziemlich barsch.
„Wie das Phantom der Oper sieht er jedenfalls nicht aus“, Mia linste noch immer durch den Spion, „Wo geht er zu dieser Zeit wohl hin?“
„Das ist mir egal.“
„Ja?“
„Ja!“
Mia sah über ihre Schulter und dann wieder durch den Spion. „Ich frage mich, wer die hübsche Rothaarige ist, die ihn eben abholt….“
„Ehrlich?!“, sofort warf Lindsay das Nudelholz weg und schob Mia vom Spion weg um selbst hindurch zu sehen. Wie sie feststellte, war da keine hübsche rothaarige Frau: Connor stand alleine vor seiner Tür und suchte in seiner Jackentasche nach dem Autoschlüssel.
„Erwischt“, flüsterte Mia und grinste verräterisch, „Du solltest nicht mit mir hier sitzen und Pizza essen, sondern mit ihm.“
„Hör zu, ich habe keine Zeit, mich mit…“
„Lindsay, du hast NIE Zeit. Aber wenn du ihn nicht fragen willst, mache ich das.“ Mia nahm die Türklinke in die Hand und hörte noch, wie Lindsay entsetzt ihren Namen rief, aber Mia hatte die Wohnung bereits verlassen. „Hi“, sagte sie im Treppenhaus zu Connor und er erwiderte den Gruß.
„Ich bin Mia, Lindsays beste Freundin… Hör zu, das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber… Lindsay möchte unbedingt mal mit dir ausgehen“, sagte Mia und Lindsay hinter der Tür stemmte die Hände in die Seiten.
„Wirklich?“, Connor fand, das hörte sich nicht nach seiner Nachbarin an und diese Mia hatte Recht: Dass klang komisch. „Warum fragt Lindsay mich nicht selbst?“
„Sie ist ein bisschen schüchtern.“
Lindsay, die hinter der Tür stand, presste die Zähne fest aufeinander. Sie war so wütend auf…. Auf sich selbst, weil sie sich nicht traute, Connor selbst nach einer Verabredung zu fragen. Was, wenn er jetzt zu Mia sagen würde, dass er nicht an ihr interessiert war? Oh Gott, das war so peinlich! Sie würde sich auf der Stelle eine neue Wohnung suchen müssen!
„Sag ihr, ich hole sie am Dienstag um Acht ab“, meinte  Connor stattdessen, „Entschuldige mich, ich muss los. Ein Kollege von mir geht heute in Pension und hat alle zum Essen eingeladen.“ Connor ging davon und zufrieden betrat Mia die Wohnung ihrer besten Freundin. „Und?“, fragte Lindsay.
„Er holt dich am Dienstag um acht Uhr ab.  Und du brauchst ihm deine Adresse nicht zu geben. Ich hatte das Gefühl, er weiß, wo du wohnst.“
„Also gut, ich gehe mit ihm aus. Aber du rufst mich zu Sicherheit um Neun Uhr an. Sollte unser Date langweilig sein, habe ich dann einen Vorwand frühzeitig zu gehen.“
„Das wird nicht passieren“, da war sich Mia sicher.

Am darauffolgenden Dienstag um sieben Uhr stand Lindsay ratlos vor ihrem Kleiderschrank und überlegte fieberhaft, was sie anziehen sollte. Eben hatte sie geduscht, sich die Haare gemacht und nun suchte sie nach dem perfekten Outfit. Nach zehn Minuten türmte sich ein Berg Klamotten auf ihrem Bett und sie entschied sich für ein hübsches lilafarbenes Kleid und eine schwarze Jacke dazu.
Wenn sie keine Lust hatte, mit Connor auszugehen, warum gab sie sich dann so viel Mühe gut auszusehen? Lindsay wusste es nicht. Nachdem sie sich angezogen hatte, schminkte sie sich ganz leicht und sie wurde nur knapp pünktlich fertig, als es an ihrer Tür klingelte.
„Hi“, sagte Connor zu ihr, „Du siehst toll aus.“
Lindsay bedankte sich, ahnte aber, dass das einer seiner Standartsätze war, wenn er mit einer Frau ausging. Gemeinsam gingen sie nach unten und fuhren in seinem Auto zu einem Restaurant. Da es heute angenehm warm war, schlug Connor vor, sich in den Garten des Restaurants zu setzen und so bekamen sie einen schönen Tisch an dem kleinen Brunnen, dem es gab. Die Atmosphäre war sehr romantisch und Lindsay fand, dass dies ein bisschen zu privat war für ihre erste Verabredung. Während sie auf ihr Essen warteten unterhielten sie sich über die verschiedensten Dinge. Sie sprachen über ihre Hobbys, ihre Wohnungen, ihre Schulzeit und Lindsay empfand Connor als sehr angenehmen Gesprächspartner. Sie fühlte sich sehr wohl bei ihm und musste zugeben, dass sie dies niemals erwartet hatte. Manchmal täuschte der erste Eindruck also doch….
Nach knapp einer Stunde entschuldigte sie sich kurz bei ihm um zur Toilette zu gehen. Dort schaltete sie ihr Handy aus. Eigentlich wartete sie auf den Anruf von Mia, aber sie war überzeugt, dass sie diesen nicht brauchen würde. Connor erwies sich als sehr interessanter Mann. Sie ging zu ihm an den Tisch zurück. Connor und Lindsay blieben noch eine weitere Stunde in dem Restaurant sitzen, dann machten sie sich auf den Nachhause Weg.
Vor ihrer Tür meinte Connor, dass der Abend noch viel zu jung, um die Verabredung bereits jetzt zu beenden. Also zog er sie auf, dass er vergessen hatte, ihren Gläsern auch Weingläser beizulegen. Er hatte aber welche. Zufällig hatte er noch eine Flasche Wein da, also….
Er dachte wohl, damit wickle er jede Frau um den kleinen Finger, überlegte sie und lehnte in ihrem Türrahmen. Connor sah sie verwirrt an und fragte, ob alles in Ordnung sei. Sie nickte und zweifelte für einen Moment, ob sie seiner Einladung folgen sollte, dann ging sie doch an ihm vorbei und betrat seine Wohnung. Seine Wohnung war ein bisschen größer als ihre und sie konnte sehen, dass er sogar einen Balkon hatte, den man vom Wohnzimmer aus betreten konnte. Für einen Balkon hatte Lindsays monatlicher Spielraum für die Miete leider nicht gereicht, aber das war vielleicht auch gut so. Andernfalls hätte sie sicherlich in ein anderes Stockwerk ziehen müssen und dann würden sie und Connor nicht Tür an Tür wohnen.
Es war schön hier, fand sie. Seine Wohnung war sehr freundlich eingerichtet, sie fühlte sich sofort wohl. Da es draußen noch warm war, waren die Fenster gekippt. Sie setzen sich auf die Couch und Connor holte den Wein. Dabei entschuldigte er sich abermals, dass er all ihre Gläser kaputt gemacht hatte. Sie sagte ihm, dass spiele keine Rolle denn schließlich habe er sie ja heute schon zum Essen eingeladen. Lindsay war neugierig und wollte ein bisschen mehr über ihren Nachbarn erfahren. Sie wollte dieses angenehme Gespräch aus dem Restaurant unbedingt weiterführen. „Was machst du beruflich?“, fragte sie und stützte ihr Kinn in ihre Handfläche.
„Nichts Aufregendes…“, Connor saß neben ihr auf der Couch, lehnte sich zurück und schaute nachdenklich an die Decke.
„Lass mich raten, du bist…. Architekt.“
„Nein.“
„Arzt.“
„Nein.
„Anwalt?“
„Nein, auch nicht“, er schüttelte mit dem Kopf, „Aber wenn es dich interessiert: Ich arbeite an der Universität. Und du?“
„Ich arbeite bei EVA, diesem Frauenmagazin, noch in der Bildredaktion. Aber ich habe mich als Assistentin der Geschäftsleitung beworben.“
Connor sah sie an und erklärte er, er habe noch nie eine Frau gesehen, die bei einem Modemagazin arbeitete, aber leidenschaftlich gerne Schokoladenkuchen aß. Sie lachte. „Das ist kein Modemagazin!“ Beide unterhielten sich noch lange über ihre Berufe, während sie den Wein gemeinsam tranken. Plötzlich stellte Connor ihr eine sehr ungemütliche Frage: „Hast du einen Freund?“
„Nein“, sie schüttelte den Kopf, „Mein letzer Freund war Computertechniker. Als er ein besseres Jobangebot in Japan bekommen hat und er sich entscheiden musste zwischen Tokio und mir…. Naja, es ist jedenfalls nicht sehr positiv für mich ausgegangen… Das ist aber schon lange her.“
Connor nickte verständnisvoll. Dass ihm das Leid tat, wollte er nicht sagen, denn das wäre gelogen. Er dachte über das nach, was Peter über sie gesagt hatte und ihm fiel auf, dass sie doch sehr hübsch war. Also war das, was er nach seiner Begrüßung zu ihr gesagt hatte, nicht gelogen. Er verfolgte wie gebahnt ihre Gesichtszüge, als sie ihm erzählte, dass sie vorher in einer Wohnung am anderen Ende der Stadt gewohnt hatte. Oh Gott, er hatte doch nicht…?! Nein, das war unmöglich!
Inzwischen war es fast Mitternacht und da sie beide morgen früh wieder aufstehen und zur Arbeit mussten, beschlossen sie, sich für heute zu verabschieden. Da Connor sie noch zur Tür bringen wollte, standen sie gemeinsam von der Couch auf. Beinahe zufällig schauten sie aus dem Fenster, als sie aus dem Haus gegenüber einen Schrei hören. „Hast du das gehört?“, fragte Lindsay und sie traten beide einen Schritt auf das Fenster zu. Sie suchten im Haus gegenüber die Quelle des Schreies. Und dann sahen sie, wie im siebten Stockwerk eine blonde Frau von einem kräftig gebauten, glatzköpfigen Mann auf den Boden geschleudert wurde. Die Frau blieb dort liegen und bewegte sich nicht mehr.
Plötzlich wurde ihr eiskalt. „Wer ist das?“
„Das ist Tessa. Peter ist einmal mit ihr ausgegangen.“
„Und wer ist der Mann?!“
„Den sehe ich zum ersten Mal!“, auch Connor bemerkte, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. Er ging zu seinem Schreibtisch und griff nach seiner Kamera. Falls sie hier eben Zeugen eines Mordes gewesen waren, würde dies der Polizei bestimmt helfen. Also schoss er einige Fotos und er hatte Glück: Der vermutliche Täter würde darauf gut zu sehen sein.
„Hast du ihn aufs Bild bekommen?“, fragte Lindsay und er nickte. Er schlug vor, seinen besten Freund anzurufen, der bei der Polizei arbeitete und sie war einverstanden. Sie schaute noch einmal zu Tessas Wohnung hinunter und wieder wurde ihr kalt. Der glatzköpfige Mann starrte für einen kurzen Moment mit finsterem Blick zu ihnen hoch. Reflexartig duckte sich Lindsay und zog Connor mit sich.
„Denkst du, er hat uns gesehen?“, wollte sie wissen. Noch immer hatten sie sich geduckt.
„Das Licht in meiner Wohnung war an also gehe ich davon aus, dass er uns gesehen hat.“
Oh Gott, mit diesem Zwischenfall war der Abend völlig außer Kontrolle geraten! Sie hatte eigentlich nur vor gehabt, ein nettes Date mit ihrem Nachbarn zu verbringen und dann das! Lindsay malte sich schon jetzt aus, wie heute Nacht ein Fremder in ihre Wohnung einbrechen und sie im Schlaf umbringen würde, weil sie Zeuge dieses Mordes war.
Sie beschloss, nun doch nach Hause zu gehen und verabredete sich per SMS mit Mia für morgen früh vor ihrem Lieblingscafé.

Wie jeden Morgen wartete Mia an ihren Lieblingscafé auf Lindsay. Meist holten sie sich hier einen Kaffee oder Lindsay kaufte sich Gebäck bevor sie zur Arbeit gingen. Wie an jenem verhängnisvollen Tag, an dem sie Connor kennen gelernt hatte.
Lindsay verspätete sich heute ein bisschen, aber schließlich tauchte sie noch auf. „Na, wie war dein Date?“, fragte Mia als Erstes, während sie reingingen und sich Kaffee holten.
„Es war sehr schön“, begann Lindsay und zahlte ihre Brötchen, „Connor ist ein sehr netter und interessanter Mann.“
„Mehr nicht? Du findest ihn nur nett und interessant?... Was mach er beruflich?“
„Er sagte, er sei Professor an der Uni.“
„Also ein Langweiler… So ein Mist!“, Mia war enttäuscht, „Ich war mir sicher, ihr seid füreinander bestimmt.“  Sie stellte fest, dass ihre beste Freundin amüsiert mit den Augen rollte und Lindsay meinte, sie sollte dies besser nicht an seinem Beruf ausmachen. Außerdem fand sie Connor kein bisschen langweilig.
Zusammen verließen sie den Laden. „Ich hab mein Handy gestern Abend übrigens ausgeschaltet.“
„Was meinst du?“, zu spät erinnerte sich Mia an ihren Spezialauftrag und Lindsay bemerkte es sofort.
„Soll das etwa heißen, du hast gar nicht angerufen?“
Mia nickte und Lindsay blieb stehen. „Was, wenn sich herausgestellt hätte, dass er ein verrückter Massenmörder ist?! Du würdest mich mit so jemanden ausgehen lassen?!“
„Natürlich nicht“, sagte Mia und schob sie weiter (Der Mörder hielt sich außerdem wohl im Haus gegenüber auf), „Aber er ist kein verrückter Massenmörder und so, wie du aussiehst, scheint das Date sehr gut verlaufen zu sein. Also, was habt ihr gemacht? Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen!“, Mia schien ins Schwarze getroffen zu haben, denn Lindsay wurde ein bisschen rot.
„Wir waren Essen… Dann haben wir beschlossen, bei ihm noch ein Glas Wein zu trinken.“
„Und dann?“
„Nichts. Wir haben uns nicht einmal geküsst.“ Mal abgesehen von dem Mord im Nachbarhaus war der Abend auch nicht weiter nennenswert, dachte Lindsay ironisch.
„Schade. Also sollte ich noch warten, bis ich eure Hochzeitsreise nach Las Vegas plane?“
Lindsay lachte. „Du weißt wohl auf alles eine schlaue Bemerkung, was?“ An diesem Tag machte sich ein wenig zufriedener als sonst auf den Weg in die Arbeit.

„Hier bist du“, sagte Peter zu Connor, als dieser ihn am nächsten Morgen bei der Arbeit besuchte, „Ich hab gestern Abend versucht, dich zu erreichen, wo warst du denn?“ Peter hatte ihn anrufen wollen um ihn zu fragen, ob er zum Sport mitkäme, aber leider war Connor nicht zuhause.
„Ich war mit meiner Nachbarin aus.“
„Mit Heidi von Gegenüber?“, fragte Peter ungläubig, „Vor ein paar Tagen konntest du sie nicht ausstehen.“
„Ihr Name ist nicht Heidi. Sie heißt Lindsay… Und sie ist sehr nett, intelligent, humorvoll, hübsch, attraktiv und…“
„Schon gut, ich hab es verstanden. Du hast dich in deine Nachbarin verknallt.“
„Hab ich nicht“, er setzte sich in Peters Bürostuhl, „Ich finde sie nett… Danach haben wir bei mir noch ein Glas Wein getrunken und haben uns gut unterhalten.“
„Was ist?“, fragte Peter, „Bist du hergekommen, um mir das alles zu erzählen?“
Connor schüttelte mit dem Kopf und suchte nach seiner Kamera. Dann fand er sie in seiner rechten Jackentasche. „Lindsay und ich haben gestern Abend im Nachbarhaus etwas Seltsames beobachtet und sie glaubt, es sei ein Mord gewesen. Wir haben es sogar ein paar Fotos gemacht.“ Er reichte seinem besten Freund jetzt eine digitale Fotokamera und dieser schaute sich die Bilder an. „Das ist ja Tessa!“, Peter erkannte seine Ex- Freundin sofort, „Aber die Bilder sehen für mich nicht nach einem Mord aus…“
„Peter, das ist doch eindeutig…!“
„Für mich nicht.“ Er setzte sich auf seinen Schreibtisch.
„Wenn du mir schon nicht glauben willst, kannst du dann etwas über diesen Mann für mich herausfinden?“
Peter sah ihn an. Das war normalerweise nicht Connors Art, dass er im Leben anderer Leute herumschnüffelte. Das hatte ganz sicher etwas mit Lindsay zu tun.
„Mann, die hat dir aber ganz schön den Kopf verdreht“, meinte er, aber dann wurde er ernst, „Hör zu: Es ist schön, dass du…. Also, dass du dich mit ihr vertragen hast. Aber ich denke, ihr bildet euch das ein. Du hast selbst gesagt, dass ihr was getrunken habt.“
Connor sah entsetzt aus weil er nicht erwartet hatte, dass sein Freund so etwas über ihn dachte. Dann sagte Peter: „Wenn es dir so viel bedeutet, dann versuche ich etwas über diesen Mann herauszufinden.“

Sie wussten nicht, ob es Absicht oder Zufall war, aber sie trafen sich in den folgenden zwei Wochen beinahe täglich: Zuerst trafen sie sich beim Laufen im Park, beim Einkaufen und am Morgen verließen sie zeitgleich ihre Wohnung und gingen gemeinsam die Treppen hinunter, bevor sich Lindsay mit Mia und Connor mit Peter auf den Weg zur Arbeit machten. Dann begegneten sie sich bei Joseph´s Pizza  und stellten fest, dass sie beide unheimlich gerne Italienisch aßen. Daraufhin verabredeten sie sich eines Abends bei Lindsay, die behauptete, sie machte sogar noch bessere Pizza als Joseph.
Connor konnte es nicht glauben: Er und Lindsay wohnten schon lange in dieser Stadt,  aber sie waren sich vor Lindsays Umzug noch nie begegnet. Vermutlich lag das daran, dass sie vorher am anderen Ende der Stadt gewohnt hat, dachte er. Selbst wenn sie sich schon einmal begegnet wären, sie wäre ihm sicher aufgefallen…
Während sie sich trafen und immer mehr feststellten, dass sie doch sehr gut miteinander auskamen, warteten sie auch darauf, dass Peter ihnen endlich Informationen über Tessa´s Mörder lieferte. Eigentlich konnte Connor es selbst nicht glauben, dass er sich von diesem Thema so mitreißen ließ. Die Vernunft in ihm sagte, das war etwas, was man der Polizei überlassen sollte. Aber die, beziehungsweise Peter, glaubte ihnen nicht einmal.
An einem Mittwochabend bemerkte Connor, wie Lindsay von der Arbeit nach Hause kam und wütend die Tür hinter such zuknallte. Connor hatte den Knall gehört und klopfte bei ihr. „Hi“, sagte er als sie öffnete, „Was ist passiert?“
„Ist das so offensichtlich?“, wollte sie wissen und putzte ihre Nase. Ihre Wimperntusche war ein wenig verlaufen und ihre Augen waren gerötet. Wahrscheinlich hatte sie während der Heimfahrt von der Arbeit nach Hause geweint.
Connor nickte und sie ließ ihn herein. „Im Büro hat man mir heute gesagt, dass ich den Job als Assistentin der Geschäftsführung nicht bekomme“, erzählte sie ihm, „Stattdessen bekam eine gewisse Tamara den Job.“ Sie setzten sich gemeinsam auf die Couch und Lindsay starrte vor sich hin. Connor tat es leid, dass sie den Job, den sie sich gewünscht hatte, nicht bekommen hatte. Und er ertrug es nicht, sie so traurig zu sehen. Schließlich stand er auf und streckte ihr seine Hand entgegen. „Los, hol deine Jacke. Wir gehen aus.“
Sie wusste nicht, was er vorhatte, aber gehorchte ihm und holte ihre Jacke. Mit Connors Wagen fuhren sie los und er parkte in der Innenstadt im Parkhaus des Kinos. Er bezahlte an der Kasse zwei Tickets. Wie sich herausstellte, hatte er einen gruseligen Film ausgesucht, in dem es um einen verfluchten Leuchtturm ging in dem Morde passierten. Lindsay wollte diesen Film schon lange sehen, traute sich aber nicht alleine. Nun war sie mit ihm hier und klammerte sich in der Dunkelheit des Kinos an seinen Arm.
Sie war ihm sehr dankbar dafür.  Er war… Sie überlegte. Connor war fantastisch.
Nach dem Film gingen sie in einer Bar etwas trinken und sie bestand darauf, ihn diesmal einzuladen. Dann machten sie sich auf den Rückweg zu seinem Wagen, der noch immer im Parkhaus des Kinos stand und fuhren nach Hause. Dort stellte Connor den Wagen in der Tiefgarage ab.
Während sie zur Haustür gingen, bedankte Lindsay sich für die Aufmunterung. „Das war ein sehr schöner Abend“, erklärte sie ihm und lächelte ihn an. Auf ihrem Weg zur Tür mussten sie auch am Eingang des Nachbarhauses vorbei. Das Haus, in dem Tessa gelebt hatte.
Die Tür schwang auf und ein glatzköpfiger, kräftiger Mann verließ das Haus. Connor und Lindsay hatten ihn nur aus den Augenwinkeln gesehen. „Hey, Sie!“, rief der Mann ihnen nach, sie drehten sich um und sofort wurde ihnen kalt. Sie erkannten ihn: Das war Tessa ´s Mörder.
Connor griff nach Lindsays Hand und sie begannen zu laufen so schnell sie konnten. Sie hörten die Schritte ihres Verfolgers deutlich auf dem Asphalt. Connor bog nach rechts in eine kleine Seitengasse ein und zog Lindsay mit sich. Die Gasse führte zum Hinterhof des Hauses, unter anderem gab es dort den großen Garten, den alle Bewohner nutzen durften. Soweit Connor wusste, war Peter einmal mit Tessa auf einer Grillparty im Garten ihres Hauses gewesen. Er presste sich im Schatten der Seitengasse an die kalte Betonwand und drückte Lindsay an sich. Ihre Lungen schmerzten vom Laufen und ihr Puls raste aus Angst, dass ihr Verfolger sie jeden Moment entdecken könnte.  
„Nicht bewegen“, flüsterte Connor ihr zu und legte ihr beruhigend die Hände auf die Schultern. Ihr Puls schlug immer schneller. Vielleicht war es vor Angst, vielleicht war es aber auch die Tatsache, dass Connor sie an sich presste. Lindsay schnappte nach Luft, als sie sah, wie der glatzköpfige Mann an der Seitengasse vorbeiging und sich immer wieder nach ihnen umsah. Zum Glück konnte er sie nicht finden und so verschwand er.
Nach diesem Vorfall, beeilten sie sich nach Hause zu kommen und sie besprachen noch im Treppenhaus, was sie tun sollten. Für Lindsay stand fest, dass sie so schnell wie möglich noch einmal mit Peter sprechen mussten und nun war auch Connor von dieser Idee begeistert. Er schlug vor, sich morgen vor der Polizeidienststelle zu treffen.

Mia betrat das Büro ihrer besten Freundin, begrüßte sie und Lindsay murrte zurück. Ihre Laune hatte sich seit der Verabredung mit Connor zwar ein wenig gebessert (es war so süß, wie er versuchte, sie aufzuheitern) und natürlich wusste sie, dass es nicht Mias Schuld war, dass sie den Job nicht bekommen hatte. Trotzdem nahm sie sich vor, sich ihren Unmut anmerken zu lassen.
Wie Mia feststellte, suchte Lindsay eben die Bilder für einen Artikel in der nächsten Ausgabe aus.
„Bist du immer noch sauer, dass sie dir den Job nicht gegeben haben?“, fragte sie und als Lindsay nicht antwortete, wertete sie dies als Ja, „Ich hab im Fundus ein neues Givenchy Kleid gesehen. Nimm es dir doch. Würde dir sicher gut stehen…“
„Danke“, Lindsay sah nicht von ihrer Arbeit auf (dass sie zumindest dieses Kleid mitnahm, war ja wohl das mindeste!), „Ich will das nur noch schnell zu Ende bringen, dann sehe ich es mir mal an. Wenn mir das Kleid passt, weiß ich schon, was ich anziehe, wenn ich mal wieder mit Connor ausgehe.“ Sie lächelte verträumt, als sie an Connor und ihre Verabredung nach der Arbeit dachte.
„Willst du nicht hier bleiben?“, fragte Mia, die sah, wie Lindsay nun ihre Handtasche packte.
„Ich bin mit Connor verabredet… Sag der Chefin, dass ich heute ein bisschen früher gehe, okay?“
„Aber Kate Winslet kommt aufs Cover der nächsten Ausgabe und kommt heute Abend für das Shooting extra hierher.“
„Das weiß ich“, sagte Lindsay zu ihr und blieb in der Tür stehen, „Aber ich bin verabredet. Bis dann.“ Sie ging hinaus, holte das Kleid aus dem Fundus ab und stieg draußen vor dem Gebäude in ein Taxi und fuhr zur Polizei. Dort wartete Connor bereits auf sie. Da es regnete, stand er unter einem Regenschirm. Das Taxi bremste, sie stieg aus. „Hallo!“, rief sie und kam zu ihm unter den Regenschirm.
„Warum hat das so lange gedauert?“
Sie zeigte ihm eine Donutschachtel. Die hatte sie unterwegs noch gekauft. „Ich hoffe, es lohnt sich, mit Peter zu sprechen. Deswegen habe ich Kate Winslet sausen lassen“, sie lächelte Connor an.
Gemeinsam betraten sie das Polizeigebäude und suchten Peter in seinem Büro auf. Zwar war er Polizist, aber leider nur für den Papierkram zuständig. Sie reichte ihm die Pappschachtel.
„Donuts?“, fragte Peter und sah sie schief an, „Ist das eine Anspielung auf das Vorurteil, dass alle Polizisten Donuts mögen?“ Jetzt nahm er ihr die rosafarbene Schachtel ab, „Na ja, lass dir gesagt sein, dass zumindest dieses stimmt.“ Peter linkste in die Schachtel hinein. Dann setzte er sich auf seinen Stuhl. „Ihr seid bestimmt hier, weil ihr etwas über diesen Mann aus Tessas Wohnung erfahren wollt“, vermutete er und beide nickten. Sie beobachteten, wie Peter nach einem Ordner griff: „Sein Name ist Fabio Mendes. Er lebt seit 1978 hier, stammt gebürtig aus Italien und Vermutungen zufolge, soll er Verbindungen zur Mafia haben… Was man aber nie beweisen konnte.“
Lindsay rollte mit den Augen. Das wurde ja immer besser!  Aber warum hatte der Mann ausgerechnet Tessa umgebracht? Sie stellte diese Frage auch Peter.
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sie…“, genervt stellte er seine Kaffeetasse auf den Tisch, „Nachdem Connor neulich bei mir war, habe ich veranlasst, dass eine Streife Tessa ´s Wohnung durchsucht. Es wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass es einen Kampf gegeben haben soll… Oder Blutspuren… Geschweige denn, eine Leiche. Tut mir leid.“
„Ja, mir auch. Aber ich weiß, was ich gesehen habe“, mit diesen Worten ging Lindsay hinaus und Connor sah seinen besten Freund hilfesuchend an. Dann beschloss er, dass er Lindsay nachgehen musste. Er folgte ihr aus dem Department und draußen nahmen sie sich ein Taxi. „Es tut mir Leid, dass Peter nicht mehr über den Verdächtigen herausgefunden hat“, meinte Connor und Lindsay entgegnete, dass das nicht seine Schuld war. „Möchtest du heute Abend mit mir ausgehen?“, fragte er sie. Er war einfach gerne mit ihr zusammen. Und Lindsay mochte es, wenn er sie aufheitern wollte. Also sagte sie zu. Schließlich hatte sie noch ein Givenchy Kleid in ihrer Tasche, welches förmlich danach bettelte dass sie es spazieren führte.

Connor führte Lindsay diesmal zum tanzen aus. Es machte ihr sehr viel Spaß, mit ihm zusammen zu sein, aber da sie beide morgen früh zur Arbeit mussten, konnten sie nicht lange bleiben. Auf dem Nachhauseweg entschuldigte Connor sich abermals, dass Peter nicht genug, beziehungsweise gar keine Indizien für den Mord an Tessa gefunden hatte. „Schon gut“, sie sah Connor an und in diesem Moment erregte ein dunkler Schatten an der Eingangstür des Nachbarhauses ihre Aufmerksamkeit. Der Schatten trat unter eine Straßenlaterne und Lindsay erkannte den Mann wieder.
„Ist das nicht der Typ aus Tessa´s Wohnung?“, fragte sie und sah, wie der Mann etwas in den riesigen Müllcontainer warf. Da morgen den Sperrmüll abgeholt werden würde, standen die Behälter heute Nacht bereits auf der Straße. Der Mann entsorgte etwas, was wie eine dicke, lange Rolle aussah.
„Komm, lass uns nachsehen“, flüsterte sie. Sobald der Unbekannte in der Dunkelheit verschwunden war, näherte sich dem rostbraunen Container und schaute hinein. Neben einigen zerstörten Möbeln lag auch ein zusammengerollter, alter Teppich in dem Container. Das musste der Mann weggeworfen haben! Sie kletterte auf eine Mauer und überwand so den Rand des Behälters. Im Inneren rollte sie den Teppich auseinander. Connor sollte draußen bleiben und Schmiere stehen.
„Ich war noch nie mit einer Frau aus, die in anderer Leute Mülltonnen gewühlt hat“, meinte Connor.
Lindsay lächelte. „Es gibt immer ein erstes Mal. Außerdem ist es kein Müll, sondern Sperrmüll.“ Sie hoffte nur, dass das Kleid dies überstehen würde. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, wenn sie ein zerrissenes Designerkleid zurückbrachte.
„Hast du schon was gefunden?“, fragte Connor plötzlich und Lindsay hob den Kopf.
„Nein“, erklärte sie, „Den Teppich, den er weggeworfen hat, war leider leer.“ Sie hatte erwartet, dass er eine Leiche darin versteckt hielt. Enttäuscht richtete sie sich auf und versuchte, erneut über den Rand zu klettern. „Connor, hilf mir doch mal.“
Sie saß in ihrem teuren Kleid auf dem Rand des Containers und er griff nach ihrer Taille. Als er sie auf den Boden heben wollte, damit sie nicht springen mussten, kippten sie fast um und als Lindsay wieder auf ihren eigenen Füßen stand, hielt Connor sie fest im Arm, weil er nicht wollte, dass sie fiel.
„Danke“, lächelte sie ihn süß an und er wagte es nicht, sie los zu lassen. Der Moment war magisch und  für den Bruchteil einer Sekunde überlegte sie, ob sie ihn küssen sollte. „Lass uns gehen“, sagte sie stattdessen und sie gingen zu dem Haus in dem sie wohnten und dort die Treppen hinauf. Sie verabschiedeten sich vor ihren Türen voneinander. Er kramte in seiner Jackentasche ziellos nach seinem Schlüssel.  „Hast du dir inzwischen schon Weingläser gekauft?“, wollte er von ihr wissen.
„Nein. Warum fragst du?“
„Weißt du, ich hab von unserem ersten Date noch ein bisschen Wein und vielleicht sollten wir den gemeinsam trinken. Alleine schaffe ich das nicht.“
„Ist das eine Einladung?“
„Wenn du möchtest…“ Er hatte nicht erwartet, dass sie nickte und so saßen sie wenig später auf seinem Balkon und tranken die Flasche Wein leer. Lindsay bedankte sich, als er ihr ein Glas einschenkte und nachdem sie angestoßen hatten, zeigte sie zu dem Teleskop, welches auf dem Balkon stand. Sie wollte ihn schon danach fragen, als sie zum ersten Mal in seiner Wohnung war, hatte es dann aber vergessen. „Was machst du mit dem Teleskop hier draußen? Beobachtest du die Nachbarn?“, sie kicherte und auch Connor lachte ein wenig entsetzt: „Nein.“
„Gut“, sie trank einen Schluck und rutschte etwas näher an ihn heran, „Ich dachte schon, ich müsste erleichtert sein, dass ich nicht im Haus gegenüber wohne…. Was schaust du dir sonst damit an?“
„Die Sterne und den Mond. Manchmal bekomme ich sogar den Mars vor die Linse. Aber für die äußeren Planeten ist es nicht stark genug… Es ist ein Geschenk gewesen, weil ich als Kind immer Astronaut werden wollte. Deshalb haben mir meine Eltern eines Tages dieses Teleskop gekauft…“, während er erzählte, beobachtete sie fasziniert, wie er sprach, „…Obwohl ich heute nicht mehr so viel Zeit habe, um mit die Planeten anzuschauen, bringe ich es einfach nicht übers Herz, es wegzuwerfen oder zu verkaufen.“ Jetzt bemerkte auch Connor, wie sie ihn ansah und er musste wissen, ob er vielleicht etwas Falsches gesagt hatte.
„Nein“, erklärte Lindsay mit einem Lächeln, „Ich hab dir nur zugehört.“ Sie errötete, weil er sie erwischt hatte.
„Flirtest du etwa mit mir?“
Wieder hatte er sie erwischt und sie wusste nicht, was sie darauf sagen sollte.
„Falls ja, wäre das nicht schlimm. Ich würde wahrscheinlich genauso mit dir flirten. Ich glaube nämlich, ich habe mich ein bisschen in dich verliebt.“
Sie war wie vor den Kopf gestoßen und wenn sie es wagte, sich jetzt zu bewegen, fürchtete sie, dass dieser wunderschöne Moment zerstört war. Connor sah ihr so tief in die Augen, dass sie fast glaubte, sie könnte auf den Grund seiner Seele blicken. Nervosität stieg in ihr hoch und sie standen zeitgleich von dem Möbelstück auf, auf dem sie saßen. Connor stand ihr genau gegenüber. Er war nur noch Zentimeter vor ihr entfernt und alleine das Gefühl von seinen Händen, die er sanft auf ihren Hals gelegt hatte, machten sie wahnsinnig. Ihr Blick dauerte fast Ewigkeiten und Lindsay fragte sich, wie lange er sie noch so quälen wollte. Schließlich war sie es, die die letzte Distanz zwischen ihnen überwindete und ihn innig küsste. Sie stöhnte leise auf, als er den Kuss erwiderte, ihr wurde heiß und ihr Herz schmerzte und tanzte zugleich vor Sehnsucht nach ihm.
Lindsay hatte keine Ahnung, wie sie in seine Wohnung und in sein Schlafzimmer gelangt waren, aber als er ihr das Kleid auszog, es achtlos auf den Boden warf und sich mit ihr aufs Bett sinken ließ, schrillten die Alarmglocken in ihr. Sie kannten sich seit ein bisschen mehr als zwei Wochen. War sie schon bereit dazu? Andererseits hatte er ihr eben gesagt, dass er sich in sie verliebt hatte, aber wenn das nur ein Mittel zum Zweck war?
Ein weiterer Kuss seinerseits folgte und sie schmolz dahin. Er küsste ihren Hals, ihre Schultern als sie zärtlich seinen Rücken streichelte. Sie atmete unregelmäßig und stöhnte auf, als er seinen Mund auf ihren legte. Connor legte die Hände auf ihre Taille, streichelte über ihre weiche Haut und sie schlang die Beine um ihn. Ihr Herz sagte ja, aber ihr Kopf war sich im Augenblick nicht sicher. Schließlich waren ihre Kolleginnen in der Redaktion Ausgabe für Ausgabe damit beschäftigt, zu analysieren, dass das Flirtverhalten von Männern auf reiner Biologie basierte, warum sie fremdgingen und warum sie sich nach einer heißen Nacht nicht wieder meldeten und… Sie hatte mal in einer anderen Zeitschrift gelesen, dass Männer den Akt nur dazu nutzen um ihren Trieb zu befriedigen und sie überlegte, ob sie eben in so eine Situation geraten war. Für sie gehörte dazu etwas mehr. Sie wollte, dass es aus Liebe passierte… Die Gedanken kreisten nur so in Lindsays Kopf.
„Connor, wir sollten…“, begann sie und er verschloss zärtlich ihren Mund mit seinem Finger.
„Ich weiß, was du denkst und du weißt, dass es nicht wahr ist“, er küsste sie tief um ihr zu beweisen, dass es ihm verdammt ernst war, denn Connor Doyle schlief nicht einfach mit einer Frau, wenn er sie nicht liebte. Er spürte, dass sie sich unwohl fühlte. „…Du hast Recht, wir sollten es nicht tun“, meinte er plötzlich. Connor stütze sich auf seine Matratze und richtete sich auf. „Warte“, sie hatte keine Ahnung, was sie dazu bewogen hatte, ihn nun festzuhalten. Sie war doch verliebt in ihn, dachte sie. Er lächelte sie an, küsste sie nahezu fragend und nachdem er sie und sich ausgezogen hatte, murmelte er ihr zärtlich ins Ohr, sie solle sich entspannen und es genießen. Lindsay nickte einverstanden. Sie vertraute ihm, liebte ihn und sie genoss diese Nacht mit ihm.
Zumindest konnten sich die Nachbarn nicht über zu laute Geräusche in der Nacht beschweren. Denn seine Nachbarin war die wundervollste Frau auf der Welt, die auch noch zufällig mit ihm hier lag…

We're caught in a moment
And I won't let it go
I am falling deeper, losing my control
Involved in a feeling
Like the blink of a eye
And the silence it belongs to you and I     (The Sugababes with “Caught in a Moment”)

Am nächsten Morgen lag sie noch immer schlafend in seinen Armen. Er hatte die Arme um ihre Taille geschlungen und die Sonnenstrahlen wärmten sie. Ihre Haare hatten sich auf seinem Kissen ausgebreitet wie ein Heiligenschein und sie fühlte seine Atemzüge in ihrem Nacken. Langsam schlug sie die Augen auf und realisierte, wo sie war. Das Sonnenlicht blendete sie und ihre Augenlider fühlten sich schwer an. Sie und Connor waren letzte Nacht viel zu lange wach. Bis in die frühen Morgenstunden liebten sie sich hingebungsvoll, bis er erschöpft eingeschlafen war. Sie musste lächeln, als sie daran dachte. Es war eine wunderschöne Nacht…
Lindsay warf einen Blick auf den Wecker und erschrak: Die Uhr zeigte 7:30 Uhr. In einer halben Stunde musste sie bei der Arbeit sein. Vorsichtig löste sie sich aus Connors Armen und hörte, wie er leise ihren Namen murmelte. Sie beugte sich zu ihm, küsste ihn liebevoll und drückte ihm ein Kissen in den Arm. „Wir sehen uns heute Abend“, sagte sie zu ihm. Dann sammelte sie ihre Kleidung auf, zog sich an und ging in ihre Wohnung um sich schnell frisch zu machen.

Sie hatten sich telefonisch verabredet und Connor holte sie pünktlich zuhause ab. Lindsay erzählte ihm, was heute im Büro passiert war und sie fragte, wohin er sie heute entführen wollte. Wie sich herausstellte, war es ein hübsches, griechisches Restaurant. Sie freute sich, wieder mit ihm zusammen zu sein und so setzten sie sich an einen Tisch, an dem sie relativ ungestört waren. Kaum waren sie alleine, begannen sie sich leicht zu küssen und Lindsay erklärte ihm, wie gerne sie bei ihm war und wie sehr er ihr heute gefehlt hatte. „Außerdem muss ich noch etwas loswerden, was ich schon gestern Abend hätte sagen sollen“, meinte sie und Connor schien gespannt zu sein, was das war, „Ich denke, ich habe mich auch in dich verliebt.“
„Das macht einiges leichter“, er lächelte und nahm ihre Hand in seine, „Erlaubst du mir die Frage, was deine Pläne fürs Wochenende sind?“
Lindsay überlegte kurz. Natürlich hatte sie Pläne: Sie hatte vor, morgen früh lange auszuschlafen, in seinem Bett aufzuwachen, mit ihm zu frühstücken und das Wochenende mit ihm zu verbringen. „Es würde dir gefallen“, meinte sie schließlich, lächelte ihn an und beugte sich noch einmal über den Tisch um ihn zu küssen. Eine Kellnerin räusperte sich neben ihnen plötzlich und fragte sie, ob sie schon wussten, was sie essen wollten. Connor bestellte für sie beide.
Nachdem sie gegessen hatten, standen sie auf. Der Abend war sehr schön und sie konnten noch eine Weile spazieren gehen. Connor half ihr eben in ihre Jacke, als Lindsay an einem Tisch eine sehr hübsche, blonde Frau im schwarzen Abendkleid entdeckte. Bei ihr saß ein dunkelhaariger Mann, der einen teuer aussehenden Anzug trug. Die Frau kam ihr bekannt vor. War das nicht…? „Connor, sieh mal! Da ist Tessa! Sie ist gar nicht tot!“, rief Lindsay und zeigte zu ihr. Alle Leute im Restaurant drehten sich zu ihr um und sahen die blonde Frau im schwarzen Kleid an. Sofort sprang Tessa von ihrem Tisch auf und begann laufen. Der Mann stand ebenfalls auf und sah zu den muskulösen Kerlen, die am Nebentisch hockten. „Schnappt sie!“, befahl er ihnen, die drei Männer erhoben sich und Lindsays Augen weiteten sich für einen Moment, als sie in ihre Richtung kamen.
„Lindsay!“, Connor nahm ihre Hand, öffnete die Tür des Restaurants und eilte mit ihr hinaus. Immer wieder sah sie sich um, die Männer suchten in ihren Jackentaschen und Lindsay sah auch wonach: Nach ihren Waffen. Sie und Connor liefen so schnell sie konnten zum Auto und Lindsays Füße schmerzten schrecklich. Warum musste sie auch diese hohen Schuhe anziehen?  
Als sie den Wagen erreichten, startete Connor eilig den Motor. Der Wagen raste aus dem Parkhaus und die Straße entlang. „Was war das?“, fragte sie atemlos und versuchte, sich zu beruhigen, „So habe ich mir diesen Abend nicht vorgestellt.“
„Ich mir auch nicht“, stimmte Connor zu. Er missachtete ein Stoppschild und fuhr eine Straße entlang, die links und rechts von Bäumen umrandet war.
„Wo fahren wir hin?“
„Zu Peter. Ich habe, das Gefühl, dass wir dort sicherer sind, als zuhause.“

Peter hatte einen furchtbaren Tag hinter sich und zu dieser Zeit wollte er bereits schlafen. Aber der Besuch, der eben ungeduldig an seine Tür klopfte, hinderte ihn daran. „Was ist los?“, fragte er müde, als er Connor und Lindsay erkannte. Sie betraten seine Wohnung und erklärten ihm, was eben im Restaurant passiert war. Sie erzählten ihm auch, dass sie Tessa nicht mit Fabio Mendes gesehen hatten, sondern mit einem anderen Mann. Connor vermutete, dass Peter etwas darüber wusste.
„Nein, ich weiß gar nichts!“, behauptete Peter. Jetzt klopfte auch noch jemand an seinem Küchenfenster! Peter wohnte im fünften Stock eines alten Hauses. Einen Balkon hatte er nicht, er hatte nur die alte Feuerleiter. Er öffnete das Fenster und half erstaunt einer Blondine im Abendkleid, hereinzuklettern. „Gott sei Dank, du bist zuhause“, sagte sie, „Ich bin so schnell ich konnte mit dem Motorrad hergefahren.“
„Also weißt du doch etwas!“, vermutete Connor und die Frau sah auf.
„Ihr?!“, fragte sie entsetzt, „Was macht ihr hier?“
„Wir sind Peters Freunde. Und was machen Sie hier?“
Tessa suchte verzweifelt nach einer Erklärung. Aber sie fand ein anderes Thema. „Dank euch ist meine Tarnung aufgeflogen!“, Tessa klang wütend, „Der CIA ist schon seit einer ganzen Weile hinter Fabio Mendes her. Der Typ im Restaurant ist sein größter Konkurrent und ich hatte gehofft, über ihn Mendes ausschalten zu können.“
Connor sah seinen besten Freund an: „Hast du davon gewusst?“
Peter schüttelte genervt den Kopf und rollte mit den Augen.
„Willst du mir damit sagen, du warst mit Tessa aus und hast nicht gemerkt, dass sie für die CIA arbeitet?!“, schimpfte Connor mit ihm. „Lass ihn in Ruhe, er wusste wirklich nichts davon“, meinte Tessa.
„Warum haben Sie so getan, als würde Fabio Mendes Sie töten?“, fragte Lindsay und Tessa fasste ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. „Ich habe mich als Waffenhändlerin ausgegeben“, berichtete Tessa, „Er muss wohl gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt, deshalb hat er mich an diesem Abend in meinem Apartment angegriffen.“ Während Tessa erzählte, knirschte Peter wütend mit den Zähnen. „Ich trug glücklicherweise eine Sicherheitsweste und habe mich daher schnell von meinen Verletzungen erholt, nachdem er glaubte, meine Leiche in der Biomülltonne entsorgt zu haben.“
Lindsay hörte ihr zu und lief unruhig durch die Wohnung. „Was machen wir jetzt?“ Sie hatte keine Ahnung, wie man einen Mafiaboss am Sichersten loswurde.
„Ihr müsst die Stadt verlassen“, sagte Tessa, „Ihr habt mich mit Salvatore im Restaurant gesehen und seid in Gefahr.“
Aus irgendeinem Grund nickte Connor einverstanden. Er schlug vor, gleich loszufahren. Wohin sie fahren würden, wusste er allerdings noch nicht. „Fahrt auf keinen Fall in eure Wohnungen zurück“, befahl Tessa ihnen und sie und Peter begleiteten Connor und Lindsay nach unten. „Sollte ich nicht auch verschwinden?“, fragte Peter im Treppenhaus. Er griff nach der Türklinke und als sie das Haus verließen, liefen sie Fabio Mendes und seinen Schergen in die Arme. Erschrocken schnappte Tessa nach Luft. „Fabio?“, fragte sie und der glatzköpfige Mann lachte.
„Liebe Tessa“, grinste er heimtückisch, „Du bist eine hervorragende Schauspielerin… Aber wusstest du, dass Salvatore Gergori mein Halbbruder ist? Als er mir von einer wunderhübschen blonden Waffenhändlerin erzählt hat, wusste ich, dass du es bist. Von da an haben wir beschlossen, dass wir doch gemeinsame Sache machen müssen...“  Wie gerufen, tauchte nun auch Salvatore auf.
Tessa schluckte. Sie und ihre Begleiter blickten geradewegs in die Läufe von mindestens fünfzehn Pistolen. Nicht nur die Männer von Fabio Mendes, sondern auch die  von Salvatore hatten es auf sie abgesehen.
Lindsay vermutete, dass man ihnen jetzt wohl Zementschuhe verpassen würde. Ob Mia wohl nach ihr suchen würde, wenn sie am Montag nicht mehr bei der Arbeit auftauchte? Oh Gott, sie würden sterben und…
Eine Kolonne Streifenwagen mit Sirenen um die Ecke. Die Wägen bremsten vor ihnen und Polizisten stiegen aus. Sie waren deutlich in der Überzahl und Fabio und Salvatore waren geschlagen. Sie hoben die Hände und mussten ihre Waffen fallen lassen. Während die Männer abgeführt wurden, drückte Connor seine Freundin tröstend an sich. Sie waren erleichtert, dass es endlich überstanden war. Peter beobachtete grimmig, wie Tessa mit einigen seiner Kollegen sprach. Dann tauchte auch noch Peters Chef auf. „Sir?“, fragte Peter verwirrt.
„Peter“, er reichte seinem Angestellten die Hand, „Schön, Sie zu sehen. Nachdem wir herausgefunden haben, dass Sie mit einer CIA- Agentin ausgegangen sind und was ihr Auftrag war, haben wir angefangen, Sie zu überwachen.“
„Zum Glück“, dachte Lindsay laut. Sie und Connor mussten der Polizei noch erklären, wie und warum sie in den Fall verwickelt waren. Wahrheitsgemäß begannen sie ihre Erzählung an dem Abend, an dem sie den „Mord“ an Tessa beobachtet hatten. Nach der Zeugenaufnahme durften sie gehen. Sie fuhren schweigend nach Hause und auch im dunklen Treppenhaus redeten sie kein einziges Wort miteinander. Erst, als sie ihren Schlüssel in die Tür steckte und sie einander den Rücken zugewandt hatten, begann sie zu reden: „Ich dachte für eine Sekunde wirklich, dass wir sterben würden.“  Plötzlich ging alles so schnell und sie war froh, dass die Polizei noch rechtzeitig gekommen war.
„Ja, das dachte ich auch“, stimmte Connor ihr zu, „Hey Lindsay, ich habe nachgedacht…“
Ihr wurde kalt. Diesen Satz hatte sie schon einmal gehört und danach hatte sie von ihrem damaligen Freund den Laufpass bekommen.
„Ich habe mir überlegt, ob du nicht mit reinkommen möchtest. Nach diesem Abend kannst du keinesfalls alleine bleiben.“ Connor lehnte an seiner Tür und grinste sie an. Wie recht er hatte! Er kannte sie inzwischen zu gut! Sie würde heute Nacht wirklich nicht schlafen können. Und sie wusste niemanden, bei dem sie lieber war…

Fin
 
 
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