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Banshee IX - Life on MRC

GeschichteMystery, Horror / P16 Slash
Cyclops / Scott Summers Jubilee / Jubilation Lee Phoenix / (Doktor) Jean Elaine Grey Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Siryn / Theresa Maeve Rourke Cassidy Wolverine
09.10.2010
16.06.2011
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66.965
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09.10.2010 3.299
 
Für Irene war es fast wie Weihnachten, als der Paketdienst schon die ersten Pakte brachte. Sofort half sie Moira alles ins Labor zu tragen. Am liebsten hätte sie sofort mit der Arbeit begonnen, nachdem alles im Labor war.
  „Danke, Irene, um den Rest kümmere ich mich dann allein.“ Moira hielt den Lieferschein in der Hand und überprüfte die Ware.
  „Brauchst du wirklich keine Hilfe?“
  Moira schüttelte den Kopf: „Nein, so was kann ich besser allein machen. Aber so wie es aussieht, kannst du morgen mit der Zellzählung beginnen; ich hab hier die Reagenzträger und das Mikroskop.“
  Sofort wollte Irene an ihre Blutproben, aber dazu war es noch zu früh. Es würde reichen, wenn sie heute vor dem Konzert die Proben aus dem Eisschrank nahm um sie im Kühlschrank aufzutauen.
„Soll ich mich dann heute um das Essen kümmern?“ fragte Irene.
  „Wenn du unbedingt was tun willst, dann geh zu Sean. Er kann sicherlich jemanden gebrauchen, der ihm beim Training hilft.“
  „Okay…“ Irene war über jede Ablenkung dankbar. Bald würde sie nicht mehr untätig sein müssen und könnte endlich mit ihrer Arbeit beginnen. Doch es gab noch einen Grund, warum Irene zwanghaft versuchte sich abzulenken: Samantha!
Irene konnte nichts tun außer abwarten. Sam anzurufen war eine Option, aber die würde ihr nichts nutzen. Sie wusste, was sie gesehen hatte und sie wusste, dass sie nichts weiter tun konnte; sie konnte nur hoffen, dass Kim erfolgreich war.
Bei Sean angekommen, sah Irene sich erst mal an, was er mit den Schülern machte. Im ersten Moment kam Irene sich vor wie im Schulsport. Überall waren Geräte zu einem Hindernislauf aufgebaut; nichts erinnerte an das Training in Salem Center, wo es darum ging die Kräfte zu nutzen.
  „Das ist genau so wie das Training, was wir damals bei Samantha hatten!“ nörgelte Billy.
  Nigel stimmte ihm zu: „So lange wir nicht tanzen müssen…“
  „Wer meckert muss zwei Runden extra drehen!“ sagte Sean zu den beiden und erklärte dann den Schülern, wie sie mit den einzelnen Hindernissen umzugehen hatten. Er sah durch die Runde und blickte auf Irene.
„Willst du mitmachen?“
  Irene sah sich den Parcours genau an und lehnte dankend ab. Sie würde nie über die Kletterwand kommen, dafür war sie einfach zu klein.
„Ich schau doch lieber zu.“
  „Wie du meinst“, Sean zuckte resignierend mit den Schultern und wandte sich noch an Terry, „Du machst nur das, was mit deiner Hand möglich ist. Ich will nicht, das Irene dich heute noch mal versorgen muss.“
  Terry verzog das Gesicht zu einer Grimasse: „Ich brauch keine Sonderbehandlung!“
  „Du hast es gehört, Sean!“ Irene verpasste ihm einen leichten Rippenstoß und mopste ihm die Stoppuhr. Seans Einspruches ungeachtet wandte sich Irene an Terry und zwinkerte ihr zu.
„Du willst keine Sonderbehandlung, Syren?“ Irene sprach laut und bestimmend. Sie streckte den Arm nach dem Hindernisparcours aus, „Dann sieh zu, dass du eine gute Zeit vorlegst!“
  Terry startete sofort. Sie sprang über Hürden, kletterte oder kroch drunter her.
  „Was soll das?“ zischte Sean, „Auch wenn du Terry nur mit einem Stich nähen musstest, dass…“
  Irene stellte sich auf die Zehenspitzen um größer zu wirken und sah Sean böse an. „Willst du mir etwa sagen, dass ich meine Arbeit nicht gut gemach habe?“
  „Nein, ich würde niemals….“
  Irene unterbrach ihn bei seiner Entschuldigung: „Dann bist du also der Meinung, dass Terry nicht in der Lage ist ihre Grenzen zu kennen?“
  Sean sagte nichts und sah Terry an, die gerade über ein weiters Hindernis kletterte.
Zufrieden darüber, dass Sean ihr keine weiteren Widerworte gab, sagte sie: „Du musst ihr mehr vertrauen. Sie weiß was sie tut und wenn sie meint, dass es nicht mehr geht, dann wird sie es sagen.“
  „Warum bist du dir da so sicher?“ fragte Sean.
  Triumphierend grinste Irene: „Weil ich ihr sagte, dass sie nur aufs Konzert kann, wenn die Wunde gut abheilt.“
  Sean seufze und massierte sich die Schläfen. „Irene, ich hab damals gedacht, dass es nur ein dummer Spruch ist, aber bei dir muss man wirklich mit allem rechnen.“
  „Und weißt du was wirklich schlimm daran ist, Sean?“ Irene musste unweigerlich lachen: „Ich bin verdammt stolz darauf!“


  Den Nachmittag hatte Irene gar keine Chance gehabt an ihr Projekt oder an Sam zu denken. Direkt nach dem Mittagessen haben Terry und Rahne sich Irene und die anderen Mädels geschnappt, die am Abend mit aufs Konzert gingen, um die Outfits zu besprechen. In nur wenigen Minuten war aus dem Zimmer von Rahne ein begehbarer Kleiderschrank geworden. Kurzfristig haben sich auch noch Cindy und Gwen entschieden mit zum Konzert zu gehen und brachten auch alles an Kleidung mit, was für den Abend in betracht kommen würde.
  „Ziehen Sie das doch mal an, Schwester Irene!“ sagte Wanda und reichte Irene ein rotes Shirt mit schwarzem Aufdruck.
  „Das ist nicht meine Größe!“ sagte Irene, obwohl ihr das Shirt schon zusagte.
  „Probieren Sie es an, vielleicht passt es!“ ermutigte Wanda sie.
  „Wie du meinst!“ Irene zog ihren Pullover über den Kopf und blickte dann in vier fragende Gesichter.
  „Sie hätten auch ins Bad gehen können, Schwester Irene“, sagte Cindy und deute auf das kleine Bad, das dem Zimmer angrenzte.
  „Wozu denn?“ fragte Irene und sah an sich runter, um schockiert den Blick wieder zu heben. „Tut mir Leid, anscheinend hab ich mein Schamgefühl in Salem Center vergessen!“
  Terry und Rahne mussten lachen; sie kannten Irene nicht anders, während so manch andere nicht wusste, ob sie lachen sollte.
  „Wir teilen uns sonst auch die Umkleidekabine mit den Schülerinnen“, erklärte Irene und zog das Shirt über. „Also kein Grund für verlegende Blicke.“
  „Sie hatten Recht, das Shirt ist zu klein!“ Terry schüttelte den Kopf und gab Irene ein anderes Shirt. „Versuchen Sie mal das hier!“
  Es dauerte bis zum Abendessen, bis alle was für sich gefunden hatte. Und direkt nach dem Abendessen ging es weiter mit Make Up und Frisuren.
Irene musste unweigerlich an die Hochzeit von Jean uns Scott denken; damals wurde aus ihrem Zimmer ein Friseursalon. Nur zu gut, dass es dieses mal nicht ihr Zimmer war, in dem die Mädels mit Haarspray und Schaumfestiger hantierten.
  „Und was ist mit Ihnen?“ fragte Gwen, die gerade von Irene die Haare geflochten bekam.
  „Ich trag meine Haare offen“, sagte Irene und sah zu Wanda, die gerade Rahne Lidschatten auftrug, „Und ich lasse mich nicht schminken, ich mach das selber!“
  „Okay. Sie können aber gerne mein Sachen benutzen!“ sagte Wanda und machte bei Rahne weiter.
  „Das ist nett von dir, Wanda“, sagte Irene. Aber bevor sie sich schminken konnten, wollte sie ihre Kontaktlinsen einsetzen und noch schnell ins Labor um ihre Proben in den Kühlschrank zu legen.


  Auf dem Weg zum Festland klingelte Irenes Handy. Sie kramte es aus der geliehenen Handtasche und sah drauf. Bevor sie dran ging, atmete sie noch mal tief durch.
„Hallo Kim… Kim, ich erklär dir gerne alles, jetzt fehlt mir gerade die Zeit… Notfall?“ Irene sah durch die Runde und musste dann doch grinsen, „Nicht wirklich, aber ich weiß nicht, wie lange ich noch Netz habe… Nein, nicht im Auto, auf einem Motorboot… Okay, wenn du es wirklich wissen willst… Kim, wenn Sam ausgeschlafen hat, dann soll sie dir alles erklären. Ach und wenn sie sich weigert, sag ihr einen schönen Gruß von Banshee… Okay, dann ruf ich dich Morgen wieder an. Bye!“
  „Ist alles in Ordnung?“ fragte Sandra. „Sie wirken etwas bedrückt.“
  Irene packte das Handy wieder weg und kniff sich in die Nasenwurzel. „Ja, alles in Ordnung. Ich weiß Sam in guten Händen, aber es könnte sein, dass ich eine gute Freundin verloren habe.“
  Sandra legte Irene einen Arm um die Schultern: „Wollen Sie darüber reden?“
  Irene schüttelte den Kopf: „Danke, aber das würde uns nur beide den Abend verderben.“
  „Wir sind gleich da!“ sagte Rahne, die am Steuer saß. Sie hätten auch auf der anderen Seite der Insel mit der Fähre fahren können, aber so mussten sie nur wenige Meter bis zum eigenen Boot gehen. Das kleine Motorboot war zwar gerade groß genug für alle und hatte nur ein dünnes Stoffdach, aber so konnten sie zurück wann sie wollten und konnten direkt beim Haus wieder anlegen.
  „Und Mädels, wenn wir das Boot verlassen, dann hört auf mich Schwester Irene zu nennen!“ sagte Irene, „Wenn ihr was von mir wollt, dann sprecht mich mit Irene an.“
  „Und das gilt auch für mich!“ sagte Sandra. „Um es in Irenes Worte zu fassen: Dr. Kalewood hab ich zu Hause vergessen!“
  Die Mädchen mussten darauf hin lachen und Irene sah, dass Sandra Terry zuzwinkerte.
  „Na dann wollen wir uns mal amüsieren!“ sagte Terry. Sie wäre fast schon aus dem Boot ausgestiegen noch bevor Rahne angelegt hatte.
  „Irene“ sprach Sandra sie leise an.
  „Ja?“
  „Wenn Sie nachher was trinken wollen, dann können Sie das gerne machen. Ich komm schon mit den Mädels zurecht.“
  „Das ist ja schon fast ein zu verlockendes Angebot“, sagte Irene und dachte darüber nach sich wirklich einen Drink zu genehmigen. Sie sah Sandra an und lächelte. „Danke!“
  Sandra erwiderte ihr Lächeln: „Nix zu Danken, dazu hat man doch Freunde.“


  In den Pub war nicht viel los, obwohl viele Plakate auf das Konzert hingewiesen hatten. Terry war kaum noch zu halten. Sie packte Irene beim Arm und zog sie mit sich durch die Reihen, bis sie an einen Tisch direkt an der Bühne erreicht hatte. Sie schob einen weiteren Tisch ran, damit auch alle zusammen sitzen konnten.
  „So ein Aufstand für eine Band, die keiner kennt!“ Cindy klang nicht sehr begeistert. Sie war nur mitgekommen, weil sie keine Lust hatte das ganze Wochenende zu Hause zu verbringen.
  „Du hast ja keine Ahnung!“ sagte Terry, „In den USA sind die Konzerte alle sehr schnell ausverkauft. Sei froh, dass du an der Abendkasse noch eine Karte bekommen hast, sonst würdest du draußen warten müssen!“
  „Meine Damen“, mischte sich Sandra ein, „wenn ihr euch streiten wollt, dann macht das draußen!“
  Das Machtwort von Sandra hatte gewirkt. Terry und Cindy sagten nichts weiter, aber setzten sich so weit es ging auseinander.
  „Welche Band spielt überhaupt?“ wollte Irene wissen. „Du hast mir keine Chance gelassen das Plakat zu lesen.“
  Terry wollte gerade antworten, aber da kam die Kellnerin und nahm ihre Bestellung entgegen.
Die Mädels und Sandra bestellten alle Limonade, während Irene Gin-Tonic orderte.
  „Kommt sofort!“ sagte die Kellnerin und stellte noch Salzgebäck und Nüsse auf den Tisch. Es dauerte nicht lange und sie brachte die Getränke.
  „Dann wollen wir den Abend mal genießen!“ sagte Irene und hob ihr Glas. „Cheers!“
  „Cheers!“ stimmten die Mädchen und Sandra mit ein und erhoben ihre Gläser.


  Es war schon fast Mitternacht als das kleine Grüppchen entschied zu gehen. Das Konzert selber war schon seit einer Stunde vorbei, aber die Band gab noch Autogramme und ließ sich mit ihren Fans fotografieren; das konnte sich natürlich keiner entgehen lassen. Sogar Irene ließ sich, neben dem Gruppenfoto mit und den Mädels, noch mal allein mit der Band ablichten.
Als sie dann das Pub verließen, kam ihnen ein kalter Wind entgegen.
  „Nun merk ich den Gin noch mehr!“ sagte Irene und griff sich an die geröteten, warmen Wangen.
  „Schaffen Sie es alleine zum Boot?“ fragte Rahne.
  „Keine Sorge, ich bin nicht besoffen“, Irene lachte, „Außerdem hab ich hohe Absätze und laufe auf groben Kopfsteinpflaster; das gleicht sich alles wieder aus!“
  Sandra schüttelte verzweifelt den Kopf: „Ich hätte Ihnen den dritten Drink verbieten sollen.“
  „Ich bin nicht besoffen!“ sagte Irene erneut und sah Sandra dabei durchdringend an. „Angeheitert – so können Sie mich nennen, aber nicht besoffen!“
  Sandra hob abwertend die Hände: „Es tut mir Leid, dass ich Sie noch nicht einschätzen kann.“
  „Schon gut…“ Irene sah neben Sandra her und schob sich an ihr vorbei. „Sandra, gehen sie mit den Mädchen zum Boot. Wenn ich in dreißig Minuten nicht zurück bin, holen Sie Hilfe.“
  „Irene“, Sandra packte sie am Arm. „Was ist los?“
  Irene trat näher an Sandra heran und wisperte: „Ich glaube, ich habe da einen von Moiras Schülern gesehen. Wenn wir jetzt alle da hin gehen, dann rennt er nur weg, daher will ich lieber allein hin und mich vergewissern.“
  Sandra packte Irene noch fester, doch sie befreite sich mit Leichtigkeit aus ihrem Griff und rannte auf eine Gasse zu.
  „Soll ich ihr nach?“ fragte Terry.
  „Nein, wir bleiben zusammen!“
  Irene drehte sich noch mal um und rief: „Ach und Sandra, es waren keine drei Gin-Tonic, es waren fünf!“


  Irene war es gewöhnt auf hohen Absätzen zu laufen. Sie konnte in ihren Stiefeln sogar besser laufen als in Turnschuhen. Und so rannte sie durch einige dunkle Gassen und verfolgte Vlad, den sie eben gesehen hatte.
„Vlad, ich weiß, dass du da bist! Komm raus und zeig dich! Ich werde dich schon nicht bei Moira verraten. Wir lassen uns da schon was einfallen!“
Sie lauschte, erhielt aber keine Antwort. So langsam fragte sie sich, ob sie sich nicht doch geirrt hatte, was bei fünf Drinks nicht ungewöhnlich wäre.
Bevor ihr Orientierungssinn sie nicht mehr zum Boot brachte, hörte sie Stimmen und lauschte erneut.
  „… mir entkommen. Er war einfach zu schnell.“
  „Wenigstens hat er kein Opfer gefunden.“
  Irene glaubte die Stimmen schon mal gehört zu haben, konnte sie aber niemanden zuordnen; und sie kannte hier auch niemanden außerhalb vom MRC.
  „Mein Kreuz sagt mir, dass er noch in der Nähe sein muss.“
  Nun wusste Irene, woher sie die Stimmen kannte und sie hatte kein Interesse daran, den zwei Männern noch mal zu begegnen.
Sie machte auf den Absatz kehrt und ging schnell zurück. Mit jedem Schritt klackerten ihre Absätze auf dem Kopfsteinpflaster und verrieten ihre Position.
  „Warten Sie, Miss!“ rief der einen ihr nach.
  Irene lief schneller, doch einer ihrer Verfolger schaffte es sie einzuholen und sie am Arm zu packen.
„Lassen Sie mich los!“ schrie Irene den Chinesen an und schlug mit ihrer freien Hand auf ihn ein. „Lassen Sie mich los, oder ich schreie!“
  „Miss, wir sind von New Scotland Yard“ sagte der zweite Mann und zeigte ihr seine Marke. Die andere Hand war zur Faust geballt, ein kleines Stück einer silbernen Kette preisgebend.
  Der Chinese ließ Irene los und entschuldigte sich dafür, dass er sie erschreckt hatte und sah sie fragend an. „Sind wir uns schon mal begegnet?“
  „Ich bin das erste Mal in Großbritannien!“ sagte Irene und sah den anderen Mann an.
  Er ging sich mit der Hand durch die blonden Haare und musterte Irene seinerseits.
  „Kann ich jetzt gehen, oder bin ich verhaftet?“
  „Es tut mir Leid, wenn wir Sie belästigt und erschreckt haben, Miss. Wir haben einen…“ er hielt kurz inne, „…einen Verbrecher verfolgt. Sie sind in die gleiche Richtung gelaufen.“
  „Vielen Dank, dass Sie mich beschützen wollten, aber ich muss Leider weiter. Gentlemen!“ Irene lächelte höflich und setze ihren Weg fort.
Sie verschwand hinter der nächsten Ecke und belauschte die Männer noch.
  „Verdammt… ich hab mir fast die Hand verbrannt!“ fluchte der blonde Mann.
  „Glaubst du, er hat die junge Frau in seinen Bann gezogen, John?“
  „Nein, ich glaube, dass er immer noch in der Nähe ist. Ich vermute, dass er sie als sein Opfer auserkoren hat. Wir sollten ihr folgen, damit wir zuschlagen können, sobald er sich ihr zeigt!“
  „Und was ist mit deiner Hand?“
  „Meine Hand muss warten, Suko, der Vampir hat Vorrang!“
  Was Irene da hörte, jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken und es bestätigte ihre Theorie über die vernichteten Blutproben.


  Irene konnte gar nicht schnell genug wieder auf Muir Island sein. Das Boot hatte noch nicht mal richtig angelegt, da kletterte sie auf den Steg im Bootshaus und rannte zum Haus.
Drinnen angekommen rannte sie direkt Sean in die Arme.
  „Schuhe aus!“ sagte er ihr und zeigte auf die Gras und Erdreste an Irenes Stiefeln.
  „Wo ist Vlad?“ fragte Irene, während sie ihre Stiefel auszog und ungeachtet in die Ecke stellte.
  „In seinem Zimmer und schläft. Warum? Ist was passiert oder hast du was gesehen?“
  „Ja, ich hab Vlad gesehen, als wir aus dem Pub kamen. Und als ich ihm folgte, sind mir zwei Polizisten begegnet die ihn auch suchen.“
  „Was redest du da?“ er beugte sich zu Irene runter, die ohne Schuhe nur so groß war wie ihre Schüler.
  „Die glauben, das Vlad ein Vampir ist!“
  Sean rümpfte die Nase: „Irene, hast du getrunken?“
  „Nein… Ja, aber ich bin nicht besoffen!“ Irene schob sich an Sean vorbei. Sie wollte jetzt direkt nach Vlad sehen. Doch als sie gerade zu dem Schlafzimmer des Schülers wollte, da hörte sie ein Geräusch aus der Küche und wollte dort zuerst nachsehen; aus dem Augenwinkel sah sie, dass Sean ihr folgte.
In der Küche war es dunkel. Nur das Licht des Mondes erhellte den Raum und ein schmaler Lichtstreifen, als eine dunkle Gestalt den Kühlschrank öffnete.
Irene stand in der Tür und griff nach dem Lichtschalter.
  Die Gestalt wurde geblendet und kniff die Augen zusammen: „Hey…“
  Irene erkannte Vlad, wie er eine Flasche Wasser in der Hand hielt.
  „Glückwunsch, Irene“, sagte Sean von hinten, „Du hast Vlad dabei erwischt, wie er sich noch was zu trinken holt.
  Irene missachtete Seans Kommentar und ging auf Vlad zu. Sie musste sich auf Zehenspitzen stellen, damit sie mit Vlad auf Augenhöhe war.
„Wo warst du?“
  „In meinem Zimmer, ich habe geschlafen, Schwester Irene!“ gab Vlad bereitwillig antwort.
  „Irene, das ist doch lächerlich!“
  „Und warum trägst du dann Jeans und Pullover, wenn du geschlafen hast?“
  „Irene…“
  „Sean, halt dich bitte da raus!“ sagte sie und wandte sich wieder an Vlad. „Ich höre!“
  Der Junge senkte den Blick: „Ich konnte nicht schlafen und bin raus gegangen…“
  „Siehst du, Sean, ich weiß doch, was ich gesehen habe!“
  „Mr. Cassidy, es tut mir Leid. Ich weiß, dass ich zu so später Stunde nicht mehr vor die Tür soll, aber ich war wirklich nur im Garten und hab das Grundstück nicht verlassen.“
  „Schon gut, Vlad. Aber zukünftig gehst du nur auf die Terrasse, wenn es dunkel ist und du alleine raus gehst!“
  Vlad nickte: „Ja, Mr. Cassidy. Darf ich dann wieder auf mein Zimmer? Ich würde nun wirklich gerne schlafen gehen.“
  „Gute Nacht, Vlad!“ sagte Sean und sah Irene an, die Vlad folgen wollte. „Du nicht, junge Dame!“
  „Behandle mich nicht wie einen Schüler!“ blaffte Irene ihm an.
  „Dann benimm dich nicht wie ein kleines Kind das zu viel Sherlock Holmes gelesen hat!“
  Irene baute sich vor ihm auf und tippte ihm mit dem Zeigefinger auf die Brust: „Sean, ich weiß, was ich gesehen habe!“
  „Und ich weiß, dass du anscheinend einen Drink zu viel hattest!“ Sean blieb ruhig, griff sanft nach Irenes Handgelenk und drückte ihren Arm nach unten.
  Von weitem waren die Stimmen der Mädchen zu hören, die nun auch das Haus erreicht hatten. Sie lästerten darüber, dass Irene wie von der Tarantel gestochen ins Haus gerannt war, weil sie anscheinend so dringend auf die Toilette musste – was bei den vielen Drinks nicht verwunderlich war.
  „Schlaf deinen Rausch aus, Irene, wir reden morgen weiter, wenn du wieder nüchtern bist!“
  „Sean…“
  „Gute Nacht!“ er sah wütend zu Irene und sein Blick verriet, dass er keine Widerworte duldete.
  Mit Wut im Bauch schob sich Irene an Sean vorbei und ließ es sich nicht nehmen, Sean noch anzurempeln.
„Ich weiß, was ich gesehen und gehört habe…“
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