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Banshee IX - Life on MRC

GeschichteMystery, Horror / P16 Slash
Cyclops / Scott Summers Jubilee / Jubilation Lee Phoenix / (Doktor) Jean Elaine Grey Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Siryn / Theresa Maeve Rourke Cassidy Wolverine
09.10.2010
16.06.2011
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09.10.2010 2.299
 
  Irene ging nervös auf der Terrasse hin und her. Mit ihren Händen wusste sie nichts anzufangen. Nervös rieb sie sich die Finger warm, verstaute die Fäuste in den Hosentaschen um sie nach nur wenigen Sekunden unter die Achseln zu klemmen.
Am Ende der Terrasse angekommen drehte Irene auf dem Absatz, ging sich durch die Haare, wobei sich etliche Strähnen aus ihren Zopf lösten, und hauchte dann auf ihre kalten Finger.
Vor Irenes Gesicht bildeten sich kleine Kondenswolken, weil Irene laut vor sich hin dachte.
„… Bibel gelesen und dennoch kenne ich die Namen fast aller Erzengel… Da will ich mal mit meinem Wissen etwas Angeben und dann das… Oder war es gar nicht meine Schuld? Hat Mr. Sinclair Sandra das angetan? Vielleicht ist er ein Mutant? – Nein, Mr. Sinclair ist kein Mutant, dass hätten wir sonst damals schon gewusst… Woher hat er dann diese Gabe… Oder ist er ein Nephilin?“ Sie blieb kurz stehen, kniff sich in die Nasenwurzel und setze ihren Weg dann fort. „Nein, er kann kein Nephilin sein, dafür spricht er zu wenige Sprachen…“
Erneut blieb Irene stehen, den Rücken zur Tür. Die Arme vor der Brust verschränkt und die Hände unter die Arme geklemmt um, von der Kälte schonleicht taub, Finger zu wärmen. Den Kopf legte sie in den Nacken, blickte in Richtung Sonne und kniff die Augen zusammen.
Sie wusste nicht, wie lange sie schon draußen war, sie wusste nur, dass die Kälte ihr langsam die Hosenbeine hoch kroch und auch ihr Pullover sie nicht mehr warm hielt. Doch sie wollte nicht wieder rein; nicht bevor sie wusste, was mit Sandra passiert war.
  „Schwester Irene?“
  Irene fuhr vor Schreck zusammen. Langsam drehte sie sich um. „Wanda, was kann ich für dich tun?“
  Wanda sah Irene fragend an: „Die Frage sollte eigentlich lauten, was ich für Sie tun kann! Sie sind schon seit fast zwanzig Minuten hier draußen und das ohne Mantel.“
  „Mir ist aber nicht kalt!“ sagte Irene und log Wanda ins Gesicht.
  „Schwester Irene, Sie wirken wie ein Junkie der einen Schuss braucht. Und wenn ihnen nicht kalt ist, dann ist das Zittern eine Entzugserscheinung!“
  Irene fühlte sich gerade wie ein Kind, das mit der Hand in der Keksdose erwischt wurde. Sie war zwar kein Junkie, aber Entzugserscheinungen hatte sie gerade wirklich.
„Ich brauch ne Zigarette!“ gestand Irene und wusste wieder nicht wohin mit ihren Händen. „Aber wenn ich jetzt rauche, dann bin ich morgen vielleicht wirklich wieder vier Jahre alt… Ein Drink wäre eine Alternative, aber ich brauch nur an dem Scotch von Sean riechen und bin betrunken.“
  „Und dabei konnten Sie nach fünf Gin-Tonic noch gerade stehe!“ Wanda schlug sich die Hand vor den Mund. „Verzeihung, ich wollte nicht unverschämt sein!“
  Irene musste zwanghaft lachen: „Schon gut, ich mag es, wenn die Leute ehrlich sind! Ich bin auch eigentlich Trinkfest, aber da ich heute noch nichts gegessen habe…“
  „Vielleicht hilft es Ihnen, wenn sie etwas Essen. Mit zu niedrigem Blutzuckerspiegel lässt es sich schlecht denken!“
  Irene musterte Wanda. Auch wenn sie keine wirkliche Ähnlichkeit mit ihrem Zwillingsbruder Pietro hatte, so hatten beide doch Charakterlich sehr viel gemein; vor allem weil beide eine gewisse Reife hatten.
„Geht es dir wirklich um meinen Blutzucker oder willst du einfach nur, dass ich wieder rein gehe ohne mich von dir dazu genötigt zu fühlen?“
   „Schwester Irene, ich bin zwar keine Ihrer Schülerinnen, aber ich würde niemals…“
Irene unterbrach sie: „Schon gut, Wanda, du hast ja Recht. Ich sollte wirklich ins Haus gehen. Vielleicht finde ich etwas, was meinen Blutzuckerspiegel steigen lässt und meine Nerven beruhigt!“


  „Irene, setz dich hin!“ ermahnte Sean sie zum wiederholten male.
  „Nein, dazu bin ich zu aufgedreht!“ sagte Irene. Sie hielt eine dampfende Kaffeetasse in der Hand, ging im kleinen Salon auf und ab und nippte zwischendurch vom Kaffee.
  „Vielleicht sollten Sie auf Koffeinfrei umsteigen!“ schlug Mr. Sinclair vor.
  Irene hielt kurz inne, bedachte ihn mit einem bösen Blick: „Und vielleicht sollten Sie mir mal erklären, wie es möglich ist, dass…“
  „Irene!“ Sean sprang vom Sessel und baute sich vor ihr auf. „Es reicht!“
  „Ja, das tut es!“ Irene machte einen Schritt zur Seite um Mr. Sinclair wieder böse Blicke zuwerfen zu können.
„Wer steht als nächstes auf Ihrer Liste? Jemand hier im MRC oder wollen Sie wieder nach Salem um…“
  „Ich war noch nie in Salem Center“, unterbrach Mr. Sinclair Irene.
   „Zu viel Koffein auf nüchternen Magen…“ sagte Irene zu sich selbst und drehte weiter ihre Runden. „Ich sollte wirklich auf Koffeinfrei umsteigen… “
  Sean sah zu Wanda, die bisher still schweigend auf dem Sofa saß, und fragte sie, ob Irene vorhin auch so aufgedreht war.
  „Sie führte Selbstgespräche und wusste nicht wo hin mit ihren Händen.“ Wanda nickte und blickte kurz zu Irene, die ihre Kaffeetasse mit beiden Händen fest umklammert hielt und sah dann wieder zu Sean. „In der Küche aß sie zwei Bannocks und nahm sich einen Kaffee; dann kamen wir zu Ihnen.“
  „Könntet ihr bitte aufhören so zu tun, als wäre ich nicht da?“ beschwerte sich Irene. Mit der rechten Hand ging sie sich durch die Haare, wobei sich wieder etliche Strähnen lösten.
  Sean schickte Wanda los, damit sie nach Moira und Sandra sah. „Sandra geht es bestimmt wieder gut!“
  „Ich werde sofort nach Dr. Kalewood sehen!“ sagte Wanda und erhob sich. Sie sah noch mal zu Mr. Sinclair und Irene, bevor sie dann den Raum verließ.


  Kurz darauf ging die Tür auf und Moira sah durch die Runde. Als sie Irene sah, trat sie ein und ging auf sie zu, doch Irene hielt sie mit einer Geste sofort auf Abstand.
  „Irene, sie sehen aus, wie ich mich fühle!“
  Sofort sah Irene, an Moira vorbei, zur Tür, wo sie Sandra stehen sah. Sie kämpfte gegen den Drang an, die blonde Frau zu umarmen. Stattdessen sagte sie: „Schön Sie wohl auf zu sehen.“
  Sandra lächelte, ging auf Irene zu und nahm ihr die Tasse ab: „Sie sollten wirklich auf Koffeinfrei umsteigen!“
  Aber anstatt zu protestieren, wie die anderen es sicher von Irene erwartet hätten, sagte sie nichts dazu und setzte sich mit Sandra aufs Sofa, wo vor wenigen Minuten noch Wanda gesessen hatte.
Ihre Hände klammerte Irene um ihr Knie, nachdem sie das rechte Bein übergeschlagen hatte. Nur ihr wippender Fuß zeigte noch, dass sie aufgedreht war.
  „Dr. Kalewood, es tut mir Leid, was vorhin passiert ist“, begann Mr. Sinclair, „Ich hatte keine Ahnung, dass mein Kreuz derartig auf Mutanten reagiert.“
  Irene biss sich auf die Zunge, da ihr sonst wieder etwas rausgerutscht wäre, doch sie konnte nicht riskieren, dass die Erinnerungen von Mr. Sinclair wiederkehrten, nachdem Jean sein Gedächtnis, und das von seinem Partner, manipuliert hatte (siehe Banshee V – Dämonenjagd).
  „Mir ist ja nichts passiert“, sagte Sandra und trank von dem Kaffee, den sie Irene gerade abgenommen hatte. „Erst war ich wie hypnotisiert und das nächste an das ich mich erinnere ist, dass ich auf in meinen Bett aufgewacht bin. Ich bin wohl nur in eine Art Tiefschlaf gefallen.“
  Moira nickte: „Ihre Vitalwerte waren alle im Normalbereich. Hätte ich nicht gesehen was passiert ist, dann hätte ich gesagt, dass Sandra wirklich nur geschlafen hat.“
  „Ein Glück…“ Irene atmete hörbar aus. Nun, wo sie sich sicher war, dass Mr. Sinclair für Mutanten keine wirkliche Gefahr war, entspannte sie sich sichtlich.
  „Jetzt, wo es Ihnen besser geht, Dr. Kalewood, könnte ich Ihnen und Miss Kien einige Fragen stellen?“ fragte Mr. Sinclair und sah die beiden blonden Frauen nacheinander an.
  „Wenn es um Freitagnacht geht, dann habe ich Ihnen bereits alles erzählt!“ sagte Irene.
  Sandra sah Irene an: „Und was ist mit Ihren Proben? Und das jemand letzte Nacht in Ihrem Zimmer war?“
  „Sandra, Irene hatte nur einen Alptraum!“ ermahnte Sean sie. „Das hatten wir doch schon beredet. Die Tür war abgeschlossen und wenn jemand durchs Fenster geklettert wäre, dann wäre der Alarm losgegangen.
  Sandra schüttelte den Kopf: „Ich habe gehört, dass Billy Irene hypnotisiert hat. Er und Nigel wollten Irene einen Streich spielen und Nachts durch ihr Fenster klettern, doch als sie sahen, dass Dr. MacTaggert die Alarmanlage aktivierte, ließen sie es bleiben. Irenes Proben, die sie in ihrem Zimmer gelagert hatte, waren aber weg, ich habe selber noch mal im Labor nachgesehen.“
  „Was für Proben?“ fragte Mr. Sinclair.
  „Blutproben, die brauche ich für meine Doktorarbeit“, sagte Irene; Mr. Sinclair gab sich mit dieser knappen Antwort auch zufrieden.
  „Wenn John nicht nach einem Vampir suchen würde, dann würde ich sagen, du hast dich verzählt“, sagte Moira, „Aber ich habe die ersten leeren Probenröhrchen auch gesehen.“
  „Und das ist nicht alles!“ ergriff Sandra wieder das Wort. „Gestern Nacht sind alle aus ihren Zimmern gekommen, nur Vlad nicht! Ich habe dann noch mal heimlich nach ihm gesehen, aber er war nicht da!“
  „Vlad?“ fragte Mr. Sinclair, „Der Junge heißt wirklich Vlad?“
  „Er sagte, seine Eltern kämen aus Mitteleuropa, wo der Name nicht ungewöhnlich sei“, erklärte Moira, „Aber ansonsten ist der Junge sehr schweigsam; aber er ist auch noch keine drei Wochen hier bei uns.“
  „Vor etwa zwei Wochen gingen bei uns im Yard die Meldungen ein, dass ein Vampir hier gesehen wurde.“
  „John, bei aller Freundschaft, aber ich lasse nicht zu, dass du einen meiner Schüler verdächtigst!“ Moira baute sich vor ihm auf, „Hat das mit Rahne nicht schon mehr als gereicht?“
  „Vlad könnte wirklich der Vampir sein!“ sagte Irene. Sie griff nach Moiras Arm und zog sie wieder auf das Sofa runter. „Du weißt nichts über ihn! Du kennst weder seinen Nachnamen, noch weißt du, was er für Kräfte hat!“
  „Er schläft nicht in einem Sarg!“ argumentierte Moira dagegen, „Er ist Tagsüber auch nur im Haus, weil er eine Sonnenallergie hat. Außerdem weiß ich, dass er ein Spiegelbild hat!“
  „Mach dir doch nichts vor, Moira“, sagte Irene, „Seitdem ich hier bin, hab ich nicht einen Tag die Sonne gesehen. Es ist Herbst und da ist es schon selten, dass es mal nicht regnet; also erzähl mir nichts von Vlads Sonnenallergie!“
  „Moira, ich kann deine Sorgen verstehen, aber bitte, lass mich mit dem Jungen reden!“ bat Mr. Sinclair. „Du und Sean, ihr könnt gerne dabei sein. Und wegen meiner auch Dr. Kalewood und Miss Kien.
  Moira sah nach draußen. Für den späten Nachmittag war ein Unwetter gemeldet worden und daher sah es schon jetzt so aus, als würde es dämmern.
„Einverstanden!“ Moira seufzte, „Du darfst mit ihm reden!“


  Irene hatte darum gebeten, mit der Befragung der Schüler – und ganz besonders die von Vlad – noch etwas zu warten, damit sie sich frisch machen konnte; außerdem konnte Moira die Zeit nutzen um mit Mr. Sinclair abzusprechen, welche Fragen er den Schülern stellen durfte.
Kaum hatte sie ihren Zopf gebunden gehabt, da bekam sie eine Vision. Sofort rannte Irene aus ihrem Zimmer, doch sie war zu spät.
  Eine Tür knallte – was heute schon fast an der Tagesordnung war – und dann erklang schrilles Jaulen.
  Irene rannte so schnell sie konnte. Erst als sie Rahne sah, wurde sie langsamer.
  „Rahne, geht es dir gut?“ rief Moira und kam neben Irene zum stehen; Sandra war direkt hinter ihr.
  Rahne hatte ihre Wolfsgestallt angenommen gehabt und stemmte sich gerade vom Boden hoch. Sie hatte Tränen in den Augen und ihre Wolfsschnauze war blutig.
„Er hat mir mit Absicht die Tür vor der Nase zugeknallt!“ sagte sie und verwandelte sich wieder in ein Mädchen. Aus ihrer Hosentasche förderte sie ein Taschentuch, dass sie sich unter die Nase hielt.
  „Wer hat das getan?“ fragte Moira im strengen Tonfall. „Schlimm genug, dass ihr ihm Haus rennt…“
  „Vlad!“ unterbrach Rahne ihre Ziehmutter.
  „Spar dir die Standpauke!“ sagte Irene zu Moira, als diese gerade wieder ansetzen wollte etwas zu sagen, und sah sich Rahnes Nase an. „Es ist nichts gebrochen, aber du solltest es kühlen!“
  Rahne nickte und sagte dann, dass sie Vlad gesehen hatte, wie er mit Probenröhrchen das Labor verlies. Als ich ihn drauf ansprach, da hat er mich weggestoßen und rannte davon. Ich bin ihm nach und dann hat er mir die Tür vor der Nase zugeknallt.“
  Irene warf Moira einen wütenden Blick zu und vergriff sich beinahe im Ton: „Denkst du immer noch, dass Vlad mit dem Vampir nichts zu tun hat?“
  Moira sah Irene an und wandte dann den Blick ab. „Ich will es einfach nicht wahr haben“, wisperte sie.
  Sandra legte Moira einen Arm um die Schultern und zog sie mit sich. „Irene kümmert sich um Rahne, Sie bleiben im Haus mit den Schülern, während ich mit Mr. Sinclair und Mr. Cassidy nach Vlad suche!“


  „Das hört nicht auf zu bluten!“ sagte Rahne. Nachdem Irene sie auf die Krankenstation gebracht hatte, hatte sie sich an das Waschbecken gestellt und weit nach vorne gebeugt.
  „Es ist aber nichts gebrochen!“ versicherte Irene ihr. Sie legte Rahne einen nassen Lappen in den Nacken.
  Rahne zuckte zusammen: „Das ist kalt!“
  „Das hilft aber!“ Irene zog sich einen Stuhl ans Waschbecken und beobachtete den Blutfluss, der langsam versiegte. „Ich sagte doch, dass es hilft.“
  Rahne nahm den Lappen aus ihrem Nacken und wischte sich damit das Blut aus dem Gesicht, bevor sie sich wieder aufrichtete.
Doch weil sie so lange den Kopf nach unten hielt, wurde ihr schwindelig und sie begann zu taumeln.
  „Heute fallen mir die Frauen auch Reihenweise in die Arme“, Irene lachte zwanghaft und setzte Rahne auf den Stuhl. Und plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, warum Mr. Sinclair so hellhörig wurde, als er den Namen Vlad hörte.
„Dracula!“
  „Wie bitte?“ fragte Rahne.
  „Vlad Tepes ist der bürgerliche Name von Dracula!“ sagte Irene.
  „Wollen Sie mir sagen, dass Mr. Sinclair hier ist, weil Vlad eigentlich Dracula ist?“
  Irene nickte: „Das, oder Vlad ist ein Nachfahre von dem berühmten Blutsauger!“
  „Sandra und Sean suchen nach ihm…“ sagte Rahne und wurde blass vor Sorge. „Mr. Sinclair ist der einzige, der sich gegen ihn wehren kann!“
  Irenes Blick ging ins leere, ein sicheres Zeichen dafür, dass sie eine Vision hatte.
„Ich fürchte, dass er das nicht kann…“
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