Die Bürde der Krone

GeschichteAllgemein / P12
Robin
11.10.2010
11.10.2010
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Die Bürde der Krone


Charaktere: Richmond (König Henry VII), Julian of Waringham
Disclaimer: Die Rahmenhandlung sowie Julian of Waringham gehören Rebecca Gablé. Henry gehört sich selbst.
Anmerkungen: Der kursiv gedruckte Text ist ohne Änderungen übernommen aus dem Buch „Das Spiel der Könige“ von Rebecca Gablé, Seite 1179. Die Szene erschien mir ausbaufähig, daher hier meine Idee davon, wie sie weitergehen könnte.


Julian kniete sich vor ihn und streckte ihm entgegen, was er die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte. „Hier, mein König. Ihr habt sie Euch gerade zum zweiten Mal an diesem Tag verdient.“
Richmond zog eine Braue in die Höhe. „Weil ich dem treuesten der Lancastrianer das Leben gerettet habe?“
Julian schüttelte den Kopf. „Weil Ihr Eure persönlichen Gefühle hintangestellt und Rhys das Leben geschenkt habt. Es war eine königliche Entscheidung, wie Ihr sagtet.“
Richmond nickte, den Blick auf die Krone gerichtet. „Steh auf, Julian, um Himmels willen. Es beschämt mich, wenn gerade du vor mir kniest.“
„Ihr werdet Euch daran gewöhnen.“
„Nicht eher als zwingend notwendig.“
Julian kam auf die Füße. Er betrachtete seinen jungen König mit einem stolzen Lächeln und setzte ihm die Krone aufs Haupt. „Passt“, bemerkte er. Und sie steht Euch hervorragend.“
König Henry hob langsam die Hand und befühlte den ungewohnten Kopfschmuck. „Aber sie drückt“, stellte er nüchtern fest.
Julian nickte. „Oh ja. Ich wette, das tut sie.“

Richmond ließ sich ins Gras sinken. Auf einmal sah er müde und abgekämpft aus. Kein Wunder, dachte Julian. Es war ein harter Tag für alle gewesen.

„Ich habe Angst, Julian.“ Mit dieser Äußerung hatte Julian nicht gerechnet. Er setzte sich neben Henry ins Gras und sah ihn abwartend an. Dieser nahm die Krone wieder vom Haupt und drehte sie nachdenklich in seinen Händen. In diesem Moment erinnerte er Julian stark an seinen Vater Edmund, dessen Bild er auch fast 29 Jahre nach dessen Tod noch genau vor Augen hatte.

„Bis jetzt erschien mir alles immer so logisch. Seit Jasper mir erzählt hat, dass ich einen ebenso rechtmäßigen Anspruch auf den englischen Thron habe wie das Haus York war mir immer klar, dass ich irgendwann nach England kommen und den Thron zurückerobern würde. Das war das Ziel, das ich erreichen musste.“

Er stockte. Julian wartete geduldig, er wusste, dass der Jüngere weitersprechen würde.
„Jetzt bin ich an diesem Ziel angekommen. Aber wie geht es jetzt weiter? Darüber habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht. Obwohl ich so sehr darauf hingearbeitet habe, Richard vom Thron zu stoßen, erschien es mir immer als zu unrealistisch. Ich habe mir nie erlaubt darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn ich es tatsächlich schaffen würde. Aber jetzt habe ich, haben wir dies geschafft.“

Er stoppte erneut. Doch diesmal sprach er nicht weiter.
„Bereut Ihr es?“, fragte Julian. „Bereut Ihr, Euch die Krone genommen zu haben, die Euch zusteht? Bereut Ihr, England von dieser widerwärtigen Kreatur befreit zu haben?“

Richmond schüttelte entschieden den Kopf. „Nein. Ich weiß, dass ich das Richtige getan habe. Und wäre es nicht Gottes Wunsch gewesen, dass ich Englands König werde, hätte er diese Schlacht heute anders ausgehen lassen. Aber ich weiß einfach nicht, wie es jetzt weitergeht. Verstehst du, Julian, ich habe mir über diese Situation nie den Kopf zerbrochen, weil ich unterbewusst immer davon ausgegangen bin, dass sie nie eintreten würde.“

„Aber jetzt seid Ihr König“, warf Julian ein, doch Richmond unterbrach ihn. „Herrje, Julian, ich weiß, ich muss mich an die königliche Anrede gewöhnen, doch kannst du mir bitte den Gefallen tun, und mich, wenn wir unter uns sind, einfach weiter Richmond nennen?“

Julian lächelte. „Also gut. Du bist nun König. Es wird ein Parlament einberufen werden. Du wirst dir überlegen müssen, wie du mit den Yorkisten verfährst und wie mit den Lancastrianern, die dir all die Zeit über in der Bretagne und in Frankreich beigestanden haben, denn sie alle haben keinen Besitz und kein Eigentum mehr. Du wirst dich um vieles kümmern müssen, du hast jetzt ein Land zu regieren. Aber es gibt viele Lords, die auf deiner Seite stehen. Du wirst viele Berater haben, die dir dabei helfen werden, wichtige Entscheidungen zu treffen. Die Entscheidungen musst letztlich du treffen, aber du stehst trotzdem nicht alleine dar, Richmond.“


Dieser seufzte auf. „Ich weiß. Ich weiß, dass ein Großteil des Adels hinter mir steht. Aber was ist mit dem Volk? Die Waliser werden mich unterstützen, das haben sie bereits bewiesen. Aber hier, in England? Was werden sie von mir denken? Und vor allem, wie wird London sich verhalten?“

Julian konnte Richmonds Bedenken verstehen. Doch zumindest einige davon konnte er zerstreuen. Er war es schließlich gewesen, der in den letzten Jahren immer wieder für kurze Besuche nach England gesegelt war. „Das Volk wird dich lieben, Richmond. Gloucester war ein schlechter König. Er hat Unfrieden über die Bevölkerung gebracht. Und die Menschen haben unter dem langen Krieg gelitten. Wenn du Elizabeth of York heiratest und damit die beiden Häuser miteinander vereinst, dann wird hier endlich Frieden herrschen. Und das wissen die Menschen genau.“

Zu London wagte er nichts zu sagen. Die Stadt war schon immer wankelmütig gewesen und hatte schon zu oft überraschend auf einen neuen König reagiert, als dass er eine Vorhersage wagte. Doch sein Eindruck über das englische Volk schien den zukünftigen König ein wenig beruhigt zu haben.

Sie saßen noch einige Minuten schweigend nebeneinander im Gras. Dann sagte Julian schließlich: „Die Krone ist eine große Bürde, Richmond. Und sie bedeutet große Verantwortung. Aber ich weiß, dass du England ein guter König sein wirst. Und ich weiß, dass Edmund unheimlich stolz auf dich wäre. Seine letzten Gedanken, seine letzten Worte galten dir. Er konnte nicht wissen, dass du einmal König werden würdest. Aber ich bin mir sicher, dass er wusste, dass du Großes leisten würdest.“ Der Jüngere lächelte dankbar. Julian sprach mit ihm selten über seinen Vater. Umso glücklicher fühlte er sich, wenn er es doch einmal tat. Auch wenn er ihm in diesem Fall nichts Neues erzählt hatte, tat es doch gut, dies zu hören.

Julian stand auf und streckte Richmond seine Hand hin, um ihn ebenfalls hochzuziehen. „Na komm. Die anderen werden sich sicherlich schon fragen, wo wir bleiben. Sie werden feiern wollen. Sie werden dich feiern wollen. Und außerdem wartet eine Menge Arbeit auf uns.“

Einvernehmlich verließen die beiden Männer die Wiese, auf der nur wenige Stunden vorher noch eine Schlacht getobt hatte, und gingen mit großen Schritten auf die Zelte zu, die am Fuße des Hügels aufgestellt worden waren, auf dem Weg in eine neue und bessere Zeit.


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Ich schreibe für mich, um meine Ideen umzusetzen und verwirklichen zu können.
Dennoch veröffentliche ich meine Geschichte hier für etwaige andere Freunde der Bücher von Rebecca Gablé und/oder der englischen Geschichte und auch ich freue mich über Reviews. Ihr müsst ja keine ganzen Romane schreiben, aber ein kurzes Feedback wäre wirklich nett.
 
 
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