Überraschendes aus der Vergangenheit

von Ekyra
GeschichteAllgemein / P12
Tom Hanson
09.10.2010
06.01.2011
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09.10.2010 785
 
„Tom, ich möchte mit dir über deinen Vater reden.“

„Jetzt?“ Überrascht schaute er zu seiner Mutter. Durch seinen Kopf schoss die Frage: Wieso jetzt? Schließlich war sein Vater schon seit einigen Jahren tot. Also hätte sie theoretisch schon früher mit ihm darüber reden können.

„Nun, wie du weißt, war er in mancher Hinsicht ein Mistkerl! Möchtest du etwas Kartoffelsalat?“ Sie hielt ihm die Schüssel hin. Er nahm sie und fing an, seinen Teller zu füllen.

„Danke, Mama!“ Mehr sagte er erst einmal nicht.

„Du erinnerst dich sicher an Onkel Robert und Tante Betty. Robert ist der ältere Bruder deines Vaters!“ erklärte sie überflüssigerweise.

Tom schaute verdutzt zu seiner Mutter. „Ja!“ meinte er dann etwas unsicher. Diese Frage fand er aufgrund der Ereignisse der letzten Wochen etwas seltsam, denn die beiden waren in diese Ereignisse mit involviert, wenn auch nicht persönlich. Trotzdem wiederholte sie noch einmal, was sie schon vor Wochen gesagt hatte.

„Die Beiden sind ja vor gut 10 Jahren weggezogenen und haben sich seitdem nicht mehr gemeldet, Tommy!“ Sie machte eine Pause und sagte dann doch noch etwas Neues:  „Weiß du, ich hatte eine Einladung zur Beerdigung deines Vaters an sie geschickt, trotz allem, was damals war. Aber  sie haben es nicht einmal für nötig gehalten, eine Beileidskarte zu schicken!“ Sie schnaubte wütend.  „Möchtest du ein Würstchen, Tom?“ Sie reichte ihm diese. Er bediente sich und fragte sich, was los war.

„Auch Senf?“ Sie schob ihm das Glas hin. Er griff danach.

„Sie hatten zwei Töchter, Helen und Kyra, ich erinnere mich an die Familie. Vor allem, da letztere hier  seit ein paar Wochen wohnt,“ kam es gereizt aus dem Mund des jungen Mannes. Seine Mutter reagierte nicht darauf, sondern sprach weiter. „Weißt du, was Helen gerade macht?“

„Nein!“ meinte er leicht genervt. Aber das kümmerte die Frau nicht.

„Sie ist im Gefängnis, irgendwo in Texas. Ich habe mir die Adresse aufgeschrieben.“  Sie schob sich ihre Gabel in den Mund.

„Oh!“ Mehr kam nicht von Tom. Langsam hatte er von der Sache genug.

„Mann darf ihr schreiben und Päckchen schicken!“ hörte er seine Mutter weitersprechen.

Er ahnte, worauf das hinauslief. „Du möchtest ihr etwas schicken, und ich soll mich daran beteiligen, immerhin ist es ja die Familie!“ Seine Stimme hat einen seltsamen Unterton, den seine Mutter weiterhin ignorierte.

„Sie hat noch zweieinhalb Jahre abzusitzen, eventuell kann sie in einem Jahr auf Bewährung raus.“ Nur um etwas zu sagen, nutzte er die Pause, die entstand, weil sich seine Mutter wieder etwas in den Mund schob.

„Vielleicht kann man sie in ein hiesiges Gefängnis verlegen lassen, Mom!“  Den Blick, den seine Mutter ihm daraufhin zuwarf, ließ ihn schlucken. Das war also total verkehrt gewesen. Sie wechselte das Thema. „Ich habe Officer Ioki  gebeten, mit Kyra heute Abend etwas zu unternehmen, damit ich mit dir alleine reden kann. Der junge Mann ist sehr zuverlässig!“ Sie betonte dies und sah ihren Sohn an. Der Gesichtsausdruck sagte deutlich: Im Gegensatz zu dir. „ Er bringt sie sicher pünktlich nach Hause, und Alkohol oder Drogen wird sie bei ihm nicht bekommen.“ Sie spielte auf ein altes Missverständnis an. Er hatte ihr schon öfter erklärt, dass die Drogen etwas mit seiner verdeckten Ermittlung an Kyras High-School zu tun gehabt hatten.  Aber seine Mutter war da stur.  „Tom, ich wünschte, in Bezug auf sie wärst du wie dein Kollege!“ setzte sie noch eins drauf. Toms Magen zog sich zusammen, als hätte er einen Schlag erhalten. Er warf seiner Mutter einen bösen Blick zu. Sie lachte nur kurz, als sie das sah.

„Ich glaube, er wollte mit ihr zu einer Kampfsportveranstaltung gehen. Kann aber auch sein, dass ich da etwas missverstanden habe. Vielleicht ist es auch der Name einer Musikgruppe, und er ist mit ihr zu einem Konzert gegangen.“ Sie sah, dass ihr Sohn die Stirn runzelte.

„Er wollte auf was mit ihr?“ fragte er dann irritiert.  Seine Mutter wechselte wieder zum ursprünglichen Thema, ohne auf seine Nachfrage einzugehen.

„Ich wollte doch mit dir über deinen Vater reden, und nun bin ich vom Thema abgekommen, wenn auch nicht so weit, denke ich. Wir haben dir nie den Grund gesagt, weswegen die alle weggezogen sind. Vor allem, weil du ja mit Kyra so eine innige Beziehung hattest, Tom!“ Sie holte Luft.  

„Ich bin darüber weggekommen Mama, dass sie nicht mehr von dir betreut worden ist,“ warf er ein.

„Aber da sie nun hier wohnt und wieder ein Teil unseres Familienlebens ist, dachte ich, du solltest das große Geheimnis endlich erfahren.  Dein Vater und Tante Betty hatten eine Affäre – und Kyra ist das Ergebnis dieser Affäre! Möchtest du Vanillepudding als Nachtisch Schatz?“  Tom starrte seine Mutter mit offenem Mund an.
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