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Die verbotene Frucht

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Krabat Meister Tonda
14.10.2010
14.10.2010
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Titel: Die verbotene Frucht
Fandom: Krabat
Pairing: Krabat/Tonda
Comment: An dieser Fan fiction ist allein moon_maiden36 schuld. Und der Art trade, den ich mit ihr gemacht habe. Und Granatäpfel sind auch schuld daran. Diese tödliche Kombination brachte dann das hier hervor; Granatäpfel auf der Mühle und ein ungewöhnlich heiterer Tonda.

UND ich habs geschafft, das auch nur einen Tropfen Alkohol zu schreiben – weder Granatapfelwein noch Cidre waren im Spiel Also seid stolz auf mich, für mich sind solche sinnlichen Sachen ziemlich happig.

Disclaimer: „Krabat“ - zumindest der Jugendroman – gehört Ottfried Preussler (jaaaa, er lebt noch... er lebt noch...) Ich verdiene mit dieser Geschichte nichts – außer, dass ich wahnsinnig viel Spaß beim Schreiben hatte und dass ich im Gegenzug eine Fan fiction von Moony bekomme.
Die Legende von Krabat gehört niemandem, da es sich um eine sorbische Volkssage handelt.


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Die verbotene Frucht

Für Krabat hatte der Sommer immer etwas von einem zweischneidigen Schwert; er war gut und er war auch sehr schlecht, beides vereinte sich in dieser Jahreszeit zu einem vollständigen Gebilde. Zwei Seiten einer Medaille, die sich „Hitze, Dürre, Licht“ nannte. Arbeiten war im Sommer eine reine Qual. Auf den Feldern stäubte das Korn und die Spelzen kratzten und schmerzten auf der Haut und in den Augen. Die Hitze ließ ihn schmelzen; Schweiß lief seinen Nacken und sein Rückgrat hinunter und brannte dort, wo das raue Hemd seine Schultern wund gescheuert hatte. Seine Augen brannten und manchmal, wenn er dumm genug gewesen war, eine Weile nichts zu trinken, fühlte er sich schon fast einer Ohnmacht nahe.
Ja, der Sommer war eine Qual. Besonders auf einer Mühle, wo sich der Mehlstaub mit dem Schweiß mischte und eine zähe Kruste auf der Haut bildete.
Es war die Hölle.
Aber auch das nicht immer und unbedingt, stellte Krabat fest.
Neben ihm hatte Tonda sich eben seines Hemdes entledigt und streckte und dehnte sich nun in der Sonne. Der Schweiß auf seiner Haut betonte Muskeln und Knochen, wenn er sich bewegte; sein graues Haar war durch die Feuchtigkeit zu einem beinahe schwarzen Ton nachgedunkelt.
Das war einer der vielen guten Seiten des Sommers, überlegte Krabat, ohne wirklich sicher zu wissen, warum.
Vielleicht, weil es so selten war, dass Tonda sich so entspannt und gelöst zeigte?
Oder war es die Wärme – sogar diese Hitze war um Längen besser, als die Kälte, unter der sie im Winter zu leiden hatten. Und der Schweiß auf Tondas gebräunter Haut war schlicht und ergreifend ein Zeichen der Hitze und der Sonne, die sie mit ihren Strahlen übergoss...
„Träum nicht, Junge!“ Eine Hand schlug ihn auf den Rücken, so heftig und so unerwartet, dass er zusammen zuckte.
„Andrusch! Willst du mich umbringen oder was?!“
„Nicht meine Sache“, erklärte Andrusch achselzuckend. „Dachte nur, dass du besser auf deine Augen aufpassen solltest. Ehe sie dir noch aus dem Kopf fallen.“
„Trottel“, brummte Krabat; doch wieder flackerte sein Blick in Richtung Tonda; dieser war nun bis zur Hüfte im Mühlteich verschwunden.
Heute war es viel zu heiß, um auch nur ans Arbeiten zu denken; nicht einmal Zauberei konnte es ihnen ermöglichen, bei dieser Mittjulihitze schwere Getreide- und Mehlsäcke zu schleppen. Sogar der Meister hatte das einsehen müssen und ihnen dementsprechend den Tag frei gegeben.
Nun folgten sie einer nach dem Anderen Tondas Beispiel, zogen sich aus und glitten in den Teich, genossen, wie das kühle, weiche Wasser gegen ihre erhitzte Haut strich.
Krabat schloss die Augen. Die Sonnenstrahlen spielten auf seinem Gesicht, seinen Augen.
Er fühlte, wie das Wasser gegen seine Haut schlug, als Tonda neben ihn watete.
„Wär schön, wenn es immer so bleiben könnte“, murmelte er.
„Sicher.“ Tonda schöpfte etwas Wasser in die Hand und goss es ihm über den Kopf. „Du hast da noch Grün an den Ohren. Wasch das mal ab.“

Bald war wieder Freitag und am Abend versammelten sie sich in der Kammer, bereit, wieder in Raben verwandelt zu werden; doch in dieser Nacht liefen die Dinge ein wenig anders, als sie es gewohnt waren.
So konnte Krabat sich nicht im Geringsten erinnern, dass der Meister die Kammer je mit etwas anderem als dem Koraktor unter dem Arm betreten hätte – und an den Gesichtern seiner Kameraden konnte er sehen, dass auch sie das noch nie erlebt hatten.
Aber heute trug er einen Beutel mit sich und nachdem er den Koraktor auf seinem Pult abgelegt hatte, wurde es nur noch seltsamer.
Der Meister lächelte breit und vergnügt, so das sich das Gesicht in viele, viele Falten legte, besonders um das linke Auge herum.
Es war ganz anders als sein übliches, zufriedenes Lächeln – oder sein böses Grinsen, das er immer dann zeigte, wenn er ihnen wieder einen besonders üblen Spruch beigebracht hatte.
Aber heute war es ganz einfach nur das simple Lächeln eines Kindes, das sich über ein neues Spielzeug freute und es nun voller Stolz herumzeigte.
Es war beängstigend.
Krabat wusste todsicher, dass er diesen Ausdruck nie wieder auf dem Gesicht des Meister je wieder sehen wollte.
Nie wieder.
Noch hatte der Meister sie nicht in Raben verwandelt; stattdessen griff er in seinen Beutel und nahm etwas heraus, hielt es in die Höhe, so dass sie alle es sehen konnten.
„Ich kann mir denken, dass keiner von euch weiß, was das hier ist?“
zwölf Köpfe wurden geschüttelt.
„Nun gut. Dann seht es euch genau an.“
Vierundzwanzig Augen betrachteten das Ding konzentriert.
Es war rund und vielleicht etwas größer als ein gut gewachsener Apfel. Ebenso war auch seine Farbe ein rötliches Gelb. Ein Unterschied waren einige merkwürdige Spitzen, die sich auf dem oberen Pol des Dinges abhoben. Anscheinend waren sie Auswüchse der Schale. Von der Form ihrer Anordnung her erinnerten sie an eine Blüte.
„Nun denn“, sagte der Meister erneut, „dies ist das, was man die Verbotene Frucht nennt. Die Frucht, von der Adam und Eva kosteten, um Erkenntnis zu erlangen.
Krabat musste zugeben, dass er überrascht war. Auch, wenn er nie so wirklich darüber nachgedacht hatte, diese bestimmte, eine Frucht hatte er sich dann doch nicht als so – nun ja, gewöhnlich aussah. Er war tatsächlich ein wenig enttäuscht.
„Prägt sie euch gut ein. Einen hohen Preis musste ich zahlen, um sie zu erlangen. Eines Tages schafft ihr es vielleicht auch, eine dieser Früchte in euren Besitz zu bringen. Möge euch große Weisheit daraus erwachsen.“ Der Meister wedelte mit der Hand. „Husch – auf die Stange.“
Schwarze Flügel rauschten.
Federn wirbelten.
Krabat sah umher, beobachtete, wie seine Kameraden sich auf ihren Plätzen niederließen, ausbalancierten, zur Ruhe kamen.
Jetzt konnte er einen unbekannten Duft wahrnehmen, dank der schärferen Sinne, die er als Rabe besaß. Ein wenig säuerlich, aber süß, so frisch – fruchtig. Die Quelle war der Beutel des Meisters.
Vermutlich die Frucht.
Unsichtbar nickte Krabat in sich hinein. Ja, das Ding sah sehr gewöhnlich aus – aber das tat ein Apfel auch. Es mochte verboten sein – gut und schön, aber Krabat konnte nun wirklich nicht von sich behaupten, dass ihm das Verbotene fremd war; nicht seit er in die Schwarze Schule eingetreten war. Seinetwegen konnte sie auch Erleuchtung verschaffen – nichts hätte Krabat weniger kümmern können.
Was ihn allerdings kümmerte war, dass diese Frucht wirklich sehr gut roch.

Als er später Tonda gegenüber eine Bemerkung hatte fallen lassen (nahe an seinem Ohr, damit niemand anderer sie gören konnte), murmelte Tonda: „Hm... ha... hat gut gerochen...“
Und dann hatte er geschnaubt: „Das war es also, was dich heut so abgelenkt hat?“
Krabat hatte verlegen gelacht; tatsächlich hatte er heute sehr viel mehr Fehler gemacht, als es für ihn normal war.
„Naschkatze.“
„Hast wohl recht.“ Was Krabat nicht gesagt hatte, war, dass es nicht nur an dem Geruch der Frucht gelegen hatte, dass seine Gedanken so sehr gewandert waren.

Vielleicht war es ja eine Falle.
Krabat wusste es nicht – oder besser gesagt, er wusste sehr genau, dass es sich wahrscheinlich um eine Falle handelte – aber im Moment war ihm das tatsächlich sehr egal. Was nur natürlich war – niemand kümmerte sich darum, ob es sich bei einer Frucht um eine Falle handelte, wenn sie nur sehr knapp den Kopf verfehlt hatte.
Grollend starrte Krabat auf die gelbliche Kugel, die ihn beinahe getroffen hätte.
Er und Tonda waren losgeschickt worden, um Feuerholz zu sammeln – und außerdem hatte Andrusch sie wissen lassen, dass ein paar Beeren großartig wären, sollten sie reife finden.
„Was sind wir, deine Laufburschen?“, hatte Krabat gefragt, in so beleidigter Pose, dass Lyschko sicher grün vor Neid geworden wäre – wenn er es denn gesehen hätte. Aber Lyschko sah es nicht und genau deshalb würden sie wohl nie erfahren, ob Grün an ihm wirklich so gut aussah, wie Juro behauptete, nachdem er einmal einen Eimer Entengrütze über ihn ausgekippt hatte.
„Nein – aber ihr seid meine Freunde. Und ihr geht ohnehin in den Wald, also seid so gut, ja?“
„Vergiss nicht, dass du uns was schuldest“, hatte Tonda seufzend geantwortet. „Denk dir was aus.“
„Da mach dir keine Sorgen. Ich hab schon ne Idee.“ Grinsend war er abmarschiert – ebenso wie Tonda und Krabat. Seine Gegenleistung würde wohl aus ein paar Würsten bestehen, gestohlen aus Juros Küche – oder er würde Lyschko noch ein paar zusätzliche Streiche spielen, wenn es ihm einfiel Krabat wieder einmal noch mehr als üblich zu ärgern.
Und wie das Leben nun einmal spielte war dieses Ding mit einem Mal auf sie gefallen, direkt aus den Baumwipfeln über ihnen und nun lag es im sonnengefleckten, dunklen Waldgras, in einem Bett aus Bärlauch.
„Hast du dir was getan?“, fragte Tonda, als er zu Krabat rannte.
„Nee... hat mich verfehlt.“ Krabat bückte sich, um sein Holz wieder aufzusammeln; er hatte es in seinem Schrecken verloren.
Tonda kniete sich neben ihn. „Das ist die Frucht, die der Meister am letzten Freitag mit gebracht hat“, bemerkte er.
„Ich weiß“, murmelte Krabat. „Ich frag mich, wie die hierher kommt. Und dann auch noch beinah auf meinen Kopf.“
Es konnte nur eine Falle sein. Aber wenn ja, konnte er nicht den Sinn dahinter sehen – und der Meister hatte kein Wort darüber verlauten lassen, welche Nebenwirkungen der Genuss dieser Frucht mit sich brachte.
Aber er hatte auch nichts gesagt, was seinen Schülern verboten hätte, diese Frucht zu essen.
„Ich frag mich, was das bewirken würde“, bemerkte Tonda, der noch immer neben ihm kniete.
Als Krabat aufsah, entdeckte er einen bisher unbekannten Ausdruck auf dem Gesicht des Älteren. Ein schiefes Grinsen, ein vergnügtes Glitzen in den Augen. Mit einem Mal sah er aus wie ein Kind, das vorhatte, Nachbars Hühner zu erschrecken und schon am Gedanken daran unermessliches Vergnügen hatte. Es ließ Tonda sehr, sehr viel jünger aussehen, als normalerweise, vielleicht nur wenige Jahre älter als Krabat. Normalerweise machten es seine grauen Haare und sein ewig ernstes Wesen sehr leicht, zu vergessen, wie jung er doch eigentlich noch war.
Anders als am Meister gefiel Krabat dieses Lächeln an Tonda ungemein.
„Hat der Meister nicht etwas über Erleuchtung gesagt?“, fragte Krabat grinsend.
„Vielleicht erleuchtet es dich ja genug, dass du endlich diesen Heilzauber lernst, den ich versuche, dir einzuprügeln.“
Krabat zeigte ihm die Zunge. „Oder vielleicht erleuchtet es dich genug, dass du endllich ein paar essbare Pfifferlinge hervorbringst.“
Tonda schlug ihn nicht unsanft auf den Hinterkopf. „Jedenfalls sollten wir es versuchen.“
„Uhuuuuuuuum...“, brummte Krabat, „Weiß nich'... ich meine... Adam und Eva waren auf einmal ohne Heim...“
Hinter Tondas Augen flackerte etwas.
Vielleicht war es ja ein Ausweg?
„Aber vielleicht heißt das auch nur, dass sie vergiftet wurden...“, setzte Krabat seinen Gedanken fort.
„Dann gäbe es keine Menschen, Dummkopf“, erklärte Tonda. „Wirklich, du solltest das dringend versuchen.“
Krabat drehte die Frucht in seinen Händen. „Gerne – riecht ja nicht schlecht... richtig lecker.“
„Gift kann auch gut riechen“, zog Tonda ihn auf.
„Du bist heut ja erstaunlich gut gelaunt.“
Tonda zuckte nur die Achseln. „Gute Gesellschaft macht jeden Tag besser.“
Krabat wandte den Blick ab; mit einem Mal waren seine Wangen ein gutes Stück wärmer, als es normal gewesen wäre.
„Gut, wir werden das wohl nur wissen, wenn wir es versuchen“, stellte Tonda jetzt fest.
„Ja... aber... wie macht man das Ding auf?“
Grübelnd zog Tonda an einer der Ecke, die sich aus der Schale heraus entwickelten.
Es fühlte sich ein wenig ledrig an. Zäh. Schwer abzuziehen.
„Vielleicht kann man die mit essen“, schlug Krabat vor.
„Zu hart. Und mir ist es ein bisschen zu armselig, an verdorbenem Magen zu sterben.“ Wieder war da dieser merkwürdige Ausdruck auf Tondas Gesicht. Nachdenklich. Ein wenig bedauernd.
Diesen Ausdruck hasste Krabat auf Tondas Gesicht. „Hm.“ Wieder versuchte er, die Schale zu entfernen – er zog heftig an dem überhängenden Schalenecken, während er die Frucht mit der anderen Hand festhielt.
Sein einziger Erfolg bestand darin, dass die Frucht mit einem Mal, aus seinen Händen sprang und mit einem leisen PFLOPP ins Gras fiel.
Tonda lachte. „Ach je!“
„Versuchs selbst, wenn du es so lustig findest!“, schnappte Krabat.
Tonda hob die Frucht auf. Abschätzend drehte er sie zwischen seinen Fingern. „Vielleicht muss man sie einfach nur aufschneiden“, meinte er, während er schon sein Messer hervorholte.
Eine Weile lang betrachtete er die Klinge eingehend, als ob er nach Rostflecken suchte.
Die Klinge war sauber.
Zufrieden nickte er und schnitt nun die Frucht in zwei Hälften.
Klarer, hellroter Saft floss unter der Klinge heraus und tropfte auf sein Hemd.
Krabats Blick hing daran.
Der Duft, den er schon vor Tagen als Rabe bemerkt hatte, fand wieder seinen Weg in seine Nase. Süß, leicht säuerlich, frisch. Wie der Sommer. Wie das Leben.
Verführerisch.
Krabat blickte auf die Hälfte, die Tonda ihm aushändigte. Es war keine einheitliche Masse an Fruchtfleisch, wie es vielleicht bei einer Birne oder einem Apfel gewesen wäre. Vielmehr fühlte Krabat sich an eine Himbeere erinnert – viele, viele Blasen feuchten, süßen Fruchtfleisches, jede mit einem kleinen Kern in der mitte. Ja, es war viel mehr eine Himbeere, als alles andere. Eine übergroße Himbeere. Mit Häuten zwischen einigen Beeren.
„So...“ Neugierig stupste Tonda gegen das Fruchtfleisch und sofort war sein Finger rot gefleckt, „jetzt wüsst ich nur zu gern, wie man das isst.“
„Mit den Fingern?“, schlug Krabat vor. Er machte es vor, indem er eine der Beeren herauspfriemelte.
Der Saft lief über sein Hemd und Tonda lachte. „Ja, ganz tolle Idee.“
„Hast du ne bessere?“
Tonda lächelte schief. Vorsichtig drückte er gegen die Außenseite der Schale, so dass sie sich umstülpte und die Beeren heraus standen. Jetzt konnte er sie vorsichtig absammeln
Aber immer noch tropfte der Saft von seinen Fingern, allerdings deutlich weniger als zuvor bei Krabat.
Er leckte ihn ab.
Krabat tat es ihm gleich und befasste sich dann damit, eine der unbeschädigten Beeren einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Sie waren jede einzelne von der Größe seines Fingernages, mit abgerundeten Ecken und geformt wie ein Tropfen. Das helle Rot glitzerte in der Sonne wie das Feuer eines Edelsteins.
Eigentlich war es viel zu hübsch, um gegessen zu werden.
Krabat schob es sich dennoch in den Mund.
Der Geschmack übertraf den Duft sogar noch, süß und reichhaltig und erfrischend in der Sommerhitze. Und Krabat konnte so viel herausschmecken – Süße, wie von Honig, ein Aroma von Blumen, von denen Krabat nie zuvor geahnt hätte, dass es sie gab, Sonne – und da war noch etwas anderes, etwas erdiges, so reichhaltig, so tief...
Nun biss er vorsichtig ein paar der Beeren ab.
Saft tropfte von seinem Mundwinkel, lief sein Kinn hinunter und verschwand unter dem Kragen seines Hemdes.
Ein heller, roter Fleck breitete sich aus.
Sie beide sahen von ihrer Mahlzeit ab, sahen sich an – und nach einem kurzen Schreckmoment begannen sie beide, zu lachen.
Ihre Münder waren leuchtend rot verschmiert, wie mit frischem Blut.
„Du siehst furchtbar aus!“, rief Krabat.
„Du auch.“ Tonda rutschte an seine Seite. „Sieh dir nur dein Hemd an.“
Auf Krabats Brust zeigten sich einige große Flecken.
„Dein Hals“, antwortete Krabat und mit einem Mal war seine Stimme ein wenig rauer, als üblich. Verfluchter Stimmbruch.
„Was ist damit?“
„Total Fleckig.“
„Ja? Wo denn alles?“
Irgendwie war das in eine Richtung gegangen, an die keiner von ihnen gedacht hatte – noch weniger hatte man vorgehabt, diese Richtung einzuschlagen. Krabat konnte Tonda deutlich ansehen, dass er von sich selbst überrascht war, als er ihm seine gerötete Kehle anbot.
„Da.“ Er streckte die Hand aus, ließ einen Finger die rote, klebrige Linie nachzeichnen, die sich neben der Luftröhre entlang zog. Der Finger traf den Raum von Tondas Hemd und wanderte wieder hinauf, zum Kinn, direkt unter die Unterlippe.
„Hui... wird ne gründliche Wäsche brauchen.“
„Hm...“ Krabat entschied sich, dass es wohl das beste war, wenn er sich auf seine Frucht konzentrierte. Er nahm einen herzhaften Biss.
Er fühlte Tondas Blick auf sich; es brannte regelrecht, als wären seine Augen die Mittagssonne. Es kostete Krabat Überwindung, Tondas Blick zu begegnen.
„Du hast da was“, sagte Tonda und streckte die Hand aus.
Krabat fühlte seinen Daumen am Mundwinkel, wie er über seine Haut strich.
Rein aus Reflex öffnete er den Mund, ließ seine Zunge heraus gleiten und auf die warme, trockene Haut von Tondas Finger treffen.
Wieder waren sie beide zu überrascht, um etwas zu sagen.
Sie sahen sich an, die Blicke ineinander verhakt, unfähig, diese Verbindung abzubrechen.
Tonda beugte sich vor.
Lippen trafen sich.
Ein Zögern.
Ausatmen.
Und sie trafen sich wieder, die Lücke wurde geschlossen.
Eine Hand legte sich in Tondas Nacken, Augen fielen zu.
Die Körper bewegten sich zueinander, Finger krochen unter Stoff, strichen über erhitzte, schweißnasse Haut und dann wurde der Stoff endlich entfernt und Tonda hauchte federleichte, zarte Küsse auf Krabats Schlüssebein.
Krabat japste leise auf und seine Hände krallten sich in Tondas Schultern fest.
Tonda hob den Blick und strich ihm sachte über die Wange. „Ist alles in Ordnung?“
„Ja...“ Krabat lächelte. „Bin... bin nur nicht dran gewöhnt.“
„Ist niemand am Anfang, glaub mir.“ Tonda streckte sich, um ihn wieder zu küssen, wieder süß und sanft und sehr liebevoll.
Krabats Zögern verflog sofort und er wurde sogar mutig genug, um Tondas Mund herum zu küssen, nahm alles in sich auf, was er zu schmecken bekam; die Frucht, gemischt mit Schweiß und dem Geschmack von Tondas Haut.
Tonda gab ein leises Stöhnen von sich, schon fast ein Schnurren, als Krabat nun mit den Lippen die Linie entlang glitt, die er zuvor nach mit dem Finger nachgefahren hatte.
Ja.
Wenn das ein Grund war, um aus Eden verbannt zu werden, würde Krabat auch freiwillig und ohne weitere Aufforderung gehen.
Und zwar immer wieder.

Später strich Tondas Hand träge seinen Rücken auf und ab, während er Krabats Kopf auf seiner Brust liegen hatte; ihr Atem hatte eben erst begonnen, sich wieder zu beruhigen.
„Und?“, fragte Tonda mit heiserer, sanfter Stimme, die sich so sehr wie Wasser anfühlte, dass es Krabat einen Schauer den Rücken hinunter jagte, der Spur von Tondas Fingern nach, „fühlst du dich irgendwie erleuchted?“
„Hm“, brummte Krabat dösig, „bisschen.. aber ich glaub, ich krieg jetzt diesen Heilzauber hin... werd ihn wohl auch brauchen...“
Tonda lachte leise, glucksend. „Du wolltest es ja nicht anders.“
„Hab ich mich beklagt?“ Krabat lächelte zu ihm hinauf; er verstand den Scherz schon. Dann wanderte sein Blick zu den vergessenen Obsthälften.
Ihr Genuss war Sünde und führte zu noch größerer Sünde.
Aber warum fühlte er sich dann, als hätte er eben den Himmel gesehen?
Eine sanfte, starke Hand strich durch seine Haare. „Ich weiß es nicht“, antwortete Tonda ihm sanft.
Krabat hob überrascht den Blick; er hatte nicht einmal bemerkt, dass er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte. Hatte er denn gesprochen?
„Vielleicht ist es so, weil wir schon viel Schlimmeres gesehen haben, als die Hölle... oder weil wir schon viel Schlimmeres getan haben...“ Er zog Krabat enger an sich und dann wieder in einen kurzen Kuss. „Denk nicht darüber nach, ja?“
Krabat erfüllte ihm diesen Wunsch nur zu gern.

Der Müller musste zugeben, dass sich die Dinge tatsächlich etwas anders entwickelt hatten, als er erwartet hätte.
Eigentlich hatte er nur wissen wollen, welcher seiner Schüler es riskieren würde, welcher von der Frucht kosten würde. Welcher seiner Lehrlinge würde der Versuchung nachgeben, die sich da bot? Weisheit Erleuchtung. Gottgleiches Wissen. Wen reizte das nicht – wer würde nicht die Macht greifen wollen, die ein solches Wissen in sich barg?
Natürlich wusste der Meister, dass diese Frucht keine wirkliche Bedrohung für ihn darstellte, auch wenn einer der Jungen sie aß – es war nur ein einfaches Experiment gewesen, er hätte sie jedem einzeln vor die Nase gehalten, nur um zu sehen, wer danach schnappte. Es war immer so amüsant, Narren zu beobachten.
In sich selbst versunken tippte er sich auf die Augenklappe.
Nein, diese Wendung hatte er nicht erwartet; aber es war interessant. Er hatte noch nicht gewusst, dass Granatäpfel auch eine aphrodisierende Wirkung hatte. Das war eine nähere Untersuchung wert.
Und ganz davon abgesehen war es eine sehr praktikable Art, seine neuen Lebensjahre unter Kontrolle zu halten, wenn sie so miteinander beschäftigt waren.
Oh ja – auf seine ganz eigene Art und Weise war der Granatapfel tatsächlich die Frucht Vom Baum der Erkenntnis.


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ehe irgendwer fragt – ich hab mich entschieden, meinen guten Wein doch für eine andere Gelegenheit aufzuheben.
Was den Mangel an Erotik erklärt.

Für alles andere gebe ich Moony die Schuld.
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